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Full text of "Österreichische Zeitschrift für Bibliothekswesen"

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ZEITSCHRIFT 

DES ÖSTERREICHISCHEN VEREINES FÜR 

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BIBLIOTHEKSWESEN 


NEUE FOLGE DER „MITTEILUNGEN“ DES VEREINES 
III. JAHRG. (GANZER REIHE XVI.) 1912 


REDIGIERT VON 

D£ FRIEDRICH ARNOLD MAYER 

OBER BIBLIOTHEKAR DER K. K. UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK IN WIEN 



WIEN UND LEIPZIG 

WILHELM BRAUMÜLLER 

K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER 

1913 


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Alle Rechte Vorbehalten. 

O.-ö. Buchdruckerei- und Verlagsgesellschaft, Linz. 

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Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

Für die Erhöhung der Dotationen der österreichischen Uni¬ 
versitätsbibliotheken. V on k. k. Hofrat Dr. RichardKukula, 
Direktor der k. k. öffentl. u. Universitätsbibliothek in Prag . 1 

Zur Frage der Wiegendruck-Inventarisierung in Österreich. Von 
Dr. Hans Schleimer, Praktikant der k. k. Universitäts¬ 
bibliothek in Graz ... . . . . 10 

Aus österreichischen Handschriftenkatalogen. II. Von Professor 
Dr. Rudolf Wolkan, Oberbibliothekar der k. k. Universitäts¬ 
bibliothek in Wien.. . . 14 

Bücher, die nicht gesucht werden. Von Professor Dr. Moriz 

Gr ölig sen. in Wien...69 

Das „Meisterbuch“ der Olmützer Studienbihliothek. Von Willi¬ 
bald Müller, Direktor der k. k. Studienbibliothek in Olmütz 127 
Zur Geschichte der ehemaligen Hofbibliothek in Graz. Von 
Dr. Viktor Thiel, Leiter des k. k. Statthaltereiarchivs in 
Graz . ....206 


Münchener Bibliothekartag 1912: 

Die erste Tagung der deutschen, österreichischen und schwei¬ 
zerischen Bibliothekare. Von Professor Dr. Rudolf Wolkan, 
Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek in Wien. S. 76. 
(Sitzungsprotokoll des österr. Organisationskomitees S. 66, Pro¬ 
gramm S. 67.) 

Vorbildung des wissenschaftlichen Bibliothekars. VonDr. Ferd. 

E i c h 1 e r, Oberbibliothekar der k. k. Universitätsbibliothek in 

Graz . ..130 

Der mittlere Dienst. Von Dr. Friedrich Arnold Mayer, 
Oberbibliothekar der k. k. Universitätsbibliothek in Wien . . 138 
Vier Vorträge zur Verwaltungsreform der Bibliotheken . . . .185 
I. Zur Einführung. Von Dr. Hans von Mzik, Kustosadjunkt 
der k. k. Hofbibliothek in Wien. S. 185. —II. Mittlerer Dienst 
in Österreich. Von Dr. Friedrich Arnold Mayer, Ober¬ 
bibliothekar der k. k. Universitätsbibliothek in Wien. S. 189- 
Korreferat. Von Dr. Otmar Doublier, Kustos der k. k. 
Hofbihibliothek in Wien. S. 201. 


Österreichische u. Ungarische Rundschau .... 19, 81, 151, 210 
Österreich : Die Bibliotheken im Verwaltungsjahr 1910—1911. 

S. 19, 81, 151, 210. — Die Bibliotheken im Staatsvoranschlag 
für 1913. S. 213. —Aufhebung des Buchhändler-Rabattes S. 27. 
Viennensia von Spectator. S. 21, 84, 211. — Die Flug- 









IV 


I 


■y,_ Seite 

blättersammlung der k. k. Hofbibliothek. Von Pröf.Ä^R o b e r t 
F. Arnold, Kustos der k. k. Hofbibliothek in Wien. S. 152. 

— Von der Bibliothek der deutschen technischen Hochschule 
in Brünn. Von Dr. Ferdinand Banmhackl, Oberbibliothekar 
der deutschen technischen Hochschule in Brünn. S. 23. •— 
Steiermärkische Landesbibliothek. Von Dr. Paul Micori, Prak¬ 
tikant der k. k. Universitätsbibliothek in Graz. S. 25. — Aus 
Linz. Neue Funde. Von Prof. Dr. Konrad Schi ffmann, Di¬ 
rektor der k. k. Studienbibliothek in Linz. S. 26. — Aus Prag. 
Bibliothek des Museums des Königreiches Böhmen. Von Doktor 
Josef Volf, Skriptor der Bibliothek des Museums des König¬ 
reiches Böhmen. S. 87. — Polonica in Schweden von r. k. S. 26. 

— Standestragen. S. 214. 

Ungarn: Brief aus Budapest von Dr. Robert Braun, 
Bibliothekar der Stadtbibliothek in Budapest. S. 214. 

Deutsches Reich . 28, 89, 154, 217 

Berliner Brief. Von Dr. Richard Fick, Oberbibliothekar der 
Königl. Bibliothek in Berlin. S. 28. Von Dr. Paul Reiche, 
an der Königlichen Bibliothek in Berlin. S. 154. — Münchner 
Brief. Von Dr. Otto Glauning, Bibliothekar der Königl. Hof- 
und Staatsbibliothek in München. S. 36, 89, 217. 


Rundschau der Fremde. 41, 96, 161, 222 

Englischer Brief. Von Leonh. C. Wharton, Assistant am 
British Museum in London. S. 41. 22. — Die Bibliotheken des 
University College in London. Von Dr. Ferdinand Eichler, 
Oberbibliothekar der k. k. Universitätsbibliothek in Graz. S. 43. 

— Französischer Brief. Von Dr. Victor Chapot, Sousbiblio- 
thecaire der Bibliotheque Ste-Genevieve. S. 96, 228. — Italieni¬ 
scher Brief. Von O r az i o V i o 1 a, an der Reg. biblioteca nazio- 
nale centrale in Florenz. S. 44. — Niederländisches Bibliotheks¬ 
wesen. Von C. FI. E b b i n g e-W u b b e n, an der Königl. Bib¬ 
liothek in Haag. S. 161. — Dänisches Bibliothekswesen 1911. 

Von Viktor Madsen, Bibliothekar der Königl. Bibliothek in 
Kopenhagen. S. 55. — Norwegisches Bibliothekswesen von Karl 
Fischer, Bibliothekar der Stortingetsbibliothek in Christiania. 

S. 234. — St. Petersburger Brief. Von Eduard Alexandro- 
witsch Wolter, Bibliothekar der Kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften in St. Petersburg. S. 48. — Die amerikanischen 
Bibliotheken, Juli—Dezember 1911 und Jänner—Juni 1912. Von 
William Warner Bishop, Superintendent of the Reading 
Room, Library of Congreß, Washington. S. 110, 170. Die neue 
New-Yorker Bibliothek von Paul Hennig in Berlin. S. 105. 






V 


Volksbibliotheken.. ..172 

Die populären Bibliotheken des deutschen Sprachgebietes 
seit Ende 1911 von Dr. Karl Poelchau, Berlin-Charlotten¬ 
burg. S. 172. 


Besprechungen. 59, 107, 179, 242 

Börner, W. und Frankl, E.: Die Volksbücherei (K* Poelchau) .... 243 
Delisle, L.: Instructions pour la redaction d’ un Catalogue de manuscrits 

(R. Beer)...107 

Gardthausen, V.: Griechische Palaeographie I. (C. Wessely) . . . , . 108 

Jahresbericht der Gutenberg-Gesellschaft 9 u. 10 (A. Hübl).244 

Loewe, V.: Kritische Bücherkunde der deutschen Bildung. I. (M. Ortner) . 246 
Meister, Alte, der Medizin und Naturkunde, herausgegeben von G. Klein. 

(M. Neuburger). 109 

Milkau, F.: Die Bibliotheken (O. Glauning) ..179 

Milkau, F.: Die Königliche und Universitätsbibliothek zu Breslau. (G. A. 

Crüwell).60 

Mitjana, R.: Catalogue des imprimes de musique d’ Upsala (A. Schnerich) 248 
Nachtrag zum Katalog der k. k. Deutschen Technischen Hochschule in 

Brünn. (P. Trommsdorff).60 

Otten, B.: Die deutschen Volksbibliotheken uni Lesehallen (J. Volf) . . 62 

Taschenbuch des Bücherfreundes für 1911. II. Jahrg. (Th. Gottlieb) . . 111 

Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft. VIII—XI. (A. Hübl) . . 244 

Viennot, W.: Catalogue de la collection Äudeoud (M. Grolig sen.) . . . 182 

Verwaltungsbericht der k. k. Universitätsbibliothek in Wien. 4. Bericht. 

(Ch. Ruepprecht) ..59 

Vereinsnachrichrichten. 64, 113, 248 

Versammlungen und Sitzungen. S. 64,113. Aus dem Vortragssaale. 

S. 64. Ordentliche Hauptversammlung. S. 113. 

Amtliches. 250 

Personalnachrichten... 64, 117, 183, 250 

Direktor Prof. Dr. Alexander Semkowicz. Von Dr. Rudolf 
Kotula, Bibliothekar der k. k. Universitätsbibliothek Lemberg. 

Nekrologe: 

Alfred Daubrawa. Von Dr. Otmar Doublier, Kustos der 
k. k. Hof bibliothek in Wien. S. 65. — Siegfried Lipiner. Von 
EngelbertPernerstorfer, Vizepräsident des Abgeordneten¬ 
hauses in Wien. S. 121. — Karl Mandl. Von Dr. Josef 

Strobl, o. ö. Professor a. D. in Kreuzenstein. S. 183. 

Kleine Notizen.125 

Zur Beachtung. 126 

Berichtigung von H. Füchsel .*.184 

Als Beilage: Österreichische und ungarische Bibliographie des 
Bibliothekswesens 1911—12. I—II. Mit Begister. 



























ZEITSCH RI FT 

DES ÖSTERREICHISCHEN VEREINES FÜR 

B I B LI OTH E KSWE SEN 

N. F. DER „MITTEILUNGEN“ DES VEREINES. 


III. JAHRG. (GANZER REIHE XVI.) HEFT 1 MÄRZ 1912 


FÜR DIE ERHÖHUNG DER DOTATIONEN DER ÖSTERREICHI¬ 
SCHEN UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEKEN. 

Von Dr. Richard Kukula in Prag. 

Die Klagen über die Unzulänglichkeit der Bücherbestände der öster¬ 
reichischen Universitätsbibliotheken sind fast so alt wie diese Anstalten 
selbst. Niemals waren dieselben so recht in der Lage, den Professoren 
und Studierenden der Universitäten, sowie überhaupt den wissen¬ 
schaftlichen Arbeitern das notwendige literarische Material in aus¬ 
reichendem Maße zur Verfügung zu stellen. Es war eben niemals 
die Dotierung dieser Institute eine ausreichende und es wurden diese 
Verhältnisse erst dann etwas erträglicher, als man sich prinzipiell 
entschloß, das die Bibliotheken benützende Publikum in irgend einer 
Weise zur Stärkung der Bibliotheksdodationen heranzuziehen. So 
wenig populär auch dieser Gedanke im Augenblicke der Durchführung 
war, so sehr er auch anfangs den Widerstand der zuerst betroffenen 
Kreise, also der Universitätsstudierenden hervorrief, so hat sich 
derselbe doch seit 1906 nicht nur bei uns eingelebt, sondern er 
hat sogar in Preußen, das sonst gewöhnlich mit derartigen An¬ 
regungen führend vorangegangen ist, Nachahmung gefunden. Der 
mit dem Ministerial-Erlasse vom 30. September 1906 erfolgten Ein¬ 
führung der Bibliotheksbeiträge der Studierenden der österreichi¬ 
schen Universitäten ist mit April 1910 die provisorische und mit 
dem Erlasse des preußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts¬ 
und Medizinal-Angelegenheiten vom 2. November 1910 die definitive 
Einführung von Bibliotheksgebühren bei der Kgl. Bibliothek in 
Berlin und bei den preußischen Universitätsbibliotheken gefolgt. 
Diese preußischen Bibliotheksgebühren treffen allerdings bei weitem 
größere Kreise des Publikums der Bibliotheken und greifen auch 
radikaler in die Taschen dieser Kreise, als ihr Vorbild, die öster¬ 
reichischen Bibliotheksbeiträge der Universitätsstudierenden. Doch 
davon später mehr! 

Jedenfalls haben die 1906 an den österreichischen Universitäten 
eingeführten Bibliotheksbeiträge trotz ihres niederen Satzes (1 K 
per Person und Semester) für die Anschaffungsbudgets der Univer¬ 
sitätsbibliotheken eine nicht unbedeutende Erhöhung und damit eine 
zweifellose Verbesserung hinsichtlich der Bücheranschaffungen gegen- 

1 






2 


Kukula 


über dem früheren Zustande gebracht. Mit den nach der Ministerial- 
verordnung vom 30. November 1862 alljährlich von den Universi- 
sätsquästuren den Bibliotheken abgelieferten Matrikeltaxen und den 
Inskriptionsgebühren, welche seit 1905 von den außerordentlichen 
Hörern sowie den Frequentanten (Hospitantinnen) an den Universi¬ 
täten erhoben werden, zusammengenommen ergeben sie immerhin 
eine wünschenswerte, wenn auch in ihrem jährlichen Betrage schwan¬ 
kende Ergänzung zu den längst wieder unzulänglich gewordenen 
ordentlichen Dotationen der Universitätsbibliotheken. Der Staats¬ 
voranschlag für 1911 enthält diesbezüglich folgende Ansätze: 


Universitäts¬ 

bibliotheken 

Ord. 

Dotationen 

K 

Matrikeltaxen, Inskript. 
Gebühren, Bibl.-Beitr. 
K 

K 

Summe 

K 

Wien 

60.000 

45.800 

105.800 

[106.900 1 )] 

Prag 

36.000 

32.000 

68.000 

[ 67.600 ] 

Lemberg 

20.000 

18.700 

38.700 

[ 41.700 ] 

Krakau 

20.000 

14.400 

34.400 

[ 34.600 

Graz 

20.000 

10.100 

30.100 

[ 30.300 ] 

Innsbruck 

20.000 

6.800 

26.800 

[ 27.100 ] 

Czernowitz 

18.000 

6.000 

Gesamtsumme . 

24.000 

327.800 

[ 25.100 ] 
K [333.300] 


Im großen und ganzen sind diese Ansätze nach den bisherigen 
Erfolgen hinsichtlich der schwankenden Einnahmen ein wenig hoch 
angesetzt, da z. B. die Universitätsbibliothek in Wien im Rechnungs- 
jahre 1909 nach dem veröffentlichten Verwaltungsberichte dieser 
Anstalt 23.853 K 30 h an Matrikelgeldern und Inskriptionsgebühren 
und 18.672 K an Bibliotheksbeiträgen, also im ganzen nur 42.525 K 
30 h faktisch erhielt, während bei der Prager Bibliothek der fakti¬ 
sche Erfolg im Rechnungsjahre 1910 ebenfalls nur 16.598 K 59 h 
an Matrikeltaxen und Inskriptionsgebühren und 12.011 K an Biblio¬ 
theksbeiträgen, also im ganzen gar nur 28.609 K 59 h betrug. 

Doch abgesehen davon, können wir wohl die obige Gesamt¬ 
summe so beiläufig als den tatsächlich zu erwartenden Einnahmen¬ 
betrag der österreichischen Universitätsbibliotheken im Jahre 1911 
hinnehmen. Diese Summe ist ohnedem nicht überraschend hoch und 
nimmt sich neben den entsprechenden Einnahmeziffern der preußi¬ 
schen Bibliotheken, und zwar auch noch vor der Einführung der Bi¬ 
bliotheksgebühren, noch weniger imponierend aus. 

Setzen wir nur einmal die im Jahrbuche der deutschen Biblio¬ 
theken für 1910 publizierten Ziffern der sachlichen Ausgaben der 
preußischen Bibliotheken für die Verwaltungsjahre 1908/09 zur Ver¬ 
gleichung her: 

Universitätsbibliotheken Sachliche Ausgaben 

Mk. Mk. 

Berlin 58.937 [ 44.236 2 )] 

Göttingen 64.043 [ 65.343 ] 

*) Für 1912 haben wir in eckigen Klammern die Zahlen, soweit sie sich 
geändert haben, beigesetzt. D. Red. 

*) In eckiger Kiammer sind wieder die neuesten Zahlen aus dem Jahrbuch 
lür 1911 eingesetzt. D. Red. 








Für die Erhöhung der Dotationen 


3 


Universitätsbibliotheken 

Sach 

Mk. 

Übertrag . 

122.980 

Breslau 

48.912 

Bonn 

40.766 

Königsberg 

37.386 

Greifswald 

35.036 

Kiel 

34.593 

Münster 

34.043 

Halle 

32 738 

Marburg 

31.952 

Gesamtsumme . 

418.406 


Mk. 

[109.579 ] 
[ 50.467 ] 
[ 42.052 ] 
[ 38.378 ] 
[ 32.791 ] 
[ 33.188 ] 
[ 31.614 ] 
[ 33.007 ] 
[ 32.170 ] 


[403.246 ] 

Zu dieser Tabelle muß vor allem bemerkt werden, daß die be¬ 
treffenden Einnahmeziffern für die Wiener und die Berliner Uni¬ 
versitätsbibliothek wegen der ganz verschiedenen Verhältnisse über¬ 
haupt nicht in Vergleich gezogen werden können. Die Berliner 
Universitätsbibliothek ist vom preußischen Staate bis vor kurzem 
nur als eine reine Studien- und Handbibliothek verwaltet und neben 
der reichdotierten Kgl. Bibliothek, der Zentralbibliothek des Staates, 
die im Verwaltungsjahre 1908/09 sachliche Ausgaben von 332.562 Mk. 
[1909/10: 385.802 Mk.] nachweisen konnte, ganz stiefmütterlich be¬ 
handelt worden. Erst seit einigen Jahren und namentlich in der 
letzten Zeit sucht man die Kgl. Bibliothek wieder durch eine höhere 
Dotierung der Universitätsbibliothek etwas zu entlasten. Hingegen 
hat die Wiener Universitätsbibliothek, ohne dazu bestimmt zu sein, 
eigentlich gleichzeitig als österreichische Zentralbibliothek zu dienen 
und da entspricht die Dotierung derselben dieser Kolle wohl in 
keiner Weise. Wenn man aber dementsprechend die Wiener und 
die Berliner Universitätsbibliothek aus der Vergleichung ausscheidet, 
so haben eigentlich bloß die Prager und die Lemberger Bibliothek 
eine der Dotierung der preußischen Universitätsbibliotheken vor der 
Einführung der Bibliotheksgebühren einigermaßen entsprechende 
Einnahmeziffer aufzuweisen. 

Und diese Situation wird für die österreichischen Bibliotheken 
noch dadurch verschlimmert, daß man bei Einführung der Bibliotheks¬ 
beiträge, da man die Unpopularität derselben ahnte, an die Ein¬ 
führung derselben die Bedingung knüpfte, daß sie zum größten 
Teile zur Anschaffung von Lehr- und Handbüchern, Autoren texten 
und anderem, speziell für die Universitätsstudierenden und Lehr¬ 
amtskandidaten wichtigen Büchermateriale zu verwenden seien. Nach¬ 
dem über diese Art der Verwendung alljährlich im amtlichen Jahres¬ 
berichte der Bibliotheksverwaltungen ziffermäßige Ausweise vorzu¬ 
legen sind, so sind den Bibliotheksvorständen in Bezug auf die Ver¬ 
wendung dieser Einnahmeziffern teilweise die Hände gebunden. Am 
schlimmsten steht es da, wie wir gleich sehen werden, gerade an der 
Prager Universitätsbibliothek. So wie sich jetzt überall von selbst 
die Verhältnisse herausgebildet haben, können die Bibliotheken mit 
den ordentlichen Dotationen selbst überhaupt nicht mehr rechnen, da 

1* 








4 


Kukula 


diese für die Bedeckung der Kosten der laufenden Zeitschriften und 
Fortsetzungswerke, für die Buchbinder-, Kanzlei- und Reinigungs¬ 
auslagen, welch’ letztere ja sämtlich aus der ordentlichen Dota¬ 
tion zu bestreiten sind, bereits über ihren Betrag hinaus festgelegt 
sind. Auch die Bibliotheksbeiträge kommen für den Ankauf von 
Novitäten, für das unausweichliche Neuabonnement von Zeitschriften 
und Fortsetzungswerken nach der oben erwähnten teilweisen Be¬ 
stimmung derselben zum Ankauf von Studienbüchern, besonders 
von Dubletten von Lehr- und Handbüchern u. dgl. nur zum Teile 
in Betracht. Es bleibt also fast nur der Erlös aus den Matrikel¬ 
taxen und Inskriptionsgebühren für den Novitätenankauf zur Dis¬ 
position. Aber auch dieser ist in Prag so ziemlich ganz für be¬ 
stimmte Zwecke in Anspruch genommen. Nach den alljährlich bei 
der Abgabe des Gutachtens über den Jahresbericht der Bibliothek 
geäußerten Wünschen der beiden Prager akademischen Senate sollen 
die von der deutschen Universität abgeführten Matrikeltaxbeträge 
hauptsächlich zum Ankauf deutscher, besonders deutschösterreichi¬ 
scher Litteraturwerke, in welcher Hinsicht früher an der Bibliothek 
nicht weniger als alles fehlte, und die von der böhmischen Univer¬ 
sität abgeführten Taxen ganz zum Ankauf der ebenso unzulänglich 
vertretenen Slavica, namentlich Bohemica, verwendet werden. Unter 
diesen Umständen ist natürlich an der Prager Bibliothek die Lage 
hinsichtlich der Unzulänglichkeit der zum Ankauf von Novitäten 
verfügbaren Gelder eine geradezu verzweifelte. 

Wie oben gezeigt, war die finanzielle Situation der preußischen 
Universitätsbibliotheken schon vor der Einführung der neuen Biblio¬ 
theksgebühren im großen und ganzen bei weitem besser, als dies 
bis heute bei den österreichischen Schwesteranstalten der Fall ist. 
Die Berliner Königliche und die dortige Universitätsbibliothek 
zusammen standen da turmhoch über der Wiener Universitäts- und 
der Hofbibliothek; die Prager Universitätsbibliothek hat heute Ein¬ 
nahmen, die zwischen den damaligen Einkünften von Göttingen 
und Breslau etwa in der Mitte, jedoch näher an das besser dotierte 
Göttinger Institut liegen, und die Lemberger Bibliothek könnte 
etwa mit der Hallenser Schritt halten. Die übrigen österreichischen 
Anstalten haben heute weit geringere Geldmittel zur Verfügung, 
als noch im Jahre 1909 selbst die kleinste preußische Universitäts¬ 
bibliothek, jene in Marburg an der Lahn. 

Natürlich wollen da die Klagen, welche schon seit Jahren über 
die Unzulänglichkeit der Bestände der österreichischen Universitäts¬ 
bibliotheken auch in der breiten Öffentlichkeit erhoben werden und 
welche sich mit den bis zum Vorjahre in Preußen erhobenen dies¬ 
bezüglichen Klagen decken, nicht verstummen. Es ist eben den 
österreichischen Bibliotheken infolge der geringen Höhe ihrer Do¬ 
tierung und anderer Umstände, welche im folgenden, nachdem die¬ 
selben schon oft und oft öffentlich besprochen worden sind, nur 
kurz erörtert werden sollen, nunmehr bereits ganz unmöglich ge¬ 
worden, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Der Ankauf selbst 




Für die Erhöhung der Dotationen 


5 


der wichtigsten Novitäten wird immer schwieriger und die Lücken in 
den Bücherbeständen werden immer größer und auffallender. 

Nach den statistischen Berechnungen in den letzten Jahrgängen 
des Jahrbuches der deutschen Bibliotheken konnten die preußischen 
Universitätsbibliotheken bis Anfang 1910 jährlich durchschnittlich, 
wenn die Kgl. Bibliothek in Berlin, welche z. B. 1908 9 schon 
45.249 Mk. (1909/10 nur: 32.182 Mk.) für den Ankauf von Novitäten 
verwenden konnte, hiebei außer Rechnung bleibt, nur etwa 4000 
bis 4600 Mk. pro Anstalt für neue Bücher ausgeben. Mit diesem 
Durchschnittsbetrage, den wohl mancher Gelehrte im Jahre für 
seine Privatbibliothek aufzuwenden in der Lage ist, konnte selbst¬ 
verständlich von den Bibliotheksvorständen sogar für die wichtigsten 
wissenschaftlichen Fächer nur in kümmerlichster Weise vorgesorgt 
werden. Was die österreichischen Universitätsbibliotheken betrifft, so 
sind, wie gleich bemerkt werden soll, die betreffenden Aufwendungs¬ 
ziffern für die Wiener Universitätsbibliothek, welche in der verhältnis¬ 
mäßig auch nur schwach dotierten Hofbibliothek kein der Berliner Kgl. 
entsprechendes Institut zur Entlastung neben sich hat, und für die Prager 
Bibliothek zweifellos weit höher, als diese preußische Durchschnitts¬ 
ziffer. Aber zum Teile sind diese besseren Ziffern in Wien und 
Prag auch nur eine Folge der größeren Zurückhaltung der öster¬ 
reichischen Universitätsbibliotheken in Bezug auf das Zeitschriften- 
Budget und zum Teile eine Folge der geringen Teilnahme an dem 
antiquarischen Büchermärkte. Wann könnte z. B. eine österreichische 
Bibliothek einen der Summe von 11.268 Mk., welche im Jahre 1908/9 
die Berliner Universitätsbibliothek für den Ankauf antiquarischer 
Werke verwendete, auch nur annähernd entsprechenden Betrag für 
diesen Zweck zur Verwendung bringen? Im ganzen werden jedoch 
die Klagen über die bis 1910 vollkommen ungenügende Durch¬ 
schnittssumme, welche den preußischen Universitätsbibliotheken jähr¬ 
lich für den Ankauf von Novitäten zur Verfügung stand, auch 
für die österreichischen Anstalten und erst recht für die kleinsten 
derselben, also Innsbruck und Czernowitz, zutreffen. 

Und dabei wird diese Unzulänglichkeit der Dotationssummen 
von Jahr zu Jahr größer und von Jahr zu Jahr verhängnisvoller. 
Man denke da nur vor allem an die alljährliche gewaltige Steigerung 
der wissenschaftlichen Bücherproduktion und an die fortschreitende 
Erhöhung der Bücherpreise! In allen Kulturländern, also vor allem 
auch im Deutschen Reiche, ist in der letzten Zeit die Zahl der er¬ 
schienenen Bücher unerhört gestiegen. Es genügt da wohl, die er¬ 
mittelten Gesamtziffern für drei Vergleichsjahre anzuführen. 


J ahr: 

Zahl der deutschen Verlagsartikel: 

Preis: 

1880 

rund 14.900 

rund Mk. 65.200 

1900 

„ 24.800 

„ „ 105.200 

1906 

„ 28.700 

„ „ 118.000 

[1910] 

[ „ 31.300] 

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Die preußischen Uni v.-Bibliotheken, welche im Jahre 1880 bei einer 
Durchschnittsdotation von 19.000 Mk. noch etwa 25 % der erschienenen 






6 


Kukula 


deutschen Bücher und Zeitschriften erwerben konnten, waren 1906 
bei einer Durchschnittsdotation von 30.000 Mk. nur mehr imstande, 
etwa 20 °/o und bei Berücksichtigung der allerwichtigsten fremd¬ 
ländischen Literaturen und der Bindekosten nur mehr etwa 10 % 
der erschienenen deutschen Literatur zu erwerben. Wilhelm Erman 
berechnet im Juniheft des Jahrganges 1910 des Z. f. B. den Laden¬ 
preis aller im Jahre 1909 in Deutschland erschienenen Bücher, deren 
Anschaffung für eine große, mit reichen Mitteln versehene wissen¬ 
schaftliche Bibliothek in Frage kommen kann, mit 60.306 Mk. Die 
österreichischen Universitätsbibliotheken können augenblicklich mit 
einer Durchschnittsdotation von etwa 38.000 Mk. rechnen, aus welcher 
alles: Ankäufe, Einbände, Kanzlei- und Reinigungsauslagen bestritten 
werden müssen. Und für 60.000 Mk. etwa waren bloß aus dem deutschen 
Verlage des Jahres Bücher für jede Bibliothek dringendst zu er¬ 
werben ! Braucht es da noch weiterer Berechnungen, um die von 
Jahr zu Jahr steigende Unzulänglichkeit der österreichischen Bib¬ 
liotheksdotationen ins richtige Licht zu setzen? 

Mit der Steigerung der wissenschaftlichen Bücherproduktion 
geht aber auch eine gewaltige Steigerung der Preise der einzelnen 
wissenschaftlichen Werke, namentlich fast aller wichtigeren Zeit¬ 
schrifteninfolge der eingetretenen Erhöhung besonders der Papierpreise 
und der Preise aller Buchdruckerarbeiten Hand in Hand. Schon infolge 
der großartigen Fortschritte der einzelnen Gattungen der modernen 
Reproduktionsverfahren und infolge der erst durch dieselben ermög¬ 
lichten Herstellung großartiger Tafel- und Illustrationsbeilagen werden 
die Bücher immer kostspieliger. Man braucht da bloß an die großen 
Reproduktionswerke, die erst nach der Erfindung dieser neuen Ver¬ 
fahren möglich wurden, etwa an die verschiedenen Reproduktionen 
klassischer Handschriften und andere derartige Werke, zu denken, 
die eine Universitätsbibliothek zweifellos erwerben muß. Überdies 
werden die buchhändlerischen Unternehmungen immer umfangreicher 
angelegt und entstehen infolge der Unterstützung von Akademien 
und größeren wissenschaftlichen Vereinigungen immer größere 
Sammelwerke und umfangreichere Serienpublikationen, die ebenso¬ 
wenig, wie die eben angeführten Tafel werke, gerade von den Uni¬ 
versitätsbibliotheken übergangen werden können. Mit der Vermehrung 
und fortschreitenden Differenzierung der einzelnen wissenschaftlichen 
Fächer, mit der enormen Spezialisierung der Wissenschaften wächst 
die Zahl der Zeitschriften und Sammelwerke ins Ungemessene. 
Schließlich erschweren auch noch andere Nebenumstände die Lage 
der Bibliotheken. So sind, wie erwähnt, in den letzten Jahren die 
Kosten der Buchbinder- und Buchdruckerarbeiten, sowie der Papier¬ 
waren parallel mit der eingetretenen allgemeinen Teuerung fort¬ 
laufend gestiegen und ist daneben der früher den Bibliotheken ge¬ 
währte Buchhändlerrabatt überall herabgesetzt und teilweise ganz 
abgestellt worden u. dgl. m. 1 ) 


*) Vgl. diese Zs. 3, S. 27. D. Red. 






Für die Erhöhung der Dotationen 


7 


Diese schwierige Situation, in welcher sich derzeit alle wissen¬ 
schaftlichen Bibliotheken befinden, hat nun die preußische Regierung, 
wie bereits erwähnt, zur Einführung der Bibliotheksgebühren ge¬ 
führt. Die Höhe dieser Gebühr wurde mit 5 Mk. pro Jahr oder 
mit 2.50 Mk. pro Semester bemessen, wobei die Gebühr aber nur für 
die Entlehnung von Büchern erhoben wird, während die Benutzung 
der Lesesäle wie früher unentgeltlich bleibt. Aus diesen Gebühren, 
welche für alle Uniyersitätsstudierenden obligatorisch sind, und 
sonst, wie gesagt, nur den Entlehnern vor geschrieben werden, hat 
man für die einzelnen Universitätsbibliotheken folgende jährliche 
Erträge erwartet, die, wie man hört, auch bis jetzt nicht nur fak¬ 
tisch erreicht, sondern noch übertroifen worden sind: 

Berlin 37.500 Mk., Bonn 18.000 Mk., Breslau 14.000 Mk., 
Göttingen 13.000 Mk., Greifswald 5250 Mk., Halle 12.500 Mk., 
Kiel 7500 Mk., Königsberg 8000 Mk., Marburg 9500 Mk., Münster 
9000 Mk. In Summe: 134.250 Mk.! 

Außerdem hat die preußische Regierung zur Erleichterung der 
finanziellen Situtation der Universitätsbibliotheken neben der Neu¬ 
einführung dieser Gebühren das schon lange in den Fachzeitschriften 
lebhaft erörterte Prinzip akzeptiert, einzelnen Bibliotheken behufs 
Ermöglichung einer intensiveren Pflege einzelner fremdländischer 
Literaturen, die dann an den übrigen preußischen Bibliotheken weniger 
beachtet zu werden brauchen, besondere jährlich wiederkehrende 
Dotationen anzuweisen. Darnach erschien schon im preußischen 
Staatsetat pro 1910 bei den 10 Universitätsbibliotheken zusammen 
vorerst eine Summe von 150.000 Mk. als Erhöhung des ordentlichen 
Erfordernisses eingestellt. Dazu kamen dann noch jährlich 10.000 Mk. 
für die weit zurückgebliebene Berliner Universitätsbibliothek, 8000 Mk. 
für Bonn zur besonderen Pflege der niederländischen und aller 
romanischen Literaturen, 8000 Mk. bei Göttingen für englische und 
amerikanische, 4000 Mk. bei Kiel für nordische und 4000 Mk. bei 
Breslau für slawische Werke. Der gesamte Mehrbetrag betrug also 
184.000 Mk. (Berlin 24.500 Mk., Bonn 26.000 Mk., Breslau 18.000 Mk. 
Göttingen 26.000 Mk., Greifswald 12.500 Mk., Halle 17.000 Mk., 
Kiel 14.000 Mk., Königsberg 15.000 Mk., Marburg 15.000 Mk., 
Münster 16.000 Mk.). Die Einnahmen aus den Bibliotheksgebühren 
waren nach der obigen Tabelle mit 134.250 Mk. veranschlagt, wo¬ 
von aber die Summe von 13.000 Mk. abzuziehen ist, welche die 
Berliner Universitätsbibliothek an die Kgl. Bibliothek als Entgelt 
dafür abzuführen hat, daß die Berliner Universitätsstudierenden an 
der Kgl. Bibliothek gebührenfrei bleiben. Der Staat hatte also 
zur Erlangung der veranschlagten Gesamterfordernissumme von 
184.000 Mk. noch einen Zuschuß von 62.750 Mk. zu leisten. Übrigens 
muß erwähnt werden, daß die Bibliotheksgebühren im allgemeinen 
auch für die Kgl. Bibliothek in Berlin gelten, und daß im Etat 
diesbezüglich 27.000 Mk. eingesetzt waren, so daß diese Bibliothek 
jetzt mit der gewaltigen jährlichen Vermehrungsdotation von 
226.400 Mk. rechnen kann. 




8 


Kukula 


Die neue Bibliotheksgebühr in Preußen trifft, wie bereits wieder¬ 
holt erwähnt, nicht die Lesesaalbenutzung, sondern nur die Entlehner 
und es sind der Gebühr alle einheimischen und auswärtigen preußi¬ 
schen Entlehner unterworfen, wobei jedoch bei den letzteren die 
Berechnung einer Yerpackungsgebühr entfällt. Die Zahlung der 
Gebühr an einer preußischen Staatsbibliothek befreit von der Ent¬ 
richtung derselben an jeder anderen derartigen Anstalt. Die Studieren¬ 
den der Universitäten zahlen, ob sie Bücher entlehnen oder nicht, eine 
Bibliotheksabgabe von 2‘50 Mk. pro Semester zugleich mit den 
sonstigen Universitätsgebühren. Den Universitäten ist es überlassen, 
ob sie von ihren Professoren und Dozenten die Bibliotheksgebühr 
ebenfalls erheben wollen. Die Berliner Universität hat, wie inzwischen 
bekannt geworden ist, die Erhebung der Gebühr auch für ihr Lehr-, 
personal zugestanden. Der Gesamtertrag der Bibliotheksgebühren 
hat ganz dem Yermehrungsfonds der einzelnen Bibliotheken zugute 
zu kommen. 

Die preußischen Universitätsbibliotheken haben durch die Ein¬ 
führung dieser Bibliotheksgebühren mit einem Schlage eine Er¬ 
höhung ihrer Dotationseinnahmen um die Hälfte des bisherigen 
Betrages erreicht, sie können nunmehr mit einer Gesamtdotation 
von rund 480.000 Mk. jährlich rechnen. Wie klein nimmt sich da¬ 
neben der entsprechende Gesamtbetrag von 327.800 K aus, welcher 
im österreichischen Staatsvoranschlage pro 1911 für die sieben öster¬ 
reichischen Universitätsbibliotheken eingestellt erscheint! Dieser 
große Unterschied wird für die Mehrzahl der österreichischen Bi¬ 
bliotheken noch dadurch ins Ungemessene erhöht, daß auf die zwei 
größeren Bibliotheken in Wien und Prag allein weit mehr als die 
Hälfte dieser Gesamtziffer, nämlich der Betrag von 173.800 K, 
entfällt. 

Es muß also jetzt, nachdem die preußischen Universitätsbiblio¬ 
theken für eine absehbare Zahl von Jahren befriedigt sind, auch für 
die österreichischen Schwesteranstalten etwas geschehen. Leider ist 
hier der Weg des erhöhten Staatszuschusses, einer Erhöhung der 
ordentlichen Jahresdotation, infolge der augenblicklich schlechten 
Finanzlage des Staates derzeit zweifellos ungangbar. Man kann 
nur an eine Erhöhung und eventuell an eine Umgestaltung der 
jetzigen Bibliotheksbeiträge der Studierenden in der Dichtung, welche 
die preußischen Bibliotheksgebühren zeigen, denken. Das preußische 
Ministerium hat gleich ganze Arbeit gemacht und eine ausreichende 
Sanierung der Bibliotheksdotationen kurzwegs durchgeführt. Nach¬ 
dem dies bei uns derzeit ausgeschlossen ist, so möge man sich wenig¬ 
stens an das Mögliche halten und sich zuerst dazu entschließen, die 
Bibliotheksbeiträge der Universitätsstudierenden zu erhöhen. Kann 
der preußische Student per Semester 2'50 Mk., pro Jahr 5 Mk. für 
die Bibliothek zahlen, so dürfte der österreichische Student doch 
auch einen Bibliotheksbeitrag von 2 K per Semester, also von 4 K 
pro Jahr, erschwingen können. Weiters müßte man sich dazu ent¬ 
schließen, die Bibliotheksbeiträge der Studierenden — die Univer- 



9 


Für die Erhöhung der Dotationen 


sitätsprofessoren und -Dozenten mögen auch in Zukunft von dieser 
Steuer befreit bleiben — zu erweitern. Alle außerhalb der Studenten¬ 
kreise der Universitäten stehenden, also alle an den Universitäten 
nicht inskribierten Benützer der Bibliotheken sollen, soweit sie nicht 
nur einmal im Jahre — hierfür müßte, wie in Preußen, Gebühren¬ 
freiheit statuiert werden — sondern regelmäßig entlehnen, zum Er¬ 
läge einer Bibliotheksgebühr herangezogen werden. Da würden 
dann endlich die zahlreichen Prüfungskandidaten, namentlich jene 
an den philosophischen Fakultäten, welche die Bibliotheken, ohne 
an der Universität mehr inskribiert zu sein, eigentlich am meisten 
benützen und den Großteil der Entlehner bilden, ein wenig in 
Kontribution gesetzt werden. Man hat von fachkundiger Seite 
vor Einführung der österreichischen Bibliotheksbeiträge öffentlich 
darauf hingewiesen, daß es sich bei der Heranziehung der nicht 
studentischen Entlehner zum Erläge der Gebühr nur um so wenige 
Personen handeln würde, daß sich die für die Bibliotheken aus 
dieser Heranziehung zweifellos in Folge der Notwendigkeit der 
Ausstellung von etwa mit der Photographie der betreffenden Ent¬ 
lehner zu versehenden Bibliothekskarten entstehende Mehrarbeit nicht 
lohnen würde. Doch hat man bei dieser Beurteilung jedenfalls 
vorausgesetzt, daß die Prüfungskandidaten von der Gebühr auf alle 
Fälle befreit bleiben sollen. Allein es ist gar nicht einzusehen, 
weshalb dies gerade den Kandidaten, deren Ansprüche an die Biblio¬ 
theksverwaltungen in jeder Beziehung ganz außerordentliche sind, 
zugestanden werden soll. 

Es wäre sogar die Frage zu erwägen, ob nicht auch in Öster¬ 
reich, wie in Preußen, die regelmäßigen auswärtigen Entlehner, 
welche nicht durch eine Staatsbibliothek, sondern durch die Direktion 
einer Mittelschule, die Yorstehung eines Amtes oder mit Genehmi¬ 
gung des Ministeriums privat ins Haus Bücher beziehen, zur Ab¬ 
gabe einer Gebühr herangezogen werden sollen. Wenn für jedes 
an einen solchen Entlehner abgehendes Bücherpaket nur eine Ge¬ 
bühr von 10 bis 20 Hellern eingehoben würde, so könnte wieder 
ein ganz namhafter Betrag im Jahre erzielt werden. Bei einer 
Erhebung von nur 20 Hellern pro Paket würde z. B. die Prager 
Bibliothek bei der Gesamtzahl von 649 im Jahre 1910 nicht an andere 
Staatsbibliotheken versendeten Bücherpaketen immerhin eine Ein¬ 
nahme von fast 130 K erzielt haben. 

Doch dies mag vorläufig zum Gegenstände weiterer Erwägungen 
gemacht werden. Augenblicklich handelt es sich vor allem darum, 
recht bald eine namhafte Stärkung der Anschaffungsfonds der öster¬ 
reichischen Universitätsbibliotheken einerseits durch eine Erhöhung 
der bisherigen Bibliotheksbeiträge der Studierenden auf den doppel¬ 
ten Betrag und andererseits durch die Herbeiziehung der nicht¬ 
studentischen Entlehner zum Erläge dei* erhöhten Gebühr zu er¬ 
reichen. Der finanzielle Erfolg dieser beiden Maßnahmen wäre 
gewiß nicht zu unterschätzen. Vor allem würden die bisherigen 







10 


Schleimer 


Bibliotheksbeiträge der Universitätsstudierenden für die einzelnen 
Bibliotheken folgenden Mehrertrag ergeben: 


Wien 

rund 

19.000 

bis 

20.000 

Prag 


13.000 

?? 

14.000 

Lemberg 

y> 

10.000 

?? 

11.000 

Krakau 


7.000 


8.000 

Graz 

?? 

4.500 


5.000 

Innsbruck 

?: •> 

2.500 


3.000 

Czernowitz 

■>? 

2.000 


2.500 


Schwieriger ist es natürlich, den Ertrag der zweiten vor¬ 
geschlagenen Maßnahme, der Einhebung der Gebühr von den nicht¬ 
studentischen Entlehnern, irgendwie zu veranschlagen. Immerhin 
kann vorausgesetzt werden, daß es an der Wiener Universitäts¬ 
bibliothek doch wenigstens 800,*) an der Prager 500 und an jeder 
der übrigen Bibliotheken 200 bis 300 solche gebührenpflichtige Ent- 
lehner im Jahre geben wird. Also auch aus diesem Titel würden 
sich bei Annahme auch dieser Gebühr mit 2 K per Semester, also 
4 K pro Jahr, namhafte Einnahmen für die Bibliotheken ergeben. 

Vielleicht erachten die Fachgenossen die vorstehenden An¬ 
regungen als wichtig genug, um sich zu denselben in diesen Blättern 
eingehend zu äußern, und hoffentlich resultiert aus der sich dann 
ergebenden Diskussion und aus entsprechenden Eingaben der Bib¬ 
liotheksverwaltungen für die österreichischen Universitätsbibliotheken 
jene neuerliche Stärkung ihrer Anschaffungsfonds, welcher dieselben 
zweifellos dringend bedürfen. 


ZUR FRAGE DER WIEGENDRUCK-INVENTARISIERUNG IN 

ÖSTERREICH. 

Bekanntlich ist im Jahre 1904 von dem preußischen Kultus¬ 
ministerium eine fünfgliedrige Kommission ernannt worden, die das 
hohe Ziel verfolgt, an Stelle der bisherigen unzulänglichen und 
unvollständigen Wiegendruck-Bibliographien ein umfassendes Re¬ 
pertorium bibliographicum auf internationaler Grundlage zu schaffen. 
Wie nun das Kommissionsmitglied Prof. Dr. K. Haebler berichtet, * 2 ) 
ist die erste Aufgabe, die Inventarisierung der Drucke des 15. Jahr¬ 
hunderts, in den Bibliotheken der deutschen Bundesstaaten beieits 
durchgeführt und die Lösung der zweiten Aufgabe, die Katalo¬ 
gisierung, in Angriff genommen worden. Haebler gibt in seinem 
Berichte auch einen kurzen Überblick über den Stand der In¬ 
ventarisierungen in den außerdeutschen Ländern und kann einen 
erfreulichen Fortgang der Arbeiten in den meisten europäischen 
Kulturstaaten konstatieren. Die deutsche Kommission verfügt be- 

0 Nach einer für die Wiener Universitätsbibliothek für das letzte Jahr 
durchgeführten Zählung ist hier die Anzahl der nichtstudentischen Entlehner 
(Inhaber von Entlehnungskarten) eine weit geringere. D. Red. 

2 ) Man vgl. Z. f. B., Jg. 28 (1911), Heft 7 u. 8, S. 318—325. 










Wiegendruck-Inventarisierung 


11 


reits über die Wiegendruck-Inventare von Schweden, Norwegen, 
Dänemark, Spanien und Portugal. In der Schweiz, in Belgien und 
Holland sind die Arbeiten in vollem Gange und sogar in den Ver¬ 
einigten Staaten hat das deutsche Unternehmen die Unterstützung 
der Bibliographical Society of America gefunden. In Frankreich 
wird an dem französischen Gesamtkataloge, der für den Weltkatalog 
ebenfalls verwertet werden soll, eifrig weitergearbeitet. In Italien 
und England, welche Länder dem deutschen Unternehmen nicht 
das nötige Interesse entgegenbringen, will die Kommission die 
größeren Inkunabelsammlungen durch Entsendung von Mitarbeitern 
durchforschen lassen. Alle diese Tatsachen lassen die Hoffnung be¬ 
gründet erscheinen, daß der deutsche Katalog das werden wird, 
als was er geplant ist, ein grundlegendes Werk für die gesamte 
Inkunabelkunde. 

Welche Stellung nimmt nun Österreich dem geplanten Werke 
gegenüber ein? In Österreich war die Frage der Wiegendruck-In¬ 
ventarisierung zuerst im Jahre 1907 aufgerollt worden. Auf Grund 
einer Vorbesprechung beim deutschen Bibliothekartage in Bamberg 
kam es damals im Österreichischen Verein für Bibliothekswesen 
zur Bildung eines Wiegendruck-Ausschusses, als dessen Vertreter 
Kustos Dr. Theodor Gottlieb aus Wien an der Sitzung der reichs- 
deutschen Kommission in Erfurt teilnahrn. Leider war es nicht 
möglich, auf dem so eingeschlagenen Wege bis zu greifbaren Re¬ 
sultaten vorzudringen. Im Jahre 1909, anläßlich der 50. Versamm¬ 
lung deutscher Philologen und Schulmänner in Graz, in deren 
Rahmen, wie bekannt, auch eine Sektion für Bibliothekswesen tagte, 
wurde durch den Vortrag Haeblers über den internationalen Ge¬ 
samtkatalog der Wiegendrucke 1 ) das Interesse der österreichischen 
Bibliothekare für die große und bedeutungsvolle Sache neuerdings 
wachgerufen. Bei dieser Gelegenheit hat die Bibliothekssektion eine 
Entschließung 2 ) gefaßt und dem k. k. Ministerium für Kultus und 
Unterricht mit der Bitte unterbreitet, die Inventarisierung der 
Wiegendrucke in den österreichischen Bibliotheken durch zeitweilige 
Beurlaubung der hiezu geeigneten Bibliotheksbeamten und durch 
finanzielle Beihilfe fördern zu wollen. 

Trotzdem sind die Arbeiten bis heute offiziell nicht aufgenommen 
worden. Der Grund hiefür ist darin zu suchen, daß die kompetente 
Behörde, anstatt dem Beispiele der meisten Staaten Europas zu 
folgen und die summarische Feststellung der in den österreichischen 
Bibliotheken verwahrten Wiegendruckbestände zwecks Verwertung 
in dem deutschen Weltkataloge kurzerhand durchführen zu lassen, 
eine Zeit hindurch den Plan, einen österreichischen Gesamtkatalog 
der Drucke des 15. Jahrhunderts auszuarbeiten, in Erwägung ge¬ 
zogen hat. Daß diese Absicht tatsächlich bestanden hat, geht so¬ 
wohl aus einem Erlasse, den das k. k. Unterrichtsministerium im 

*) Vgl. Mitteilungen des Österr. Vereins für Bibliothekswesen, Jg. 13 (1909), 
S. 74—78. 

2 ) Abgedruckt im Z, f. B., Jg. 26 (1909), S. 520—521. 








12 


Schleimer 


Dezember 1910 in Erledigung der erwähnten Eingabe an die Direktionen 
der staatlichen Bibliotheken gerichtet hat, als auch aus einem Auf¬ 
sätze des Direktors der Prager Universitätsbibliothek, des Hofrates 
Dr. R. Kukula, „Ein österreichischer Generalkatalog der Wiegen¬ 
drucke“ 1 ) hervor. Inzwischen aber hat man im Hinblicke auf das 
geplante umfassende reichsdeutsche Werk die Zwecklosigkeit eines 
österreichischen Wiegendruckkataloges, der überdies nur mit un¬ 
geheuren Opfern an Arbeit und Geld geschaffen werden könnte, er¬ 
kannt und den ursprünglichen Plan fallen gelassen. Haebler wenigstens 
weiß in seinem bereits zitierten Schlußberichte mitzuteilen, daß das 
k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht bereits einen be¬ 
stimmten Betrag zur ernstlichen Aufnahme der Inventarisierungs¬ 
arbeiten bewilligt habe. 

Da nun die Angelegenheit erfreulicherweise soweit gediehen 
ist, so ergibt sich für die österreichische Bibliotheksbeamtenschaft 
die nächste Aufgabe, unverzüglich an die notwendigen Vorarbeiten 
heranzutreten und in erster Linie einen praktischen Arbeitsplan 
festzulegen. Wir haben dem Werden des großen deutschen Werkes 
schon zu lange untätig zugesehen, als daß wir auch jetzt noch die 
kostbare Zeit ungenützt verstreichen lassen könnten. Die Katalo¬ 
gisierungsarbeiten sind, wie erwähnt, im Deutschen Reiche bereits 
im Gange und werden voraussichtlich in fünf bis sechs Jahren zum 
Abschlüsse gebracht sein- Die Feststellung der in Österreich vor¬ 
handenen Wiegendruckbestände müßte demnach in den folgenden 
drei Jahren durchgeführt und ihre Ergebnisse der Berliner Kom¬ 
mission mitgeteilt werden. Die restliche Zeit bis zur Fertigstellung 
des Manuskriptes müßte der Katalogisierung jener Drucke, in die 
die deutsche Kommission nicht selbst Einsicht nehmen konnte, Vor¬ 
behalten bleiben. 

Es drängt sich nun die Frage auf, ob die Inventarisierungs¬ 
arbeiten innerhalb der angegebenen Frist von drei Jahren auch wirklich 
durchführbar sind. Die Beantwortung dieser Frage kann nur auf 
Grund eines, wenn auch vorläufig ungenauen Überblickes über die 
Zahl der in Betracht kommenden Bibliotheken und das in ihnen nieder¬ 
gelegte Wiegendruckmaterial erfolgen. Ferner werden das Vorhanden¬ 
sein oder Fehlen von handschriftlichen Inkunabelverzeichnissen sowie 
die Art und Weise der Organisation der Arbeit für die Entscheidung 
dieser Frage von ausschlaggebender Bedeutung sein. 

Die Zahl der österreichischen Inkunabel Sammlungen ist im 
Adreßbuche von Bohatta und Holzmann mit rund 130 angegeben, 
dürfte sich aber im Verlaufe der Arbeiten sicherlich noch um 30 
bis 40 erhöhen. Der Gesamtbesitz von Wiegendrucken in Öster¬ 
reich soll sich auf 51.000 Exemplare belaufen. Da die Angaben des 
Adreßbuches bei den einzelnen Bibliotheken, insbesondere bei den 
Stiftsbibliotheken durch Einbeziehung der Frühdrucke von 1501 bis 
1525 meist viel zu hoch und nur selten etwas zu niedrig sind, wird 


*) Zeitschrift für Bücherfreunde, Jg. 1910/11, 12. Beiblatt, S. 432—434. 






Wiegendruck-Inventarisierung 


13 


die Gesamtzahl nach genauer Feststellung trotz Aufdeckung einer 
größeren Anzahl von kleineren Wiegendruckbeständen 45.000 kaum 
überschreiten. Auf wie viele verschiedene Drucke sich diese Stück - 
zahl verteilt, kann natürlich heute auch nicht annähernd gesagt 
werden. Von dieser Gesamtzahl entfallen 45°/ 0 auf die staatlichen 
Bibliotheken, 45% auf die Stiftsbibliotheken und ungefähr 10% 
auf die Stadt-, Landes- und Privatbibliotheken. Was die beiläufige 
Verteilung auf die einzelnen Kronländer betrifft, steht Nieder¬ 
österreich mit über 16.000 Exemplaren an erster Stelle, dann folgen 
Böhmen mit 7000, Tirol und Vorarlberg mit ungefähr 6000, Salz¬ 
burg mit 4000, Oberösterreich, Mähren, Galizien, mit je 3000, Steier¬ 
mark mit 2400 und Kärnten mit zirka 800 Stücken. Die übrigen 
Kronländer weisen geringere Bestände auf. 

Da die Staats- und Landesbibliotheken und nach den Erfahrungen, 
die der Verfasser dieser Zeilen bei seinen Arbeiten in der Steier¬ 
mark gesammelt hat, auch die größeren Stiftsbibliotheken im Be¬ 
sitze von mitunter äußerst sorgfältig angelegten handschriftlichen 
Katalogen über die Erzeugnisse der Buchdr uckerkunst in den eisten 
60 Jahren sind, so dürfte eine rasche Durchführung der Inventari¬ 
sierungsarbeiten im Hinblick darauf auf keine allzugroßen Schwierig¬ 
keiten stoßen. So hat der vom verstorbenen verdienstreichen Biblio¬ 
thekar und Gelehrten P. Jakob Wichner i. J. 1885 angelegte Ka¬ 
talog über die in der Stiftsbibliothek zu Admont vorhandenen 
Drucke bis einschließlich 1520 — im ganzen 984 Nummern — die 
Aufnahme dieser großen Inkunabelsammlung besonders dadurch, 
daß die bei Hain verzeichneten 489 Drucke bereits ihre Nummern 
tragen, so wesentlich erleichtert, daß sie bei täglich achtstündiger 
Arbeitszeit in sechs Tagen abgeschlossen war. Noch einfacher ge¬ 
staltete sich die Inventarisierung der Wiegendrucke der Stifts- 
bibliothek in St. Lambrecht. Auf Grund des vom früheren Biblio¬ 
thekar P. Dr. G. Spari sehr sorgfältig ausgearbeiteten Realkatalogs, 
der eine Abteilung für die datierten Drucke von 1465 bis 1500, 
eine zweite für die datierten Drucke von 1501 bis 1530 und eine 
dritte für die undatierten Drucke bis zum Jahre 1530 enthält und 
außer den Hain-Nummern auch noch die Oopinger-Nummern ver¬ 
zeichnet, konnte sich die ganze Arbeit darauf beschränken, die Hain- 
und Oopinger-Nummern herauszuheben, zwei Drucke unter Zu¬ 
grundelegung von Reichlings Appendices zu identifizieren und fünf 
weitere unbekannte Drucke kurz zu beschreiben. Diese zwei 
Fälle ergaben, daß ein einzelner Arbeiter an einem Tage bei 
einer allerdings achtstündigen Arbeitszeit unter günstigen Ver¬ 
hältnissen durchschnittlich 100 Inkunabeln zu inventarisieren im¬ 
stande ist. Dieses Mittel wird natürlich dort, wo die Verhältnisse 
nicht so günstig liegen und die einzelnen Wiegendrucke erst aus den 
Bücherbeständen werden herausgesucht werden müssen, nicht er¬ 
reicht werden. 

Es dürfte nicht unangezeigt sein, auch die Art und Weise, wie 
die Arbeit am besten und einfachsten zu organisieren wäre, noch 





14 


Wolkan 


kurz zu berühren. Das Nächstliegende wäre nun natürlich, daß die 
Inventarisierungsarbeiten von den Universität^- und Studienbiblio¬ 
theken aus in Angriff genommen würden. Es müßte an jeder Uni¬ 
versitätsbibliothek ein hiezu geeigneter Beamter ausgewählt und 
ausschließlich mit der Inventarisierung der Wiegendrucke in der 
betreffenden Universitätsstadt und dann allenfalls auch in einem 
weiteren Umkreise betraut werden. Soweit die Studienbibliotheken 
nicht in der Lage wären, sich an der Inventarisierung zu beteiligen, 
hätten die Universitätsbibliotheken für sie einzutreten. Natürlich müßte 
man sich auch umsehen, ob man nicht in den Klosterbibliotheken, die 
doch stark in Betracht kommen, freiwillige Mitarbeiter fände. 

Der zweite Weg wäre der, daß ähnlich wie im Deutschen 
Reiche einige wenige wissenschaftliche Beamte damit betraut würden, 
die Inventarisierung in sämtlichen Kronländern durchzuführen, etwa 
in der Art, daß vier Inventarisierungsgebiete — Wien, die Alpen¬ 
länder, die Sudetenländer, Galizien und Bukowina — geschaffen würden. 
Die Wahl dieses Weges würde durch Konzentrierung der zu leisten¬ 
den Arbeit in wenigen Händen die Gewähr für eine einheitliche, 
verläßliche und pünktliche Durchführung der Aufgabe bieten. 

Gleichwohl wäre es praktischer, den ersten Weg zu beschreiten, 
weil da sofort der Anfang gemacht und schon in der allernächsten 
Zeit die Wiegendruckbestände wenigstens in den staatlichen Biblio¬ 
theken verzeichnet werden könnten. In der Zwischenzeit könnte eine 
Einigung über die Frage, wie die außerhalb der Universitätsstädte 
gelegenen Wiegendrucksammlungen auf gearbeitet werden sollen, er¬ 
zielt werden. 

Ob nun dieser oder jener Weg eingeschlagen wird, in beiden 
Fällen müßte ein Bibliothekar mit der Oberleitung des ganzen 
Unternehmens betraut werden. 

Was nun den voraussichtlichen Kostenaufwand für die ganze 
Arbeit betrifft, so dürfte, da der Staat nur für die Reisekosten der 
Mitarbeiter nach den außerhalb ihrer Wohnsitze gelegenen Orten 
und für entsprechende Taggelder wird aufkommen müssen, die Summe 
von 6000 K ausreichen. 

Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß die Inventarisierungs¬ 
frage in Österreich zum Nutzen einer großen bibliothekarischen 
Sache einer baldigen und glücklichen Lösung zugeführt werde. 

Graz. Dr. Hans Schleimer. 


AUS ÖSTERREICHISCHEN HANDSCHRIFTENKATALOGEN. 

Von Rudolf Wolkan in Wien. 

II. AUS DEN HANDSCHRIFTEN DES DOMINIKANER¬ 
KLOSTERS IN WIEN. 1 ) 

Die Bibliothek des Dominikanerkonvents in Wien ist eine der 
ältesten, die sich in der Stadt finden; ihre Handschriften sind zum 


*) S. diese Zs. II, 69. 









15 


Aus österreichischen Handschriftenkatalogen 


größten Teil im Kloster selbst entstanden, wenige nnr gekauft. 
Katalogisiert sind 317 Handschriften, doch ist damit ihre Zahl nicht 
erschöpft, denn bei der genaueren Durchsicht älterer Drucke finden 
sich hie und da noch unbeachtet gebliebene Manuskripte. Die ältesten 
stammen aus dem 13. Jahrhundert, die meisten aus dem 15. Be¬ 
sonders gerühmt wird im Kloster das Nekrologium des Archivs, 
das seit dem Bestände des Klosters geführt wird. Die meisten Hand¬ 
schriften sind selbstverständlich theologischen Inhalts, unter den 
hier nicht angeführten überwiegen die Bestände mit Schriften 
Nicol. Cusas, Thomas Ebendorfers von Haselbach, Heinrichs von 
Langenstein und anderen theologischen Schriftstellern des 15. Jahr¬ 
hunderts, die sich in fast allen Klosterbibliotheken Österreichs nach- 
weisen lassen und zum eisernen Bestände derselben gehörten. Daß 
Kirchenschriftsteller wie Augustin, Hieronymus und andere nicht 
fehlen, muß nicht erst hervorgehoben werden. Die Bibliothek ver¬ 
dient jedenfalls genauere Durchforschung von seiten der Historiker 
und Philosophen; ich erinnere daran, daß die Werke des Siger von 
Brabant sich offenbar nur in dieser Bibliothek erhalten zu haben 
scheinen. 

2. s. XV. ch. 4. Bl. 92.: gekauft 1454. 

Expositiones auctoritatum et declarationes contra Hussitas. 

3. s. XV. ch. 

1. Ludovicus de Koma: Duo tractatus adversus heresim novam. 
— 2. Andreas Batisbonensis dialogus in negotio catholicorum et 
husitarum. 

4. s. XV. ch. 4. 

1. Contra certos hereticos noviter impugnantes paupertatem 
Christi et apostolorum. — 2. Monitorium aliquot legati apostolici 
Vratislavie datum contra Georgium de Podiebrad, in quo facinorum 
ejus narratio fit. — 3. Invective perditi hominis Georgii de Podiebrad, 
heretici et regni Bohemie occupatoris, ad duces, reges, principes 
contra apostolicam sedem confutatio. — 4. Leonardi de valle Brixiensi 
inquisitiones contra Wiclefitas ethusitas. — 5. Contra hussitismum über. 
6. ex anno 1445. 

Tractatuli quamplures Nicolai de Cusa. 

9. s. XV. ch- 

Leonardus de valle Brixiensi: 1. Tractatus de corpore Christi 
et communione laycali. — 2. Dialogus, quae in eliminatione praesentis 
schismatis expedit scire. 

11. s. XIV. 

Didascalon Hugonis de s. Victore. 

12. s. XV. ch. 4. 

1. Laurentii Vallae de falso credita donatione per Constantinum. 
2. Eneas Silvius: Oratio ad Bohemos Ladislaum regem postulantes. 

14. s. XV. ch. 4. 

Leonardus de valle Brixiensi: De communione sub utraque specie. 

15. s. XV. 






16 


Wolkan 


Plures electi tractatus, in quibus copiose habentur per auctores 
raciones reprobantes errorem et heresim wiklefitarum et hussitarum 
et solutiones clarissime motivorum eorundem hereticorum. 

16. s. XY. cb. 4. 

1. Georgii de Cunstat epistola ad Fr. Capistranum: Licet tuarum 
serie. — 2. Johannis Capistrani epistolae. — 3. Gabrielis Clari de 
Verona contra Johannem Borotinum, medicum Pragensem, com- 
munionem utriusque speciei defensantem. — 4. Eneas Silvius ad 
card. s. angeli: Quamvis apnd Bohemos. — 5. Capistrani epistola 
ad totum regnum Bohemiae: Credo, magnifici barones. — 6. Ca¬ 
pistrani epistola ad Johannem de Neidelist contra Rokyczanam. 

19. ex anno 1419. 

Liber divinae doctrinae a Catherina de Senis. 

28. ex a. 1465. 

Albertus Magnus: Das buch von der tugende. 

32. Bi XIII/XIV. m. 

Valerius Maximus: Factorum et dictorum memorabilium über. 
34. s. XV. ch. 

Eneas Silvius: Historia Friderici, 1468 von einem clericus Rosen¬ 
berger in Radkersburg geschrieben. 

41. s. XV. 

1. Tractatulus contra hussitas. — 2. De spiritu sancto. — 3. De 
adventu domini in carne. 

43. s. XV. ch. fol. 

Declaratio doctorum pragensium quorundam punctorum de corpore 
christi per Nicolaum de Zwittavia. 

50. s. XV. 

1. Manipulus curatorum a mag. Nicolao Dinkelspühl. —2. Idem, 
Confessionale. 

53. s. XV. 

1. Thomas Haselbach: De probatione spirituum. —- 2. Idem, 
De Confessione. — 3. Idem, De peccatis oris seulinguae. —4. Jodocus 
de Halprunna de dulia et latria. 

54. s. XV. inc. 

Postilla seu sermones Vincentii Bellovacensis. 

56. s. XV. 

Liber tertius controversiae contra Pelagianos. 

59. ex 1437. 

Johannis de Segovia über de sancta conceptione virginis beatissimae. 
63. s- XV. med. 

Aristoteles: Octo libri physicorum. 

65. s. XIV/XV. 

1. Conradus de Turrecremata libellus contra quosdam hereticos. 
— 2. Liber naturae sive creaturarum. 

66. ex 1291. membr. 

1. Petri de Rudiheim tractatus de anima. — 2. Idem, De somno 
et vigilia. — 3. Johannis de Arwilerio Sphaera. — 4. Protacii Judaei 
tractatus de quadrante. — 5. Theoria plsinetarum. 




Aus österreichischen Handschriftenkatalogen 


17 


68. s. XV. ine. 

Begulae grammaticales longiores a Leonardo de valle Brixinensi. 
71. s. XIV. inc. 

Albertus Magnus : 4 libri de celo et mundo. 

79. s. XIV/XV. 

Liber metaphysicorum beati Alberti, episcopi Batisbonensis. 

84. s. XV. inc. 

Summa der Beichtväter von Joh. von Freiburg, deutsch von 
Bruder Berthold. 

98. ex 1458. 

Aegidius Bomanus: de regimine principum. 

100. Bhetorica. 

„Iste über emptus est Coloniae 1460 pro conventu ViennensiA 
102. ex 1430. 

Tractatus de republica. 

105. s. XIV. 

Deutsche Bibel, nur das alte Testament. Anfg.: Hie hebt sich 
an die Bybel czu Dewtsch. Am Schluß: Ao. etc. 43. 

106. ex 1458. 

Aeneas Silvius: LIistoria Bohemica. 

119. s. XV. 

Puncta Parisiensium Supernova et veteri logica. Am Schlüsse: 
Terminantur sententie totius veteris artis in alma unviversitate studii 
Parisiensis collecte per Wenceslaum de Wrben, baccalaureum artium 
ad universitatem Pragensem inde allate, magnam vim et intelligentiam 
textuum in se lucide continentes. Scripte Präge in collegio sanctissime 
Marie sub anno d. 1450 quarto idus octobris. 

Wenzel von Wrben wurde 1455 Baccalaureus, 1467 Bektor in 
Prag, 1468 Dekan bei S. Apollinaris. Vgl. Monum. univers. Prag. 
II, 23, 422, 92, 101. 

120 . 

1. Sigeri de Brabantia quaestio, utrum haec sit vera: Homo 
est animal, nullo homine existente. — 2. Idem: Quaestio de anima 
intellectiva. 

Gedruckt bei Pierre Mandonnet, Siger de Brabant in : Collectanea 
Friburgensia, VIII. Freiburg i. B. 1899. S. 49—54 und 87—115. 
121. s. XIII/XIV. 

1. Aristoteles: de celo et mundo. — 2. Idem, De moribus. 

3. Idem, De longitudine vite. — 4. Idem, De morte et vita. 5. Idem, 
De senectute. — 6. Idem, De sensu sensato. —- 7. Idem, De somno 
et vigiüa. — 8. Idem, Quatuor libri metheorum. — 9. Idem, De In- 
visibilibus. — 10. Idem, De natura corporis celestis. — 11. Idem, 
De intellectu et intelligibili. — 12. Idem, De natura et origine anime. 
126. ex 1450. 

1. Johannes Nider: Fornicarius. — 2. Idem, De bello morali. 
3. Idem, Quadragesimale. 

136. ex 1455. 


2 





18 


Wolkan — Aus Österreichischen Handschriftenkatalogen 


1. Petrarca: De vita solitaria. — 2. Seneca: Liber epistolaris 
ad Lucilium. — 3. Petrarca: De remedio utriusque fortune. — 
4. Petri Blessensis sermones. — 5. Diverse epistolae, darunter be¬ 
sonders Briefe von Petrarca. Am Ende: Iste über est conventus 
Wiennensis fratr. ordinis predicatorum, donatus eidem per venerabilem 
fratrem Petrum de Chirchslag 1457. 

144. ex 1432. 

Nicolaus de Dinkelspühl: Deutsche Predigten. 

156. s. XV. inc. 

Acta concilii Basiliensis. 

160. s. XV. 

1. Ludovicus de Roma: De potestate, universalis ecclesiae. Inc: 
Beverendissimi patres, primum diligenter mente. — 2. Responsio 
data oratoribus. — 3. Artieuli et rationes contra Eugenium. — 
4. Tractatus, quod papa hereticus possit judicari, puniri et deponi. 
— 5. Dyalogus in negotio katholicorum et bussitarum von Andreas 
von Regensburg, gedr. Fontes reruin Austriac. II, 1, 1856. Auf 
dem 1. Bl.: Iste über est conventus Wiennensis ordinis fratrum 
predicatorum ao. di. 1463. 

162. s. XV. 

1. Petrarca: De remedio utriusque fortune, geschrieben 1434. 
2. Idem, De arte moriendi, geschr. 1434. 

179. s. XV. 

Leonardus de valle Brixinensi: Inquisitiones grammaticae et 
logicae. 

221. ex 1698. 

Galeoti Martii de egregiis dictis et factis regis Ungariae Mathiae. 
258. s. XV. membr. 

1. Leonardus Aretinus ad Collucium Salutati. Inc.: Ego tibi 
nunc. — 2. Basilius, traditus per Leonardum Aretinum. Inc.: Multa 
sunt, filii. — 3. Plutarchus: De liberis educandis, trad. per Guarinum 
Veronensem. Inc.: Majores nostri. — 4. Leonardus Aretinus: De 
re militaria. Inc.: Fateor, clarissime vir. — 5. Somnium Scipionis 
ex libris de re publica Ciceronis. — 6. Tyrannus Xenophontis trad. 
per Leonardum Aretinum. — 7. Domino A. episcopo Cavensi Rinutius. 
Inc.: Herodotus Alicarnasseus. Mit folgender Übersetzung von Platons 
Axiochus. — 8. Plutarchi opusculum, quid principem deceat, latinum 
per Rinutium factum. Inc : Platonem Cyrenei hortati sunt. — 

9. Eugenio IV. Leonardus Therunda: Tanta est hoc tempore. — 

10. Leonardus Aretinus in ypocritas invectiva. Inc.: Ex omni genere. 
— 11. Seneca: libellus de remediis fortuitorum bonorum. — 12 De 
gradibus sacerdotalibus s. Ieronymi. Inc.: Sufficere quidem. — 13. Lom- 
bardi a Serico epistola de dispositione vite sue ad Petrarcam. Inc.: 
Fervet animus te. 

Auf dem 1. BL: Iste über est conventus Wienensis emptus ao. 
63 concessumque (!) ad usum incertum confratri Rudberto Kasrer ex 
Salczunga 1481. 





1 


Österreichische Rundschau — Verwaltungsberichte 19 


268. s. XV. 

Leonardus de valle Brixiensi: Inquisitiones contra husitismum a 
Wiklef. ~ Bl. 120. Determinatio magistroriini sacre theologie sancte 
universitatis studii pragensis de corpore christi et humanitate eins 

269. s. XV. J 

Johannes deBokyczana: Tractatus contra 6 propositiones frivo- 
las derogantes communioni fidelium sub ntraque specie. 


ÖSTERREICHISCHE RUNDSCHAU. 

DIE ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN IM VERWALTUNGS¬ 
JAHR 1910-11. 

Lemberg, Universitätsbibliothek. 

Im Jahre 1911 wurden 4370 Werke in 6356 Bänden aufgestellt, 
somit um 304 Werke mehr als 1910. Der Jahreszuwachs zerfällt seiner 
Erwerbungsart nach in; 3482 Bände Ankäufe, 956 Pflichtexemplare, 
1918 Privat- und Regierungsgeschenke (darunter 703 Bände Universitäts¬ 
schriften und Gymnasialprogramme). Der Gesamtbestand der Samm¬ 
lungen betrug Ende 1911: 223.736 Bände Druckwerke (darunter 220 In¬ 
kunabeln), 857 Handschriften, 297 Urkunden, 11.178 Münzen, 505 Me¬ 
daillen und zirka 400 geographische Landkarten. Aus dem Bereiche der 
Bibliotheksaibeiten, die der Kontrolle und Vervollkommung der Anstalt 
dienen, hebt die Direktion hervor, daß die Bücherrevision fortgesetzt 
wurde, und weitere 15.500 Werke einbegriff, so daß in den zwei Jahren 
seit ihrem Beginn über drei Viertel des ganzen Bücherbestandes durch¬ 
gearbeitet wurden. Von den begonnenen Katalogsarbeiten erlaubten die 
Verhältnisse bloß den Katalog der Wiegendrucke fortzuführen, so daß 
seine Drucklegung im Laufe ist. 

Die Einnahmen betrugen: Jahresdotation 20.000 K und 16.955 K 
an Matrikeltaxen, Bibliotheksgebühren usw. Diese Gelder wurden für 
Bücherankauf, Bindekosten und Portorien restlos verwendet. Mit einem 
negativen Kassarest von zirka 350 K schloß die Gebarung der Kanzlei- 
und Haushaltungspauschalien, während der Beheizungsfond langte. 

Die Zahl der Benützer ist gegen 1910 um 12.346 Personen ge¬ 
wachsen und betrug 84.973, worunter 7336 (-f 494) Entlehner. Die 
Frequenzzunahme ist so unaufhaltsam und enorm, daß sich für einige 
Monate die vorjährige Benützungsziffer verdoppelte, in den Winter¬ 
monaten aber der Fassungsraum des Lesesaales dem Zudrange der 
Studierenden bei weitem nicht genügen konnte. So zogen im November 
1970, im Dezember 1333 Personen ab, ohne — trotz längeren Wartens 
— einen Arbeitsplatz in den Lesesälen erhalten zu haben. Noch an¬ 
sehnlicher ist die Zunahme des zur Benützung verausgabten Bücher¬ 
materiales. Im allgemeinen, mit Einsch’uß der Werke aus der Hand¬ 
bibliothek, wurde das Publikum mit 211.754 Bänden (-f 24.065 gegen 1910) 
bedient. Der interurbane Umsatz wird durch die Ziffer 965 an ver¬ 
schickten und 594 bezogenen Bänden repräsentiert. 


2* 







20 


Österreichische Rundschau — Verwaltungsberichte 


Im Sinne bestimmter Weisungen und Anregungen des Ministeriums 
betreffend den inneren Dienst wurden den hiesigen Verhältnissen ent¬ 
sprechend bis zum Jahresschluß zwei Konferenzen abgehalten, die von 
Referaten des Beamtenkörpers ausgefüllt waren. Das Bild des inneren 
Geschäftsumfanges mag noch durch folgende Angaben vervollständigt 
werden: Zahl der Mahnschreiben bei der Einforderung der Pflichtexem¬ 
plare 591, Zahl der Reklamationen wegen Überschreitung der Entlehnungs¬ 
frist 1358, darunter 49 Anzeigen an Behörden, Zahl der erledigten Ge¬ 
schäftsstücke in allen Abteilungen des inneren Dienstes 1944. r. k. 

Linz, k. k. Studienbibliothek. 

Benützung im Jahre 1911: 4181 Bände in 2303 Fällen. Davon 
mußten 686 Bände aus anderen Bibliotheken beschafft werden. Aus¬ 
wärtige Bestellungen sind 375, versendete Bücherpakete 408, eingelangte 
424 zu verzeichnen. — Der Zuwachs betrug rund 1300 Bände. Dazu 
kommen noch Handschriften, graphische Blätter und Landkarten, vor 
allem die aus dem Jahre 1828 stammende Katastralkarte des Landes ob 
der Enns mit 6700 Blättern. Von den Handschriften sind zwei aus 
dem ehemaligen Chorherrenstifte Waldhausen stammei.de Bände hervor¬ 
zuheben, deren einer dem 12., der andere dem 13. Jahrhundert an¬ 
gehört. Sie kosteten 600 K. Das nötige Geld erhielt die Bibliothek aus 
Gönnerhand. Die Staatsverwaltung ermöglichte durch eine weitere außer¬ 
ordentliche Dotation im Betrage von K 1500, daß von den massenhaften 
ungebundenen Beständen rund 700 Bände dem Buchbinder gegeben 
werden konnten. In der Zeit vom 15. Juni bis 24. August wurde die 
Bibliothek in allen ihren Teilen einer gründlichen Reinigung unter¬ 
zogen. Dr. K. Schiffmann. 

Wien, Bibliothek der k. k. Technischen Hochschule. 1 ) 

Die Einnahmen der Bibliothek betrugen im Solarjahr 1911: 29.110 K 
(davon 9.610 K Matrikeltaxen); die Ausgaben: 29.168 K 38 h. Für den 
Büchereinkauf wurden 23.838 K 45 h, für den Büchereinband 4.217 K 
88 h ausgegeben. Die Kosten für die Drucklegung des Nachtrags zum 
7. bis 9. Hefte des ,,System. Kataloges“ beliefen sich auf 1290 K 32 h, 
zu deren Bestreitung das k. k. Ministerium f. K. u. U. einen Zuschuß 
von 1000 K bewilligt hatte. Der Bücherbestand der Bibliothek umfaßte 
Ende September 1911: 45.341 Werke in 115.132 Bänden; die Duplikate, 
Schulprogramme, unnumerierte Dissertationen und Separatabdrücke ein¬ 
gerechnet: 62.640 Druckschriften in 132.574 Stücken. Der Jahreszuwachs 
(1910/11) betrug 2189 Werke in 3085 Bänden (davon 54 Werke in 
104 Bänden == Duplikate), 536 Schulprogramme, 132 unnumerierte 
Dissertationen und 57 unnumerierte Separatabdrücke. — Besucht haben 
die Bibliothek im Studienjahre 1910/11: 68.018 Personen; in den Lese¬ 
sälen wurden benützt 144.407 Bände, aus der Bibliothek wurden ver¬ 
liehen 22.707 Bände. Mit permanenten Ausleihkarten waren versehen 
16 t 7 Hörer der Hochschule. Reklamationen nicht rechtzeitig zurückge- 


*) Für das Studienjahr 1910/11, bezw. für das Solarjahr 1911. 





Viennensia 


21 


stellter Bücher gab es 2184 durch die Post, 358 durch die Bibliotheks¬ 
diener, 29 durch die Polizei. Der Personalstand der Bibliothek wies auf: 
1 Bibliotheksdirektor, 1 Oberbibliothekar, 1 Bibliothekar I. Kl., 4 Biblio¬ 
thekare II. Kl. und 1 Praktikanten; ferner 4 definitive Diener und 4 Aus¬ 
hilfsdiener. Dr. F, 


VIENNENSIA. 1 ) 

Im Rahmen jener Vortragsreihe, in der Fachleute ihre Arbeits- Vorträge, 
weise schildern, hielt Prof. Arnold, Wien, Ilofbibliothek, in der 
„Urania“ einen Vortrag „Aus der Werkstatt des Bibliothekars“. Von 
der Tatsache ausgehend, daß die Wertschätzung der Arbeit des Biblio¬ 
thekars nicht immer im richtigen Verhältnis zu der großen und immer 
mehr wachsenden Bedeutung steht, welche die Bibliotheken für das 
gesamte Kulturleben besitzen, wies der Vortragende darauf hin, daß 
man in weiten Kreisen, die gebildeten Stände nicht ausgenommen, 
sich keine klare Vorstellung von dem Aufwand an geistiger und 
mechanischer Arbeit macht, die der Apparat einer großen Bibliothek 
erheischt. Als Kustos der Hofbibliothek ist der Vortragende imstande, 
die vielfältigen Verzweigungen des Dienstbetriebes zu schildern, die 
eine solche Anstalt erfordert. IJm hier seinen Mann zu stellen, ist 
nicht nur sehr viel Wissen und Scharfsinn, sondern auch große Ge¬ 
nauigkeit und Geduld nötig. Prof. Arnold schilderte den langwierigen 
Weg, den jede einzelne Druckschrift von ihrem Einlauf an zurück¬ 
zulegen hat, bis sie benützungsbereit ist und in die Hände der Leser 
gelangt. Er machte die Zuhörer mit dem komplizierten System be¬ 
kannt, nach welchem die Ergänzung, Konservierung und Evidenz¬ 
haltung eines großen Bücherbestandes vor sich geht und skizzierte 
dann den Zweck und das Ziel bibliothekarischer Tätigkeit in wissen¬ 
schaftlicher und administrativer Richtung. Zahlreiche Lichtbilder 
veranschaulichten die Ausführungen, die am Schlüsse durch die Er¬ 
zählung von allerlei Episoden aus dem Bibliotheksdienst ergänzt wur¬ 
den, die sich im Verkehr der Bibliotheksbeamten mit dem Publikum 
ergeben, bisweilen recht peinliche, genug oft wiederum auch recht er¬ 
heiternde Szenen. — Der Vortrag von Prof. Oberhummer im Verein 
für Bibliothekswesen über amerikanische Bibliotheken wird in dieser 
Zeitschrift im Auszug veröffentlicht werden, über Prof. Kohnsteins 
Vortrag: ,,Wie sollen die Bucheinbände beschaffen sein?“ siehe diese 
Zeitschrift u. S. 64. 

Am 4. Februar 1912 fand die konstituierende Generalversamm- Bibliophilen- 
lung der Wiener Bibliophilengeseilschaft statt, bei der LI. Eeigl die Gesellschaff. 
Ziele und Zwecke dieser neuen literarischen Vereinigung dar legte, die 
parallel mit den Bestrebungen der Weimarer Schwestergesellschaft 
gehen. Diese wird Ende September ihre Haupttagung —■- zum ersten¬ 
mal außerhalb der Grenzen des deutschen Reiches — in Wien ab¬ 
halten. 


9 S. diese Zeitschrift 2, S. 191. 












öffentliche 

Bibliotheken. 


Titelfrage. 


Privat- 

hibliotheken 


22 Österreichische Rundschau 


Von dem Handschriftenkatalog der Hofbibliothek ist ein wei¬ 
terer, Indices enthaltender Band erschienen. (Tabulae codicum manu 
scriptorum praeter graecos et orientales vol XI.) — Der Kaiser 
Franz Josef-Jubiläumsstiftung an der Universitätsbibliothek wurde 
von deren Vizedirektor Keg.-Bat Dr. Frankfurter namens der Spen¬ 
der Alfons Freiherrn von Rothschild und Prof. Adolf Lieben der Be¬ 
trag von 6000 K zugeführt. — Zum systematischen Katalog der tech¬ 
nischen Hochschule ist ein Nachtrag zu Heft 7 bis 9 ausgegeben wor¬ 
den. Dieselbe Anstalt beginnt auch mit der Veröffentlichung eines 
vierteljährlichen Verzeichnisses der Neuerwerbungen, von dem das 
erste Heft (Oktober-Dezember 1911) vorliegt. -— Der von C. Hla- 
watsch bearbeitete Bibliothekskatalog der mineralogisch-petrographi- 
schen Abteilung des k. k. naturhistorischen Hofmmseums (veröffent¬ 
licht in dessen Annalen) ist nun vollständig geworden. — Das k. u. k. 
Kriegsarchiv, das außer umfangreichen Beständen von Archivalien 
eine Bibliothek von rund 92.000 Bänden besitzt, konnte auf seinen 
zweihundertjährigen Bestand zurückblicken (Neumann von Spallart: 
Das k. u. k. Kriegsarchiv. Österr. 111. Zeitg. 26. Nov. 1911). —- Eine 
wertvolle Büchersammlung, die Salo Cohn der israelitischen Kultus¬ 
gemeinde schenkte, ist in einem eigenen Katalog von B. Wachstein 
beschrieben worden. (Vgl. Lazarus in Blochs Österr. Wochenschrift 
1912, S. 18.) — Aus dem Jahresbericht der „Zentralbibliothek“ ist 
die nicht uninteressante Tatsache hervorzuheben, daß die durch die 
Lesegebühren erzielten Einnahmen den Etat derart gesteigert haben, 
daß dieses Institut mit einer Summe von 300.000 ( ?) K pro Jahr 
zu rechnen in der Lage ist. — Die Eröffnung der Volksbibliothek im 
VI er theimst einpark soll im Mai erfolgen. — Aus Anlaß seines fünf¬ 
undzwanzigjährigen Bestehens hat der Wiener Volksbildungsverein 
eine für schulpflichtige Kinder bestimmte Lesehalle eröffnet. K. Hein¬ 
zen hat diesem Verein seine Bücher Sammlung letztwillig hinterlassen. 
— Die „Festschrift zum vierzigjährigen Stiftungsfest der deutschen 
Lesehalle an der technischen Hochschule“ (1911) enthält deren Ge¬ 
schichte von E. Friedl. — Noch wäre auf einen kurzen Rückblick 
auf die Entwicklung der privaten Leihbibliotheken hinzuweisen 
(Neues Wiener Tagblatt 10. März 1911). 

Die bereits in dieser Zeitschrift (II, S. 182) behandelte Titel¬ 
frage der Beamten der Hniversitäts-, Studien- und Hochschulbibliothe- 
ken wurde im Zentrablatt für Bibliothekswesen (29, S. 87 bis 90) ein¬ 
gehend dargestellt. 

Erzherzogin Zita erhielt die ungarische Bibliothek der ver¬ 
ewigten Kaiserin Elisabeth zum Geschenk. — Die Bibliothek im 
Belvedere ist in der „Woche“ (1912 S. 242) abgebildet. Dieselbe Zeit¬ 
schrift reproduziert sechs Handzeichnungen des Kaisers Franz Josef, 
die er als Erzherzog im Jahre 1845 lithographierte, aus dem Besitz 
der Fideikommißbibliothek (1912 S. 71 bis 72). — Ende April ge¬ 
langt bei Perl-Berlin die Büchersammlung eines Wiener Bibliophilen, 
Mitte Mai die hervorragende Ex-libris-Sammlung Dillmann-VoTia.e\x- 
burg zur Versteigerung. — Da sich für, die XJtopiensammlung Hevesis 











Viennensia 23 


kein En bloc-Käufer gefunden hat, wird sie (Kat. 101) ebenso wie 
eine Vienennsiasammlung aus dem gleichen Besitz und aus Archiv¬ 
direktor Siarzers Nachlaß (Kat. 103) von Gilhofer einzeln zum Ver¬ 
kauf ausgeboten. — „Bücherwurms Freuden und Leiden“ sucht 
R. E. Petermann einem größeren Lesepublikum näher zu bringen 
(Neues Wiener Tagblatt 15. Februar 1912). 

Eine Würdigung des verstorbenen Vorstandes der Reichsrats¬ 
bibliothek Lipiner als Bibliothekar wird das nächste Heft unserer 
Zeitschrift veröffentlichen. Ein Nekrolog erschien in der Arbeiter¬ 
zeitung (1912 Nr. 10). — Der Stadtrat widmete im Zentralfriedhof 
zur Beerdigung der Überreste des Bibliophilen Franz Haidinger 
(1797 bis 1876) ein Ehrengrab. 

Die durch ihre Beziehungen zur österreichischen Literatur und 
als Verleger von Grillparzer bekannte Wallish ausser sehe Hofbuch- 
handlung muß nach fünfviertelhundertjährigem Bestände vom Hohen 
Markt in den Bauernmarkt zurückweichen. („Eine Änderung im 
Hohen-Markt-Bild“, Neue Freie Presse Nr. 17.044.) — Über die 
Aufhebung des Buchhändler-Babatts siehe S. 27. 

Die Wiener klinische Woche veröffentlichte aus Anlaß des Begin¬ 
nes ihres 25. Jahrganges, die Wiener Sonn- und Montagszeitung beim 
Beginn ihres 50. Jahrganges historische Rückblicke zur eigenen Ge¬ 
schichte. — Das Preßbureau des Kriegsministeriums läßt eine Mili¬ 
tärliterarische Bundschau erscheinen, die eine monatliche Übersicht 
über den militärischen Büchermarkt und die deutschen und öster¬ 
reichischen Fachzeitschriften enthält. — Eine Festschrift zur Feier 
des 25 jährigen Bestandes des fachtechnischen Klubs der Staats¬ 
druckerei enthält Aufsätze typographischen Inhaltes. 

Die T renck-Bibliographie von Gugitz und von Portheim beruht 
zum größten Teil auf der Josefinika-Sammlung des zweiten Bearbei¬ 
ters und enthält Hinweise auf die Bestände anderer Wiener Biblio¬ 
theken. Die Verfasser stellen auch eine Bibliographie des Josefinischen 
Zeitalters in Aussicht. — Das Deutsche Anonymenlexikon von Holz¬ 
mann und Bohatta, dessen erster Band vor einem Jahrzehnt erschienen 
ist, liegt nun mit dem sechsten Bande, der Nachträge und Berichti¬ 
gungen bringt, abgeschlossen vor. Da an dieser Stelle der Raummangel 
eine eingehendere Würdigung des Gesamtwerkes, dessen einzelne 
Bände in dieser Zeitschrift bereits bei ihrem Erscheinen besprochen 
worden sind, nicht gestattet, möge hier die Feststellung genügen, daß 
das Werk diejenige Maximalarbeitsleistung darstellt, die von zwei 
Verfassern geleistet werden kann und überhaupt ohne Inanspruch¬ 
nahme einer ganzen Gesellschaft von Mitarbeitern möglich ist. 

_ Spectator. 


VON DER BIBLIOTHEK DER DEUTSCHEN TECHNISCHEN HOCH¬ 
SCHULE IN BRÜNN. 

Vielleicht ist gerade eine kleinere Bibliothek die geeignete, um 
Experimente zu machen ? Es sei daher über den an der hiesigen Biblio- 


Biogra- 

phisches. 


Buchhandel. 


Presse. 


Wiener 

Arbeiten. 










24 


Österreichische Rundschau — Brünn, Deutsche Technik 


thek angestellten Versuch berichtet, die im Lesesaal befindliche Hand¬ 
bibliothek den Lesern selbst anzuvertrauen, d. h. das Verbot, Bücher 
selbst von den Stellen zu nehmen, in eine erwünschte Berechtigung um- 
zuändern, erwünscht nicht bloß vom Standpunkt der Ökonomie des Be¬ 
triebes. 

Die Bücher wurden zu diesem Zweck nach Wissenschaften getrennt 
in einzelnen Kästen untergebracht, jede Gruppe in alphabetischer Ord¬ 
nung. Die einzelnen Gruppen sind durch verschiedene Farben gekenn¬ 
zeichnet, es wurde am Einbandrücken ein Streifen farbigen Papieres 
aufgeklebt; dieser farbige Streifen weist nicht bloß die Bücher den ein¬ 
zelnen Fächern zu, sondern charakterisiert sie auch zugleich als über¬ 
haupt in die Handbibliothek gehörig, es ist also dadurch unmöglich ge¬ 
macht, daß Bücher der Handbibliothek ins Magazin geraten. Da es nicht 
zu vermeiden ist, daß einzelne Bände durch das Selbstherausnehmen 
und Wiedereinstellen durch die Lehrer in Unrechte Abteilungen ge¬ 
langen, hat sich diese Farbenbezeichnung sehr gut bewährt, um falsche 
Einstellungen dem Auge sofort auffällig zu machen und den Dienern 
die Arbeit des Ordnens ganz bedeutend zu erleichtern. Bei der geringen 
Anzahl von nur zwei Dienern war dieses Mittel geradezu die Conditio 
sine qua non. 

Es gibt nämlich für den jüngeren Studenten, dem keine Seminar- oder 
Instituts-Bibliotheken zur Verfügung stehen, (die an technischen Hoch¬ 
schulen, wofern sie überhaupt vorhanden, keinesfalls den Hörern frei zu¬ 
gänglich sind, sondern nur die Handbibliothek für den die Lehrkanzel 
innehabenden Professor und seine Hilfskräfte darstellen,) kein besseres 
Mittel, mit der Fachliteratur bekannt zu werden, als ihn zum Bücher¬ 
kasten hinzustellen und dort schalten und walten zu lassen. Es kommt 
noch dazu, daß junge Techniker ganz anders zu den Büchern stehen als, 
sagen wir, Philosophen, Historiker oder Juristen; für diese ist Wissen¬ 
schaft und Buch eher identisch als für den Techniker, dem Wissenschaft 
und Laboratorium oder Wissenschaft und Zeichensaal eher zusammen¬ 
gehörig erscheinen mögen. 

Die naheliegende Befürchtung, daß auf diese Weise Bücher nur 
zu leicht verschleppt, ohne Schein entlehnt werden könnten, hat sich 
nicht bewahrheitet. Daß Bücher spurlos verschwinden und eventuell 
nach einiger Zeit ebenso spurlos wieder auftauchen, kommt auch sonst 
vor. Die bisherigen durch die neue Einführung verursachten Verluste 
sind sehr geringe und es ist bei der kurzen Zeit (einundeinhalb Jahr) 
des Bestandes der Einrichtung die Hoffnung, daß das Verlorene wieder¬ 
kehrt, nicht aufzugeben. 

Nach den bisher gemachten Erfahrungen hat sich der Versuch des 
„Bediene Dich selbst“ entschieden bewährt; es kann das „liberale“ 
System nur wärmstens befürwortet werden, wenigstens für kleinere Bi¬ 
bliotheken ; es ist übrigens gar keine Frage, daß dies auch in größeren 
Instituten eine außerordentliche Entlastung für die bücherschleppende 
Dienerschaft bedeuten würde; die frei werdenden Kräfte könnten dann 
zur Beaufsichtigung der Benützer und zur Anleitung für unerfahrene 




Graz, Landesbibliothek 


25 


Leser heran gezogen werden. Allerdings müßte dann beim Ausgang 
strengste Kontrolle geübt werden. 

Und warum sollte etwas, das, um ähnliche Verhältnisse zum Ver¬ 
gleich heranzuziehen, in Deutschland so vielfach üblich ist, nicht auch 
bei uns möglich sein ? 

Brünn. F. B a u m h a c k 1. 


Aus Graz. 

Steiermärkische Landesbibliothek. 

Am 26. November des vergangenen Jahres sah Graz eine glänzende 
Festversammlung. Man feierte die hundertjährige Wiederkehr des Tages, 
an dem das Landesmuseum Joanneum durch Erzherzog Johann gegründet 
wurde. Die Festschrift, die aus diesem Anlasse erschien, 1 ) gibt uns 
einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung aller einzelnen 
Sammlungen des Museums. Uns interessiert vor allem die Abhandlung: 
Wilhelm Fischer, Die steiermärkische Landesbibliothek (S. 411—442). 
Der Verfasser wußte seine Ausführungen so zu halten, daß sie für den 
Fachmann in gleicher Weise wertvoll sind, wie sie auch den Laien 
interessieren müssen, was gerade bei bibliothekswissenschaftlichen Arbeiten 
selten der Fall ist. 

Nach einem kurzen Überblick über die steirischen Bibliotheken, über 
den Buchdruck und das Buchwesen in Steiermark, geht der Verfasser zu 
seinem eigentlichen Thema über. Zugleich mit den übrigen Abteilungen 
des Joanneums wurde auch die Bibliothek von Erzherzog Johann am 
26. November 1811 gegründet und ihr ein großer Teil der erzherzog¬ 
lichen Büchersammlung übergeben. Da die Bestände der Bibliothek durch 
zahlreiche und wertvolle Schenkungen rasch sich vermehrten, mußte 
bereits im Jahre 1825 ein eigener Bibliothekssaal erbaut werden. Die 
Ordnung der Bibliothek war das Werk des Leiters Johann Kräusler, 
Skriptors an der Universitätsbibliothek, der schon 1822 an die Aus¬ 
arbeitung eines vollständigen alphabetischen Kataloges, 1827 an die des 
systematischen Kataloges und der Lokalrepertorien ging. Der Aufstellung 
wurde eine wissenschaftliche Ordnung zu Grunde gelegt, die jedoch im 
Neubau dem numerus currens weichen mußte. Geschichte und ihre Hilfs¬ 
wissenschaften, außerdem vor allem Styriaca, waren die am zahlreichsten 
vertretenen Fächer. Eine Eigentümlichkeit der Bibliothek war und ist 
es heute noch, ,,daß sie das Wesen einer volkstümlichen mit dem einer 
wissenschaftlichen Bibliothek vereinigte“. Der Bibliothek zur Seite stand 
der ,,Leseverein“, der die vom Erzherzog Johann gegründete ,,Steyer- 
märkische Zeitschrift“ herausgab (1821—1848). Ein Nachteil für die 
Bibliothek war es, daß das Joanneum zugleich als technische Lehranstalt 
diente, was natürlich auch auf die Bibliothek bei der Auswahl der Werke 
von Einfluß sein mußte. Als die Abtrennung dieser Lehranstalt im Jahre 

J ) Das steiermärkische Landesmuseum Joanneum und seine Sammlungen 
. . hg. vom Kuratorium des Landesmuseums. Redigiert von Dr. Anton Mell, 
Graz, 1911. 








26 


Österreichische Rundschau — Linz — Polonica 


1874 erfolgte, vollzog sich auch die Loslösung der technischen Bücher¬ 
sammlung von der Bibliothek, ein Vorgang, der erst im Jahre 1888 
durch die Übergabe der technischen Werke an die technische Hochschule 
seinen Abschluß fand. Dadurch wurde die Bibliothek ihrem eigentlichen 
Zwecke wieder zunLkgegeben. Eine neue Zeit brach iür die Bibliothek 
mit der Errichtung des Neubaues an, der am 26. November 1893 bezogen 
wurde. Der Verfasser führt nun in der weiteren Folge anschaulich die 
Verbesserungen und die Ausgestaltung der Bibliothek vor Augen: das 
Werk der Vorstände Prof. Dr. Hans von Zwiedineck und Dr. Wilhelm 
Fischer. Ein Epilog beschließt würdig die schöne, übersichtliche Arbeit. 
Außer den in den Text eingestreuten Abbildungen ist sie mit 4 Tafeln 
geschmückt. 

Graz. Paul Micori. 


Aus Linz. 

Neue Funde. 

Eine Untersuchung der Handschriften und ältesten Drucke der 
k. k. Studienbibliothek in Linz ergab überraschenderweise 50 Blatt 
Kupferstiche und Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert, natürlich nicht 
Buchillustrationen, sondern Einzelformschnitte. Sie sind oder waren 
sämtlich in Büchern eingeklebt, zwei auf leere Seiten eingedruckt. Wie 
das bei dieser Art von Preßerzeugnissen gewöhnlich der Fall ist, sind 
fast alle aufgefundenen Blätter Unika und koloriert. Die Sammlung, wüe 
sie jetzt vorliegt, stellt einen der größten Schätze der Bibliothek dar. 
Nach den Ansätzen, wie sie z. B. J. Baer in Frankfurt a. M. notiert, 
beläuft sich ihr Wert auf 40.000 K. Unter den Blättern ragen an Be¬ 
deutung besonders hervor ein Antonius von Israel von Meckenem nach 
einem verlorenen Originale des Meisters E. S., eine Kreuzigungsgruppe, 
die zum Schönsten gehört, was die frühe deutsche Kunst aufzuweisen 
hat, die erste deutsche Meilenkarte von Etzlaub in Nürnberg und die 
niederländische Holzschnittpassion Delbecq-Schreiber, die 24 Blatt um¬ 
faßt, von denen 19 bisher unbekannt sind. Diese Folge ist allein, gering 
geschätzt, 25.000 K wert. Sämtliche 50 Blätter der Sammlung werden 
demnächst im Verlage von J. H. Ed. Heitz in Straßburg i. E. erscheinen. 

Linz. Dr. K. Schiffmann. 


Polonica in Schweden. 

Die Schweden haben aus Polen während ihrer Invasionen fm 17. und 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts viele Kulturdenkmale, darunter Bücher¬ 
sammlungen und Archive (so das Kronen-Archiv) als Kriegsraub entführt. 
Bei Friedensschlüssen wurde zwar vieles zurückerstattet, doch verblieb 
gar manches, was für polnische Geschichte und Literatur von großem 
Interesse ist, bis heute in schwedischem Besitz. Daher wurde bereits in 
den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von Dr. Josef Korzeniowski 
bei der Krakauer Akademie der Wissenschaften der Gedanke angeregt, 
die in schwedischen Bibliotheken und Archiven noch befindlichen Hand- 








Aufhebung des Buchhändler-Rabattes 


27 


Schriften, die polnischer Herkunft wären und deren Inhalt Polen betreffen 
würde, zu untersuchen. 1 ) Die Lösung der Aufgabe wurde nachher von 
der Akademie dem Antragsteller übertragen, und die Ergebnisse seiner 
Studien in den Archiven Schwedens, besonders im Reichsarchiv zu Stock¬ 
holm, sehen ihrer Veröffentlichung entgegen. 

Heuer (1911) wurde die Suche weitergeführt und von der Krakauer 
Akademie zu diesem Zwecke im Juli und August eine Expedition nach 
Schweden entsendet. Diese bestand aus den Krakauer Universitäts¬ 
professoren Dr. L. Birkenmajer und Dr. J. Los, sowie den Bibliothekaren 
Dr. Eugen Barwinski der Universitätsbibliothek in Lemberg und Doktor 
J. Collijn der Universitätsbibliothek in Upsala. 2 ) Von der Zuvorkommenheit 
der Bibliotheksvorstände aufs weitgehendste unterstützt und gefördert, 
durchforschten die Genannten die Bibliotheken in Stockholm, Upsala, 
Linköping, Lund, Vesteras, Strengnäs, Skokloster, sowie eine Reihe 
kleinerer Büchereien, wo das Vorhandensein von Polonicis vermutet werden 
konnte. Die Ergebnisse der Nachforschungen waren numerisch und 
sachlich überraschend ergiebig. Außer einer Menge bekannter polnischer 
Drucke fand man 154 aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die bisher in 
allen Bibliographien fehlten, die aber literarisch'und kulturgeschichtlich 
von eminenter Bedeutung sind. Daneben fanden sich unbekannte Schul¬ 
bücher, Dissertationen aus Jesuitenkollegien usw. vor. Die Expedition 
notierte auch zirka 500 Handschriften polnischer Herkunft aus dem 
13. bis 17. Jahrhundert, die Materialien zur polnischen Geschichte von 
vorragendem Werte darstellen. Ein genauer sachlicher Bericht über die 
Ergebnisse der Expedition ist für die Mitte 1912 angesagt. 3 ) 

Lemberg. _ r. k. 


AUFHEBUNG DES BUCHHÄNDLER-RABATTES. 

Die Beschlüsse der Hauptversammlung des Vereines der öster¬ 
reichisch-ungarischen Buchhändler vom 3. Februar 1912, durch die (mit 
Gültigkeit vom 1. April 1912) Punkt A 3 der geltenden Verkaufs¬ 
bestimmungen abgeändert wurde, sind von einschneidender Bedeutung 
für das Budget aller Bücherkäufer und damit auch der Bibliotheken. 
Nur jenen öffentlichen Bibliotheken mit einem Budget von mindestens 
10.000 Kronen, welche vom Vorstande des Vereines der österr.-ung. 
Buchhändler als solche in der Österr.-ungar. Buchhändlerkorrespondenz 
bezeichnet werden, darf bei Bücherankäufen von 100 K und mehr ein 
Rabatt von 7 1 / 2 °/o gewährt werden. Zeitschriften bleiben nach wie vor 
von jeder Rabatt- und Skontogewährung ausgeschlossen. Ein Blick auf 
das Budget der österreichischen Bibliotheken für das Jahr 1912 4 ) zeigt, 

0 J. Korzeniowski: Zapiski z r^kopisöw Cesarskiej Biblioteki Publicznej w 
Petersburgu (Krakow 1910) S. VII. 

2 ) Der letzte ließ der Expedition die Schrift vorangehen: ,,Bericht über 
polnische Büchersammlungen in schwedischen Bibliotheken. Cracovie 1911. 
Extrait du Bulletin de l'Academie des Sciences I. et II. CI. Mars.“ 

3 ) Herrn Dr. E. Barwinski spreche ich für die freundliche Überlassung der 
Details über die Ergebnisse der Expedition meinen Dank aus. 

4 ) S. diese Zs. II. S. 153. 









28 


Deutsches Reich 


daß die Studienbibliotheken und eine große Reihe anderer Bibliotheken 
nur noch ein Skonto von 5°/ 0 bei ihren Bücherkäufen werden in An¬ 
spruch nehmen können, aber auch alle anderen Bibliotheken mit größeren 
Dotationen büßen entsprechende Summen ein, können also um diese 
verminderte Bücheranschaffungen machen. Der bisher bewilligte Rabatt 
betrug bekanntlich 10°/ 0 . Ob es durch Erhöhung der Dotation für das 
Jahr 1913 oder durch Nachtragskredite möglich sein wird, diesen Aus¬ 
fall einzubringen, ist mehr als fraglich. Die betreffende Kundmachung 
und einen Auszug aus dem Protokoll dieser Hauptversammlung enthält 
die Österr.-ung. Buchhändler-Korrespondenz Nummer 6 und 7 vom 
7. und 14. Februar 1912. 

DEUTSCHES REICH. 

AUS NORDDEUTSCHLAND. 

Berliner Brief. 1 ) 

Auskunfts- In der Debatte, die sich Pfingsten in Hamburg an den aus- 

bureau. gezeichneten Vortrag des Oberbibliothekars Kaiser anschloß, wurde 
auch der Gesamtkatalog gestreift; dabei sprach der Düsseldorfer 
Stadtbibliothekar Körrenberg den sehr beachtenswerten Gedanken aus, 
die Gesamtkatalogfrage müsse einmal vom volkswirtschaftlichen 
Standpunkt aus betrachtet werden: es müsse berechnet werden, was 
am Ende größere Kosten verursache, die einmalige Herstellung des 
Gesamtkatalogs oder die dauernden Ausgaben für die Unmenge der 
beim Auskunftsbureau täglich einlaufenden Anfragen, für die Biblio¬ 
graphierung der gesuchten Bücher, die Umfrage bei den Bibliotheken, 
die Suchlisten u. a. m. 

Es ist hier nicht der Ort, eingehende Berechnungen der Druck¬ 
kosten des Gesamtkatalogs aufzustellen; aber vielleicht ist es in 
diesem Zusammenhang nicht ganz überflüssig, auf die großen Kosten 
hinzuweisen, die dem preußischen Staat aus der Unterhaltung des 
Auskunftsbureaus der deutschen Bibliotheken erwachsen. Abgesehen 
von den beiden Bibliothekaren, die von der Königlichen Bibliothek 
besoldet werden, sind ein Hilfsexpedient, drei Hilfsarbeiterinnen, ein 
Hilfsdiener dauernd für das Auskunftsbureau tätig: das erfordert 
— die beiden Bibliothekare ungerechnet — einen jährlichen Auf¬ 
wand von 7300 Mk. Dazu kommen 1600 Mk. für sächliche Ausgaben. 
Rechnet man für die Bibliothekare, von denen nur der eine seine ganze 
Arbeitszeit dem Auskunftsbureau widmet, 5000 Mk., so ergibt das 
im ganzen — neben den außerordentlichen Aufwendungen für Biblio¬ 
graphien -— einen jährlichen Etat von fast 14.000 Mk. Daß es dabei 
nicht sein Bewenden haben wird, läßt die wachsende Zunahme der 
Anfragen befürchten; die Frage ist nur, ob wir nicht schließlich ge¬ 
zwungen werden, um die von Tag zu Tag steigende Flut der An¬ 
fragen einzudämmen, die bestehende Gebühr von 10 Pfennigen, die 
jetzt lediglich dazu dient, einen Mißbrauch zu verhüten, erheblich zu 


0 Fortsetzung zu Jahrg. 2, 202 ff. 








Berliner Brief 


29 


erhöhen. Eine wesentliche Erhöhung der Gebühr wird aber ganz 
zweifellos dazu führen, daß sich die große Masse der Bibliotheks¬ 
benutzer, die sich bisher des Auskunftsbureaus bedient hat als eines 
Mittels, um schnell und sicher den Standort eines Buches zu erfahren, 
von dem Auskunftsbureau wieder abwendet und durch Anfragen bei 
den einzelnen Bibliotheken zum Ziel zu kommen versuchen wird. 
Ob das zu bedauern ist oder nicht, will ich dahin gestellt sein lassen; 
jedenfalls scheint mir die von Nörrenberg aufgeworfene Frage — 
zumal wenn man neben den Kosten auch noch das Interesse der 
Bibliotheken und das der Wissenschaft in die Wagschale legt — doch 
wohl zugunsten des zu druckenden Gesamtkatalogs beantwortet werden 
zu müssen. 

Neben den großen Kosten leidet das Auskunftsbureau noch unter 
einem anderen schweren Mangel, der in seiner Entstehung und Orga¬ 
nisation begründet liegt, den abzustellen aber vorläufig keine Mög¬ 
lichkeit besteht: nämlich unter einer ungleichmäßigen und unge¬ 
rechten Verteilung des Anteils, den die verschiedenen deutschen 
Bibliotheken an der Auskunftserteilung nehmen. Ein Beispiel wird 
sofort klar machen, was ich meine: fragt ein süddeutscher, z. B. in 
Straßburg oder Tübingen wohnhafter Benutzer beim Auskunfts¬ 
bureau nach zehn Büchern, so weisen wir ihm — unserem Geschäfts¬ 
gänge folgend — aus dem Gesamtkatalog vielleicht sechs in der Ber¬ 
liner Königlichen Bibliothek nach, drei in preußischen Bibliotheken, 
etwa in Breslau oder Göttingen, während nur eines in der Münchener 
Hof- und Staatsbibliothek durch die Umfrage ermittelt wird, obwohl 
tatsächlich fünf Bücher in München vorhanden sind. Die Folge ist 
eine gewaltige Inanspruchnahme der preußischen Bibliotheken durch 
den Leihverkehr, die sachlich nicht berechtigt ist. Die Möglichkeit, 
bei süddeutschen Fragestellern nicht die aus dem Gesamtkatalog er¬ 
sichtlichen preußischen Bibliotheken nachzuweisen, sondern auch in 
diesen Fällen eine Umfrage bei den außerpreußischen Bibliotheken 
zu veranstalten, ist wegen der außerordentlichen Steigerung der 
Kosten ausgeschlossen. Somit scheint mir als einziger Ausweg, um 
eine gerechte Verteilung der aus dem Leihverkehr sich ergebenden 
Arbeitslast herbeizuführen, der Anschluß auch der süddeutschen 
Bibliotheken an den Gesamtkatalog übrig zu bleiben. 

Man darf sich freilich über die Durchführung des Unternehmens 
keinen Illusionen hingeben: die Schwierigkeiten sind groß, und wenn 
es gelingt, alle bedeutenden Bibliotheken zur Mitarbeit zu gewinnen, 
wird eine lange Keihe von Jahren vergehen, bevor wir den beiden 
großen Monumentalkatalogen des Britischen Museums und der Pariser 
Nationalbibliothek den „deutschen Gesamtkatalog a an die Seite stel¬ 
len können. Die Frage des Anschlusses anderer Bibliotheken an den 
preußischen Gesamtkatalog wird Pfingsten in München von neuem 
erörtert wurden; fällt die Antwort wiederum verneinend aus, nun, 
so ist auch diese Klärung der Sachlage willkommen: Preußen wird 
dann alle Kraft an die Durchführung der zwar kleineren, aber im 







30 


Deutsches Reich 


Anschaffungs 
fonds der 
Königlichen 
Bibliothek. 


Die König¬ 
liche Biblio¬ 
thek u. die 
Technik. 


Interesse seiner Bibliotheken nicht länger anfschiebbaren Aufgabe 
setzen, an die Drucklegung des preußischen Gesamtkatalogs. 

Inzwischen haben wir allen Anlaß, uns auch ohne Gesamtkatalog 
unserer Bibliotheken und der kräftigen Aufwärtsbewegung, die das 
preußische Bibliothekswesen unter Harnacks Ägide genommen hat, 
aufrichtig zu freuen: die so lange schmerzlich entbehrte Aufbesserung 
der laufenden Anschalfungsfonds ist erfolgt, den preußischen Uni¬ 
versitäts-Bibliotheken bringt überdies der nächste Staatshaushaltsetat 
die erste Rate eines großen Extraordinariums zur Ausfüllung von 
Lücken. 

Aus dem bereits kurz gestreiften 1 ) Jahresbericht der König¬ 
lichen Bibliothek für 1910/11 möchte ich noch einige Zahlen an¬ 
führen: Die Einführung der Bibliotheksgebühr hat ihr einen Ertrag 
von rund 35.000 Mk, gebracht; dadurch konnte der für Bücherkauf 
ausgegebene Betrag auf 124.398 Mk. erhöht werden. Besonders stark 
ist die Zahl der gekauften Zeitschriften gestiegen, nämlich von 3812 
im Jahre 1909 gekauften auf 5392. In runden Zahlen angegeben, 
verteilen sich die für den Bücherkauf verfügbaren 124.000 Mk. wie 
folgt auf die einzelnen Wissensgebiete: es wurden verausgabt für 
Allgemeines 13.000 Mk., Theologie 10.000 Mk., Rechtswissenschaft 
7500 Mk., Staatswissenschaft 3800 Mk., Medizin 10.800 Mk., Natur¬ 
wissenschaften und Mathematik 14.700 Mk., Ökonomie, Technik usw. 
4400 Mk., Geschichte und Hilfswissenschaft 32.000 Mk., Sprachen 
und Literatur 16.300 Mk., Philosophie und Pädagogik 4200 Mk., 
Kunst 7300 Mk. 

Bei dieser Gelegenheit mag auch ein im 4. Heft der „Technik 
und Wirtschaft“ 1911 erschienenen Aufsatz über die Königliche 
Bibliothek in Berlin und die Technik von C. Matschoß erwähnt 
werden. Zwei Punkte hebt der Verfasser hervor: die großen Lücken 
der Königlichen Bibliothek auf dem Gebiete der Technik und die 
Unzulänglichkeit der Sachkataloge. Die ziemlich scharfe Kritik läßt 
die geschichtliche Entstehung der Königlichen Bibliothek außer acht. 
Daß die Bücherschätze der Königlichen Bibliothek auf dem Gebiete 
der Theologie, Jurisprudenz, Sprachwissenschaft und Philologie, Geo¬ 
graphie und Geschichte, kurz auf dem der Geisteswissenschaften, so 
viel größer sind, als auf dem der Technik, ist begründet in der weit¬ 
zurückliegenden und stetigen Entwicklung dieser Disziplinen und in 
den engen Beziehungen, die die Königliche Bibliothek von jeher mit 
der Universität und ihrem Lehrkörper verknüpft haben. Ganz anders 
liegt die Sache auf dem Gebiet der Technik. Dem ungeheuren, 
sprunghaften Aufschwung, den die Technik in den letzten Jahrzehnten 
genommen hat, konnte die Königliche Bibliothek bei der Unzuläng¬ 
lichkeit ihres Vermehrungsfonds nicht folgen. Sie wird es vermut¬ 
lich, wenn nicht die Industrie mit Geldmitteln eingreift, auch weiter¬ 
hin nicht können, sondern ergänzend neben die Bibliothek der Tech¬ 
nischen Hochschule und die des Kaiserlichen Patentamtes treten, 


5 ) Vgl. diese Zs. II, 155. 




Berliner Brief 


31 


diesen aber in der Pflege der Technik den Vorrang lassen müssen. 

Mit Recht stellt der Verfasser die Forderung, daß die Königliche 
Bibliothek zur sachgemäßen Ausgestaltung ihrer technischen Abtei¬ 
lung unbedingt einen technisch-wissenschaftlich vorgebildeten Biblio¬ 
thekar nötig hat, und spricht die Hoffnung aus, daß dieser Hinweis 
auf die vorhandenen Mängel die Veranlassung geben möge, die nötige 
Abhilfe bald zu schaffen. In jüngster Zeit ist diese Angelegenheit 
insofern einen Schritt vorwärts gekommen, als durch Ministerial- 
erlaß vom 13. Jänner 1912 die Diplomingenieure zum wissenschaft¬ 
lichen Bibliotheksdienst zugelassen sind. 

Hach welcher Richtung hin das Schwergewicht einer historischen, 
durch Jahrhunderte auf die Pflege der Geisteswissenschaften einge¬ 
stellten Bibliothek liegen muß, zeigen die beiden jetzt zu besprechen¬ 
den Veröffentlichungen der Königlichen Bibliothek. 

Der Wunsch, einzelne besonders wertvolle alte Drucke aus den Seltene Drucke 
reichen Schätzen der Königlichen Bibliothek weiteren Kreisen zu- der König- 
gänglich zu machen, hat Schwenke zu dem Plan veranlaßt, seltene liehen Bibiio- 

Drucke in Nachbildungen herauszugeben. thek. 

Das erste Heft „Die Türkenbu le Pabst Calixtus III. Ein deutscher Druck 
von 1456 in der ersten Gutenbergtype. In Nachbildung herausgegeben 
und untersucht von P. Schwenke. Mit einer geschichtlich-sprachlichen 
Abhandlung von Hermann Degering. Berlin: M. Breslauer 1911“, bringt 
in treuer Nachbildung das kostbarste Stück aus den jetzt in den Besitz 
der Berliner Königlichen Bibliothek übergegangenen Schätzen der ehe¬ 
maligen Königlichen Bibliothek zu Erfurt; es gehört mit den Ablaßbriefen 
von 1454- 1455 und dem „Türkenkalender“ von 1455 der Münchener 
Hof- und Staatsbibliothek zu den wenigen vollständig erhaltenen Drucken, 
zu deren Herstellung die erste Gutenbergtype gedient hat. Der ein¬ 
gehenden typographischen Untersuchung von Schwenke, die im November¬ 
heft des Z. f. B. von Gottfried Zedier ausführlich gewürdigt ist, folgt 
eine Umschrift des Textes mit gegenübergestelltem lateinischen Original. 

Text und Anmerkungen sind von Degering bearbeitet, dessen dann 
folgende Abhandlung sich mit Inhalt und Sprache der Bulle beschäftigt. 

Die Türkenbulle, die sich zuerst im Besitz des Erfurter Professors 
Joh. Milbach befand, gelangte 1489 in den Besitz des Petersklosters, in 
das Milbach als Confrater eintrat; der Band trägt noch jetzt die Signatur 
dieser Bibliothek. Anfang des 19. Jahrhunderts ging er bei der Säku¬ 
larisation in die Königliche Bibliothek zu Erfurt über. 

Die historische Abhandlung Degerings lenkt unsere Blicke auf die 
Not der von den Türken bedrängten Christenheit im Morgenlande, die 
alle Gemüter beschäftigte und auch die Veranlassung zum Druck der 
Bulle war. Im Juni 1456 rückte Muhammed gegen Belgrad vor, und 
offenbar unter dem frischen Eindruck dieser Nachricht erließ der Pabst 
Calixtus die Türkenbulle; die Übersetzung muß bald darauf in Deutsch¬ 
land erfolgt sein. Das ziemlich sichere Resultat der scharfsinnigen Unter¬ 
suchungen Degerings geht dahin, daß der Erzbischof von Drontheim, 

Heinrich Kalteisen, die Anfertigung und erste schriftliche Verbreitung der 
Übersetzung besorgt hat; er war vom Pabst mit der Kreuzzugspredigt in 





32 


Deutsches Reich 


Deutschland beauftragt worden, und seine Muttersprache, der mittel¬ 
rheinische Dialekt, dem sich niederrheinische und niederdeutsche Elemente 
beigemischt haben werden, stimmt genau zu dem Sprachzustand der Bulle. 
Der Drucker aber kann — das geht aus den zahlreich nachgewiesenen 
Fehlern hervor — das Originalmanuskript des Übersetzers nicht zur Hand 
gehabt haben, sondern hatte offenbar eine äußerst fehlerhafte Abschrift 
vor sich. Deshalb kann — so folgert Degering — der Druck dieser 
Bulle auch nicht im offiziellen Auftrag kirchlicher Kreise erfolgt sein, wir 
haben vielmehr die Bulle „als ein reines Privatunternehmen, anknüpfend 
an die Ereignisse des Tages, erzeugt in der Absicht, die vorhandene Er¬ 
regung der Geister geschäftlich auszunutzen“, anzusehen. 

Mitteilungen Den ^Seltenen Drucken“ ist in jüngster Zeit eine andere Ver- 
aus der Öffentlichung der Königlichen Bibliothek an die Seite getreten, die 
Königlichen unter dem Titel „Mitteilungen aus der Königlichen Bibliothek“ von 
Bibliothek, den Erwerbungen der Bibliothek an Handschriften, Autographen und 
älteren Drucken öffentlich Kenntnis geben, daneben aber auch ein¬ 
zelne Gruppen von Handschriften und Drucken älteren Bestandes in 
wissenschaftlichen Verzeichnissen vorführen oder in Texten wieder¬ 
geben soll. 

Als erstes Heft der „Mitteilungen“ hat die Generalverwaltung der 
Königlichen Bibliothek zur Feier des 200. Geburtstages Friedrichs des 
Großen die Briefe des Königs an Thieriot erscheinen lassen. In der 
Tat eine Gabe, wohl wert, zu dem Jubeltage dargebracht zu werden 
Die von Emil Jacobs herausgegebenen und mit einer sehr lesenswerten 
Einleitung versehenen 34 Briefe stammen aus den Jahren 1737—1745, 
zum größeren Teil aus der Rheinsberger Zeit. Friedrich, der sich in 
Rheinsberg mit leidenschaftlichem Eifer auf die Lektüre der alten Klassiker 
und der modernen Literatur geworfen hatte und die besten französischen 
Ausgaben in seiner Privatbibliothek zu vereinigen suchte, bedurfte eines 
literarischen Korrespondenten und Agenten in Paris; ein solcher fand sich 
durch Voltaire’s Vermittelung in der Person des Nicolas Claude Thieriot. 
„Ein ebenso liebenswürdiger wie unzuverlässiger Charakter“ — so cha¬ 
rakterisiert Jacobs Voltaire’s alten Freund —, „unfähig zu ernster Arbeit 
und nicht imstande, selbst etwas zu schaffen, aber eben darum her¬ 
vorragend geeignet, Fremdes aufzunehmen und weiterzugeben.“ Im 
November 1736 begann Thieriot seine Correspondance litteraire für den 
Kronprinzen von Preußen, und mehr als 10 Jahre hat die Verbindung 
gedauert. „Es ist nicht wenig“ — schreibt Jacobs S. 13 der Ein¬ 
leitung — „was Friedrich von seinem Agenten verlangt. Thieriot hat 
vor allem in Paris Bücher zu besorgen, angelegentlichst wird ihm empfohlen, 
auf die Schönheit ihrer äußeren Form zu achten, und auch um die Ein¬ 
bände hat er sich zu kümmern. Briefe muß er befördern —- die Kor¬ 
respondenz mit Voltaire geht zeitweilig allein durch seine Hände —, 
Besuche muß er im Aufträge Friedrichs machen, Empfehlungen ausrichten, 
Auskünfte und Antworten einholen, kurz, er ist ein Faktotum und nicht 
nur ein literarisches Faktotum, mehrfach hat er auch für den Nachtisch 
der Tafel Friedrichs zu sorgen.“ Im Juni 1748 wurde Thieriots Platz 
anderweitig besetzt; nach einer Unterbrechung von 18 Jahren wurde er 




Berliner Brief 


33 


1766 nochmals in diese Stellung berufen, die er dann bis zu seinem Tode 
(1772) — wenig zur Zufriedenheit Friedrichs — ausgefüllt hat. 

Von den Briefen Friedrichs an Thieriot war bisher nur ein einziger 
bekannt; die jetzt zum ersten Mal aus der Handschrift Gail. Qu. 114 der 
Königlichen Bibliothek veröffentlichten Briefe sind 1894 aus englischem 
Besitz erworben worden. Die Ausfertigungen der Briefe sind mit wenigen 
Ausnahmen von der Hand Jordans geschrieben, doch hat Friedrich — 
außer der Unterschrift — eigenhändig mehrere Postskripta hinzugefügt; 
in ihnen liegt der besondere Wert der Veröffentlichung. „Spontan, un¬ 
stilisiert, rasch sind sie hingeworfen, reinster Ausdruck größter Per¬ 
sönlichkeit. Mit welcher Wärme, welcher Ehrfurcht zugleich wird Fon¬ 
tanelle gegrüßt und wie äußert sich die Begeisterung, die Liebe für 
Voltaire! Wie klingt sie wieder in der Sturmfanfare sowohl wie in dem 
Rückzugssignal für Thieriot! Mit welcher Sorge, welcher Weisheit ist 
Friedrich besorgt um das Ansehen seines Voltaire!“ (S. 14.) 

In den Anmerkungen hat Jacobs die genauen Titel der angeführten 
Bücher und ihr Vorhandensein in Friedrichs Bibliotheken nachzuweisen 
gesucht und so manchen Beitrag geliefert zu einem Thema, dessen ein¬ 
gehende Beaibeitung der Bibliothekar der Königlichen Hausbibliothek, 

Bogdan Krieger in seinem Aufsatz: „Lektüre und Bibliotheken Fried¬ 
richs des Großen“, unternommen hat (Hohenzollern-Jahrbuch, Jahrgang 15. 

1911, S. 168—216). 

Welch schöne Resultate gewonnen werden können, wenn inanDie Bibliothek 
sich einmal gründlich in die Geschichte auch einer kleineren Bücher- des Aus¬ 
sammlung vertieft, zeigt die Arbeit des Bibliothekars Job. Saß „Zur wärtigen 
Geschichte der Bibliothek des Auswärtigen Amtes“ (Z. f. B. 1912, Amtes. 
Jänner). Eine Behördenbibliothek und darum, wie es scheinen möchte, 
ein recht sekundäres Anhängsel, von manchem wohl gar nicht. höher 
denn als ein notwendiges Übel eingeschätzt! Und doch, wie viel des 
Interessanten hat Saß bei der gründlichen Durchforschung des Akten¬ 
materials zutage gefördert, wie wächst die Bedeutung der Bücher¬ 
sammlung, wenn man sie mit den Augen des Bibliothekars und des 
Historikers betrachtet. 

Eigentlich ist es die Geschichte zweier Bibliotheken: zunächst die 
der ursprünglichen Bibliothek des von König Friedrich Wilhelm I. ins 
Leben gerufenen Kabinettsministeriums oder Departements der auswärtigen 
Affairen. Gegründet wurde diese Bibliothek 1798 von Friedrich Wilhelm III. 
durch Übernahme der von dem Geheimen Legationsrat Johann Christoph 
Wilhelm von Steck hinterlassenen Bibliothek, einer aus rund 2000 Bänden 
bestehenden Sammlung diplomatischer Werke. 1799 wurde die Bibliothek 
in einem Zimmer des Königlichen Schlosses untergebracht, zusammen 
mit dem Königlichen Geheimen Archiv, das bis 1808 zugleich die Regi¬ 
stratur des auswärtigen Ministeriums bildete. Die Bibliothek des Archivs 
wurde der Kabinettsbibliothek einverleibt. Mit den verhältnismäß g hohen 
Einnahmen der ersten Jahre, die durch die vom König bewilligten Ab¬ 
gaben der Bibliothekskasse zuflossen, ging man sparsam um; für Neu¬ 
anschaffungen wurden nur bescheidene Summen ausgegeben. Die ernsten 
Zeiten hemmten auch die Entwicklung der Bibliothek und verschlangen 

3 





34 


Deutsches Reich 


das im Jahre 1806 bis auf 2216 Taler angewachsene Kapital. Erst der 
unermüdlichen Fürsorge des Wirklichen Geheimen Legationsrates Carl 
Georg von Raumer, des ersten Bibliothekskurators, ist das Wieder¬ 
aufblühen der Biblioihek zu danken. Bedeutende Vermehrung erfuhr die 
Bibliothek seit 1823 durch Überweisung der fianzösischen Flugschriften 
und Broschüren, die dem Ministerium durch die preußische Gesandtschaft 
in Paris zugingen und durch die 1838 erfolgte Einverleibung der Bücher 
des ehemaligen ,,Literarischen Bureaus“. Die Überweisung der franzö¬ 
sischen Broschüren brachte der Bibliothek den Besitz vieler außerordent¬ 
lich seltener Druckschriften: eine Stichprobe im Gesamtkatalog der 
preußischen Bibliotheken ergab, daß von 100 Druckschriften nur 13 dort 
vorhanden waren. In den Vierzigerjahren trat ein völliger Umschwung 
der Verhältnisse ein; Meinungsverschiedenheiten zwischen Archiv und 
Bibliothek, Interesselosigkeit des Ministeriums, das für Bücherankäufe 
keine Mittel mehr zur Verfügung stellte — von 1848—1853 wurde kein 
einziges Buch gekauft —, die Entfernung zwischen Ministerium und 
Bibliothek und die Unmögla hkeit, sie in den Räumen des Ministeriums 
unterzubringen, alles das führte schließlich dahin, daß die alte bedeutende 
Bibliothek zur Biblioihek des Geheimen Staatsarchivs wurde, in dem sie 
noch heute fortlebt. 

Die Anfänge der jetzigen Bibliothek des Auswärtigen Amtes reichen 
bis in das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zurück. Den Grundstock 
bildeten die täglich im Dienst gebrauchten Bücher, die in einem kleinen 
Raum des Ministeriums untergebracht waren. Ihre Zahl wuchs nur lang¬ 
sam, denn sobald es an Platz fehlte, wurden die weniger gebrauchten 
Bücher wieder an die ,,große“ Bibliothek abgeliefert; bis zum Jahre 1853 
gegen 2500 Bände. Nach der Trennung des Ministeriums von der großen 
Bibliothek hörten auch diese Überweisungen auf und die kleine Bibliothek 
wuchs allmählich zu ihrer jetzigen Größe heran. Die Amtsperiode Bis¬ 
marcks machte die Einrichtung einer besonderen Bibliothek für die 
Zwecke der politischen Abteilung nötig, einer Abteilung, deren Aus¬ 
gestaltung von nun an in den Vordergrund treten sollte. Der Zugang 
der wertvollen ausländischen Literatur, die der Bibliothek durch die weit- 
verzwe gten diplomatischen Verbindungen des deutschen Reiches zufloß, 
und die Vermehrung der Bibliothek seit den letzten 40 Jahren gaben ihr 
eine immer größere Bedeutung, der indessen die Verwaltung der Biblio¬ 
thek nicht gewachsen war; sie lag sehr im argen, bis das Aus¬ 
wärtige Amt im Jahre 1906 einen wissenschaftlichen Bibliothekar, eben 
den Verfasser der vorliegenden „Geschichte“, zu ihrer Reorganisation 
berief. 

Saß schließt seine fesselnde Darstellung mit einem Hinweis auf die 
zwiefache Bestimmung der Bibliothek: „Einmal soll sie dem hundert¬ 
fältigen Dienstbetrieb der großen Zentralbehörde dienen, daneben aber, 
unbeschadet dieses ihres Hauptzweckes, ihre reichen, anderswo vergeblich 
gesuchten Schätze auch der ernsten wissenschaftlichen Forschung er¬ 
schließen.“ 

Wie das oben erwähnte Beispiel der Königlichen Bibliothek 
zeigt, sind die Bibliotheken gezwungen, der immer mehr wachsenden 




Berliner Brief 


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Zeitschriftenliteratur durch stärkeren Ankauf zu folgen; dadurch ist Zeltschriften- 
das Bedürfnis nach Gesarnt-Zeitschriftenverzeichnissen mehr und uerzelchnl $SB. 
mehr hervorgetreten. 

Dem Münchener und Posener Verzeichnis ist im Anfang dieses 
Jahres das „Verzeichnis der laufenden Zeitschriften in den Biblio¬ 
theken der Stadt LühecJc (( gefolgt, das in alphabetischer Folge den 
Bestand von 43 Büchereien mit 980 Zeitschriften bringt. Ebenso wie 
die Stadtbibliothek Lübeck sich nicht auf die Verzeichnung der 
eigenen Bestände an Zeitschriften beschränkt hat, zieht auch das 
soeben erschienene „Verzeichnis der Zeitschriften der Königlichen 
und Universitäts-Bibliothek Königsberg“ die Zeitschriften der Uni¬ 
versitätsinstitute, der Stadtbibliothek, einiger Vereinsbibliotheken 
u. a. zur Ergänzung heran. Mit Recht hebt der Direktor Alfred 
Schulze im Vorwort hervor, daß manche Zeitschriften, ohne daß ein 
Bedürfnis für mehrere Exemplare vorliege, von mehreren Bibliothe¬ 
ken gehalten werden, während andere dringend gebrauchte auf keiner 
Bibliothek zu finden seien, und daß es deshalb im allseitigen Interesse 
läge, wenn entbehrliche Exemplare nicht weiter bezogen und die da¬ 
durch frei werdenden Mittel zum Bezug noch fehlender wichtiger Zeit¬ 
schriften benutzt würden. Auch im j Rheinlande wird jetzt an einem 
Gesamtverzeichnis gearbeitet, an dem zunächst die 16 Bibliotheken 
der Rheinprovinz, die sich zu einem Verband Rheinischer Bibliotheken 
zusammengeschlossen haben, beteiligt sind. Die Titel der Zeitschrif¬ 
ten werden in Düsseldorf gesammelt und zur Bearbeitung nach Lever¬ 
kusen gesandt. Ein Rundschreiben ist erlassen, worin weitere rhei¬ 
nische Bibliotheken zum Anschluß aufgefordert werden; darin wird 
bemerkt, daß sämtliche Universitätsinstitute in Bonn das Unter¬ 
nehmen freudig begrüßt und eine Liste von über 200 sonst in keiner 
rheinischen Bibliothek nachgewiesenen Zeitschriften eingesandt haben. 

Auf das bereits erwähnte 1 ) „Verzeichnis der laufenden periodischen 
Schriften des Reichskolonialamts“ möchte ich wegen der besonderen 
Wichtigkeit seines Inhalts nochmals kurz zurückkommen. Das Ver¬ 
zeichnis ist reich an amtlichen Publikationen englischer, franzö¬ 
sischer, holländischer u. a. Kolonialbehörden; außerdem finden sich 
namentlich in den Rubriken: „Koloniale Rechtsquellen“, „koloniales 
Finanzwesen“, „koloniale Land- und Forstwirtschaft“ und „kolonialer 
Handel“ zahlreiche fremdsprachige Zeitschriften, die man sonst ver¬ 
gebens in einer öffentlichen deutschen Bibliothek suchen wird, z. B.; 
L’Agriculture pratique des pays chauds, The tropical Agriculturist 
and Magazine of the Ceylon Agricultural Society, L’Agronomie tro- 
picale, The Journal of the African Society, La Quinzaine coloniale 
usw. Anderseits fehlen auch im Reichskolonialamt einige koloniale 
Zeitschriften, nach denen beim Auskunftsbureau erfolglos gefragt 
worden ist, z. B. die Annales d’hygiene et de medecine coloniales (in 
der Kgl. Bibi, bis 1907 vorhanden), das Journal d’Agriculture tro- 
picale, die von den landwirtschaftlichen Versuchsstationen in Nieder - 


9 Vgl. diese Zs. II, 155. 


3* 







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Deutsches Reich 


München. 
Hof- ^Staats¬ 
bibliothek. 
Benutzungs¬ 
ordnung. 


Papgrus- 

sammlung. 


ländisch-Indien herausgegebenen Mededeelingen van het Proefstation 
voor Cacao, voor suikerriet in W. Java, van bet algemeen Proef¬ 
station Salatiga u. a. m. 

Die erwähnten Zeitschriften-Verzeichnisse werden ausgezeichnete 
Dienste leisten bei der Herausgabe des geplanten „Gesamtverzeich¬ 
nisses der in den deutschen Bibliotheken gehaltenen laufenden Zeit¬ 
schriften“. Glücklicherweise brauchen wir jetzt nicht mehr von einem 
Plan zu sprechen, da nunmehr dem Auskunftsbureau Mittel zur Her¬ 
stellung des Gesamtzeitschriftenverzeichnisses bewilligt worden sind 
und somit Aussicht vorhanden ist, daß wir den Vorsprung, den die 
österreichischen Bibliotheken in ihrem schönen Generalkatalog vor 
uns voraus haben, in zwei bis drei Jahren einholen werden. 

Berlin. B. Fick. 


AUS SÜDDEUTSCHLAND. 

Münchener Brief. 

Von der Benutzungsordnung der Hof- und Staatsbibliothek ist 
mit Genehmigung des Vorgesetzten Ministeriums vom 8. Dezember 
1911 ein Heudruck erschienenen, der seit Beginn des Jahres in Kraft 
getreten ist. Er unterscheidet sich von den bisher geltenden Vor¬ 
schriften aus dem Jahre 1907 dadurch, daß einige Verbesserungen, 
die inzwischen eingeführt worden sind, ihre amtliche Festlegung 
gefunden haben. Der Hauptsache nach handelt es sich dabei um 
folgende Punkte: An Stelle der Einzeichnungsliste für die Besucher 
des Lesesaals ist ein Kontrolldiener vor dem Eingang zu diesem 
Saal getreten; dann Einführung von Leihkarten, für die bei den 
Studierenden die von der Bibliothek abgestempelte Legitimationskarte 
verwendet wird; endlich Benachrichtigung von dem Bereitstehen 
eines reklamierten Werkes durch Postkartenformular, das bei der 
Reklamation vom Besteller ausgefüllt abzugeben ist. Die sonstigen 
Änderungen sind mehr redaktioneller Art, wie z. B. auch die tun¬ 
lichste Vermeidung überflüssiger Fremdwörter. Der Druck ist ge¬ 
fälliger und läßt durch Zwischen- und Randtitel die Einteilung über¬ 
sichtlicher hervor treten. Auszugsweise hat die Direktion ein Merk¬ 
blatt in dreierlei Ausführung herstellen lassen, für Benützer am 
Ort im allgemeinen, für die Studierenden der Münchener Hoch¬ 
schulen, für auswärtige Entleiher, das die hauptsächlichsten Vor¬ 
schriften in gekürzter Zusammenstellung darbietet. 

Die Vermehrung der Münchener Papyrussammlung in den 
letzten Jahren und das täglich wachsende Interesse für die Papyrus¬ 
wissenschaft, die nunmehr auch an der Münchener Universität in 
Leopold Wenger und Friedrich Zucker zwei Spezialvertreter erhalten 
hat, ließen es wünschenswert erscheinen, dem Forscher die Haupt¬ 
werke seines Gebietes in bequemer Weise jederzeit zugänglich zu 
machen. In der Zusammenstellung einer im Hebenraum des Hand¬ 
schriftensaals unter gebrachten Papyrologischen Handbibliothek fand 
der Gedanke seine Verwirklichung. Dem Begriff Papyrologie wurden 






Münchener Brief 


37 


dabei nicht die üblichen engen Grenzen gezogen. Es gelangten nicht 
nur die bekannten Ausgaben griechischer Urkunden und literarischer 
Texte zur Aufstellung, sondern auch die wichtigsten Ausgaben 
demotischer, hieratischer und anderer Papyri. Andererseits mußte 
auch die Literatur über die Papyri berücksichtigt werden, deren An¬ 
ordnung nach folgenden Gesichtspunkten erfolgte: 1. Papyrus¬ 

forschung i. allg., 2. Palaeographie und Buchwesen, 3. Sprache, 4. Ge¬ 
schichte und Geographie, 5. Recht, 6. Religion, 7. Heerwesen, 8. Me¬ 
trologie und Humismatik. Die neue Handbibliothek wurde von den 
Interessenten lebhaft begrüßt. Sie erfreut sieh einer regen Benützung, 
die sich in Zukunft noch steigern wird. — Die wertvolle Gruppe 
Codices iconographici der Handschriftenabteilung ist durch eine Codices 
Sammlung von Handzeichnungen und Entwürfen des seinerzeitigen iconographici. 
Hofbaudirektors Eduard von Riedel (1813—1885; vgl. Allgemeine 
Deutsche Biographie 28, S. 520 f.) bereichert worden. Diese schöne 
Erwerbung besteht aus 368 Blättern mit Arbeiten Riedels aus den 
verschiedenen Perioden seiner künstlerischen Tätigkeit. Er begann 
seine Laufbahn als Hofarchitekt König Ottos von Griechenland, 
dessen Palast in Athen er nach Gärtners Plänen baute. Der Höhe¬ 
punkt seines Wirkens fällt in die Zeit der baulichen Unternehmungen 
König Maximilians II. von Bayern, deren eigenartiger Stil haupt¬ 
sächlich in der Maximilianstraße in München durchgeführt wurde, 
wo auch Riedels bekannteste Schöpfung, das alte Hationalmuseum, 
steht. Hach Klenzes Tod wurde er dessen Hachfolger als Leiter der 
Hofbauintendanz. In dieser Stellung entwarf er dann noch für König 
Ludwig II. unter anderem die Pläne zum Schlosse Heuschwanstein. 

Die k. Hof- und Staatsbibliothek besitzt unter ihren französischen Voltaire. 
Handschriften eine Reihe von Werken Voltaires, nämlich Godd. gall. 

226 Pucelle, 149/150 und 151/152 Essai sur les revolutions du monde 
(— Historie universelle), 426/427 L’Orphelin de la Chine, 425 
Tancrede. Der Münchener Romanist Prof. Leo Jordan hat sich mit 
diesen Handschriften, deren Herkunft aus der pfälzischen Bibliothek 
in Mannheim bereits der Münchener Handschriftenkatalog festgestellt 
hat, wie er auch bereits auf die eigenhändigen Einträge Voltaires in 
den Codd. gall. 149/150 aufmerksam machte, näher beschäftigt und 
über die Ergebnisse seiner Untersuchungen zuerst in den Münchener 
Heuesten Hachrichten, Hr. 476 vom 11. Okt. 1911, dann ausführ¬ 
licher im Archiv für das Studium der neueren Sprachen, 65. Jg., 

Bd. 127, der Heuen Folge 27. Bd., 1911, S. 129—152, berichtet. In 
diesem ersten Aufsatz, dem noch weitere folgen sollen, wird der 
Hachweis geführt, daß die genannten Handschriften, mit Ausnahme 
der Pucelle, Geschenke Voltaires an den Kurfürsten Karl Theodor 
von der Pfalz sind, der ein warmer Freund und Verehrer des Dichters 
war, wie sich aus dem Briefwechsel der beiden Männer ergibt. Die 
Ergebnisse der Untersuchungen Jordans im einzelnen sind die fol¬ 
genden: Die Pucelle ist eine Version in 14 Gesängen, etwa von 1740, 
die älter ist als der vom Jahre 1755 stammende erste Druck. Dieser 
Handschrift liegen noch zwei einzelne Gesänge bei, Geschenke Vol- 





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Deutsches Reich 


Facsimile- 

ausgaben. 


taires an den Kurfürsten von 1760. Oodd. galt. 151/152 der Histoire 
universelle waren 1753 schon im Besitze Karl Theodors und gehören 
sehr wahrscheinlich der ältesten Redaktion an; Codd. gall. 149/150, 
Geschenke des Jahres 1754, sind wohl Abschriften der Umarbeitung 
dieses Jahres und enthalten, wie schon der Handschriftenkatalog fest¬ 
stellte, eigenhändige Verbesserungen Voltaires. Von L’Orphelin de 
la Chine ist Cod. gall. 426, der erste Entwurf in 3 Akten vom Jahre 
1754, „eine Rarität allerersten Ranges“, Cod. gall. 427 die Um¬ 
arbeitung in 5 Akten von 1755; beide gehen den Drucken voraus. 
Der Tancrede gelangte 1759 in die Hände des Kurfürsten, bevor 
er noch zur Aufführung kam, und bietet die erste Gestaltung dieses 
Stückes, das übrigens dem Empfänger nicht gefiel. Auch von der 
Olympie übersandte Voltaire 1762 eine Abschrift, der im nächsten 
Jahre noch eine zweite folgte, die für den von Colini gewünschten 
Druck die endgültige Fassung enthielt. Beide Handschriften sind 
verschollen; vielleicht wurden sie als Druckereimanuskripte benützt 
und gingen dabei zugrunde. 

Die im letzten Brief (S. 159 f.) erwähnte Nicolai De prelijs 
et occasu ducis Burgundie historia liegt jetzt in zwei Bändchen vor, 
von denen das eine das Faksimile, das andere eine freie Übersetzung 
nebst einem Nachwort von Rudolf Luginbühl in Basel enthält. Leider 
wurde das Faksimile nach dem rubrizierten Exemplar der k. Hof- 
und Staatsbibliothek hergestellt, die Rubrikatur aber teilweise bei der 
Wiedergabe weggenommen. Dadurch hat die Klarheit und Verlä߬ 
lichkeit der Reproduktion sehr gelitten. — In den von Otto Clemen 
herausgegebenen Zwickauer Faksimiledrücken, in denen nicht, wie 
der Titel vermeinen lassen könnte, nur Stücke der berühmten 
Zwickauer Ratsschulbibliothek wiedergegeben werden, ist neuerdings 
wieder ein seltener Druck der k. Hof- und Staatsbibliothek in Mün¬ 
chen als Nr. 5 reproduziert worden. Schon die Nummern 3: Ars 
moriendi, Holztafeidruck von c. 1470, und 4: Canticum Canticorum, 
Holztafeldruck von ca. 1465, beide Zwickau 1910, waren nach Mün¬ 
chener Exemplaren (Xyl. 14 und 33) angefertigt worden. Die neue 
Nummer enthält das Leiden Jesu Christi unseres Erlösers von Wolf¬ 
gang von Män, Augsburg, Hans Schönsperger d. j. 1515, ein mit 
wechselnden Randleisten eingefaßter Druck, der überdies mit Holz¬ 
schnitten von Burgkmaier, Schäufelin und Jörg Breu geziert ist. 
Das Original gehörte einst der Witwe Herzog Albrechts IV. von 
Bayern, Kunigunde, der Tochter Kaiser Friedrichs III. Nach dem 
Tode des Herzogs (1508) war sie in das Pütrichregelhaus (Franzis- 
kanerinnen) eingetreten und hatte diesem bei ihrem Tode (1520) 
ihre Bücher vermacht; bei der Säkularisation (1803) kamen sie an 
die k. Hof- und Staatsbibliothek. — Von den kostbaren Stücken, 
deren Faksimileausgaben in Vorbereitung sind, wird wohl zuerst die 
einzig erhaltene Handschrift des ganzen babylonischen Talmud , der 
berühmte Cod. hebr. 95, vollendet werden. Der hohe Wert dieser 
durch nichts zu ersetzenden Handschrift hatte den Berliner Talmud¬ 
forscher Hermann L. Strack schon vor Jahren den Plan eines voll- 






Münchener Brief 


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ständigen Abdruckes fassen lassen, der jetzt dank der Initiative des 
bekannten Verlages von A. W. Sijthoff in Leiden durch das Unter¬ 
nehmen einer vollständigen Faksimilereproduktion in Lichtdruck 
ersetzt worden ist. Damit ist durch das Entgegenkommen und die 
Mitwirkung des Direktors Schnorr von Carolsfeld ein Wunsch in 
Erfüllung gegangen, mit dem sich schon sein Vorgänger, Geheimrat 
von Laubmann, beschäftigt hatte, den einzigartigen Kodex von so 
außerordentlichem Wert vor den Schädigungen einer überaus starken 
Benützung schützen zu können. Die Wiedergabe wird, um die kleine 
Schrift besser lesbar zu machen, um 1 / 5 gegen das Original vergrößert. 
Am Kopf jeder Tafel wird ihr Inhalt, am rechten Band die Seiten¬ 
zählung der gewöhnlichen Talmudausgaben beigedruckt. Die 1140 
Tafeln werden auf 2 Bände verteilt, deren Subskriptionspreis von 
100 Mk. in zwei Katen zahlbar ist. Dem Prospekte hat A. Berliner 
eine kurze Geschichte der Handschrift beigegeben, der wir in Kürze 
folgende Angaben entnehmen. Die ursprünglich französische Hand¬ 
schrift wurde gegen Ende des Jahres 1342 von deutscher Hand 
beendet. Vom ersten Besitzer rühren die vielen Marginalnoten her. 
Der zweite Besitzer war der berühmte Rabbi Matatja ben Joseph, 
der von Karl V. als Oberrabbiner von Frankreich anerkannt wurde. 
Sein Erbe war sein Sohn, der 1394 aus Frankreich auswanderte 
und 1430 in Italien starb. Am 23. August 1480 wurde der Kodex 
in Padua von Jakob ben Uatan aus Perugia verkauft; an wen, ist 
nicht bekannt, doch werden Deutsche als Zeugen des Handels ge¬ 
nannt. Seit 1588 ist die Handschrift im Besitz von Mitgliedern der 
Familie Ulmo-Ginsberg, die in und um Pfersse bei Augsburg ansässig 
war. Etwa 200 Jahre später, im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, 
wurde sie Eigentum des Benediktinerklosters Polling, behielt aber 
die Bezeichnung „Pferseer Talmudhandschrift“ bei, auch nachdem 
sie im Anfang des 19. Jahrhunderts bei der Säkularisation an die 
k. Hof- und Staatsbibliothek übergegangen war. — Außer dem großen 
Unternehmen der Reproduktion der Pferseer Talmudhandschrift 
befindet sich noch ein anderer Plan in Vorbereitung. Es besteht 
nämlich die Absicht, eine Veröffentlichung ins Leben zu rufen, welche 
hervorragende Stücke aus bayerischen Bibliotheken in Faksimile¬ 
ausgaben enthalten soll. Die Sammlung ist möglichst vielseitig 
gedacht und wird deshalb Reproduktionen von Handschriften, 
Drucken, Einbänden, Einblattdrucken, Flugschriften in bunter Reihe 
bringen. Wenn man bedenkt, an wie verschiedenen Stellen bisher 
Seltenheiten der Münchener Staatsbibliothek in Faksimile veröffent¬ 
licht worden sind, oft unter Titeln, die wie bei den Zwickauer Drucken 
oder dem von Seymour de Ricci herausgegebenen Rabelais gar nicht 
die Vorlage in München vermuten lassen, wird es als ein Vorteil 
einer solchen Sammlung angesehen werden dürfen, daß hiedurch eine 
tunlichste Vereinigung solcher Ausgaben an einer Stelle der sonst 
drohenden Zersplitterung vorgebeugt werden kann. Daneben ist wohl 
auch die Anregung nicht gering anzuschlagen, die für weitere Arbeiten 
von einer solchen, einmal bestehenden Veröffentlichung ausgeht. Durch 







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Deutsches Reich — Münchener Brief 


solche eingehendere Beschäftigung mit den vornehmsten Schätzen der 
Bibliotheken kann die Auffassung des bibliothekarischen Berufes nur 
gefördert werden, die es für wünschenswert hält, wenn neben dem 
rein dienstlichen auch ein persönliches, inneres Verhältnis zur Biblio¬ 
thek erwächst, an der man tätig ist. Unter den Stücken, deren Wieder¬ 
gabe bis jetzt gesichert ist, nimmt die berühmte Handschrift der 
Carmina Burana die erste Stelle ein. 

Miszellen. Als Ergänzung zu Schwenkes Nachtrag zu dem Aufsatz Seymour 

de Riccis ,, Jean Richenbach\ un relieur du XV e siede“ im 27. Jahr¬ 
gang (1910) des Z. f. B., S. 413, berichtet Loubier in derselben Zeitschrift 
Jg. 29 (1912), S. 19—25, über zwei weitere Einbände Richenbachs, 
deren einer sich im Besitz der Staatsbibliothek in München, der andere 
in dem Besitz der fürstlich Löwensteinschen Hofbibliothek in Klein- 
Heubach befindet. Er gibt dabei eine vorläufige Zusammenstellung der 
von dem Meister gebrauchten Stempel, sowie einige Beobachtungen über 
dessen besondere Technik. — Sebastian Killermann, Die Miniaturen im 
Gebetbuche Albrechts V. von Bayern (1574). Ein Beitrag zur Geschichte 
der Insekten- und Pflanzenkunde. Mit 29 Tafeln. Straßburg, Heitz 1911. 
[Studien zur deutschen Kunstgeschichte. 140] (87 S.) (K. gibt in seiner Ar¬ 
beit eine genaue Beschreibung der mit unübertrefflichen Miniaturen figür¬ 
licher und ornamentaler Art geschmückten Handschrift, Clm. 23640 
(ZZ. 640, Cim. 48) und ihres Einbandes; stellt die abgebildete einhei¬ 
mische Fauna und Flora zusammen und würdigt einige ausländische 
Pflanzen, die in der Entstehungszeit der Handschrift als große Selten¬ 
heiten in den Gärten auftauchten; als Maler wird der Niederländer Georg 
Hoefnagel nachgewiesen, der Schöpfer des wegen seiner Miniaturen be¬ 
rühmten Meßbuchs (Nr. 1784 der Wiener Hofbibliothek.) — Karl Schotten- 
lohar, Die Wittelsbacher und das Buchwesen. Anmerkui gen zur Wittels¬ 
bacher Ausstellung der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, im Bayerland, 
22. Jg. 1911, Nr. 32—36, mit 14 Abbildungen. — Erich Petzet und 
Otto Glauning, Deutsche Schrifttafeln des IX. bis XVI. Jahrhunderts aus 
Handschriften der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek zu München. II. Mittel¬ 
hochdeutsche Schriftdenkmäler des XI. bis XIV. Jahrhunderts, München 
1911. 

Bamberg. Maximilian Pfeiffer, Einzel-Formschnitte des XV. Jahrhunderts in 

der Kgl. Bibliothek Bamberg. 2. [und letzter] Band. Mit 29 Nachbildun¬ 
gen, wovon 15 handkoloriert. Straßburg, Heitz 1911. (21 S., 1. Bl., 
29 Taft.) [Einblattdrucke des XV. Jahrhunderts. Herausgegeben von Paul 
Heitz 18]. — Adolf Schmidt, Die Ablaßbriefe für Neuhausen bei Worms 
1461 und 1462. Nachtrag. Mit 1 Abbildung. [Zeitschrift für Bücherfreunde. 
Neue Folge. 3, 1 (1911), S. 131 f.] (Berichtet von einem dritten, in 
der Kgl. Bibliothek zu Bamberg befindlichen, auf Pergament gedruckten 
Gießen. Exemplar von 1462, das für eine weibliche Person bestimmt war.) — Geh. 

Kommerzienrat S. Heichelheim hat an seinem 70. Geburtstag (27. Jänner 
1912) dem Gießener Lesehalle-Verein den Betrag von 1000 Mark zu- 

Heilbronn. gewandt. — Max Crarner, Bücherverzeichnis der Lehrer-Bibliothek, Teil 1. 

1908 (1910). (XI, 186 S.) 2. 1911 (XIV, 178 S.) [Beilage zum Jahres¬ 
bericht des Karlsgymnasium in Heilbronn a. N.] (Die Bibliothek geht bis 






Rundschau der Fremde — Englischer Brief 


41 


auf das Jahr 1575 zurück, in dem sie als Stadtbibiiotbek gegründet 
wurde. Heutiger Bestand etwas über 10.000 Bände, darunter 74 Wiegen¬ 
drucke.) — Hauptkatalog (Schlagwortkatalog) der Bibliothek des Großh. Karlsruhe. 
Bad. Landesgewerbeamtes in Karlsruhe. Mannheim 1911. (930 S.) — 

Längin Theodor, Wissenschaftliche Bibliotheken (in Karlsruhe). Aus: 

Karlsruhe im Jahre 1911, Festgabe der Stadt zur 83. Versammlung der 
Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte. (2 Bl. 8°.) — Ludwig Nürnberg. 
Krauß, Mitteilungen über die Lehrerbibliothek des alten Gymnasiums 
und Beschreibung ihrer ältesten Drucke. 2. Teil. (102 S.) [Beilage zum 
Jahresbericht des Kgl. Alten Gymnasiums in Nürnberg über das Schul¬ 
jahr 1910/11.] (Enthält nicht nur die Fortsetzung der Beschreibung der 
ältesten Drucke, sondern beschäftigt sich nochmals mit der Geschichte 
der sogenannten Weiserstiftung.) — Die Dungersheim-Ganzhornsche Bi- Ochsenfurt. 
bliothek in Ochsenfurt im Archiv für Buchbinderei. 11 (1911/12) S. 91 — 95. 

(Die Bibliothek, Stadtbibliothek, verdankt ihre Entstehung im wesent¬ 
lichen den Stiftungen des Leipziger Professors Hieronymus Dungersheim 
(j- 1540) und des Ochsenfurter Scholasters Hieronymus Ganzhorn (f 1594). 

Nach langer Vernachlässigung soll sie erfreulicherweise jetzt wieder in 
Stand gesetzt und gepflegt werden, was im Interesse der mancherlei 
Seltenheiten, die sie enthält (St. Galler Schützenbrief von 1485, Nürn¬ 
berger [Monats-] Zeitung von 1599, 73 Inkunabeln u. a. m.), sehr zu 
begrüßen ist. — Geo. Henderson, A Manuscript From Ratisbon (Regens- Regensburg, 
bürg, S. Jacobi Scotorum). 1910 [Transactions of the Gaelic Society of 
Inverness. 26 (1904—1907), S. 87 — 111 — Nachtrag zum Verzeichnis Rothenburg, 
der Miscellanea reformatoria der Rothenburger Bibliothek. (Sog. Michaels¬ 
oder Konsistorialbibliothek zu Rothenburg o. Tbr.) Bearbeitet von Aug. 

Schnizlein. Beilage zum Jahresbericht des Kgl. Progymnasiums Rothen¬ 
burg o. T. für das Schuljahr 1910/11. (Bildet den Abschluß der von 
Adolf Georgii f und A. S. geleisteten gründlichen Katalogisierungsarbeit 
dieser wertvollen Bibliothek; vgl. S. 36 dieses Jahrgangs.) — Straßburg, Strajjburg. 
U.-B.; vgl. Z. f. Bw. 29 (1912), S. 38 f. (Bericht über die Einführung 
der Bibliotheksgebühr, den Druck eines Zeitschriftenverzeichnisses und 
eines Systems der Bibliothek, sowie über den Zuwachs.) — Friedrich ‘^ürzburg. 
Leitschuh, Würzburg. Leipzig 1911. (Berühmte Kunststätten 54.) Berichtet 
auf Seite 7—10 auch über die Anfänge des Bibliothekswesens. 

München. _ Otto Glauning. 

RUNDSCHAU DER FREMDE. 

ENGLISCHER BRIEF. 

Henry C. Shelley hat bei Pitman ein umfangreiches Buch Bntssdies 
über das Britische Museum erscheinen lassen; ich werde, wenn useum. 
möglich, später darauf zurückkommen. Ferner habe ich zwei Kataloge, a a °9 e - 
herausgegeben vom britischen Museum, zu erwähnen, J. F. Blum¬ 
hardts Suplementary Catalogue of Bengali Books, ausgegeben im 
Februar 1911, und I)r. L. D. Barnetts Catalogue of Kannada Ba- 
daga und Kurg Books, von 1910; beide in 4°. Die Vorrede des 







42 


Rundschau der Fremde — Englischer Brief 


Reform¬ 

fragen. 


letzteren enthält Angaben über Wesen, Verwandschaft und Ver¬ 
breitung der darin behandelten Sprachen. 

Für die Februar-Versammlung des englischen Bibliothekar¬ 
vereins ist von R. A. Peddie ein Vortrag angekündigt über „Die 
Bibliothek des Britischen Museums, besonders im Hinblick auf einen 
Sachkatalog.“ Da die Versammlung am 8. stattfindet, kann ich 
natürlich heute, am 7., noch nicht darüber berichten, doch kann 
ich einstweilen' von der Genesis dieses Themas sprechen. Zwischen 
dem 15. und 30. Januar brachte die Morning Post eine Reihe von 
Artikeln, Interviews und Briefen über angebliche Mängel in der 
Verwaltung der Bibliothek des Museums. Es fehlt nicht an Stim¬ 
men, die behaupten, daß diese Bewegung auf zwei Ausgangspunkte 
zurückzuführen sei. Einmal bestehe der Wunsch, die Anstellung 
im Dienst des Museums zu einer Art Belohnung für anderwärts 
geleistete Dienste zu machen; es würden dadurch nur Männer in 
höherem Lebensalter zur Anstellung gelangen, ein Ergebnis, das 
man nicht unbedingt als wünschenswert bezeichnen kann. Andererseits 
sei man — und diese Auffassung wird durch das oben erwähnte 
Vortragsthema bestätigt — verdrießlich darüber, daß in der Vor¬ 
rede zu dem jüngst erschienenen Schlagwortkatalog für 1906 bis 
1910 die Ansicht klar und deutlich ausgesprochen ist, daß ein voll¬ 
ständiger Sachkatalog über den ganzen Bestand des Britischen 
Museums ebenso zwecklos wie kostspielig sein würde. 

Die Kampagne in der Morning Post, die erst kürzlich auch 
über den Betrieb der Nationalgalerie kritische Betrachtungen ge¬ 
bracht hatte, wurde eröffnet mit zwei Artikeln „von einem Kor¬ 
respondenten“ ; sie enthielten Behauptungen, die einer starken Ein¬ 
schränkung bedürften, um sie mit den tatsächlichen Verhältnissen 
in Einklang zu bringen. Es folgten einige Interviews und Briefe, 
einige davon sehr maßlos, und dann verlief die Geschichte wieder 
im Sand, da die Morning Post den Gegenstand offenbar wieder 
fallen ließ. 

Neuerdings hat Lord Sudeley eine Broschüre versendet mit 
dem Titel: The Public Utility of Museums, einen offenen Brief 
an die Times, in dem für eine gesteigerte Nutzbarmachung der 
großartigen Schätze unserer Museen, Gemäldesammlungen und 
anderer öffentlicher Sammlungen eingetreten wird. Im Zusammen¬ 
hang damit wies Dr. Walsh darauf hin, daß hiebei auch die Gärten 
in Kew in Frage kämen, und in Übereinstimmung mit anderen 
stellte man fest, daß es notwendig sei, Führer aufzustellen, die ge¬ 
meinverständliche mündliche Erklärungen der ausgestellten Gegen¬ 
stände geben und so den Besuch der Museen fruchtbringend ge¬ 
stalten könnten, der sonst ein zielloses Herumlaufen sei. Der letzte 
Teil der Broschüre beschäftigt sich damit, den Erfolg zu besprechen 
und kritisch zu verwerten, den das Britische Museum mit der 
probeweisen Aufstellung eines Führers gehabt hat, der eine Tätig¬ 
keit ausübte, wie sie in der Broschüre gefordert war. Dieser Führer 
setzt seinen Dienst noch fort und widmet sich zu bestimmten Stunden 






University College in London 43 


unentgeltlich dem Publikum. Wer die Geschichte des Britischen 
Museums kennt, weiß, daß diese Einrichtung nur eine Rückkehr 
zu älteren Gepflogenheiten darstellt; der Unterschied besteht nur 
darin, daß früher der Führer alle Personen mitnahm, während er 
jetzt abgeschlossene Gruppen bildet, ohne andere Besucher bevor¬ 
munden zu wollen. 

Was die Artikel der Encyclopaedia Britannica über Biblio- 
theken und bibliothekarische Fragen anlangt, so finde ich, daß sie 
etwas zersplittert sind, doch haben sie alle Fachmänner und an¬ 
erkannte Autoritäten zu Verfassern und sind, soweit ich in der 
Lage war sie nachzuprüfen, ausgezeichnet gearbeitet. So ist unter 
dem Stichwort Libraries in Band 16 ein guter Überblick über Bi¬ 
bliotheksgeschichte und Bibliotheksverhältnisse von H. R. Tedder 
und J. Duff Brown. Die Bibliotheken von Österreich-Ungarn werden 
kurz besprochen auf S. 570; natürlich werden englische und 
amerikanische Bibliotheken ausführlicher behandelt als die anderer 
Länder. Die Artikel Book und Bibliography, Bibliology sind von 
A. W. Pollard, der im Artikel Incunable auch ein Verzeichnis von 
Faksimiles gibt. Das Stichwort Bibliography enthält auch die An¬ 
gaben über die verschiedenen angrenzenden und verwandten Ge¬ 
biete, nämlich Buchdruckerkunst, Bucheinbände (von C. J. Daven- 
port', Illustration (von Lawrence Housman) und Büchersammeln 
— alles gute Übersichten über die verschiedenen Materien nach 
dem jetzigen Stand des Wissens. 

Die Neuerscheinungen und anderes muß ich leider für den 
nächsten Brief zurückstellen. 

London, 7. Februar 1912. L. C. W har ton. 

(Aus dem Ms. des Verf.s übersetzt von O. G. in München). 

* * 

* 

DIE BIBLIOTHEKEN DES UNIVERSITY COLLEGE IN LONDON. 

Wenn ein Bibliothekar vom Festlande nach London hinüberkommt» 
so fesselt seine Aufmerksamkeit in erster Linie immer wieder das in der 
Vereinigung von Museum und Bibliothek einzig dastehende Britische 
Museum. Er braucht ja dort gar nicht tiefer sich in den Betrieb der 
Bibliothek einweihen zu lassen. Schon die überaus reichhaltige Ausstellung 
von Handschriften und Drucken, an die in diesem Jahr anläßlich des 
dreihundertjährigen Jubiläums der autorisierten englischen Bibel eine 
Bibelausstellung angegliedert war, bietet eine Fülle von Belehrung. In 
der neuern Zeit ist dann zu der schon seit langem im Britischen Museum 
aufbewahrten Tontafelbibliothek des Königs Assurbanipal eine Nachbildung 
des vor zehn Jahren in Susa aufgefundenen Basaltblockes hinzugekom¬ 
men, der das Gesetzbuch des babylonischen Königs Hammurabi aus 

dem 3. Jahrtausend v. Chr. enthält. 

Aber es gibt doch auch noch andere Bibliotheken in London, die 
unsere Aufmerksamkeit verdienen. Anfang September 1911 war es mir 
vergönnt, dank einer Anregung meines Freundes Dr. Robert Priebsch, 


Encyclo¬ 

paedia 

Britannica. 







44 


Rundschau der Fremde — London 


Professors an der Universität in London, unter der freundlichen Führung 
des Bibliothekars R. W. Chambers die Bibliotheken im University College, 
das jetzt einen Teil der Londoner Universität bildet, zu besichtigen. 
Diese Bibliotheken bilden eigentlich eine zweite und zwar größere Univer¬ 
sitäts-Bibliothek in London, denn es gibt außerdem auch noch eine 
Library of the University. Sie enthilten ungefähr 130.000 Bände. 

Was an den Bibliotheken des University College besonders be¬ 
merkensweit ist, ist dies, daß sowohl die allgemeine Bibliothek wie die 
Bibliotheken der einzelnen Institute (Seminare) in demselben Haus un¬ 
mittelbar nebeneinander untergebracht, also räumlich vereinigt sind. Es 
ist also hier das Ideal, das man im Deutschen Reich als anstrebenswert 
bezeichnet hat, 1 ) tatsächlich erreicht. Man gelangt von der Eingangs¬ 
halle geradeaus zunächst zu dem allgemeinen Lesesaal. Links von diesem 
ist die science library untergebracht, rechts erstreckt sich ein langer 
Gang, von dem aus links und rechts Türen in die Seminare mit ihren 
Büchereien führen. Hier sind eine archäologische, englische, germanistische, 
geschichtliche, romanistische, orientalische und philosophische Bibliothek 
(die arts libraries) unter gebracht, am Schlüsse die 1905 dem College ge¬ 
schenkte Mocatta-Bibliothek, die Werke über jüdische Geschichte und 
Altertümer enthält. Die Bibliothek des germanistischen Seminars bestand 
1908 aus 4000 Bänden. Über welche Mittel dieses Seminar verfügt, kann 
man daraus erschließen, daß es Werke wie die Monumenta Germaniae 
historica und die von Chroust herausgegebenen Monumenta palaeographica 
besitzt. Im letzten Frühjahr konnte es sogar bei der 10. Versteigerung 
von Phillipps-Handschriften in Wettbewerb mit der Königlichen Bibliothek 
in Berlin treten. Über die in der Bibliothek des romanistischen Seminars 
vorhandene reiche Dante-Literatur hat R. W. Chambers einen schön aus¬ 
gestatteten Katalog veröffentlicht (Catalogue of the Dante collection in 
the library of University College London, Oxford, 1910, 8°, 152 S.). 
Über die Bibliotheken des University College kann man sich in Kürze 
unterrichten aus der übersichtlichen Darstellung: General information 
respecting the libraries in the central building of the University of 
London, South Kensington, S. W., and at University College. London, 
1908, 8° (22 9 S. —{— 1 Plan). Solche gedruckte Führer, deren es z. B. 

im Britischen Museum erfreulicherweise eine ganze Anzahl gibt, könnten 
auch bei uns reichen Nutzen stiften und die Einführung in die Zu¬ 
sammensetzung und den Betrieb einer Bibliothek beträchtlich erleichtern. 

Graz. Ferdinand Eichler. 

ITALIENISCHER BRIEF. 

Bibliographischer Kongreß. 

Vom 26. bis zum 28. Oktober 1911 wurde in Rom der neunte 
italienische bibliographische Kongreß abgshalten. Unter den Persön¬ 
lichkeiten, die an der Eröffnungsfeier teilnahmen, bemerkte man den 

) Vgl. Zentralblatt für Bibliothekswesen, 23. Jg., 1906, S. 364. Zeitschrift 
des österr. Ver. f. Bibliothekswesen, 2. Jg., 1911, S. 117. 






Italienischer Brief 


45 


Minister für öffentlichen Unterricht, der die Arbeiten des Kongresses 
mit einer Ansprache eröffnete. Er hob die große Bedeutung der 
Bibliotheken für das wissenschaftliche Leben Italiens hervor und 
gedachte der Vorkehrungen, die getroffen werden sollen, um die 
Bibliotheken auch wirklich in den Stand zu setzen, ihrer hohen 
Aufgabe gerecht zu werden, vor allem der für die Aufnahme des 
immer mehr anschwellenden Büchermateriales notwendigen Neu¬ 
bauten. 

Es sei uns hier gestattet, wenigstens in kurzem auf die wichtigsten 
technischen und praktischen Fragen einzugehen, die den Kongreß 
während seiner dreitägigen Sitzung beschäftigten. Dr. Giovanni 
Carbonelli stellte den Antrag, die Societä bibliografica möge die Ini¬ 
tiative zur Abfassung eines Generalkataloges der auf italienischen 
Bibliotheken vorhandenen Inkunabeln ergreifen. Der Antrag wurde 
von den Professoren Sorbelli und Novati unterstützt und der Kongreß 
genehmigte eine Resolution in diesem Sinne. — Prof. Sorbelli 
erstattete einen Bericht über die Inventare der Handschriften 
italienischer Bibliotheken und Prof. Novati über das italienische 
bio-bibliographische Wörterbuch. Eine Frage, die für zahlreiche 
Kongreßmitglieder von Interesse war, ist die über die städtischen 
Bibliotheken. Der ausgezeichnete Bericht, den Prof. Sorbslli in 
dieser Frage dem Kongresse vorlegte, gab Veranlassung zu einer 
angeregten Diskussion, die zu folgender Resolution führte: „Der 
neunte italienische bibliographische Kongreß fordert mit Rücksicht 
auf die Bedeutung, welche die Provinz- und städtischen Bibliotheken 
für die lokale und nationale Kultur besitzen, die, wenn gut verwaltet, 
kleine Zentralpunkte von wertvollster Kraftentfaltung werden können, 
daß der Staat die Gründung von Bibliotheken in den Provinzial¬ 
hauptstädten fördere und, wo sie noch fehlen, für die tatkräftige 
Anwendung des Art. 10 des Regolamento Sorge trage, soweit dieser 
auf städtische Bibliotheken Anwendung findet; daß er ferner diesen 
Bibliotheken durch finanzielle Unterstützung die Möglichkeit biete, 
den Anforderungen, welche die heutige Wissenschaft an sie stellen 
muß, pünktlicher und genauer zu entsprechen. “ Dr. Agostinoni sprach 
über die „Verbreitung des Buches in den niederen Schichten der Be¬ 
völkerung“, indem er auf die bewundernswerte Tätigkeit des Ver¬ 
bandes der Mailänder Volksbibliotheken hinwies, sowie auf die der 
Federazione italiana delle biblioteche popolari. Der Kongreß faßte 
einen Beschluß, auf die Schriftsteller Italiens in dem Sinne einzu¬ 
wirken, daß diese sich mehr der Schaffung von Volksbüchern zuwen¬ 
den; der Staat dagegen sei aufzufordern, statt der gelegentlichen 
finanziellen Unterstützung solcher Volksbibliotheken ihjnen lieber 
Bücher zuzuwenden, die hier dauernd Aufstellung fänden. — Prof. 
Morpurgo, Direktor der Nazionale in Florenz, berichtete über das 
Kapitel „Biblioteche e archivi della stampa“. Er betonte die Not¬ 
wendigkeit, die doppelte Bestimmung der Bibliotheken auseinan¬ 
der zu halten: die eine, welche dahin gehe, den Studenten und Wi߬ 
begierigen über die verschiedenen Zweige der Kultur genaue Aus- 






46 


Rundschau der Fremde 


kunft zu erteilen; die andere, welche freilich nur die größeren Biblio¬ 
theken betrifft, jede Betätigung der Kultur der Gegenwart zu sam¬ 
meln und aufzubewahren. Er hebt hervor, wie der Baummangel eine 
Gefährdung der wichtigeren Kategorien der Bücher bedeute, da das 
Gesetz über die Ablieferung von Pflichtexemplaren Unmengen der 
bescheidensten Druckschriften in die Bibliotheken werfe, die, wenn 
sie auch heute im allgemeinen wertlos seien, später einmal von For¬ 
schern der verschiedensten Bichtungen würden gesucht werden. Diese 
müßten in „DrucJcschriftenarchiven“ aufbewahrt werden, welche 
außerdem die politischen Zeitungen, die Veröffentlichungen der Ver¬ 
waltungsbehörden, die Lehrbücher für den öffentlichen und privaten 
Unterricht, für religiöse Erziehung, die Kalender, kleine Erzählun¬ 
gen und fliegende Blätter aufzunehmen hätten, ein Material, das wohl 
aufbewahrt werden, aber nicht die Kataloge beschweren müsse. Dieser 
Vortrag rief eine lebhafte Debatte hervor und der Kongreß faßte den 
Beschluß, an das Ministerium für öffentlichen Unterricht mit dem 
Ansuchen heranzutreten, eine Kommission von Bibliothekaren ein¬ 
zusetzen, die der Frage über die Art der Aufstellung von unbedeu¬ 
tenderen Druckwerken näher zu treten und darüber Bericht zu er¬ 
statten hätte. — Guter Aufnahme hatte sich der Bericht des Dr. Ber- 
tarelli über die „Grundzüge einer Bibliographie des italienischen 
Porträts“ zu erfreuen, ein Unternehmen, das die Societä bibliografica 
unterstützen wird. — Zum Schlüsse wurde von Prof. Loria die Not¬ 
wendigkeit einheitlicher Vorschriften für die Abfassung von Kata¬ 
logen und alphabetischen Verzeichnissen erörtert. Der Kongreß faßte 
den Beschluß, die Anträge des Bedners zur Ausführung zu bringen. 

Wie wir sehen, ein reiches Arbeitsprogramm, das da ausgebreitet 
wurde; die Societä bibliografica wird zufrieden sein, wenn sie auch 
nur einen Teil davon wird zur Ausführung bringen können. 

N euer scheinungen. 

Erschienen ist der zweite Band des Catalogo dei codici Marciani 
italiani a cura della Direzione della B. Biblioteca nazionale di 
S. Marco in Venezia. Bedatto dai biliotecari C. Erati ed A. Segarizzi. 
Modenna, 1911, 8°, XXI, 423 S, In diesem Bande sind zwei Klassen 
der italienischen Handschriften beschrieben, die IV.: Mathematik und 
zeichnende. Künste und die V.: Kirchengeschichte. Die IV. Klasse 
sollte eigentlich auch die musikalischen Handschriften umfassen, sie 
wurden aber einem eigenen Kataloge Vorbehalten. Von den Hand¬ 
schriften über praktische Musik wurde bereits der Hauptteil von 
Taddeo Wiel unter dem Titel: I codici musieali Contariniani del 
secolo XVII nella B. Biblioteca di S. Marco in Venezia, illustrati. 
Venezia, 1888 beschrieben. Dieser zweite Band enthält die Be¬ 
schreibung von 364 Handschriften, die vereint mit denen des ersten 
im Jahre 1909 erschienenen Bandes ungefähr 1000 Handschriften¬ 
beschreibungen ergeben, also zirka ein Fünftel des gesamten Bestandes 

Aufmerksam gemacht sei hier auch auf einen wichtigen, illu¬ 
strierten Aufsatz von Dr. Giulio Coggiola, Vizebibliothekar der Na- 





Italienischer Brief 


47 


zionale in Florenz, in Oktober-November heft 1911 der Rivista delle 
biblioteche: Uber das Umbinden von Büchern. 

Notizen. 

Die Rassegna Pugliese hat im Jänner d. J. die Idee erörtert, eine 
Bibliothek in Tripolis zu errichten. Andere Zeitschriften und Zei¬ 
tungen haben diesen Gedanken aufgenommen und gefördert und die 
Proponenten haben infolge dessen soviele Bücherangebote aus allen 
Teilen Italiens erhalten, daß die Idee festere Formen anzunehmen be¬ 
ginnt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Ministerium für öffent¬ 
lichen Unterricht sich mit diesem Gedanken beschäftigen und seiner 
Zeit — und vielleicht schon bald — ihn den Verhältnissen entspre¬ 
chend verwirklichen wird. — Die Biblioteca Palatina in Parma hat 
einen reichen Zuwachs durch die Büchersammlung des Abtes Pietro 
Perau, eines großen Orientalisten, der vor kurzer Zeit starb, erhalten. 
Der Wille des Erblassers wurde im Dezember des verflossenen Jahres 
ausgeführt und damit ist die Bibliothek in den Besitz einer Samm¬ 
lung von 14.000 Bänden gelangt, die dadurch zugleich vor der völ¬ 
ligen Zerstreuung bewahrt wurden, was um so erfreulicher ist, da 
die Sammlung eine Fülle der wichtigsten Werke enthält. — Das 
Ministerium für öffentlichen Unterricht will die Universitätsbiblio¬ 
thek in Messina, die durch das Erdbeben vom 28. Dezember 1908 ver¬ 
nichtet wurde, wieder herstellen. Seit drei Jahren sorgt diese Biblio¬ 
thek für den Leihverkehr und das Lesebedürfnis mit dem Reste jener 
modernen Bücher, die aus den Ruinen aufgelesen wurden und die 
nun ohne einen Katalog in den provisorischen Zelten der Universität 
aufgestapelt sind, aber nur für die Bedürfnisse der philosophischen 
und juristischen Fakultät genügen. Ende Jänner wurde Bibliothekar 
Dr. Guido Calcagno mit dem. Aufträge nach Messina entsendet, das 
bibliographische Material zu sichten. Wie wir erfahren, werden in 
der nächsten Zeit Beamte anderer Bibliotheken ihm zur Verfügung 
gestellt werden; wir hören auch, daß er anfangs Februar bereits damit 
begonnen hat, das vorhandene Büchermaterial zu ordnen und Kata¬ 
loge und Inventare anzulegen; auch hat er einen endgültigen Arbeits¬ 
plan entworfen, nach welchem, vielleicht in zwei Jahren, der Trans¬ 
port des Bücherbestandes in die künftigen Räume der neu zu errich¬ 
tenden Bibliothek stattfinden soll. 

V olksbibliotheken. 

Wachsender Gunst erfreuen sich in Italien die Volksbibliotheken 
und besonders die Bibliotheken für Volksschulen. Beide haben eifrige 
Gönner und Gönnerinnen gefunden, die mit geringem Aufwand an 
Zeit und Geld diese überaus nützlichen Sammlungen zur Blüte ge¬ 
bracht haben. Die Volksbibliotheken haben seit einigen Jahren ihr 
eigenes Organ, das Nachrichten über die Unternehmungen bringt. 
Ursprünglich hieß es: Bollettino delle biblioteche popolari, jetzt: 
La coltura popolare. Ein eigenes Organ besitzen auch die Schulbiblio¬ 
theken, ein Bollettino, in welchem das Zentralkomitee in Bologna 





48 


Rundschau der Fremde 


Die Akademi¬ 
schen Biblio¬ 
theken. 


Akademie 
der Wissen¬ 
schaften. 


jenen, die sich mit der Verbreitung von Büchern unter den Kindern 
des Volkes beschäftigen, praktische Ratschläge erteilt, und über die 
Arbeiten verdienter Persönlichkeiten berichtet. Tiber die Tätigkeit 
der Landkomitees berichten diese selbst in eigenen Mitteilungsn. Das 
Ministerium für öffentlichen Unterricht ermutigt und organisiert 
diese verdienstvolle Tätigkeit. In amtlichen Rundschreiben gibt sie 
den Volksschullehrern Anweisungen für ein richtiges Funktionieren 
dieser kleinen Schulbibliotheken. Den besonders tüchtigen Volks¬ 
bibliotheken, die alle vom Zentralkomitee ihrer Vereinigung beraten 
und unterstützt werden, gewährt es besondere Unterstützungen. So 
ergibt sich eine staunenswerte Tätigkeit; in Zusammenkünften, im 
Ankauf von antiquarischen Büchern, in der Lieferung von Druck¬ 
werken, in den billigeren Preisen für Einbände und in anderen For¬ 
men der Unterstützung spricht sich die Hoffnung auf ein tatkräftiges 
Leben aus. 

Florenz, Marucelliana. O. Viola. 

(Aus dem Ms. des Verf.s von R. Wo 1 kan in Wien.) 


RUSSISCHE BIBLIOTHEKEN, 

St. Petersbuiger Brief. 

II- 1 ) 

DIE GROSSEN WISSENSCHAFTLICHEN BIBLIOTHEKEN RUSSLANDS. 

Die „Schatzkammern der Reichtümer des russischen Geistes“ 
sind hauptsächlich in drei großen Akademischen Bibliotheken konzen¬ 
triert, der Bibliothek der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 
zu St. Petersburg, der Kaiserlichen öffentlichen Bibliothek ebenda 
und der Bibliothek der Moskauer öffentlichen und Rumjanzovschen 
Museen. Alljährlich erscheinen über die Tätigkeit der Akademi¬ 
schen Bibliotheken seit 1905 sogenannte Otcet-y oder Jahres¬ 
berichte, welche in der Allgemeinen Sitzung der Akademie der Wis¬ 
senschaften am 29. Dezember jedes Jahres zur Verlesung kommen. 
Die Comptes rendus der Kaiserlich Öffentlichen Bibliothek erscheinen 
wenn auch verspätet im Druck, so kamen heraus Otcet Imperatorskoj 
Publicnoj Biblioteki pro 1902 im Jahre 1910 in 8° V + 247 Seiten, 
pro 1903 V + 193, pro 1904 im Jahre 1911 8° VII + 171. Der Re¬ 
chenschaftsbericht der Moskauer Museen pro 1910 erschien anfangs 
1911 als Otcet der Museumsdirektoren an den Minister der Volks¬ 
aufklärung in Moskau in 8° 90 + 29 S. Von der Bibliothek ist auf 
S. 21—37 die Rede. 

Die Bibliotheksberichte der Akademie der Wissenschaften sind 
Sonderabzüge aus dem Generalbericht der Akademie, welche bestanden 
aus Broschüren in 8°, pro 1906 13 S., pro 1907 15 S., pro 
1908—1909 13 S., pro 1910 17 S. Aus diesen Veröffentlichungen 
ist zu ersehen, daß es an Raum und Arbeitskräften für die Bewäl- 


J ) S. diese Zs. II, S. 177 ff. 







St. Petersburger Brief 


49 


tigung des ungeheuren Materials in der ältesten Bibliothek Rußlands 
nur zu sehr gebricht; sie besteht seit dem Jahre 1714, wo sie als 
Kaiserliche Bibliothek Peters des Großen gegründet wurde. Die 
Bücherpalazzos (Kniznija Palaty) der Akademie der Wissenschaften 
sind heutzutage in drei großen Gebäuden untergebracht und bestehen 
aus drei, respektive vier Abteilungen, der ersten oder der slawisch¬ 
russischen Bibliothek, der zweiten oder der ausländischen Bibliothek, 
Bücher in nichtslawischen Sprachen und nichtrussischen, also alle 
Bücher schätze, welche innerhalb zweier Jahrhunderte auf gespeichert 
wurden zur Organisation einer wissenschaftlichen Erforschung Ru߬ 
lands. Einen dritten Teil bildet das sogenannte Asiatische Museum 
in einem Nebengebäude, resp. Gebäudeflügel der Gebäudekomplexe 
am Universitätsquai, sub. Nr. 3 und 5 auf der Basiliusinsel, in der 
Nähe der sogenannten Palaisbrücke, schrägüber dem kaiserlichen 
Winterpalais. Zu den drei Bibliotheksabteilungen, welche von zwei, 
eventuell drei Direktoren verwaltet werden, gibt es vier Ein¬ 
gänge und vier Lesehallen oder besser gesagt Eesezimmei. —Die 
Voranschläge und Projekte eines neuen Etats der Akademie der 
Wissenschaften, die Bibliotheken und die Druckerei einge¬ 
schlossen, sowie eines besonderen Neubaues der Bibliothek 
sollen in der Frühlingssession des russischen Parlamentes, der 
Gossudarstvennaja Duma (Unterhaus) und des Reichsrates (Ober¬ 
haus) zur Durchberatung und Prüfung kommen. 1 ) Die beste Beschrei¬ 
bung der alten Bestände der Bücherpalazzos der Akademie der .Wis 
senschaften findet man in Johann Backmeister „Essai sur la biblio 
theque et le Cabinet des curiosites et d’histoire naturelle de LAcademie 
des Sciences“ (Imprimerie Privilegiee de Weitbrecht^ et Schnorr. 
1776. 8°. 254 S!), ins Russische übersetzt von Vasily Kostygow und 
gedruckt in der Druckerei des Slachetnyj Kadetski korpus im Jahre 
1779. — Uber Bücher auf Stellung, systematische Kataloge und andere 
Fragen der Akademischen Bibliotheksordnung habe ich in meinem 
Reisebericht: Otcet o pojezdke po bibliotekam Avstrii i Germann 
anno 1903 referiert. Daselbst ist auch das berühmte System de< 
Akademischen Bücher auf Stellung, seinerzeit von dem Direktor c er 
Akademie K v. Baer verfaßt, abgedruckt. — Wurden von den Biblio¬ 
thekaren alter Schule, wie Ernst Eduard Kunik, Vostokow-Ostenegg 
und A F Byckov die Pforten der Schatzkammern des menschlichen 
Geistes (vergl. Fritz Milkau, Die Bibliotheken in: Kultur der Ge¬ 
genwart I, S. 544) ängstlich verschlossen gehalten, um gierige Hände 
fernzuhalten, besonders nach den üblen Erfahrungen mit Aloisius 
Pichler, so ist im Anfänge des 20. Jahrhunderts auch in Rußland das 
Bestreben bemerkbar, die Bücherschätze gelehrten Forschern und wis 
sensdurstigen Literaten „freigebig mitzuteilen, damit sie um so 
reicher werden, je mehr aus ihnen geschöpft wird“. Die guten b öigen 
treten in den Rechenschaftsberichten der Akademie der Wissen- 

i) Der Bau der neuen Akademischen Bibliotheken ist hierbei auf 1,084.360 
Rubel veranschlagt. 









50 


Rundschau der Fremde 


Pflicht. 

exemplare. 


schäften der letzten fünf Jahren reichlich und glänzend zutage. 
Es wurden Schenkungen gemacht. Im Jahre 1906 handschriftliche 
Materialien zur Geschichte des russischen Sekten wesens und der 
sogenannten Freiheitsbewegung (Bonc-Brujevic), Puskiniana. Im 
Jahre 1907 die Manuskriptensammlung des Dr. phil. slav. A. Jaci- 
mirskij, von Herrn Beszke in Japan gedruckte russische Blätter 
und Broschüren. Im Jahre 1908 die Papiere und Erinnerungs¬ 
reliquien U. C. Oernysevskij’s Archivstücke zur Geschichte der 
neueren Literatur, die bibliographischen Materialien der Schrift¬ 
steller Puskin, Lermontov, Eylejev, Jazykov, Gogolj, Turgenjev. 
Kopien aus dem 18. Jahrhundert von den Werken der Eagu- 
sanischen Dichter Palmotic, Bunic, Babulin, Vetranic u. a. (vgl. 
Otcet pro 1909, S. 7). Büchersammlungen wurden dargebracht vom 
Exminister Muravjev in Eom (19U9), 40.000 Bände von den Erben 
des Adelsmarschalls von Bybinsk Vladimir Sergejevic Michalkov 
(vergl. Bulletin (Izvestija) de l’Academie Imperiale des Sciences de 
St. Petersbourg (BAJS), VI. Serie, 1910, Kr. 11, S. 829—840), 
von den Geschwistern Passover die reichen Bücher Sammlungen des 
Advokaten A. Passover (alles im Jahre 1910). Die slawische Ab¬ 
teilung bereicherte sich durch Austausch mit den Eedaktionen sla¬ 
wischer Journale und erhielt durch Schenkung Lehrbücher Sammlun¬ 
gen aus Galizien, Serbien und Böhmen, so daß sie in die Methodik 
des slawischen Jugendunterrichtes vollkommenen Einblick gibt. 
LIerr A. L. Petrov hat seine speziellen Sammlungen ungarisch-rus¬ 
sischer Bücher und Zeitschriften historischen wie ethnographischen 
Inhaltes der slawischen Abteilung testamentarisch gestiftet. H. M. Lis- 
sovski: Periodica und historisch bibliographische Materialien. Es 
ginge zu weit, alles das hier aufzählen zu wollen. 

Seit dem 4. Hovember 1900 tagte bei der Akademie der Wissen¬ 
schaften eine Kommission zur Ausarbeitung von Maßregeln zur regel¬ 
rechten Einsammlung der Pflichtexemplare und zur Ausgabe von 
Bücherverzeichnissen 1 ) in Bußland. Dieselbe hatte 12 Sitzungen im 
Laufe der Jahre 1901—1906, die 12. am 15. April 1906. Der Präses 
der Oberpreßverwaltung A. Belgard teilte der Akademischen Kom¬ 
mission mit, daß bei unmittelbar bevorstehender Aufhebung der Prä¬ 
ventivzensur sein Bessort die Verzeichnung der täglich erscheinenden 
Preßerzeugnisse übernehme und es sich angelegen sein lassen müsse, 
die Bibliotheken mit sämtlichen Pflichtexemplaren zu versorgen. Es 
erschienen Begierungsukase am 24. Nov. 1905, 18. März und 26. April 
1906 über die Beaufsichtigung der Preßfreiheit und Organisation 
der Preßgerichtsbarkeit. 2 ) Und so wurden auch wirklich, nach der 

*) Vergl. meinen Aufsatz ,,Po voprosu dela o registracyi . . (Zur Frage 
der Verzeichnung der Preßerzeugnisse und der rechtzeitigen Einsendung der 
Pflichtexemplare an die Staatsbibliotheken) im 3. Heft der Zs. Literaturnyj Vjestnik 
1901, S. 265—277. 

2 ) Vergl. Waldenberg, D. W. Nachschlagebuch über die Presse. Spravocnaja 
knjiga 1907, 8°, VIII u. 157 S. Ein neues Buch über dasselbe Thema erschien 
1911, XVI u. 656 S. (Sprav. knjiga o pecati vsej Rossii). 





St. Petersburger Brief 51 


Reorganisation der Oberpreßverwaltung, seit dem 20. Mai 1907 die 
in Rußland erscheinenden Drucksachen täglich als Pflichtexemplare 
den betreffenden Bibliotheken zugestellt, d. i. gemäß dem Gesetz über 
Pflicht- und Beobachtungsexemplare je eins der Kaiserl. Akademie 
der Wissenschaften, je zwei der Kaiserlich Öffentlichen Bibliothek, 
eines dem Museum Rumjanzow in Moskau, eines der Alexander-Uni¬ 
versität zu Helsingfors, je eines kam mit Auswahl an das PXydro- 
graphische Departement des Flottenministeriums und ebenso eines 
an das Kriegsministerium, eines blieb als Registrations- und Preß- 
gerichtsexemplar in der neu errichteten Bibliothek der Oberpreßver- 
waltung zu bibliographischen und eventuell Reklamationszwecken in 
Gerichtssachen. Außerdem erscheint seit dem Sonnabend 14. Juli 
19074 bis heute einmal wöchentlich, und zwar stets Sonnabend nach¬ 
mittags die Bücherchronik, Knjiznaja Letopis, unter der Redaktion 
des bekannten russischen Bibliographen Andreas Toropov 1 2 ) (v lies 
wie ff), welche jetzt, mit Jänner 1912, ins sechste Editionsjahr tritt. 
Die großen wissenschaftlichen Regierungsbibliotheken haben an den 
Pflichtexemplaren ihr „Leid und Freud“ und können sich sogar durch 
Aufkleben der Büchertitel fertige Katalogzettel herstellen lassen, 
wenn auch in etwas kleiner und oft unleserlicher Schrift. Statt der 
wie in Österreich handschriftlich und früher in Rußland auch hekto- 
graphierten Zensur-, resp. Preßpolizeiregister bekommt der Biblio¬ 
thekar von sieben bis acht Büchereien gedruckte, bibliographisch 
genau kollationierte Verzeichnisse, etwa 50 bis 52 3 ) Wochennummern 
in die Hände. Welche Büchermassen alsdann zu bewältigen sind, 
ersieht man aus den Bibliotheksberichten, besonders der national¬ 
russischen Sektionen. So im Jahre 1908/09 13.977 neue Titel, 2821 
Heuausgaben und zirka 6000 Fortsetzungen und Komplettierungs¬ 
bände; im Jahre 1909/10 10.697 neue bibliographisch bestimmbare 
Bücher und Broschüren, 2745 Heuausgaben und zirka 5500 Fort¬ 
setzungen. Ficht minder merkbar ist der Zuwachs der Periodica: Im 
Jahre 1906 erschienen 700 neue Zeitungen und Journale (Woclien- 
wie Monatschriften), überhaupt 2000 Periodica mit neuem und altem 
Titel; im Jahre 1907/08 erschienen 3155, bei 1155 Heugründungen, 
resp. Umtaufungen; im Jahre 1908/09 wurden überhaupt 1400 

1 ) Im Jahre 1907 erschienen Nr. 1—24; die Bücher waren unter Nr. 1—9027 
verzeichnet. Vorher erschienen größtenteils ohne Indices sogenannte Spiski, 
Verzeichnisse in Gestalt von Sonderabdrücken aus dem offiziellen Regierungs¬ 
boten (Praviteljstvennyj Vestnik). 

2 ) Einer der Gründer des Moskauer Bibliographischen Kreises. Vergleiche 
Moskovskij bibliograficeskij Kruzok, 1. Jahresbericht vom 4. Oktober bis 1. De¬ 
zember 1891. Gab 1894 und 1895 ein bibliographisches Journal, Bücherkunde, 
Moskau, Druck von Ssytin, heraus. 

3 ) Im Jahre 1908 erschienen 50 Nummern, registriert sind 23.852 Bücher 
und Broschüren nichtperiodischen Charakters; anno 1909 50 Nummern, registriert 
sind 26.638 Editionen in allen Sprachen Rußlands. Im Jahre 1910 belief sich die 
Zahl der Preßerzeugnisse auf 29.057 Werke, von denen 6736 in nichtrussischer 
Sprache erschienen sind. (Vergl. Statistika proizvedenij pecati im Jahre 1910. 
St. Petersburg 1911. 8°. 113 S.) Periodica erschienen 2391 in 227 Städten, in 
nichtrussischen Idiomen 602, Zeitungen überhaupt 807, sog. Zss. 1494. 






52 


Rundschau der Fremde 


Titel registriert, darunter 200 neubenannte Editionen; im Jahre 
1910 erhielt man 1470 periodisch erscheinende Ausgaben, darunter 
262 zum ersten Male auf tauchende. Die bibliographische wie biblio¬ 
thekarische Bewältigung dieser Zeitungs- wie Zeitschriftenmasse 
kostet nicht wenig Geld und Arbeitskraft, da alles entweder steif 
broschiert oder eingebunden werden muß. — Generalkatloge von 
Zeitschriften in russischer Sprache erschienen im Jahre 1901 hei der 
Akademie der Wissenschaften unter dem Titel „Spisok russkich 
povremennych izdanij“ von 1703 bis 1899 im ganzen unter 3051 
Nummern registriert. Diese Ausgabe ist Korrekturausgabe und 
bezieht sich gleichzeitig auf die Exemplare der kaiserlichen Akademie 
der Wissenschaften wie der kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek. Zu¬ 
sammengestellt ist dieses Register von Herrn V. J. Sreznevskij, Kon¬ 
servator der Handschriftenabteilung. Von privater Seite wurden 
durch Herrn Lissovskij, 1 ) einen Bibliographen par excellence, Ver¬ 
zeichnisse mit Hinzufügung statistischer Tabellen unter dem Titel 
„Periodiceskaja Pecatj“ in 4° herausgegeben, Lieferung 1 1895, 2 bis 
1901 und 3 im Erscheinen. Die zweite Lieferung schließt mit 
Nr. 1450 und dem Jahre 1880 ab, die letzte umfaßt die letzten 
25 Jahre. 

Bibliographie. Im Dezember 1910 erschien das erste 2 ) Adreß- und Nachschlage - 
buch der Presse für 1911, genannt „Gazetnyj mir“ (Die Zeitungs¬ 
welt), herausgegeben von J. W. Wolfson, Preis 3 Kbl. 75 Kop. Hier 
sind im ganzen 1817 periodische Ausgaben registriert in 24 Sprach- 
gruppen, russisch 74%, polnisch 10%, deutsch 3*6% und so weiter 
bis Esperanto. Eigentliche Journale, politisch-publizistische Perio- 
dica, sind davon nur 31*9%, 9% Regierungsausgaben, 8'8% theo¬ 
logischen Inhaltes usw. Eine vervollständigte Übersicht der Jour¬ 
nalistik Rußlands für 1910 nach offiziellen Daten enthältWaldenbergs 
Nachschiagebuch vom Jahre 1911 (s. o.). Eine eingehende Beschrei¬ 
bung russischer Handschriften erschien 1910: „Opisanije rukopisnago 
otdelenija biblioteki Imperator skoj Akademiji Nauk“, zusam¬ 
mengestellt von V (sevolod) Sreznevskij und Th. (Fedor) Po- 


0 N. M. Lissovskij gab nicht nur eine biobibliographische Beschreibung 
der Werke Mezov’s (bei Gräsel, Handbuch der Bibliothekslehre II, 1902, S. 497 ff. 
M. J. Mezov der einzige russische Bibliograph!), geb. 27. Mai 1831, gest. 17. Mai 
1894, heraus, sondern edierte von 1885—1894 die erste historisch-literarische und 
bibliographische Zeitschrift „Bibliograph“ und veröffentlichte 1889 eine Rubin¬ 
steinbibliographie („H. G. Rubinstein, 50 Jahre seiner musikalischen Tätigkeit“); 
Oktober 1903 erschien, von L. verfaßt, eine kurze Skizze der 100jährigen Tätig¬ 
keit der Druckerei der Familie Glazunov (ein Mitglied dieser Familie ist heute 
Oberbürgermeister, sog. Stadthaupt), 8° 210 S., mit sehr interessanten Druck - 
und Schriftproben sowie Seitenblicken auf die Geschichte des russischen Buch¬ 
handels in St. Petersburg. 1895 — 1900 organisierte L. die bibliographischen Ar¬ 
beiten der Gesellschaft der Druckereibesitzer und sog. Liebhaber für Buchkunst 
und Buchdruck. 

2 ) Vorher, 1904 und 1905, gab der St. Petersburger Herold zu rein prak¬ 
tischen Zwecken der Steigerung des Annoncenwesens in Rußland heraus: Katalog 
gazet i zurnalov pro 1904, 2°, 98 u. 85 S., und verschiedene Reklameanzeigen; 
pro 1905 dasselbe, 42 S., ohne jeglichen bibliographisch-statistischen Wert. 





St. Petersburger Brief 


53 


krovskij, Teil I. Handschriften. Band (Tom) I. 1. Bibeltexte. 
2. Gebet- und Ritualbücher, 8°. XVI + 525 Seiten mit aus¬ 
führlichem Personal- und Realindex, verfaßt von A. Silov (lies 
Schiloff), S. 407—525. Beschrieben und katalogisiert sind alle 
Manusprikte von 1714—1908. Da seit 1818 (in diesem Jahr erschien 
ein Katalog, verfaßt von P. J. Sokolov) und 1840 (Perevoscikov, 
Rospisi knigam, lies s wie ß) keine gedruckten Verzeichnisse mehr 
vorhanden waren, so kommt dieses Buch dem unumgänglichen Bedürf¬ 
nisse sowohl der Leser wie der Bibliotheksbamten entgegen. Die Hand¬ 
schriftenkunde in Rußland wurde dank der gesteigerten Zugänglich¬ 
keit der Benützung und der Intensität wissenschaftlicher Forschung 
außerordentlich gefördert durch das Werk von Nikol aj Nikoljskij; 
Materialy dlja povremennago spiska russkich pisatelej i jich socinenij 
(Materialien zu einem chronologischen Verzeichnisse russischer 
Schriftsteller und ihrer Werke im 10. und 11. Jahrhundert), 8°. 
VII 596 S. Dieses Werk, welches auf Grund der Erforschung 
von mehr als 30 Bibliotheken Moskaus, St. Petersburgs, Kijews und 
der Provinz und zwar des geistlichen Ressorts vorgenommen 
wurde, beginnt mit dem Jahre 907 und endet in Kapitel 30 auf 
S. 442 bis 464 mit dem Mönche Grigorij (f im Jahre 1123) vom 
Höhlenkloster in Kijew. Auf S. 479—500 sind undatierte Hand¬ 
schriften beschrieben. Beigefügt sind Werke verschiedener Autoren, 
welche Gebete und geistliche Lieder zu Ehren des heiligen Nikolaus 
verfaßt haben, Evangelientexte des 11. Jahrhunderts und andere 
Handschriften, im ganzen 40 Stücke. Die Indices S. 533—558 geben 
die Schlagwörter nach dem ersten Worte der im Werke registrierten 
handschriftlich kursierenden, slawisch-russischen Literaturdenkmäler. 
Zur Kunde griechischer Manuskripte wurde von der Akademie der 
Wissenschaften ediert der Catalogus codicum manuscriptorum grae- 
corum qui in montasterio sanctae Gaiharinae in Monte Sina asser- 
vantur, beschrieben von Porphyrius (Uspenskij), neu redigiert von 
Prof. V. Benesevic, St. Petersburg 1911, 8°, XXVIII + 664, und 
herausgegeben auf Kosten eines Legates des Archimandriten Por¬ 
phyrius. 

Um einen Einblick in die Geschichte der gesteigerten russischen 
wissenschaftlichen und literarischen Produktion zu gewinnen und die 
Beziehungen der Organisation wissenschaftlicher Arbeit zu den 
Bibliotheken zu verstehen, muß man auf die Benützungsziffern der 
akademisch-wissenschaftlichen Bibliotheken Rücksicht nehmen und 
dann noch einiger größerer Unternehmungen der Akademie und her¬ 
vorragender Arbeiten russischer Gelehrter gedenken, die alle ohne 
wohleingerichtete Büchereien nicht zustande gekommen wären. 1 ) Alan 
erinnere sich nur daran, daß Gräsel nur ein einziges Werk aus der 


0 Man denke nur erstens an die Encyklopädie der Slavischen Philologie, 
von der Band 1 (Geschichte der Slav. Philologie), 2, 5 u. 12 vorliegen; zweitens 
an die Akademische Bibliothek russischer Schriftsteller (Kolcov’s,^ Lermontov’s 
Werke in ausgezeichnetem und billigem Neudrucke); drittens an Puskin und seine 


Statistik. 






54 


Rundschau der Fremde 


russischen Bibliographie bekannt ist (vgl. o.). Wenn es uns auch 
an dem sogenannten „Maschinenbetrieb“ in den Bibliotheken noch 
zu sehr fehlt, so sind doch von nicht geringem Werte die 
oben berührte Organisation der Pflichtexemplareinsammlung und 
ihre rechtzeitige Zustellung an die Bibliotheken, ferner die Heu- 
herausgabe von Katalogen wie diverser Hilfsmittel zur Bücher¬ 
benützung, von denen bei Beschreibung der Tätigkeit der Biblio¬ 
theken der höheren Lehranstalten später die Rede sein wird. — In 
den Jahresberichten der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften 
ist trotz des Raummangels (80 Sitz- und Stehplätze im Lesesaal, 20 
bis 25 Plätze in drei Lesekabinetten) ein stetiger Zuwachs der Zahl 
der Besucher wie der Bücherbestellungen zu verzeichnen (vgl. S. 3 
des Berichtes pro 1910). Bücherbestellungen 1906/07: 6.628; 
1907/08: 10.684; 1908/09: 11.434; 1909/10: 11.712. Dabei be¬ 
suchten die Bibliothek täglich 700 Personen. Eintrittskarten wurden 
gelöst 1906/07: 1237; 1907/08: 1420; 1908/09: 1235 und 

1909/10 nur 461. Ins Haus gegeben wurden zirka 15.000 Bücher 
(anno 1908/09: 10.000; 1907/08: 7000; 1906/07: 8988). Inder 
kaiserlich Öffentlichen Bibliothek, welche über einen neuen Lesesaal 
verfügt, betrug nach dem Berichte pro 1904/) der 1911 erschien, 
die Zahl der Leser 198.614, welche 474.700 Bücherbände und 73.903 
Hummern verschiedener Zeitschriften und Zeitungen verlangten. Es 
wurden 22.195 Eintrittskarten gelöst gegenüber 21.023 des Jahres 
1903. Hicht minder reich war die Benützung der Handschriften¬ 
abteilung: 159 Besucher lasen 2870 Manuskripte. Am stärksten 
frequentiert waren die Monate Hovember, Oktober, September und 
dann Februar. Von russischen Zeitschriften und Zeitungen wurde 
am meisten verlangt die Zeitung Mir Bozij, von nichtrussischen Kraj 
(polnisch), Revue des deux mondes, an vierter und fünfter Stelle 
lettische Journale. Auf spezielle statistische Daten und ihre Be¬ 
arbeitung verzichten wir bis zum Erscheinen der Comptes rendus 
und Travaux des I. Bibliothekarenkongresses, welche Anfang 1912 
die Presse verlassen sollen. Dann werden wir auch auf das erste 
Spezialorgan für Bibliothekswesen „Bibliotekarj“ zurückkommen, um 
die allgemein herrschenden Anschauungen zu charakterisieren. Die 
kaiserliche Öffentliche Bibliothek hat, wie wir dem Bibliothekar] 
entnehmen, seit Juli 1911 neue Etats und hat eben neue Bibliotheks¬ 
regeln 2 ) ediert. Die dritte Regierungsbibliothek, die Bibliothek des 
Öffentlichen und Rumjanzovsehen Museums in Moskau, welche 1911 

Zeitgenossen. Bd. 1—13. Im Jahre 1910 erschien sub Nr. 9—10 eine biblio¬ 
graphische Beschreibung von Puskin’s Bibliothek, verfaßt von Boris Modzalevskij, 
8°, XIX und 442 S., mit verschiedenen nützlichen Verweisungen und Indices, 
leider ohne Schlagwortregister. 

J ) Der Otcet Imperatorskoj Publicnoj Biblioteki pro 1904 erschien im Februar 
1911 in 8", VII u. 172 S. Bei einem Jahresbudget von 164.349 Rubel 3 Kopeken 
wurden 10.720 Rubel 51 Kopeken für Einband, 32.421 Rubel 50 Kopeken für den 
Ankauf von Büchern und Manuskripten verwendet. S. 5. 

2 ) Die letzte Ausgabe der Ordnung und Regeln der K. Öff. Bibliothek 
(Ustav i pravila. 8°, 70 S.) erschien im Jahre 1903 und war nur in 150 Exemplaren 







Dänisches Bibliothekswesen 


55 


in das 50. Jahr trat, hat ebenfalls an Ranm- nnd Geldmangel zu 
leiden und ist auf Schenkungen und Privatwohltätigkeit angewiesen. 
Die Summe für Einband, 3000 Rubel, reicht nicht aus, zumal da 
die Bibliothek wohl alle die vielen Pflichtexemplare Rußlands zur 
Aufbewahrung erhält, nicht aber die nötigen Gelder zu ihrer Kata¬ 
logisierung. Im Jahre 1910 belief sich der Zuwachs auf 37.964 Bände, 
Periodica ungerechnet. Der Lesesaal wurde 130.916mal besucht, dabei 
wurden 234.335 Bücher verlangt; 12.368 registrierte Leser. Von den 
zwölf Monaten hatte der November die höchste Besuchsziffer. Siehe 
über diese „hoffnungsvolle“ Bibliothek Otcet Mosk. Publicnago i 
Rumjancevskago Muzejev pro 1911. *) 

Eine vierte Staatsbibliothek gibt es in Wilna. Diese sogenannte 
Vilnaer öffentliche Bibliothek ist dem Ressort des Ministeriums des 
Unterrichtes unterstellt, leidet ebenso an Raummangel und veralteten 
Bibliotheksordnungen. Die Bibliotheksordnung ist 1867 verfaßt. Ge¬ 
hälter alten Stiles. Bibliothek im alten Universitätsgebäude unter¬ 
gebracht. Ordnung eine feste und gebundene, nach Kasten und Regal! 
Da der provinzielle Charakter 2 ) in dieser Bibliothek deutlich aus¬ 
geprägt ist und sie außerdem eine besondere Kulturpolitik verfolgt, 
so kommen wir im dritten Kapitel (über die Bibliotheken der Pro¬ 
vinz und der sogenannten Landschaften) hierauf noch zurück. 

Einer etwas besseren Gegenwart erfreuen sich die russischen 
Universitätsbibliotheken und die Büchereien der polytechnischen 
Hochschulen. 

31./21. Dezember 1911. E. Wolter. 


DÄNISCHES BIBLIOTHEKSWESEN 1911. 

Wenn ich hier zum ersten Male den Jahresbericht der Tätigkeit der 
drei großen vom Staate subventionierten Bibliotheken veröffentliche, 
muß ich die Bemerkung vorausschicken, daß eine vollständige Lösung 
dieser Aufgabe einige Schwierigkeiten darbietet, weil nachstehende Auf¬ 
schlüsse nicht auf gedruckten Quellen ruhen, sondern teils auf den Mit¬ 
teilungen, die meine Kollegen mit größter Bereitwilligkeit zu meiner 
Verfügung stellten, teils auf den Notizen, die ich selbst im Laufe des 

credruckt, daher längst vergriffen. Sie enthält die einzigen gedruckten Regeln 
über Katalogisierung! Bis vor kurzem war in Rußland davon nicht die Rede. 

Jede Bibliothek katalogisierte nach ihrer Fa$on! 

1) Unter französischem Titel erscheint im zweiten Jahre: Le Bibhothecaire. 
Journal de la societe de bibliotheconomie (russ. Bibliotekovedenie — Bibliotheks¬ 
wissenschaft). Im Jahre 1911 sind unter anderem folgende selbständige Artikel 
veröffentlicht worden: 1. Russische Bibliotheksbauten in Charjkov (Stadtgemeinde¬ 
bibliothek), Moskau (Universitätsbibliothek), Cherson (Stadtgemeindebibliothek), 
Nr. 1—3; 2. 3. 4. Bogdanow, Plotnikov, Masslovski und andere: Arbeitsergebnisse 
des ersten Bibliothekarkongresses in Rußland. S. 21—36, wo es wörtlich heißt. 
Die (Rumjanzow) Bibliothek muß in „Hoffnungen“ (auf eine bessere Zukunft) leben 

S 21 

2 ) Vergl. die Bibliotheksberichte und dann noch eine polemische Arbeit: 
A. W. Zirkevic, Sonnoje carsto velikich nacinanij. Viljna 1911. 8°. 206 S. 










56 


Rundschau der Fremde 


vergangenen Jahres gesammelt habe. Der Jahresbericht der Königlichen 
Bibliothek, der bis 1906 jährlich als Sonderabdruck der offiziellen 
„Ministerialtidende“ veröffentlicht wurde und an alle Institutionen und 
Personen, die mit der Bibliothek in Verbindung stehen, versandt wird, 
wird in der Zukunft nur alle drei Jahre erscheinen, und der nächste Be¬ 
richt ist erst am Ende dieses Jahres zu erwarten. Der Jahresbericht der 
Universitätsbibliothek erscheint in dem von der Universität heraus¬ 
gegebenen Jahrbuch ,,Universitetets Aarbog“ t und ist immer sehr ver¬ 
spätet, und endlich hat die Staatsbibliothek in Aarhus noch keinen Be¬ 
richt veröffentlicht. 

. Biblio- Die äußeren Bedingungen, unter welchen die Königliche Bibliothek 

thek. gewirkt hat, sind ungeändert geblieben; die vom Reichstage bewilligten 
Beträge sind wie im vorigen Jahre 60.000 Kronen für den Einkauf und 
das Einbinden der Bücher und 23.800 Kronen für sächliche Ausgaben. 
Der größte Teil des zum Einkauf bewilligten Betrages wird natürlich, 
da die dänische Literatur von den Buchdruckern als Pflichtexemplare ab¬ 
geliefert wird, zum Einkauf fremder Literatur verwendet; die Bibliothek 
hat aber auch als Nationalbibliothek die Aufgabe, die dänische Literatur, 
die in fremde Sprachen übersetzt wird, anzuschaffen und den alten 
Bücherbestand zu komplettieren. Diese Bestrebungen, die seit vielen 
Jahren eine der Hauptaufgaben der Bibliothek war, sind so weit gelungen, 
daß sie unter den dänischen Bibliotheken die vollständigste Sammlung 
dänischer Schriften enthält. 

Die Frequenz der Königl. Bibliothek ist auch dieses Jahr größer ge¬ 
worden sowohl im Lesesaal wie im Ausleihamt. Die Zahl der Besucher, 
die im vorigen Jahre zirka 50.000 betrug, ist um einige Tausend ge¬ 
wachsen, während dagegen die Zahl der aus den Bücherräumen be¬ 
stellten Bücher dieselbe ist wie früher. Dieser Umstand zeigt, daß die 
große aus zirka 5000 Bänden bestehende Handbibliothek, die im neuen 
Gebäude zusammengestellt werden konnte, zu ihrem Rechte gekommen 
ist und von den Besuchern geschätzt wird. Zum größeren Besuch hat 
ohne Zweifel auch die Zeitschriften-Abteilung beigetragen, wo nun auch 
die bedeutendsten dänischen Zeitschriften unmittelbar nach der Heraus¬ 
gabe zum Durchlesen aufliegen. — Im Ausleihamt war die Zahl der ein¬ 
gelieferten Bestellscheine 28.614 gegen 25.109 im vorigen Jahre, die 
Zahl der ausgeliehenen Bände 26.969 gegen 24.197, 933 Pakete wurden 
versandt gegen 765, und nach dem Auslande wurden 167 Handschriften 
ausgeliehen gegen 87. 

Der Zuwachs in der dänischen Abteilung beträgt 261 Zeitungen, 
1168 Zeitschriften, 3245 Bücher, 30.769 kleine Druckschriften, 12.833 
Lieder, 15.191 Programme und 332 Sonderabdrücke. Auch die kleinen 
Druckschriften, die Lieder und Programme werden alle systematisch ge¬ 
ordnet, eingepackt und in einer speziellen Abteilung der Bibliothek auf¬ 
gestellt. 

In der Sammlung von Musikalien beträgt der Zuwachs 1241 Bände, 
von welchen 48 Handschriften. Im handschriftlichen Teil dieser reich¬ 
haltigen Sammlung hat der deutsche Musikhistoriker Dr. Martienssen vor 
kurzer Zeit einen sehr interessanten Fund gemacht, indem er ein neues 



Dänisches Bibliothekswesen 


57 


bisher unbekanntes Bach-Manuskript, eine Kantate in Partitur, entdeckt 
hat. Die Handschrift, nur aus 5 Blättern bestehend, hat früher dem 
Justizrat Grönland, einem Freunde vom dänischen Komponisten Weyse, 
gehört, und Weyse hat im Jahre 1824 von der Original-Handschrift eine 
Abschrift genommen, die mit dem ganzen Nachlasse des Komponisten in 
den Besitz der Königlichen Bibliothek gekommen ist. 

Die Sammlung von Inkunabeln ist uns 26 durch Kauf vermehrt. 
Das Prinzip, das sich beim Einkäufe von Inkunabeln geltend gemacht 
hat, ist, die in der jetzigen Sammlung nicht vertretenen Typen und 
Drucker aufzufinden, um die bestmögliche Beleuchtung der Entwicklung 
der Buchdruckerkunst zu verschaffen. Zu dem Zweck ißt der Inkunabel- 
Katalog Bölling’s auf Zetteln aufgeklebt und nach dem von Proctor ge¬ 
brauchten System nach Druckern geordnet, so daß man zu jeder Zeit im¬ 
stande ist zu sehen, was uns fehlt. 

Die Buchbinderei und das photographische Atelier, die bei der 
Übersiedlung ins neue Gebäude errichtet wurden und jetzt ihre Probe 
bestanden haben, sind von größter Bedeutung für das Leben der Biblio¬ 
thek geworden. 

Außer den neun Buchbindern, den besten Kopenhagens, die für 
die Bibliothek arbeiten, beschäftigt unsere eigene Buchbinderei außer 
dem Buchbindermeister drei Gesellen und zwei Mädchen. Sie hat den 
Vorteil, daß alle Zeitungen im Gebäude eingebunden werden, daß Re¬ 
paraturen, Waschen, Planieren und Umbinden im Hause stattfinden können, 
was unseren Handschriften und seltenen Büchern zum Nutzen gereicht. 
Eine systematische Revision der Handschriftenabteilung und Einbinden 
der ungebundenen Handschriften ist denn auch ins Werk gesetzt. 

Auch das photographische Atelier ist von größter Wichtigkeit. Es 
ist mit den modernsten Apparaten auch zur Aufnahme nach der Wiede- 
mannschen Methode ausgestattet, und der Leiter ist Reproduktionsphoto¬ 
graph. Das Atelier arbeitet sowohl für die Königliche Bibliothek als für 
das Reichsarchiv und zu mäßigen Preisen, 2 1 / 2 Kronen für die kleinste 
Plattengröße (13 X 18 cm). Wenn die Abzüge zum Studium gebraucht 
werden sollen, gibt die Bibliothek eine Ermäßigung von 50%- Im letzten 
Jahre hat das Atelier 592 Platten genommen und 588 Abzüge und 1387 
Negativplatten geliefert. Wenn das Atelier nicht mit bestellten Arbeiten 
beschäftigt ist, wird für die Bibliothek selbst gearbeitet, indem Hand¬ 
schriften, die im fremden Besitze sind und von Interesse für Dänemark, 
photographiert werden. Die genommenen Platten werden aufbewahrt und 
Abzüge werden aufgeklebt und eingebunden und zur Veifiigung des 
Publikums gestellt, wodurch wiederholte Versendungen der kostbaren 
Handschriften unnötig werden. In dieser Weise sind z. B. Photographien 
vom meteorologischen Tagebuche Tyge Brahes (Cod. Vindobon. lat. 10.718) 
genommen, ferner von Annales Colbazenses (Cod. Berol. theol. 149 Fol.;, 
Vita Abbatis Willelmi (Cod. Bibi. S. Genovevae 558 Fol.) und vielen 
anderen. 

Im Mai erschien wie gewöhnlich der Akzessionskatalog, der diesmal 
30 Bibliotheken gegen 29 im vorigen Jahre umfaßt und 441 Seiten 
gegen 398 zählt. 





Universitäts¬ 

bibliothek. 


58 Rundschau der Fremde — Dänemark 


Auch vom Handschriftenkataloge, vom Bibliothekar Dr. Emil Gigas 
verfaßt, ist die erste Hälfte des dritten Bandes herausgegeben. Der 
Band umlaßt eine Fortsetzung der Geschichte Dänemarks bis zum Ende 
des 17. Jahrhunderts. 

Im Personalbestand sind einige Änderungen eingetreten. Wir be¬ 
dauern den Verlust unseres liebenswürdigen, intelligenten Kollegen, 
Dr. phil. Axel Anthon Björnbo, der im Oktober plötzlich im jungen Alter 
von 37 Jahren starb. Über t seine Tätigkeit als Forscher der historischen 
Mathematik und der nordischen Kartographie ist in anderen Zeitschriften 
berichtet. Hier sei nur erwähnt, daß die bibliothekarischen Arbeiten und 
Ideen sein großes Interesse hatte, und kurz vor seinem Tode hat er 
eine kleine Schrift über den Ankauf von Dubletten durch die Bibliotheken 
herausgegeben, in welcher er seine Erfahrungen als mehrjähriger Re¬ 
dakteur des Akzessionskataloges niedergelegt hatte. Die kleine Schrift 
erregte großen Widerstand und veranlaßte eine lebhafte Diskussion in 
der Tagespresse, welche bei seinem Tode noch nicht abgeschlossen war. 
Später hat der Verein der Bibliotheksbeamten zu einer Diskussion der 
betreffenden Frage eingeladen und hat dadurch zu einem Zusammen¬ 
wirken der Bibliotheken beigetragen. Der Unterbibliothekar Dr. polit. 
Axel Nielsen hat die Bibliothek verlassen, indem er nach einer öffent¬ 
lichen Konkurrenz zum Professor der Staatswissenschaften an der Kopen- 
hagener Universität ernannt wurde. 

Den ersten November 1911 konnte die Universitätsbibliothek den 
fünfzigsten Jahrestag nach der Vollendung ihres schönen vom Architekten 
Herholdt gezeichneten Gebäudes feiern. Vor einigen Jahren nötigte 
Platzmangel zum Aulbau eines kleinen Nebengebäudes, leider erlaubt 
das eng zusammengebaute Quartier jetzt keine Erweiterung. 

Die Verhältnisse, unter welchen die Bibliothek bisher gearbeitet 
hatte, sind im Laufe des Jahres etwas verbessert worden dadurch, daß 
die Dotation 19.000 Kronen um 6000 Kronen erhöht wurde und 
hoffentlich in kurzer Zeit 31.000 Kronen betragen wird. 

In der Frequenz der Bibliothek sind nur wenige Änderungen. Das 
Ausleihamt ist täglich von 11 — 2 Uhr geöffnet, man hat aber versucht, 
es auch abends von 6—8 Uhr offen zu halten, nur zum Abholen oder 
zur Rückgabe der Bücher. Die abzuholenden Bücher sollen vor 2 Uhr 
nachmittags bestellt werden. Die Zahl der Bestellscheine war 19.780 
gegen 19.806 und die Zahl der ausgelieferten Bände 23.372 gegen 
23.447 im vorigen Jahre. Auch im Lesesaal war der Besuch etwas ge¬ 
ringer. Die Zahl der Besucher war 18.976 gegen 19.091 und die Zahl 
der benutzten Bände 64.533 gegen 68.580. Im Zeitschriftenzimmer 
sind 63 dänische und 351 fremde Zeitschriften zur Verfügung des 
Publikums. Es wurde von 4723 Personen besucht und 49.173 Hefte 
wurden benutzt. 

Die 1882 begonnene Reorganisation der Bibliothek durch das 
Ausarbeiten neuer alphabetischer und systematischer Kataloge wurden 
fortgesetzt; diese große Arbeit wird nach der Berechnung erst im Jahre 
1920 abgeschlossen werden können. 





Besprechungen — Wien UB., Verwaltungsbericht 59 


In der Handschriftenabteilung wurden die Handschriften geordnet 
und repariert, und der Unterbibliothekar Eyser hat die orientalischen 
Handschriften nach den modernsten Prinzipien geordnet und katalogisiert, 
so daß diese wertvolle Sammlung, eine der reichsten der Welt, jetzt 
in mustergültigem Stande ist. 

Die Frequenz der Staatsbibliothek in Aarhus hat einen mächtigen 
Aufschwung genommen. Als Bibliothek für allgemeine Aufklärung ist sie 
mit ihrer portofreien Versendung bestellter Bücher ein gefährlicher 
Konkurrent für die Volksbibliotheken. Die Zahl der ausgeliehenen Bände 
war 46.198 gegen 37.558, von welchen 34.879 Bände, gegen 25 539 
im vorigen Jahre, außerhalb Aarhus versandt wurden, während 11.319 
gegen 12.019 an die Bewohnern der Stadt ausgeliehen wurden. Die 
Zahl der Versendungen war 9791 gegen 6875. Im Lesesaal waren zirka 
40.000 Besucher, die Zahl der aus den Bücherräumen geholten Bücher 
zirka 6000. 

Kopenhagen, Kgl. Bibliothek, Januar 1912. 

Victor Madsen. 


BESPRECHUNGEN. 

Verwaltungsbericht der k. k. Universitätsbibliothek in Wien. Ver¬ 
öffentlicht von der Bibliotheksvorstehung. IV. Bericht 1 ): Verwaltungsjahr 
1909/10. Wien 1911. Hof- und Staatsdruckerei. 

Wie in dem vorhergehenden Bericht, der in dieser Zeitschrift be¬ 
sprochen wurde, nimmt auch in dem vorliegenden einen großen Raum 
die vollständige Spenderliste der Bibliothek ein. Daß diese veröffentlicht 
wird, ist sehr begründet, weil damit gleichsam öffentlich eine Empfangs¬ 
bestätigung ausgestellt wird, und noch mehr deshalb, weil dadurch leicht 
viele zu weiteren Stiftungen veranlaßt werden. Die Gesamteinnahmen 
der Bibliothek beliefen sich in dem Jahr auf 121.542 Iv 35 h, die Aus¬ 
gaben auf 117.707 K 18 h. Die Vermehrung betrug 24.691 Bände und 
Stücke, so daß der Gesamtbestand am 30. Sept. 1910: 807.401 Bände 
war. Die Leserzahl stieg auf 298.631, die Zahl der in der Bibliothek 
benützten Stücke auf 459.188, der in Wien verliehenen 45.044, der 
verschickten 8369, die Gesamtzahl der benützten demnach auf 512.601. 
Die Erfahrungen betreffs des Tausch- und des Dubletfenverkehrs ent¬ 
sprechen wohl in der Hauptsache den allüberall gemachten. Die ersteren 
ermuntern durchweg zur weiteren Ausnützung desselben. Bezüglich der 
Dubletten muß sehr unterschiedlich vorgegangen und darf wegen dei 
minderwertigen keinerlei großer Aufwand gemacht werden. Daß auch 
von dem Fortschritt der Katalogisierung und von Verbesserungen in der 
Bibliothek berichtet wird, nebenbei. Das Personal umfaßte außer dem 
neuen Vorstand: Regierungsrat Dr. J. Himmelbaur 20 Beamte, 15 Prak¬ 
tikanten und 31 Diener. Sehr eingehend ist die Benützungsstatistik. Wer 


Aarhus. 


J ) Vgl. diese Zs. II. S. 51. 








60 Besprechungen — Brünn Technik, Katalog 


möchte leugnen, daß diese Zahlen nicht bloß interessant, sondern auch 
wertvoll sind, besonders für die, welche dieselben zu lesen ver¬ 
stehen ? 

München. Dr. Chr. Ruepprecht. 


Nachtrag zum Katalog der Bibliothek der k. k. Deutschen Techni¬ 
schen Hochschule in Brünn. Brünn 1911, Druck von W. Burkart. X, 430 S. 

Der Nachtrag zu dem Katalog der Deutschen Technischen Hochschule 
zu Brünn hat fast den gleichen Umfang wie der im Jahre 1893 ver¬ 
öffentlichte Katalog; die Bibliothek, die jetzt etwa 30.000 Bände und 
6000 Hefte enthalten wird, hat sich also in den verflossenen 18 Jahren 
stark vermehrt. Der Zuwachs verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf alle 
an der Hochschule gepflegten Fächer und zeugt von einer durch die 
sehr geringe Dotation gebotenen sorgfältigen Auswahl aus der über¬ 
reichen Literatur. Der Nachtrag ist in jeder Hinsicht dem früher ge¬ 
druckten Katalogbande entsprechend eingerichtet. Das alphabetische Ver¬ 
zeichnis, das die Titel der Neuerwerbungen mit allen erforderlichen 
bibliographischen Angaben bringt, nimmt mit 292 Seiten den größten 
Teil in Anspruch; darauf folgt ein Sachregister, in dem die auf den 
einzelnen Gebieten erworbenen Werke in kürzester Fassung nochmals 
aufgeführt sind, und endlich das auf die betreffenden Abschnitte des 
Sachregisters verweisende, sehr nützliche und gegen früher erheblich 
erweiterte Schlagwort-Register. Diese Anlage des gedruckten Kataloges 
einer Spezialbibliothek kann nicht als die glücklichste bezeichnet werden. 
Der Benutzer, der sich über die auf einen bestimmten Gegenstand be¬ 
zügliche, in der Bibliothek vorhandene Literatur unterrichten will, sollte 
gerade in dem systematischen Verzeichnis die genauen Titel finden und 
hier erfahren, wer etwa das Buch herausgegeben oder übersetzt hat, 
welche Auflagen und welche Bände vorhanden sind, wann das Werk er¬ 
schienen, ob es Teil einer Sammlung oder etwa ein Sonderabdruck ist 
usw.; dagegen genügt dem, der wissen will, ob ein bestimmtes Buch 
in der Bibliothek vorhanden ist, und welche Standnummer es hat, meist 
eine verkürzte Titelangabe. Das systematische Verzeichnis als das wichtigere 
steht also besser voran, und das alphabetische Register schließt sich in 
knapper Form an. Diese Anordnung ist ja auch die allgemein übliche; 
der jetzigen Verwaltung der Bibliothek der Deutschen Technischen Hoch¬ 
schule in Brünn soll aber selbstverständlich keinerlei Vorwurf gemacht 
werden; es war nur richtig, den Nachtrag des gedruckten Kataloges in 
der bewährten und den Benutzern geläufigen Form drucken zu lassen. 

Danzig-Langfuhr. P. Trommsdorff. 


Die Königliche und Universitätsbibliothek zu Breslau. Eine Skizze 
von Fritz Milkau. [Sonderabdruck aus dem zweiten Teile der Fest¬ 
schrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Universität Breslau 
vermehrt um Inhaltsverzeichnis und Register.] Breslau, Hirt, 1911. 










Milkau, Universitätsbibliothek Breslau 


61 


Die Schicksale der Bibliotheken haben einen typischen Zug. Wie 
sich aus den von Nah und Fern zufließenden Gewässern endlich der 
Strom bildet, der bald träge hinschleicht, bald in kräftigem Gefall fort¬ 
strömt — das wiederholt sich mit geringen Abweichungen immer wieder. 
Aber nicht nur Entstehung und Entwicklung, auch Führung und Ver¬ 
waltung fast aller Bibliotheken lassen verwandte Züge erkennen. Ein¬ 
mal steht der rechte Mann am Steuer, aber seine Schaffenskraft erlahmt 
am Widerstande einer engherzigen Behörde oder einer unfähigen Be¬ 
amtenschaft. Dann wieder scheitert die Einsicht der Behörde an der 
Unzulänglichkeit des Leiters, bis endlich Rang und Wert eines Instituts 
sprunghaft in die Höhe schnellen, wenn der rechte Mann von seiner 
Behörde gefördert, von seinem Personal unterstützt wird. Typisch also 
die Bildung, typisch die Weiterführung. Welche Gefahr liegt näher als 
die, daß auch die historische Darstellung einer individuellen Bibliothek 
typisch wird ? Welches Verdienst kann größer sein, als dieser Gefahr 
nicht nur zu entgehen, sondern ihr gar nicht nahezukommen ? Und man 
kann für Milkaus Buch kein besseres Lob finden, als dieses: daß es alle 
konventionelle Plattheit glücklich vermeidet und bei aller Gewissenhaftig¬ 
keit und historischen Kritik von einem ganz persönlichen Reiz erfüllt 
ist. Dem trockenen Ton des Chroniqueurs weiß Milkaus ganz unaka¬ 
demisch gewandte Feder soviel Grazie beizumengen, seine aus sorg¬ 
fältigem Aktenstudium gewonnenen Ergebnisse weiß er mit soviel Frische 
der Empfindung und Anschaulichkeit vorzutragen, daß er seinen auf 
schwerverdauliche Lektüre gefaßten Kritiker unversehens in einen ge¬ 
nußfrohen Leser um wandelt. Est ist hier nicht der Ort, Milkaus Aus¬ 
führungen Schritt für Schritt zu folgen. Aber einige markante Züge 
seiner Schrift seien hier festgehalten. So jung die Breslauer Bibliothek 
ist, Persönlichkeiten, die mehr oder weniger bestimmend auf ihre 
Entwicklung einwirkten, lernt man aus Milkaus Monographie in fast ver¬ 
wirrender Fülle kennen. Sogar ein wütender Freiheitsdichter wurde auf 
das wehrlose Institut losgelassen. Einige Männer ragen hoch hervor: der 
temperamentvolle, übereifrige Durchgänger Büsching am Beginn, der 
tatkräftige, nur gelegentlich zu hitzige Reorganisator Dziatzko am Ende 
des 19. Jahrhunderts. Zu den Erzvätern der Bibliothek mag der Per- 
petuus Inspector Bibliothecarum Johann Christoph Beckmann gerechnet 
werden, dessen überaus anziehende Persönlichkeit Milkau in das helle 
Licht moderner Forschung zu rücken weiß. Am Ende des 17. Jahr¬ 
hunderts setzte er für die Frankfurter Universitätsbibliothek, die Mutter¬ 
anstalt der Breslauer, tägliche Offenhaltung durch, eine Neuerung, die 
mit seinem Tode verschwand, um fast zwei Jahrhunderte später wieder 
hervorgeholt zu werden. Unter die erfreulichen Erscheinungen der 
Breslauer Bibliothekare muß die kräftige Persönlichkeit des Bayers 
Dominikus Unterholzner gerechnet werden. ,,Er hatte die feste Hand, er 
hatte die Klarheit und er hatte die Selbstlosigkeit zu rühmloser Arbeit.“ 
Es war ihm nie vergönnt, die Bibliothek selbständig zu leiten. Die un¬ 
heilvolle (übrigens auch heute noch nicht ausgerottete) Neigung der Be¬ 
hörden, Bibliotheken nicht der Erfahrung erprobter Bibliothekare, sondern 
dem Dilettantismus verdienter Gelehrten anzuvertrauen, trägt wohl die 




62 


Besprechungen 


Hauptschuld an der — im Vergleich etwa zu England — auffallend 
langsamen Entwicklung des akademischen Bibliothekswesens in Deutsch¬ 
land. Milkaus Buch enthält ein Illustrationsfaktum dieser Neigung, das 
sich wie eine Anekdote liest, aber eine sehr bittere Lehre erkennen 
läßt: Der erste Direktor der Bibliothek war J. G. Schneider, unzweifel¬ 
haft einer der glänzendsten Philologen seiner Zeit. Und wem war es in 
den zehn Jahren seiner Wirksamkeit fast in erster Linie zu danken, daß 
in die chaotischen Verhältnisse, die \>ei der eben gegründeten Biblio¬ 
thek natürlich waren, einigermaßen Ordnung kam ? Der Hingabe, dem 
Fleiß und der Intelligenz eines Dieners — es ist kein lapsus calami — 
des Dieners Josef Stephan. Avis au lecteur! Wenn es etwas gibt, das bei 
der Lektüre des schönen Buches empfindlich stört, so ist es der Mangel 
an Plänen. Auf S. 113 lesen wir: ,,der neue Raum für die Leser . . „ 
ein wirklicher Saal, hoch und hell . . .“ und auf S. 114: ,,der Lese¬ 
saal in jeder Beziehung unzulänglich, klein, dunkel und unübersichtlich . . .“ 
Eine flüchtige Planskizze hätte diesen unleugbaren Widerspruch offenbar 
sofort geklärt. 

Wien. G. A. Crüwell. 


Die deutschen Volksbibliotheken und Lesehallen in Städten über 
10.000 Einwohner. Von Bennata Otten. Leipzig 1910. O. Harrassowitz. 
VIII, 104 S. (Blätter für Volksbibliotheken und Lesehallen. 2. Ergänzungsheft.) 

Bennata Otten, Vorsteherin der Öffentlichen Bücher- und Lesehalle 
in Lübeck, hat sich der mühevollen Aufgabe unterzogen, eine Übersicht 
über die im Deutschen Reiche bestehenden öffentlichen volkstümlichen 
Bibliotheken zu gebtrn, da einerseits eine solche zusammenfaS'ende Statistik 
bis jetzt nicht vorhanden war und andererseits das Bedürfnis danach 
dringend empfunden wurde. Ihre Arbeit berücksichtigt freilich bloß Stadt- 
und Landgemeinden von 10.000 Einwohnern aufwärts und weist somit 
einen gewissen Mangel auf, der jedoch nicht zu beseitigen war, da es 
sich um eine Privatarbeit handelt und da detaillierte statistische Daten 
der einzelnen Landesteile des Deutschen Reiches vorderhand nicht da 
sind. Trotzdem wird jedermann, der sich mit der Entwicklung des Volks¬ 
bibliothekswesens, resp. mit der Bücherhallenbewegung beschäftigt, der 
Verfasserin volles Lob für ihre unverdrossene Arbeit spenden, die in 
mancher Hinsicht ein klares Bild vom Stande der Volksbibliotheken und 
Lesehallen in Deutschland darstellt. Dies Bild wird um so anschaulicher, 
wenn man sich in Diagrammen die Verteilung und die Größe von Volks¬ 
bibliotheken für die politischen Gebiete Deutschlands veranschaulicht. Es 
wäre hiebei sehr verführerisch, Süddeutschland mit Norddeutschland oder 
den Westen mit dem Osten zu vergleichen und gewisse Schlußfolgerungen 
daraus zu ziehen; indes müßte in diesem Falle die Statistik auch für 
kleinere Orte als mit 10.000 Einwohnern durchgeführt werden. Trotzdem 
die Bücherhallenbewegung vom Jahre 1900 einen großen Aufschwung 
genommen hat, liefert das von Otten gesammelte Material sehr viele be¬ 
fremdende Tatsachen, daß es große Städte gibt, denen eine öffentliche 









Otten, Volksbibliotheken 


63 


Bibliothek überhaupt fehlt wie z. B. Gießen mit seinen 32.000 Einwohnern. 1 ) 
Andere Städte haben wieder keine öffentlichen Lesehallen; ich greife 
z. B. Freiberg in Sachsen heraus, wo bei der Volksbibliothek für 36.000 
Einwohner ein kleiner Lesesaal für 20 Personen, der auch sonst nicht 
ganz einwandfrei ist, existiert. Es zeigt sich auch, daß es häufig an 
Verständnis für die Forderungen der modernen Bücherhallenbewegung 
überhaupt mangelt, indem man nicht einmal eine grobe Statistik der 
Entleihungen führt. Dies gilt freilich fast nur für die kleineren Orte 
und liegt zumeist in der ungenügenden Vorbildung der Volksbibliotheks¬ 
leiter. Was diese Leitung Hervorragendes schaffen kann, zeigt z. B. 
Fräulein E. Knischewsky in der Görlitzer Volksbücherei. Ich greife nur 
einzelnes heraus, was mir persönlich bekannt ist und verweise sonst auf 
die instruktive Einleitung, die ein so hervorragender Kenner der Bücher¬ 
hallenbewegung, wie es Dr. G. Fritz ist, der Arbeit Ottens voraussendet. 
Auch er hebt mit Nachdruck hervor, daß die Einsicht von der Not¬ 
wendigkeit der Volksbibliotheken für die gesamte Volkserziehung noch 
nicht allgemeines Eigentum geworden ist und daß insbesondere manche 
kommunale Verwaltungen noch sehr zurückhaltend sich benehmen. Er 
wendet sich, wohl im Anschluß an die amerikanischen und englischen 
Öffentlichen Bibliotheken, gegen die Bezeichnung „Volksbibliotheken“, 
welcher Name heute in Deutschland noch überwiegend vorherrscht, und 
möchte lieber den Namen „Öffentliche Bibliothek“ oder „Stadtbücherei“ 
eingeführt haben, indem er meint, daß aus allen Zusammensetzungen 
mit dem Worte „Volk“ das Pathos der sozialen Scheidung hindurchklingt 
und gewisse Kreise sich deshalb von den Volksbibliotheken zurückhalten. 
Sein Ideal ist die free public library, welche an alle Schichten der 
Bevölkerung ohne Unterschied appeliert. Es läßt sich nicht leugnen, 
daß in manchen Städten die Büchereien fast ideale Erfolge aufzuweisen 
haben wie z. B. Charlottenburg, Jena, Hamburg, Frankfurt u. a. 2 ), daß 
aber anderswo noch sehr viele Schatten auf ihnen liegen. Fritz wendet 
sich daher mit Recht an die Stadtverwaltungen, um sie zur tätigen Arbeit 
aufzufordern und insbesondere an den Deutschen Städtebund, damit dieser 
die ganze Bewegung einheitlich organisiere. Ich für meinen Teil wäre 
der Ansicht, daß man auch den Deutschen Freimaurerbund zur Mitarbeit 
einladen, resp. vereint mit ihm vorgehen könnte. Die Freimaurer Deutsch¬ 
lands haben ja manche öffentliche Bibliotheken bisher ins Leben gerufen 
und ihre jetzigen volkserzieherischen Bestrebungen liefern gute Bürg¬ 
schaften für ersprießliches gemeinsames Schaffen am organischen und 
organisierten Ausbau der Volksbibliotheken in ganz Deutschland. 

Prag. „ J o s. V o 1 f. 


*) Von den 540 angeführten Städten haben 118 überhaupt keine Öffentliche 
Bibliothek, wobei 20 Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern einbegriffen sind. 

2 ) Im J. 1845 besaß Berlin ein einziges öffentliches Lesekabinet, wo die 
politischen wie die wissenschaftlichen Blätter möglichst bald nach ihrem Er¬ 
scheinen auflagen (Augsb. Allg. Zeitung 1845, S. 1223). 








64 


Vereinsnachrichten — Personalnachrichten 


ÖSTERR. VEREIN FÜR BIBLIOTHEKSWESEN. 

Über die Tätigkeit des für die Münchner Tagung eingesetzten 
Komitees s. u. S. 66. 

* * 

* 

Dem Vereine ist beigetreten: Dr. Eduard Fechtner, Bibliotheks¬ 
direktor der Bibliothek der k. k. techn. Hochschule in Wien. 


AUS DEM VORTRAGSSAALE. 

PROF. B. KOHNSTEIN: WIE SOLLEN DIE BUCHEINBÄNDE BE¬ 
SCHAFFEN SEIN? 

(13. Dezember 1911). 

Der in der Allgemeinen Gerberzeitung (Wien, 13. Jahrgang Nr. 50 
bis 52 und 14. Jahrgang Nr. 1 bis 2) vollinhaltlich veröffentlichte Vor¬ 
trag behandelte die geschichtliche und technische Entwicklung des Leder¬ 
einbandes und die Technologie des Leders. Bemerkenswert ist die ge¬ 
legentlich der Diskussion gemachte Feststellung, daß die in Österreich 
erzeugten Buchbinderledersorten den Anforderungen, die an ein tadel¬ 
loses Material gestellt werden müssen, bei weitem nicht entsprechen. 
Diese Tatsache wird zureichenden Anlaß geben, die Beschlüsse der 
deutschen Lederkommission 1 ) in ihrer Anwendung auf österreichische 
Verhältnisse einem eingehenden Studium zu unterziehen. 


PROF. DR. E. OBERHUMMER: AMERIKANISCHE BIBLIOTHEKEN. 

(19. Januar 1912). 

Ein Auszug aus diesem Vortrage wird in einem der nächsten Hefte 
veröffentlicht werden. 


PERSONALNACHRICHTEN. 

Der Kaiser hat dem Oberbibliothekar der Universitätsbibliothek in 
Prag Dr. Hugo Glaeser den Titel und Charakter eines Regierungs¬ 
rates verliehen. — An der Universitätsbibliothek in Wien wurde der 
Praktikant Dr. Friedrich Wilhelm Rollig zum Bibliothekar zweiter 
Klasse, an der Universitätsbibliothek in Prag wurden der mit dem Titel 
und Charakter eines Oberbibliothekars bekleidete Bibliothekar erster Klasse 
Dr. Jaromir Borecky zum Oberbibliothekar, die Bibliothekare zweiter 
Klasse Dr. Josef Eisenmeier und Johann Em 1 er zu Bibliothekaren 
erster Klasse, der Praktikant Dr. Bohdan B1 a h a zum Bibliothekar 
zweiter Klasse, an der Universitätsbibliothek in Innsbruck der mit dem 
Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors bekleidete Bibliothekar 


*) Zschr. II, S. 89—91. 









65 


Nekrolog 

o 


erster Klasse Dr. Wolfgang von Zingerle zum Oberbibliothekar, der 
Bibliothekspraktikant Dr. Kaspar Giamara zum Bibliothekar zweiter 
Klasse, an der Universitätsbibliothek in Krakau der Bibliothekar zweiter 
Klasse Johann Kozubski ad personam zum Bibliothekar erster Klasse er¬ 
nannt. — (Nachträglich:) An der Universitätsbibliothek in Prag sind als Prak¬ 
tikanten eingetreten: Dr. Heinrich H r o z n y und Dr. Erich Steinhard. 

* 

Mit Entschließung vom 16. Januar 1912 geruhte Se. Majestät der 
Kaiser zu genehmigen, daß der Direktor der Universitäts-Bibliothek in 
Lemberg, tit. a. o. Universitäts-Profeßor Dr. Alexander Semkowicz 
nach 35 jähriger Dienstzeit auf eigenes Ansuchen in den dauernden 
Ruhestand übernommen werde. Bereits während der letzten zweiundein- 
halb Jahre hatte für den erkrankten Chef der älteste Kustos von Mankowski 
die Geschäfte geführt. Eine Würdigung dieses um seine Anstalt hoch¬ 
verdienten Direktors bringen wir im nächsten Hefte. 


NEKROLOG. 

Alfred Daubrawa f. 

Am V. März 1911 ist der Kustos der k. k. Hofbibliothek Dr. phil. 
Alfred Daubrawa im 49. Lebensjahre einer tückischen Krankheit erlegen. 
Wenn auch verspätet, mögen an dieser Stelle einige Worte des Gedenkens 
Platz finden. Daubrawa war im Jahre 1862 als Sohn eines höheren 
Postbeamten zu Oedenburg geboren. Er absolvierte die Gymnasialstudien 
in Brünn, besuchte dann die Wiener Universität, wo er germanistische 
Studien betrieb, daneben aber historische und kunstgeschichtliche Vor¬ 
lesungen besuchte. In Wien wurde er auch zum Dr. phil. promoviert. 
Nachdem er kurze Zeit als Volontär in der Wiener Stadtbibliothek gearbeitet 
hatte, trat er am 13. März 1890 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in die 
k. k. Hofbibliothek ein, der er bis zu seinem Tode angehörte. Im Jahre 
1895 rückte er zum Amanuensis vor, erhielt 1896 gelegentlich der Ge¬ 
haltsregulierung den Gehalt eines Assistenten der nächst niedrigeren 
Rangsklasse und wurde im Jahre 1900 nochmals zum Amanuensis ernannt. 
Im Jahre 1906 avancierte er zum Kustos II. Klasse. Daubrawa war ein 
tüchtiger, pflichteifriger Beamter von altösterreichischem Schlag, der trotz 
Nörgelns und Tadelns dennoch im Inneren dem Institute, dem er an¬ 
gehörte, warm zugetan war. Er verwaltete durch eine Reihe von Jahren 
das Pflichtexemplar-Ressort; zuletzt war ihm der Ausleihdienst zugeteilt. 
Der dem Sammler eigene Ordnungssinn, der sich oft zur Pedanterie 
steigert, zeichnete Daubrawa als Beamten ganz besonders aus. Und 
Daubrawa sammelte viel. So besaß er eine fast vollständige Sammlung 
der Grillparzerliteratur, ferner eine Kollektion von Werken und Ansichten, 
die sich auf sein zweites Heimatland Mähren bezogen, endlich eine große 
Anzahl von Stichen, Radierungen und Holzschnitten, die er oft mühsam 
aus Prospekten und Aushängebogen herausschnitt und sorgsam ordnete 
und etikettierte. Sein stilvoll eingerichtetes Landhäuschen in Brunn am 

5 










66 


Bibliothekartag in München 


Gebirge, das er das ganze Jahr hindurch bewohnte und dessen Garten er 
mit Vorliebe pflegte, barg seine Schätze, und es war ihm eine große 
Freude, die „Dubraviana“, wie er sie mit Stolz nannte, seinen Besuchern 
zeigen zu dürfen. Als Frucht seiner eingehenden bibliographischen Be¬ 
schäftigung mit Grillparzer enthält der Jahrgang 1904 der Zeitschrift für 
die österreichischen Gymnasien einen kleinen Aufsatz, ,,Grillparzers Briefe. 
Textkritische und sonstige Bemerkungen“, in weichem D. zur Glossy- 
Sauer’schen Ausgabe der Briete Stellung nimmt. Trotz seines zarten 
Aussehens von kräftiger Gesundheit, spürte er im Sommer 1910 die ersten 
Spuren seines schweren Leidens. Eine Operation brachte vorübergehende 
Besserung, so daß er im Herbst und Winter 1910 wieder im Amte 
funktionieren konnte. Freilich bedurfte es seiner ganzen Selbstbeherr¬ 
schung, um den Kollegen zu verbergen, was er gelitten haben mochte. 
Da trat im Frühjahr 1911 ein Rückfall ein, eine nochmalige Operation 
konnte keine Heilung mehr bringen und verlängerte sein Leben nur für 
kurze Zeit. 

Wien. Doublier. 

* * 

* 

Am 30. Dezember 1911 starb der Vorstand der Reichsratsbibliothek, 
Regierungsrat Dr. Siegfried L i p i n e r. Nekrolog folgt. 


BIBLIOTHEKARTAG IN MÜNCHEN 1912. 

Protokoll der 2. Sitzung des österr. Organisations- 
komitees am 19. März 1912 in der Universitätsbiblio¬ 
thek in Wien. 1 ) 

Anwesend: Crüwell, Doublier, Donabaum, Eichler, Fechtner, Frank¬ 
furter, Mayer, Patamar, Wolkan, später Grolig und Kolischer. Vor¬ 
sitzender: Wolkan. Beginn 6 Uhr abends. 

Der Vorsitzende begrüßt die Erschienenen, worauf Mayer das 
Protokoll der letzten Sitzung verliest, das genehmigt wird. Wolkan be¬ 
merkt dazu, daß die Aussichten, eine Subvention vom Unterrichtsministerium 
zu erhalten, gering sind, während Doublier mitteilt, daß das Oberst¬ 
kämmeramt entsprechende Unterstützungen hoffen lasse. 

Frankfurter teilt mit, daß möglicherweise das Unterrichtsministerium 
nachträglich doch noch Mittel zur Verfügung stellen werde. 

Mayer berichtet über die bisherige Tätigkeit des Organisations¬ 
komitees, behandelt die Einläufe, verliest das Programm der Münchener 
Tagung (s. u.) und erläutert einzelne Punkte, insbesondere auch die 
Tätigkeit der Österreicher am Tage, und rekapituliert die bisher ge¬ 
führten Verhandlungen wie die Änderungen, die in dem ursprünglichen 
Programm nötig geworden seien. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. 

Wolkan hält es für wünschenswert, die Jahres-Hauptversammlung 
des Ö. V. f. B. erst nach der Münchner Tagung abzuhalten, damit 

?) S. o. II, 238. 










67 


Bibliothekartag in München 


gleich in dieser über die Münchener Versammlung berichtet werden 
könne. Die Versammlung stimmt bei. 

Crüwell fragt, ob die Ausgaben, die den österreichischen Referent en 
für den Tag erwachsen, vom Vereine vergütet werden, da dies seiner 
Ansicht nach Vereinssache sei. — Frankfurter hält diese Anschauung 
für richtig und schlägt vor, für diesen Zweck einen besonderen Fonds 
durch freiwillige Spenden der Vereinsmitglieder zu beschaffen. — Mayer 
berichtet, daß die bisher erwachsenen Auslagen wesentlich Portospesen 
seien; dazu würden aber noch Kosten für Drucksachen kommen. Er 
schlägt vor, an die Vereinsmitglieder ein Rundschreiben mit beigegebener 
Antwortkarte zu richten, dessen Entwurf er verliest. Mit diesem werden 
die Vereinsmitglieder zur Tagung und im Sinne einer Anregung Crüwells 
zur Werbearbeit auch unter Nichtvereinsmitgliedern eingeladen; ein Re¬ 
giebeitrag von 4 K, ebenso freiwillige Beiträge werden erbeten. An¬ 
genommen. 

Frankfurter würde eine andere als die von München vorgeschlagene 
Bezeichnung der Tagung wünschen; er macht einen Gegenvorschlag, 
der nach München geleitet werden solL Er erörtert weiter, ob die 
besondere österreichische Sitzung nicht vielleicht überhaupt fallen ge¬ 
lassen werden solle; die Angelegenheiten, die in der österreichischen 
Sitzung behandelt werden sollen, kämen besser in Wien in einer Vereins¬ 
versammlung zur Sprache. — Eichler möchte immerhin die Möglich¬ 
keit einer österreichischen Sitzung gewahrt sehen. — Donabaum hebt 
hervor, daß wir keine Geschäftssitzung in München haben, wie die 
beiden anderen Vereine; die Notwendigkeit einer österreichischen Sitzung 
bestünde also eigentlich nicht. — Mayer bringt Gründe für die Beibehaltung 
dieses Programmpunktes bei, denen die Versammlung schließlich beitritt. 

Auf Antrag Wolkans wird beschlossen, auch die Tageszeitungen 
auf die Münchener Tagung aufmerksam zu machen. 

Schluß 1 1 2 8 Uhr abends. 


PROGRAMM 

der gemeinsamen Tagung der Deutschen, Österreichi¬ 
schen und Schweizerischen Bibliothekare. 

(XIII. Bibliothekartag und Ordentliche Mitgliederversammlung des V. D. B. — 
Bibliothekartag des Ö. V. f. B. — XII. Bibliothekartag und Ordentliche Mitglieder¬ 
versammlung der V. S. B.) 

München 29. Mai bis 1. Juni 1912. 

Mittwoch 29. Mai abends von 8 Uhr ab: Begrüßungsabend 
im roten Saale des Restaurants Augustiner. 

Donnerstag 30. Mai vormittags 9—1 Uhr in der Technischen Hoch¬ 
schule. I. Gemeinsame Tagung der drei Vereine. 

Vorträge: 

1 a. Vorbildung des wissenschaftlichen Bibliothekars. Ref. : Eichler-Graz. 
— 1 b. Mittlerer Bibliotheksdienst. Ref.: Mayer-Wien. — 1 c. Das Referats¬ 
system in der Diensteinteilung der k. k. Hofbibliothek in Wien. Ref.: Egger 
von Möllwald-Wien. — — 2 a. Katalogisierungsordnung. Ref.: Hilsen- 




68 


Bibliothekartag in München 


beck-München. Korreferent.: Escher-Zürich und Crüwell-Wien. — 2 b. Be¬ 
richt der deutschen Kommission für Vorbereitung der Frage der ein¬ 
heitlichen Katalogisierung. — — 3. Bericht der deutschen Kommission für 
offizielle Drucksachen. — — 4. Bericht der deutschen Kommission für Ver¬ 
waltungspraxis bei den deutschen Bibliotheken. 

Nachmittags 3—5 Uhr: Besichtigung der K. Hof- und Staats¬ 
bibi i o t h e k mit vorausgehendem Vortrag von Leidinger-München über 
die Bibliothek. 5—6 Uhr: Besichtigung der K. Universitätsbibliothek. 

Abends 8 Uhr: Empfang durch die Stadt München zu Ehren der 
Mitglieder der drei Bibliothekarvereine im Alten Rathaussaale (Mitglieds¬ 
karte als Ausweis erforderlich! — Nur für Mitglieder und deren Damen.) 

Freitag 31. Mai vormittags 8 1 / 2 Uhr: Bibliothekartag, bezw. 
Ordentliche Mitgliederversammlung des V. D. B., des 
Ö. V. f. B. und der V. S. B. in der Technischen Hochschule. 

Tagesordnung für den Verein Deutscher Bibliothekare: 1. Geschäftsbericht 
und Rechnungsablage. — Entlastung des Vereins-Ausschusses. — 2. Neuwahl des 
Vorstandes und Vereins-Ausschusses. 

Tagesordnung für den Österreichischen Verein für Bibliothekswesen: Öster¬ 
reichische Bibliotheksfragen. Ref.: Schiffmann-Linz. 

Tagesordnung für die Vereinigung Schweizerischer Bibliothekare : 1. Rech¬ 
nung und Bericht 1911- — 2. Ergänzung des Vorstandes. — 3. Landesaus¬ 
stellung 1914. — 4. Bericht betreffend Inkunabeln. — 5. Verschiedenes. 

9 1 / 2 — 1 Uhr: II. Gemeinsame Tagung der drei Vereine 
in der Technischen Hochschule. 

Vorträge: 

1. Gesamtkatalog. Ref.: Glauning-München. —2. Zeitschriftenkatalog. Ref.: 
Fick-Berlin. Korref. Riedner-München. — 3. Deutsche Kommission der Berliner 
Akademie der Wissenschaften. Ref.: Behrend-Berlin. — 4. Kleinere Mitteilungen. 

Nachmittags 3—5 Uhr: Besichtigung des Deutschen Museums. 
5—6 Uhr: Besichtigung der Städtischen Musikalischen Volks¬ 
bibliothek für die Volksbibliothekare. Abends 7 Uhr: Gemeinsames 
Essen in der Bayerischen Gewerbeschau-Ausstellung. 

Samstag 1. Juni: Tagesausflug an den Starnberger-See. - 

Für die Damen der Mitglieder. Donnerstag 30. Mai rorm. 10 Uhr: 
Besichtigung der Alten und Neuen Pinakothek oder 10 3 / 4 Uhr der K. Re¬ 
sidenz. Nachm. 4 Uhr: Besichtigung des Nymphenburger Parks. — Frei¬ 
tag 31. Mai vorm. 10 Uhr: Besichtigung des Nationalmuseums.- 

Die Herren Kollegen werden gebeten, ihre Teilnahme an der Ver¬ 
sammlung mit Angabe der Anzahl der Personen und der Münchener 
Wohnung tunlichst bis zum 4. Mai unter der Adresse: „Verein Deut¬ 
scher Bibliothekare, München, Hof- und Staatsbibliothek, Ludwigstr. 23“ 
anmelden zu wollen. Die Mitglieder der drei Vereine benötigen ihre 
Mitgliedskarte als unentbehrlichen Ausweis. Nichtmitglieder haben am 
Ort der Versammlung eine Teilnehmerkarte im Betrage von 3 Mark für 
die Person zu lösen. — (Für die Österreicher übernimmt im Einver¬ 
ständnis mit dem V. D. B. sämtliche Anmeldungen das österreichische 
Komitee und übermittelt sie nach München.) 







ZEITSCHRIFT 

DES ÖSTERREICHISCHEN VEREINES FÜR 

Bl BLIOTH EKSWES EN 

N. F. DER „MITTEILUNGEN“ DES VEREINES. 


III. JAHRG. (GANZER REIHE XVI.) HEFT 2 JUNI 1912 


BÜCHER, DIE NICHT GESUCHT WERDEN. 

Von Prof. Dr M. Grolig in Wien. 

Seit zehn Jahren durchmustere ich den Teil des „Börsenblattes“, 
der die Büchergesuche deutscher und außerdeutscher Buchhändler und 
Antiquare enthält und wöchentlich sechsmal im Umfange von je 24—30 
Spalten größten Quartformates erscheint. Ebenso verfolge ich seit un¬ 
gefähr einem Jahrzehnt regelmäßig die Demandes, die in der „Biblio¬ 
graphie de la France“ wöchentlich bei 16 Spalten füllen. Eine äußerst 
trockene und anstrengende Lektüre, die aber eines großen Reizes nicht 
entbehrt. 

Nicht bloß was da gesucht wird, sondern noch mehr das, was nie¬ 
mals begehrt wird, erregt das lebhafte Interesse des Literaturfreundes. 

Hinter manchem Buche sind zeitweilig ganze Scharen von Liebhabern 
her, wie z. B. hinter der Lucrezia Borgia von Ferd. Gregorovius, 1 ) die 
während der Jahre 1904—1906 nicht weniger als 147mal begehrt 
wurde, so daß einzelne Antiquare, die das Buch besaßen, 30—40 Mark 
dafür verlangten und erhielten. Darauf ließ der Verleger 1906 eine neue 
Auflage drucken, die 6 Mark kostete und die Parforcejagd auf die Lucrezia 
war zu Ende. 

Aber die Zahl der Bücher, die so heiß begehrt werden, ist nicht 
gar groß. Viel häufiger ist ihr entgegengesetztes Schicksal; der Ver¬ 
fasser und sein Buch sind in Vergessenheit versunken, sie sind sozu¬ 
sagen literarisch tot. Bei vielen Büchern wird man diese Tatsache ohne viel 
Bedauern hinnehmen; sie verdienten kein langes Leben. Leider trifft dieses 
Los auch manchen Schriftsteller, der es nicht verdient. Unter diese ge¬ 
hört z. B. Louis Josef Antoin de Potter, ein Mann von glänzender Ge¬ 
lehrsamkeit und ein stählerner Charakter, ein Name, der heutigen, jüngeren 
Generation ganz unbekannt, obzwar der Träger desselben erst am 22. Juli 
1859 zu Brügge starb. Aus einer altadeligen, wohlhabenden Patrizier¬ 
familie stammend, war de Potter in der glücklichen Lage, niemals ein 
Amt oder einen öffentlichen oder privaten Dienst suchen oder annehmen zu 
müssen. Er konnte ganz seinen schriftstellerischen Neigungen leben, die 
er vorwiegend auf dem Gebiete der Kirchengeschichte betätigte. Uber 
seinen Lebensgang hinterließ er druckfertige Aufzeichnungen, die von 
seinem Sohne Agathon ergänzt und herausgegeben wurden unter dem 

*) Stuttg. Cotta. 1874. XVI, 329 u. 141 S. gr. 8°. 

6 









70 


Grolig 


Titel: Souvenirs intimes. 1786 —1859. Bruxelles. Veuve Monnom. 1900. 
III, 399 S. gr. 8°. 

Über mehreren Werken de Potters waltete gleich vom Anfang an 
ein Unstern. Kaum waren von seinem Esprit de l’Üglise 1 ) einige Exem¬ 
plare verkauft, so machte der Verleger, ein Sohn des famosen Gracchus 
Babeuf, Bankerott. Und dasselbe Unglück widerfuhr trotz aller von de 
Potter angewendeten Vorsicht seiner Histoire du christianisme. 2 3 ) Beide¬ 
mal legten die Gläubiger Hand auf die Vorräte der Verleger und der 
größte Teil der Auflage beider Werke wurde verschleudert oder makuliert. 
Daraus erklärt sich auch die große Seltenheit dieser Schriften de Potters. 
Und als er für seine Biographie Scipio Riccis 8 ) einen Verleger in Paris 
suchte, fand er zwar mehrere, aber diese Verleger fanden keinen 
Drucker, weil alle sich vor der Pariser Polizei fürchteten. Das Werk 
erschien also in Brüssel, wurde aber von dem ehemaligen Bischof von 
Blois, Gregoire, von allen anstößigen Stellen gereinigt und in Paris von 
Baudoin in 4 Bänden nachgedruckt 4 )> worauf de Potter unverzüglich einen 
,,Extrait de la vie de Scipion de Ricci, contenant tous les retranchements, 
exiges par la police frangaise dans la contrefagon faite ä Paris“, in Brüssel 
erscheinen ließ. 

Dieser Pariser Nachdruck ist heute viel häufiger antiquarisch anzu¬ 
treffen als der Brüsseler rechtmäßige Originaldruck, von dem ein Pariser 
Antiquar in seinem im April v. J. herausgegebenen Kataloge behauptet: 
Ouvrage entierement disparu du commerce, was wohl nicht ganz den 
Tatsachen entspricht. Eher könnte man das von der deutschen Über¬ 
setzung 5 ) behaupten, von der mir seit 12 Jahren nur ein Exemplar zu 
Gesichte gekommen ist, das sich einstens im Besitze des Wiener Bürger¬ 
meisters Dr. Cajetan Felder befand. Zwei Jahre vor seinem Tode ver¬ 
anstaltete Potter eine 3., verkürzte Ausgabe 6 ) seiner Biographie Riccis, die 
aber heute noch seltener zu sein scheint als die Ausgaben von 1825 
und 1826. Wenn diese Memoiren auch in den letzten 10 Jahren auf 
keiner buchhändlerischen Suchliste erschienen, so wird von ihnen gleich¬ 
wohl literarisch Gebrauch gemacht, wie aus den zwei Feuilletons zu er¬ 
sehen ist, die Prof. Dr. Karl Beth in der „Ostdeutschen Rundschau“ 
vom 26. und 27. Jänner 1910 aus Anlaß des 100. Todestages Scipio 
Riccis erscheinen ließ. Von seiner achtbändigen Histoire du christianisme, 
in die de Potter ein früheres Werk, 7 ) die considerations sur Phistoire 
des principaux conciles jusqu’ au grand schisma d’occident hinein ver- 

*) L’esprit de l’eglise. Paris. A la librairie d’Emile Babeuf. 1821. 8 vol. 8°. 

2 ) Histoire philosophique, politique et critique du christianisme et des 
eglises chretiennes. Paris. 1836—37. Librairie Leclaire & Co. 8 Vol. 8°. 

3 ) Vie de Scipio de Ricci, eveque de Pistoie et Prato. Bruxelles. Tarlier. 
1825. 3 Vol. 8°. 2. Ausg. Ebd. 1826. 3 Vol. 8°. 

4 ) Paris. 1826. Tastu. 4 Vol. 8°. 

6 ) Das Leben und die Memoiren des Scipio von Ricci, Bischof von Pistoja 
und Prato, Reformator des Katholizismus in Toskana unter der Regierung 
Leopolds. Stuttgart. 1826. Gebrüder Franckh. 4 Bde. 8°. 

e ) vlemoires de Scipion de Ricci, eveque de Pistoie et Prato. Bruxelles. 
A. Labroue & Co. 1857. 8°. 316 p. 

7 ) Bruxelles. 1816. 2 Vol. 8°. Nachgedruckt Paris 1818, Au bureau du censeur 

Europeen, et chez Emmery et Baudouin frferes, 2 Vol. 8°. 





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Bücher, die nicht gesucht werden 


arbeitet hatte, veranstaltete er nach 20 Jahren eine verkürzte Ausgabe. 1 ) 
Ein Stück Kirchengeschichte des XVI. Jahrhunderts bietet de Potter in 
seinen Lettres de Saint Pie V. sur les affaires religieuses de son temps. 
Bruxelles. H. Tarlier. 1827. 1 Vol. 8°. Die ,.seconde edition beige, entiere- 
ment refondue“ erschien davon erst nach dem Tode des Verfassers zu 
Brüssel 1862 unter dem Titel: Le Systeme catholique, döveloppe dans 
les lettres de Saint Pie V. 1 vol. Den Politiker de Potter lernt man aus 
folgenden Schriften kennen: Saint Napoleon au Paradis et en Exil, poemes 
avec des notes par le röverend Pere***. Bruxelles. Tarlier. 1827. 1 Vol. 
in 16°. — Revolution Beige. Souvenirs personelles. Bruxelles. Meline. 
1839. 2 Vol. 8°. — Les catholiques, les liböraux et les modöres ä 
l’oeuvre. Bruxelles. 1843. 1 Vol. 12°. — Qui nous gouverna? Bruxelles. 
1841. 1 Vol. 12°. — Le gouvernement constitutionnel-representatif 

atteint et convaincu d’impuissance. Bruxelles. 1841. 1 Vol. 12°. — 
Etudes sociales. Bruxelles. 1843. 2 Vol. kl. 8°. Der Philosoph de Potter 
offenbart sich in der Schrift: La revelation, l’examen et la raison. Bruxelles. 
1841. 1 Vol. 12° und in dem Dictionnaire rationnel. Bruxelles et Leipzig. 
August Schnee. 1859. 1 Vol. gr. 8°. 

Nur eine dieser de Potterschen Schriften wurde im Laufe der 
letzten zehn Jahre gesucht: Die Histoire du christianisme und zwar von 
Nutt in London [Jännner 1910] von Twietmeyer in Leipzig [April 1910] 
und von Treves freres in Turin [Juni 1910]. Alle übrigen erregten nie¬ 
mandes Verlangen. 

Gar nicht mehr begehrt wird Daunou, einst pair de France, secretaire 
perpdtuel de l’acadömie des inscriptions et belles-lettres, membre de 
Tacademie des Sciences morales et politiques, garde gendral des archives 
du royaume, ancien professeur d’histoire au College de France etc., ein 
ebenso hervorragender Politiker wie Historiker, geb. 18. August 1761 
in Boulogne-sur-mer, Präsident des Rates der 500, im J. 1798 vom 
Direktorium mit der Organisation der römischen Republik beauftragt, 
1804 Archivar des Kaiserreiches, 1806 Präsident des Instituts de France, 
1816 Redakteur des Journal des savants, gestorben am 20. Juni 1842 
zu Paris. 2 * * * * * ) 

Seine Reden im National-Konvent und im Rate der 500, die zu¬ 
folge Beschlusses dieser Körperschaften gedruckt wurden, gehören heute 
zu den größten bibliographischen Seltenheiten. Es sind dies: 1) Opinion 
de P. C. F. Daunou, depute du Pas-de-Calais ä la Convention Nationale, 
„Sur le jugement de Louis Capet“; imprimee par ordre de la Convention 
Nationale. Legislation Nr. 36. — [Auf der letzten (12.) Seite, unterste 
Zeile:] A Alengon, de l’Imprimerie de Malassis Cussonniere. (12 Seiten 8°.) 
2) Considerations sur le proces de Louis XVI, par P. C. F. Daunou, 

*) Resumö de l’histoire du christianisme. Bruxelles. 1856. A. Labroue & Co. 
2 Vol. 8°. Ins italienische übers, v, A. Franchi. Turin. 1856. 2 Vol. 8 9 . 

2 ) Nekrolog im Annuaire de la bibliotheque royale de Belgique, 3. annee. 

Bruxelles. 1842. p. 273—285. — Notice sur M. Daunou par M. B. Guerard. Paris. 

Dumoulin 1855. — Documents biographiques sur P. C. F. Daunou par. M. A. H. 

Taillandier. 2. edit. Paris. Firmin Didot. 1847. — Vente de la bibliotheque de 

Pierre, Claude, Francois Daunou. Bulletin du bibliophile et bibliothecaire. Paris. 

Techener. 1840, p. 275. ff. 


6* 





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Grolig 


döpute du departement du Pas-de-Calais. Imprimee par ordre de la 
Convention Nationale. Legislation Nr. 127. [Am Schlüsse:] De Pimprimerie 
nationale. (6 S. 8°.) — 3) Complement de Popinion de P. C. F. Daunou, 
depute du Pas-de-Calais, sur l’affaire du ci-devant Roi. Imprime par 
ordre de la Convention Nationale. Legislation Nr. 127. [Am Schlüsse:] 
De l’imprimerie nationale. (16 S. 8°.) — 4) Corps legislatif. Conseil des 
cinq-cents. Discours prononce ä la barre de l’un et de l’autre conseil 
par le citoyen Daunou, vice-president de l’Institut national, dans la söance 
du 5. iour complementaire, an 5. [Am Schlüsse:] De l’imprimerie nationale. 
Vendemiaire, an 6. (10 S. 8°). — 5) Corps legislatif. Conseil des cinq- 
cents. Rapport fait par Daunou sur les depenses du ministere des rela- 
tions exterieures durant Pan 8. [Am Schlüsse:] A Paris. De Pimprimerie 
nationale. Fructidor an 7. (12 S. 8°.) — 6) Corps lögislatif. Conseil des 
cinq-cents. Nouveau projet de resolution sur les depenses du ministere 
des relations exterieures, prösente au nom d’une Commission speciale 
par Daunou. [Am Schlüsse:] De Pimprimerie nationale. Vendemiaire an 8. 
(16 S. 8°.) 

Als Papst Pius VII. am 11. Juni 1809 den Bann gegen Napoleon 
schleuderte, beauftragte dieser den Historiker Daunou mit der Abfassung 
einer Gegenschrift, die 1810 anonym erschien, unter dem Titel: Essai 
historique sur la puissance temporelle des Papes. Ouvrage traduit de 
PEspagnole. A Paris. Chez Le Normand. 1810. 1 Vol. in 8°. (VIII u. 
374 S.) Der Verfasser fingiert in der Vorrede, daß das Manuskript von 
den Franzosen im November 1809 in Saragossa gefunden worden sei. 
Auch die 3 nachfolgenden Auflagen*) erschienen anonym. Die 3. Aufl. 
v. J. 1811 ist besonders interessant durch 12 neu hinzugekommene 
Kapitel, die aber hinterdrein Napoleon mißfielen, so daß er den größten 
Teil der Auflage einstampfen ließ; nur etwa 60—70 Exemplare wurden 
gerettet. Daher die große Seltenheit dieser 3. Auflage. 2 ) In der 4. Auf¬ 
lage blieben diese Abschnitte weg. 

Nur selten erschienen auf dem Antiquariatsmarkt einige andere 
Schriften Daunous, wie: Essai sur les garanties individuelles, que reclame 
l’etat actuel de la societö. Paris. 1819. 3. edit 1822. Ins Deutsche über¬ 
setzt von J. Th. Stuttgart. 1823 unter dem Titel: Was wollen die Völker? 
Oder Versuch über die individuelle Bürgschaft, wie der gegenwärtige 
Zustand der Gesellschaft sie fordert. Daunous Discours sur Petat des 
lettres au XIII. siede gab M. Guerard heraus. Paris, s. d. E. Ducrocq. 
1 Vol. in 8°. Gesucht aber wurden diese Bücher in den letzten zehn 
Jahren nicht. 

Ein sehr langlebiges buchhändlerisches Unternehmen, das sich im 
Laufe mehrerer Jahrzehnte zu einer reichen Vorratskammer für die Ge¬ 
schichte Österreichs und Deutschlands entwickelte, war und ist das 
Taschenbuch für vaterländische Geschichte, das in den Jahren 1811—1814 
und nach einer fünfjährigen Unterbrechung von 1820—1857 zuerst in 

*) 2. edit. Paris. 1810. Mai. 3, edit. revue et corrigee. Paris. 1811. 2. Vol. 8°. 
(414 et 335 p.) 4. edit revue, corrigöe et augmentee. Paris. 1818. Au bureau du 
censeur europeen. 2 Vol. (VIII, 436 et 352 p. 8°.) 

3 ) S. Reusch, der Index der verbotenen Bücher. Bonn. 1885. II. Bd., S. 1074. 




Bücher, die nicht gesucht werden 


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Wien, dann in Stuttgart, in Berlin und zuletzt in München erschien. Be¬ 
gründet von Josef Freiherr von Hormayr , war es von ihm und Medinanzky 
bis zu Hormayrs Tode im Jahre 1848 und von da ab von Dr. Georg 
Thomas Rudhart, Vorstand des kgl. bayr. Reichsarchivs, redigiert worden. 
Der Jhg. 1846 enthält auf S. 1—39 eine Inhaltsübersicht der Bände 
I—XXXV, und der Jhg. 1847 bringt S. 352—363 eine Biographie und 
ein Verzeichnis der Schriften Hormayrs. Der Inhalt dieses Taschenbuches 
ist, wie nicht anders zu erwarten ist, von sehr ungleichem Werte und 
von sehr verschiedener wissenschaftlicher Brauchbarkeit, was nach dem 
Stande der Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung im Anfänge 
des 19. Jahrhunderts niemandem auffallen wird. Wenn man aber nichts 
Unbilliges verlangt, wird man bekennen müssen, daß das „Taschenbuch“ 
viel zur Verbreitung geschichtlichen Wissens beigetragen hat. Um 
wenigstens ein Beispiel anzuführen, so hat Hormayr im Jahrgang 1813, 
S. 75—76, die Hauptsätze der berühmten Zollordnung von Raffelstätten 1 ) 
zuerst einem größeren Leserkreise vermittelt. 

Heute scheint Hormayrs Taschenbuch so ziemlich aus dem Ge¬ 
sichtskreise der Geschichtsfreunde geschwunden zu sein. Zwar suchte 
ein Wiener Antiquar im März 1905 die Jahrgänge 1834—1845 und ein 
Frankfurter im Jahre 1908 die Jahrgänge 1850 —1855 ; aber ein Ver¬ 
langen nach einem vollständigen Exemplar wurde meines Wissens schon 
lange Jahre hindurch nicht mehr geäußert. Solche Wünsche, wenn sie 
häufiger geäußert würden, wären heute kaum mehr zu befriedigen. Mir 
sind, seitdem ich Antiqariatskataloge lese, nur zwei vollständige Exemplare 
des „Taschenbuches“ bekannt geworden. Für das eine wurden 175, für 
das andere 195 Mk. verlangt. Aber auch einzelne Bände stehen in 
hohem Preise. Den 4. Jahrgang. Wien. 1814. Doll, bot ein Frankfurter 
Antiquar im Oktober 1907 um 15 Mk. aus. Der Jahrgang 1812 war 
schon 1852 so selten, daß Gengier bei der Abfassung seiner „Deutschen 
Stadtrechte‘‘ 2 ) ihn nicht auftreiben konnte, und man darf sich nicht 
wundern, wenn ein Antiquar, der ein bis 1849 reichendes Exemplar 
mit 200 K ausbot, dieses für eine „vollständige Serie“ erklärte. Die 
4 ersten Bände 1811 —1814, brosch. wurden von einem Wiener Antiquar 
im Oktober 1908 mit 30 K bewertet und die Jahrgänge 1820—1849 
im Dezember 1908 mit 150 K. 

Um die Erstausgaben der Erzeugnisse der deutschen Literatur aus 
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts herrscht seit einigen Jahren auf 
dem deutschen Büchermärkte im allgemeinen ein großes Gereiße. Dennoch 
bleibt mancher Autor aus dieser Epoche unbeachtet liegen. So z. B. die 
meisten Schriften Friedrich Karl Freiherr v. Mosers F) 

Durch böse Erfahrungen gewarnt, veröffentlichte Moser einen großen 
Teil seiner Schriften, die einer hohen Obrigkeit bedenklich oder un- 

*) Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches, III 2 , 531—532. Dahn, Könige d. 
Germ. VIII, 5, S. 43—46. Mon. Germ. hist. Leg. Sect II, Tom II. Capitul. reg. 
Franc. Tom II. p. 249—252. Hannov. 1897. 

s ) Erlangen. 1852, Vorrede, S. VII—VIII. 

3 ) Busche, Dr. Herrn, vom, Friedr. Karl Freih. v. Moser. Stuttg. Hallberger. 
1846. Allg. deutsche Biographie XXII, 764—783. 




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Grolig 


zulässig hätten erscheinen können, anonym. 1 ) Sein ,,Herr und der Diener, ge¬ 
schildert mit patriotischer Freiheit”, Frankfurt 1759, verlegt von Joh. 
Aug. Raspe, wurde zweimal ins Französische übersetzt: L’idee du prince 
et de son ministre, tracee avec la liberte d’un patriote. Trad. p. J. Roques. 
Francfort. 1760. 16°. Und Le maitre et le serviteur ou les devoirs reci- 
proques d’un souverain et de son ministre, crayonnes avec une libertö 
patriotique, trad. par le colonel Chevalier de Champägny. Hambourg. 
Chez Chretien Herold. 1760. — Sconde edit. ibid. 1761. in 8°. Ein 
Pariser Antiquar, der die letztgenannte Ausgabe im Jänner 1909 ausbot, 
begleitet sie mit der Anmerkung: Traite politique des plus forts et qui 
fut condamne en naissant. Tres rare. 

Mosers Schrift „Über die Regierung der geistlichen Staaten in 
Deutschland“, Frankfurt und Leipzig, 1787, 8°, könnte man als einen 
Vorläufer von Vehses Geschichte der geistlichen Höfe bezeichnen und 
seine „Geschichte der Päpstlichen Nuntien in Deutschland“, 2 Bde., 
Frankfurt und Leipzig, 1788, bis in die Zeit Maximilians I. reichend, 
bildet noch heute eine lohnreiche Lektüre. 

Von den 65 Werken Mosers wurden in den letzten Jahren nur 
noch vier im deutschen Antiquariathandel von drei verschiedenen 
Buchhändlern einmal verlangt: Der Herr und der Diener, die Regierung 
der geistlichen Staaten, der Hof in Fabeln 2 ) und von dem deutschen 
Nationalgeist. 3 ) Nach allen übrigen zeigte sich kein Begehr; auch nicht 
nach dem „Daniel in der Löwengrube“. In sechs Gesängen. Frankfurt a. M., 
1763, der auf das junge Gemüt Goethes einstens eine „große Wirkung 
machte.“ 4 ) 

Es ist im vorhinein anzunehmen, daß Bücher aus dem 17. und 16. 
Jahrhundert, mögen sie auch zur Zeit ihres Erscheinens auf die Zeit¬ 
genossen einen großen Eindruck gemacht haben, heute nur noch das 
Interesse einzelner gelehrter Personen erregen, ohne daß diese in den 
Besitz solcher Bücher gelangen wollen. Die Richtigkeit dieser Annahme 
wird erwiesen durch das Monumentalwerk, das der Jesuitenorden zur 
Feier des hundertjährigen Bestandes der Gesellschaft im Jahre 1640 er¬ 
scheinen ließ. 5 ) Entsprechend dem Glanz und der Größe, zu welcher 
der Jesuitenorden im Laufe eines Jahrhunderts emporgestiegen war, sollte 
diese Festschrift auch glänzend und großartig in die Welt treten. In der 
Tat hat auch die berühmte Druckerei Plantin-Moretus das Höchste auf- 
geboten, um ein Prachterzeugnis ihrer Druckkunst hervorzubringen. 

Die Verfasser nennen sich weder auf dem Titel noch in der Vor¬ 
rede. Als solche gelten aber Jean Tollenarius, Henschenius und Bollandus. 

*) Es sind deren nicht weniger als 34. S. die Titel derselben bei v. d. Busche, 

g 39^_7 

2 ) Leipzig 1762. 6 Bll. u. 108 S. 12°. 

3 ) O. O. 1766, 56 S. kl. 8°. 4 ) „Wahrheit und Dichtung“, I. Teil, 4. Buch. 

[Ausg. in 15 Bdn. M Einleitg. v. Goedeke. Stuttg. Cotta. 1872. 9. Bd., S. 109.] 

9 ) Imago primi sssculi societatis Jesu a provincia Flandro-Belgica eiusdem 
societatis reprassentata.f Antverpise. Ex officina Plantiniana Balthasaris Moreti. 
Anno societatis sseculari M. DC. XL. Vortitel, allegor. Titelkopf, 2 Bll., 952 S., 
20 S. Index rerum, 1 S. facultas Provincialis, Approbatio censoris et Privi¬ 
legium Philippi IV. regis Hispaniarum et Indiarum. Am Schlüsse Druckerzeichen 
von Plantin-Moretus. Gr.-Fol. 




Bücher, die nicht gesucht werden 


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Zweihundert Jahre hindurch haben Kritiker und Bibliographen diesem 
Buche ihre Aufmerksamkeit zugewendet. 1669 gibt La morale pratique 
des Jesuites ä Cologne [Amsterdam. Elzevir] 2. Alphabet, p. 1—39 einen 
„Extrait d’un livre intitule: Image du premier siede de la societe des 
Jesuites.“ Vogt in seinem Catalogus libror. rarior. Hamburg. 1753, p. 362 
sagt von ihm: Liber admodum rarus, refertus pluribus emblematibus aere 
encisis Der Catalogue des livres de la Bibliotheque de Pierre-Antoine 
Bolongaro-Crevenna, Amsterdam, 1789, 3. Bd., Nr. 7873 nennt es ein 
ouvrage fameux et rare. Jos. A. Hanslick in seiner Geschichte und Be¬ 
schreibung der Prager Universitätsbibliothek, Prag, 1851, S. 225 kenn¬ 
zeichnet es als ein „prachtvolles Werk von hoher Seltenheit und hohem 
Preise nicht nur wegen der herrlichen Kupfer sondern auch wegen seines 
hie und da sonderbaren Inhalts.“ Ebert, I, 10.480 schränkt diese Urteile 
etwas ein, indem er sagt: „Selten, aber bei weitem nicht so sehr als 
man sagt.“ Ich kann das bestätigen. Vom Februar 1906 bis April 1911 
fand ich vier Exemplare in Antiquariaten zu Lille, Lyon, Paris und Rom 
ausgeboten zum Preise von 60—80 Frcs. Gesucht wurde in diezem Zeit¬ 
räume das Werk von niemandem. 

Dasselbe ließe sich auch von den Schriften Gregono Letis , Scaligers 
und seines Gegners Caspar Scioppius sagen, die alle bei ihren Zeit¬ 
genossen einen großen Rumor erregten und die heftigsten literarischen 
Kämpfe hervorriefen. 1 ) Auf dem heutigen Büchermärkte wird nach ihnen 
nicht gefragt. Die einzelnen Belege dafür hier vorzuführen würde den 

Leser ermüden. 


Nur noch für ein Büchlein möchte ich die Aufmerksamkeit des 
Lesers in Anspruch nehmen: für die Taxce cancellaruz apostohccz. 2 3 ) Schon 
Vogt in seinem Catlg. libror. rarior Hamburg, 1753, S. 656—658 weist 
aul die Seltenheit der ältesten Ausgaben dieses Buches hin. Sie stehen 
heute auch in einem hohen Preise. Olschki in Florenz bot im Juni 1905 
in seinem Katalog 53 eine Ausgabe Rome, per Jacobum Macchium. Die 
xxiiij Decembris M. d. viij. 16 ff. n. ch. (sig. A—D) m 4 cart. um 
20 Fr. aus. Lucian Gougy in Paris bewertete im Mai 19 m seinem 
Ktlg. 254 die Ausgabe von Marcellus Silber, Rome in eampo flore. Anno 
M. D. xiijj, die xviij. Novembris impresse. 18 ff. n. ch kl. 4°, Pergament¬ 
umschlag mit 40Frcs. K. W. Hiersemann in Leipzig verlangte im Juni 190 , 
Ktlg. 338 (1224) für die Ausg. von A. [ntoin] d.[e] P.[inet] Leyden 16 , 

142 S. kl. 8°. Lndbd. 36 Mk. Diese Leydner Ausgabe ist ein Abdruck 
der zu Lyon 1564 erschienenen, die 173 S. 8<> umfaßt. Victorien Sardou*) 


0 Nisard Charles, Les gladiateurs de la republique* des lettres aux XV., 

XVI. et XVII. stecles. 2 Vol. Paris. Michel Levy freres. 186 °- n ph;l . 

2 ) Über die verschiedenen Ausgaben dieses Buches s - W°ker, Dr. Ph ipp, 
das kirchliche Finanzwesen der Päpste. Nördhngen Beck, 1878, S 65—* und 
A Dupin de Saint-Andre, Taxes de la pemtencerfc > apostohque ,d aP^s Udition 
u Pari«* en 1520 Paris G Fischbacher, 1879, p. XIX—XXII. Goeller ü , 

päpstliche Pönitenziarie von ihrem Ursprung bis m ihrer U ™g e = ta ] t “ n | “ nte 2 r 
Pius V., Rom, Löscher & Co., 1907-1911, Bd. II, 1, S. 132-189 und Bd. 11, 

g 145_177. 

3 ) f 8- N° v - 1908 als Maire von Marly bei Paris. 




76 


Wolkan 


besaß diese Lyoner Ausgabe, wie man aus dem Katalog seiner am 
14. bis 24. März 1910 in Paris verauktionierten Bibliothek ersieht. Nur 
widerfuhr dem Verfasser dieses Kataloges, Leclerc, der Irrtum, daß er 
diese Ausgabe als die „premiere edition de ce livre“ bezeichnet. Voltaire 
besaß zwei Exemplare der „Taxas“ wie man aus seiner Abwehr der 
Angriffe Nonottes ersieht. 1 ) ,,Avec quelle audace peux-tu dire, que Mr. 
de Voltaire n’a jamais lü la taxe de la chancellerie de Rome ? Viens 
dans sa bibliotheque, mon ami, les laquais te laisseront entrer pour cette 
fois et meme te feront sortir par la porte. Tu verras deux exemplaires 
de ce livre, qu’on te ne pretera point.“ — Höchst wahrscheinlich war 
von diesen zwei Exemplaren das eine die Ausgabe des Marcell Silber, 
Rom 1514 und das andere die Pariser Ausgabe vom Jahre 1520. Denn 
im ,,Viellard du mont Caucase. Rotterdam [Basel] 1777, p. 268—269 
beruft sich Voltaire ausdrücklich auf diese „Vingtunieme sottise de 
Nonotte. Qu’il lise donc la taxe de la chancellerie romaine, imprimee 
ä Rome en 1514 chez Marcel Silbert (sic!) au champe de Flore, enfin 
ä Paris en 1520 chez Toussaint Denys, rue St. Jaques.“ Wahrscheinlich 
schlafen diese zwei Büchlain den ungestörten Schlaf der Jahrhunderte in 
Petersburg, wohin Volteires Bibliothek gebracht wurde, nachdem 
Katharina II. sie 1778 von der Erbin Voltaires, seiner Nichte, Mme. Denis, 
angekauft. 2 ) Die Lyoner Ausgabe vom Jahre 1564 wurde aus dem Nach¬ 
lasse des Barons La Roche Lacarelle in Paris im April 1888 um 200 Frcs. 
verauktioniert. 3 ) 

Ein Verlangen nach irgend einer Ausgabe der ,,Taxae u wurde 
meines Wissens während der letzten zehn Jahre nirgends kundgegeben. 
Vielleicht wurden dergleichen Wünsche durch die hohen Preise dieses 
Büchleins zurückgedrängt. 

Wenn die oben besprochenen und vielleicht noch zahlreiche andere 
Bücher gegenwärtig auf dem Büchermärkte nicht gesucht werden, so 
folgt daraus noch nicht, daß sie aus dem literarischen Betrieb aus¬ 
geschieden sind. An öffentlichen und in Privatbibliotheken können sie 
gleichwohl sehr eifrig studiert werden. Nur so viel läßt sich sagen, daß 
gegenwärtig keine Kauflust für sie vorhanden ist, die sich aber über 
kurz oder lang für sie wieder einfinden kann; denn, wie schon Teren- 
tianus Maurus vor mehr als 2000 Jahren sagte, habent sua fata libelli. 


DIE ERSTE TAGUNG DER DEUTSCHEN, ÖSTERREICHISCHEN 
UND SCHWEIZERISCHEN BIBLIOTHEKARE 

fand in den Tagen vom 29. Mai bis 1. Juni in München statt und 
war mit der Zahl von 211 Besuchern der stärkst besuchte Bibliothe¬ 
kartag, den Deutschland bisher erlebt hat. Zwei Gründe waren dafür 

*) Voltaire, Honnettetez litteraires. S. L. [Geneve] 1767, p. 96. 

3 ) Le sottisier de Voltaire, publiö pour la premiere fois par Leouzon le Duc. 
Paris. Jouaust. 1880, pröface, I—III. 

8 ) Catalogue des livres rares et precieux composantla bibliotheque de feu 
M. le baron S. de la Roche Lacarelle. Paris, Porquet, 1888, p. 26, Nr. 66. und 
Prix d’adjudication p. 21. 







Münchener Tagung 


77 


maßgebend, der glückliche Gedanke, die Bibliotekare dreier benach¬ 
barter und befreundeter Länder zu einer gemeinsamen Tagung zu 
vereinen und die Wahl des Tagungortes: München. Namentlich der 
Besuch aus Österreich war diesmal so stark, wie nie zuvor. An¬ 
wesend waren von der Hofbibliothek in Wien die Herren Vizedirek¬ 
tor Reg.-Bat Hr. Donabaum, Doublier, von Egger-Möllwald, von 
Mzik Roretz, Teichl und Frl. Pupini; von der Universität-Biblio¬ 
thek: Prof. Wolkan, Mayer, Crüwell und Rogenhofer; Reg.-Rat 
Dr. Frankfurter hatte das Unglück gehabt, auf dem Bahnsteig in 
Wien zu stürzen und sich den Arm zu brechen, so daß er die Tagung 
nicht mitmachen konnte; von der Technik Dr. Tippmann; von der 
Bibliothek der Handels- und Gewerbekammer Dr. Knappich; von 
Innsbruck Direktor Dr. Sprung und Dr. von Zingerle; von Graz 
Dr. Eichler, Prof. Bliemetzrieder und Schleimer; von der Univer¬ 
sitätbibliothek Prag Dr. Prusik; vom böhm. Landesmuseum Doktor 
Volf: von Linz der Direktor der Studienbibliothek Dr. Schiffmann 
und Dr. Binder vom Francisco Carolinum; Dr. Gajdik von der land¬ 
wirtschaftlichen Akademie in Tabor; besonders und angenehm be¬ 
merkt wurde, daß auch die Stiftsbibliotheken ihre Vertreter ent¬ 
sendet hatten, so P. Asenstorfer von St. Florian, P. Jungwirth von 
St. Peter in Salzburg und P. Springer von der Stella matutina in 
Feldkirch. Auch die Stadtbibliothek in Budapest war durch Biblio¬ 
thekar Dr. Braun vertreten. 

Am Abend des 29. fand im roten Saale des Augustiner-Restau¬ 
rants eine Begrüßung der erschienenen Gäste statt; der nächst© 

Tag gehörte der Arbeit. Der Direktor der Hof- und Staatsbibliothek 
in München Dr. Schnorr von Carolsfeld begrüßte die Versammlung, 
in deren Präsidium er sich mit dem Vertreter der schweizerischen 
Bibliothekare Dir. Dr. Escher-Ziirich und der österreichischen 
Dr. Wolkan-Wien teilte, mit herzlichen Worten. Den Reigen der 
Vorträge eröffnete Oberbibliothekar Dr. Eichler-Graz, der in fein Eichler: Vor¬ 
ausgearbeiteter und philosophisch vertiefter Form über die Vorbil- bildung des 
düng des wissenschaftlichen Bibliothekars sprach, ein Vortrag, denBibliothekars. 
wir uns freuen, im nächsten Hefte unserer Zeitschrift unseren Le¬ 
sern vollinhaltlich mitteilen zu können. Er ging von der Sachkennt¬ 
nis und Urteilsfähigkeit des Bibliothekars als den Grundpfeilern 
seiner Vorbildung aus, und betrachtet als Objekt der ersteren das 
Buch in seiner Einzeln- wie in seiner Massenerscheinung, während 
die Kenntnis der für die Forschung bereitzustellenden literarischen 
Mittel und ihre systematische Beherrschung den wissenschaftlichen 
Wert der bibliothekarischen Berufstätigkeit ausmachen. Die wissen¬ 
schaftliche Vorbildung des Bibliothekars ist heute noch ungenügend; 
in Deutschland ist zwar ein guter Anfang mit der Errichtung einer 
Professur für Bibliothekwissenschaft gemacht und es ist nur sehr 
zu wünschen, daß weitere Lehrstühle geschaffen werden; die in den 
Betrieb! der Wissenschaftern strenger einzufügende Bibliothek¬ 
wissenschaft muß als zweites Hauptfach neben das eigentliche Uni¬ 
versitätsfach des angehenden Bibliothekars treten. 



78 


Wolkan 


Mayer: 

Mittlerer 

Bibliothek¬ 

dienst. 


Egger- 

Möiiwald: 

Referat¬ 

system. 


Katalogi¬ 

sierung- 

Ordnung. 

Berichti¬ 

gungen. 


Als zweiter Redner erschien Oberbibliothekar Dr. Mayer-Wien 
am Vortragstisch und errang sich durch seine lichtvollen Ausein¬ 
andersetzungen den vollen Beifall der Versam m lung. In knappen 
und scharf pointierten Sätzen legte er seine Anschauungen über den 
mittleren Bibliothekdienst dar, Anschauungen, die sich auf ein 
reiches Material, das ihm von den meisten Bibliotheken Deutsch¬ 
lands und Österreichs war geliefert worden, stützten und die er am 
Schlüsse in wirkungsvoll vorgetragenen Forderungen zusammen¬ 
schloß. Er betrachtet, und mit vollem Recht, die Einführung von 
mittleren Beamten als ein Gebot der modernen Entwicklung der 
Bibliotheken, dessen Zwang sich bereits alle Bibliotheken Deutsch¬ 
lands gefügt haben, während Österreich noch immer zaudert, diese 
Forderung zu erfüllen, die allein imstande wäre, den wissenschaft¬ 
lichen Beamten seiner eigentlichen bibliothekarischen Tätigkeit, die 
jetzt durch die Fülle rein mechanischer Arbeit ertötet wird, wieder 
zu geben. Im einzelnen genau führt er die Geschäfte auf, die den 
mittleren Beamten zu übertragen seien, verlangt als Vorbildung das 
durch die unteren bis mittleren Klassen der Mittelschulen vermit¬ 
telte Bildungmaß, und will statt allzuweit getriebener Prüfung¬ 
forderungen aus den literarischen und bibliothekarischen Diszi¬ 
plinen lieber größeres Gewicht auf Fertigkeit im Kanzlei- und Rech¬ 
nungwesen legen. Auch dieser Bericht soll seinem Wortlaut nach 
im nächsten Heft unserer Zeitschrift erscheinen. 

Als dritter Redner erstattete Kustos von Egger-Möllwald einen 
Bericht über das Referatsystem in der Diensteinteilung der Wiener 
Hofbibliothek, das sich durch eine Reihe von Jahren bereits als 
praktisch bewährt hat, und fand mit ihm so beifällige Aufnahme, daß 
er vollinhaltlich im „Zentralblatt für Bibliothekswesen erscheinen 
soll. Über eine anzubahnende, einheitliche Katalogisierungordnung 
sprachen Bibliothekar Hilsenbeck-München, Direktor Escher-Zürich 
und Bibliothekar Crüwell-Wien. Hilsenbeck legte dar, daß es nicht 
leicht sei, eine für ganz Deutschland gültige Instruktion abzufassen, 
und daß man kaum allgemein sich der für Preußen gültigen In¬ 
struktion anschließen werde; er betrachtet auch eine allgemein gül¬ 
tige Regelung nicht für notwendig, da auch die Dezentralisation 
einen Wert besitze. Hach Criiwell sind die großen Bibliotheken in 
Österreich für, die kleinen gegen eine einheitliche Katalogisierungs¬ 
ordnung. Escher ist der Ansicht, daß die Schweiz sich an die reichs- 
deutschen Katalogisierungordnungen nicht anschließen könne. 

Am nachmittag wurde von 3 bis 5 Uhr die Hof- und Staats¬ 
bibliothek besucht, wobei Oberbibliothekar Leidinger einen sehr in¬ 
struktiven Vortrag 1 ) über die Entwicklung der Anstalt hielt, die 
ihre kostbarsten Schätze zu Ehren der Bibliothekare ausgebreitet 
hatte. Dann folgte eine Besichtigung der Universitätsbibliothek, 
deren glänzend ausgestattetes Zeitschriftenzimmer den Heid so 

*) Im Auszug gedruckt im Generalanzeiger der Münchener Neuesten Nach¬ 
richten, Nr. 299 und 300 vom 14. und 15. Juni 1912. 





Münchener Tagung 


79 


manches, namentlich aber eines österreichischen Bibliothekars zu er¬ 
wecken geeignet war. Abends fand ein Empfang der Bibliothekare 
durch die Stadt München im Festsaal des alten Rathauses statt, wo¬ 
bei Exzellenz Harnack, der Generaldirektor der kgl. Bibliothek in 
Berlin, eine mit großem Beifall aufgenommene Bede auf die Stadt 
München hielt. 

Der zweite Verhandlungtag brachte zunächst für jeden der 
drei Vereine eine besondere Tagung; in der Versammlung der öster¬ 
reichischen Bibliothekare sprach-Direktor Schiffmann-Linz über eine 
Reihe von österreichischen Bibliothekfragen und -klagen. Er ging 
von 'der Notwendigkeit einer Reorganisation der Studienbibliotheken 
aus, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen ihrer Aufgabe zu 
genügen nicht imstande seien, und betrachtet es im Hinblick auf die 
große Inanspruchnahme der Wiener Universitätbibliothek durch 
die Provinz als eine unbedingte Notwendigkeit, daß diese zu einer 
Staatsbibliothek mit erhöhter Dotation ausgestaltet werde, verlangt 
eine strengere Handhabung der preßgesetzlichen Vorschriften über 
die Ablieferung von Pflichtexemplaren seitens der Behörden, eine 
gleichmäßige Durchführung der portofreien Versendung von Pa¬ 
keten an Pfarreien und Schulen bei allen staatlichen Bibliotheken; 
eine Interessenvertretung der Bibliotheken in den beiden Häusern 
des Parlaments; eine größere Heranziehung der Stiftsbibliotheken 
für die allgemeine Benützung; Schaffung von Bibliothekkursen an 
der Wiener Hniversitätbibliothek und die Abhaltung von österrei¬ 
chischen Bibliothekar tagen in der Provinz. An der darauffolgenden 
Debatte, die nur durch die knappe, zur Verfügung stehende Zeit all¬ 
zusehr beschränkt wurde, beteiligten sich Wolkan, Doublier, Geyer, 
Prusik, Mayer und Eichler, und es ist zu hoffen, daß die hier ge¬ 
gebenen Anregungen nicht wirkungslos bleiben, sondern möglichst 
bald in die Tat umgesetzt werden. Jedenfalls werden sie den Verein 
im nächsten Winter noch vielfach zu beschäftigen haben. 

Um halb 10 Uhr eröffnete Bibliothekar Glauning-München den 
zweiten Verhandlungtag mit einem Bericht über den geplanten Ge¬ 
samtkatalog und sprach es als seine persönliche Meinung aus, daß die 
Münchener Hof- und Staatsbibliothek kein genügendes Interesse 
daran finde, sich an den Arbeiten für diesen Katalog zu beteiligen. 
Aber aus dieser Meinung klang doch heraus, daß auch die Ansicht 
der offiziellen bayrischen Kreise keine andere sein werde. Der Plan 
eines deutschen Gesamtkataloges sei ein leerer \ ersuch, der sic i 
nicht durchführen lasse. Dagegen sei das Auskunftbureau auf das 
wärmste zu begrüßen, da es sich zu einer unentbehrlichen Institution 
ausgebildet habe. Es wäre nach unserer Meinung sehr schade, wenn 
ein so groß angelegtes, wirklich nationales Werk infolge des Wider¬ 
spruches der bayrischen Bibliotheken ein Bruchstück bleiben müßte; 
aber selbst wenn dieser Widerstand schließlich doch überwunden 
würde, bliebe der Gesamtkatalog ein Torso, wenn nicht das gesamte 
deutsche Sprachgebiet, also auch Österreich und die Schweiz, mit 
einbezogen würde; von österreichischer Seite hätte das Unternehmen, 


Schiffmann- 

öster- 

reichische 

Bibliothek¬ 

fragen. 


Glauning 

Gesamt¬ 

katalog. 




80 


Wolkan — Müchener Tagung 


Fick: Zeit¬ 
schriften¬ 
katalog. 


das bereits so weit vorgeschritten ist, sich gewiß der werktätigsten 
Unterstützung zu erfreuen. Und mit Recht wies Harnack in einer 
Entgegnung auf die Einwürfe Glaunings darauf hin, daß das Aus¬ 
kunftbureau niemals so exakt hätte arbeiten können, wenn die Ar¬ 
beiten am Gesamtkataloge nicht vorangegangen wären. Würde der 
Katalog als zweckmäßig befunden werden, so werde es an den Mit¬ 
teln zu seiner Drucklegung nicht mangeln. Geheimrat Boysen- 
Leipzig spricht sich auf das wärmste für den Gesamtkatalog aus und 
ersucht um tatkräftigste Unterstützung des Gedankens. Direktor 
Kunze-Hannover ist vom provinziellen Standpunkte für den Gesamt¬ 
katalog; Oberbibliothekar Heuser-Gießen erklärt sich mangels an 
Mitteln gegen ihn und verlangt vorerst, daß der Staat die notwen¬ 
digen Mittel für die Arbeit zur Verfügung stelle. Prof. Hottinger- 
Berlin ist für den Katalog und stellt einen ungefähren Kostenüber¬ 
schlag auf. 

Großes und allgemeines Interesse erregte der Vortrag des Ober- 
Bibliothekars Eick-Berlin über das geplante Verzeichnis sämtlicher 
auf deutschen Bibliotheken gehaltenen Zeitschriften, für uns Öster¬ 
reicher von um so größerem Interesse, als ja die Wiener Universitäts¬ 
bibliothek mit einem gleichen, jetzt leider schon recht veralteten und 
überholten Werke (das wirklich einer Neuauflage wert wäre, die 
schon Jahre lang vorbereitet wird, aber über das Vorbereitungs¬ 
stadium nicht hinauswächst), vorangegangen war. Ein, das Schlag¬ 
wort „Journal“ umfassender Aushängebogen wurde unter die An¬ 
wesenden verteilt. Sehr gut ist das Prinzip, nur das wesentliche des 
Titels herauszuheben; was uns aber als Eehler erscheint, ist, daß 
weder das Anfangsjahr des Erscheinens angegeben ist, noch auch, 
was ungleich wichtiger, die auf den einzelnen Bibliotheken vorhan¬ 
denen Jahrgänge. Wer z. B. Journal and proceedings of the Royal 
Society of New South Wales sucht, entnimmt zwar aus den Angaben, 
daß das gesuchte Werk sich in Gießen und Lübeck findet; aber es 
kann der Zufall wollen, daß keine der beiden Bibliotheken alle Jahr¬ 
gänge besitzt, und so wird der Benützer gezwungen sein, an beide 
Bibliotheken zu schreiben, und von beiden eine verneinende Antwort 
erhalten. Das ist beim österreichischen Katalog entschieden prakti¬ 
scher eingerichtet; ein erster Blick sagt, auf welcher Bibliothek sich 
der gewünschte Band befindet und damit wird eventuell dem Be¬ 
nützer und der Bibliothek viel Zeit und Arbeit erspart. Praktisch 
dagegen und raum- und geldersparend ist es, die einzelnen Biblio¬ 
theken durch Ziffern oder Sigeln zu bezeichnen, ein Wink für die 
zweite Auflage unseres Zeitschriftenkataloges. Die Wichtigkeit der 
Angabe der Bestände hat auch der Verband rheinischer Bibliotheken 
erkannt, der gleichfalls den Plan hat, ein Gesamtverzeichnis der in 
den Verbands- und einer großen Anzahl rheinischer Bibliotheken vor¬ 
handenen Zeitschriften zu veröffentlichen, bei dem aber der Bestand 
der einzelnen Bibliotheken angegeben werden soll. Direktor Nörren- 
berg-Düsseldorf berichtete ausführlich über diesen Plan und legte der 
Versammlung zur Probe die ersten 4 Seiten des Verzeichnisses vor, 




Österreichische Rundschau: Verwaltungsberichte 81 


die allgemeinen Anklang fanden. Nur meinen wir, daß der Düssel¬ 
dorfer Katalog durch, die Veröffentlichung des Gesamtverzeichnisses 
wesentlich an Wert verlieren müßte, so daß es wohl im Interesse der 
Sache gelegen wäre, wenn beide Unternehmungen in eine verschmel¬ 
zen würden. 

Daran schloß sich ein Bericht von Bibliothekar Behrend-Berlin 
über die von der Berliner Akademie unternommene Inventarisierung 
der deutschen Handschriften und einige kleinere Kommissions¬ 
berichte an. 

Abends fanden sich die Teilnehmer des Bibliothekartages zu 
einem Festessen auf der Theresienhöhe zusammen; der nächste Tag 
vereinte die meisten Teilnehmer mit ihren Damen noch zu einem 
Ausfluge an den Starnberger See. 

Für das Jahr 1915 ist abermals eine gemeinsame Sitzung der 
drei Vereine geplant und als Versammlungort Wien ausersehen. Die 
Bibliothekare Österreichs werden sich freuen, die Kollegen aus 
Deutschland und der Schweiz in der Hauptstadt des Reiches be¬ 
grüßen zu konnn. 

Wien. R u d. W o 1 k a n. 


ÖSTERREICHISCHE RUNDSCHAU. 

DIE ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN IM VERWALTUNGS- 

JAHR 1910-11. i) 

Prag, k. k. öffentliche und Universitätsbibliothek. 

Im Kalenderjahr 1911 betrug die Beamtenzahl 23, die Dienerzahl 21- 
Zuwachs von neuaufgestellten Werken samt Dissertationen: 10748 Bände- 
Davon im Kaufweg erworben: 4923, geschenkweise: 796, Pflichtexem¬ 
plare: 2948, Schriften von gelehrten Gesellschaften: 81, Dissertationen: 
1994. Im Tauschwege: 6. Für Bücherankauf ausgegeben: K 45571 44, 
an Matrikeltaxen eingenommen: K 1377360, an Bibliotheksbeiträgen der 
Studierenden: 12368*20. — Der Gesamtbestand der Bibliothek: 358744 
Druckbände, 3921 Handschriftenbände, 1530 Inkunabeln, 23624 Mittel¬ 
schulprogramme, 10669 Hochschulprogramme, 4943 Vereinsschriften, 
993 Karten, 29203 Bilder und Stiche, 1308 Musikalien, 1703 Urkunden- 
faszikel, 1933 Einblattdrucke, 2684 konfiszierte Bände und Hefte. Der 
Zettelkatalog zählt 335.557 Zettel, der Zettelkatalog der Dissertationen 
zählt 42.483 Zettel. Jahresdotation: 36000 K. Ausgaben: 62744 K 28 h. 
Einnahmen 62563*19 K Besucherzahl: 144472 Leser. Benützt im Lese¬ 
saal: 165798 Bände (ohne die direkt zugängliche Handbibliothek). An 
Bücherreklamationen versandt: 4820 Stück. Auf dem Postwege versandt: 
2526 Bände, von anderen Anstalten entlehnt: 2807. 

Graz, k. k. U n i v e r s i tä t s-B i b 1 i o t h e k. 

Im Kalenderjahr 1911 bestand das Personale aus 10 Beamten, 
6 Praktikanten, 1 Volontär, 2 Dienern und 5 Aushilfsdienern. — Geld- 


Behrend: 

Deutsche 

Hand¬ 

schriften. 


x ) Nachtrag zu S. 19 ff. 









82 


Österreichische Rundschau 


gebarung. a) Einnahmen : Ordentliche Dotation K 20.000*—, außerordent¬ 
liche Dotation K 1000*—, Taxen etc. K 10.523*40, zusammen K 31.523*40; 
außerdem ein Regiepauschale von K 1000*—. b) Ausgaben: Buchbinder 
K 3294*78, besonders verrechnete Porto- und Frachtspesen etc. K 397*95, 
Rest für Bücherankauf. — Zuwachs. Ankauf: 702 Werke in 2202 Bänden 
bezw. Stücken, Pflichtexemplare: 169 Werke in 818 Bänden bezw. Stücken, 
Geschenke: 2315 Werke in 3850 Bänden bezw. Stücken, alter Vorrat: 
1 Werk in 1 Band bezw. Stück, zusammen 3187 Werke in 6871 Bänden. 
Die Bibliothek zählt demnach Ende 1911 im ganzen: 156.949 Werke in 
264.928 Bänden und 1940 Handschriften. — Benützung, a) in den Lese¬ 
sälen : 35.002 Leser, 51.467 Werke in 70.393 Bänden, b) Entlehnungen: 
12.450 Werke in 16.576 Bänden, c) Entlehnungen von auswärts: aus 
59 Bibliotheken 1337 Werke in 2155 Bänden, dazu Handschritten aus 
22 Bibliotheken 54 Stücke. — Neubearbeitung aus dem alten Bestände, 
zugleich auch für den systematischen Katalog 3504 Werke in 4450 Bän¬ 
den. — Außerdem ist zu bemerken, daß im Jahre 1911 eine General¬ 
revision des gesamten Bestandes in Angriff genommen worden ist, deren 
Endergebnis derzeit jedoch noch nicht vorliegt, und daß wegen empfind¬ 
lichen Raummangels in der Bibliothek eine Aktion zur räumlichen Aus¬ 
gestaltung in die Wege geleitet worden ist. 

Graz, Bibliothek der k. k. Technischen Hochschule. 

Im Kalenderjahr 1911 wurden 1729 Bände und Hefte neu aufgestellt. 
Hievon entfallen 731 auf gekaufte, 561 auf geschenkte Werke, 437 auf 
Schulprogramme und Universitätsschriften. Der Gesamtstand der Bücher¬ 
sammlung betrug am 31. Dezember 1911 an Bänden und Heften 
34.022 Stücke, wovon 7280 Stücke auf Programme und Universitäts¬ 
schriften entfallen. Der zum Gebrauch der Leser bestimmte alphabetische 
und systematische Katalog, der aus leicht verstellbaren, in handliche 
Buchform zusammengefaßten Zetteln besteht, wurde durch neue Bände 
vermehrt, so daß der alphabetische Katalog gegenwärtig aus 89, der 
systematische aus 127 Bänden, der alphabetische und systematische Zeit¬ 
schriftenkatalog aus je 10 Bänden besteht, die jederzeit den gesamten 
Stand der Bibliothek ausweisen. Da das vorhandene Nummernjournal 
schadhaft geworden war, so wurde seit einigen Jahren an der Herstellung 
eines neuen gearbeitet; es enthält außer den sonstigen Daten auch die 
Stückzahl jedes Werkes und jeder Zeitschrift und wurde im Laufe des 
Studienjahres 1910/11 vollendet. Die Jahresdotation für das Kalenderjahr 
1911 betrug 8400 K. Hiezu kommen Matrikeltaxen im Betrage von 
2640 K und eine außerordentliche Dotation von 2500 K. Diese Gelder 
wurden vollständig aufgebraucht. Die Frequenz des Studienjahres 1910/11 
betrug 12.613 Entlehner, darunter 9334 Besucher des Lesesaales. Der 
Lesesaal erwies sich wie schon seit Jahren während der Wintermonate 
als unzulänglich, so daß viele Leser wegen Platzmangel abgewiesen werden 
mußten. Aus auswärtigen Bibliotheken wurden während des Studienjahres 
1910/11 im ganzen 53 Bände bezogen und 21 Bände nach auswärts ver¬ 
schickt. 



Verwaltungsberichte 


83 


Olmütz, k. k. Stu dien-Bib 1 iothek. 

War das Jahr 1910 eine Zeit gleichmäßigen Fortschreitens auf der 
Bahn der literarischen und wirtschaftlichen Entwicklung, so kann das Ver- 
waltungsjahr(-Kalenderjahr) 1911 als eine Periode mächtigeren Aufschwunges 
bezeichnet werden. Es sind nämlich der Bibliothek mehrere Bücher¬ 
schenkungen in etwa dreihundert Bänden — darunter auch einige Hand¬ 
schriften — medizinischen, juristischen, germanistischen und pädagogischen 
Inhaltes zugekommen, wodurch nicht nur der betreffende Fachbestand 
vergrößert, sondern auch manche empfindliche Lücke ausgefüllt wurde. 
Die Schenkungen sind der Bibliothek von den hochherzigen Spendern mit 
der ausdrücklichen Begründung zuteil geworden, daß sie die Bücher lieber 
der Bibliothek spenden, wo sie unter fachmännischer Obhut dem breiten 
Publikum zugänglich gemacht werden, als sie im Privatbesitze vielleicht 
dem Verluste und Untergange zu weihen. Es wäre wohl wünschenswert, 
daß diese löbliche Anschauung in weiteren Bevölkerungskreisen Eingang 
finden möge. Der Bücherbestand hat infolge dieser Geschenke auch eine 
bedeutende Erhöhung erfahren. Der Nummerus currens stieg von 63.296 
auf 63.895 mit 77.181 Bänden und 21.372 Stücken, so daß in beiläufig 
zwei Jahren das erste Hunderttausend erreicht sein dürfte. — Ein er¬ 
freulicher Fortschritt war im verflossenen Verwaltungsjahre auch auf dem 
Gebiete des Bücherverkehres zu verzeichnen, und zwar sowohl zwischen 
der Bibliothek und den Lehranstalten, als auch der Bibliothek mit anderen 
Bibliotheken: während im Jahre 1910 1156 Bände an Schulen verschickt 
wurden, stieg ihre Zahl im Jahre 1911 auf 1417; von anderen Bibliotheken 
wurden im Jahre 1910 in 370 Fällen um Bücher angesucht; im }ahre 1911 
stieg die Zahl der Büchergesuche auf 485, ein Beweis des hohen wissen¬ 
schaftlichen und literarischen Interesses der hiesigen Intelligenz. Besucht 
wurde die Bibliothek von 6458 Personen, entlehnt wurden 4878 Bände. 
— Personales. Herr Direktor Willibald Müller feierte im Jahre 1911 sein 
20 jähriges Jubiläum als Vorstand der hiesigen Studienbibliothek. — Am 
1. April 1912 trat Herr Dr. Ludwig Gaugusch als Praktikant ein. 

Olmütz. Dr. W. Wagner. 

Brünn, Bibliothek der Deutschen Technischen Hochschule. 

Im Kalenderjahre 1911 gelangten 386 Werke in 537 Bänden und 
62 Heften neu zur Aufstellung. Zu 309 Fortsetzungswerken wuchsen 
595 Bände und 97 Hefte zu. An Hoch-, Mittel- und Fachschulprogrammen 
wurden 438 Stück eingereiht. Der Gesamtzuwachs beträgt demnach 
386 Werke in 1107 Bänden und 597 Heften, wovon 271 Bände und 
584 Hefte als Geschenk hereingelangt sind. — Die Einnahmen der Bib¬ 
liothek betrugen im gleichen Kalenderjahre 12.193‘28 K, wovon 8000 K 
auf die regelmäßige Dotation, 1240 K aut eine außerordentliche Dotation 
und 2900 K auf Matrikelgelder entfallen. Dazu noch 1000 K als erste 
Rate für den Druck des Kataloges. Die Benützungsziffern für das Studien¬ 
jahr 1910/11 betragen: 21.923 Besucher und 42,234 Bände. Nach Hause 
verliehen wurden von 6666 Entlehnern 9179 Bände. An säumige Ent- 
lehner mußten 913 Mahnschreiben erlassen werden. Von auswärts wurden 
834 Bände entlehnt, nach auswärts wurden 109 Bände verliehen. 




84 


Österreichische Rundschau 


Klagenflirt, k. k. Studie-nbibliothek. 

Zuwachs im Kalenderjahr 1911: Ankauf 154 Werke in 266 Bänden, 
Pflichtexemplare: 80 Werke in 220 Bänden, Geschenke: 236 Werke 
in 502 Bänden, Alter Rest 1 Band; zusammen 471 Werke in 989 Bänden. 
Bestand Ende 1911 64711 Bände. Benützung: lokale 1000 Bände, ver¬ 
liehen 9507 Bände. Viel wurde von auswärtigen Bibliotheken, besonders 
Wiens, ausgeliehen; die Zahl der Poststücke beträgt daher 1372. Der 
Platzmangel und die Dürftigkeit des altep, ungesunden, versteckten Ge¬ 
bäudes werden bald Abhilfe dringend nötig machen. Klagenfurt hat in 
den letzten Jahren neue Schulhäuser, neue Kasernen, ein neues Theater, 
ein neues Handelskammergebäude erhalten, ein Postdirektionsgebäude, 
ein neues Justizgebäude werden errichtet werden, — von einer neuen 
öffentlichen Bibliothek hört man nichts. 

Linz, k. k. Studienbibliothek. 

Der gegenwärtige Bestand beträgt 331 Handschriftenbände und 98 Frag¬ 
mente (darunter Iwein des Hartmann von Aue, Karl von Stricker, Renner 
des Hugo von Trimberg, Ovid, Sallust etc.), Urkunden, Autographen 
u. dgl., 820 Wiegendrucke, ca. 50.000 Druckwerke (Bände), 10.000 
Blatt Landkarten (Katastralkarte des Erzherzogtums Österreich ob der 
Enns 7223, sonstige Karten 687 Blatt), Ortsansichten, Porträts u. dgl. — 
Als der Berichterstatter vor 4 Jahren die Leitung der Bibliothek über¬ 
nahm, zählte die Handschriftenabteilung insgesamt 166 Bände, die Samm¬ 
lung der Karten und graphischen Blätter ca. 200 Nummern. — Eine 
genaue Messung der Bücherbestände (mit Ausschluß der Handschriften, 
Inkunabeln und anderer Separataufstellungen) ergab eine Länge von rund 
1600 m, wobei auf die Formate bis 25 cm Höhe 1075 m kommen. 

Dr. K. Schiffmann. 


VIENNENSIA. 

Diskussion Eine im Mai von der Historischen Gesellschaft veranstaltete 
in der Histor. „Diskussion über die Wiener Bibliothehverhältnisse“ zeigte das leb- 
Gesellschaft, hafte Interesse an dem Thema von Seite der Benutzer wie der Ver¬ 
walter der Bibliotheken, die in großer Zahl der Einladung zu dieser 
Versammlung Folge geleistet hatten. Die kurze Spanne Zeit eines 
einzigen Abends reichte natürlich nicht zu, den ganzen umfang¬ 
reichen Komplex dieser wichtigen Angelegenheit aller öffentlichen 
Bibliotheken der Metropole auch nur kurz zu skizzieren, geschweige 
denn eingehend zu behandeln. Aber der Anfang dazu ist gemacht. 

Das vom Privatdozenten Dr. Bauer erstattete Referat beschränkte 
sich daher auf einige wenige der Universitätsbibliothek betreffende 
Fragen und streifte kurz die Benützungsverhältnisse der Hofbiblio- 
thek. Der Referent wies vor allem auf die durch die Bibliotheks¬ 
ordnung erschwerte Benützungsmöglichkeit der Universitätsbibliothek 
hin, die sowohl in Hinsicht auf die Zeit (Unzugänglichkeit an Sonn- 
und Feiertagen sowie teilweise während der für die Universität 
geltenden Ferien), aber auch in Betreff der Menge der Bücher, die 





Viennensia 


85 


einem Leser gleichzeitig zur Benützung gegeben werden, den An¬ 
forderungen der Gegenwart nicht mehr entspricht. Die unmittelbare 
Benützung der Handbibliotheken des Lesesaales und Katalogzimmers 
durch jeden Leser ohne Vermittlung der Diener erscheint wünschens¬ 
wert, ebenso wie der jedermann freizustellende Zutritt zu den 
Katalogen. Der Autorenkatalog sei nicht für eine rasche Orientie¬ 
rung geschaffen, da seine Bearbeitung zu sehr nach rein formalisti¬ 
schen Grundsätzen erfolge. Die Universitätsbibliothek führt ein 
Zwitterdasein, da sie nach ihrem Statut eine Studienbibliothek, 
ihrer Funktion nach eine öffentliche Staatsbibliothek ist. Dazu 
kommen noch die durch den Baummangel hervorgerufenen Mi߬ 
stände. — Die Benützung der Hofbibliothek erscheint dadurch er¬ 
schwert, daß ihre Lesesäle nachmittags und abends sowie während 
der Ferien geschlossen sind, der Zeitintervall zwischen der Be¬ 
stellung und Bereitstellung von Büchern allzugroß ist, die im alten 
Lesesaale vorhandene Einrichtung einer frei benützbaren Hand¬ 
bibliothek im neuen Lesesaale aufgehoben wurde. Endlich wäre 
eine Kooperation von Hof- und Universitätsbibliothek erwünscht. 

Das von Prof. Wolkan erstattete Korreferat wies zunächst 
darauf hin, daß die vom Vorredner angeführten Übelstände zum 
Teil in der Entwicklung des Bibliothekswesens in Österreich über¬ 
haupt ihren Grund haben, da für sie noch immer eine — provisori¬ 
sche — Instruktion vom 23. Juli 1825 gilt, speziell für die Wiener 
Universitätsbibliothek aber die Leseordnung vom 21. April 1854. 
Die für ihre Zeit ganz vorzüglichen Vorschriften können nahe¬ 
liegender Weise den seither geänderten Verhältnissen und An¬ 
forderungen nicht mehr entsprechen. Die Bibliotheksdirektion kann 
selbständig keine Änderungen vornehmen, weil dies der Kompetenz 
des akademischen Senates und des Unterrichtsministeriums Vorbe¬ 
halten ist. Da dieses Institut nicht nur Universitätsbibliothek allein, 
sondern auch Landes- und öffentliche Staatsbibliothek ist, die nicht 
bloß von Wien, sondern von ganz Österreich in Anspruch genommen 
v^ird, entspringen diesen Verhältnissen Schwierigkeiten, die eben 
nur an dieser Anstalt vorhanden sind. Die Universitätsbibliothek 
ist ungeheuer gewachsen und unter dem vorhandenen Kaummangel 
leidet der Betrieb, leiden Beamte und Benützer. Manche der die 
Benützung erschwerenden Bestimmungen haben ihren Grund in den 
wiederholt vorgekommenen Entwendungen, zu deren Hintanhaltung 
schärfere Kontrollmaßregeln notwendig sind. Ein großer Mangel 
ist das Fehlen einer Garderobe. Wenn der Nominalkatalog zu forma¬ 
listisch bearbeitet erscheint, so ist dies lediglich die Folge der not¬ 
wendigen Maßnahme, daß er nach festgesetzten Kegeln einheitlich 
bearbeitet werden muß; geschieht dies nicht mit absoluter Kon¬ 
sequenz, so stünde sonst bei den Eintragungen der Willkür Tür 
und Tor offen. Viele Schwierigkeiten, die mit der Benützung ver¬ 
bunden sind, bereiten sich auch die Leser selbst, die sich mit den 
geltenden Benützungsvorschriften nicht vertraut machen und ganz 
unglaubliche Bestellscheine schreiben. Um den mit großem Kosten- 



86 


Österre lc hische Rundschau — Vienennsia 


Ausstellung 
in der 

HofbibliDthek 


Andere 

Bibliotheken. 


Hartl 

Biographie. 

Typo¬ 

graphisches. 


auf wand hergestellten Nominalkatalog nicht vorzeitig aufzubrauchen 
und zu schonen, ist er nicht jedermann zugänglich gemacht; dies 
ist jedoch bei dem in Ausarbeitung befindlichen Schlagwort- (Sach-) 
Katalog in Aussicht genommen. Indeß bis zur Fertigstellung des 
systematischen Kataloges wird voraussichtlich ein großer Teil der 
Bibliothek bereits in den Magazinbau nach Ottakring gewandert 
und durch diese Zerreißung der Universitätsbibliothek ein nicht mehr 
gut zu machendes Unglück eingetreten sein. 

In der anschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, 
daß die Hauptursache der Benützungsschwierigkeiten in der von 
Haus aus verfehlten baulichen Anlage der Bibliothek innerhalb 
des Universitätsgebäudes liegt, die Behebung des Raummangels eine 
Lebensfrage für die Universität, nicht nur für deren Bibliothek 
allein bedeutet und die Lösung dieses Problems von Jahr zu Jahr 
schwieriger und — kostspieliger wird. Die Bibliotheksinstruktion 
sowie die Benutzungsordnung erheischen eine Modernisierung und 
Erneuerung. — Da über die ganze Angelegenheit ein ausführliches 
Memorandum an den akademischen Senat gerichtet worden ist, wird 
im Herbst Gelegenheit sein, die Erörterung dieses wichtigen Themas 
wieder aufzunehmen. 

Anläßlich der Musikwoche hat die Direktion der Hofbiblio- 
thek eine umfangreiche Reihe erlesener Drucke, Manuskripte und 
Autographen aus ihren musikalischen Schätzen zu einer eigenen 
Ausstellung vereinigt. Einen knappen Überblick der hervorragendsten 
Objekte enthielten auch die Berichte der Tagesblätter vom 20. Juni 1912. 

Die Gesellschaft der Musikfreunde wird den Katalog ihrer 
Bibliothek, deren Bestand an Handschriften sehr reich ist, drucken 
lassen. — Für die Einrichtung einer ärztlichen Fachbibliothek in 
der Direktion und den einzelnen Abteilungen des Kaiser jubiläums- 
spitals der Gemeinde Wien wurde vom Stadtrat ein Betrag von 
20.000 K bewilligt. — Die Eröffnung der Volksbibliotliek im Wert¬ 
heimsteinpark steht nun unmittelbar bevor. — Max Burckhard hat 
testamentarisch die Versteigerung seiner Bücher Sammlung zugunsten 
des Österreichischen Bühnenvereines verfügt; der von ihm verfaßte 
Katalog wird als Auktionskatalog in Druck gelegt. Eine von ihm 
angelegte Sammlung von Zeitungsausschnitten in 53 Foliobänden,, 
die Nachrichten über das Theaterwesen aus dem Jahre 1890 bis 
1904 enthalten, vermachte er der Hofbibliothek. — Ein Aufsatz 
von Zitterhofer in der Militärliterarischen Rundschau, Heft 6, be- 
faßt sich mit dem Kriegsarchiv und seiner Bibliothek. — Das 
Thema Mannschaftsbibliotheken wird in der Militärzeitung (Wien) 
(67. Jhg., Nr. 8, S. 60) behandelt. 

Die Tätigkeit Wilhelm von Harteis als Direktor der Hofbiblio- 
Ihek in den Jahren 1891 bis 1895 wird in seiner von S. Frank¬ 
furter verfaßten Biographie gewürdigt. 

Die von Josef Wünsch zuerst im 44. Bande der Berichte und 
Mitteilungen des Altertumsvereines in Wien, später auch als Sonder¬ 
druck erschienene Studie über Wiener Kalender-Einblattdrucke 



Prag, Museumsbibliothek 


87 


des 15., 16. und 17. Jahrhunderts beschreibt 23 solcher selten ge¬ 
wordener Stücke. — Das Jahrbuch der Wiener Graphischen Gesell¬ 
schaft für 1912 enthält außer einer Reihe von Aufsätzen technischen 
Inhaltes einen einleitenden Artikel über das Leben Gutenbergs von 
J. Pabst. 

Eine Übersicht über die Militär-Fachperiodika Österreich- Zeitschriften. 
Ungarns, es gibt deren 62, veröffentlicht in Streffleurs Militärischer 
Zeitschrift (Mai) von Latterer. (Vgl. dazu Danzers Armee-Zeitung 
Nr. 21, S. 7.) 

Wien. ___ Spectator. 


Aus Prag. 

Bibliothek des Museums des Königreiches Böhmen. 

Der regelmäßig erscheinende Jahresbericht des Museum regni Bo- 
hemiae 1 ) gewährt einen klaren Einblick in die Verhältnisse der Museums¬ 
bibliothek, die zwar, was ihren Gesamtbestand an Büchern anbelangt, 
hinter der Prager Universitätsbibliothek steht, jedoch was ihre reichen 
Schätze an älteren Bohemica und an Slavica betrifft, getrost zur ersten 
Bibliothek Prags gezählt werden kann. Wenn auch der ihr ursprünglich 
zugewiesene Wirkungskreis ziemlich eng war — sie sollte nur Bohemica 
sammeln — so bot ihr die rührige Tätigkeit des sonst viel geschmähten 
Bibliothekars Hanka reiche Gelegenheit, aus ihrer beschränkten Rolle 
herauszutreten und eine gleichwertige Genossin der Universitätsbibliothek 
zu werden. Das Wirken Hankas war in bibliothekarischer Beziehung so 
segensreich, daß es eine feste Tradition schuf, von der heute noch die 
Bibliothek zu ihrem Nutzen zehrt, indem damals rührige Beziehungen mit 
slawischen Gelehrten angeknüpft wurden, welche ihre Werke der Biblio¬ 
thek spendeten. So entwickelte sich die Bibliothek hauptsächlich durch 
Schenkungen zu ihrer heutigen imposanten Größe von fast 400.000 Bänden. 
Ihre besondere Bedeutung beruht auch darauf, daß sich mit der Zeit 
der löbliche Brauch entwickelte, daß Fachgelehrte ihre ganzen Biblio¬ 
theken testamentarisch der Museumsbibliothek vermachten. Ich erwähne 
aus letzter Zeit die Bibliothek des Univ.-Prot. Stupecky (Zivilrecht), des 
Univ.-Prof. Zucker (Kriminalistik und internationales Recht), des Ministers 
Rezek (österr. Geschichte), des Altmeisters der böhm. Archäologie Jos. 
Pic (Archäologie), des eifrigen Literaten Pikhart (Spanische Literatur), 
des Univ.-Prof. Kalousek (Agrargeschichte) usw. Auch die alljährliche Sub¬ 
vention der böhm. Akademie für den Ankauf der Exulantenliteratur ist 
für die Bedeutung der Bibliothek von der größten Wichtigkeit. Sonst 
hat die Bibliothek ein ziemlich unruhiges Jahr hinter sich, dessen Erregt¬ 
heit ihre Entwicklung nur schädigen könnte, wenn es länger andauerte, 
da ihr die nötige innere Ruhe genommen würde. Die Königinhofer Hand¬ 
schrift, die schon soviel Staub aufwirbelte und an deren Echtheit wohl 
kaum ein ernster Forscher noch glauben dürfte, führte den tragischen 

*) Bericht über das Museum des Königreiches Böhmen f. d. J. 1911. Prag, 
1912, Selbstverlag, 109. II S. 


7* 






88 


Österreichische Rundschau — Prag 


Tod des Direktors der archäologischen Sammlungen des Museums, des 
Prof. Dr. Jos. Pic, herbei und peitschte wieder alle die alten Leiden¬ 
schaften zur vollen Wut empor, wobei man im vollsten Mißverständnis 
zwischen der Universität und dem Museum eine unüberbrückbare Kluft 
hinsichtlich der Meinung vom Alter der Königinhofer Handschrift zu 
schaffen suchte, ohne zu bedenken, daß die jüngeren Bibliotheksbeamten 
ihre eigenen speziellen schweren Bedenken gegen die Echtheit der Königin¬ 
hofer Handschrift haben. Es ist dies die Folge einer gewissen Spannung 
zwischen der Universität und dem Museum, die fast traditionell ist, und die 
schließlich für beide Teile unerquicklich ist, und zumeist auf persönlichen 
Differenzen ohne sachlichen Untergrund beruht. Dies führte heuer auch zu 
einer Opposition bei der Generalversammlung des Museums, wobei man statt 
auf wirkliche Unzulänglichkeiten der Bibliothek, auf den Mangel an Raum, 
die ungenügende Zahl der Beamten, die kleine Dotation zum Ankauf 
und Binden von Büchern, die schlechte Honorierung der Beamten, die 
ungenügende Reinigung der Magazine usw. hinzuweisen, eine Reform und 
Behebung der Mängel der Bibliothek durch den Antrag, ein neues 
Disziplinarverfahren für die Bibliothek einzuführen, bewirken wollte! Um 
solches hintanzuhalten, tut vor allem eines not: Das Museum und mit 
ihm die Bibliothek muß in die Verwaltung des Landes übergehen — 
bis heute gehört es nämlich einer Privatgesellschaft — um ihm eine 
sichere und feste Entwicklungsbasis zu geben. Heute ist die Bibliothek 
mit ihrem Etat von 25.000 K (6 Beamte, 3 Diener), zumal sie keine 
Pflichtexemplare besitzt, in ihrem Wirken ziemlich beengt und zumeist 
auf Spenden angewiesen. Wie der heurige Bericht besagt, wurden 
3099 Bücher im ganzen erworben (2919 geschenksweise); von Hand¬ 
schriften sind 36, von Musikalien 48, von Atlanten und Karten 49, von 
Kupferstichen 417 neu hinzugekommen. Die Korrespondenzabteilung er¬ 
freute sich des größten Zuwachses: es wurden 8857 Briete erworben, 
Es wurde nämlich in Böhmen fast zur Gewohnheit, daß hervorragende 
Gelehrte und Schriftsteller ihren ganzen Briefwechsel der Bibliothek 
spenden, die auf diese Weise eine unerschöpfliche Fundgrube für das 
Studium des literarischen Schaffens der betreffenden Persönlichkeiten 
bietet. So wird hier der Briefwechsel des großen Politikers Rieger, 
(über 10.000 Stücke) des Historikers Tomek, des Archäologen Pfc, des 
Historikers Kalousek, des Politikers Engel usw. aufbewahrt. Soweit nicht 
besondere Bedingungen an die Spende geknüpft werden, ist diese 
Korrespondenzabteilung jedermann zugänglich. Über die Frequenz der 
beiden Lesesäle gibt die Statistik Aufschluß: es wurden an 15.030 Leser 
44.052 Bücher und Handschriften verliehen. Auf S. 47 u. w. ist das 
wissenschaftliche Wirken der Beamten skizziert, worauf dann die Spenden 
der Druckwerke (S. 85) und der Handschriften (S. 95) folgen. Die von 
Gesellschaften, Behörden, Instituten u. dgl. gespendeten oder tauschweise 
erworbenen Publikationen sind nach Städten, in denen sie erscheinen, 
geordnet. Hierauf kommen die Jahresberichte der Mittel-, Bürger- und 
Volksschulen wiederum nach Städten (S. 90) geordnet und endlich die 
Tageszeitungen (S. 92) in alphabetischer Ordnung, so daß der Benützer 
der Bibliothek sich leicht Aufschluß darüber verschaffen kann, was von 



Deutsches Reich — Münchener Brief 


89 


periodischen Publikationen in der Bibliothek vorhanden ist. Der Mangel 
an Geldmitteln machte sich auch dadurch fühlbar, daß man eine große 
Zahl von Zeitungen ungebunden lassen mußte, was bei der schlechten 
Qualität des Papiers nur von Schaden begleitet sein kann. Um all den 
Übelständen abzuhelfen, tut eines vor allem not: die Verländerung des 
Museums. 

Prag. _ Jos. Volf. 


DEUTSCHES REICH. 

AUS SÜDDEUTSCHLAND. 

Münchener Brief. 

In Kr. 15 vom 16. März 1912 des Gesetz- und Verordnungs- Mittlerer u. 
blattes für das Königreich Bayern ist unter dem 4. März ein Ver- unterer Biblio- 
zeichnis der den Militäranwärtern und Inhabern des Anstellungs- theksdienst 
Scheins im bayerischen Staatsdienst vorbehaltenen Stellen er- in Bayern, 
schienen. Es werden danach die Stellen für mittlere und Kanzlei¬ 
beamte: Bibliotheksekretär (Klasse 17) und Kanzleiassistent 
(Klasse 23), zur Hälfte, die Stellen der Unterbeamten: Plausmeister 
und Oberdiener (Klasse 22) und Boten und Diener (einschließlich 
Heizer) (Klasse 25), ganz mit solchen Bewerbern besetzt. Biblio¬ 
theksekretär, Hausmeister und Oberdiener sind Aufrückungsstellen. 

Der dem neuen Landtage unverändert vorgelegte Etat für 1912 und Bayerischer 
1913 enthält für die bayerischen Bibliotheken folgende Neuforderungen Etat, 
von im ganzen 796200 Mk. I. für die kgl. Hof- und Staatsbibliothek. 

1. 7000 Mk. für Kosten für Stellvertretung, Geschäftsaushilfe und besondere 
Leistungen. ,,Die bisherige Position (von 7000 Mk.) reicht nicht aus für eine 
angemessene Entlohnung der geprüften Bibliothekspraktikanten sowie der 
zur Bewältigung des ständig wachsenden Signierdienstes und für leichtere 
Katalogisierungsarbeiten zu verwendenden wissenschaftlichen Hilfsarbeiter“. 

2. 1 Sekretär. — 3. 1 Diener. — 4. 5000 Mk. für sächliche Ausgaben. — 

5. 11.100 Mk. für Instandsetzung der Dachungen. „Die ausgedehnten 
Dachungen müssen, da die Dachziegel und Latten morsch werden, teils 
neu eingedeckt teils umgedeckt werden. Zunächst sollen die südlichen 
Dachungen inHand gesetzt werden“. — 6. 13.600 Mk. für Herstellung 
eines neuen Bücheraufzugs. „Die H.- u. St.-B. besitzt nur einen Bücher¬ 
aufzug, der nicht ins Erdgeschoß reicht und von den nördlich gelegenen 
Büchersälen zuweit entfernt ist; er genügt dem gesteigerten Bedürfnisse 
nicht mehr.“ — 7. 44.700 Mk. für Einbau von zw T ei Bücherkammern 
im Dachgeschoß. „Zur Entlastung der zu stark besetzten Büchersäle und 
zur Gewinnung von Raum für die neuen Zugänge, die jährlich rund 
25.000 Bände umfassen, sollen in die von Osten nach Westen laufen¬ 
den Speicherräume des nördlichen und südlichen Verbindungsbaues zwei 
Bücherkammern von je 360 m 2 Bodenfläche eingebaut werden. Sie würden 
Raum für rund 160.000 Bände bieten. Die Räume würden dann noch 
für den Bücherzuwachs der nächsten 5 Jahre zureichen.“ — 8. 59.400 Mk. 
für Erweiterung der Benützer- und Verwaltungsräume. „Vor allem ist 






90 


Deutsche» Reich 


Organisation 
der Mün¬ 
chener Bi¬ 
bliotheken. 


die nur 26 Arbeitsplätze bietende Handschriftenabteilung in den Süd¬ 
westtrakt des I. Obergeschosses zu verlegen, wo ein großes Arbeits¬ 
zimmer mit 45 Plätzen und ein kleiner Arbeitsraum von 10 Plätzen ge¬ 
wonnen werden könnte. An die Abteilung wäre räumlich die Musik¬ 
sammlung anzuschließen, deren gegenwärtiger Platz für den alphabeti¬ 
schen Katalog notwendig ist. Im bisherigen Handschriftenzimmer wäre 
das Sekretariat und die Kassenverwaltung unterzubringen und der hie¬ 
durch freiwerdende Raum als weiteres Lesezimmer mit etwa 40 Arbeits¬ 
plätzen zu adaptieren. Die weiter erforderlichen Arbeitsräume der Katalog¬ 
abteilung wären durch Einrichtung eines gegen Süden gelegenen Bücher¬ 
saales für den sogenannten historischen Fachkatalog zu gewinnen. Der an den 
Saal mit dem historischen Fachkatalog anstoßende Kartensaal soll heizbar 
gemacht und beleuchtet werden. Die neu einzurichtenden Räume werden 
ihren Zwecken auch dann erhalten bleiben, wenn einmal das Erdgeschoß 
für Bibliothekzwecke verfügbar sein wird. Die Kosten betragen ins¬ 
gesamt 100.400 Mk. 

II. Für die Universitätsbibliothek München. 1. 1 Diener. —- 2. 5000 Mk. 
für Instandsetzung von Speicherräumen, die zur feuersicheren Unter¬ 
bringung der Handschriften und Inkunabeln dienen sollen. — III. Für die 
Universitätsbibliothek Würzburg. 1. 1 Sekretär. — IV. Für die Universitäts¬ 
bibliothek Erlangen. 1. 1 Hausmeister. — 2. 638.000 Mk. für den Neu¬ 
bau als 2. und letzte Rate. — V. Für die Bibliothek der Technischen 
Hochschule. 1. 1 Kustos. 

Der Bibliothekar der Universitätsbibliothek München, Christian 
Ruepprecht, der seit langen Jahren mit lebhaftem Anteil die Ent¬ 
wicklung der Münchener Bibliotheksverhältnisse verfolgt und von 
Zeit zu Zeit darüber berichtet, beschäftigt sich in einem Artikel der 
Münchener Neuesten Nachrichten (Nr. 158, vom 27. März 1912, 
Generalanzeiger, S. 1) mit der Organisation der Münchener Biblio¬ 
theken, wobei er hinsichtlich ihrer allgemeinen Bestimmung und 
gegenseitigen Ergänzung noch viel zu bessern findet. Von seinen 
Ausführungen möchte ich als besonders verdienstlich hervorheben, 
daß auch er betont, daß „eine systematische Heranziehung der Kgl. 
Hof- und Staatsbibliothek für allgemeine Bildungszwecke nur 
heißen würde: die Hauptaufgabe beeinträchtigen und die andere 
nicht erfüllen, wie man bereits zu beobachten Gelegenheit hatte — 
mangels einer geeigneten oder genügenden allgemeinen Bildungs¬ 
bibliothek“. Diese bekannte Tatsache, daß die Staatsbibliothek 
darunter zu leiden hat und leiden muß, wenn ihr dauernd zugemutet 
wird, die Nebenfunktion als Bildungsbibliothek auszuüben, kann gar 
nicht oft genug wiederholt werden. Niemand kann zwei Herren 
dienen und es wäre nur im eigensten Interesse der wissenschaftlich 
Arbeitenden, also vornehmlich auch der Akademiemitglieder und der 
Professoren an Hoch- und Mittelschulen, wenn auch aus ihren 
Reihen dafür eingetreten würde, daß die Stadt München durch eine 
mit ihren sonstigen öffentlichen Einrichtungen auf gleicher Höhe 
stehende Schöpfung die Frage der Volks- und Bildungsbibliothek 
zu einer Münchens würdigen Lösung bringt und damit die Staats- 



Münchener Brief 


91 


bibliothek ihren satzungsgemäßen Zwecken zurückgegeben wird, 
nämlich der wissenschaftlichen und der ernsten Berufsarbeit zu 
dienen. Einer Verschmelzung der Universitätsbibliothek mit der 
Staatsbibliothek möchten auch wir nicht das Wort reden; dafür sind 
die beiden Sammlungen nach Zweck und nach Benützern zu ver¬ 
schieden gerichtet. Dagegen will es uns scheinen, als ob die Univer¬ 
sitätsbibliothek, die z. B. bei der Säkularisation auch aus allgemeinen 
Staatsmitteln großen Zuwachs an alten Beständen erhielt, die für 
die Zwecke des höheren Unterrichts nicht unbedingt notwendig er¬ 
scheinen, bei ihrem Bestand von über 600.000 Bänden es nicht ab¬ 
lehnen kann, wenn von ihr eine Ausdehnung ihrer Wirksamkeit 
über den doch verhältnismäßig engen Kreis von 12.000 Benützern 
verlangt wird, die, wie Buepprecht selbst zugesteht, die Bibliothek 
„freilich nicht alle wirklich benützen“. Schließlich können wir 
Bedenken gegen eine allzu starke Zentralisation nicht unterdrücken, 
erwägend, daß, wenn wir in einer Stadt zahlreichere kleinere Biblio¬ 
theken mit zum Teil gleichem Inhalt finden, es sich eben um das 
^Bedürfnis handelt, an einer größeren Anzahl von Stellen die glei¬ 
chen oft gebrauchten Werke bereit stehen zu haben, wie man ja 
auch schon in ein und derselben Bibliothek mit Recht gar manches 
Werk in zwei und mehr Exemplaren hält, obwohl diese nicht eben 
gar weit von einander entfernt aufgestellt sind. 

Erfreulicherweise können wir von einigen größeren Neuerwer¬ 
bungen berichten. Aus der Kgl. Provinzial-Bibliothek in Neuburg 
a. D., deren Bestände eben erst einer Neuordnung unterzogen wur¬ 
den, sind 93, allen Wissensgebieten angehörende Bände der Biblio¬ 
thek des Humanisten und Dichters Kaspar Bruschius (f 1559; vgl. 
ADB TTT , S. 453—455), acht slawische Drucke, nämlich sieben 
glagolitische des Primus Trüber und ein böhmischer, sowie eine 
Handschrift mit drei Messen von Orlando di Lasso und eine Messe 
von Croce Chiozotto der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek überwiesen 
worden. 

Die Musikabteilung wurde durch rund 300 Musikalien berei¬ 
chert, die Paul Heyse gegen ein Geringes überließ; es sind sämtlich 
Kompositionen Heysescher Dichtungen. 

Die wertvollsten Erwerbungen aber hat die Handschriften¬ 
abteilung gemacht: Der handschriftliche Nachlaß des Architekten 
Leo von Klenze, derjenige des Dichters Melchior Meyr und die 
Briefe des Kronprinzen Ludwig von Bayern und des bayerischen 
Geschäftsträgers in Rom und späteren Kardinals Häffelin an den 
Bildhauer Konrad Eberhard gingen, die ersten beiden durch Schen¬ 
kung, die letztgenannten durch Kauf, in ihren Besitz über. Konrad 
Eberhard (1768—1859) weilte 1806—1814 mit Unterstützung des 
Königs von Bayern in Italien, hauptsächlich in Rom, und wurde 
in dieser Zeit vielfach von dem Kronprinzen als sachverständiger 
Vermittler bei Ankäufen für die damals entstehende Glyptothek in 
Anspruch genommen. So bilden die Briefe des Kronprinzen und 
Hälfelins an den Künstler einen wichtigen Beitrag zur Gründungs- 


Staatsbibilc- 
thek. Neuer¬ 
werbungen. 






92 


Deutsches Reich 


Faksimileaus* 

gaben. 


geschichte einer der bedeutendsten Kunstsammlungen Münchens» 
Koch wesentlich reicher und vielseitiger sind die Aufschlüsse, die 
der handschriftliche Nachlaß Klenzes über die Bestrebungen des 
Königs Ludwig I. gewährt. Klenze (1784—1864) war nicht nur der 
meistbeschäftigte Baumeister Ludwigs I. und Vorstand der obersten 
Baubehörde, er wurde auch in manchen anderen schwierigen Fragen 
zu Bäte gezogen und hatte nach der Abdankung Ludwigs I. mehr¬ 
fach zwischen diesem und seinem andere Ziele verfolgenden Sohne 
Maximilian II. zu vermitteln. Klenzes Memorabilien, die sich mit 
einigen Unterbrechungen von 1816—1859 erstrecken und durch 
mancherlei urkundliche Zeugnisse ergänzt werden, enthalten daher 
eine Fülle wichtiger Materialien für künftige Forscher, doch müssen 
sie nach der Bestimmung Klenzes jeder öffentlichen Benützung ent¬ 
zogen bleiben, so lange noch eines seiner Kinder oder der Kinder des 
Königs Ludwig I. am Leben ist. Dagegen können die zahlreichen 
Dokumente über Klenzes Bautätigkeit in Bayern, Athen, Peters¬ 
burg und Ungarn, denen eine stattliche Sammlung von Entwürfen, 
Zeichnungen, Farbenskizzen u. dgl. zur Seite tritt, schon jetzt aus¬ 
genützt werden. Sie sind für die Kunstgeschichte, insbesondere die 
Münchens, von hohem Werte. — Der Nachlaß des Dichters und 
Philosophen Melchior Meyr (1810—1871) umfaßt seine Tagebücher 
von 1827—1870, viele Manuskripte seiner poetischen und philo¬ 
sophischen Werke in verschiedenen Fassungen, dazu zahlreiche Ent¬ 
würfe und Studien zu Philosophie und Beligion, Literatur und Kri¬ 
tik. Der Wert dieser Papiere liegt vornehmlich in dem klaren Ein¬ 
blick, den sie in den ganzen Werdegang Meyrs und in seine Arbeits¬ 
weise gewähren, und der vortreffliche Verfasser der „Erzählungen 
aus dem Ries“, der als Philosoph mit unerschütterlichem Idealismus 
seine „Beligion des Geistes“ aufgebaut hat, ist eine so lautere und 
liebenswürdige Persönlichkeit, daß sie sehr wohl eine wissenschaft¬ 
liche Erforschung und Darstellung verdiente. Daneben enthalten 
Meyrs Aufzeichnungen auch mancherlei anziehende Mitteilungen 
über das literarische Leben in Berlin von 1840—1852 und in Mün¬ 
chen 1852—1870, denen weitere Beachtung zukommt. 

Über die Briefe König Ludwigs I. an Eberhard, sowie über 
die im vorigen Brief (S. 37) erwähnten Handzeichnungen und Ent¬ 
würfe Eduard von Biedels hielt Direktor Schnorr von Carolsfeld 
anfangs April im Bayerischen Verein der Kunstfreunde (Museums¬ 
verein) einen Vortrag; zugleich sprach er auch über die wohlerhal¬ 
tenen, der Universität München gehörigen Originalholzstöcke zu 
den Holzschnitten in der Anatomie des Vesal, die früher Tizian 
zugeschrieben wurden (vgl. Münchener Neueste Nachrichten, 
Nr. 187 vom 13. April 1912, S. 3). 

Auf Anregung Geheimrats von Laubmann, des damaligen Di¬ 
rektors der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek, hat Llofphotograph Karl 
Teufel seit 1899 eine Beihe von photographischen Einzelaufnahmen 
aus Handschriften und Drucken dieser Bibliothek herausgegeben» 
Gefördert durch den damaligen Vorstand der Handschriften-Abtei- 



Münchener Brief 


93 


hing, Franz Bol], überschritt die Sammlung rasch das zweite Tau¬ 
send, worüber dieser im Z. f. Bw. 19 (1902), S. 229—248, berichtete. 
Sein Nachfolger, Oberbibliothekar Georg Leidinger, ließ dem Un¬ 
ternehmen ebenfalls seine tatkräftige Unterstützung zuteil werden, 
so daß das Verzeichnis der Aufnahmen jetzt rund 5000 Aufnahmen 
umfaßt. Nun ist die Firma Biehn & Tietze, die Verlagsnachfolger in 
Teufels, der Anregung, jeweils die sämtlichen Bilder einzelner Hand¬ 
schriften in gesonderten Heften herauszugeben, gefolgt und hat es 
übernommen, nach dem Muster der Faksimiles der Pariser National¬ 
bibliothek eine große Sammlung vollständiger Miniaturenfolgen 
aus den wichtigsten Handschriften im einheitlichen Format von 
35X25 cm in Autotypie zu veröffentlichen. Eine Textbeigabe glei¬ 
chen Formats wird nach den verschiedensten Gesichtspunkten alle 
wissenswerten Angaben über die betreffende Handschrift enthalten. 
Als leitenden und verantwortlichen Herausgeber hat der Verlag 
Oberbibliothekar Leidinger gewonnen. Vor wenigen Wochen ist das 
erste Stück, die Miniaturen des sogenannten Evangeliariums Kaiser 
Ottos III., erschienen; es umfaßt 52 Tafeln und zwei Textbogen. 
Bis eine eigene Besprechung in dieser Zeitschrift erfolgt, verweisen 
wir auf die ausführliche Besprechung durch Emil Jacobs im Z. f. 
Bw. 29 (1912), S. 177—179. — Von der im vorigen Brief (S.38) ange¬ 
kündigten Faksimileausgabe des Talmud ist die erste Hälfte, 586 Ta¬ 
feln umfassend erschienen: Der babylonische Talmud nach der ein¬ 
zigen vollständigen Handschrift München Codex Hebraicus 95 mittels 
Faksimile-Lichtdruck vervielfältigt mit Inhaltsangaben für jede 
Seite und einer Einleitung versehen von Hermann L. Strack. Leiden 
1912. (Auch mit lateinischem und hebräischen Titel.) 

Im. Jahre 1901 konnte Wilcken im Archiv für Papyrusforschung 
(I, S. 468—491) die erste Nachricht von der Grundlegung zu einer 
Münchener Papyrussammlung geben. Als eine Art Fortsetzung gab 
Wtenger in seinem „Vorbericht über eine Publikation griechischer 
Papyrusurkunden aus der Kgl. Bayr. Hof- und Staatsbibliothek zu 
München“ (Sitzungsberichte der Kgl. Bayr. Akademie der Wissen¬ 
schaften, Philosophisch-philologische und historische Klasse. 
Jg. 1911, 8. Abh.) Auskunft über den Stand dieser Sammlung, die 
in drei Gruppen zerfällt. Die erste Gruppe bilden die Papyri, über 
die Wilken berichtet hat. Die weitere Publikation dieser Texte 
mit sehr mannigfaltigem Inhalt steht noch bevor und soll der der 
zweiten Gruppe nachfolgen. Diese besteht aus nicht vielen, aber 
schönen Stücken spätbyzantinischer Texte, über die Wenger aus¬ 
führliche Angaben bringt. Er hat über die Byzantinischen Bechts- 
urkunden dieser Abteilung in der Juristischen Gesellschaft zu Mün¬ 
chen einen Vortrag gehalten, über den in den Münchener Neuesten 
Nachrichten Nr. 76 vom 13. Februar 1912, S. 9, kurz berichtet wird. 
Die letzte Gruppe bilden die Papyri, welche die Staatsbibliothek 
durch das deutsche Papyruskartell seit ihrem Beitritt Ende März 
1909 erwmrben hat. Ihre technische Bearbeitung ist dem Diener 
an der Staatsbibliothek Mackel übertragen, der in diese ebenso 


Papyrus. 



Miszellen. 


Bamberg. 


94 





Deutsches Reich 


schwierige w r ie wichtige Kunst von dem Meister in diesem Fach, 
dem Konservator der Berliner Sammlung, Ibscher, eingeführt wurde. 
Mit der Katalogisierung der demotischen Papyri wurde N. Reich 
in Wien betraut, der über diese Arbeit in der Wiener Zeitschrift für 
Kunde des Morgenlandes (25, S. 311—317) einige vorläufige Mit¬ 
teilungen veröffentlicht hat. 

Georg Leidingers Verzeichnis der wichtigsten Miniaturen-Hand- 
schriften der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München. München 
1912. 8°. (56 S.) ist eine stark vermehrte und verbesserte Ausgabe 
des Katalogs der Ausstellung, die durch den Verfasser bei Gelegenheit 
des zu München tagenden IX. internationalen kunsthistorischen 
Kongresses (16. bis 20. September 1909) eingerichtet worden war. 
Hie orientalischen Handschriften sind von Emil Gratzl bearbeitet; 
vgl. Z. f. Bw. 29 (1912), S. 183. — Leo Jordan, die Münchener Vol¬ 
tairehandschriften, II. Aufsatz. Der dreiaktige Orphelin de la Chine 
(Prolegomena zu einer Ausgabe). [Archiv für das Studium der 
neueren Sprachen, 65. Jg., Bd. 127, der Neuen Folge 27. Bd., 1912, 
S. 336—370.] (Vgl. diese Zeitschrift, S. 37 f.) — Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek; vgl. Z. f. Bw. 29 (1912), S. 132 (Merkblätter für 
Bibliotheksbenutzer) und S. 87 (Benützungsordnung). 

Im Jahre 1908 hat der gelehrte Vorstand der Bamberger Kgl. 
Bibliothek, Oberbibliothekar Hans Fischer, das große, von seinem 
Vorgänger Friedrich Leitschuh begonnene Werk der Beschreibung 
der dortigen wertvollen Handschriftenschätze mit ungewöhnlicher 
Hingabe und reichstem Wissen dem Abschluß nahe gebracht. 1 ) Jetzt 
wird abermals seiner außer ordentlichen Arbeitskraft die umfangreiche 
Verzeichnung eines wertvollen Teiles dieser Bibliothek verdankt, 
der „Katalog der Bibliothek des Freiherrn Emil Marschalk von 
Ostheim“, Bamberg 1911/12, ein Werk von über 1500 Druckseiten, 
an dessen Herstellung unter Fischers Leitung und tätiger Mitwir¬ 
kung in aller Stille seit einem Jahrzehnt gearbeitet worden ist. Dem 
merkwürdigen Mann, als dessen Erbin die Bamberger Bibliothek 
in den Besitz dieser ungewöhnlich reichen Büchersammlung gelangt 
ist, hat Fischer in der Vorrede zu diesem Katalog ein wohlverdientes 
biographisches Denkmal gesetzt. Emil von Marschalk wurde am 
16. April 1841 zu Wien geboren. Seine Bildung erwarb er durch 
Privatunterricht und den Besuch mehrerer deutscher und öster¬ 
reichischer Universitäten. Am Krieg 1866 nahm er als Leutnant 
auf Kriegsdauer, am Kriege 1870 im Dienste des Boten Kreuzes 
teil. Seitdem suchte und fand er neben großen Beisen seine Be¬ 
friedigung und Lebensaufgabe im Sammeln von Büchern und Kunst¬ 
werken sowie in Arbeiten über Bamberger und Fränkische Ge¬ 
schichte. Da er schon immer die Zuweisung seiner Bücherschätze 
an die Bamberger Bibliothek im Auge hatte, sammelte er nicht 
sowohl Bambergensia, die dort an sich vorhanden waren, sondern 
die Gebiete, auf denen er möglichste Vollständigkeit anstrebte, waren 


x ) Es fehlen nur noch die Indices. 




Münchener Brief 


95 


Geschichte Frankens und der benachbarten thüringischen, besonders 
Hennebergischen Landesteile, Geschichte der adeligen und bürger¬ 
lichen Familien und, charakteristisch für einen starken Kontrast in 
seinem Wesen zwischen einem starken aristokratischen Standes- 
und Familienbewußtsein und ganz freisinnigen Anschauungen, Ge¬ 
schichte der revolutionären Bewegung des Jahres 1848. Bezeich¬ 
nend für seine persönlichen Neigungen und Auffassungen ist auch, 
daß er, ähnlich wie von zwei Marburger Bibliothekaren erzählt wird, 
die die Theologie bei superstitio einteilten, alle philosophische Spe¬ 
kulation und Metaphysik zur Theologie stellte und dabei auch die 
Werke Ludwig Feuerbachs, ,,seines Philosophen“, wie die Haeckels, 
Nietzsches und Voltaires friedlich unterbrachte. Persönlich von 
großer Anspruchslosigkeit, hat er, wo es sich um uneigennützige 
Wohltätigkeit handelte, eine stets offene Hand bewiesen. Sonst 
aber konzentrierte er seine finanziellen Kräfte und seine geistigen 
Fähigkeiten auf seine historischen Arbeiten und Sammlungen und, 
da er schriftstellerisch wenig produktiv war — es sind nur kleinere 
Veröffentlichungen von ihm vorhanden —, so hat er in diesen das 
Eesultat seiner persönlichen Lebensarbeit gesehen. Darum hat er 
auch, um dies Ergebnis seines eigensten Schaffens für alle Zeiten 
als ein abgesondertes individuelles Ganzes zuerhalten, für die 
Bibliothek, der er schon zu Lebzeiten gerne geschenkt hat, die 
Überlassung seiner Schätze an die Bedingung geknüpft, daß seine 
Büchersammlung getrennt von den anderen Beständen in geson¬ 
dertem Raume aufgestellt und ein genauer, vollständig erschöpfen¬ 
der Katalog derselben im Druck veröffentlicht werde. Die weitere 
Auflage, daß dies innerhalb 5 Jahren nach seinem Tode (7. Juli 
1903) geschehe, einzuhalten, war bei den knappen Mitteln, die er 
dafür vorgesehen und bei dem weit größeren Arbeitsaufwand, als 
er ihn veranschlagt hatte, nicht möglich. Jetzt aber ist die Kgl. 
Bibliothek in den endgültigen Besitz ihrer Erbschaft getreten und 
ist neben den früheren Gönnern Jäck, Heller, Schönlein auch sein 
Name untrennbar mit ihr verbunden. 

Von dem Neubau der Universitätsbibliothek, der mit Beginn 
des neuen Jahres kräftig in Angriff genommen wurde, ist das Ver¬ 
waltungsgebäude nahezu bis zum Hauptsims gediehen. Nach Pfing¬ 
sten soll mit der Montierung des eisernen Dachstuhles begonnen 
werden* Die innere Einrichtung wird demnächst vergeben. Von 
dem Bücherhaus werden jetzt die eisernen Gestelle montiert. Beauf¬ 
tragt ist damit die Firma Wolf, Netter & Jacobi in Straßburg i. E. 
(System Lipman.) Mit der Aufrichtung der Umfassungsmauern des 
Bücherhauses wird erst begonnen werden, wenn die Aufstellung der 
Büchergestelle beendet ist. 

An der Universitätsbibliothek Gießen sind vom Sommer 1912 ab 
Bibliothekgebühren eingeführt worden. Sie betragen a) für die Stu¬ 
dierenden, die neben dem Auditoriengeld noch Instituts- und Prak¬ 
tikantengebühren entrichten (Mediziner und Naturwissenschaftler) 
1 Mk; b) für die Studierenden, die nur eine Seminargebühr ent- 


Erlangen. 


Gießen. 




Heidelberg. 


Karlsruhe. 


Mainz. 


Württemberg. 


National- 

Bibliothek. 


96 Deutsches Reich — Münchener Brief 


richten, 1 Mk. 50 Pf. im Semester. Für nicht zur Universität ge¬ 
hörende Personen wird die Bibliotheksgebühr je nach Wahl des 
Benützers bandweise (10 Pf.) oder semesterweise (1 Mk. 50 Pf.) 
erhoben. Dozenten und Beamte der Universität sowie hessische 
Staatsbehörden sind von der Gebühr frei, ebenso die großen hes¬ 
sischen Bibliotheken und die außerhessischen Bibliotheken, soweit 
sie Gegenseitigkeit gewähren. Die ordentlichen Professoren zahlen 
einen freiwilligen Beitrag, ebenso werden der Bibliothek Anteile 
an den Immatrikulations- und Promotionsgebühren zugewendet, so 
daß eine Gesamteinnahme aus diesen einzelnen Posten in der Höhe 
von zirka 6500 Mk. erwartet wird. 

Rudolf Sillib, Verzeichnis der Handschriften und Drucke im 
Ausstellungssaal der Großh. Universitätsbibliothek in Heidelberg. 
1912. (21 S., 3 Taf.) 

Erwin Fischer, Formschnitte des 15. Jahrhunderts in der Großh. 
Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe (Baden). Mit erläuterndem 
Text herausgegehen. Mit 21 Abbildungen. Straßburg, J. H. Ed. 
Heitz, 1912. 

Stadtbibliothek; vgl. Zentralbl. f. Biblw. 29 (1912), S. 86 
(Bericht über die Katalogisierungsarbeiten und über den geplanten 
Neubau sowie über das Gutenberg-Museum). 

Über die Veränderungen im württembergischen Bibliotheks¬ 
wesen, über die wir das Wesentliche im Jg. 2, S. 210—212, berichtet 
haben, ist im Zentralbl. f. Biblw. 29 (1912), S. 162—170, ein aus¬ 
führlicher Aufsatz von F. Schmid, „Von den württembergischen 
Bibliotheken“, erschienen. Indem wir auf diesen Artikel verweisen, 
nehmen wir Gelegenheit, zu erwähnen, daß die von uns besprochene 
Anweisung zur Benützung der Kataloge der Landesbibliothek jetzt 
im Druck erschienen ist, sowie dazu, ein Mißverständnis richtig¬ 
zustellen, nämlich daß die Landesbibliothek in Stuttgart einen Real¬ 
katalog nicht über den gesamten Bestand, sondern nur über den 
kleineren Teil der Fächer besitzt. Endlich möchten wir mitteilen, 
daß, ähnlich wie für Berlin und Leipzig, ein Stuttgarter Biblio¬ 
thekenführer von Karl Lange, Stuttgart 1912, erschienen ist, der 
die öffentlichen, die amtlichen und eine Reihe von Privatbiblio¬ 
theken in übersichtlicher Weise mit allen wünschenswerten Angaben 
verzeichnet. Sehr zweckmäßigerweise sind auch die Bestimmungen 
des Auskunftsbureaus der deutschen Bibliotheken und kurze Ver¬ 
zeichnisse von bibliothekarischen Adreßbüchern, bibliographischen 
Auskunftsstellen, Bibliographien vorausgestellt worden, eine Zu¬ 
gabe, die die Nützlichkeit und praktische Brauchbarkeit des ver¬ 
dienstlichen Werkchens nur zu steigern geeignet ist. 


RUNDSCHAU DER FREMDE. 

FRANZÖSISCHER BRIEF. 

Das Jahr 1911 war besonders ergebnisreich. Es brachte zu den 
regelmäßigen Erwerbungen noch 25.000 Bände aus der Bibliothek 




Rundschau der Iremde — Französischer Brief 


97 


des Hauptseminars von Sankt Sulpiz (eingezogen auf Grund des 
Gesetzes über die Trennung der Kirche vom Staate), welche den 
Grundstock der Theologie und Kirchengeschichte durch ausländische 
Ausgaben vermehrten, und einige hundert ähnliche Bücher, die aus 
der alten Kirchenmittelschule von Fontenay-aux-Koses stammen. 

Druckwerke. Geschenke. Vor allem sind zu erwähnen 
eine Inkunabel, erschienen zu Deventer; 54 Verordnungen Tudwigs 
XIV. aus den Jahren 1682 bis 1700, geschenkt von Herrn Germain 
Bapst; 130 Bände oder Broschüren verschiedener Länder über den 
Krieg vom Jahre 1870; ein Geschenk des Senators d’Estournelles 
de Constant, bestehend aus sämtlichen Schriften zugunsten der Frie¬ 
densbestrebungen mit den Übersetzungen derselben in alle Sprachen; 
10 Sanskritbände, gewidmet vom Maharadschah von Travancora; 
endlich zahlreiche Broschüren und Bände über Sprachwissenschaft', 
besonders über die alteinheimischen amerikanischen Sprachen, ge¬ 
schenkt vom Grafen H. de Charencey. 

Ankäufe. Besonders zu erwähnen sind: Einige durch vorteil¬ 
haften Tausch erworbene Inkunabeln, wie die Meditationes beati 
Bernardi seu über de contemplacione, 1476 aus der Druckerei von 
Soufflet-Vert, einer der frühesten Druckereien von Paris, hervor¬ 
gegangen ; das Missale von Toul, Missale secundum usum Tullen- 
sem, gedruckt zu Paris 1493 von P. Le Pouge, mit Holzschnitten 
geschmückt und auf Pergament gedruckt, das einzige bekannte 
Exemplar; das Brevier von Cambrai, Breviarium ad usum ecclesiae 
Cameracensis, gedruckt zu Paris von Jean du Pre 1485 und bis 
jetzt unbekannt; einige venetianische Drucke vor 1500, wie die 
sehr seltene Ausgabe eines römischen Missale, gedruckt 1493, die 
Margarita Poetarum von Alb. von Eyb, das Doctrinale von Ale¬ 
xander von Villedieu und die Hysagoge de philosophica morali von 
Leonardo Bruni; Werke des XVI. Jahrhunderts, wie die Abhand¬ 
lung Boccacios über das Unglück berühmter Menschen, übersetzt 
von Laurenz von Premierfait und gedruckt zu Paris 1515; neue 
rabbinische Jlaggadah, veröffentlicht zu Venedig, Pisa und Livorno, 
darunter eine mit Glossen in spanischer Sprache, aber in hebräischen 
Typen; eine Sammlung von Berichten über den Krieg zwischen 
Ludwig XIII. und den Protestanten, veröffentlicht in verschiedenen 
kleinen Städten Italiens in der Sprache dieses Landes auf Grund 
von ISi achrichten aus Lyon und Beziers; endlich verschiedene aus¬ 
ländische Zeitschriften, vorzüglich englische, aus der Zeit der Revo¬ 
lution und des ersten Kaiserreiches. 

Handschriften. Zahlreiche Geschenke. Von J. Delaville 
Le Roulx: Raguaglio della guerra tra Papa Paolo IV e Felippo II 
re di Espagna; von LI. P. Pelliot: 3 Hefte in chinesischer Sprache; 
von II. Petitdidier-Blemont: die Briefe von Paul Verlaine; von 
II. C. L. Biollay: die Handschriften und Briefschaften von Eugen 
Scribe. — Die Handschriftenabteilung hat gekauft: Stücke aus 
Barcelona (XVI. Jhdt.), die Werke von Saadi, eine persische Hand¬ 
schrift aus dem Jahre 1358 ; die Originalurkunde über die Regelung 





98 


Rundschau der Fremde 


der Thronfolge Karls IX. von Frankreich (1573) ; eine Sammlung 
von 70 koreanischen Werken, welche von der Auktion Collin de 
Plancy herrühren, etc. 

Kupferstiche. Gekauft 631 Stiche oder Bände. Geschenkt 
erhalten 865 Stiche oder Bände. Darunter die Werke von Chasseriau,, 
von Gustav Moreau und das Alhum von Aquarellen über die Ha- 
tionalbibliothek, Leopold Delisle zu seinem fünfzigjährigen Jubi¬ 
läum gewidmet und von ihm letztwillig der Hationalbibliothek 
hinterlassen. 

Der Administrator H. Henry Marcel hat einen sehr eindring¬ 
lichen Ruf an die Behörden ergehen lassen, daß eine Kommission 
ernannt wurde, um die Zustände der Hationalbibliothek zu studieren. 
Der Berichterstatter derselben, der Generalinspektor C. Bloch, hat 
seine Schlußanträge vorgelegt. Vor allem muß den Bedürfnissen 
der Abteilung für Druckwerke abgeholfen werden, für welche die 
bisherigen Hilfsquellen nicht mehr genügen. Die Sammlungen 
nehmen seit 20 Jahren jährlich im Durchschnitt um 35.000 Bände 
zu; die Zahl der Bücher im Arbeitssaal ist ungeheuerlich ange¬ 
wachsen. Es wird vorgeschlagen, so knapp als möglich um diesen 
Saal herum ebenerdig alle Diensträume und Magazine dieser Druck¬ 
werkeabteilung anzubringen. Heue Säle sollen damit verbunden 
werden für die Benützung der Kataloge und Zettelkästen, und zwar 
in jenen Räumen, die jetzt von den Kupferstichsammlungen ein¬ 
genommen werden. Daneben soll eine Auskunftstelle eingerichtet 
werden, von der die Benützer der Bibliothek bibliographische Aus¬ 
künfte werden erhalten können, die ihnen gegenwärtig nur unzu¬ 
länglich oder unregelmäßig gegeben werden, können. Und für die 
Aufstellung und für die Benützung eines erheblichen Teiles der 
Zeitschriften (etwa 2000) sollen Räume Vorbehalten werden, indem 
die Abteilung der Medaillensammlung anderswohin verlegt wird. 
Der öffentliche Lesesaal soll aufgelassen werden im Hinblick auf 
die Entwicklung der städtischen Yolksbibliotheken; und der Arbeits¬ 
saal, in den nur jene Einlaß finden, die eine Eintrittskarte erhalten 
haben, soll zu den jetzt vorhandenen 344 Sitzplätzen noch 120 neue 
Sitze erhalten, die so gewonnen werden sollen, daß man den halb¬ 
kreisförmigen Raum durch Wegschaffung des Hauptinventars frei¬ 
macht. Endlich wird auch die ünstliche Beleuchtung für notwendig 
erachtet. — Aber das sind vorläufig nur fromme Wünsche, die 
Kommission hat nur beratenden Charakter. 

Hoch eine andere Kommission wurde eingesetzt, um die Klagen 
des Bibliothekspersonals zu untersuchen, das seiner Mehrzahl nach 
die jüngst in dem Betriebe der Bibliothek vorgenommenen Heuerun¬ 
gen beklagt. Die angehenden Assistenten erheben Einspruch gegen 
die Lage, die man ihnen bereitet hat, und gegen die vielen Prü¬ 
fungen und schriftlichen Bewerbungsarheiten, die ihnen unnötiger¬ 
weise vor ihrer Ernennung auferlegt werden. 

Der Generalkatalog der Druckwerke (Autoren) ist 1912 bis 
zum Bande XLVI angelangt und hält bei ELBS, und der Katalog 




Französischer Brief 


99 


der Sammlung alter Musikalien von J. Eeorcheville ist bis zum 
3. Bande (ANT-CHA) gelangt. T. Hildenfinger veröffentlicht in dem 
Bibliograph« moderne, XIV (1910) pag. 199—261, ein Inventar 
der Verwaltungsakten der Stadt Straßburg (1789 — zum J. VII), 
die in der Nationalbibliothek aufbewahrt werden. Erwähnt seien 
noch die alten Inventare und Kataloge der Nationalbibliothek, die 
H. Omont veröffentlicht, IV. Bd. — Die königliche Bibliothek zu 
Paris im 17. Jahrhundert, 1. Heft. Paris. Leroux. 1911. — In der 
Gazette des Beaux-Arts, 1912, wird man finden: Frangois Bourboin, 

„Einige Bereicherungen der Kupferstichsammlung in neuester Zeit, 

S. 19—28 (Fortsetzung folgt) ; A. Vidier, Die Sammlung Maurice 
Audeoud in der Nationalbibliothek, S. 51—60. Die Veröffentlichung 
eines Kataloges dieser Sammlung ist eben erfolgt. 1 ) Das Bulletin 
de la societe fran§aise de reproduction des manuscrits ä peintures, I 
(1911) veröffentlicht: H. Omont, Verzeichnis der Sammlungen von 
Faksimilen und Nachbildungen von Handschriften, die in der Na¬ 
tionalbibliothek aufbewahrt werden, pag. 55—83 (Forts, folgt). 

Unter dem handschriftlichen Nachlaß Leopold Delisles fand 
man ein Konzept (das der Bibliographie moderne, XV, 1911, ver¬ 
öffentlicht), das für einen Vortrag vor der Oberkommission der 
Bibliotheken bestimmt war. Er schlug darin vor, die drei Pariser " 
Bibliotheken (Arsenal, Mazarin, Sainte-Genevieve) mit der Abfas¬ 
sung eines gemeinsamen Kataloges zu betrauen, welcher eine Ergän¬ 
zung des Kataloges der Nationalbibliothek zu bilden hätte, der sehr 
viele Bücher fehlen, welche die zuvor genannten drei Bibliotheken 
besitzen. Aus Mangel an Personal dürfte die Verwirklichung dieser 
Idee wohl hinausgeschoben werden, wie zu jener Zeit, da der ehe¬ 
malige Direktor des höheren Unterrichts L. Liard sie zum erstenmal 
äußerte. 

Der Katalog der Stiche, Zeichnungen und Landkarten der Ar¬ 
senalbibliothek von Gaston Schefer (Verlag H. Ledere) erscheint 
weiter; 1911 erschienen die Lieferungen 14 und 15. Die Arbeit 
ist in der Handschrift fertig. 

Zufolge eines Übereinkommens zwischen den Erben Henry Andere 
Houssayes und dem Institut de France wird derjenige Teil der Bibliotheken. 
Bibliothek dieses Schriftstellers, welcher der Geschichte der Bevo- 
lution, des Kaiserreiches und den militärischen Ereignissen diente, 
in den Sammlungen der Stiftung Dosne (Bibliothek Thiers) seinen 
Platz finden. Vgl. amch den Aufsatz von H. Deherain im Journal 
des savants, August 1911, pag. 371—376, über die Handschriften 
des deutschen Orientalisten und Mathematikers Franz Woepke (1826 
bis 1864), die in der Bibliothek des Institutes auf bewahrt und der 
Hauptsache nach inventarisiert sind. 

Über eine wenig bekannte Sammlung, die Bibliothek der 
Pariser katholischen Anstalt, gibt der Abbe Marcel Langlois „vor¬ 
läufige Berichtet Paris. 1912. 


J ) S. die Anzeige desselben in dieser Zs. III. Heft 3. 




100 


Rundschau der Fremde — Französischer Brief 


In dem Bulletin de la Bibliotheque et des travaux historiques 
de la Ville de Paris findet man im Band Y den Katalog der Hand¬ 
schriften, die von 1906 bis 1910 hineingelangt sind, von Gabriel 
Henriot. Imprimerie nationale, 1911, mit alphabetischem Inhalts¬ 
verzeichnis. 

Die Pariser Gesellschaft der Ärzte hat mit der Aufstellung 
ihrer Bibliothek in ihren neuen Räumen begonnen. 

Der jüngst verstorbene Dichter und Profesosr Aug. Angellier 
hat seine reichhaltige Bibliothek teils seiner Vaterstadt Boulogne, 
teils an die Universitätsbibliothek von Lille, wo er lehrte, vermacht. 

N eue Revue des Bibliotheques, IY. Supplement. Sachliches Inhalts- 

BibÜogra- Verzeichnis über die 20 ersten Jahrgänge 1891—1910 von Etienne 
phien. Deville* Y. Supplement, G. Lepreux, Gallia tvpographica. Reihe 
für die Departements, II. Die Landschaften Champagne und Barrois- 
Paris, Champion. 1911. Ausführliches Inhaltsverzeichnis zu den 
Bänden XIII bis XXY (1891—1910) der Annales de Bretagne, 
herausgegeben von der philosophischen Eakultät zu Rennes, von 
G. und M. Dottin. Ebendort 1911. — Annales de FEst, 25 Jahrgang, 
2. Heft. Alphabetisches und methodisches Inhaltsverzeichnis der 
Bände XI bis XVIII (1891—1904) und der Annales de FEst et 
du Xord (I—V, 1905—1909) von Rob. Parisot. Paris-Xancy 1911. 
Bibliotheque de FEcole des chartes. Inhaltsverzeichnis der Bände 
LXI bis LXX (1900—1909) von Ch. Samaran. Paris. Picard. 1911. 
Annuaire des journaux, revues et publications periodiques parus ä 
Paris jusqiFä novembre 1911, mit einem systematischen Inhalts¬ 
verzeichnis von Henri Le Soudier. Paris. 1912. (32. Jhg.) Catalogue 
des ouvrages normands de la bibliotheque municipale de Caen, I, 
von Konservator Gaston Lavalley. Caen. 1910. 

Der Bibliographien einzelner Landschaften werden immer 
mehr. Vgl. Bibliographie moderne, XIY (1910), pag. 370—371, wo 
die Bibliographien der Ardennen, der Xormandie, Loir und Cher im 
einzelnen aufgezählt sind. 

Uerschiedene Die stachelige Frage der Pflichtexemplare steht noch immer 
Fragen, auf der Tagesordnung. Xach dem Gesetzantrag Mezieres, abgesetzt 
von der Tagesordnung im Jahre 1883, nach den Vorschlägen Rau¬ 
nies (1884), Philippons (1889), Steins (1900), Maurice Vitracs 
(1910), kam der Abgeordnete Rene Viviani in seinem Bericht von 
1912 über das Budget des öffentlichen Unterrichts auf die Sache 
wieder zurück. Es würde sich gebühren, den Drucker und Verleger 
gemeinsam haftbar zu machen. Das Pflichtexemplar für das Mini¬ 
sterium des Innern sollte abgeschafft werden, ebenso wie das für die 
Präfekturen. Das erste Exemplar solle direkt an die National- 
bibliothek, das zweite an das Unterrichtsministerium geschickt wer¬ 
den. Die gegenwärtige Frist von drei Monaten, die von den 
übrigens wirkungslosen Verordnungen vorgesehen ist, ist durchaus 
unzulänglich. Man erfährt zuweilen von der Existenz eines Buches 
erst etwas durch den Jahreskatalog des Verlegers. 




Brief aus Washington 


101 


Das angekündigte Werk: Bibliotheques, livres et librairies ist 
soeben erschienen. Paris, Marcel Riviere/l912 (5 Francs). Es 
enthält die Vorträge, die im Laufe des Winters 1910—11 an der 
Hochschule für soziale Studien gehalten wurden. Es wäre zu weit¬ 
läufig, über seinen Inhalt hier einen Bericht zu geben und viel zu 
schwierig, dies in wenigen Worten zu tun. Besser ist es, den Leser 
auf das Buch selbst zu verweisen. Man wird nirgends sonst so 
geniale Aufschlüsse und so scharfsinnige Betrachtungen beisam¬ 
menfinden, wie sie hier vereinigt worden sind. Der Erfolg, den 
dieser Versuch gehabt hat, war der Art, daß er die Veranstalter, 
besonders Eug. Morel dazu bewog, ihn zu wiederholen und ein Jahr 
darauf fand eine neue Reihe von Vorträgen an derselben Stelle 
statt, welche sich auf die größten Bibliotheken der Welt bezogen 
und auch einige Universitäts-, Musik- und Kunstbihliotheken be¬ 
trafen. Diese Vortragsreihe ist im Bulletin des Vereines franzö¬ 
sischer Bibliothekare, V (1911), pag. 46—55 wiedergegeben und 
steht dort hinter einigen Angaben über ein Projekt der wechsel¬ 
seitigen Versicherungsgesellschaft für den Fall des Ablebens unter 
den Bibliothekaren (pag. 43—45). Das folgende Heft, VI (1912) 
faßt kurz die ersten dieser Vorträge zusammen. Bei Gelegenheit der 
nationalen Bibliographien findet man den sehr richtigen Gedanken 
ausgedrückt, daß sie vor allem ein geschäftliches Interesse haben 
und daß andere Arbeiten viel dringender sind. Dieselbe Rümmer 
zeigt die Wünsche der Bibliothekskommission an, welche die stän¬ 
dige Sektion angenommen oder abgelehnt hat. 

Zum Schlüsse sei noch ein seltsamer Wunsch erwähnt, der ge¬ 
äußert wurde: sämtliche Stellen in den Bibliotheken den Frauen 
vorzubehalten, und die Zusammensetzung einer Kommission, welche 
trachten solle, die Gebräuche der französischen Bibliotheken einan¬ 
der anzugleichen und so zu einem internationalen Gesetzbuch über 
die Herstellung und Einteilung des Zettelkataloges zu gelangen. 

Paris. Dr. Victor Chapot. 

(Aus dem Ms. des Verf. übersetzt von Prof. Dr. M. Grolig.) 


DIE AMERIKANISCHEN BIBLIOTHEKEN JULI—DEZEMBER 1911 

UND JANUAR-MÄRZ 1912. 

Brief aus Washington. 

Das Halbjahr Juli bis Dezember 1911 hat die Veröffentlichung Fachliteratur, 
mehrerer willkommener fachlicher Hilfsmittel gebracht. Das hervor- Bücher, 
ragendste unter ihnen ist die neue (3.) Ausgabe der A. L. A. List of 
Subject Headings for use in Dictionary Catalogs, durchgesehen von Fräulein 
M. J. Briggs, Chicago, A. L. A. Publishing Board, 1911; 398 S., 

2.50 Dollar. Der dabei zugrunde gelegte Plan geht mit seinen Ver¬ 
weisungen zu einem Übermaß, wie es sich in der Praxis der besten 
Amerikanischen Volksbibliotheken nicht bewährt hat, aber trotz dieses 
und mancher andern Mängel erweist sich die neue Bearbeitung als ein 

8 








102 


Rundschau der Fremde 


Aufsätze. 


großer Fortschritt gegenüber den früheren Auflagen und vermag wohl 
auch über Amerika hinaus sich für die Fachgenossen als nützlich be¬ 
währen. Im Zusammenhang damit mag gleich auch erwähnt werden, daß 
die Kongreßbibliothek angefangen hat, ein Verzeichnis der sachlichen 
Schlagwörter zu veröffentlichen, die in ihren Katalogen gebraucht werden. 
Etwas über die Hälfte des Alphabets (A—M) ist bisher erschienen. Die 
gleiche Bibliothek hat versuchsweise die sachlichen Schlagworte ihrer 
Abteilung für Rechtskunde herausgegeben unter dem Titel ,,Tentative 
headings and cross-references for a subject catalogue of American and 
English Law“, Washington, Government Printing Office, 1911 (20 cents). 
Die Bibliothek der Universität von Illinois hat im September 1911 eine 
List of Serials in the University Library, Urbana, 111., (1.20 Dollar) aus- 
gegeben, die etwa 7000 Titel umfaßt und sowohl den alten Bestand 
der Bibliothek als auch ihre laufenden Serien angibt. Das Verzeichnis 
wird für den Leihverkehr der Bibliotheken des mittleren Westens sehr 
nützlich sein, wenn es auch nicht so reichhaltig ist wie die gemeinsame 
Liste der Bibliotheken von Chicago. 

Der Amerikanische Bibliothekarverein hat die Herausgabe eines 
Manual of Library Economy (Chicago 1911), in einzelnen Teilen, be¬ 
gonnen. Bis jetzt liegen 9 Kapitel vor (jedes zu 10 cents): 

1. American Library History von C. K. Bolton. 

2. Library of Congress von W. W. Bishop. 

4. The College and University Library von J. I. Wyer, jr. 

9. Library Legislation von W. F. Yust. 

12. Library Administration von Arthur E. Bostwick. 

15. Branch Libraries and other Distributing Agencies von Linda A. 

Eastmann. 

17. Order and Accession Department von F. F. Hopper. 

20. Shelf Department von Josephine A. Rathbone. 

22. Reference Department von E. C. Richardson. 

26. Bookbinding von A. L. Bailey. 

Der Verein bereitet weiterhin eine Neuausgabe des A. L. A. Catalog 
vor, der die Jahre 1904—1911 umfaßt und im Frühjahr 1912 aus¬ 
gegeben werden soll. 

Als eine der Veröffentlichungen des Caxton Clubs gibt Professor 
J. W. Thompson von der Universität Chicago eine Ausgabe des lateini¬ 
schen Textes von Henri Estiennes Francofordiense Emporium mit engli¬ 
scher Übersetzung heraus (12.50 Dollar). Das Werk ist ungewöhnlich 
schön ausgestattet und die Arbeit des Herausgebers sehr empfehlenswert. 

Von den bibliographischen Publikationen amerikanischer Biblio¬ 
theken seien erwähnt: New York Public Library, List of works relating 
to crime and criminal (57 S.); Boston Public Library, List of books 
on domestic science (88 S.); Virginia State Library (Richmond), Biblio- 
graphy of the conventions and constitutions of Virginia (441 S.). 

Ferner ist zu nennen E. C. Richardsons ,,Some Old Egyptian Li- 
brarians“, New York, Scribners, 1911, eine Schrift von 93 Seiten. 
Gleichviel ob die Gelehrten Richardsons Deutung einiger ägyptischer 
Gottheiten als ,,Bibliotheksgötter“ und des ,,Ersten Schreibers der 



Brief aus Washington 


103 


Schriften des Königs“ als Bibliothekars annehmen oder nicht, er hat 
unter allen Umständen durch die Sammlung eines reichen Materials über 
Archive und Schriftwesen im alten Ägypten eine dankenswerte Arbeit 
geleistet. 

Von den wichtigen Artikeln in der Fachpresse ist auf folgende hin¬ 
zuweisen. Wellman, Bibliothekar in Springfield, Mass., The Library as 
an investment (Public Libraries, Juli 1911, S. 277), weist überzeugend 
nach, wie stark die Gemeinwesen durch öffentliche Bibliotheken auch 
in ihrem Geschäftsleben gefördert werden. Märtel, von der Kongre߬ 
bibliothek, gibt eine Übersicht über die gegenwärtigen Systeme der 
Realkataloge (Library Journal, Bd. 36, S. 410). Reinick, von der Volks¬ 
bibliothek in Philadelphia, entwirft eine zweckmäßige und sichere Art 
von Checking serial publications (L. J., Bd. 36, S. 416). Neue Abarten 
des Systems der Zweigstellen, das in Amerikanischen Städten zur weiteren 
Ausgestaltung von Volksbibliothekszentralen so sehr beliebt ist, haben 
sich an der Küste des Stillen Ozeans ausgebildet, worüber Hopper, 
Tacoma, Washington, und Jennings, Seattle, im L. J., Bd. 36, Sept., 
S. 458, und Okt., S. 500, berichten. Bostwick, St. Louis, Ma., be¬ 
rührt einen anderen Grundzug der Amerikanischen Volksbibliotheken 
in seinem Aufsatz über das Social work of the St. Louis Public Library 
(L. J., Bd. 36, Sept., S. 461). Das Symposium on printed catalog cards 
(L. J., Bd. 36, Nov., S. 543—557) gibt einen interessanten Über¬ 
blick über den gegenwärtigen Stand dieser modernen Übung. Fräulein 
Peddie, von dem Union Theological Seminary, New York City, stellt 
ein ausgearbeitetes System für eine theologische Spezialbibliothek auf 
(L. J., Bd. 36, Dezember, S. 611-—24). Raney, von der Johns Hopkins 
Universität, Baltimore, weist in seinem Aufsatz Multigraph and Flexotype 
in catalcging work (L. J., Bd. 36, Dezember, S. 529—31) auf einen 
bemerkenswerten Fortschritt hin in dem Gebrauch von Maschinen dieser 
Art für den direkten druckfertigen Satz. Seine Versuche haben gezeigt, 
daß außerordentliche Leistungen und ausgezeichnete Ergebnisse mit 
geringem Arbeitsaufwand durch die Benützung dieser Maschinen erzielt 
werden können. Besonders wertvoll ist die Ersparung der Arbeit des 
Korrekturlesens. 

Von bemerkenswerten Aufsätzen im Library Journal 1912 seien 
folgende erwähnt: Bowker, The National Library as the central factor 
of library development in the nation (Januar, S. 3—6), mit Ansichten 
von einzelnen Teilen der Kongreß-Bibliothek und Porträts; Koch, 
Suggested readings for library assistants in the New Encyclopaedia 
Britannica (Februar, S. 63—69); The Hoe Sale (Februar, S. 75), ein 
kurzer Bericht über diese größte und wichtigste Bücherversteigerung 
des Jahres; Burpee, Canadas National Library (März, S. 123); Mudge, 
Some Reference Books of 1911 (März, S. 125—129). 

Ein besonders charakteristischer Zug unserer Zeit, das Bestreben, 
die Spezialisten in eigenen Fachgesellschaften und Organisationen zu ver¬ 
einigen, zeigt sich sehr deutlich in der Gründung der ,,Spezial Libraries 
Association“, deren Zeitschrift Special Libraries jetzt in das 3. Jahr ihres 
Bestehens eingetreten ist. Diese Gesellschaft setzt sich zusammen aus 

8* 


Special 

Libraries 

Association. 



Chicago. 


Washington. 


Carnegie 

Corporation. 


Personales. 


Neubauten. 


104 Rundschau der Fremde — Brief aus Washington 


Bibliothekaren von Fach-Bibliotheken für ein besonderes Gebiet, meist 
klein nach der Zahl der Bände, aber infolge ihrer sehr weitgehen¬ 
den Spezialisierung häufig von großer Bedeutung durch ihre Arbeits¬ 
leistung. Die erste Stelle in dieser Gruppe nehmen die Bibliothekare ein, 
die im Dienste großer industrieller und gewerblicher Unternehmungen, 
gelehrter und anderer Gesellschaften und der sogenannten ,,Legislative 
reference Libraries“ stehen. Die ,,Spezial Libraries“, herausgegeben von 
der Staatsbibliothek Indianopolis, Indiana, jährlich 2 Dollar, enthalten 
zahlreiche kurze Bibliographien über Gegenstände, mit denen man sich 
gerade in den Vereinigten Staaten und in Canada besonders beschäftigt, 
und werden vielleicht auch für die Fachgenossen in Europa nicht ohne 
Interesse sein, als Zeugen einer besonderen beruflichen Betätigung, die 
ja wohl überall zu finden ist, in unserem Lande aber sich ihrer selbst be¬ 
wußt geworden ist und eine hohe Stufe der Wirksamkeit erreicht hat. 

Vergangenen Sommer veröffentlichte der Ausschuß für Library and 
Museum Extension in Chicago eine kleine Schrift von 80 Seiten Umfang 
über die Fortbildungsmöglichkeiten in dieser Stadt, unter denen die Biblio¬ 
theken eine hervorragende Stelle einnehmen. Dieses Werkchen ist nach 
zwei Seiten von Bedeutung; es zeigt einmal den Fortschritt der zweit¬ 
größten Stadt unseres Landes im Bildungswesen, dann aber auch wie 
man mit Glück bestrebt ist, auf diesem Gebiet zusammen zu arbeiten 
und zweimal getane Arbeit zu vermeiden. Exemplare dieser Veröffent¬ 
lichung sind auf Wunsch von Herrn A. G. S. Josephson, John Crerar 
Library, Chicago, zu bekommen. 

Die Bibliothek des Surgeon General of the United States Army in 
Washington zählt zu den größten medizinischen Fachbibliotheken der 
Welt. Dr. F. H. Garrison hat in dem Journal of the American Medical 
Association vom 17. Juni 1911 (Bd. 56, S. 1785—92), ihre geschichtliche 
Sammlung medizinischer Klassiker beschrieben. 

Am 10. November 1911 übergab Herr Andrew Carnegie, dessen 
Stiftungen zum Besten von Bibliotheken in der ganzen Welt ein so denk¬ 
würdiges Blatt in der Geschichte der letzten zwanzig Jahre bilden, die 
Summe von 25,000.000 Dollar einem neuen Ausschuß, genannt die 
„Carnegie Corporation“, in der Absicht, dieser Körperschaft die Arbeit der 
Gründung und Unterstützung von Bibliotheken und Fortbildungsanstalten zu 
überlassen, eine Arbeit, die er selbst seit vielen Jahren als Einzelner besorgt 
hat. 

Mit dem Tod des Herrn F. M. Gründen, seit langen Jahren Biblio¬ 
thekar der Volksbibliothek von St. Louis, am 28. Oktober, verschwand 
eine wohlbekannte und geschätzte Persönlichkeit aus dem Kreise der 
Fachgenossen. Gerade in der Stunde seines Todes war ein Arbeiter damit 
beschäftigt, eine Stelle aus seinen Schriften über den Eingang zum neuen 
Bibliotheksgebäude in den Marmor zu meisein. 

Im ersten Vierteljahr 1912 sind drei neue Bibliotheksgebäude feier¬ 
lich eingeweiht worden, die der Volksbibliotheken in Springfield, Mass., 
und in St. Louis, Mo., sowie das der Universitätsbibliothek von Kali¬ 
fornien (vgl. Library Journal, 37, Nr. 2, Februar 1912, S. 59 und 79). 
Das Gebäude der Bibliothek von St. Louis wurde im April 1908 be- 



New Yorker Bibliothek 


105 


gönnen und im Januar 1912 mit ganz besonderen Feierlichkeiten er¬ 
öffnet, deren Höhepunkt eine Festrede des Direktors der Kongreßbiblio¬ 
thek, Dr. Herbert Putnam, über „Service of Books in a Democracy“, 
bildete (vgl. Library-Journal, Februar, S. 59—62). Das neue Gebäude 
enthält die Hauptbibliothek und die Verwaltungsräume. Eine Reihe von 
Filialen sind über die ganze Stadt verteilt. Vorstand ist Arthur E. Bost¬ 
wich. Springfield ist eine der kleineren Städte des Staates Massachusetts 
mit etwa 88.000 Einwohnern und besaß schon lange Jahre hindurch 
eine Volksbibliothek, die sich unter der Leitung von John Cotton Dana 
und neuerdings von Hi Iler Wellmann eines außergewöhnlichen Rufes 
erfreute. Das neue Gebäude (Ansicht und Grundrisse vgl. Library 
Journal, Februar, S. 79—80) ist von eindrucksvoller Linienführung und 
bewunderungswürdigem Grundplan und stellt den Typus der neueren 
Art von amerikanischen Stadtbibliotheken dar. 

Die Universitätsbibliothek von California wurde vergangenen Sommer 
einstweilen eröffnet, diesen März aber erst feierlich eingeweiht, eben¬ 
falls mit einer Festrede des Direktors der Kongreßbibliothek (Library 
Journal, Mai, S. 235—245) über „Quick in the Dead“, einer Erörte¬ 
rung des Wertes älterer Literatur für Forscher und Gelehrte der Jetztzeit. 

Washington. W. W. Bishop. 


DIE NEUE NEW YORKER BIBLIOTHEK. 

Im vorigen Sommer ist in den Vereinigten Staaten eine Bibliothek 
eröffnet worden, welche eine Besonderheit bildet. Sie ist nämlich nicht 
von einem reichen Stifter erbaut und eingerichtet worden, wie es sonst 
in diesem Lande üblich zu sein scheint. Dabei präsentiert sie sich in 
einer Pracht des Baues und der Einrichtung wie der Ausschmückung, 
die selbst hier hervorragend genannt wird. Gebäude und Einrichtung 
sind nämlich von der Stadtgemeinde New York geleistet, beziehungs¬ 
weise bezahlt. 

In der fünften Avenue, zwischen der 40. und 42. Straße, im vor¬ 
nehmsten Teil von Manhattan erhebt sich der stattliche Bau, dessen 
Bücherschätze aus drei alten seinerzeit von Privaten gestifteten Biblio¬ 
theken bestehen, der Astor-, Lenox- und Tilden-Stiftung. Vereinigt bilden 
sie jetzt eine der größten Bibliotheken der Erde. In der Bücher-Zirkulation 
steht die New Yorker Bibliothek obenan, dabei ist zu berücksichtigen, 
daß ihr keine Pflichtexemplare der Verleger zugute kommen. Sie steht 
mit 40 Zweigbibliotheken in fast allen Teilen der Stadt in Verbindung, 
welche über 780.000 Bände besitzen, während die neue Zentralbiblio¬ 
thek allein etwa 800.000 Bände, 300.000 Broschüren, 100.000 Manu¬ 
skripte, 70.000 Stiche und graphische Erzeugnisse überhaupt, 2 Gemälde- 
Galerien und eine große Sammlung von Landkarten besitzt. Die Zirkulation 
in der Zentrale und den Filialen beläuft sich auf jährlich sieben und 
eine halbe Million Bücher, wobei man jedenfalls den Verkehr im ersten 
Halbjahr als Grundlage der Schätzung genommen hat. 

Die Organisation ist folgende: Für das Publikum ist der große 
elegante Lesesaal mit 768 Sitzen vorgesehen, wo jedermann ohne weitere 






106 


Rundschau der Fremde — New York 


Umstände freien Eintritt erhält. Dort sind 30.000 Bände als Handbiblio¬ 
thek zur freien Benutzung ohne Vermittlung der Beamten erreichbar, 
andere Bücher etc. erhält man aut Bestellung binnen kurzer Zeit, die 
man abwarten kann. Außerdem steht dem Publikum ein großer Zeit- 
schriften-Saal mit 7000 Zeitschriften, darunter 700 deutschen und die be¬ 
deutendsten Tageszeitungen zur Verfügung. Große besondere Lesezimmer 
für einzelne Fächer der Wissenschaft können nach Lösung eines Passier¬ 
scheines benutzt werden, von denen jedes eine Fachbibliothek enthält. 

Neben den großen und kleinen Lesesälen befinden sich noch 6 Privat- 
Studierzimmer im Hause, die auf Wunsch je auf 14 Tage Gelehrten für 
sich allein eingeräumt werden, die zu ihren Studien eine größere Menge 
Bücher brauchen, welche sie nicht sämtlich in ihre Wohnung bringen 
lassen können. Ist innerhalb der 14 Tage kein anderer Begehr und Vor¬ 
merkung für ein Studierzimmer gewesen, dann kann dasselbe weitere 
14 Tage fortbenutzt werden. 

Das imposante Gebäude ist 350 Fuß lang, 250 Fuß breit, mit 
Schmuck nicht überladen. Rechts vom Eingang gelangt man zunächst in 
die Abteilung für Technologie und der angewandten Wissenschaften mit 
60.000 Bänden, die anstoßende Abteilung dient dem Patentwesen mit 
23.000 Bänden. Eine besondere Bibliothek für Blinde fehlt nicht. 

Die Verwaltung der Bibliothek ist mehr kaufmännisch als bureau- 
kratisch. Neue Bücher kommen sofort zum Binden und gelangen dann 
binnen sechs Tagen zum öffentlichen Gebrauch. Im dritten Stockwerk 
befindet sich eine große Vorhalle von 150 Fuß Länge und 70 Fuß 
Breite, deren Fenster sich in Nischen befinden und fast unsichtbar sein 
sollen. Wunderbar in der Wirkung ist hier ein Deckengemälde, das eine 
Wolkenszene mit farbenreichem Sonnenuntergang darstellt und, von den 
Fenstern beleuchtet, einen großen magischen Stimmungszauber besitzt. 
Anstoßend an die Steward-Galerie der Gemälde befindet sich ein Saal 
für Photographie und die Werke darüber im Umfang von 10.000 Bänden. 
Ein anderer Saal ist der amerikanischen Geschichte gewidmet und um¬ 
faßt 20.000 Bände, ein fernerer enthält die Literatur über Alt-Amerika. 

Das Zimmer der Kataloge dient als Vorhalle zum Haupt-Lesesaal, 
es hat eine Ausdehnung von 80 Quadratfuß und enthält über 6700 
Kartenschubladen. Der Leser sucht sich hier das gewünschte Werk im 
Kataloge, falls er es nicht im Lesesaal zur Benutzung frei vorfindet. Er 
gibt dann einen Bestellzettel ab, empfängt dafür einen Scheck und be¬ 
gibt sich in den großen Lesesal oder falls das Buch in einer be¬ 
sonderen Abteilung steht, zu der er Zutritt erlangt hat, in diese und 
wartet vor dem Auslieferungspult bis auf dem dortigen Zeigerapparat die 
Nummer seines Scheks sichtbar wird. Dann nimmt er das Buch in Empfang. 
Hatte er sich schon vorher einen Platz ausgesucht und die Nummer des 
Platzes auf dem Bestellzettel angegeben, so wird ihm das Buch an den 
Platz gebracht. Jeder setzt sich wo er Platz findet, die geraden Nummern 
sind auf der südlichen, die ungeraden auf der nördlichen Hälfte der 
Lesehalle. In der Halle stehen 48 Tische von je 22 Fuß 6 Zoll Länge 
und 4 Fuß Breite, an denen auf beiden Seiten je 16 Leser sitzen 
können. 



Besprechungen — Delisle, Instructions 107 


Bemerkenswert ist auch eine Sammlung alter gebundener Tages- und 
Fachzeitungen Amerikas im Umfange von 90.000 Bänden, ferner eine 
Kinderbibliothek. 

Bibliothek und Lesesaal sind auch an Sonn- und Feiertagen von 
Mittag an geöffnet. 

Möchten doch auch in Deutschland Private und Kommunen einen 
Ehrgeiz darin suchen, gute, große Bibliotheken zu begründen und zu 
unterstützen. 

Charlottenburg. == Paul Henni ^ 

BESPRECHUNGEN. 

Instructions pour la redaction d’un Catalogue de manuscrits et pour 
la redaction d’un Inventaire des incunables conservös dans les biblio- 
theques publiques de France, par Löopold Delisle. Paris, Champion, 
s. a. (1911) 

Nicht ohne eine gewisse Bewegung blättert man in den erst kürzlich 
erschienenen „Instructions“ Delisles, die ein dankenswerter Entschluß des 
Verlegers Champion nach dem Tode des Altmeisters der Handschriften¬ 
kunde und Paläographie allgemein zugänglich gemacht hat. Die Vor¬ 
schriften waren bereits vor geraumer Zeit gedruckt und in einigen Ab¬ 
zügen an die Mitglieder des Comite des Travaux historiques verteilt 
worden; das französische Unterrichtsministerium hatte sie aber als ,,trop 
savantes“ qualifiziert und von ihrer Veröffentlichung abgesehen. Wir 
können uns nur freuen, daß Herr Champion anderer Meinung war und 
uns als pietätvoller Anwalt ein Vermächtnis Delisles zukommen läßt, das 
mit der Lebensarbeit des Meisters, mit der Katalogisierung der Hand¬ 
schriften- und Inkunabelbestände Frankreichs in innigem Zusammenhänge 
steht. Allerdings darf man annehmen, daß Delisle, wenn es ihm ver¬ 
gönnt gewesen wäre, den vor Jahren zusammengestellten Entwurf durch¬ 
zusehen, mannigfaltige Änderungen vorgenommen hätte. Das läßt aus 
manchen Einzelheiten schließen, wie z. B. daraus, daß S. 3 nur auf die 
Wiener Initia aufmerksam gemacht wird, nicht auf Vatasso, S. 55 neben 
Hain und Panzer nicht, wie wir erwarten, Copinger, Haebler usw. genannt 
sind, daß auf die Wichtigkeit der Wasserzeichen wohl bei der Beschrei¬ 
bung der Inkunabeln, nicht aber bei den Instruktionen für die Hand¬ 
schriftenkataloge hingewiesen wird u. a. m. In der Gesamtanlage der 
Vorschriften fällt der unverhältnismäßig breite Raum, welchen die Bei¬ 
spiele einnehmen, auf. Die Erläuterungen für die Handschriftenbeschrei¬ 
bungen stehen auf S. 1—4 (ein Anhang S. 46—48) von S. 5 45 

findet man ausschließlich Beispiele für die Beschreibung von Manuskripten. 
Ähnlich verhält es sich bei dem den Inkunabeln gewidmeten Teil. Gute 
Handschriftenbeschreibungen sind ja jetzt leicht zugänglich; jedenfalls 
hätten wir erwarten dürfen, daß bei der Auswahl der Musterbeschrei¬ 
bungen kurz darauf hingewiesen werde, aus welchem Grunde die eine 
oder die andere Katalogisierung als Beispiel vorgelegt erscheint. Bei den 
Vorschriften selbst, die zahlreiche wertvolle Winke enthalten, wird man 






108 


Besprechungen — Gardthausen, Paläographie. 


eine schärfere Scheidung zwischen äußerer Beschreibung des Buches und 
Charakterisierung des Inhaltes wünschen. Wie dies gemeint ist, erhellt 
vielleicht am besten aus dem Schema, das ich vor etwa 25 Jahren behufs 
Beschreibung der Handschriftenschätze Spaniens zusammenstellte und das 
ich hier mitteile. Auf der Vorderseite eines Quartblattes erscheint zu¬ 
nächst Angabe der Fundstätte, also: Handschrift der .... Bibliothek 
//zu .... // Signatur: neue . ... / alte ....// Papier- oder Pergament¬ 
handschrift von .... Blättern mit .... Kolumne . zu . . Zeilen // Qua- 
ternionen . . . // Format (Millimeter) . . . / Schriftart . . // Jahrhundert 
. . . / Vorbesitzer, Wappen, Ex-libris . , . // Einband . . . // Hände 
... U Korrekturen . . . // Vorderes Deckblatt . . . // Rückwärtiges 
Deckblatt . . . // Vorsetzblatt . . . // Nachsteckblatt ../...// — Be¬ 
sondere Bemerkungen (Initialen, Miniaturen, Schreibervermerke). 

// —. Auf der Rückseite (selbstverständlich, wenn nötig, aut anderen 
folgenden Seiten) wird der Inhalt charakterisiert, so zwar, daß der Blatt¬ 
zahl folgend der Inhalt der einzelnen Stücke mit ausschließlicher Berück¬ 
sichtigung der im Original befindlichen Überschriften und mit incipit und 
explicit verzeichnet wird; alle Arten von Verifizierungen und sonstigen 
Erläuterungen haben in den Fußnoten zu erscheinen. Zu diesem hier 
kurz mitgeteilten Schema gaben nun Delisles Instruktionen leichtfa߬ 
liche und beherzigenswerte Erläuterungen. Die Beispiele sind, wie nicht 
anders zu erwarten war, vorbildlich bei der Handschriftenbeschreibung, 
ebenso auch bei der Katalogisierung von Frühdrucken; bei diesen wird 
freilich die Wahl der Schlagwörter, so Arnaud de Villeneuve, Benevent 
Jean de. Ciceron (lat. Text), Gasparini (epistolae), Luden, Palinurus, 
Pestilentia (Tractatus de) eine ohnedies vielfach erörterte Frage, die der 
richtigen Auswahl des Kopfes bei der Inkunabelkatalogisierung, abermals 
anregen. 

Wien. R. Beer. 


Griechische Paläographie. Von V. Gardthausen. Erster Band. 
Das Buchwesen im Altertum und im byzantinischen Mittelalter. Mit 
38 Figuren. Zweite Auflage. Leipzig 1911. Veit & Co. XII, 243 S. 

Wer der älteren Generation angehört, die vor etwa 30—35 Jahren 
Philologie studierte, wird sich noch erinnern, wie zu Beginn philologischer 
Abhandlungen und Interpretationen, in den Vorreden kritischer Ausgaben 
die Überlieferung der Texte schwer angeklagt wurde, die socordia und 
neglegentia der Abschreiber sei Schuld daran, daß alles pessime ist; und 
nun wurde jedem Satz, jedem Wort daraufhin der Prozeß gemacht, daß 
es falsch überliefert sei und lactea quadam ubertate ergossen sich die 
Konjekturen über den Text; nichts galt die Erforschung der Textes¬ 
geschichte, der Überlieferung. Freilich für Forscher mit universellem 
Wissen auf höherem Standpunkt war es längst ausgemacht, daß diese 
hurtige Tätigkeit Skiamachie war. Was nun das Griechische betrifft, 
so besitzen wir in den mittlerweile während der Achtziger- und 
Neunzigerjahre des verflossenen Jahrhunderts neuentdeckten Proben des 








Klein, Meister der Medizin 


109 


Textzustandes, den Fragmenten von Buchexemplaren aus dem Alter¬ 
tum selbst, Urkunden ersten Ranges dafür, daß von einer weit¬ 
gehenden Textesverderbnis, von weitgreifenden Umgestaltungen und 
Interpolationen der Texte während des Mittelalters keine Rede sein kann 
und daß nichts uns berechtigt, das Studium jener Wissenschaft, die 
Übung jenes Könnens zu vernachlässigen, welches das wichtigste Ver¬ 
bindungsglied mit dem Altertum darstellt; dies ist aber die Paläographie 
und klar ist die Wichtigkeit ihres Studiums. Es kommt daher sehr er¬ 
wünscht, daß V. Gardthausen, jener Gelehrte, der 1879 durch die erste 
Ausgabe seiner griechischen Paläographie das seit Montfaucon vernach¬ 
lässigte Studium dieses Forschungsgebietes zu neuem Leben erweckt hat, 
die während der seitdem verflossenen 32 Jahre gemachten Fortschritte 
in dieser 2. Auflage seiner „Griechischen Paläographie“ zusammenfaßt. 
Diese mußte w T egen des beträchtlichen Umfanges, den diese Disziplin 
angenommen hat, in mehrere Bände geteilt werden. Es liegt als 1. Band 
vor: das Buchwesen im klassischen Altertum und seinem Ausläufer, dem 
byzantinischen Mittelalter. Wir haben es, verglichen mit der 1. Auflage, 
hier mit einem neuen Werk zu tun, so viel ist Neues hinzugekommen. 
Die Einleitung enthält außer der Geschichte auch die Literatur der Paläo¬ 
graphie und die Bibliographie der Faksimilewerke. Papyrus, Pergament 
und Papier, das Rollen- und Kodexformat, Einband und Siegelung, Schreib¬ 
zeug und Tinte sowie die Ornamentierung bilden den Gegenstand der 
einzelnen Kapitel. W. Wattenbachs bekanntes Werk über das Schriftwesen 
des Mittelalters erhält hier sein Gegenstück für die Zeit der antiken 
Paläographie; das außerordentlich zerstreute Material ist hier mit großem 
Fleiß zusammengetragen, nachgewiesen und gesichtet, so daß wir ein 
unentbehrliches Hilfsmittel für handschriftliche und schriftgeschichtliche 
Studien erhalten haben. Durch die Ausstattung mit gutgewählten Illustra¬ 
tionen und seine leichte, fließende Darstellungsart empfiehlt sich das 
Buch aber auch für die weiten Kreise aller jener Leser, die sich für die 
Schrift und das Schriftwesen der großen vergangenen Kultur des Alter¬ 
tums interessieren, jener Zeit, die so großartige wissenschaftliche Institute 
wie die alexandrinische Bibliothek und das Museum geschaffen hat. 

Wien. Carl Wessely. 


Alte Meister der Medizin und Naturkunde in Faksimile-Ausgaben 
und Neudrucken nach Werken des 15.—18. Jahrhunderts, herausgegeben 
von Prof. Dr. Gustav Klein. — 

1. Das Frauenbüchlein des Ortolff von Bayerland, gedruckt vor 
1500. Begleit-Text von Gustav Klein, München 1910 Carl Kuhn. — 
2. Eucharius Rösslins „Rosengarten“. Gedruckt im Jahre 1513 Begleit- 
Text von Gustav Klein, München 1910 Carl Kuhn. — 3. Das Buch der 
Cirurgia des Hieronymus Brunschwig, Straßburg, Johann Grüninger 1497. 
Begleit-Text von Gustav Klein, München 1911 Carl Kuhn. — 

Der Herausgeber dieser Sammlung beabsichtigt, medizinische und 
naturwissenschaftliche Schriften vornehmlich aus der Frühepoche des 







110 


Besprechungen — Klein, Meister der Medizin 


Buchdrucks in Originaltreuen Ausgaben der Allgemeinheit zugänglich zu 
machen. Ein solches Unternehmen ist in mehrfacher Hinsicht freudigst 
zu begrüßen, denn es dient nicht bloß den engeren fachwissenschaftlichen 
Interessen des Geschichtsschreibers der Natur- und Heilkunde, sondern 
kommt auch den kulturhistorischen und — soweit die Buchillustration 
ins Gewicht fällt — kunsthistorischen Studien zugute. Die Voraussetzung 
für den Erfolg bildet allerdings die peinlichste Sorgfallt in der Wieder¬ 
gabe der Vorlagen, und um weitere Kreise heranzuziehen, die Aus¬ 
stattung der Neueditionen mit ebenso korrekten wie leichtverständlichen 
Erläuterungen in historischer, bio- und bibliographischer Hinsicht. Wenn 
aus den drei ersten Nummern der Kollektion ein Schluß auf das Ganze 
gezogen werden darf, so kann der Erfolg nicht fehlen, denn die vor¬ 
liegenden Reproduktionen der alten, seltenen Texte mit ihren ehrwürdigen 
Holzschnitten sind über jedes Lob erhaben, und die beigegebenen Er¬ 
läuterungsschriften entsprechen auch den strengsten Anforderungen des 
Fachmanns. Das erste Bändchen bietet den Text eines der ältesten ge¬ 
druckten Werke über Geburtshilfe und Frauenkrankheiten, welches unter 
dem Namen des Ortolff von Bayerland geht. Was den Autor anlangt, 
so ist die Forschung über ihn und seine Verfasserschaft noch nicht zum 
Abschluß gelangt, doch ist das Büchlein an sich höchst wichtig zur Be¬ 
urteilung der spätmittelalterlichen Gynäkologie. Sehr zweckmäßig finden 
wir es, daß der Herausgeber anhangsweise auch die gynäkologischen 
Abschnitte aus dem ebenfalls unter Ortolffs Namen laufenden Arzneibuche 
mitteilt. Der Faksimiledruck des ,,Frauenbüchleins“ (eine vom Heraus¬ 
geber der Kürze wegen gewählte Bezeichnung) ist nach dem einzig be¬ 
kannten Exemplar der Ausgabe vor 1500 hergestellt; von den zwei 
späteren Ausgaben aus dem Jahre 1525 sind die Titelbilder beigegeben. 
Die fachwissenschaftliche Besprechung des Frauenbüchleins, Literatur¬ 
angaben und schließlich eine für medizinische Leserkreise sehr wichtige 
Einführung in die Inkunabelkunde vervollständigen die vortreffliche Neu¬ 
edition. 

Das zweite Bändchen bringt den Faksimiledruck von Rösslins „Rosen¬ 
garten“, des ältesten gedruckten Lehrbuchs für Hebammen, für dessen 
Wert die etwa 100 sicher bekannten Ausgaben (inklusive der Über¬ 
setzungen ins Lateinische, Französische, Englische, Holländische, Spanische) 
sprechen. Rösslin wurde mit Recht als der „Hebammenlehrer Europas“ 
bezeichnet. Die vorliegende Reproduktion ist nach der Ausgabe vom 
Tahre 1513 hergestellt. Der Herausgeber erläutert das Verständnis des 
„Rosengartens“ durch die Lebensskizze des Verfassers sowie durch eine 
erschöpfende Abhandlung über Bedeutung und Quellen des Werkes und 
fügt ausführliche bibliographische und literarhistorische Angaben bei. 
Sehr wertvoll sind die angehängtenTitelbilder späterer Ausgaben, namentlich 
aber die sämtlichen Kindslagenbilder aus Cod. Monac. lat. 161, welch 
letztere die graphische und damit auch sachliche Kontinuität der mittel¬ 
alterlichen und antiken Geburtshilfe beweisen. 

Der dritte umfangreiche Band ist besonders zu rühmen, er enthält 
in prächtigem Neudruck die Wundarznei des trefflichen Straßburger 
Meisters Brunschwig, das älteste in deutscher Sprache gedruckte Lehr- 



Bogeng Taschenbuch 


111 


buch der Chirurgie, ein Werk, das nicht nur durch seinen Text, sondern 
auch durch seine Holzschnitte von hohem Interesse ist. Jeder Freund 
der Geschichte der Medizin, jeder Germanist, jeder Kultur- und Kunst¬ 
historiker wird seine helle Freude an dieser Neuausgabe haben, welche 
die Inkunabel so getreu wiedergibt, als käme sie eben aus Johann 
Grieningers weiland weitberühmter Offizin. Damit der Leser das Werk 
mit wirklichem Verständnis genießen kann, hat der Herausgeber wahrlich 
das Möglichste getan. Wir bemerken, daß sich über Brunschwig eine 
ganze Literartur entwickelt hat, und daß es erst vor kurzem Südhoff 
gelungen ist, manche Dunkelheiten, insbesondere bibliographischer Art, 
aufzuhellen. Für all dieses muß auf Kleins ausgezeichnete Erläuterungen 
verwiesen werden. Er erörtert der Reihe nach die fachwissenschaftliche 
Bedeutung des Werkes, die Biographie Brunschwigs, die Quellen seiner 
Chirurgie, seine übrigen Schriften bezw. deren Ausgaben, die wahrhaft 
köstlichen, kulturgeschichtlich wie künstlerisch so interessanten Holz¬ 
schnitte der Cirurgia, bezw. deren historischen Zusammenhang mit früheren 
oder späteren graphischen Darstellungen, endlich die kernige Sprache 
des alten Straßburger Wundarztes. Im Anhang von Kleins Neuausgabea 
findet sich noch ein reiches Material zu eingehenderen literatur- und 
kunsthistorischen Studien, so unter anderem Texte aus den deutschen 
anatomisch-chirurgischen Handschriften, chirurgisch-anatomische Illustra¬ 
tionen aus medizinischen Handschriften und Inkunabeln, Titelbätter von 
späteren Ausgaben der Cirurgia oder von anderen Schriften Brunschwigs, 
Textproben etc. Kurz eine Fülle von Stoff für vergleichende Beobach¬ 
tungen, bei denen nicht nur das wissenschaftliche Interesse, sondern auch 
das Auge des Kunstfreundes Befriedigung empfinden kann. 

Wenn die kommenden Ausgaben der Sammlung auf gleicher Höhe 
stehen, so dürfen sie wie die vorliegenden auf allseitige freundliche 
Aufnahme rechnen. 

yyj en Max Neuburger. 


Taschenbuch des Bücherfreundes für 1911. Dritter Jahrgang. Heraus¬ 
gegeben von G. A. E. Bogeng, Nikolassee bei Berlin, 1911, Max Horr- 
witz, III, 96 u. 160 S. m. 1 T. 

Vom Taschenbuch kommt in erster Linie das mit eigenem Titel 
und mit eigener Seitenzählung versehene: Jahrbuch für Bücherkunde 
und -Liebhaberei in Betracht. Die Zugaben von Loubier, Der Architekt 
Hans Griesebach als Bücherliebhaber und von Hottinger, Bücherauf¬ 
stellung in der Bibliothekarinnenschule sind nur zwei in größeren Typen 
(warum?) gedruckte Füllsel, das übrige wird durch den dritten Teil 
von Bogengs Umriß einer Fachkunde für Büchersammler eingenommen 

(S. 17_88). Daß dieser Umriß auf drei Jahrgänge verteilt ist, gereicht 

der Sache nicht zum Vorteil. Zahlreiche Hinweise von diesem dritten 
Teil auf die vorangehenden sind für den Besitzer nur des einen recht 
unbequem; das gute, auf S. 89—160 stehende Sachverzeichnis erstreckt 
sich gleichfalls über alle drei Teile. 





112 


Besprechungen — Bogeng, Taschenbuch 


Gegen andere, schon vorliegende Abrisse der Bücherkunde gehalten, 
hat das Buch seine Verzüge. In den engen Rahmen ist eine große 
Menge von Stoff gepreßt. Das Buch wendet sich an logisch sehr ge¬ 
schulte Leser und von der Höhe seiner sublimen Kenntnisse übersieht 
der Verfasser manchmal das recht abstrakte seiner Ausführungen (vgl. z. B. 
§ 786). Für die in Aussicht gestellte neue Ausgabe des Werkes wäre 
eine flüssigere Form, das Ausmerzen der vielen, stark nach dem Amts¬ 
stil schielenden und öfter recht unnötigen Einklammerungen, Schaffung 
gewisser augenfälliger Abschnitte mit eigenen Überschriften, Wahl einer 
größeren Type für den Text und anderer Satz für die Liieraturangaben 
zu wünschen. 

Einige Kapitel hätten eine erweiterte Darstellung verdient. So 
würde man dafür, daß in manchen venezianischen Drucken des 15. Jahr¬ 
hunderts das Typenmaterial mitten im Satz wechselt (S. 33) Hinweise 
und Beispiele erwarten, ebenso Belege für das S. 44 erwähnte gleich¬ 
zeitige Erscheinen einer Buchauflage bei scheinbar verschiedenen Ver¬ 
legern, eine genauere Bezeichnung des nicht eben gewöhnlichen Auktions¬ 
katalogs S. Smith, worin die ersten Caxtons erscheinen (S. 73) u. a. m. 
Eine geschichtliche Darstellung der Autorenhonorare und des Verleger¬ 
verdienstes (S. 49) dürfte wohl kaum zu leisten sein. Hatte der Verfasser 
vielleicht die Scheu, selbst in die (S. 75 erwähnten) Geheimnisse des Auk¬ 
tionsmarktes zu Nutz und Frommen der Käufer hineinzuleuchten? Das wäre 
gar nicht so übel. Experto crede Ruperto. Beachtenswert ist das Urteil 
über die Bodoni-Drucke (S. 54) und die Elzevirs (S. 71). Die Phrase 
der Buchhändlerkataloge ’exemplaire unique dans cette condition’ hält 
der Verfasser humorvoll für eine „Bezeichnung, die lediglich besagt, 
daß das Gewicht unnützer Beilagen dieses Exemplars sehr erheblich 
sei“. Daß er für das System der Präsenzbibliotheken eintritt, liest man 
S. 26 zwischen den Zeilen. Ganz schön; dann muß das aber auch eine 
Anstalt leisten können. Die meisten unserer Bibliotheken können es nicht. 

Vielleicht darf man auf einzelnes aufmerksam machen, das bei 
einer neuen Auflage berücksichtigt werden könnte. Unter die zur Zeit 
erscheinenden bibliographischen Zeitschriften sind S. 29 der Anzeiger 
für Bibliographie und das Serapeum hineingeraten. Daß Wien die erste 
öffentliche Bücherei seit 1448 besitze (S. 26), ist eine Fabel. Wirklicher 
Musiknotendruck ist schon 1476 durch Ulrich Han belegbar, nicht erst 
in Venedig 1498 (S. 34). In einem bibliographischen Werke nehmen sich 
Druckfehler, wie S. 38 Summa Astemis, S. 42 Pisanspi und S. 63 der 
englische Büchermarkt des 14. Jahrhunderts nicht gut aus. Ebenso nicht 
die Fassung des Buchtitels in § 795: J. P. Bergomensis, De Claris mulieri- 
bus. Im Index fällt u. a. auf Anti sigma (statt Antisigma), Antiphonie 
(statt Antiphon), Bibliopeie (? statt Bibliopöie), eine freilich auch in 
dieser Form im Griechischen nicht vorhandene Neubildung, die wohl 
ebenso wenig Bürgerrecht in unserem Wortvorrat finden sollte, wie die 
Stichwörter Ananym, Asterisnym, Demonym, Bibliothekographie, ferner 
Duerne, Triterne und Sestern (vgl. unter dem ersten Stichworte, S. 115) 
u. a. Das zweite i von Divis (S. 113) wäre wohl mit Akzent zu ver¬ 
sehen gewesen. Bei den Ausdrücken Maroquin und Saffian vermißt man 



V ereinsnachrichten 


113 


eine Begriffsbestimmung, die Stichwörter Ecrase und Cameo-Bände fehlen 
ganz (auf das letztere ist beim Stichwort Gemmen hingewiesen) u. a. m. 
Doch das alles sind Einzelheiten, auf die nicht viel ankommt. Im ganzen 
ist es ein interessantes, fleißig gearbeitetes, lesenswertes Buch, doch in 
der vorliegenden Fassung vielleicht mehr für den Bücherkenner ge¬ 
eignet, als für den, der es werden will. 

Wien. Th. Gottlieb. 


ÖSTERR. VEREIN FÜR BIBLIOTHEKSWESEN. 

AUSSCHUSZSITZUNG 

vom 20. Mai. Der Obmann teilt mit, daß er neuerlich mit Hrzan 
und Battisti im Unterrichtsministerium und im Finanzministerium 
in Angelegenheiten der Praktikantenfrage vorgesprochen hat. — 
Mayer berichtet über die Vorbereitungen zur Münchener Tagung. 
— Hrzan berichtet, daß das Unterrichtsministerium das Ansuchen 
um eine erhöhte Subvention abgelehnt und wie bisher K 800, die 
niederösterreichische Statthalterei dagegen die Subvention von K 100 
auf K 150 erhöht habe. — Bei der Auslosung der in diesem Jahre 
satzungsgemäß ausscheidenden Ausschußmitglieder trifft das Los 
Ebert, von Grienberger, Schilder und von Mzik. — Nach Festsetzung 
des Programmes für die Jahreshauptversammlung wird auf Antrag 
Mayers während seiner Beurlaubung Grolig mit der Redaktion der 
Vereinszeitschrift beauftragt. — Durch eine Rundfrage soll die 
Höhe der Auflage festgestellt werden, in der die Rangliste der 
österreichischen Bibliotheksbeamten gedruckt werden kann. 


ORDENTLICHE HAUPTVERSAMMLUNG AM 21. JUNI 1912 IM HÖR¬ 
SAAL 39 DER WIENER UNIVERSITÄT. 

Der Vorsitzende, Prof. Wolkan, eröffnet um 6 Uhr 30 Minuten 
nachmittags die Versammlung. — Anwesend 12 ordentliche Mitglieder. 
Im Einlauf befinden sich Begrüßungstelegramme des Vereins deutscher 
Bibliothekare und des Oberbibliothekars Dr. Friedrich Arnold Mayer. 

Der erste Schriftführer Dr. Schilder verliest das Protokoll der 
vorjährigen ordentlichen Hauptversammlung (Zs. II, 131 ff), das 
genehmigt wird und erstattet dann folgenden Bericht über die Vereins¬ 
tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre: 

Ebenso wie die berufliche Arbeit des einzelnen Bibliothekars sich 
still innerhalb der vier Wände seines Arbeitsraumes vollzieht, ist auch 
die Tätigkeit der Vereinigung der Bibliothekare Österreichs nicht von 
den lauten Posaunenstößen lind den lärmenden Tam-Tam-Schlägen der 
Reklame begleitet. Auch der Jahresbericht, den wir Ihnen heute vorzu¬ 
legen die Ehre haben, sieht daher von allen prunkenden Redekünsten 
ab und beschränkt sich lediglich auf einen kurzen Rückblick auf unsere 
Tätigkeit, über deren Einzelnheiten das Organ unseres Vereines bereits 
jeweilig berichtet hat. 








114 


Vereinsnachrichten 


Die Veränderungen in unserem Mitgliederstande sind aus naheliegenden 
Gründen keinen großen Schwankungen unterworfen. Die Zahl unserer 
Mitglieder hat aber im Laufe der letzten Jahre ständig zugenommen und 
beträgt gegenwärtig 190. Wir haben aber auch empfindliche Verluste 
erlitten durch das Hinscheiden des Direktors der Universitätsbibliothek 
in Innsbruck Dr. Anton Hittmair und des Oberbibliothekars an der tech¬ 
nischen Hochschule in Wien Johann Mayrhofer. Die Bedeutung der Da¬ 
hingegangenen für das Bibliothekswesen Österreichs ist in unserer Zeit¬ 
schrift (II, 134 und 180) in ausführlichen Nekrologen gewürdigt worden. 

Nach dem Ergebnis der Wahlen vom 17. Mai 1911 setzte sich der 
Vereinsausschuß aus folgenden Mitgliedern zusammen: Prof. Wolkan 
Obmann, Prof. Geyer Obmannstellvertreter, Ebert erster, von M2ik zweiter 
Schriftführer, Hrzan Kassier, Grolig Archivar und Konservator des Bi¬ 
bliotheksmuseums, Battisti, Bielohlawek, von Grienberger, Hanni, Kinter, 
Kuntze, Schilder, Tille und Tippmann. Oberbibliothekar Mayer führte 
die Redaktion der Zeitschrift. An Stelle Eberts trat im Oktober 1911 
der Berichterstatter; dem zurücktretenden Schriftführer sei auch an dieser 
Stelle unser verbindlichster Dank ausgesprochen. 

Wie bisher richtete der Ausschuß sein Hauptaugenmerk darauf, 
einerseits die Standesinteressen der Bibliotheksbeamten zu vertreten, 
anderseits auch die Angelegenheiten des Bibliothekswesens zu fördern. 
Aus Anlaß der Verhandlungen über die Dienstpragmatik der Staatsbeamten 
intervenierte der Obmann unseres Vereines wiederholt bei den ma߬ 
gebenden Stellen in den Ministerien und im Abgeordnetenhause und 
hatte als Präsident des Vereines der akademisch gebildeten Staatsbeamten 
Gelegenheit, die Interessen der Bibliotheksbeamten wahrzunehmen. Wurde 
auch wenig erreicht, so wurde doch entsprechend dem Wunsche der 
Praktikanten in die neue Dienstpragmatik der Passus aufgenommen, daß alle 
Praktikanten nach drei Jahren die zehnte Rangsklasse erlangen. Ebenso 
sprachen unter der Führung von Prof. Wolkan Deputationen von Prak¬ 
tikanten mehrmals im Unterrichts- und Finanzministerium vor. 

Die Rangliste befindet sich in Neubearbeitung und wird im Herbst 
im Druck erscheinen. 

Hinzuweisen ist endlich auch auf die im Oktober des Vorjahres 
erfolgte Regelung der Titelfrage der Beamten der Universitäts- und 
Studien- sowie der gleichgearteten wissenschaftlichen Bibliotheken. 

Neben diesen wichtigen Standesfragen beschäftigte den Verein das 
Problem einer Zeitungsbibliothek in Wien, das mit der Raumfrage der 
Universitätsbibliothek in engem Zusammenhang steht. Unser Obmann 
erstattete auch das Korreferat über die Wiener Bibliotheksverhältnisse in 
einer Versammlung des historischen Vereines. 

Da über die Zeitschrift von deren Redaktion ein besonderer Bericht 
erstattet wird, erübrigt noch ein Hinweis auf die Vorträge von Prof. 
Kohnstein über Büchereinbände und von Prof. Oberhummer über Ameri¬ 
kanische Bibliotheken, die beide einen zahlreichen Besuch aufwiesen. 
Bedeutungsvoll war die Teilnahme an dem Münchener Bibliothekartag, 
über den noch eingehend referiert werden wird. 



Hauptversammlung 


115 


Der Verein erhält nach wie vor Subventionen vom k. k. Ministerium 
für Kultus und Unterricht sowie von der k. k. niederösterreichischen 
Statthalterei und es wird auch an dieser Stelle diesen hohen Behörden 
der Dank ausgesprochen. 

Wenn der Vereinsausschuß am Schlüsse an Sie die Bitte richtet, 
unseren Jahresbericht zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, so glaubt er 
dies mit gutem Gewissen tun zu dürfen, da er überzeugt ist, der ihm 
obliegenden Aufgabe nach Kräften gerecht geworden zu sein. Er möchte 
aber noch einen Appell an sämtliche Vereinsmitglieder richten: Ein leb¬ 
hafteres Interesse an den Bestrebungen des Vereines zu betätigen und 
ihm diejenigen Kollegen, die dem Vereine immer noch ferne stehen, 
zuzuführen. Dann wird der Verein das erreichen, was er anstrebt: Eine 
Vertretung des gesamten Bibliothekarstandes in unserem Vaterland. 

In Vertretung des beurlaubten Redakteurs der Zeitschrift des 
Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen berichtet über diese 
Bibliothekar Grolig. 

Als einziges Fachorgan unseres Vaterlandes auf dem Gebiete des 
Bibliothekswesens, an dem alle österreichischen Bibliothekare ohne Unter¬ 
schied mitarbeiten, in erster Linie für Österreichische Leser berechnet, 
trägt die Zeitschrift der Bewegung auf dem Gebiete innerhalb dieses 
geographisch umgrenzten Gebietes vor allem Rechnung. Sie unterrichtet 
so aber auch das Ausland über die Vorgänge in Österreich und durch 
fortlaufende Berichte die österreichischen Leser über die Fremde. Ob¬ 
gleich keine hohen Honorare gezahlt werden können, hat die Redaktion 
hervorragende Fachleute als ständige Referenten und gelegentliche Mit¬ 
arbeiter zu gewinnen gewußt und ist so imstande, ein reiches und ab¬ 
wechslungsvolles Material, durchaus Originalarbeiten, zu bieten. Die Aner¬ 
kennung von Seite der fachmännischen Kritik ist auch nicht ausgeblieben 
und unsere Zeitschrift hat über die Grenzen Österreichs hinaus ihre 
zureichende Verbreitung gefunden. Trotz voller Inanspruchnahme der 
vorhandenen Subventionen reichen jedoch die zur Verfügung stehenden 
Mittel nicht zu, um auch eine weitere Ausgestaltuag durch Vermehrung 
des äußeren Umfanges zu ermöglichen. Und gerade dies ist dringend 
erwünscht, da die Veröffentlichung mancher wertvollen Arbeit infolge 
des Raummangels unmöglich ist oder doch nur in gekürzter Form er¬ 
folgen kann. Die Redaktion ersucht daher die Versammlung, ihr die für 
diese Erweiterung des Vereinsorganes notwendigen Mittel zur Verfügung 
zu stellen. 

Über das Bibliotheksmuseum berichtet dessen Konservator Grolig. 

Die Sammlung hat infolge Raummangels bisher nicht derartig 
aufgestellt werden können, daß ihre Bestände entsprechend zur Geltung 
kommen. Diese vermehren sich jedoch ständig durch Geschenke, unter 
denen besonders eine umfangreichere Zuwendung von Seite Dr. von 
Troll hervorzuheben ist, ferner Spenden von Dr. Ebert und Dr. Egger- 
Möllwald. Der Berichterstatter selbst war bemüht, durch Ersuchen an 
alle dafür in Betracht kommende Stellen, den Zuwachs zu vergrößern. 




116 


Vereinsnachrichten — Hauptversammlung 


Die Versammlung nimmt diese Berichte genehmigend zur Kennt¬ 
nis. Hierauf erstattet der Kassier Dr. Hrzan den Kassebericht über 


das Vereinsjahr 1914: 

Im Vereinsjahre 1911 wurden eingenommen: 

Mitgliederbeiträge.K 780.— 

Subvention des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht » 800.— 

Subvention der k. k. niederösterr. Statthalterei.» 100.— 

Zinsen der Postsparkasse.> 5.23 

Verkauf von 6 Exemplaren Weilen: Zur Wiener Theatcr- 

geschichte.» 8.64 

Dazu kam noch ein Kasserest am 1. Jänner 1911 von . . » 124.52 

ferner ein Darlehen der Herren Prof. Dr. Wolkan K 50, 

Dr. Galvagni K 200, Dr. Hrzan K 7.50. > 257.56 


K 2075.95 


Ausgaben: 


Subvention an Braumüller lür die Zeitschrift, inklusive Porti, 

für Jahrgang 1911.K 1228.38 

Buchdruckerei Kainz, inklusive der Schuld aus dem Jahre 1910 > 284.— 

Darlehenszurückzahlung aus dem Jahre 1910 an Prof. 

Dr. Wolkan, Dr. Mayer, Dr. Burger, Dr. Galvagni . . » 250.— 

Redaktionshonorar lür die Mitteilungen 1909/4 .> 75.— 

Kanzleiarbeiten, Postporti, Trinkgelder, Saalmiete.» 136.04 

K 1973.42 

Es ergibt sich daher für das Jahr 1911 ein Aktivsaldo von K 102.53 


dem durch das Darlehen der Herren Prof. Dr. Wolkan, 

Dr. Galvagni und Dr. Hrzan eine Schuld von . . . . K 257.56 
gegenübersteht, so daß am 1. Jänner 1912 ein Vermögens¬ 
defizit von.K 155.03 

bestand. 

Die Versammlung erteilt auch diesem, von den Kasserevisoren 
Reg.-Rat. Dr. Himmelbaur und Reg.-Rat J. Meyer geprüften Bericht 
Entlastung und schreitet hierauf zu den Neuwahlen für die satzungs¬ 
gemäß ausscheidenden Ausschußmitglieder (s. o. S. 113 ) Über Antrag 
Stockinger, dem sich auch Dr. Crüwell anschließt, werden per 
akklamationem gewählt: Ebert, Eichler, von Grienberger, von Mzik 
und Schilder. 

Prof. Wolkan berichtet nun über den Münchener Bibliothekar¬ 
tag (s. o. S. 76.) 

Hierauf stellt Stockinger den auch von Reg.-Rat Meyer befür¬ 
worteten Antrag auf Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von 4 auf 5 K, 
um die Zeitschrift des Vereines ausgestalten zu können. Doublier, 
der für den Antrag ist, will die Beschlußfassung einer besonderen 
Versammlung im Herbst Vorbehalten wissen, damit sämtliche Mit¬ 
glieder vorher davon in Kenntnis gesetzt werden können und Mi߬ 
deutungen vermieden werden. Damit ist die Versammlung einver¬ 
standen. — Doublier weist noch auf die (auch im Jahresberichte 















Personalnachrichten 


117 


erwähnte) Teilnahmslosigkeit der Mitglieder an den Vereinsversamm¬ 
lungen hin und regt die Veranstaltung von Besichtigungen an, von 
denen er eine regere Anteilnahme als bei den Vorträgen erwartet. 
Wolkan erwidert mit einem Hinweis auf die diesbezüglichen Be¬ 
mühungen des Ausschusses und die von ihm bereits getroffenen Vor¬ 
bereitungen für das kommende Vereinsjahr, dessen Hauptversamm¬ 
lung dank den Bemühungen von Prof. Dr. Schiffmann im Stift 
Kremsmünster wird abgehalten werden können. 

Schluß der Versammlung 7 V 4 Uhr. 


PERSONALNACHRICHTEN. 

Der Kaiser hat den Oberbibliothekar Privatdozenten Dr. Boleslaus 
Mankowski zum Direktor der Universitätsbibliothek in Lemberg, den 
Bibliothekar zweiter Klasse an der Universitätsbibliothek in Wien Privat¬ 
dozenten Dr. Heinr. Ritter von Srbik zum a. o. Universitätsprofessor in 
Graz zu ernennen und dem Bibliothekar und Vorstand der k. u. k. Fa- 
milienfideikommißbibliothek Dr. Franz Schnürer den Titel eines 
Direktors zu verleihen geruht. Der mit dem Titel und Charakter eines 
Oberbibliothekars bekleidete Bibliothekar erster Klasse an der Bibliothek der 
deutschen technischen Hochschule in Brünn Dr. Friedrich Baumhackl 
wurde ad personam in die siebente Rangsklasse der Staatsbeamten einge¬ 
reiht, dem Bibliothekar erster Klasse an der Universitätsbibliothek in Wien 
Dr. Michael Holzmann der Titel und Charakter eines Oberbibliothekars 
verliehen, der Bibliothekar zweiter Klasse Dr. Johann Lenarcic zum 
Bibliothekar erster Klasse bei der Bibliothek der technischen Hochschule 
in Wien, an der Universitätsbibliothek in Prag der Praktikant Dr. Wilhelm 
Wostry zum Bibliothekar zweiter Klasse, an der Universitätsbibliothek in 
Czernowitz Dr. Alois Je sing er zum Praktikanten, an der Universitäts¬ 
bibliothek in Lemberg Dr. Johann Wilusz zum Praktikanten ernannt. — 
An der Universitätsbibliothek in Czernowitz hat Direktor Dr. Joh. Polek 
um Übernahme in den dauernden Ruhestand angesucht und einen zwei¬ 
monatlichen Urlaub angetreten, die provisorische Leitung übernahm Ober¬ 
bibliothekar Prof. Dr. Th. R. von Grienberger. Der Bibliothekar Leo 
Winkler von Seefels wurde der Landesregierung in Czernowitz zur 
Dienstleistung zugewiesen, der Praktikant Dr. Elias Bacinschi an die 
Universitätsbibliothek in Wien, der Praktikant Dr. Ludwig Gaugusch an 
die Studienbibliothek in Olmütz transferiert. — Der Praktikant an der 
Universitätsbibliothek in Lemberg Dr. Johann Nowak hat sich an der 
Universität für Geologie und Paläontologie habilitiert. 

* * 

* 

Dem Vereine sind beigetreten: Edmund Ritter von Naganowski, 
Vorstand und Prof. Tadeusz Urbanski, Hilfsbibliothekar der Gräfl. 
Baworowski’schen Fundationsbibliothek in Lemberg, Dr. Friedr. Wilh. 
Rollig, Bibliothekar II. Kl. an der Universitätsbibliothek in Wien, Otto 
Joh. Stöckl, Stiftsbibliothekar in Wilten-Innsbruck, Dr. Karl Neuner, 

9 





118 


Personalnachrichten 


Praktikant an der Universitätsbibliothek in Innsbruck, Fräulein Dr. Th. 
Pupini, Hospitantin an der Hofbibliothek in Wien, Dr. Karl Rei chart, 
Bibliothekar II. Kl. an der Universitätsbibliothek in Innsbruck, Dr. Joh. 
W i 1 u s z, Praktikant an der Universitätsbibliothek in Lemberg. 


Direktor Prof. Dr. Alexander Semkowicz. 

Im Jänner 1912 trat der Vorstand der Lemberger Universitäts- 
Bibliothek nach Beendigung seiner vollen Dienstzeit, deren letzte 20 Jahre 
hindurch er die Direktorstelle inne hatte, von seinem geliebten Amte 
zurück. Den Scheidenden kann man als den Typus eines wissenschaft¬ 
lichen Bibliothekars der gediegensten Art bezeichnen, der auf dem 
gedeihlichen Boden eines gründlichen Gelehrten von breiten geistigen 
Horizonten gereift war. 

Im Jahre 1850 geboren, auf in- und ausländischen Universitäten 
als Historiker ausgebildet, erhielt Dr. Semkowicz 1884 an der Lemberger 
die venia legendi für allgemeine Geschichte, während er bereits vorher 
in der hiesigen Bibliothek die Bibliothekarslaufbahn angetreten hatte. Bei 
einer regen und, in einigen Werken, grundlegenden wissenschaftlichen 
Forscherarbeit, wirkte er auf dem Katheder acht Jahre hindurch mit 
Erfolg und Begeisterung. Er war Mitbegründer der Historischen Gesell¬ 
schaft in Lemberg, die hauptsächlich im Schosse der Universität entstand 
und besteht. 1889 wurde ihm der Titel eines a. o. Universitäts-Professors 
verliehen, und wiewohl er 1892 von der Lehrkanzel schied, blieb er 
seinem Fachstudium stets treu und förderlich. In Würdigung seiner wissen¬ 
schaftlichen Verdienste nahm ihn die Krakauer Akademie unter ihre 
korrespondierenden Mitglieder auf, während ihn der Historiker-Verein 
mit der Redaktion des ,,Kwartalnik historyczny“ der Standard-Publikation 
der polnischen Geschichtsforschung betraute, die er seit 1895 fast un¬ 
unterbrochen leitet. 

Sein Rücktritt vom Lehrstuhl fällt zeitlich mit seiner Ernennung 
zum Bibliotheksdirektor zusammen. Dr. Semkowicz führte ihn aus, durch¬ 
drungen von der Verantwortung und der Sorge um die Anstalt, deren 
Leitung er übernahm. Für die Bibliothek war der Entschluß des Direktors, 
seine Kräfte ungeteilt ihrem Wohl zu widmen von segensreicher Bedeu¬ 
tung, denn Reformen taten ihr not. 

Mit den Bedürfnissen der Institution aus langjähriger Erfahrung 
vertraut, hat sich Dr. Semkowicz einen Plan zur Vervollkommung der 
Bibliothek in allen ihren Teilen entworfen und setzte unentwegt seine 
Energie daran, das ihm vorschwebende Ziel zu erreichen. — Vor allem 
schritt der neue Direktor an die dringende Erweiterung des Wirkungs¬ 
kreises der Bibliothek durch Gewinnung eines reichlicheren Etats, sowie — 
und dies war das Wesentlichste — durch die Erhöhung des wissenschaft¬ 
lichen Gesichtspunktes bei der Versorgung der Anstalt mit neuen Werken. 
Die damaligen Sammlungen hielten inhaltlich den fortschreitenden An¬ 
sprüchen der Wissenschaften nicht mehr Stand. Dr. Semkowicz fühlte 
die Bedürfnisse der Universität in ihrer Entwicklung stets richtig heraus 
und kam ihnen während seiner ganzen Tätigkeit nach jeder Richtung 






Semkowicz 


119 


verständnisvoll und vorsorglich entgegen, indem er alle Wissenszweige 
beim Bücherankauf in gleichem und gebührendem Masse und auf die 
zutreffendste Weise berücksichtigte. Ganze wissenschaftliche Fächer 
mußten in der Bibliothek fast von Grund aus neu geschaffen werden, 
andere — wie z. B. die medizinischen, aus Anlaß der Kreierung der 
Fakultät (1894) — galt es geradezu aus dem Boden zu stampfen. Dr. 
Semkowicz besaß ferner das richtige Verständnis des innigen Zusammen¬ 
hanges der Bibliothek mit der Nation. Daraus entsprang der lebhafte und 
ausgedehnte Sammeleifer, den er an die Erwerbung und Gewinnung der 
handschriftlichen oder gedruckten Denkmäler des polnischen Schrifttums 
und der polnischen Geschichte wandte. Auf diesem — vorher vernach¬ 
lässigten — Gebiete leistete er wirklich Großes. Alles in allem waren 
die Resultate seiner emsigen Bemühungen um die rationelle Vermehrung 
und Pflege der Sammlungen von bestem Erfolge gekrönt. Denn heute 
stellen sich diese — von Dr. Semkowicz um zirka 105.000 Bände, 
500 Handschriften und 635 Faszikeln Archivalien bereichert — nach 
jeder Richtung hin ernst, wertvoll und geschlossen dar. — In den Vorder¬ 
grund seiner Aufgaben stellte Direktor Semkowicz ferner die Erreichung 
eines eigenen Bibliotheksgebäudes, als der grundlegendsten Lebensbedin¬ 
gung für die Anstalt, die, in der zweckwidrigsten Art untergebracht, 
mit Platzmangel für Bücher- und Leseräume kämpfte. Und nur seinen 
beharrlichen Bemühungen hat es die Anstalt zu danken, daß der Neubau 
nicht im Bereiche der frommen Wünsche geblieben ist, sondern als das 
Lebenswerk des Direktors dasteht, von tiefgreifendster Bedeutung für die 
Entwicklungsfähigkeit und Erweiterung des Einflusses der Anstalt und 
zugleich das erste eigens für Bibliothekszwecke errichtete Gebäude in 
den polnischen Landen. Der Einzug der nach modernen Prinzipien voll¬ 
ständig reorganisierten Bibliothek in das neue Heim bildete den Ausgangs¬ 
punkt einer neuen Epoche ihres Bestandes: der einer ungeahnten gedeih¬ 
lichen Entwicklung. Bildete die Dekoration mit dem Orden der Eisernen 
Krone III. Kl. nach außen hin eine Auszeichnung der Verdienste des 
Direktors, so war die Überzeugung, daß nun die Bibliothek die Aufgaben 
wird erfüllen können, die ihr sein fortschrittlicher Sinn vorgezeichnet 
hat, seine innere Genugtuung. Seiner Auffassung dieser Seiite der Bi- 
biothekstätigkeit gab er in der frischen und tiefen Rede Ausdruck, die 
er bei der feierlichen Eröffnung des neuen Gebäudes 1905 hielt, und 
pointierte sie im Schlußsätze. ,,Wer immer — heißt es im polnischen 
Original — über die Schwelle dieses schönen Saales tritt, möge überzeugt 
sein, daß er hier herzliche Gastfreundschaft und alle möglichen Er¬ 
leichterungen und Informationen von denen erfahren wird, denen die Obhut 
über diese Schätze des menschlichen Geistes anvertraut ist“. Schon diese 
wenigen Worte lassen ein tiefes Programm erkennen, wie es nur ein wahrer 
Mann der Wissenschaft aufstellen konnte. Die Wissenschaft gilt ihm als das 
höchste, erstrebenswerte Ziel des Menschen. Sie bildet die ideale Seite des 
Lebens und stellt eine große Macht der Gesellschaft und des Volkes dar. Es 
sollen ihr daher gewissenhafte Jünger gewonnen und ausgebildet werden, je 
zahlreicher desto vorteilhafter, denen ihre Geistesarbeit durch Beistellung 
der Materialien zu ernsten Studien erleichtert werden soll. Und gerade 

9* 



120 


Semkowicz — Nekrolog 


in diesem Punkte wollte Dr. Semkowicz die Bibliothek in den Dienst 
der Gesellschaft und des Wissens stellen, da ohne eine gut versorgte 
Bücherei die heimischen Gelehrten ihre höchsten Aufgaben nicht erfüllen 
könnten und die Universität nicht den Herd des geistigen Lebens im 
Lande zu bilden vermöchte. Der schöne Anteil der Bibliothek an der 
Entwicklung der heimatlichen Kultur und Wissenschaft ist es, berufene 
Mittlerin zwischen fremdem und nationalem geistigen Gut zu sein, um 
dadurch das letzte zu befruchten. 

Damit aber die Bibliothek zur Pflanzerin des Samens geistiger 
Interessen werde, öffnete Direktor Semkowicz der studierenden Welt 
freigebigst Tür und Tor zu den angesammelten Geistesschätzen. Auch 
war es sein steter Wunsch, dem arbeitenden Publikum zuverlässige Weg¬ 
weiser durch die hiesigen Sammlungen geben zu können in der Gestalt 
von Katalogen der modernsten Art. Und wenn auch der Mangel an 
Arbeitskräften die Inangriffnahme dieses Vorhabens bisher gehindert hat, 
so hat Dr. Semkowicz die Realisierung dieses Gedankens beim Abschiede 
den Beamten als sein Vermächtnis empfohlen. — Der Vorstand legte 
großes Gewicht darauf, daß seine Auffassung der Aufgaben der Bibliothek 
und des Bibliothekars auch die seiner Mitarbeiter werde. Daher verlangte 
er von diesen, daß sie gestützt auf eigene, tüchtige, sich stets betätigende 
und erneuende Fachbildung, sowie auf die Kenntnis der Bibliographie 
aller Wissenszweige, bereitwillige Berater und Helfer fremder wissen¬ 
schaftlicher Arbeit wären. Eifer, Pünklichkeit und Gründlichkeit, sowie 
Vorliebe fürs Fach stellte er als weitere Kardinaltugenden eines Biblio¬ 
thekars hin, die er vom Personale entschieden verlangte. Bureaukratische 
Schreibseligkeit und oberflächliche Phrasenhaftigkeit waren ihm ein Greuel. 
Durch diese hohe Auffassung des Faches hob er das lange darnieder¬ 
liegende Ansehen des Standes. Warm und in selbstloser Weise lag 
ihm auch das materielle Wohl der Beamten am Herzen. 

Seine Entschiedenheit in den Ansichten und Forderungen paarte 
sich mit feiner gesellschaftlicher Sitte, mit einsichtsvoller Milde, Gerechtig¬ 
keit und, vor allem, mit einer Aufrichtigkeit, die keine Hinterhalte oder 
Wankelworte kannte. Daher durfte das amtliche Verhältnis des Direktors 
zu seinen Mitarbeitern als gewogene Freundschaft gefühlt und bezeichnet 
werden, die von diesen mit vollstem Zutrauen, Hochachtung und Anhäng¬ 
lichkeit beantwortet wurde. Und diese Gefühle werden die Trennung 
von der gemeinsamen Werkstatt in ungeänderter Innigkeit bei weitem 
überdauern. 

Denn es möge gestattet sein, die Hoffnung auszusprechen, daß der 
Zurücktretende sein Verhältnis zur Bibliothek und insbesondere zur 
Universität nicht lösen wird, mit der ihn stets herzliche Bande des besten 
Einvernehmens und die Achtung des Professorenkörpers verknüpft haben. 
Dazu verlangt auch die vaterländische Wissenschaft die Mitarbeiterschaft 
des gelehrten Mannes, der ihr stets ein tiefer und gewissenhafter Förderer 
gewesen ist, obwohl er in seiner Schlichtheit nie nach einem ausge¬ 
dehnten Ruf dieser Arbeit haschte. 

Lemberg. 


Rudolf Kotula. 





Lipiner 


121 


NEKROLOG. 

Siegfried Lipiner f. 

Am 30. Dezember 1911 starb nach einem langen, überaus qual¬ 
vollen Leiden Dr. Siegfried Lipiner, der Direktor der Bibliothek des 
österreichischen Reichsrates. Nur wegen dieser seiner amtlichen Eigen¬ 
schaft nahmen die Wiener Tagesblätter von diesem Tode Kenntnis in 
ihren Personalnachrichten. Eine Ausnahme machte nur die ,,Arbeiter¬ 
zeitung“, in der im Feuilleton (1912 Nr. 10) Dr. J. Bach eine Würdi¬ 
gung des Verstorbenen versuchte. Von sonstigen Äußerungen in der 
periodischen Presse ist mir bloß zu Gesicht gekommen eine kurze Notiz 
in der „Zeitschrift für Bücherfreunde“, und eine von Professor Natorp 
im „Kunstwart“, die von Proben seiner Dichtungen begleitet war. 

Die Tatsache, daß der Tod Lipiners so wenig Nachhall gefunden 
hat, ist recht merkwürdig, auch wenn man selbst darauf hinweisen sollte, 
daß er dreißig Jahre fast vollständig geschwiegen hat. Selbständige Werke 
in Buchform hat er drei veröffentlicht, die sämtlich im Verlage von 
Breitkopf und Härtel erschienen sind, u. zw.: Der entfesselte Prometheus. 
Eine Dichtung in fünf Gesängen (1876). Renatus. Epische Dichtung (1878). 
Buch der Freude (1880). Diese letzte eine Sammlung lyrischer Ge¬ 
dichte. Zu diesen selbständigen Veröffentlichungen wäre noch zu zählen 
Über die Elemente einer Erneuerung religiöser Ideen. Vortrag, gehalten 
im Leseverein deutscher Studenten Wiens, am 19. Februar 1878. Im 
Selbstverlag des Vorstandes des Lesevereins der deutschen Studenten 
Wiens, 1878. Im Jahre 1880 erschienen von ihm in der Wiener „Deut¬ 
schen Zeitung“ eine Reihe von Aufsätzen, die meines Erinnerns nicht ge¬ 
zeichnet waren. Im Jahre 1882 erschien die deutsche Übersetzung von 
Adam Mickiewicz Pan Thaddäus oder der letzte Einritt in Lithauen, 
(2. Aufl. 1898). Im selben Jahre ein Fragment: Bruder Rausch, eine epische 
Dichtung, im deutschen Dichterbuch aus Österreich (herausgegeben von 
K. E. Franzos). Im Jahre 1886 Merlin, Operndichtung in drei Akten, Musik 
von Karl Goldmark. 1887 die deutsche Übertragung der Totenfeier (Dziady) 
von Adam Mickiewicz. 1905 Der Faris (Wüstenreiter) in der Österr.-un¬ 
garischen Revue. 

Von diesen Werken hat das erste, der Prometheus, bedeutendes Auf¬ 
sehen erregt. Der Professor der Philosophie an der Wiener Universität, Ro¬ 
bert Zimmermann, äußerte sich über dieses Werk in überschwenglicher Weise. 
Nietzsche schrieb über diese Dichtung an Rhode: „Ganz neuerdings erst 
erlebte ich durch den ,Entfesselten Prometheus' einen wahren Weihetag. 
Wenn der Dichter nicht ein veritables ,Genie' ist, so weiß ich nicht 
mehr, was eines ist: alles ist wunderbar, und mir ist, als ob ich meinem 
erhöhten und verhimmlischten Selbst begegne. Ich beuge mich tief vor 
einem, der so etwas in sich erleben und herausstellen kann.“ 

Es ist hier nicht der Ort, auf eine ausführlichere Würdigung seiner 
selbständigen Werke einzugehen. Nur so viel sei bemerkt, daß die Über¬ 
setzungen aus dem Polnischen sehr gerühmt werden. Jedenfalls lesen sie 
sich wie Originale. 

Die polnische Sprache beherrschte er von Kindheit an. Er war am 
24. Oktober 1856 in Jaroslau in Galizien geboren und kam im 6. Jahre 



122 


Nekrolog 


nach Tarnow, wo er auch die ersten Klassen des Gymnasiums besuchte. 
Als er dreizehn Jahre alt war, kam er nach Wien, wo er am Leopold¬ 
städter Gymnasium weiter studierte. Am Ende der siebenten Klasse 
machte der Lehrkörper ein Gesuch an das Unterrichtsministerium, es 
möge gestatten, daß der Schüler Lipiner sofort zur Reifeprüfung zu¬ 
gelassen werde. Das Ministerium willfahrte dem Gesuche nicht. Die Lehrer 
des jungen Schülers waren sich darüber längst nicht mehr im Zweifel, 
daß er nicht nur die Lehrgegenstände des Gymnasiums vollständig inne 
hatte, sondern daß sich seine Kenntnisse weit über sie hinaus erstreckten. 
Dabei mußte der gänzlich mittellose Jüngling Erwerb durch Privatunter¬ 
richt suchen. Er studierte auf den Universitäten Wien, Leipzig, Straßburg 
und Jena. Obwohl ihn seine Befähigung zumeist auf philosophische 
Studien verwies, arbeitete er doch und nicht nur nebenbei in allen 
möglichen anderen Wissenszweigen. Immer aber sind Philosophie und 
Theologie die von ihm bevorzugten Gebiete gewesen. Wo er hinkam, 
wurde er immer und sofort von den bedeutendsten Männern als eine 
ungewöhnliche Erscheinung erkannt. In Leipzig erregte er die Auf¬ 
merksamkeit Fechners, der ihn des intimsten Umgangs würdigte und in 
vielfachen persönlichen Berührungen mit ihm philosophische Gegenstände 
erörterte. In Jena machte er die persönliche Bekanntschaft Erwin Rhodes. 
Sein Prometheus machte Richard Wagner auf ihn aufmerksam und ver- 
anlaßte diesen, ihn zu sich nach Bayreuth in die Villa Wahnfried ein¬ 
zuladen, wo er längere Zeit als gerne festgehaltener Gast verweilte. 

Ich lernte ihn ungefähr um die Mitte der Siebzigerjahre kennen und 
bin seitdem bis in die letzten Jahre, wo der persönliche Verkehr in¬ 
folge seiner Erkrankung nur mehr sehr gering war, in beständiger und 
ungetrübter Beziehung gestanden. An einem Vortragsabend des Lese¬ 
vereines der deutschen Studenten Wiens, in dem Dr. Paneth über Nietzsches 
unzeitgemäße Betrachtung: ,,Über den Nutzen und Nachteil der Historie“ als 
Referent und Dr. Viktor Adler als Korreferent sprachen, meldete sich in 
der Debatte ein ganz junger und unansehnlicher junger Mann zu Worte, der 
sofort durch die suggestive Kraft seiner Worte die ganze Zuhörerschaft fesselte. 
Wenige Tage später las er uns in kleinerem Kreise ein vollständig fertiges 
Drama ,,Arnold von Brescia“ vor. Er trat in einen damals schon lange 
fortbestehenden Kreis von Studenten ein, dessen Kern aus Gymnasial- 
freunden bestand, denen sich andere Elemente anschlossen. Dauernd 
oder zeitweise, gleich anfangs oder später gehörten zu diesem Kreise 
eine Reihe von jungen Leuten, deren Namen heute bekannt oder be¬ 
rühmt geworden sind. Zu einer Zeit, in der der Name Nietzsche 
noch nicht allgemein geläufig war, beschäftigte sich dieser Kreis mit 
dessen eben erschienenen „Unzeitgemäßen Betrachtungen“. Im Namen 
dieses Kreises schrieb Lipiner an Nietzsche, was Bernoulli zu der mi߬ 
verständlichen Bemerkung von einem Nietzscheverein in Wien veranlaßte. 
Ebenso wurden in diesem Kreise die damals in kleinen Heften er¬ 
scheinenden Aufsätze Paul de Lagardes, die später als „Deutsche Schriften“ 
gesammelt erschienen, lebhaft erörtert. Es darf wohl gesagt werden, daß 
jener Kreis damals in der Wiener Studentenschaft ein geistig lebendiger 
Mittelpunkt einziger Art war. 



Lipiner 


123 


Wir alle fühlten die ganz ungemeine geistige Begabung des Jünglings 
Lipiner und seine unleugbare geistige Überlegenheit. Wir alle glaubten 
an eine große Zukunft für ihn und meinten nach dem Erscheinen des Prome¬ 
theus, daß diese Zukunft auf dichterischem Gebiete liege. Ich für meine 
Person bekenne, daß ich in meinem langen Leben vielen sehr begabten, 
sehr gescheiten Leuten begegnet bin, daß Siegfried Lipiner aber die 
größte Intelligenz war, die mir je untergekommen ist. Er hatte nicht 
nur den bei Juden so häufig zu beobachtenden Scharfsinn, sondern auch 
jenen Tiefsinn, der immer ins Innerste der Dinge eindringt. Dabei war 
die Fülle seines Wissens geradezu staunenswert und sie wuchs beständig. 

Als er von ungefähr 1877 an dauernd in Wien war, schienen sich 
seine materiellen Verhältnisse wenig erfreulich gestalten zu wollen. Ihn 
der Sorgen um die tägliche Not zu entheben, bemühten sich manche 
und man war wohl der Meinung, ihm eine Art Ruheposten zu ver¬ 
schaffen, der ihm Muße zur geistigen Produktion geben sollte, als man 
ihn 1881 zum Bibliothekar des Reichsrates ernannte. Aber er selbst 
faßte seine Stellung durchaus nicht so auf. Um zu ermessen, was für 
eine Arbeit Lipiner als Bibliothekar geleistet hat, muß man den Katalog 
zur Hand nehmen, der die Bücherschätze der Parlamentsbibliothek zu 
der Zeit verzeichnete, als Lipiner die Bibliothek übernahm und muß ihn 
mit dem heutigen Kataloge vergleichen. Ein armseligerer Bücher¬ 
bestand als ihn jener alte Katalog aufweist, läßt sich wohl kaum denken. 
Es war einfach eine Schande. Im Verlaufe von ganz wenigen Jahren 
trat völliger Wandel ein. Wohl läßt sich auch heute die österreichische 
Parlamentsbibliothek mit der z. B. des Deutschen Reichstages nicht ver¬ 
gleichen. Das ist aber nicht Lipiners Schuld, sondern Schuld der 
mageren Mittel, die dem Bibliothekar zur Verfügung gestellt werden. 
Aber innerhalb seiner Mittel hat Lipiner die Bibliothek würdig her¬ 
gestellt und im wesentlichen, wenigstens was die leitenden Gesichts¬ 
punkte anlangt, durch seine oberste Leitung allein. Er fühlte das Be¬ 
dürfnis, nicht nur ein totes Verwaltungsorgan zu sein, sondern er 
suchte sich zum lebendigen Beherrscher des sachlichen Inhaltes der 
Büchermassen zu machen. Seine Universalität machte er der Sache der 
Bibliothek dienstbar und er hielt es für seine Pflicht, allen denen, die 
die Bibliothek benützen wollten, ein sicherer Führer zu sein. Und so 
wenig kongenial ihm vielleicht gewisse Wissenszweige waren: man konnte 
bei ihm nicht bloß erfahren, wo etwas Wissenswertes über einen juristi¬ 
schen Gegenstand zu finden sei, er wußte in der Regel selbst ziemlich 
viel, oft mehr von dem Gegenstände, als der fragende Sachverständige 
selbst. Das sogar auf Gebieten, wo man es gar nicht vermutete, sagen 
wir etwa in Steuersachen. Dagegen war er in allen Gegenständen der 
Sozialpolitik z. B. durchaus Sachverständiger. In den Dingen der Kunst, 
der Philosophie und der christlichen Theologie war er ein bewunderns¬ 
werter Gelehrter. Aber nicht bloß ein solcher, der um die Dinge wußte. 
Er erhob sich über sie durch selbständiges Denken. Wer ihn oft 
stundenlang über einen solchen Gegenstand hat reden hören, der konnte 
nicht leicht entscheiden, was größer an ihm sei: Die Summe des frucht¬ 
baren Wissens oder die Fülle eigener Gedanken. Er war ein überzeugter 




124 


Nekrolog — Lipiner 


Christ, freilich nicht im kirchlichen Sinne. Er hat sich tauten lassen, 
trat aber zum evangelischen Protestantismus über, denn den Katholizismus 
als Christentum anzuerkennen, hätte er sich nie entschließen können. 

Aber so sehr konnte ihn sein Beruf doch nicht in Anspruch nehmen, 
daß er sich völlig der Produktion enthalten hätte. Das war auch nicht 
der Fall. Weder der Beruf, noch die im engsten Kreise gepflegte Ge¬ 
selligkeit, die ihn dazu verleitete, sich geistig voll und rücksichtslos 
auszugeben, verhinderte ihn an immer erneuter ausgedehnter Produktion. 
Daß er nichts hat drucken lassen, ist freilich eine merkwürdige Sache. 
Wie ich höre, wird aus seinem Nachlasse zur Herausgabe einiges vor¬ 
bereitet: Gedichte, zwei Dramen („Adam“ u. „Hippolytos“), Homun- 
culus, eine Studie über Faust und die Philosophie Goethes und einige 
Dramen aus früherer Zeit. Aber geschrieben hat er viel mehr. Das weiß 
ich. Denn er hat mir aus vielen Manuskripten vieles vorgelesen und ich 
habe dabei viele und dicke Stöße fertiger Manuskripte gesehen. 
Manche seiner intimsten Freunde glauben, daß er die Herausgabe seiner 
Schöpfungen unterlassen habe, weil sie in die Zeit und ihre Strömungen 
nicht paßten, weil sie nur für wenige verständlich seien. Dieser Meinung 
nun bin ich nicht. Er war zweifellos ein schöpferischer Denker. Wohl 
hatte er auch dichterische Kraft in hinlänglichem Maße, um seine Ge¬ 
danken in umittelbar poetischer Form darzustellen und die formale Seite, 
die dichterische Sprache, beherrschte er überlegen. Was er aber mit 
sehnender Seele zu haben wünschte und was ihm nicht gegeben war, 
das war die Kraft der Gestaltung. Er konnte es mir nie vergessen, daß 
ich ihm einmal sagte, er sei durchaus ein kritischer Kopf. Nach 
Jahren, nachdem ich diesen Ausspruch getan, kam er immer wieder 
auf ihn zurück, um mir zu beweisen, daß ich Unrecht habe. Die goe- 
thische Naivität des Künstlers wollte er haben und glaubte er zu haben. 
Und wenn er so vieles von dem, was er niedergeschrieben hat, wieder 
vernichtete, so geschah es wohl deswegen, weil sein kritischer Ver¬ 
stand zu groß und ehrlich war, um ihn nicht erkennen zu lassen, daß 
das fertige Produkt nicht den ursprünglichen Absichten entsprach. Daß 
er den „Homunculus“, von dem er mir ganze Partien vorgelesen hat, 
nicht hat drucken lassen, ist mir ganz unverständlich. Diese Schrift wird 
gewiß Aufsehen erregen. 

Die Redlichkeit zwingt mich, dies niederzuschreiben und darauf zu 
verweisen, daß sein Stillschweigen doch in einer gewissen Schwäche der 
Eitelkeit gelegen war, die ihn fürchten ließ, ohne Anerkennung zu 
bleiben. Denn ohne Schwächen war auch er nicht. Eine Außerachtlassung 
hätte er schwer ertragen. Sein Selbstbewußtsein war hochgespannt und 
nicht ohne Tyrannei. Er verlangte Unterwerfung. Dann freilich war er der 
liebenswürdigste aufopferndste Freund, wie er denn als Mensch voll Mit¬ 
leid und Güte war. 

Wie schon erwähnt, ist die Herausgabe seines Nachlasses oder 
wenigstens eines Teiles desselben geplant. Wäre es nicht möglich, daß 
bei dieser Gelegenheit statt des bloßen Nachlasses eine Gesamtausgabe 
seiner Schriften veranlaßt würde? Auf jeden Fall wäre es sehr wünschens¬ 
wert, daß das Andenken an diesen Mann auch literarisch erneuert würde. 



Kleine Notizen 


125 


Sein langjähriger treuer Freund Dr. Albert Spiegler sollte auch seine 
Biographie schreiben und sie der Ausgabe entweder der Gesamtwerke 
oder des Nachlasses beifügen. S. Lipiner war eine zu sonderbare und 
zu merkwürdige Erscheinung, als daß sie nicht in würdiger Weise der 
Nachwelt überliefert werden sollte. Er würde es verdienen, aus dem jetzt 
recht eng gewordenen Kreise derer heraus, die ihn persönlich gekannt 
und geschätzt haben, oder die seine Sachen gelesen haben, wieder an 
die Öffentlichkeit zu treten. 

Wien. E. Pernerstorfer. 


KLEINE NOTIZEN. 

Die im ersten Hefte des laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift 
(S. 23 ff.) besprochene Einrichtung einer dem Publikum direkt zugäng¬ 
lichen Handbibliothek im Lesesaal der Bibliothek der deutschen techni¬ 
schen Hochschule in Brünn ist kein Experiment. An der Prager 
Universitätsbibliothek besteht diese Einrichtung seit beinahe 15 Jahren 
und man hat an derselben diesbezüglich die besten Erfahrungen ge¬ 
macht. Die alljährlich eintretenden Verluste sind sehr gering und im 
Verhältnisse zu der durch diese Einrichtung ermöglichten Ersparung an 
Dienerarbeit überhaupt nicht nennenswert. Allerdings ist, wie ja auch 
der oben zitierte Aufsatz hervorhebt, die strengste Kontrolle beim Saalaus¬ 
gang, eine ins Auge fallende Sonderbezeichnung der in die Hand¬ 
bibliothek eingereihten Bücher und eine strenge, so oft als möglich 
regelmäßig zu wiederholende Revision des Bestandes der Handbibliothek 
erste und wichtigste Voraussetzung der Einrichtung. Kukula. 

Im Jahre 1914 findet eine Internationale Ausstellung für Buch¬ 
gewerbe und Graphik in Leipzig statt, deren XIV. Gruppe nachstehende 
Klassen aufweist: 51: Bibliothekseinrichtungen, — Pläne und — An¬ 
sichten, — Möbel, — Kataloge usw. 52: Volksbibliotheken und Lese¬ 
hallen. 53: Bibliographie. Organisation der geistigen Arbeit. 54: Lieb¬ 
haberdrucke. 55 : Ex libris. — Gruppe XI ist der Buchbinderei, Gruppe 
XIII dem Zeitungswesen gewidmet. Die 15. Versammlung des Vereines 
Deutscher Bibliothekare wird aus Anlaß dieser Ausstellung in Leipzig 
stattfinden. 

Die bisherigen photomechanischen Verfahren zur Herstellung von 
Faksimilereproduktionen seltener Drucke u. dgl. sind teils kostspielig 
wegen der für die Negative erforderlichen, mitunter sehr großen Glas¬ 
platten, teils langwierig wegen der verschiedenen Übertragungen, welche 
notwendig sind, um das Druckbild auf die Druckplatte zu bringen. Der 
Manuldruck — eine Erfindung von F. Ullmann in Zwickau, Sachsen, 
ermöglicht nun die Herstellung der erforderlichen Druckformen durch 
direkte Belichtung in der photographischen Kamera, derart, daß die zu 
reproduzierende Buchseite direkt mittels Objektiv und Kamera auf der 
Druckplatte aufgenommen wird, die mit einer lichtempfindlichen Schicht 
überzogen ist. Die Platte wird nach der Belichtung in bekannter Weise 
entwickelt und dient dann selbst als Druckform. Eine Reihe von Faksimile¬ 
reproduktionen, die nach diesem Verfahren hergestellt sind, zeigen die 





126 


Kleine Notizen 


ganz besonderen Vorzüge dieser direkten Vervielfältigung, die auch für 
die Wiedergabe von Holzschnitten, Stahl- und Kupferstichen in gleicher 
Weise anwendbar ist wie für den Neudruck alter Werke, deren Typen 
ungleich schärfer wiedergegeben werden, als nach den bisherigen anastati¬ 
schen Verfahren. U. a. sind die Zwickauer Faksimiledrücke (Beham: Holz¬ 
schnitte zum alten Testament, Murner: Mühle von Schwindelsheim, Män: 
Leiden Jesu und die beiden Holztafeldrucke (Ars moriendi und Canticum 
canticorum) nach diesem Verfahren hergestellt. 

Mit der Frage der Erhaltung morscher Papiere und den für diesen 
Zweck vorgeschlagenen Verfahren hat sich das kgl. Materialprüfungsamt 
zu Groß-Lichterfelde seit längerer Zeit eingehend beschäftigt. Es hat 
sich herausgestellt, daß gegen das zurzeit vielfach benutzte Zapon-Ver- 
fahren mancherlei einzuwenden ist. Bei dem Suchen nach einem ge¬ 
eigneten Ersatzmittel wurde im Cellit, einem Zelluloseazetat ein, wie es 
scheint, brauchbarer Stoff gefunden; von einigen Stellen liegen bereits 
Äußerungen über gute Erfahrungen vor. 

Ein Antrag des Abgeordneten Dr. Angerer im kärntnerischen Land¬ 
tag (am 30. Jänner 1912) auf Wiederzuerkennung der Portojreiheit bei 
der Benützung der k. k. Studienbibliotheken durch die Leitungen der 
öffentlichen Schulen und Pfarrämter gab dem Antragsteller Anlaß, die 
Aufgabe der Studienbibliotheken als öffentliche Bildungsanstalten und 
Kulturinstitute in treffender und sachkundiger Weise eingehend darzu¬ 
stellen. Ein Thema, auf das wir noch Gelegenheit haben werden, zurück¬ 
zukommen. 

Nebst anderen Bruchstücken von Handschriften, die als Einband 
benützt wurden, erhielt ich von der Klosterbibliothek Braunau ein Frag¬ 
ment, das als Dantehandschrift eine größere Bedeutung besitzt. Es 
handelt sich um ein beschädigtes Bruchstück aus dem XVII. Gesang 
des Inferno. Die vordere Seite enthält die Verse 47—67, die Rückseite 
die Verse 97—99; sie beginnt mit Vers 79, doch sind die Verse bis 
97 wegen Benützung der Handschrift als Einband stark verwischt und 
nur stellenweise lesbar. Die Schrift stammt aus der ersten Hälfte des 
XV. Jahrhunderts, der Abschreiber war ein Italiener. Textlich liefert 
das Fragment eine philologisch bedeutende Variante. Auf der ersten 
Seite fehlen noch 12 Verse (67—79): das Blatt dürfte eine Länge von 
24 — 25 cm gehabt haben. 

Dozent Dr. Carlo Battisti. 


ZUR BEACHTUNG. 

Wir gedenken im Anschluß an unsere Bibliographie am Schlüsse 
jeden Jahres eine Übersicht über die literarische Tätigkeit der öster¬ 
reichischen, eventuell auch der ungarischen Bibliothekare zu geben und 
bitten die Kollegen, uns jeweils durch Einsendung der einschlägigen 
Nachweise zu unterstützen. Eine solche Liste wird zum erstenmal das 
Schlußheft des dritten lahrganges bringen (über das Jahr 1912, allen¬ 
falls auch 1911). 






ZEITSCHRIFT 

DES ÖSTERREICHISCHEN VEREINES FÜR 

BIBLIOTHEKSWESEN 

N. F. DER „MITTEILUNGEN“ DES VEREINES. 


III. JAHRG. (GANZER REIHE XVI.) HEFT 3 SEPTEMBER 1912 

DAS „MEISTERBUCH“ DER OLMUTZER STUDIENBIBLIOTHEK. 

Von W. Müller. 

Die nachstehenden Zeilen über die von Dr. Karl Schmidt als 
Meisterhuch in die Literatur eingeführte Handschrift kommen ein 
wenig post festum, denn die Taulerfrage, welche die germanistische 
Wissenschaft seit einem halben Jahrhunderte vielfach beschäftigte 
und zu deren Lösung die in Olmütz aufbewahrte Handschrift allen¬ 
falls hätte beitragen können, ist durch die Veröffentlichungen 
Spaniers 1 ) und Rieders 2 ) nunmehr definitiv in Ordnung gebracht. 

Ich glaube trotzdem auf die Handschrift aufmerksam machen 
zu sollen, weil sie sich von allen anderen bis jetzt bekannten Hand¬ 
schriften durch die Verlegung der Bekehrung des Meisters in das 
Jahr 1446 unterscheidet. Die bisher maßgebenden Handschriften, 
insbesondere die der königl. Landesbibliothek in Stuttgart, dann die 
der Stadtbibliothek in Nürnberg und die ehemals dem Stifte Kloster¬ 
neuburg, derzeit der Universitätsbibliothek in Straßburg gehörige 
Handschrift geben als Bekehrungsjahr ausdrücklich 1346 an, während 
andere Handschriften das Bekehrungjahr einfach weglassen. Karl 
Schmidt, der mit seiner 1841 erschienenen Taulerbiographie 3 ) den 
Anstoß zur wissenschaftlichen Erörterung des Gegenstandes gab, be¬ 
nützte Straßburger und Münchener Handschriften des Meisterbuches 
und P. Heinrich Denifle 4 ) den 1361 geschriebenen Kodex 46 h der 
Stadtbibliothek in Nürnberg, sowie Handschriften der großherzoglich 
Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe und der Uni¬ 
versitätsbibliothek in Leipzig. Nur zwei dieser Handschriften ge¬ 
hören dem 14. Jahrhundert an; alle übrigen stammen aus dem fünf¬ 
zehnten Jahrhunderte. 

Die Olmützer Handschrift, die in den Jahren 1460—1470 ver¬ 
fertigt sein dürfte, gehört einem Sammelkodex an, der außer fünf 
Gersondrucken — Traktate aus den Jahren 1470—1473 — handschrift- 


0 Spamer. „Zur Überlieferung der Pfeiffer’schen Eckehai ttexte“ in: Beiträge 
zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur hgg. v. Braune, Bd. XXXIV 
(1909) Seite 307 ff. 

a ) Rieder, Karl. Der Gottesfreund vom Oberland. Innsbruck, Wagner, 1905. 

8 ) Schmidt, Karl. Johannes Tauler von Straßburg. Hamburg, Perthes, 1841. 

4 ) Denifle, H. „Taulers Bekehrung“ in: Quellen und Forschungen zur Sprach- 
und Kulturgeschichte, Bd. XXXVI. Straßburg 1879. 


10 









128 


Müller 


lieh eine Pastoral des hl. Ambrosius, dann zwei Bücher des hl. Augustinus, 
ferner Sermones sancti Chrystomi de diversis matereris und schlie߬ 
lich einen längeren handschriftlichen Traktat Gersons: de consola- 
tionibus enthält. Die Provenienz des Sammelbandes — Signatur 
409 8° —, der in lederüberzogene Holzdekel gebunden ist, läßt sich 
mit Sicherheit nicht feststellen; er dürfte aber wohl aus der Biblio¬ 
thek des Olmützer Kartäuserklosters stammen. 

Das Meisterbuch selbst umfaßt 43 Blätter in 8° und deckt sich 
inhaltlich mit den aus der Literatur über Tauler und die Gottes¬ 
freunde bekannten Handschriften, indem es die auch anderwärts 
erzählten Schicksale des Meisters wiedergibt und auch die in die 
anderen Handschriften aufgenommenen Predigten des Meisters in 
gleicher Weise vorträgt. Die Papierhandschrift ist 215 mm hoch 
und 145 mm breit. Die Zeilenbreite beträgt 100 mm und die 31 bis 
35 Zeilen jeder Seite messen durchschnittlich 160 mm. Die Schrift¬ 
type ist eine gotisierende Minuskel, auf den ersten Blättern nicht 
viel über einen Millimeter hoch, gegen das Ende zu bedeutend 
größer. Hier verringern sich jedoch die Zwischenräume der Zeilen, 
so daß auf die Seite gleichviel Zeilen entfallen. Initialen in roter 
Farbe sind nur auf Blatt 8, 17, 21, 26 und 33 enthalten, doch ent¬ 
behren sie jeder Ornamentik. Auch zu den 24 Buchstaben der 
Stückpredigt auf Blatt 8 sind Uncialen in roter Farbe, doch in 
kleinerem Profile verwendet. Der ganze sehr gut lesbare Text scheint 
trotz des größer und kleiner gehaltenen Ductus der Schrift von 
einer Hand herzurühren. Ein in der 15. Zeile der 1. Seite von dem 
Schreiber ausgelassenes Wort ist von gleichzeitiger aber anderer 
Hand neben die Zeile gestellt und von derselben Hand rührt weiter 
oben die Bemerkung: „mag wol Coln sein.“ Dagegen ist die ober¬ 
halb des Textes gestellte Titelaufschrift: „D. Jo. Thaulerj vita vel 
conversio ad perfectiorem statum“ offenbar von viel späterer Hand, 
etwa aus der Zeit von 1500 — 1510. 

Als Textproben seien nunmehr einige Stellen des Meisterbuches, 
verglichen mit den Parallelstellen anderer Manuskripte und des 
ältesten Druckes der „Historia Thauleri“ aus dem Jahre 1498 wieder¬ 
gegeben. 

Unsere Handschrift beginnt: 

„In gotes namen Amen. Anno domini millesimo qua m0 XLVI 
geschach das ain lerer der heiligen geschrifft in ainer stat war vnd 
vil prediget, vnd man hört in auch gern. Also das man über viele 
meilen von seiner 1er sagt. Des ward ein laye ein genadenreicher 
man 1 ) gewar vnd was zu dreyen malen in dem slaff ermant das 
er in die stat volt gen da der maister war und solt in hören 
predigen.“ 

Der Kodex mscr 559 der Leipziger Universitätsbibliothek da¬ 
gegen lautet in den Zeilen 1—5: 


*) Das von Karl Schmidt veröffentlichte Manuskript hat hier die Einschal¬ 
tung: „der liebe gottes frunt in Oberland“. 





Meisterbuch 


129 


„In dem Jare als man zalte nach gottis geburtht Tusint drei- 
hundirt vnd viertzigk jar In dem selbigen Jare gescbacb is das 
ein meister der heiligen schrillt In einr stadt vil p’digitte.“ 

Die Jahreszahl 1340 überging in den ältesten Druck des Meister¬ 
buches (Leipzig, Kachelofen, 1498) und lauten hier die Eingangs¬ 
zeilen wie folgt: 

„In dem iare als man lafs ad ? zale nach gotes gebürt MCCCXL 
iar, In demselben iare geschah es das ein meister der heiligen schrift 
in einer stat vil prediget vnd man horte yn auch gerne vnd man 
sagt über vil Meilen von seiner lere. Des wart ein leye ein gnaden¬ 
reicher man gewar und wart dreimal in dem schlaffe ermant. er solde 
gheen in dy stat do der meister inne was, und solt yn hören 
predigen.“ 

Vor den übrigen Handschriften des Meisterbuches zeichnet sich 
das Olmützer durch eine prägnante Kürze der Diction aus, wofür 
die folgende Stelle aus der Predigt an die Klausnerinnen ein Be¬ 
weis sein mag. Diese Stelle lautet in der Olmützer Handschrift: 

„Seyd Uns S. Paulus beweyset, daz das leiden als nutz vnd 
fruchtbar ist sulln wir ymmer zu ainem guttn lebn kummen so 
mufsen wir leiden Und ainen willigen abgangk thun der natur Das 
ist daz der menschen williglichen alle lust der natur abgee vnd 
allein dy notdurfft dy sol also sein daz sy den menschen sey ein 
fürdrung zu got.“ 

Dagegen heißt es in dem von Karl Schmid erstmalig heraus¬ 
gegebenen Manuskripte:*) 

„sider uns der liebe sanctus Paulus in siner episteln bewiset 
het daz leiden gar fruchtbar und also gar guot ist so sullent wir 
ime wol gelouben vnd sullent ime auch volgen wenn wifsent vnd 
sullent wir iemer zuv eine guoten fruchtbern lebende kummen so 
mag es anders nit gesin wir muessent gewilligen abegang der naturen 
tuon. Und ein gewilliger abegang der naturen daz ist der menschen 
gewillekliche abegang allen lüsten der naturen one alleine redeliche 
notdurfft und dieselbe notdurfft soll also sin das si imme si eine 
fürderunge zuo gotte.“ 

Und der Erstdruck des Textes hat folgenden Wortlaut: 

„seint uns nun der liebe sant Paul in seiner episteln beweiset 
hat das daz leiden also gar nutze ist und fruchtbar und also gar 
gut sei so sollen wir im wol glauben und sollen im nachvolgen in 
seiner lere Wann wifset sollen wir immer czu einem fruchtbaren 
leben kommen so magk es nit anders gesein wir müfsen einen wil¬ 
ligen abgangk thun der natur. daz ist das der mensch alle seine 
natürliche lustbarkeit vom gantzen gründe seines hertzen aufsghee. 
On allein redliche notdurfft die sol sein also daz sy im sei ein 
forderunge czu got.“ 

Der von den anderen Handschriften und dem Drucktexte stark 
abweichende Schluß unserer Handschrift lautet: 

*) Nach dem Zitate von P. Heinr. Denifle in: Quellen und Forschungen 
zur Sprach- und Kulturgeschichte, Bd, XXXV (Taulers Bekehrung Seite 38.) 

' 10 * 




130 


Eichler 


„Da er empfand daz er Im nit mer antwurtn wolt da het er 
gern geruet vnd geslaffen aber es hälfe nit er mocht kain rue ge¬ 
hoben vnd erpaitet des tags vnd da es tag ward da schraib er zu 
stund . . . den prior vnd den pruedern ainen brieff vnd schraib 
alle ding dar an wie der maister pey im war gewesen vnd wie er 
mit im gerett hett. Do ward grofse freud in allen Menschen vnd 
lobten gott. Orate pro me.“ 

Olmütz, im Dezember 1911. 


MÜNCHENER BSBLSOTHEKARTAG 1912. 

(S. o. Seite 76). 

VORBILDUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN BIBLIOTHEKARS. 

Von Dr. Ferdinand Eichler in Graz. 1 ) 

Wer es heutigen'Tages unternimmt, über die Vorbildung des 
wissenschaftlichen Bibliothekars zu sprechen, muß meines Erachtens 
zweierlei ständig im Auge behalten. Einmal ist es nötig, sich daran 
zu erinnern, daß das gesamte Bibliothekswesen sich in einem leb¬ 
haften Fluß befindet, daß sich seiner eine ansteigende Bewegung 
bemächtigt hat, die immer neue Aufgaben und Erweiterung oder Ver¬ 
tiefung der alten mit sich bringt. Es ist zweitens nötig, sich klar 
zu machen, daß die Lösung der Vorbildungsfrage für den wissen¬ 
schaftlichen Bibliothekar nicht gefunden werden kann, wenn die 
Mittel zu ihrer Lösung nur innerhalb der Grenzen des alltäglichen 
Bedürfnisses gesucht werden, sondern daß diese Frage nur gelöst 
werden kann, wenn sie im Zusammenhänge mit der Kulturentwick¬ 
lung überhaupt und insbesondere auch im Zusammenhänge mit der 
Entwicklung und den Bedürfnissen des höheren Unterrichtswesens 
angefaßt wird. 

Die Berücksichtigung des ersten Gesichtspunktes wird es mit 
sich bringen, daß eine Vertiefung der Aufgabe platzgreift, weil 
man in der Flucht der Erscheinungen das Bleibende zu erkennen 
sich veranlaßt sehen wird, weil man aus dem Vergangenen lernend 
die Züge der Zukunft zu erschließen suchen muß, weil man kurz 
gesagt mit festen sachlichen Gesichtspunkten und nicht nach augen¬ 
blicklichen persönlichen Einfällen das Bibliothekswesen zu erfassen 
lernen muß. 

Die Berücksichtigung des zweiten Gesichtspunktes wird zur 
Folge haben, daß man nicht die Mittel zum Zweck mit dem Zwecke 
selbst verwechselt, sondern daß man in weiterem Ausblicke stets 
den vielverzweigten höchsten Bildungsaufgaben der Bibliothek nach¬ 
zukommen strebt. Man wird also nicht etwa das Schreiben der 
Kataloge, sofern nicht in besonderen Fällen auch besondere wissen¬ 
schaftliche Fähigkeiten nötig sind, als eine Aufgabe des wissenschaft¬ 
lichen Bibliothekars ansehen können, dagegen wird die innere An- 


Vortrag, gehalten auf dem Bibliothekartag in München am 30. Mai 1912. 







131 


Vorbildung des wissenschaftl. Bibliothekars 


läge der Kataloge, für die Sachkenntnis und Urteilsfähigkeit in Be¬ 
tracht kommen, in sein Tätigkeitsbereich fallen. Sachkenntnis und 
Urteilsfähigkeit sind die beiden Grundpfeiler, auf denen sich die 
Vorbildung des wissenschaftlichen Bibliothekars aufhaut. Daß dem 
so ist, wird, glaube ich, von keiner Seite bestritten werden. Nicht 
völlige Übereinstimmung herrscht bis heute nur darüber, worin diese 
Sachkenntnis zu bestehen habe. Haben wir einmal ihre Grenzen 
festgestellt, ihren Inhalt im ganzen und im einzelnen in ein wohl- 
geordnetes System gebracht, dann stehen wir auf festem Grunde. 
Die Urteilsfähigkeit entwickelt sich aus ihr von selbst, ihre Aus¬ 
bildung ist Sache des Talentes und der Vorliebe für den Beruf. 

Zum Begriff der bibliothekarischen Sachkenntnis gelangen wir, 
indem wir ihr Objekt zu ermitteln suchen. Das ist nicht schwer: 
das Objekt der bibliothekarischen Sachkenntnis ist das Buch in 
seiner Einzeln- und in seiner Massenerscheinung. 

Das Buch in seiner Einzelnerscheinung kommt für uns nach 
zwei Seiten in Betracht, nach seinem Äußeren und nach seinem 
Inhalt. Das Buch in seiner Massenerscheinung ist die Sammlung 
von Büchern, das ist die Bibliothek. Dabei werden wir uns aber stets 
vor Augen zu halten haben, daß Buch und Bibliothek nicht als 
etwas für sich scharf Abgegrenztes neben öder über den Dingen 
der Außenwelt dastehen, sondern daß sie nur eine wichtige, ja viel¬ 
leicht die wichtigste Form darstellen, in der das geistige Leben 
seinen Ausdruck und Niederschlag findet, wir kommen dabei auf 
den Begriff des Buches als des Hauptträgers der Kultur. 

Träger der Kultur kann das Buch in seiner Einzelnerscheinung 
sein. Der Gedankengehalt eines Buches allein kann einem Zeitalter 
sein Gepräge auf drücken, seinen Gedanken- und Gefühlswert be¬ 
stimmen. Wie hat doch Aristoteles das Lehrgebäude der mittel¬ 
alterlichen Universitäten beherrscht, wie hat Goethes Werther das 
Gefühlsleben nicht nur des deutschen Volkes aufgerüttelt. 

Träger der Kultur kann das Buch in seiner Massenerscheinung 
sein. Was eine Bibliothek in einer Beihe von Jahrzehnten an gei¬ 
stigen Werten in Umlauf setzt, ist schwer zu berechnen. Keine 
Statistik gibt uns darüber Auskunft. Die Statistik der Bibliotheken, 
die wir führen, ist überhaupt eine mangelhafte, einseitige, die nur 
zu leicht bei Nichtfachmännern unrichtige Vorstellungen erwecken 
kann, weil sie zwar das Positive, nicht aber das Negative zur An¬ 
schauung bringt und weil sie einen wichtigen Teil unserer Tätigkeit, 
die mündliche literarische Hilfeleistung nicht in ihre Netze fängt. 
Darüber einmal öffentlich etwas mehr zu sagen, wäre zu vielseitiger 
Aufklärung sehr heilsam. 

Haben wir nun einmal das Objekt der bibliothekarischen Sach¬ 
kenntnis — im einzelnen werde ich darauf noch zurückkommen —, 
so handelt es sich nun darum, in welches Verhältnis dieses Objekt 
zu denjenigen zu setzen ist, die die Bibliotheken verwalten, und 
damit stehen wir mitten inne in der Vorbildung des wissenschaft¬ 
lichen Bibliothekars. 




132 


Eichler 


Welchen Beruf auch immer wir ins Auge fassen, so müssen 
wir zugeben, daß die Kenntnis des Objektes zur Ausübung des Be¬ 
rufes die unerläßliche Vorbedingung bildet. Wir werden niemand 
als einen Arzt ansehen, der nicht in der Anatomie des mensch¬ 
lichen Körpers zu Hause ist, niemand als einen Rechtsanwalt gelten 
lassen, der sich nicht in den bestehenden Gesetzen und ihrer sinn¬ 
gemäßen Anwendung auskennt. Wir werden daher niemand als einen 
Bibliothekar ansehen, der nicht mit dem Objekt seines Berufes, 
dem Buche, in der oben angedeuteten Art auf das innigste ver¬ 
traut ist. So selbstverständlich dies zu sein scheint, so ist die Über¬ 
zeugung von der Selbstverständlichkeit doch noch nicht gar so sehr 
nach der Breite durchgedrungen. Die Gründe dafür sind mehr¬ 
fache. Die früher in Deutschland übliche Gepflogenheit, wissen¬ 
schaftliche Bibliotheken durch Gelehrte leiten zu lassen, erzeugte 
die Anschauung, daß Gelehrsamkeit auf welchem Gebiete immer 
allein schon für den Beruf eines wissenschaftlichen Bibliothekars 
befähige. Gegen diese Gelehrtenherrschaft erhob sich seit dem An¬ 
fang der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts ein lebhafter 
Widerstand, man verlangte mit Recht, daß der Leiter einer Biblio¬ 
thek aus den Berufsgenossen selbst hervorgehe, das heißt, biblio¬ 
thekarisch geschult sei. Also hinaus mit den Gelehrten! 

Wie meist bei solchen etwas lebhafter geschürten Bewegungen 
blieb die nachteilige Wirkung nicht aus. Die allzu starke Betonung 
der technischen Fertigkeiten, auf die gewiß im Bibliotheksbetrieb 
entsprechendes Gewicht zu legen ist, machte zu sehr vergessen, daß 
dieser wohl eingerichtete technische Mechanismus doch nicht Selbst¬ 
zweck, sondern nur Mittel zum Zweck in der Bibliothek sein 
könne, sie bewirkte, daß in diesen technischen Betrieb geistige Kräfte 
in einem Ausmaße eingespannt wurden, das heute keine Berechti¬ 
gung mehr hat. Das Gelehrtentum mußte also oder muß in seine 
Rechte wieder eingesetzt werden. Aber anstatt unmittelbar und 
herzhaft auf das Ziel loszusteuern, das nun einmal nicht umgangen 
werden kann, begann man zu experimentieren und in dieser Zeit 
der Versuche befinden wir uns heute noch. Der wissenschaftliche 
Bibliothekar muß mit einer Gelehrsamkeit ausgerüstet werden, die 
sozusagen für ihn auf dem Wege liegt, er darf den Dingen, mit 
denen er jahraus jahrein zu tun hat, nicht mit halbem Verständnis 
gegenüberstehen. Die dem wissenschaftlichen Bibliothekar eigen¬ 
tümliche Gelehrsamkeit kann zunächst natürlich nur auf dem Ge¬ 
biete des Buchwesens liegen. Vor allem muß er doch einmal lernen, 
worin der wissenschaftliche Wert seiner Berufstätigkeit eigentlich 
besteht. Daß dieser Wert nicht darin liegen kann, daß er bloß die 
nach Anhörung der bibliothekarischen Fachmänner von den Vor¬ 
gesetzten Behörden erlassenen Vorschriften befolgt und danach 
arbeitet, ist doch wohl klar, da käme man ja aus dem Mechanismus 
nicht heraus. Bloß nach dem Maßstabe der Verwaltung darf seine 
Tätigkeit nicht bemessen werden. Die Forschung, die Förderung 
der Wissenschaft durch seine eigene Person und in dem weiten Um- 



Vorbildung des wissenschaftl. Bibliothekars 


133 


kreis aller jener, die sich der durch ihn verwalteten Mittel der 
Forschung bedienen wollen oder müssen, muß seine Aufgabe sein. 
Die Kenntnis der für die Forschung bereit zu stellenden literarischen 
Mittel und ihre systematische Beherrschung, das macht den wissen¬ 
schaftlichen Wert seiner Berufstätigkeit aus. Wie man diese Kenntnis 
erlangt, in welchem Umfange man sie besitzen muß, wie man die 
Herrschaft über die Hilfsmittel erlangt, ohne von ihrer Masse er¬ 
drückt zu werden, das muß gelernt werden, darauf läuft die Vor 
bildung des wissenschaftlichen Bibliothekars hinaus. Wer immer 
nur zusieht, wie die Forschung am Werke ist, nicht aber selbst mit 
Hand anlegt, wird in ein tieferes Verständnis der Probleme nicht 
eindringen. Die lebendige Vorstellung von dem Wert des Buches 
zu allen Zeiten und unter den verschiedenartigsten Verhältnissen 
muß dem wissenschaftlichen Bibliothekar in Fleisch und Blut über¬ 
gehen. Wer diese lebendige Vorstellung besitzt, wird unter allen 
Umständen ein wissenschaftlich tüchtiger Bibliothekar werden, 
welches Fach auch immer er an der Universität studiert haben 
mag. Die Vereinigung des Fachstudiums mit dem bibliothekswissen¬ 
schaftlichen Studium an der Hochschule selbst muß die Ausbildung 
für den wissenschaftlichen Bibliothekar abgeben. 

Über den Wert des Buches für die Forschung und den Unter¬ 
richt, über seinen Wert für die allgemeine Kultur ist zwar mancherlei 
gesagt worden, aber es fehlt uns an einer grundlegenden Darstellung, 
die allerdings auch nicht so leicht zu geben ist. Durch sie würden 
wir zu einer Weltanschauungspolitik gelangen. 1 ) In ihrem Kern hat 
sie bereits vor mehr als fünf und einem halben Jahrhundert (1344) 
Richard de Bury gekennzeichnet. Ich versäume nicht gerne eine 
Gelegenheit, um immer wieder auf seine schönen Worte hinzuweisen: 

'Quanti pendenda est mira librorum potentia, dum per eos 
fines tarn orbis quam temporis cernimus, et ea quae non sunt, sicut 
ea quae sunt, quasi in quodam aeternitatis speculo contemplamur. 5 

'Wie hoch ist doch die wunderbare Macht der Bücher zu 
schätzen, da wir durch sie die Grenzen von Raum und Zeit er¬ 
kennen und das, was nicht ist, wie auch das, was ist, gleichsam 
in einem Spiegel der Ewigkeit betrachten. 5 

Das Gefühl, daß sowohl der Verwalter wie der Benutzer einer 
Bibliothek in ihren Betrieb eingeführt werden müssen, wenn sie 
aus ihr den richtigen Nutzen ziehen sollen, hat sich nicht erst in 
der neuesten Zeit geregt. Schon vor mehr als zweihundert Jahren 
hat an der Universität Helmstedt der Philologe und Bibliothekar 
Melchior Schmid Vorlesungen über 'bibliothecaria peritia 5 gehalten. 2 ) 
In dem Rezeß vom 11. Mai 1775 wird es an der Universität Greifs¬ 
wald dem Bibliothekar zur Pflicht gemacht, 'die Studierenden in 

q Man vgl. den Überblick, den Richard Pietschmann in seiner Abhand¬ 
lung „Das Buch“ gegeben hat. (Die Kultur der Gegenwart. Hg. von P. Hinneberg. 
Teil 1, Abt. 1. 2. Auf!., Berlin, 1912, 556—579). 

q Fried. Koldewey, Geschichte der klassischen Philologie auf der Uni¬ 
versität Helmstedt, Braunschweig, 1895, S. 109. 






134 


Eichler 


zwey besondere Stunden in der Wochen, in welchen keine andere 
Collegia gelesen werden müssen, mit den wichtigsten Werken au& 
allerley Wissenschaften bekannt zu machen/ * 1 ) 

Die Befähigung des wissenschaftlichen Bibliothekars, sich selbst 
eine richtige Vorstellung von dem Werte des Buches zu machen, 
andere in die Kenntnis von Buch und Bibliothek einzuführen, die 
Bibliothek wirklich als eine Quelle zur Förderung der Wissenschaft, 
des Unterrichtes und der Kultur im allgemeinen anzusehen, ist bis¬ 
her in ihm in nur unzureichender Weise geweckt worden. Wie 
förderlich wäre es für die Beurteilung der Verhältnisse der Gegen¬ 
wart, wenn wir mit klaren Augen die Entwicklungsreihe der Biblio¬ 
theken von ihren Anfängen bis zur Gegenwart lückenlos über¬ 
schauen könnten. Wir würden manches, was uns neu dünkt, nicht 
mehr als so ganz neu ansehen, wir würden für manches, das wir 
wünschen, eine tiefere und festere Begründung zu geben wissen. 
Aber seitdem Edward Edwards im Jahre 1859 in seinen Memoirs 
of libraries das Bibliothekswesen in umfassender Weise geschichtlich 
und verwaltungstechnisch behandelt hat, ist der Versuch nicht wieder 
gemacht worden, in seiner Art eine literarische Zusammenfassung 
und Übersicht zu geben. Bewundernswert sind bei all den Mängeln, 
die dem Bibliothekswesen noch anhaften, doch die gewaltigen Fort¬ 
schritte, die wir gemacht haben. Und wenn wir in einem halben 
Jahrhundert noch nicht wieder dazu gekommen sind, uns in er¬ 
schöpfender Weise darüber Bechenschaft zu geben, was aus den 
Bibliotheken geworden ist, so muß uns dies doch zu ernstem Nach¬ 
denken über das, was wir literarisch versäumt haben, anregen. Ein 
Beispiel aus der allerjüngsten Zeit möge dies veranschaulichen. Als 
vor einigen Jahren in Österreich und dann im Deutschen Reiche 
die Bibliotheksgebühren eingeführt wuirden, da glaubte man manchen 
Ortes vor einer unerhörten Neuheit zu stehen, die keineswegs 
freundlich begrüßt wurde. Es ist meines Erinnerns nirgends der 
Versuch gemacht worden, aus den Verhältnissen weit zurückliegen¬ 
der Zeiten das Vorgehen in der Gegenwart ernstlich zu begründen. 
Und doch sind die Bibliotheksgebühren so alt als die Universitäts¬ 
bibliotheken selbst, wenn sie auch entsprechend den geänderten 
Verhältnissen etwas andere Formen angenommen haben. Mutet es 
uns nicht recht neuzeitlich an, wenn wir um die Mitte des 18. Jahr¬ 
hunderts vernehmen, daß man an der Universität Halle, um der 
Bibliotheksnot abzuhelfen, den neu eintretenden Studenten einen 
größeren Beitrag für Bibliothekszwecke auferlegte. Ein Adeliger 
zahlte einen Taler und drei Groschen, ein Bürgerlicher neunzehn 
Groschen. Dem Mangel konnte aber dadurch nicht abgeholfen werden. 2 ) 

Aber wie uns Vergleiche, die wir mit der Vergangenheit an¬ 
stellen, in der Gegenwart Stütze und Hilfe sein können, so können 

1 ) M. Per Ibach, Versuch einer Geschichte der Universitätsbibliothek 
zu Greifswald. 1. Heft. Greifswald, 1882, S. 61 — 62. 

a ) Vgl. Wilhelm Schräder, Geschichte der Friedrichs-Universität zu Halle. 

1. Teil. Berlin, 1894, S. 98, 337-338. 







Vorbildung des Wissenschaft!. Bibliothekars 


135 


nicht nur, sondern sollen, ja müssen uns Vergleiche, die wir an 
den Verhältnissen der Gegenwart anstellen, Belehrung bieten und 
zur Nacheiferung anregen. Ich denke dabei vor allem an Aufgaben 
der vergleichenden Bibliothekstechnik. Warum sollen wir uns denn 
da und dort immer wieder langwierig die Köpfe zerbrechen, wie 
ein Katalogeinband, ein Büchergestell und anderes am vorteilhaftesten 
einzurichten sei, wenn irgendwo das denkbar Beste bereits vorhanden 
ist. Aber wissen muß man, daß es schon vorhanden ist. Ein schöner 
Anfang zu vergleichender Bibliothekstechnik war von den deut¬ 
schen Bibliotheken im Jahre 1893 anläßlich der Weltausstellung in 
Chicago gemacht worden, aber zur Errichtung eines Bibliotheks¬ 
museums ist es noch nicht gekommen. Vielleicht wird das Deutsche 
Museum in München, sobald es sein neues prachtvolles Haus be¬ 
zogen haben wird, auch den Bibliothekseinrichtungen eine Heim¬ 
stätte bieten. 

Der wissenschaftliche Bibliothekar steht also unter dem Drucke 
der Notwendigkeit, sich in umfänglicher Weise in das Gebiet des 
Buch- und Bibliothekswesens einzuarbeiten. In erster Linie wird es 
sich um die Beherrschung der wissenschaftlichen Literatur in ihrer 
Gesamtentwicklung — natürlich nur in ihren Hauptzügen — und 
um die Beherrschung der bibliothekswissenschaftlichen Literatur im, 
engeren Sinne handeln. Daß er dies in der bibliothekarischen Praxis 
unmöglich tun kann, darüber besteht kein Zweifel. Es ist also klar, 
daß ihn bestimmte Kenntnisse gelehrt werden müssen. Er muß be¬ 
reits mit einem systematisch abgerundeten Vorrat an Kenntnissen 
in die bibliothekarische Laufbahn eintreten. In der Praxis werden 
diese Kenntnisse nur angewendet und vor allem weitergebildet, dazu 
kommt dann die Ausbildung in der Verwaltungstechnik, die man 
eben nur in der Praxis lernen kann. 

Noch bevor man im Deutschen Reiche daran ging für die 
Ausbildung des wissenschaftlichen Bibliothekars feste Regeln zu 
schaffen, waren schon in anderen Ländern Versuche gemacht worden, 
diese Erage zu lösen. In Österreich sollte das im Jahre 1874 re¬ 
organisierte Institut für österreichische Geschichtsforschung auch 
für die Ausbildung der wissenschaftlichen Bibliotheksbeamten sorgen. 
In der Tat hat Moriz Thausing vom Sommer-Semester 1875 bis 
zum Sommer-Semester 1883 einigemale über 'Bibliothekskunde 3 ge¬ 
lesen und Karl Uhlirz während seiner Wiener Lehrtätigkeit wieder¬ 
holt vom Winter-Semester 1888/89 bis zum Winter-Semester 1901/2 
eine meist zweistündige Vorlesung 'Bibliothekslehre und Einleitung 
in die Bibliographie 5 gehalten. In Frankreich fällt der Ecole nationale 
des chartes seit langem eine ähnliche Aufgabe zu, gegenwärtig lehrt 
Ch. ^Mortet Bibliographie und Bibliotheksdienst. Auch in Italien, 
in England und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist 
für die theoretische Einführung in die Bibliothekspraxis gesorgt. 
Alle diese Einrichtungen haben von unserem heutigen Standpunkte 
aus das Unzulängliche, daß sie entweder zu sehr den Standpunkt 
des Paläographen, der sich für geschichtliche Studien vorbereitet, 







136 


Eichler 


betonen, oder sich allzu sehr auf das für die Praxis unbedingt 
Nötige beschränken, die eigentlich wissenschaftliche Einführung in 
das Buchwesen im weitesten Sinne aber nicht beiücksichtigen. Wir 
müssen daher den Mangel an geschulten Arbeitskräften auf dem Ge¬ 
biete des Buchwesens auf das lebhafteste beklagen, vermögen ihn aber 
zu begreifen. Wie lange liegt doch beispielsweise das Bedürfnis 
nach einem Lehrbuch der allgemeinen Handschriftenkunde vor. An 
Paläographien haben wir Überfluß. Hier in München ist vor Jahren 
ein schöner Anlauf zu einer weiter ausblickenden Handschriften¬ 
kunde durch den leider zu früh verstorbenen Ludwig Traube ge¬ 
nommen worden. 

Ein entscheidender und — wie ich heute trotz aller Gegen- 
und Nebenströmungen glaube — der allein erfolgreiche Schritt 
ist von der preußischen Unterrichts Verwaltung dadurch gemacht 
worden, daß an der Universität Göttingen im Jahre 1886 Vorlesungen 
über Bibliothekshilfswissenschaften als ordentliches Lehrfach einge¬ 
führt wurden. Ich halte den Ausdruck Bibliothekshilfswissenschaften 
für verunglückt und brauche dafür den Ausdruck Bibliothekswissen¬ 
schaft, ohne daß ich mich in eine Erörterung dieses Begriffes heute 
näher einlassen möchte. Ich erwähne nur, daß ich unter Bibliotheks¬ 
wissenschaft die Gesamtheit des Schrift-, Buch- und Bibliotheks¬ 
wesens verstehe unter scharfer Betonung des Bibliothekswesens. 
Wir wären heute gewiß schon viel weiter, wenn dieser Standpunkt 
in bibliothekarischen Kreisen mit mehr Nachdruck vertreten worden 
wäre. An der Universität Leipzig war vor mehreren Jahren die Ge¬ 
legenheit gegeben, bibliothekswissenschaftliche Vorlesungen zu 
halten, sie wurde aber nicht benutzt. Um so erfreulicher mußte es 
berühren, daß im Vorlesungs-Verzeichnis der Universität Leipzig 
für das Winterhalbjahr 1911/12 von dem Paläographen Viktor 
Gardthausen eine Vorlesung 'Einführung in die Bibliothekskunde* 
angekündigt worden war. Die Einführung von bibliothekswissen¬ 
schaftlichen Vorlesungen an den Universitäten genügt allerdings 
für unsere Zwecke noch nicht, es muß auch in den Vorschriften 
über die Zulassung zur bibliothekarischen Fachprüfung die Be¬ 
stimmung enthalten sein, daß jeder, der zur Prüfung zugelassen 
werden will, diese Vorlesungen in einem bestimmt vorgeschriebenen 
Ausmaße gehört haben und sich darüber mit einem zumindest be¬ 
friedigenden Kolloquienzeugnis ausweisen muß, das der betreffende 
Fachprofessor auszustellen hat. Um nicht mißverstanden zu werden, 
möchte ich gleich hinzufügen, daß die Bibliothekswissenschaft natür¬ 
lich nur als zweites Hauptfach für den künftigen Bibliothekar in 
Betracht kommt, er muß außerdem in einem anderen Universitäts¬ 
fach den Doktorgrad erlangt oder die entsprechenden Staatsprüfungen 
abgelegt haben. Die Anschauung, daß damit zuviel verlangt würde, 
ist durchaus unstichhältig. Gewisse Schwierigkeiten werden nur so 
lange bestehen, als es noch nicht für unser Fach ausreichende Lehr¬ 
bücher gibt und noch nicht ausreichende Vorlesungen gehalten 
werden. Mit dieser Übergangszeit wird man eben rechnen müssen. 



Vorbildung des wissenschaftl. Bibliothekars 


137 


Seit einigen Jahren ist nun im Deutschen Reiche noch ein 
anderer Weg eingeschlagen worden, um den angehenden Biblio¬ 
thekaren eine Summe fach wissenschaftlicher Kenntnisse zu ver¬ 
mitteln, das sind die Bibliothekskurse, die als eine Art von Biblio¬ 
thekarschulen im engsten Zusammenhänge mit dem Betriebe großer 
Bibliotheken gedacht sind. Sie sind offenbar unter dem Einflüsse 
der englisch-amerikanischen Verhältnisse entstanden, erfreuen sich 
gegenwärtig anscheinend großer Beliebtheit und haben auch im Jahre 
1903, als bei der Bibliothekarversammlung in Halle über die Vor¬ 
bildung zum bibliothekarischen Beruf verhandelt wurde, ihre Rolle 
gespielt. Sie sind für die bayrischen Staatsbibliotheken durch die 
Königliche Allerhöchste Verordnung vom 24. April 1905 eingeführt 1 ) 
und haben durch den Erlaß, betreffend die Befähigung zum wissen¬ 
schaftlichen Bibliotheksdienst vom 13. Januar 1912 auch im staat¬ 
lichen Bibliothekswesen Preußens Aufnahme gefunden. 2 ) Vergleicht 
man diesen neuen preußischen Erlaß mit dem früheren vom 15. De¬ 
zember 1893, 3 ) so ist allerdings ein Fortschritt in den Anforde¬ 
rungen nicht zu verkennen. Im neuen Erlaß werden Bibliographie 
und Enzyklopädie, die 'Kenntnis des Entwicklungsganges des höheren 
Bildungswesens 5 , 'sowie der Hauptmomente der Wissenschaftsge¬ 
schichte 5 schärfer betont. 

Hach meinen Ausführungen ist es wohl klar, daß ich in diesen 
von Bibliothekaren in einer großen Bibliothek abgehaltenen biblio¬ 
thekarischen Übungen die endgültige Lösung der Vorbildungsfrage 
für den wissenschaftlichen Bibliothekar nicht erblicken kann. Ich 
vermag in ihnen nur eine vorübergehende Lösung zu erkennen, 
eine Vorstufe, die gewiß insoferne ihre guten Seiten hat, als sie den 
angehenden Bibliothekaren eine gewisse Kenntnis des Buch- und 
Bibliothekswesens, der Bibliotheksverwaltungstechnik, der Biblio¬ 
graphie vermittelt. Aber — und das möchte ich besonders stark 
betont wissen — es kommt ja bei der Vorbildung des wissenschaft¬ 
lichen Bibliothekars wie bei der Ausbildung für jeden anderen 
wissenschaftlichen Beruf gar nicht so sehr darauf an, in einen 
mehr oder weniger aufnahmsfähigen Kopf eine Summe von Kennt¬ 
nissen hineinzupressen, sondern darauf kommt es an, die Fähigkeit 
zu wecken, bibliothekarisch zu denken und danach zu handeln. Baut 
sich dieses Denken auf einer breiten Grundlage positiver Kenntnisse 
auf, dann um so besser. 

Ferner möchte ich zu bedenken geben, daß es doch der Aus¬ 
bildungspraxis im allgemeinen widerspricht, wenn man, schon in 
einem Berufe stehend, sich erst die wichtigsten theoretischen Grund¬ 
lagen dafür aneignen soll. Außerdem liegt auch zwischen Wissen 
und Lehren eine tiefe Kluft. Es kann jemand ein ganz ausge¬ 
zeichneter Bibliothekar sein mit tiefgründigen Kenntnissen, aber es 
kann ihm jede Fähigkeit mangeln, diese Kenntnisse auf andere 

*) Vgl. Zentralblatt für Bibliothekswesen, 22. Jg., 1905, S. 318—323. 

2 ) Vgl. Zentralblatt für Bibliothekswesen, 29. Jg., 1912, S. 75—78. 

8 ) Vgl. Zentralblatt für Bibliothekswesen, 11. Jg., 1894, S. 77—79. 




138 


Mayer 


lehrend zu übertragen. Die Ausbildung des wissenschaftlichen Biblio¬ 
thekars muß in eine Hand gelegt werden, es muß ihm ein einheit¬ 
liches Ganzes geboten werden, das Ziele und Aufgaben seines Be¬ 
rufes von einem höheren Gesichtspunkte aus zusammenfaßt. Der 
Jünger des Bibliotheksfaches muß sich vor allem auch in einer 
selbständigen bibliothekswissenschaftlichen Arbeit versuchen. Wenn 
Promotionen auf Grund solcher Arbeiten recht häufig vorkämen, 
so wäre das nur ein erwünschter Fortschritt. Es ist mir eine 
Freude, gerade hier an die sorgfältige Dissertation von Otto Hand¬ 
werker 'Geschichte der Würzburger Universitäts-Bibliothek 5 (Würz¬ 
burg, 1904) und an die Untersuchungen von Richard Stäuber 'Die 
Schedelsche Bibliothek 5 (1908) erinnern zu können. 

Zusammenfassend vermag ich also auch heute nur zu der 
schon früher von mir vertretenen Anschauung zu gelangen, daß 
die theoretische Ausbildung für den Beruf des wissenschaftlichen 
Bibliothekars nur durch die Errichtung von Lehrstühlen der Biblio* 
thekswissenschaft an Universitäten mit reicher ausgestatteten Biblio¬ 
theken wirklich dem erwünschten Ziele zugeführt werden kann. Die 
ein- oder zweijährige Probedienstzeit wird dann den Nachweis er¬ 
bringen, ob der Bewerber sich auch in der Praxis für die biblio¬ 
thekarische Laufbahn eignet, und der wirkliche Eintritt erfolgt dann 
durch das Tor der bibliothekarischen Fachprüfung. 

Das Ziel, das so zu erreichen ist, wird nicht von heute auf 
morgen erreicht werden, aber wenn wir zu einem dauernden Er¬ 
gebnis gelangen wollen, wenn sich der wissenschaftliche Biblio¬ 
thekar selbständig und gleichwertig unter den übrigen Trägern der 
Wissenschaft behaupten will, dann müssen wir uns ein hohes, aber 
zugleich erreichbares Ziel setzen. Wir dürfen nicht vergessen, daß 
die Stellung des wissenschaftlichen Bibliothekars, je mehr der 
mittlere Bibliotheksdienst ausgestaltet wird, eine andere sein wird, 
als sie es heute ist. Bei all den Wandlungen, die sich vollziehen 
werden und mögen sie wie immer sich vollziehen, wollen wir mutig 
und zielbewußt den Boden verteidigen, den wir als den unsern er¬ 
kannt haben und der uns allen heilig ist. 


DER MITTLERE DIENST. 

Von Dr. Friedrich Arnold Mayer in Wien. 1 ) 

Hochansehnliche Versammlung! Ich muß zunächst einige 

Bemerkungen vorausschicken über die Umstände, unter denen dieses 
Referat zustande gekommen ist. Eigentlich spreche ich hier an Stelle 
eines österreichischen Kollegen, der geglaubt hat zurücktreten zu 
müssen, übrigens aus Gründen, die man gewiß gelten lassen mußte. 
Da nun bei drängender Zeit unendliche Weiterungen in Aussicht 
standen, bis ein Ersatzmann sich würde finden lassen, so bot ich 

*) Vortrag, gehalten auf dem Bibliothekartag in München am 30. Mai 1912. 
Ich lasse ihn wörtlich so abdrucken, wie er gehalten ward, ohne irgendwelche 
Änderungen und Zusätze. 






Der mittlere Dienst 


139 


mich an, wenn auch, wie ich gestehe, nicht leichten Herzens, in 
die Lücke einzutreten. Sage ich noch, daß ich ohnehin mit Arbeit 
über und über belastet war und daß ich das Referat nicht ohne 
physische Störungen und unter manchen Aufregungen ausarbeiten 
mußte, so glaube ich keiner weiteren Entschuldigung zu bedürfen, 
wenn meine Ausführungen nicht durchaus so ausgeglichen und 
erschöpfend sein sollten, als ich wohl gewünscht hätte. Doch hab’ 
ich natürlich auch so das für mich derzeit Mögliche zu tun gesucht. 
Der eben erwähnte Kollege hatte übrigens die Freundlichkeit, den¬ 
noch ein Konzept zur Verfügung zu stellen, das ich freilich, wenn 
auch von ähnlichen Grundanschauungen ausgehend, seiner Art nach 
nur im beschränktesten Maße nützen konnte. Ich habe ihm einige 
wohl zutreffende Stellen entnommen. Vor allem habe ich gemeint, 
für. eine wirklich fruchtbringende Darstellung eine viel breitere 
Basis legen zu müssen. 

Ein Referat wie dieses hier gliedert sich einfach: Historisches, 
Faktisches, Dogmatisches, das dritte an das zweite immer gleich 
an geschlossen. 

Auf den historischen Teil der ganzen Frage kann ich mich 
bei der eng gesetzten Zeitgrenze natürlich nur im Fluge einlassen. 
Noch Graesei kennt 1902, vom Leiter der Bibliothek abgesehen, 
nur ein zweifach geteiltes Personal: wissenschaftliches und unteres. 
Aber schon damals war in Deutschland der Gedanke des Mittel¬ 
personals angeregt worden; die Literatur dafür finden Sie bei dem 
genannten Fachmann S. 172 Anm. 2. Kurz darauf kam dann die 
Sache auf dem vierten Bibliothekartag zu Halle (1903) zur ziemlich 
eingehenden Erörterung. Ich nenne nur noch aus allerletzter Zeit 
ein paar Namen: Milkau, Reinhold und die ganze Polemik, von 
Sterneck, der wieder Kritiker fand und dann selbst Antikritiker 
ward. Erinnern darf ich doch wohl noch an die Rundfrage, die ich 
im letzten Hefte der Mitteilungen des Österreichischen Vereines 
für Bibliothekswesen begonnen und in dessen Zeitschrift fortgesetzt 
habe und die auch für unser Thema wertvolles Material bei¬ 
gebracht hat. 

Der sogenannte mittlere Dienst ist eine naturgemäße Folge 
der Entwicklung, welche die Bibliotheken genommen haben. Diese 
Entwicklung ward in gewisser Hinsicht durch zusammentreffende 
Momente bestimmt ♦ einerseits war da das ungeheure Anwachsen 
der Produktion, andererseits das Bestreben, diese ganze Produktion 
oder ihren allergrößten Teil den Bücherbeständen einzuverleiben, 
ferner der immer steigende Zuspruch des Publikums. Einstens war 
eben alles anders. Geringer Zuwachs der alten Bibliotheken, wenig 
Leser, die Führung der Kataloge, die mechanischen Arbeiten des 
Bibliothekars eine Sache, die dieser bequem erledigen konnte, die 
Tätigkeit des Bibliothekars überhaupt ein Nebenamt. Wie sich jene 
früher erwähnten Momente mehr und mehr geltend machten, über¬ 
wucherten natürlich diese rein mechanischen Arbeiten; aus dem 
Bibliothekar im Nebenamte ward der Berufsbibliothekar, für dessen 










140 


Mayer 


Fixierung seinerzeit Klette der bekannteste Kämpfer geworden ist, 
aber fortschreitend mit dieser Entwicklung sank der neue Berufs- 
bibliothekar allmählich umsomehr zur bloßen Schreibkraft herab, 
je größer die Anstalt, an der er tätig war. Aus dem individuellen 
Kleinbetrieb, dessen Produkte den Charaker ihres Urhebers auf¬ 
wiesen, ward der Großbetrieb, der von jenem nur zu wenig mehr 
merken läßt. Diese Notwendigkeit des Großbetriebes hat eben mehr 
und mehr schon zur Einführung von Mittelbeamten gedrängt und 
wird und muß in dieser Richtung noch weiter führen. 

Wie ist nun gegenwärtig der faktische Zustand? Diese erste 
Frage muß zuerst beantwortet werden, wenn man zur zweiten 
Stellung nehmen will: Wie soll es sein im einzelnen? Die Antworten 
auf die angezogene Rundfrage, so wertvoll sie sind, haben doch 
nicht in genügendem Maße jene erste Frage neben dieser zweiten 
berücksichtigt. Ich habe also unsere alte Rundfrage durch eine um¬ 
fassende weitere Rundfrage bei den reichsdeutschen Bibliotheken 
ergänzt, auf das weitere Ausland hab 5 ich beim besten Willen vor¬ 
läufig nicht eingehen können. Zu gleicher Zeit hab’ ich auch noch 
bei den österreichischen Bibliotheken umgefragt über Dinge, die bei 
der Beurteilung des mittleren Dienstes jedenfalls in Betracht kommen. 
Die Sache ist ja so, daß man eigentlich unser Thema gar nicht 
für sich behandeln kann; die ganze Verwaltungspraxis besteht aus 
Teilen, die wie Zähne verschiedener Räder ineinander greifen. In 
dem gründlichen, sehr verdienstvollen „Entwurf einer Umfrage über 
die Einzelheiten der Verwaltungspraxis bei den deutschen Biblio¬ 
theken“, einem Ergebnis des Nürnberger Bibliothekartages, der 
mir nur verhältnismäßig ganz spät zu Gesichte gekommen ist, finden 
sich denn auch unter H: „Organisation und Beamte“ die Mittel¬ 
beamten. Ich weiß nicht, ob die Fassung dieses Abschnittes ganz 
glücklich ist, aber eigentlich hätte vielleicht mein ganzes Referat 
als Teilreferat dem Deutschen Kommissionsbericht der heutigen 
Tagesordnung sich zuweisen lassen. Sei dem wie immer, ich habe 
mich meinerseits streng auf mein Thema „Mittlerer Dienst“ zu be¬ 
schränken. 

Nun, das Material, das ich erhalten habe, ist höchst wertvoll, 
kann aber heute nur übersichtlich behandelt werden. Den reichs¬ 
deutschen und den österreichischen BibliotheksVerwaltungen gebührt 
mein ergebenster Dank für die Liberalität, mit der sie alle, von 
einer einzigen Ausnahme abgesehen, mich unterstützt haben. Ant¬ 
worten liegen mir vor von einer Auswahl von 40 reichsdeutschen Bi¬ 
bliotheken, unter diesen 13 unabhängige Institute, nämlich Biblio¬ 
theken, die an andere Anstalten auch nicht einmal der Form und 
dem Namen nach angegliedert sind, für sich dastehen, 19 Uni¬ 
versitätsbibliotheken, 6 technische und zwei andersartige Biblio¬ 
theken; ferner 16 österreichische Bibliotheken, unter ihnen ein 
Zentralinstitut, 6 Universitätsbibliotheken, von denen die eine 
wenigstens nach Größe des Bücherbestandes und des Betriebes ein 
Institut ersten Ranges ist, 4 Studienbibliotheken (wie die öster- 



Der mittlere Dienst 


141 


reichischen Staatsbibliotheken heißen in Provinzen, die keine Uni¬ 
versität haben), 3 technische Bibliotheken, 2 Spezialbibliotheken. 
Nur dieses Material nehmen die folgenden Übersichten und Zusammen¬ 
stellungen in Betracht, i. a. durchaus nur wissenschaftliche Biblio¬ 
theken, höchstens ist die eine oder andere größere Amtsbibliothek 
herangezogen. 

Mittlere Beamte im weitesten Sinne haben in Deutschland 
fast alle befragten Anstalten. Die Erfahrungen müssen gut sein, 
sonst wäre die Einrichtung nicht im Vorrücken, wie sie es ist, 
übrigens werden mir diese guten Erfahrungen hie und da noch aus¬ 
drücklich bezeugt. 

Die österreichischen Bibliotheken haben keine Mittelbeamten. 
Ansätze dazu sind nur in der Wiener Hofbibliothek vorhanden, 
worüber Sie ja Näheres heute auch noch hören werden. So wie 
Österreich doch einen starken Schritt voraus getan hat, indem die 
Wiener Universitätsbibliothek zuerst, vor mehr als einem Viertel¬ 
jahrhundert, grundsätzlich das sogenannte Referatsystem eingeführt 
und damit bei uns Schule gemacht hat, so sind wir in der Frage 
der Mittelbeamten durchaus zurückgeblieben. Daraus ergaben sich 
zwei Folgen. Die erste ist, daß die wissenschaftlichen Beamten an 
allen unseren größeren Bibliotheken noch immer Geschäfte abtun 
müssen, die man eben in Deutschland vielfach schon den Mittel¬ 
beamten zuweist. Beim Referatsystem sollen eben einzelne mechanische 
Geschäfte wieder abgetrennt und durchaus zentralisiert sein, sowohl 
im Interesse der Verwaltung, das zuerst kömmt, wie im Interesse 
der wissenschaftlich gebildeten Beamtenschaft. Das haben auch 
unsere Universitätsbibliotheken in der Provinz wohlweislich durch¬ 
geführt. Aber da wir keine Mittelbeamte haben, fällt das auch 
dort wieder auf wissenschaftliche Beamte. Die zweite Folge ist bei 
uns, daß da und dort wenigstens ausnahmsweise Diener für solche 
Arbeiten herangezogen werden müssen, die ihnen doch eigentlich 
nicht gebühren: zum Nachschlagedienst, zum Ausleihdienst, zur 
Rücknahme der Bücher, zum Einlegen der Katalogblätter, zur Her¬ 
stellung verschiedener Katalogblätter mit Maschinenschrift, zu Re¬ 
visionen, zur Evidenzhaltung der Zeitungen usw.; wohl überall 
unter Kontrolle der Wissenschaft]ichen Beamten. Das Gegenstück 
dazu ist, daß an einer der österreichischen Studienbibliotheken, die 
überhaupt alle nur ein ganz kleines Personal haben und das natür¬ 
lich nur für größere Bibliotheken mögliche Referatsystem nicht 
durchführen können, daß dort Beamte sehr untergeordneten Ob¬ 
liegenheiten nachkommen müssen. 

Wie sich die kontinentalen Bibliotheken überhaupt der heute nun 
einmal geforderten Art des Betriebes nur schwer und langsam an¬ 
passen, so gilt das für Österreich insbesondere für den in Rede 
stehenden Punkt. Es ist eine Verschwendung teurer Arbeitskräfte, 
wenn bei den heutigen Anforderungen an die Bibliotheken, die 
unter allen Umständen eine starke Mechanisierung erfordern, die 
Bibliotheken ausschließlich akademisch gebildete Beamte anstellen. 




142 


Mayer 


/ 


In Österreich war das bis jetzt so gehalten. Das ist umso merk¬ 
würdiger — ich mache damit noch eine kleine Rückwendung ins 
Historische —, als der Gedanke der Zweiteilung des Bibliotheks¬ 
personals in Österreich schon in unserer, in ihrer Art vortrefflichen 
Bibliotheksinstruktion vom Jahre 1825 enthalten ist und es auch 
an späteren Wiederholungen des Gedankens nicht ganz gefehlt hat. 
Nun scheint neuestens, wo überhaupt die Reform der Staatsver¬ 
waltung auf der Tagesordnung steht, der ganzen Sachlage unsere 
oberste Behörde selbst ihr Augenmerk zuzuwenden, und eine ernst¬ 
liche Reform wird, wie man hört, erwogen. Tatsächliches darüber 
ist mir offiziell nicht näher bekannt und ich kann darüber also hier 
nicht sprechen. Aber es versteht sich, daß da gerade die heutige 
Tagung, welche die Fachvereinigungen dreier Staaten zusammen¬ 
geführt hat, die Beschlüsse, die hier gefaßt werden, die vollste Be¬ 
achtung an unseren maßgebenden Stellen finden dürften. 

Gehen wir aber nach Deutschland zurück und fragen zunächst weiter: 
Welche Arbeiten sind da den Mittelbeamten zugewiesen? Da ist 
gleich einiges Allgemeinere zu bemerken. So meldet eine große Zentral- 
bibliothek, daß die Scheidung der Arbeiten noch nicht ganz durch¬ 
geführt sei; anderswo ist es die geringe Anzahl der wissenschaft¬ 
lichen Beamten, die es zu einer solchen Scheidung nicht hat kommen 
lassen. Es ergeben sich sonst in dem Materiale zahlreiche Fehler¬ 
quellen. Die Termini sind nicht überall gleich oder bedeuten nach 
lokalen Verschiedenheiten auch Verschiedenes. Ferner aber: Die 
Arbeiten, die den mittleren Beamten zugewiesen werden, werden 
z. T. im vollen Umfange von ihnen besorgt, z. T. heißt es aus¬ 
drücklich : „Mithilfe“ an dieser oder jener Arbeit, so daß eine Bi¬ 
bliothek z. B. einfach sagt: „Alphabetischer Katalog“, die andere 
„Mithilfe“ am Alphabetischen Katalog; natürlich wird auch ge¬ 
legentlich hervorgehoben, daß die eine oder andere Arbeit unter 
Aufsicht geschähe, ohne daß etwa ex silentio Schlüsse in contrarium 
zu ziehen wären. Ich kann auch nicht zweifeln, daß manche Arbeiten 
in dieser oder jener Antwort keine Stelle gefunden haben, obwohl 
sie vielleicht tatsächlich von Mittelbeamten vollzogen werden. 

Gehen wir nun gleich aufs einzelne ein. Denn ganz vereinzelt 
ist es doch wohl, wenn eine von einem ersten Kollegen geleitete 
Universitätsbibliothek ihnen alle Arbeiten zuweist, mit Ausnahme 
der Tätigkeit an den Realkatalogen und bei den Anschaffungen. 
Unbestimmt drückt sich eine andere Universitätsbibliothek aus: 
„Alle Arbeiten, zu denen nicht gelehrte Bildung erforderlich ist“, 
um das aber nur durch Geschäfte wie Ausleihe, Buchbinderei zu 
exemplifizieren. In einer großen Fachbibliothek nicht eigentlich wissen¬ 
schaftlichen Charakters, mehr Amtsbibliothek, läßt der Leiter, ein 
wissenschaftlicher Beamter, unbedenklich überhaupt alle Arbeiten 
von ihnen ausführen. 

Für uns handelt es sich hier jetzt um die einzelnen Geschäfte. 

Die Ausleihstelle gilt fast allgemein als Gebiet der mittleren Be¬ 
amten, zum Teil in weiteren, zum Teil in engeren Grenzen, bald 






Der mittlere Dienst 


143 


mit einem wissenschaftlichen Beamten als Vorstand, bald auch mit 
dem auswärtigen Leihverkehr vereinigt, bald getrennt von diesem, 
wie es scheint. Meist geht wohl auch die Rücknahme der entlehnten 
Werke mit der Ausleihe zusammen. Bei den österreichischen Biblio¬ 
theken gibt es eine zentralisierte Ausleihstelle nur ganz vereinzelt, 
i. a. findet die Entlehnung in den Lesesälen statt, ist also dezen¬ 
tralisiert. 

Das Einfordern ausständiger Werke gehört zweifellos in den 
ganzen Komplex von Entlehnung und Rückstellung, wenn es auch 
nur einige wenige Bibliotheken ausdrücklich als Arbeit ihrer Mittel¬ 
beamten nennen. 

Ganz verbreitet ist natürlich ihre Heranziehung zu Kanzlei¬ 
arbeiten, wo zum Teil auch die Schreibmaschine in Verwendung 
ist. Eine große Zentralbibliothek hat hierfür einen eigenen Personal¬ 
status, den sie nicht eigentlich zu den mittleren Bibliotheksbeamten 
rechnet. Das wäre also eine besondere Klasse von Mittelbeamten. 
Zu den Kanzleiarbeiten gehört das Gestionsprotokoll, jedenfalls auch 
das, was einzelne Bibliotheken als einfachere oder leichtere Kor¬ 
respondenz bezeichnen. Dann das Rechnungswesen, eine unstreitige 
Domäne ihrer Tätigkeit, so in einer großen Anzahl der befragten 
Bibliotheken. 

Der Dienst im Lesesaal ist ihnen übertragen, ebenso zahlreich, 
schon eine eigentlich als bibliothekarisch im engeren Sinne angesehene 
Arbeit, die Verzeichnung des ganzen Zuwachses. 

Kaum geringer ist die Anzahl der Anstalten, die den mittleren 
Beamten mit dem Buchbinder befassen, in mehr oder minder ein¬ 
geschränkter Form. 

Aber am meisten interessiert gegenwärtig die Frage, wie weit 
die Mittelbeamten an den Katalogarbeiten teilnehmen können. 22 von 
den befragten reichsdeutschen Bibliotheken weisen ihnen ausdrücklich 
solche Arbeiten zu. Freilich ist dann wieder öfters unklar, ob es 
sich um Verfassung der Katalogblätter oder etwa nur um bloße 
Nachtragungen im alphabetischen Bandkataloge handelt. Gelegent¬ 
lich heißt es: „Leichtere“ oder „Einfachere“ Katalogarbeiten, eine 
Bibliothek schränkt das Beschreiben auf deutsche Werke ein, während 
eine andere sie schlankweg alle Katalogarbeiten ausführen läßt, sie 
auch am Realkatalog beschäftigt, von dem sie sonst fast überall 
ferngehalten sind. Hier spielt natürlich der Zetteldruck eine Rolle; 
wo die Berliner Zetteldrucke verwendet werden, vereinfacht sich 
die Sache von vornherein sehr. 25 reichsdeutsche Bibliotheken 
melden, daß sie vom Druck für ihre Kataloge Gebrauch machen, 
aber ein Teil von ihnen tut das nur für Dissertationen, Programme 
usw., in Österrreich nach meinem Material nur 4 Bibliotheken. 

Das Einlegen der Katalogblätter nennen als Beschäftigung der 
Mittelbeamten nur ganz wenige Bibliotheken. Mehr als ein Dutzend 
beschäftigen sie bei den Fortsetzungen; beim Nachschlagedienst, 
bei der Einziehung der Pflichtexemplare, beim Postdienst, der als 
eigene Postausfertigung vom Nachschlagen der auswärtigen Be¬ 
ll 
* 




144 


Mayer 


Stellungen unterschieden scheint, hei den Dubletten haben sie über¬ 
all zu tun, den Schriftenaustauschverkehr weist man ihnen weniger 
gern zu. 

Wo ihnen — ausnahmsweise — der Verkehr mit dem Buch¬ 
händler ganz oder teilweise eingeräumt wird, dort ist es klar, daß 
es sich nur um die mechanische Abwicklung der Geschäfte handeln 
kann, Ausführung von Aufträgen der wissenschaftlichen Beamten. 
Wundern muß man sich, daß sie ebenso ausnahmsweise in Ver¬ 
bindung mit der Statistik genannt werden. Von ganz vereinzelt 
ihnen zugewiesenen Geschäften seh’ ich ab. 

Machen wir hier einen Augenblick Halt. Wie schon früher 
bemerkt, kann es sich in diesem Referat nur um allgemeine Über¬ 
sichten, Feststellung der Richtung, der herrschenden Tendenz handeln. 
Man wird also nach dem Obigen, unter Berücksichtigung des über¬ 
haupt vorliegenden Materials gegenwärtig die Mittelbeamten, wo 
die Verhältnisse solche gestatten oder erfordern, und das sind alle 
öffentlichen Bibliotheken, grundsätzlich für folgende Tätigkeiten, 
alle unter Kontrolle, Oberleitung der wissenschaftlichen Beamten, 
in Anspruch nehmen dürfen: 

1. Ausleihe, Rücknahme, Einforderung. 

2. Lesesaaldienst- und Aufsicht. 

3. Nachscblagedienst an den Katalogen. 

4. Kanzleiarbeiten, also u. a. Führung der Eingangs- und 
Ausgangsprotokolle, Rechnungswesen, einfache Korrespondenz. 

5. Einziehung der Pflichtexemplare. 

6. Postausfertigungen. 

7. Dublettengeschäft. 

8. Zuwachsjournale. 

9. Fortsetzungslisten. 

10. Buchbinder. 

11. Von Katalogarbeiten: Eintragungen in den Bandkatalog, 
Beschreibungen moderner Werke, wo keine besonderen Schwierig¬ 
keiten vorhanden sind. 

12. Revision des Bücherbestandes. 

13. Führung der Statistik. 

Den wissenschaftlichen Beamten obliegen, wie gesagt, zunächst 
die höchst wesentliche Beaufsichtigung aller dieser Geschäfte im 
weitesten Umfange, ferner alle übrigen bibliothekarischen Arbeiten. 
Es bleiben noch genug solche für uns, denen voll zu genügen wir 
alle Kräfte anspannen müssen, und es ist gar nicht nötig, auch 
jene unserer Geschäfte, die sehr einfacher Natur sind und wirklich 
nur eine simple Vorbildung brauchen, gleichsam zum Schutz mit 
einem mystischen Schleier zu umgeben. Natürlich würde gewiß 
manchmal ein nach bestimmter Richtung befähigter mittlerer Beamter 
auch höheren Anforderungen ohne weiteres genügen, aber man 
kann doch ein Schema nur auf den Durchschnittsfall zuschneiden. 
Welche Geschäfte im einzelnen uns wissenschaftlichen Beamten zu¬ 
fallen und zufallen sollen, ergibt sich aus dem Gesagten von selbst; 





Der mittlere Dienst 


145 


Zweifel hierüber könnte die Diskussion lösen. Es ist allbekannt, 
daß für verschiedene dieser Geschäfte — wenigstens bei uns zu 
Lande ist es so — die Beamten jetzt nur ganz unvollkommen auf- 
kommen können, weil sie mit mechanischen Arbeiten überlastet 
sind. So mußte an einer der größten Bibliotheken Österreichs die 
Arbeit am Realkataloge bis auf weiteres ganz eingestellt werden. 
Daß unter solchen Umständen schließlich diejenigen in Mitleiden¬ 
schaft gezogen werden, um derentwillen die Bibliotheken eigentlich 
da sind, nämlich das Publikum, liegt auf der Hand. Auch das ist 
eine Tatsache und alle unbefangenen Kollegen werden das zugeben, 
daß der Beamte sich zu leicht an die rein mechanischen Arbeiten 
gewöhnt und daß ihm dann jede andere Tätigkeit geradezu als eine 
Störung erscheint. Wie oft wird das ratsuchende Publikum an irgend 
ein Buch gewiesen, mit dem Bemerken, daß dort die näheren 
Literaturangaben ersichtlich seien, oder was noch bequemer ist, an 
einen anderen Beamten, der ebenfalls den Besuch als Störung auf¬ 
faßt und zu mühsameren Recherchen die Lust nicht hat, einfach 
weil er die Zeit dazu nicht hat. 

Wir kommen zu der Frage des Zahlenverhältnisses der mittleren 
und der wissenschaftlichen Beamten. Dieses schwankt ganz und 
gar. Es bewegt sich bei den selbständigen Anstalten zwischen 20 
und 75%, im Durchschnitt 46%, bei den Universitätsbibliotheken 
11% bis zu 50°'o, im Durchschnitt 27%, bei den technischen Hoch¬ 
schulen 50 bis 75%, im Durchschnitt 65%, bei anderen Biblio¬ 
theken zwischen 30 bis 93%, also Durchschnitt 61%. Es gibt Biblio¬ 
theken, die nur einen einzigen wissenschaftlichen Beamten haben, 
den Vorstand. Man smht also, daß sich, derzeit wenigstens, über¬ 
haupt gar keine allgemeine Regel wird aufstellen lassen. Das hängt 
ohne Zweifel von der Art der Anstalten, der Qualität und Quanti¬ 
tät der Sammmlung, Charakter und Zahl der Beamten ab. Je größer 
die Anstalt ist und je mehr sie benützt wird, desto mehr Mittel¬ 
beamte wird man schließlich brauchen. Das wird aber durchkreuzt 
durch einen anderen Faktor: Je ausgeprägter der wissenschaftliche 
Charakter einer Bibliothek, desto mehr wissenschaftliche Beamte 
werden ihr nötig sein. 

Ich habe noch von der Vorbildung der Mittelbeamtenzu sprechen,, 
nachdem heute bereits über die Vorbildung des wissenschaftlichen 
Bibliothekars gehandelt worden ist. Nun, für Preußen hat der Er¬ 
laß vom 10. August 1909 Normen festgelegt. Für Bayern kömmt 
hier § 31 der Verwaltungsordnung für die Hof- und Staatsbiblio¬ 
thek in Betracht (auch von 1909). Sonst scheinen die Anforderungen 
in Deutschland nicht überall fest bestimmt, wenigstens nicht ein¬ 
heitlich geregelt. So sind in Baden, wo es Mittelbeamte mindestens 
seit 1875, weibliche mindestens seit 1905 gibt, an der einen Biblio¬ 
thek 3 gelernte Buchhändler mit voller oder fast voller Gymnasial-, 
beziehungsweise Realschulbildung, von einer anderen schreibt man 
mir, die mittleren Beamten hätten die Vorbildung der Anwärter 
für den mittleren Justizdienst. Fragen wir nun auch hier: Wie soll 

11* 





146 


Mayer 


es sein? Nun muß das Maß von Anforderungen für die Bekleidung 
einer Stelle immer etwas höher gestellt werden, als die gang und 
gäbe Tagesarbeit von dem Manne erfordert. Aber doch glaube ich, 
daß für unseren Dienstzweig vollständige Mittelschule (Gymnasium, 
Realschule, Realgymnasium) nicht nötig ist. Eine Schulbildung, wie 
sie durch die Absolvierung der unteren und mittleren Klassen er¬ 
langt wird, wird i. a. genügen. Ich meine wirklich: Kann man 
die Anforderungen an den wissenschaftlichen Bibliothekar nicht 
hoch genug spannen, so muß man die Grenze zwischen diesem und 
dem mittleren Beamten umso schärfer ziehen. Meiner Überzeugung 
nach ist das eben gesetzte Maß der Vorbildung mehr als genügend 
für die Arbeiten, die wir dem Mittelbeamten zuweisen sollten. Aber 
dazu kommt noch anderes. Davon will ich ja ganz absehen, daß 
naturgemäß die Disziplin desto größer sein wird, je größer der 
Unterschied in der Ausbildung zwischen den wissenschaftlichen Biblio¬ 
thekaren und den Mittelbeamten ist, und dies wieder nur zum Vor¬ 
teil des einzelnen Institutes. Viel wichtiger ist schon die größere 
Fähigkeit der minder qualifizierten Beamten, einfache Arbeiten 
rasch und ohne Ablenkung zu erledigen. 

Nach diesem werden Sie begreifen, daß mir z. B. die An¬ 
forderungen des preußischen Erlasses viel zu hoch scheinen. Für 
einen Grundfehler halte ich, daß er den mittleren Dienst an wissen¬ 
schaftlichen Bibliotheken und den Dienst an Volksbibliotheken 
gleichsetzt. Das ist nicht richtig. Der Dienst des Bibliothekars an 
Volksbibliotheken stellt höhere Anforderungen als jener mittlere, 
der Volksbibliothekar muß und soll vielfach die Leser beraten. Die 
Ablegung einer Fachprüfung nach einer gewissen Zeit der Praxis 
scheint mir allerdings auch für die Anwärter des mittleren Dienstes 
unerläßlich. Aber anstatt weit getriebener Nachweise über literarische 
Bildung, eigentlich höhere bibliothekarische Kenntnisse, wäre auch 
auf Fertigkeit im Kanzlei- und Rechnungswesen vielleicht ein be¬ 
sonderes Gewicht zu legen. Denn noch eine dritte Beamtenkategorie 
in den Bibliotheksdienst einzuführen, muß man doch wohl ablehnen. 
Auf die Frage der Zulassung weiblicher Hilfskräfte geh’ ich nicht 
weiter ein, wie ich sie überhaupt bei der ganzen Untersuchung 
nicht besonders geschieden habe, obwohl mein Material immerhin 
einigen Anhalt geboten hätte. Uns in Österreich fehlen ja hier 
ebenso wie bei dem ganzen Mittelbeamtentum im ganzen die Er¬ 
fahrungen; einzelne Damen mit wissenschaftlicher Bildung, also 
höher qualifizierte Beamte, haben bereits Eingang in unsere Ministerial- 
bibliotheken gefunden und das wird bei der Ausbreitung des Frauen- 
Studiums auf unseren Hochschulen noch weiter fortschreiten. 

Die Folgerungen dieses Referates habe ich in einer Reihe von 
Thesen zusammengefaßt, die in Ihren Händen sind, im übrigen der 
Debatte nur als ein Substrat dienen sollen, und ich kann nun 
zum Schluß eilen. 

Vielleicht darf dieser vom Engeren ein wenig ins Weitere 
zielen. 



Der mittlere Dienst 


147 


Wird jene scharfe Grenze zwischen wissenschaftlichen Biblio¬ 
thekaren und Mittelbeamten gezogen, die ich angedeutet habe, so wird 
der Bibliothekar erst frei für seine rechten Aufgaben. Gewiß, Biblio¬ 
theken sind Hilfsanstalten, aber es sind die vornehmsten und 
wichtigsten für den wissenschaftlichen und literarischen Betrieb. 
So soll man auch die wissenschaftlichen Beamten dieser Anstalten 
nicht herabwürdigen und mißbrauchen durch Arbeiten, mit denen 
kostspielige und wertvolle Kraft verzettelt wird. Wie die großen 
Bibliotheken Selbständigkeit brauchen, um ihrer hohen Bestimmung 
zu genügen, z. B. auch relative Freiheit von anderen Anstalten, 
Universitäten usw., dort umso mehr, wo ein weiteres Publikum auf 
sie angewiesen ist, so braucht auch der Bibliothekar Freiheit und 
Selbständigkeit. Er verdient auch beides! Ich will ja die Stellung 
des Bibliothekars nicht gewaltsam hinaufschrauben. Gott behüte! 
Aber lassen Sie uns eines bedenken: Leben wir in einer Zeit der 
mächtigsten Fortschritte von Wissenschaft und Technik, mit denen 
nur leider das Glück und die Zufriedenheit der Menschheit nicht 
Schritt hält, und steht doch hart daneben eine erschreckende Ver¬ 
armung des geistigen Horizontes durch die extremste Arbeitsteilung, 
neben imponierendem Spezialistentum der betrübnndste Rückgang 
ausgeglichener Bildung, so ist gerade der bibliothekarische Beruf 
ein solcher, daß der Mann, der einer allgemeiner enzyklopädischen 
Bildung ermangelt, nur ein schlechter Bibliothekar sein wird. Da 
lassen Sie uns unsere Stellung nehmen, meine Herren! Bearbeite 
jeder von uns nach Kräften und Neigung auch seine besondere 
Fachwissenschaft, aus der er hervorgegangen ist oder die er sich 
später erwählt hat, daraus werden wir, wie aus einem Jungbrunnen, 
immer erneute Kraft ziehen. Aber dieses Bestreben teilen unzählige 
andere mit uns. Unser besonderer Stolz soll ein anderer sein: Daß 
wir gerade als Berufsmenschen, sozusagen von amtswegen, ein Ideal 
haben müssen, das unserer Zeit der Einseitigkeiten, Übertreibungen 
und Ausschreitungen immer mehr abhanden kömmt: ALLGEMEINE 
BILDUNG. 

-X- 

Zu diesem Vortrag wurden die nachstehenden Thesen verteilt: 

I. Mittelbeamte an öffentlichen Bibliotheken sind ein Gebot der 
modernen Entwicklung dieser Anstalten. 

II. Die Gruppe der Mittelbeamten ist eine einheitliche, eine weitere 
Beamtengruppe zwischen wissenschaftlichen Beamten und Unterpersonal 
(Dienern) ist abzulehnen. 

III. Den Mittelbeamteu sind an größeren Anstalten i. a. folgende 
Geschäfte zuzuweisen, alle unter Aufsicht, beziehungsweise Oberleitung 
der wissenschaftlichen Beamten: 

1. Ausleihe, Rückstellung, Einforderung der Bücher. 

2. Lesesaaldienst und -aufsicht. 




148 


v. Mzik 


3. Nachschlagedienst. 6. Postausfertigungen. 

4. Kanzleiarbeiten, Protokollfüh- 7. Dubletten, 

rung, Rechnungswesen, einfache 8. Zuwachsjournale. 

Korrespondenz. 9. Fortsetzungslisten. 

5. Pflichtexemplare. 10. Buchbinder. 

11. Von Katalogarbeiten: Eintragung in den Bandkatalog, Beschreibung 
moderner Werke, wo keine besonderen Schwierigkeiten vorhanden 
sind, alle Vervielfältigungen der Zettel. 

12. Revision des Bücherbestandes. 

13. Statistik. 

IV. Für das Zahlenverhältnis der beiden Beamtenkategorien kann 
keine Regel aulgestellt werden. Einerseits umsomehr Mittelbeamte, je 
größer die Anstalt und je stärker sie benützt wird, anderseits umsomehr 
wissenschaftliche Beamte, je ausgeprägter der wissenschaftliche Charakter 
der Bibliothek. 

V. 1. Als allgemeine Vorbildung der Mittelbeamten genügt das 
durch die unteren bis mittleren Klassen der Gymnasien, Realschulen und 
gleichstehenden Anstalten vermittelte Bildungsmaß. 

2. Anstatt allzuweit getriebener Prüfungsanforderungen aus den 
literarischen und bibliothekarischen Disziplinen ist auf Fertigkeit im 
Kanzlei- und Rechnungswesen entsprechendes Gewicht zu legen. 

VI. Die Lage der gegenwärtig tätigen wissenschaftlichen Bibliothekare 
darf durch die Aufnahme mittlerer Beamten nicht verschlechtert werden, 
wohl aber soll die Zulassung neuer Anwärter zum höheren Bibliotheks¬ 
dienst nur nach dem wirklichen Bedürfnisse erfolgen, mit Rücksicht auf 
die bestehenden Standes- und Vorrückungsverhältnisse. 


ZUR FRAGE DES GESAMTKATALOGES. 

Prinzipielle Bedenken. 

Die Verhandlungen über den Gesamtkatalog auf dem Biblio¬ 
thekartage in München waren in ihrem Verlaufe dazu angetan, bei 
dem unbeteiligten Zuhörer ein gewisses Befremden zu erwecken. 
Einerseits gewann man den Eindruck, daß — im Gegensätze zu den 
sonstigen Debatten — die Redner bei dieser Frage sich mehr von 
Gefühlsgründen als von wissenschaftlichen und bibliothekarischen 
Gesichtspunkten leiten ließen; anderseits wurden fast nur Durch- 
führungs- und Kostenfragen besprochen. Fis mußte merkwürdig be¬ 
rühren, daß Pro- und Kontraredner in dem Lobe des Gesamtkataloges 
übereinstimmten und daß die Opposition im großen und ganzen sich 
nur mit Problemen zweiten Ranges, kaum mit der Idee selbst be¬ 
faßte. Gerade das letztere wäre unserer Meinung nach sehr nützlich 
gewesen. Bezeichnend dafür, wie sehr alle Teilnehmer der Tagung 
unter dem Banne des Planes standen, ist es, daß es die Rede eines 
Gegners war, die in die Worte ausklang: „Kiemand wird leugnen, 
daß der Gesamtkatalog etwas Wunderbares sei.“ Man fühlt sich fast 






Zur Frage des Gesamtkataloges 


149 


versucht, mit Lessing zu entgegnen: „Ich bin dieser Niemand, ich 
leugne es geradezu — --.“ 

Wir halten es für unbedingt notwendig, daß der Zweck und 
Wert des Gesamtkataloges in seiner proponierten Form einmal in 
diesen Blättern zur Diskussion gestellt werde. Dieser Absicht sollen 
die folgenden, das Thema keineswegs erschöpfenden Thesen gelten. 

I. Der Gesamtkatalog ist trotz seines Namens nur ein Torso, 
denn er umfaßt nur das Deutsche Beich, nicht aber die deutschen 
Bibliotheken Österreichs und der Schweiz, die zwar anderen Staaten 
angehören, aber wissenschaftlich wie ein Organismus funktionieren. 
Er ist also selbst wieder nur eine Etappe auf dem Wege zu einem 
Gesamtkataloge des ganzen deutschen Sprachgebietes, eine kostspie¬ 
lige, zeitraubende und überflüssige Etappe, die vermieden werden 
kann und muß. 

II. Der Gesamtkatalog ist auch deshalb ein Torso, weil er nach 
dem Plane gewisse Bücherkategorien nicht enthalten soll. Diese 
Bücher werden natürlich nach rein mechanischen Prinzipien ausge¬ 
sondert werden, denn auch andere als mechanische Prinzipien müssen 
sich im Laufe der Zeit in solche verwandeln. Es soll unbestritten 
bleiben, daß dies im Interesse einer gewissen Deduktion des Um¬ 
fanges und einer besseren Benützbarkeit notwendig ist. Aber ein 
Verstoß gegen das Axiom, daß der Bibliothekar über den Zukunfts¬ 
wert eines Buches nicht aburteilen darf, hat sich bisher noch stets 
gerächt. 

III. Da der Gesamtkatalog niemals in seiner Eigenschaft als 
Katalog aller auf den reichsdeutschen Bibliotheken vertretenen 
Bücher benützt werden wird, ausgenommen etwa von Bibliotheken, 
die ihre Bestände revidieren wollen, sondern immer nur als Fach¬ 
katalog für eine oder mehrere Wissenschaften von den Benützern in 
Anspruch genommen werden wird, so empfiehlt es sich vielmehr, an 
die Ausarbeitung solcher Fachkataloge zu gehen, z. B. an einen Kata¬ 
log der gesamten Erzählungsliteratur, der Geographie, der Anthropo¬ 
logie, der Zoologie, der klassischen Philologie usw. Die Summe 
dieser Gesamtfachkataloge würde einen viel besseren, zweckmäßigeren 
und auch handlicheren Katalog ergeben, als der proponierte Gesamt¬ 
katalog es ist. Auch würden solche Gesamtfachkataloge von zahl¬ 
reichen Privaten und von kleineren Bibliotheken, die sich speziell mit 
dem einen oder dem anderen Fache befassen und für welche der Ge¬ 
samtkatalog etwas Unerschwingliches oder Zweckloses wäre, gekauft 
werden. 

IV. Was den materiellen Teil der Frage anbetrifft, ist der Ge- 
samtkatalog zu kostspielig. Wir wollen gar nicht daran zweifeln, daß 
die materiellen Mittel für seine Herstellung vorhanden sind, aber die 
aufgewendeten Mittel müssen, mit dem erreichbaren Zwecke im Ein¬ 
klang stehen. Der Staat arbeitet auch hier wie anderwärts sehr teuer. 
Die Arbeit wird weder eine wissenschaftlich bibliographische, noch 
eine bibliothekarisch katalogisierende sein, sondern scheint nach allem, 
was man zu hören bekam — man muß es leider sagen — eine oberfläch- 








150 


v. Mzik — Zur Frage des Gesamtkataloges 


lieh inventarisierende werden zu sollen. Dazu bedarf es gar nicht der 
auf gewendeten Gelder, die in zahlreichen Neuanschaffungen von 
Büchern nutzbringender angelegt werden könnten, noch der Arbeits¬ 
kräfte so vieler opferwilliger Bibliothekare. Es wäre viel besser, dem 
Unternehmen, wenn es schon durchgeführt werden muß, eine prakti¬ 
schere — sagen wir rund heraus — kaufmännischere Basis zu geben. 
Ich wage den ketzerischen Vorschlag, es einfach einem vertrauens¬ 
würdigen Privatunternehmen — natürlich mit entsprechender Sub¬ 
vention, aber dazu genügen ja die jährlichen Zinsen des Kapitals —• 
zur Durchführung zu übertragen. Wer je in die Archive einer großen 
Versicherungsgesellschaft Einblick gewonnen hat, wird wissen, mit 
welchen verhältnismäßig geringen Kosten derartige umfangreiche 
Katalogisierungsarbeiten sehr sorgfältig hergestellt werden können. 

Im Anschlüsse an das hier Gesagte möchte ich noch ein paar 
Worte über die so sehr erwünschte und vorderhand wohl kaum zu 
erwartende zweite Auflage des „Generalkataloges der laufenden perio¬ 
dischen Druckschriften an den österreichischen . . . Bibliotheken“ 
hinzufügen. Den Teilnehmern am Bibliothekar tage lagen zwei Aus¬ 
hängebogen vor, die bei uns Österreichern ganz besonderes Interesse 
erweckten: Die „Rheinische Zeitschriftenliste“ und der „Deutsche 
Zeitschriftenkatalog“. Eür den Österreicher wird es nicht schwer sein 
zu sagen, welchem von beiden er den Vorzug geben würde. Die 
„Rheinische Zeitschriftenliste“ enthält bei jeder Zeitschrift nicht bloß 
Erscheinungsjahr, sondern auch überall eine Angabe der Bestände. 
Bei dem „Deutschen Zeitschriftenkatalog“ würde man eine solche ver¬ 
geblich suchen. Der Benützer wird also bei einer ihm unbekannten 
Zeitschrift nicht wissen, seit wann sie erscheint, ferner nicht wissen, 
ob die befragte Bibliothek die ganze Zeitschrift oder nur einzelne 
Serien oder nur einzelne Jahrgänge besitzt. Wie sehr dies die Brauch¬ 
barkeit eines Kataloges herabsetzt, sei dem Urteil derjenigen über¬ 
lassen, die mit dem vorzüglichen österreichischen Katalog bisher 
gearbeitet haben. 

Angesichts des Deutschen Zeitschriftenkataloges muß sich 
jedem österreichischen Bibliothekar der Wunsch auf drängen, daß die 
zweite Auflage unseres Generalkataloges endlich in Angriff genom¬ 
men werde. Da es gegenwärtig sehr unwahrscheinlich ist, daß dies 
unter der Ägide der österreichischen Staatsverwaltung geschieht, 
möchte ich mit einem Punkt IV analogen V or schlage hervor treten. Die 
zweite Auflage des Generalkataloges der österreichischen Zeitschrif¬ 
ten wäre, w T enn sie auch sämtliche bisher in Österreich erschienenen 
Periodica enthält, ein Werk, dem gewiß ein bedeutender buchhändleri • 
scher Erfolg beschieden sein würde. Ließe sich hier nicht ein öster¬ 
reichischer oder auch reichsdeutscher Verlag gewinnen, welcher die 
neue Auflage des Generalkataloges herausgeben würde ? Die Größe der 
Auflage wäre durch Subskription festzustellen. Daß die Nachfrage 
nach der ersten Auflage keine allzu hohe war, mag sich vielleicht aus 
persönlichen Gründen und aus dem wenig buchhändlerischen Ver- 





Österreichische Rundschau — Verwaltungsberichte 151 


triebe derselben erklären. Wir batten mehrfach Gelegenheit, mit deut¬ 
schen Bibliothekaren zu sprechen, die den Generalkatalog nicht kann¬ 
ten ! Die zweite Auflage aber würde im Gegensätze zur ersten durch 
die Aufnahme aller bisher in Österreich erschienenen Periodica mehr 
als ephemeren Wert haben und könnte durch periodisch erscheinende 
Nachträge stets auf dem Laufenden erhalten werden. Die Mühe einer 
solchen Arbeit verkennen wir nicht, aber es wäre eine Aufgabe, die 
der Mitarbeit aller Bibliothekare würdig wäre. Hic Bhodus —! 

Wien. Dr. v. M z i k. 


ÖSTERREICHISCHE RUNDSCHAU. 

DIE ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN IM VERWALTUNGS- 

JAHR 1910—11. 

Krakau, k. k. Jagellonische Universitätsbibliothek. 

Im Jahre 1911 betrugen die Einnahmen 34.998 K, darin die staat¬ 
liche Jahresdotation von 20.000 K, die Ausgaben: Büchereinkauf 28.147 K, 
Buchbinderkosten 5012 K, administrative Ausgaben 1837 K. Der ge¬ 
samte Bücherzuwachs ergab 6287 Druckschriften (darunter 2522 durch 
Ankauf, 1058 Pflichtexemplare, 1607 Geschenke, 1100 Dissertationen). 
Außerdem erhielt die Bibliothek als Geschenke 2 Handschriften und drei 
Inkunabeln. Demzufolge ergab sich der Totalbestand am Ende des Jahres 1911 
von 415.613 Bänden, 2873 Inkunabeln, 6327 Handschriften, 396 Diplomata, 
3265 geographischen Karten, 9861 Stichen, 4494 Musikalien. — Nicht 
ganz als Erwerb, aber doch als sehr schätzbares Benützungsobjekt ist 
die depositweise von der Akademie der Wissenschaften in Krakau über¬ 
nommene, reichhaltige, parömiographische Sammlung Ignaz Bernsteins 
aus Warschau (ca. 10.000 Bände) zu verzeichnen — ein Unikum in 
ihrer Art. Dieselbe wurde in einem separaten Lokale aufgestellt und ist 
bereits in Benützung. Die Ordnung und Verzeichnung der außerhalb 
des zweibändigen, gedruckten Kataloges befindlichen ca. 2000 Bücher 
wurde schon in Angriff genommen. 

Die Bibliothek war an 248 Tagen geöffnet. Benützt wurden im Lese¬ 
saal 136.855 Bände (1910: 122.084) von 40.783 Personen (1910: 36.021). 
Im Durchschnitt betrug die tägliche Frequenz 165 Leser mit 555 Bänden. 
Entlehnt wurden 19.347 Bände (1910: 13.737) von 1311 Personen 
(1910: 1216). Im auswärtigen Verkehr wurden 842 Bände (darunter 61 
Handschriften) versendet, 682 (darunter 154 Handschriften) bezogen. 
Das Bibliothekspersonal zählte außer dem Direktor 7 Beamte, 4 Prakti¬ 
kanten, 4 stabile und 3 provisorische Diener. — Die im Jahre 1909 
begonnenen Umsignierungs- und Inventarisierungsarbeiten wurden fort¬ 
geführt und es wurden im verflossenem Jahre 16.140 Bände bearbeitet. 
Die hiesige Bibliothek, welche bisher ohne Inventar als ein Unikum 
unter den Bibliotheken dastand, hat nun bereits 40.000 Nummern inven¬ 
tarisiert — freilich im Vergleich mit dem Gesamtbestand einen noch 
geringen Teil. Im Jahre 1911 wurde auch mit den Vorarbeiten zur 
Restaurierung des alten Bibliotheks-Gebäudes (Collegium maius) begonnen, 







152 


Österreichische Rundschau 


was an die Bibliotheks-Vorstehung eine schwierige bibliothekstechnische 
Aufgabe stellt, den Umbau derart durchzuführen, daß die Sammlungen 
nicht in Unordnung geraten und der gesamte Geschäftsgang nicht ge¬ 
stört werde. Es wurde der alte und sehr wertvolle theologische Bestand 
(mehr als 30.000 Bände) aus seinem entlegenen, feuchten und finsteren 
Aufbewahrungsort herausgeholt und im Mittelraum eines geräumigen und 
lichten Saales aufgestellt. Der freigewordene Raum konnte zur entsprechenden 
Restaurierung abgegeben werden. 

Görz, k. k. Studien-Bibliothek. 

Bestand am Ende des Jahres 1910: 28.909 Bände, Zuwachs im 
Jahre 1911: 411 Bände, Jahres Ende 1911: 29.320 Bände. — Die 

Bibliothek ist täglich 2 Stunden geöffnet. Montag, Dienstag, Donnerstag 
und Freitag von 10 —12, Mittwoch und Samstag von 3—5. Die Zahl 
der Leser betrug im Jahre 1911 1055, ausgeliehen wurden 3415 Bände. 
Die Bibliothek besitzt keinen eigenen Diener, sondern nur ein Schuldiener 
versieht Aushilfsdienste. Die Raumverhältnisse sind sehr mangelhaft. Nach 
der Verlegung des Gymnasiums in andere Räumlichkeiten dürften für 
die Bibliothekszwecke etliche knapp daran liegende Lokalitäten adaptiert 
werden, um so genügend Raum besonders für die Zeitschriften zu er¬ 
halten. Die Bibliothek ist für die Stadt Görz von großer Bedeutung 
und es ist nur zu bedauern, daß man sich ihrer so wenig annimmt. — 
Beamtendienste besorgen zur Zeit zwei Beamte: Prof. Dr. Schubert 
als provisorischer Leiter und Dr. Johann Bratina als Praktikant. 


DIE FLUGBLÄTTER-SAMMLUNG DER K. K. HOFBIBLIOTHEK. 

Von R. F. Arnold. 

Seit dem Frühling dieses Jahres ist die größte Bibliothek Öster¬ 
reichs um eine Abteilung reicher, wenigstens insofern, als ihre bisher in 
vielen Mappen, Kartons und Konvoluten befindlichen und größtenteils 
ungeordneten Ein- und Zweiblattdrucke in mehrjähriger Arbeit, bei 
welcher den Schreiber dieser Zeilen zuletzt die Herren Kustos Kluch 
und Dr. Brechler sowie Fräulein Dr. Pupini unterstützten, geographisch, 
chronologisch, nach Bedarf auch alphabetisch geordnet wurden und nun¬ 
mehr erst wissenschaftlicher Benützung zugänglich sind. Hiebei ergab 
sich zu wiederholtenmalen die Notwendigkeit, Ausscheidungen aus dem 
zu ordnenden Bestände vorzunehmen. Man stieß auf viel Handschrift¬ 
liches (sogar aus dem Mittelalter), auf eine vereinzelte Inkunabel (Abla߬ 
zettel ex 1482), auf bildliche Darstellungen und Musikalien, die den be¬ 
treffenden Departements der Anstalt überwiesen werden; ferner fanden 
sich, namentlich unter der überaus reichen Achtundvierziger Literatur, 
hunderte von Broschüren, oft ganz stattlichen Umfangs, die man der 
ordnungsmäßigen Behandlung unserer Impressen zuführte, und nicht 
weniger als 424 Dubletten. 

Die Zahl der Flugblätter dürfte sich einer vorgenommenen Schätzung 
nach auf 9000 bis 10.000 belaufen. Natürlich hat Österreich als Ur¬ 
sprungsland den Löwenanteil, daher denn von den 21 stattlichen Kartons, 






Arnold — Flugblättersammlung der Hofbibliothek 


153 


in denen die Sammlung jetzt untergebracht ist, nicht weniger als 19 auf 
(jetziges oder ehemaliges) österreichisches Gebiet entfallen; und von diesen 
19 sind wieder 11 allein von der märchenhaft reichen Tagesliteratur 
des Revolutionsjahres in Anspruch genommen. Wenn wir den bewunde¬ 
rungswürdigen Sammelfleiß und der peinlichen Genauigkeit Helferts vor¬ 
zügliche Bibliographien der Journalistik *) und der Lyrik * 2 ) des Sturm¬ 
jahres verdanken, so bietet unsere Sammlung nun die bequemste Ge¬ 
legenheit zu einer Registrierung einer dritten (sich mit der zweiten 
allerdings zum Teil deckenden) Kategorie der Achtundvierziger Literatur. 3 ) 
Aul diesem Gebiete dürfte sich unsere Sammlung, wie schon aus den 
vielen Dubletten geschlossen werden darf, der Vollständigkeit nähern. 
Sie wurde ja aus drei voneinander ganz unabhängigen Quellen reichlich 
gespeist; außer ihren eigenen Pflichtexemplaren, die freilich im tollen 
Jahr nicht allzu regelmäßig eingeliefert worden sein dürften, hat die Hof¬ 
bibliothek zu Ende des vorigen Jahrhunderts durch Schenkung die Politiica 
der Bücherei des Ministerratspräsidiums erhalten, welche ihrerseits 
wieder die „Bibliothek der k. k. obersten Polizeibehörde“ absorbiert 
hatte. Von den elf Achtundvierziger Kartons entfallen sechs (mit den 
Nummern 9—14) auf Wien; 15 umfaßt die Alpenländer, 16 die ganz 
oder teilweise slawischen Kronländer, 17 Ungarn, 18 Venetien, 19 die 
Lombardei. Der Karton 20 enthält die lombardo-venetischen Flugblätter 
des Jahres 1849. 

In den Kartons 1 — 5 a und b befinden sich in chronologischer Reihen¬ 
folge die österreichischen Flugblätter vor und nach 1848, von unserem 
ältesten datierten Austriacum, einer Jagdverordnung Karls V. für das 
„Fürstenthumb Steyr“ (vom 20. August 1520) bis zu den Agitations¬ 
blättern der letzten Wiener Reichs- und Gemeinderatswahlkämpfe, die 
wir in möglichster Vollständigkeit zu sammeln gestrebt haben. Karton 
6 enthält die lombardo-venetischen Flugblätter aus der Zeit vor und nach 
der Revolution. 

Karton 7 beherbergt die außerösterreichischen Flugblätter des 
römisch-deutschen Reiches und des deutschen Bundes (ältestes Stück 
eine Münchener Aderlaßtafel vom Jahre 1501), Karton 8 unter der 
Überschrift „Ausland“ Ein- und Zweiblattdrucke französischer, englischer, 
niederländischer, schweizerischer, spanischer, italienischer, türkischer, 
neugriechischer, schwedischer, polnischer, russischer, amerikanischer 
(nicht weniger als 68 Stück) und australischer Herkunft. 

Eine tiefgehende Charakteristik dieser räumlich und zeitlich soweit 
ausgedehnten und inhaltlich äußerst buntscheckigen Sammlung verbietet 
sich von selbst; sie enthält namentlich in dem das 16. und 17. Jahr¬ 
hundert Österreichs umfassenden Karton 1, ferner in Nr. 6 und 7 Stücke 
von großer Seltenheit und Kostbarkeit; und wenn auch im allgemeinen, 

0 „Die Wiener Journalistik im Jahre 1848“ (1877). 

2 ) „Der Wiener Parnaß im Jahre 1848“ (1882). 

s ) Bisher sind die betreffenden Publikationen m. W. nur für die Steiermark 
registriert: Josef v. Zahn, Katalog der Proklamationen, Maueranschläge und 
anderer Stimmen von März bis Dezember 1848 für Graz und einzelne Orte auf 
dem Lande (1898). 







154 


Deutsches Reich 


Turfan- 

sammiung. 


wie ja natürlich, Drucke administrativen und politischen Charakters 
quantitativ alle sonstigen Gattungen überwiegen, so fehlt es doch nicht 
an Stücken von hohem literar- und kulturhistorischen Interesse. 


DEUTSCHES REICH. 

AUS NORDDEUTSCHLAND. 

Berliner Brief.*) 

Die „Vereinigung Berliner Bibliothekare“ bot im verflossenen 
Jahre mancherlei Anregungen und trug in dem Bestreben, über 
schwebende Probleme des Bibliothekswesens einen Gedankenaus¬ 
tausch herbeizuführen, in kleinem Kreise dazu bei, das Interesse für 
berufliche Prägen zu fördern. 

So veranstaltete sie am 11. Februar eine Besichtigung der Turfan- 
sammlung des Völkermuseums unter Führung von Dr. A. v, 
Le Coq. Es zeigte sich dabei im einzelnen, was der Bibliothekar aus 
dieser hochwichtigen Sammlung lernen kann, den Ergebnissen dreier 
deutschen Expeditionen nach der Turfanoase in Chinesisch-Turki- 
stan. — Der erläuternde Vortrag des Führers zeigte die vielfachen 
Beziehungen vergangener Kulturen, die sich in diesem Gebiete ver¬ 
einigt fanden. Persische, hellenistische, indische, chinesische Ein¬ 
flüsse, buddhistische, christliche und manichäische treten hier in der 
alten Hauptstadt des Uigurenreichs, der Kuinenstadt Xdikut-Schahri 
oder Chotscho, der heutigen Turfanoase, in mannigfachen Verbin¬ 
dungen und Umgestaltungen auf. Hier haben sich wichtige Sanskrit¬ 
fragmente gefunden (u. a. Bruchstücke von Grammatiken, * 2 ) von bud¬ 
dhistischen Dramen 3 ) und die von B. Pischel herausgegebene Sans¬ 
kritrezension des Päli-Dhammapada, 4 ) die die Quelle der tibetischen 
Übersetzung Udänavarga ist). Dann liegt eine neuentdeckte arische 
Sprache neben der der Indoskythen, dem „Tocharischen“, vor, um 
deren Entzifferung sich namhafte Gelehrte verdient gemacht haben 
(u. a. E. Leumann, 5 ) E. Sieg 6 ) und W. Siegling, S. Levi). 7 ) Ferner tritt 
uns hier das Uigurische entgegen, die alte türkische Landessprache, 
weiter Soghdisch, das die iranischen Manichäer als ihre Umgangs¬ 
sprache mitbrachten, endlich Syrisch durch die Kestorianer, Chine¬ 
sisch und Tibetisch. — Die Alphabete nun, in denen diese Sprachen 
geschrieben sind, zeigen auch eine große Verschiedenheit. Tocharisch 
tritt in der zentralasiatischen Abart der indischen Brähmi-Schrift 
auf; Sanskrit in verschiedenen indischen Alphabeten (Karo^fhl, Gupta 

*) Für freundliche Unterstüzung beim Zusammenstellen der Mitteilungen 
ist der Berichterstatter Herrn Oberbibliothekar Fick sehr zu Dank verpflichtet. 

2 ) E. Sieg: Sitzungsber. d. Pr. Ak. d. W., 1907, 466 ff., 1908, 182 ff. 

3 ) H. Lüders: Kleinere Sanskrittexte 1. 1911. 

4 ) Sitzungsber., 1908, S. 968 ff. 

5 ) Zur nordar. Sprache u. Lit. (Schrift d. wiss. Ges. in Straßb. 10[1912j). n. ö. 

6 ) Sitzungsber., 1908, S. 915 ff. 

7 . Z. B. Festschr. E. V. Thomsen 1912. 






Berliner Brief 


155 


[mit mehreren Abarten], Brahml, Kägari, Särada). Dann finden sich 
Texte in Estrangelo, der altsyrischen Schrift, ferner in den eigent¬ 
lichen nigurischen Charakteren, einer Variante der soghdischen 
(ostiranischen) Schrift. Sie wurde von den Türken der Oase Turf an, 
die hier ein Deich gründeten, angenommen. Dazu tritt eine bisher 
noch unbekannte semitische Kursivschrift [in der Sprache der weißen 
Hunnen (Hephthaliten) ], tibetische, tangutische, chinesische Schrift, 
und endlich finden sich Manuskripte in einer Quadratschrift, den 
köktürkischen Runen, deren Entzifferung dem dänischen Gelehrten 
Vilhelm Thomsen zu verdanken ist. 1 ) Wichtig ist, daß die Runen¬ 
schrift auf Papier geschrieben vorkommt, da sie bisher nur von den 
Steindenkmälern der Mongolei her bekannt war. Die Sprache der 
Runen ist türkisch sowie ostiranisch (mittelpersisch). Der Inhalt zeigt 
uns die Manichäer mit dem Studium der Landessprache beschäftigt. 

Diesen verschiedenartigen Kultureinflüssen, die sich in Sprache, 
Schriftart und Religion zum Ausdruck bringen, entspricht eine 
große Mannigfaltigkeit des Materials und seiner Bearbeitung in 
den uns überlieferten Aufzeichnungen. Dreierlei Beschreibstoffe 
kommen im wesentlichen zur Anwendung 2 ) (neben chinesischen Holz- 
täfelchen und indischem Leder): 1. Birkenrindenpapier, 2. Palm¬ 

blattpapier und 3. echtes gefilztes Papier. Das von den Chinesen 
erfundene echte gefilzte Papier wird teils aus Pflanzenbastfasern 
direkt hergestellt, teils aus Lumpenfasern und wird sowohl mit 
Weizen- und Reisstärke als auch mit Schleim (aus Gummi oder 
Eiechten) appretiert. Die dort gefundenen Papiere sind „anerken¬ 
nenswerte Leistungen der Technik des früheren Mittelalters.“ 3 ) Daß 
die Turfansammlung Proben des ältesten bisher bekannten Papiers 
enthält, ist durch die Forschungen Jul. v. Wiesners 4 ) und R. Koberts 
(a. a. O.) festgestellt worden. — W T ir haben nach europäischer Art 
hergestellte geheftete Bücher, dann die indische Buchform (Pofhi; 
eine Serie von durchlochten durch Schnüren zusammengehaltenen 
Blättern), dann die chinesische Form (als Buchrolle oder Ealtbuch). 
Eine eingehendere Beschäftigung mit diesen verschiedenen Phasen 
ältester Buchtechnik wird vielleicht auch auf die Geschichte der 
abendländischen Buchform manches Licht werfen. -— So bot diese 
Führung durch die Sammlung, bei der der kundige Leiter der zwei¬ 
ten Deutschen Turfan-Expedition mit seinem reichen Müssen die 
Schätze erläuterte, eine Fülle des Interessanten und Staunenswerten. 

Am 29. März hielt Direktor Wolf stieg einen Vortrag über das 
„Reichs-Pflichtexemplar“, ein Thema, das in innerem Zusammen¬ 
hang steht mit einer früher im Verein erörterten Frage, der Raumnot 
unserer Bibliotheken und der Unterbringung der stets wachsenden 
Büchermassen. Der Vortrag sowie die sich anschließenden Erörte¬ 
rungen brachten wichtige Gesichtspunkte über das schon mannigfach 

1 ) Mem. de la Soc. Finno-Ougrienne 5. 

2 ) Rud. Kobert: Der Papierfabrikant. Festheft 1911. 

s ) Ders. i. d. Zeits. f. angewandte Chemie, 1910, S. 1249. 

4 ) Sitzungsber. d. Wiener Ak. d. W. Ph.-h. Kl. 168 Abh. 5 (1911). 


Rei chs-Pflicht- 
Exemplar. 








156 


Deutsches Reich 


Münchener 

Tagung. 


Zentral- 

Bibliothek. 


Berlin oder 
Leipzig ? 


behandelte Problem. Die Frage einer Zentralbibliothek, einer 
Reichsbibliothek, scheint von der des Reichspflichtexemplars nicht zu 
trennen zu sein. Der Vortragende stellte sich all diesen Bestrebun¬ 
gen — auf Grund seiner reichen Erfahrung — ziemlich skeptisch 
gegenüber. Die Einzelstaaten würden sich schwerlich dazu verstehen, 
ein Exemplar herzugeben, und auf dem Wege des Reichsgesetzes 
werde sich das Ziel auch nicht erreichen lassen, da ja kulturelle Auf¬ 
gaben Sache der Einzelstaaten seien; auch durch freiwillige Gaben 
der Buchhändler werde das Werk wohl kaum zustande kommen. 
Denn die offiziellen Drucksachen und Privatdrucke, die mindestens 
ein Viertel der deutschen Literatur ausmachten, seien oft kaum er¬ 
reichbar (u. a. die Geschäftsdrucksachen, die Jahresabschlüsse großer 
Firmen [Siemens-Schlickert, Siemens & Halske, Krupp usw.], Stati¬ 
stiken und Börsenbilanzen). 

Wenn man der Ausführung des Planes später doch näher treten 
könnte, müsse man, um Vollständigkeit zu erzielen, sich an den 
Drucker halten, und zwar wäre es dabei einerseits notwendig, einen 
kurzen Termin zwischen Erscheinen und Ablieferung festzusetzen, 
anderseits könnte für das Gelieferte eine Entschädigung gegeben 
werden. 

Am 21. Juni berichtete der Vorsitzende der Vereinigung, Ober¬ 
bibliothekar Fick, über die Münchener Tagung. Zuvor wurde am 
Vach mittag die Druckerei Ad. Gertz in Charlottenburg besichtigt. 
Diese Firma ist mit der Herstellung eines Probedrucks des Gesamt¬ 
katalogs beauftragt, und zivar verwendet sie dazu eine Maschine des 
Lanston-Monotype-Systems, die die Vorzüge der Setzmaschine 
(schnelle und billige Herstellung des Satzes) mit der Möglichkeit, 
einzelne Typen bei der Korrektur herauszunehmen, verbindet. — 
Von ebenderselben Firma ist auch die Probe des Deutschen Gesamt- 
Zeitschriftenverzeichnisses gedruckt worden, die in München zum 
Bibliothekartage vorgelegt wurde. 

Die Frage einer Zentralbibliothek wurde auch in den Verhand¬ 
lungen des Börsenvereins zu Leipzig, am Sonntag Kantate, den 
5. Mai, erörtert. Einiges vom neuesten Material, um sich in dieser 
schwierigen und wichtigen Frage ein selbständiges Urteil zu bilden, 
ob die bestehende Königliche Bibliothek zu Berlin oder ein neu zu 
gründendes Institut in Leipzig diese Aufgabe übernehmen könnte, 
findet sich in den oben erwähnten Verhandlungen (abgedr. ,Börsen¬ 
blatt Kr. 120) und in der Rede von Albert Brockhaus in der Ersten 
Sächsischen Kammer (abgedr. in der „Leipziger Zeitung“ vom 24. Mai 
[Kr. 119, S. 626]). Für Leipzig wird geltend gemacht, daß eine dort 
zu begründende Zentralbibliothek in Verbindung mit den Buch¬ 
händlerorganisationen Wichtiges zur Bearbeitung einer gründlichen, 
vollständigen Bibliographie leisten könne, da es immer schwieriger 
werde, hierzu alle Erscheinungen im Original zu beschaffen.*) 

In Gotha führt man inzwischen einen Plan aus, der vielleicht 
den Weg weist, auf dem am Ende das Problem der vollständigen 


J ) Zur Frage äußert sich auch das letzte Heft des Zentralbl. f. Bibi. 7/8 (1912.) 









Berliner Brief 


157 


Sammlung der deutschen Literatur gelöst werden kann: nicht eine 
einzelne Bibliothek, sondern mehrere, die Aufgabe von verschiedenen 
Seiten anfassende Institute werden durch Teilung der Arbeit und 
verständiges Zusammengehen mit dem Buchhandel das Ziel erreichen. 
Man hat in Gotha begonnen, eine „Deutsche Nationalbücherei“ zu 
errichten. Namhafte Zeitgenossen haben in Heft 1 u. 2 (1912) der 
„Deutschen Erde“ darauf bezüglich einen Aufruf erlassen. Als das 
Ziel dieser neuen Bibliotheksgründung wird bezeichnet, den. Arbeitern 
auf dem Gebiet der Erforschung des Deutschtums die einschlägige 
Literatur lückenlos zur Verfügung zu stellen. Archivrat LI. Witte 
(Schwerin) behandelt zweimal in einem an den Aufruf sich anschlie¬ 
ßenden Aufsatz die künftige Sonder auf gäbe dieser Deutschen Natio- 
nal-Bücherei und weist darauf hin, daß zum ersten Mal dem Deutsch¬ 
tum der ganzen Welt hier ein gemeinsames Ziel gesetzt ist. Das 
nationale Leben gestalte sich immer verzweigter und sei über Staat 
und Kirche, seine bisherigen Angelpunkte, in eigenen Organisationen 
selbständig hinausgewachsen. Die deutsche National-Bücherei müsse 
zugleich aber auch ein deutsches Nationalarchiv werden. Viele 
Papiere bedeutender Männer seien bisher verloren gegangen, weil 
sich für die Staatsarchive bei ihrer Sammeltätigkeit andere Gesichts¬ 
punkte geltend machen, als die freie Betätigung des Einzelnen zu 
verfolgen, der aus der Nation heraus schafft. Doch gewinne man für 
eine derartige Aufgabe allmählich Verständnis und habe bei einigen 
Größen der Literatur bereits den Anfang gemacht, systematisch durch 
Archive zu retten, was von ihrem Leben und Tun Zeugnis ablegt 
(Goethe, Schiller, Körner, Reuter). — Unter den Deutschen getrennt 
vom Mutterlande hat der Gedanke einer derartigen Gründung leb¬ 
haften Widerhall gefunden. So trat schon der Bischof der sieben- 
bürgisch-sächsischen Landeskirche in einem Aufruf an die Verleger 
heran, sie möchten mit ihren Verlagsartikeln — älteren und neuen —, 
soweit diese sich mit sächsischem Volkstum und seiner Kultur be¬ 
fassen, durch Einsendung nach Gotha beisteuern zu dem großen Ziele. 

Im Anschluß an diese allgemeineren Fragen des Bibliotheks¬ 
wesens soll im folgenden ein Jahresrückblick über die einzelnen 
preußischen Universitätsbibliotheken gegeben werden mit dem Ver¬ 
such, dabei das Charakteristische einer jeden hervorzuheben. 

Um mit der Universitätsbibliothek Bonn den Anfang zu machen, 
so entfaltet die Verwaltung — dem Bericht nach zu urteilen — eine 
ungemein rege Tätigkeit. Die Einrichtungen des Betriebes wurden 
mannigfach verbessert bei den gesteigerten Anforderungen der 
„sprungweise anwachsenden Benützung“. Aber den „krassen Mi߬ 
ständen“ (Bericht S. 2) habe noch nicht abgeholfen werden können: 
die Kataloge seien überfüllt, veraltet und unzuverlässig, ferner die 
Bücher nicht einzeln numeriert und die Räume unzulänglich. Dazu 
komme, daß die neuen Zeitschriftenhefte auf ein Jahr und länger 
hinaus nicht benutzbar seien, weil sie der Akademische Leseverein 
und sein Lesezirkel mit Beschlag belegt habe. 


Deutsche 

National¬ 

bücherei 

in Gotha. 


Bonn. 







158 


Deutsches Reich 


Sresiau. 


Es verdient erwähnt zn werden, daß zur Ergänzung der histori¬ 
schen und geographischen Literatur ein besonderer Fonds von gegen 
5000 M., der .Pützfonds, besteht. 

Von den Phillippsschen Handschriften, die April 1911 bei 
Gotheby in London versteigert wurden, erwarb die Verwaltung elf 
für Bonn wertvolle rheinländischer LIerkunft [sprachlich oder inhalt¬ 
lich], deren Beschreibung durch M. Bollert in der Westdeutschen 
Zeitschrift für Geschichte und Kunst (Jg. 30. 4 [1911]) erschienen ist. 

Wichtig ist, daß die Handschriftenabteilung darauf ausgeht, ein 
Archiv anzulegen, das die Geschichte und Literatur der rheinischen 
Heimat pflegt. Erworben wurden u. a.: 18 Briefe von Friedr. Diez 
an Karl Bartsch; Briefwechsel Johanna Kinkel-Adolf Strodtmann 
1850; 106 Briefe Bonner Gelehrter der dreißiger und vierziger Jahre 
vorigen Jahrhunderts. 

Der sehr eingehende Bericht über die Verwaltung der Univer¬ 
sitätsbibliothek Breslau hebt hervor, daß im neuen Etat 1912 zur 
Anschaffung von Büchern rund 90.000 M. bereit sein werden, da¬ 
von 8000 M. zur Aufbesserung der Handbibliothek des Lesesaals. 
Sollte der Unkundige meinen, man wisse nicht wohin mit dem Gelde, 
so würden ihn die ungemein schwierigen Verhältnisse eines Besseren 
belehren: Breslau erreiche mit 40% negativer Bescheide auf Bestel¬ 
lungen das Maximum preußischer Bibliotheken bei einer Provinz, 
die bücherarm sei wie keine andere im Verhältnis zur Einwohner¬ 
zahl. Brächten auch die nächsten fünf Jahre je 20.000 M. zur 
Lückenausfüllung, so würden sich die Summen nur allzuschnell ver¬ 
teilen bei der ursprünglich sehr einseitigen Zusammensetzung der 
Bibliothek und der lange Zeit mangelhaften Dotierung, dazu bei den 
ungewöhnlich hohen Preisen des antiquarischen Marktes. — In der 
Neubau frage zeigten sich noch Meinungsverschiedenheiten zwischen 
der Breslauer Verwaltung und Berlin. Erstere möchte das Ver¬ 
waltungshaus bei größerer Tiefe und besserer Belichtung an die Oder 
gelegt haben, während der Berliner Plan den schmalen Magazinflügel 
nebst Lesesaal dahin bringen möchte, wodurch aber die Verwaltungs¬ 
räume auseinandergerissen würden. 

Bemerkenswert ist, daß mit einer Erwerbung von 80 Briefen 
verschiedener schlesischer Dichter und Literaten der Anfang gemacht 
worden ist, für Heimatgeschichte und -literatur ein Archiv zu 
schaffen. 

Die Erwerbungen des slawischen Spezialsammelgebietes sind in 
einem Sonder bericht angefügt. Der Plan für die Anschaffungen, 
für die die jährliche Summe von 4000 M. ausgeworfen ist, er¬ 
streckt sich im wesentlichen auf (1) Sprachen und Literaturen (2) 
Geschichte und Hilfswissenschaften (neben Pädagogik, Religion und 
Kunst), während andere Gebiete ziemlich oder gänzlich unberück¬ 
sichtigt bleiben (z. B. Medizin und Naturwissenschaften). Somit 
scheint sich die Pflege des Slawischen nur auf Literatur und Ge¬ 
schichte (im weiteren Sinne genommen) zu erstrecken, und es bleibt 
zu erwägen, ob nicht andere Universitätsbibliotheken die Aufgabe be- 



Berliner Brief 


159 


kommen, die fehlenden Gebiete zu pflegen (beispielsweise Medizin 
ohne Unterschied der sprachlichen Provenienz), oder ob Breslaus 
Mittel so ergänzt würden, daß es auch dazu imstande ist. 

Von Göttingen ist hervorzuheben, daß das für Zeitschriften 
[32.292 M.] und Fortsetzungen [15.790] ausgegebene Geld in 
keinem annähernden Verhältnisse steht zu dem, was für neue Bücher 
[7736] und Antiquaria [3400] ausgegeben ist, ein Zeichen dafür, wie 
die größere Bedeutung Göttingens als erster der Universitätsbiblio¬ 
theken den vorhandenen Mitteln anscheinend nicht recht entspricht. 
Es habe für Lückenausfüllungen „unverhältnismäßig wenig“ auf¬ 
gewendet werden können. Geh.-R. Klein (Göttingen) gab 750 M. als 
besonderen Fonds Bücherbestände der mathematischen Fächer zu 
ergänzen. John Pierpont Morgan überwies 50.000 Dollars, um aus 
den Zinsen dieser Summe Werke amerikanischen und englischen 
Ursprungs anzuschaffen. Nach welchen Gesichtspunkten Göttingen 
seiner Aufgabe, ein Sammelgebiet amerikanischer und englischer 
Literatur darzustellen, gerecht werden will, darüber wird vielleicht 
der nächste Bericht einige Mitteilungen machen. 

Der Vermehrungsfonds von Greifswald ist gegenüber dem der 
anderen Universitätsbibliotheken der niedrigste; er beträgt 37.500 M. 

Hier erfreut sich die niederdeutsche Abteilung des besonderen 
Interesses der Verwaltung. Aber es fehlt an einer von der Regierung 
etatsmäßig dafür eingestellten Summe, wie sie für die entstehenden 
Spezialsammelgebiete in Bonn (Romanisch und Holländisch), Göt¬ 
tingen (Englisch-Amerikanisch), Kiel (Nordisch) und Breslau (Sla¬ 
wisch) vorhanden ist. Greifswald ist in einer entschiedenen Auf¬ 
wärtsbewegung begriffen. Die Zahl der Studierenden, die Benützung 
der Bibliothek ist im Steigen und die Einnahmen aus den Leih¬ 
gebühren haben den Anschlag um nahezu 1800 M. über troffen. 

Der Hallesche Bericht steht im Zeichen der Katalogisierung. So 
wird der alphabetische Zettelkatalog neu gestaltet, und um die 
Arbeit kräftiger zu fördern, hatte das Vorgesetzte Ministerium einen 
Assistenten überwiesen. Dann ist man dabei, die alten Universitäts¬ 
schriften aufzunehmen. Ferner werden in der angegliederten Unga¬ 
rischen Bibliothek die Druckschriften katalogisiert, wobei Abtei¬ 
lung II (Geschichte) verzettelt wurde. Endlich hat man die 1909 
begonnene Handschriftenverzeichnung zum Abschluß gebracht und 
einen ausführlichen Bandkatalog mit Namenregister hergestellt. 
Die angegliederte v. Ponickausche Bibliothek pflegt das Gebiet säch¬ 
sisch-thüringischer Geschichte und Landeskunde. Sie hat sich der 
Zuwendungen des Thüringisch-Sächsischen Geschichtsvereines zu er¬ 
freuen und infolge alter Beziehungen auch der Unterstützung säch¬ 
sischer Behörden (u. a. des Kgl. Sächs. Kultusministeriums, des Kgl. 
Sachs, statistischen Landesamts und des Rates der Stadt Dresden). 

In der Universitätsbibliothek Königsberg ist, wie der Bericht 
anführt, das Hauptbestreben darauf gerichtet, keine Lücken in den 
neuen Beständen entstehen zu lassen. Unter den Neuerwerbungen 
ist die Encyclopodia Britannica zu nennen und der Druckschriften- 

12 


Göttingen. 


Greifswaid 


Balle. 


Königsberg. 





160 


Deutsches Reich — Berliner Brief 


Marburg. 


katalog des Britischen Museums. Zu dieser letzten Erwerbung kann 
man der Königsberger Bibliothek aufrichtig Glück wünschen, da es 
bekannt ist, daß Exemplare dieses für jede wissenschaftliche Biblio¬ 
thek unentbehrlichen Katalogs auf dem antiquarischen Markt kaum 
noch anzutreffen sind. Die Mehrzahl der nur in kleiner Auflage 
hergestellten Exemplare befindet sich in festen Händen (meist in 
englischen Bibliotheken); die Aussicht, daß die deutschen Biblio¬ 
theken, die den Katalog jetzt schmerzlich vermissen, ihn jemals 
käuflich erwerben, ist nur gering. Es wäre deshalb besonders freudig 
zu begrüßen, wenn sich die Leitung des Britischen Museums zu 
einem Heudruck des ganzen Katalogs (einschließlich der Ergänzun¬ 
gen) entschlösse; mit Sicherheit kann vorausgesagt werden, daß jetzt, 
wo in allen Bibliotheken der Wert gedruckter Kataloge richtig ein¬ 
geschätzt wird, auf einen Absatz gerechnet werden kann, der die na¬ 
türlich erheblichen Kosten des Unternehmens zum großen Teil wie¬ 
der einbringen wird. 

Die Arbeit am Gesamtkatalog hat eine „ungeheure Steigerung“ 
(s. Bericht über die Verwaltung, S. 7) erfahren durch die Vermeh¬ 
rung des Umfanges der Sendungen, der von 150 auf 200 Zettel ge¬ 
steigert ist, insbesondere aber wegen der großen Zahl der nur in 
Königsberg vertretenen ostpreußischen Personalliteratur, die zu¬ 
gleich mit der Aufnahme der Sammelbände in den alphabetischen 
Katalog erledigt wurde. 

Es darf die Erage aufgeworfen werden, ob es nicht besser wäre, 
diese Personalliteratur, die nicht bloß in Königsberg, sondern na¬ 
mentlich auch in Halle einen großen Teil der Gesamtkatalogarbeit 
ausmacht, zunächst unberücksichtigt zu lassen und ihre Bearbeitung 
späterer Zeit vorzubehalten. Seitdem man sich entschlossen hat, 
minderwertige Literatur (die nach 1870 erschienenen Pflichtexem¬ 
plare, soweit sie in das Gebiet der populären Unterhaltung, Er¬ 
bauung, Belehrung usw. fallen) aus dem Gesamtkatalog auszuschei¬ 
den, um das mit aller Energie anzustrebende Ziel, die Drucklegung, 
eher zu erreichen, sollte man auch das letzte, recht erhebliche Hinder¬ 
nis, die Personalschriften (Hochzeitscarmina, Leichenreden u. a.), 
je eher um so besser beseitigen. 

Der Verwaltungsbericht von Marburg bringt einige warme 
Worte des Hachrufs dem am 17. Juli 1911 verstorbenen Oberbiblio¬ 
thekar Prof. Dr. Georg Wenker, Die Hauptarbeitskraft gehörte seit 
1888 dem von ihm begründeten Sprachatlas des Deutschen Reiches, 
der der Vollendung entgegengellt. Habe der hervorragende Beamte 
auch nur wenige Arbeitsstunden der Bibliothek widmen können, so 
sei doch dabei seine Tätigkeit eine äußerst fruchtbare gewesen und 
seine Heubearbeitungen einer ganzen Reihe von Bänden des systema¬ 
tischen Kataloges stellten wahre Musterarbeiten dar. 

Einen großen Zuwachs im Vorjahre brachte der Ankauf der 
ehemaligen Museumsbibliothek (rund 9000 Bände), der die belletri¬ 
stische Literatur bedeutend bereicherte. Soweit es die Arbeitskräfte 
erlauben, hat man begonnen, diesen Zuwachs in die Bestände einzu- 



Rundschau der Fremde — Nieder!. Brief 


161 


stellen. Als Besonderheit hat Marburg einen — wenn auch nur 
kleinen — Sonderfonds, um Missionsliteratur zu sammeln. 

Die folgende statistische Übersicht wird die einzelnen Univer¬ 
sitätsbibliotheken — Berlin, Kiel, Münster sollen im nächsten Brief 
berücksichtigt werden *— noch besser veranschaulichen. 

I. Gesamtbestand. Bonn 361.623 Buchbinderbände; Breslau 
390.723; Göttingen: 582.047; Greifswald: rd. 220.00; Halle: 
rd. 278.000; Königsberg: 309.976; Marburg: rd. 266.000. 

II. Vermehrung [bibliographische Bände]. Bonn: 24.718; Bres¬ 
lau: 20.165; Göttingen: 20.655; Greifswald: 15.986; Halle: 12.974; 
Königsberg: 18.771; Marburg: 16.047. 

III. Bücherkauf [einschließlich Zeitschriften]. Bonn: 56.007 M. 
[16.323] ; Breslau: 48.007 [16,643] ; Göttingen 59.437 [32.292] ; 
Greifswald: 32.984 [13.108]: Halle: 34.686 [14.312]; Königsberg: 
40.033 [15.551]; Marburg: 34.848 [11.669]. 

IV. Leihgebühren: Bonn 20.050 M.; Breslau 16.073; Göttin¬ 
gen 13.418; Greifswald 7028; Halle 13.495; Königsberg 9968; 
Marburg 11.278. 

V. Bestellungen. Bonn: 131.331; Breslau: 116.990; Göttingen: 
105.294; Greifswald: 61.141; Halle: 71.026; Königsberg: 60.977; 
Marburg: rd. 70.000. 

Berlin-Schöneberg. Paul Reiche. 

RUNDSCHAU DER FREMDE. 

NIEDERLÄNDISCHER BRIEF. 

Aus dem Haag. 

Um dieselbe Reihenfolge wie in meinem Briefe des vorigen 
Jahres 1 ) beizubehalten, fange ich wieder mit der Königlichen 
Bibliothek an. Den ausführlichen damaligen Mitteilungen ist dies¬ 
mal aber nur weniges hinzuzufügen. Das Interesse des Publikums 
wurde in diesem Jahre erregt nicht nur für den Inhalt des reichen 
Bücherschatzes, sondern auch für die Lebensstellung der Beamten, 
welche diesen Schatz bewahren und den Besuchern in zweckmäßiger 
Art zur Verfügung stellen. Bis jetzt fehlte überhaupt eine Rege¬ 
lung der Gehälter dieser Beamten: seit vielen Jahren war die 
Sache dermaßen, daß von Zeit zu Zeit der Bibliothekar, immer be¬ 
reit für sein Personal bessere Gehälter zu erwirken, sich bemühte, 
um zu diesem Zwecke einen Betrag in dem Staatsetat auswerfen 
zu lassen; manchmal gelang die Sache, manchmal auch nicht, und 
alle Sicherheit für die Zukunft fehlte; keiner der Beamten wußte, 
ob er in absehbarer Zeit ein gewisses Maximum erreichen würde; 
ein Zustand, der wohl nicht wünschenswert ist, da ein häufiger 
Wechsel der Beamten selbstverständlich nicht günstig wirken kann. 
Diesen Verhältnissen scheint jetzt ein Ende bereitet zu werden. 
Nachdem bereits in den zum Reichsetat gehörenden Beilagen die 


Statistik. 


Haag, Kgl. 
Bibliothek. 


0 S. diese Zs. 2, 95. 






162 


Rundschau der Fremde 


Sache berührt war, drangen bei der Besprechung in der Zweiten 
Kammer unserer Abgeordnetenversammlung mehrere Mitglieder, 
verschiedenen politischen Parteien gehörend, auf eine Regelung der 
Gehälter. Es scheint, daß das Ministerium des Innern den wohl 
nicht übertriebenen Forderungen entgegenkommen wird. Was den 
Bücherschatz betrifft, so wird die Reihe der Kataloge der Geschichte 
demnächst abgeschlossen mit dem der Allgemeinen Geschichte; die 
Beifügung eines alphabetischen Registers der Verfasser ist hier 
als eine der Brauchbarkeit dieses Inventars sehr zustatten kommende 
Neuerung zu begrüßen. Außer diesem Teile sind seit 1901 er¬ 
schienen die Kataloge der Geschichte von den Niederlanden, 
Deutschland und Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Ir¬ 
land, Skandinavien, dem Russischen Reiche, den Balkan-Staaten und 
Griechenland, Asien, Afrika, Amerika und Australien. Die Zahl der 
für die Abteilung Dokumentation bearbeiteten Zeitschriften, Serien¬ 
werken und Jahrbücher beträgt jetzt 525 ; die derjenigen öffentlichen 
Institute und Privatpersonen, welche sich Probebogen mit Titeln 
zusenden lassen, ist bis auf etwa 160 gestiegen. 

An der Universitätsbibliothek in Leiden wird noch wiederholt 
Uniuersitäts- geklagt über den Mangel an elektrischer oder sonstiger Beleuchtung, 
bibliotheken. so daß man dem Publikum abends keinen Eintritt gestatten kann; das 
Gebäude ist bei weitem nicht feuersicher, und der Lesesaal zu klein; 
große Übelstände also, welche man hoffentlich in einem nicht zu 
weit entfernten Zeitraum beheben wird. Erschienen ist: H. H. 
Juynboll ,,Supplement op den catalogus van de javaansche en madoe- 
reesche handschriften der leidsche Universiteitsbibliotheek“ II (Lei¬ 
den, 1911). Enthält der im Jahre 1907 erschienene 1. Teil die 
maduresischen Hss. und die altj avanischen Inskriptionen und 
die alt-mittel javanischen Gedichte, so sind in diesem 2. Bande die neu¬ 
javanischen Gedichte und die alt-, mittel- und neuj avanischen Prosa¬ 
schriften beschrieben. — Im „Jaarboek der Rijksuniversiteit te 
Utrecht“ wird bemerkt, daß bei der zunehmenden Benutzung, die von 
der Bibliothek gemacht wird, nach der Statistik 45% der Besucher 
Professoren und Studenten sind; hieraus geht also hervor, daß die 
Bücherei auch Gruppen von Personen, welche außerhalb des Kreises 
des höheren Unterrichtes stehen, zugute kommt. Seit einem Jahre 
steht unter Verwaltung der Universitätsbibliothek eine Sammlung 
von Büchern, beinahe ausschließlich deutsche Literatur, jedoch nicht 
über das 19. Jahrhundert zurückreichend und Eigentum eines Ver¬ 
eines von etwa 200 Mitgliedern; ein ,,Catalogus der Centraal 
duitsche Bibliotheek, gevestigd te Utrecht“ (Utrecht, 1911), ist er¬ 
schienen; daneben ein „Catalogus der Handbibliotheek in de Hand- 
sclu iften-Leeszaal (der Univ.-Bibl.j“ (Utrecht, 1910), Für den Ankauf 
friesischer Literatur — man weiß, daß es in Utrecht eine Privat¬ 
dozentur für das Friesische gibt — steht Geld zur Verfügung; schon 
sind auch ziemlich seltene Bücher vorhanden. Ein Verein namens 
„Muziek-literatuurfonds te Utrecht“ wurde errichtet, mit der Ab¬ 
sicht, aus jährlichen Beiträgen von Mitgliedern und Gönnern 




Niederländischer Brief 


163 


Bücher, Musik und Musikwissenschaft betreffend, zu kaufen und 
dieselbe zur allgemeinen Benützung der Univ.-Bibl. anzubieten. 
Einige Bemerkungen über Magnus-Bände in der Bibliothek findet 
man in der Zeitschrift „Magnus, officieel orgaan van den ndl. bond 
van boekbinderspatroons“, Jg. 2 (1911—12), S. 42—46. — In 
Amsterdam wurde im Jahre 1911 von dem Gemeinderat eine Anord¬ 
nung getroffen zur Begebung der Zusammenstellung und gleichzeitig 
der Gehälter des Personals der Universitätsbibliothek, da die Bege- 
lung seit dem Jahre 1896 keine Änderung erfahren hat, während 
dagegen die Geschäfte der Beamten infolge der Entwicklung der 
Bibliothek bedeutend an Umfang zugenommen haben. Auch ist die 
Zusammenwirkung des Bibliothekars mit den Vertretern der fünf 
Fakultäten und der Handelskammer geregelt. Der „Catalogus der 
handschriften (van de Bibliotheek der Universiteit van Amsterdam) 
brieven, A—M“ (Amst, 1911), beschreibt, mit Ausnahme der schon 
katalogisierten „Sammlung Diederichs“ alle Briefe, auch die, welche 
der Bibliothek zum Nießbrauch gegeben sind. Aus einer statisti¬ 
schen Übersicht zitiere ich: Zahl der Besucher im Jahre 1910: 
71.119; im Jahre 1911: 73.803; Zahl der nachgeschlagenen Bücher 
resp. 140.164 und 148.013; Zahl der ausgeliehenen Bücher 22.481 
und 20.584. — Uber Groningen finde ich diesmal nichts erwähnt. 

Bevor ich zu den „Öffentlichen Lesesälen“ übergehe, erwähne 
ich noch eine Bücherei, die weder zu dieser Gruppe, noch zu den 
Universitätsbibliotheken gehört. Schon im vergangenen Jahre 
nannte ich die alte „Librye“ in Zutphen. Da ich im Sommer die 
Gelegenheit hatte, sie selbst zu sehen, kann ich nicht umhin, wieder 
hierauf zurückzukommen. Die Wichtigkeit dieser Einrichtung geht 
schon hervor aus der Versicherung des englischen Bibliotheks¬ 
forschers J. W. Clark, der in seinem „Librairies in the medieval and 
renaissance periods“ (Cambridge, 1894) erklärt, daß er nach vielen 
Forschungen zu dem Ergebnis kam, daß man nirgendwo in England 
oder Frankreich eine einzige Bücherei nachweisen kann, die einen 
so durch und durch mittelalterlichen Charakter zeigt wie diese 
Librye. Und wirklich, wer das an dem Chor der durch ihre Wand¬ 
malereien berühmten St. Waldburgkirche lehnende Gebäude betritt, 
„wähnt sich“ — wie der Bibliothekar Dr. K. O. Meinsma in der Ein¬ 
leitung zu seinem „Catalogus van de librye der St. Waldburgskerk 
te Zutphen“ (Zutphen, 1903) sagt — „für einen Augenblick ins Mittel- 
alter versetzt. Die überwölbte, auf Säulen ruhende Decke, die hohen 
Fenster, der Boden aus roten Steinen, die Pulte, dunkel vor Alter, 
die mächtigen Folianten selber, mit ihrem Eisen- oder B'upfer¬ 
beschlag, befestigt .mit verrosteten eisernen Ketten, das alles trägt 
dazu bei, um jenen Eindruck zu erhöhen und zu bekräftigen. Kaum 
würde es Sie befremden, wenn Sie plötzlich die Tür öffnen hörten 
und einige Männer in braune Kutten gehüllt hereinträten, um 
lautlos ein Plätzchen zu suchen auf den alten Bänken; wenn Sie 
einen Augenblick später, als Sie vertieft wären in Ihrer Lektüre, 
nichts mehr von ihnen sähen als hier und dort ein ehrwürdiges Ant- 


Librye 
In Zutphen. 





164 


Rundschau der Fremde 


öffentliche 

Lesehallen. 


litz oder einen rasierten Scheitel, niedergebeugt über das Pult“. 
Und noch um so interessanter ist dieses alte Gebäude, als es nicht 
aus dem Mittelalter berrübrt, sondern zwischen den Jahren 1561 
und 1564 kopiert wurde nach echt mittelalterlichem Muster; 
1565 erhielt es ungefähr sein gegenwärtiges Aussehen; ungefähr, 
denn natürlich sind im Laufe der Zeiten einige Sachen geändert 
worden. Der erste Katalog, zwischen den Jahren 1566 und 1570 
angefertigt, nennt etwa 20 Hds., wahrscheinlich alle herrührend 
aus der alten Bücherei der Kirche, und mehr als 60 Inkunabeln, von 
denen jetzt noch 30 übrig geblieben sind. Der neueste, soeben er¬ 
wähnte Katalog (von 741 Kümmern), der auch die ganz interessante 
Geschichte der Bücherei enthält, ist nicht für bibliographische 
Zwecke, sondern nur für den praktischen Gebrauch bestimmt. 

Im vorigen Briefe sprach ich schon von dem Zentralverein für 
öffentliche Lesehallen. Einige Mitglieder dieses Vereines, welche 
praktisch in Lesehallen tätig sind, vereinigten sich zu einer „Ab¬ 
teilung für Studium“, und erstrebten ihren Zweck durch das Stu¬ 
dium und die Besprechung von Themen, ihren Wirkungskreis be¬ 
treffend ; weiter durch den Besuch fremder, bezw. ausländischer 
Bibliotheken, durch Zirkulation von Fachliteratur. Zur Gründung 
eines größeren Vereins aller derjenigen, welche an Universitäts¬ 
bibliotheken und Öffentlichen Lesehallen tätig sind, wird — es sei 
im Vorbeigehen gesagt — eine Versammlung einberufen werden. 
Aber, ob jedoch ein solcher Verein existenzfähig ist, ist noch frag¬ 
lich. Scheint es doch eine ebensowohl schwierige als zwecklose Auf¬ 
gabe, Beamten von weit auseinander gehenden Entwicklungsstufen 
in einem Bunde zusammenbringen zu wollen. Vielleicht ein nächstes 
Mal mehr hierüber. — Außer der soeben genannten „Abteilung für 
Studium“ gibt es noch eine Gelegenheit für das Bibliothekspersonal 
(von Lesehallen), um sich ausbilden zu können. Im Winter 1910 
bis 1911 wurde ein Korrespondenzkurs in der Katalogisierungslehre 
eröffnet mit einem rein praktischen Zwecke, wobei es auf die Mög¬ 
lichkeit der Erwerbung eines Diploms Aussicht gab. Die erste Prü¬ 
fung, eine Neuerung in unserem Lande, wo bis jetzt noch kein Be¬ 
dürfnis nach ordentlich ausgebildetem Bibliothekspersonal gefühlt 
wird, fand statt im Oktober 1911. Einen kurzen Bericht über diese 
Prüfung, sowohl des schriftlichen als des mündlichen Teiles, gab 
Dr. H. E. Greve, der Urheber dieser Bewegung, in der Zeitschrift „De 
Boekzaal“ (Jg. V, Lief. 11). Von den mündlichen Fragen zitiere ich: 
Wie behandelt man Doppelnamen? Wie macht man es mit Werken) 
mit zwei, drei oder mehreren Verfassern? Welche sind die Vorteile 
eines Bandkatalogs? Welche die eines Zettelkatalogs? Wann wird 
verwiesen auf Übersetzungen oder Bearbeitungen? Welche sind die 
zumeist üblichen Abkürzungen von Ortsnamen? Welch bibliographi¬ 
sches Material steht uns für holländische Werke zur Verfügung? 
Was ist der Unterschied zwischen einem Katalog und einer Biblio¬ 
graphie ? Was ist ein Schlagwort ? usw. Daß bei der Prüfung die 
Notwendigkeit praktischer Übung klar geworden ist, bedarf wohl 



Niederländischer Brief 


165 


keiner Erwähnung. Da ich jetzt gerade von dieser Sache spreche, 
füge ich bei, daß seit kurzem eine Sammlung „Regel für den alpha¬ 
betischen Katalog“ gedruckt ist (aufgenommen in den Zeitschriften 
„Het Boek“ und „De Boekzaal“). Diese Regeln, zum größten Teil 
vom Leidener Bibliothekar P. A. Tiele (f 1889), zusammengestellt 
für den Gebrauch der Leidener Universitätsbibliothek, sind in der 
Hauptsache schon seit vielen Jahren befolgt worden in den Universi¬ 
tätsbibliotheken zu Leiden, Utrecht, Groningen und Amsterdam, in 
der Kgl. Bibliothek in Haag und in der Bibliothek der Technischen 
Hochschule zu Delft. Im Jahre 1911 sind sie von den Verwaltern 
dieser Büchereien im Einverständnisse mit einem Ausschüsse aus der 
„Centrale vereeniging van Openbare Leeszaalen en Bibliotheken“ aufs 
neue durchgesehen und endgültig festgestellt worden. Allerdings 
werden doch hier und dort Abweichungen in einigen Hebensachen 
bestehen bleiben, hauptsächlich weil es bisweilen Schwierigkeiten 
bietet, wenn man von alten bestehenden Auffassungen abweicht. 

Unter den „öffentlichen Lesehallen“ — in Vergleich zu den 
Universitätsbibliotheken noch immerhin ganz kleine Bücher Samm¬ 
lungen — nimmt die im Haag jetzt eine der ersten Stellen ein. 
In der letzten Zeit hat sie einem systematischen Plane gemäß sich 
ausgedehnt an erster Stelle zu einer Lese- und Studierhalle zur 
Kenntnisnahme der Tagesereignisse und der Tageslektüre; zweitens 
zu einer Sammlung von Hand- und Nachschlagebüchern zur 
schnellen Auskunft auf jedem Gebiete, drittens zu einer Ausleihe¬ 
bücherei. 

Eine Neuerung ist die Art der Veröffentlichung des Katalogs; er 
wird dort allmählig abteilungsweise in kleinen Monatsheften ausgegeben. 
Erschienen sind nach dieser Art der Katalog der Zeitschriften und Serien¬ 
werke, ferner der Abteilungen Handel, Nachschlagewerke, Literatur¬ 
geschichte und Sprache. Insbesondere sind die drei ersten Abteilungen 
am besten ausgestattet; unter den Nachschlagewerken befinden sich auch — 
dem Charakter der Sammlung gemäß — Adreßbücher von niederländischen 
Städten, ein wertvoller Merkur-Code, Fahrpläne und Baedeker. Ich hebe 
dieses letztere hervor, weil die Frage, ob diese wertvollen Reisebücher 
in eine öffentliche Bücherei — besonders in die Kgl. Bibliothek — 
gehören, zu einer Polemik Veranlassung gegeben hat, in der jetzt 
nicht mehr erscheinenden Zeitschrift. ,,De Nederlandsche Spectator“ 
(Jg. 1894). Die Partei, die die Aufnahme der Baedeker in die Kgl. Biblio¬ 
thek wünschenswert achtete, führte als Argumente an : der Baedeker sei 
nicht nur für Reisende ein zuverlässiges und unentbehrliches Nach- 
schlagebuch: denn wer, zu Hause bleibend, sich Auskunft holen will 
über ein historisches Ereignis, über den Geburts- oder Todestag eines 
berühmten Mannes, über Kunstwerke inner- und außerhalb von Museen, 
über die Zahl der Einwohner einer Stadt und über eine Menge anderer 
Sachen, findet dasjenige, was er sucht, nirgendwo schneller als eben im 
Baedeker, dem ,,Book of reference“ in knappster Form; daß alle diese 
Wissenswürdigkeiten nicht „wissenschaftlich“ seien, gelte ebensowohl für 
die bekannten Konversationslexika, die ja auch viele Kenntnis aus 



166 


Rundschau der Fremde 


Zeitschriften. 


zweiter Hand darbieten; ja, man könnte sogar behaupten, daß offizielle 
Kataloge von vielen Kunstsammlungen dem Baedeker gegenüber zurück¬ 
stehen. Zählten doch die Beschreibungen von Griechenland, Ägypten, 
Palästina Purgold, Ebers, Benzinger unter ihre Bearbeiter. Und was 
kann der Gegner hierauf erwiedern? Man könne in der auf dem Ge¬ 
biete der Kunstgeschichte äußerst reichen Kgl. Bibliothek über historische 
Tatsachen, Geburtsjahre, Statistisches und dergleichen sehr gut in 
anderen Werken alle möglichen Auskünfte finden; vorausgesetzt daß, 
was einige Museen betrifft, im Baedeker wirklich Angaben Vorkommen, 
die man vergeblich anderswo sucht, rechtfertigt das eine Ausgabe 
von etwa 200 Mk. für eine vollständige Sammlung dieser Reisebücher r 
Und besitzte man sie einmal, so sei man gezwungen, jedesmal Neudrucke 
anzuschaffen, damit man nicht bald die Klage höre, daß eine alte Auf¬ 
lage zu keinem Nutzen sei; und ein Buch, das auch über wissenschaft¬ 
liche Gegenstände handle, sei darum noch von keinem wissenschaftlichen 
Wert; obgleich im Baedeker wissenschaftliche Mitteilungen Vorkommen, 
hätten diese einen anderen Zweck, als der Wissenschaft zu dienen. Zum 
Schlüsse: die Kgl. Bibliothek sei eine wissenschaftliche Einrichtung, kein 
Auskunftsbureau. Dieses letzte Argument scheint mir eben den Nagel 
auf den Kopf zu treffen; und auch darum hat der Baedeker nicht seinen 
richtigen Platz in der Kgl. Bibliothek, sondern wohl in dem öffentlichen 
Lesesaal. 

Zu Utrecht wurde im Februar dieses Jahres ein ganz neues Ge¬ 
bäude eröffnet, das außer geräumigen Lesesälen für Erwachsene und 
für Kinder u. a. auch einen Kaum für Vorträge enthält. — In dem 
Öffentlichen Lesesaal zu Hilversum fanden als Neuerung drei Aus¬ 
stellungen statt; die erste enthielt Reproduktionen nach den flämi¬ 
schen und holländischen Primitiven, die zweite Verschiedenes Goethe 
betreffend, die dritte mehreres über Japan. — In Haarlem sinnt 
man auf Mittel, die alte Stadtbibliothek umzubilden zu einer mo¬ 
dernen öffentlichen Lesehalle. — In Amsterdam, der Hauptstadt des 
Reiches, werden hoffentlich jetzt die seit vielen Jahren gemachten 
Versuche, um zur Errichtung eines öffentlichen Lesesaales zu ge¬ 
langen, zu einem befriedigenden Resultat kommen. — Auch in den 
kleineren Städten Naarden, Bussum und Breda rührt man sich. 
Katholische öffentliche Lesehallen, von denen im vergangenen Jahre 
gesprochen wurde, sind noch nicht zustande gekommen. 

Von der „Tijdsckrift voor boek- en bibliotheekwezen“ erschien 
im Jahre 1911 die letzte Lieferung. Ein Generalregister der neun 
Jahrgänge dieser Zeitschrift wird die ganze Serie abschließen. In¬ 
zwischen hat schon eine neue Serie unter dem Titel „Het boek“ 
(Haag, M. Nijhoff) angefangen. Die bisher erschienenen Lieferun¬ 
gen dieser Monatschrift enthalten größere Aufsätze, ebensowohl dem 
Literaturhistoriker als dem Bibliophilen von Nutzen; Verzeichnisse 
von Neuerscheinungen auf bibliographischem Gebiete, bisweilen mit 
ausführlichen Besprechungen; Mitteilungen über Bibliotheken; 
kurze Inhaltsangaben von Zeitschriften, das Bibliothekswesen be¬ 
treffend. Außer „Het boek“ das hauptsächlich, ebenso w 7 ie sein Vor- 




Niederländischer Brief 


167 


günger, eine Zeitschrift für Buch- und Bibliothekswesen bleibt, be¬ 
sitzen wir noch unseren „Boekzaal“ ; neben den für Bibliotbeksmänner 
wichtigen Mitteilungen besteht ein jgroßer Teil seines Inhaltes in 
Aufsätzen über Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Kunst 
(Musik) und der Literatur. Als Beilage wird der Herausgeber dieser 
Zeitschrift eine Serie Monographien über Buch- und Bibliotheks¬ 
wesen veröffentlichen; durch diese Serie, die einen wissenschaft¬ 
lichen Charakter tragen soll, wird, sagt der Prospekt, „den Biblio- 
logen von verschiedener Richtung die Gelegenheit geboten, sich die 
Veröffentlichung zu sichern von Studien, welche öfters, dem Cha¬ 
rakter des behandelten Stoffes gemäß, nur in kleineren Kreisen der 
Fachgenossen Würdigung finden können oder Zuflucht suchen 
mußten in Periodicis, um darin versteckt zu bleiben“. Diese Studien 
erscheinen in zwangloser Folge; als erste Lieferung erscheint eine 
Bibliographie der Musikalien des Jahres 1911 von J. W. Enschede. 

Und was sind Buch und Büchersaal ohne Bibliothekar ? „De biblio- 
theearis“, das ist der Titel einer kleinen Monatsschrift, von der ich 
nur erwähne, daß sie im Anfang dieses Jahres das Licht der Welt 
erblickte. Hoffentlich werden diese drei Zeitschriften einander 
nicht erdrücken in dem kleinen Leserkreise, für den sie bestimmt sind. 

Eine „Nederlandsche bibliographie voor boek- en bibliotheek- Bibliographie 
wezen“ 1 ) fürs Jahr 1910 wurde geschrieben von G. A. Evers im 
„Boekzaai“ (1911)) ; sie enthält mehr als der Titel verzeichnet und 
behandelt auch Exlibris, Buchhandel, Buchdruckerkunst usw. Ich 
füge hinzu, daß in dem „Nieuwe Rotterdammer Courant“ (Num¬ 
mern vom 28. Juli 1911 und 23. Januar 1912) Aufsätze erschienen 
über Kinderbibliotheken in New York und über die Bibliotheken 
in Paris. Einen wichtigen Beitrag zur Bibliographie bildet der 
in meinem vorigen Briefe erwähnte „Catalogus der nationale ten- 
toonstelling van het boek“, der damals noch nicht ganz fertig war, 
doch jetzt im Buchhandel zu bekommen ist unter dem Titel: 
„Catalogus van boeken, in Noord-Nederland versehenen van den 
vroegsten tijd tot op heden, samengesteld door de tentoonstellings- 
commissie der nationale tentoonstelling von het boek, Juni en Aug. 

1910; uitgave van de Vereeniging tot bevor der ing van de belangen des 
boekhandels“. (Gravenhage, M. Nijhoff, 1911). Vollständig ist dieser 
Katalog (besser wäre: Probe einer Bibliographie) nicht; die Haupt¬ 
sache war nur, eine systematische Übersicht der Originalarbeiten 
zu geben, die in unserem Lande erschienen sind. Das Werk wird 
ergänzt durch eine Arbeit des „Frederik Müller-Fonds“; die 
Verwalter dieser Stiftung bemühen sich, eine möglichst vollständige 
Sammlung von Titeln von niederländischen Büchern zusammen¬ 
zustellen. Man hat zu diesem Zwecke angefangen, die Titel der 
Druckwerke aus der Leidener Universitäts-Bibliothek, der „Thy- 
siana“ und der Bücherei der „Maatschappij der Nederlandsche 
letterkunde“ auf Zettel zu übertragen, um später die Sammlung zu 

*) Ausführlicher handle ich über die hier nur kurz erwähnten bibliogra¬ 
phischen Arbeiten im Jahrbuch für Bibliographie I. Leipzig, 1913. 







168 


Rundschau der Fremde 


ordnen und zu ergänzen mit Hilfe von Katalogen anderer Bibliothe¬ 
ken. Ein vorzüglicher „Catalogus der Incunabelen (van het Museum 
Meermanno-Westreenianum) I. Italic, Frankrijk, Spanje, Engeland“ 
(VGravenhage, 1911) wurde abgefaßt von P. Bonaventura Kruit- 
wagen. Die alten Drucke sind hauptsächlich geordnet wie Proctor 
und Vouillieme es für Oxford und Berlin getan haben; die Aus¬ 
gaben, welche nirgendwo anders, und die sehr seltenen, welche nur 
hier und dort unvollständig verzeichnet sind, und die, welche belang¬ 
reich von den bestehenden Beschreibungen abweichen, sind hier be¬ 
schrieben nach den Regeln der „Kommission für den Gesamtkatalog 
der Wiegendrucke“. Wie sehr der gelehrte Verfasser mit dem Stoff, 
den er hier bearbeitet hat, vertraut ist und ihn beherrscht, zeigt er 
in seinem Aufsatze in der „Tijdschrift voor boek- en bibliotheek- 
wezen“ (1911). Er handelt darin ausführlich über die Entwicklung 
und den gegenwärtigen Stand des jetzt bei der Beschreibung und 
Katalogisierung von Inkunabeln wichtigen vergleichenden Typen¬ 
studiums, gibt kürzere Übersichten der Arbeiten von Hain, Holtrop 
und Campbell, weist auf die wenig empfehlenswerte Einrichtung 
des im übrigen vorzüglichen Proctorschen Index hin und auf die 
große Bedeutung von Häblers „Typenrepertorium“. Daß auch das 
Studium der Frühdrucke nach 1500 nicht geruht hat, beweisen die 
letzten Lieferungen der zwei einander ergänzenden Arbeiten des 
bekannten Herausgebers und Bibliographen W. Hijhoff, d. h. seiner 
„Bibliographie de la typographie neerlandaise, 1500—1540“ und 
seiner „Art typographique dans les Pays-Bas, 1500<—1540“. 

Hauptsächlich theologische Werke enthält der „Catalogus van 
de bibliotheek der Theologischen school van de Gereformeerde kerken 
in Hederland“ (Kämpen, 1911). Ein (dritter) Katalog der Tech¬ 
nischen Bücherei in Haarlem (536 Bände) ist erschienen. H. Schult- 
heß verfaßte eine kurze „Lijst van werken en tijdschriften betref¬ 
fende misbruik en bestrijding van alcoholische dranken, uitgegeven 
in Kederland sedert de 17. eeuw tot 1911“ (’s-Gravenhage, 1911). 
Von den vor kurzem erschienenen Registern für Zeitschriften hebe 
ich hervor die für die „Tijdschrift voor veeartsenijkünde en veeteelt“ 
(36 Teile) von D. F. van Esveld; für die „Nederlandsch tijdschrift 
voor geneeskunde“ (50 Jahrgänge) von P. Muntendam u. a.; und 
eine „Jnhoudsopgave der javaansche couranten in de bibliotheek 
van het Bataviaansch genootschap voor kunsten en wetenschappen“, 
von Raden Poerwa Soewignja (Batavia, 1911). Im „Chemisch week- 
blad“ Jhg. VII (1910) publizierten TI. J. Bäcker und P. Jorissen 
einen „Leidsche index van tijdschriften“, ein alphabetisches Ver¬ 
zeichnis der in der Universitäts-Bibliothek, in einigen Laboratürien 
und in anderen Instituten zu Leiden befindlichen Zeitschriften, Jah¬ 
resberichte usw., welche ganz oder teilweise der Chemie und verwand¬ 
ten Fächern gewidmet sind. 

Ausstellung Was ist vergänglicher als die Bücher und Bilderbogen der Kinder ? 

von Kinder- Wie viele von uns, die ein Buch oder Bild aus ihrer Jugend wieder- 
Büchern. Zusehen wünschen, bemühen sich vergeblich, eines hievon zu erlangen ! 



Niederländischer Brief 


169 


Und darum war es ein guter Gedanke, eine Ausstellung von derartigen 
Sachen zu veranstalten, wie man sie im Februar dieses Jahres im Haag 
besuchen konnte. Aus der riesigen Menge holländischer Kinderbogen 
von deti ältesten Zeiten bis jetzt waren von jeder Gattung einige Exem¬ 
plare zu finden. Bisweilen ermöglichte die Ausstellung von verschiedenen 
Ausgaben desselben Buches oder Bildes neben einander die Entwicklung 
des Buches oder des Bildes und deren Ausführung zu folgen. Es gab dort 
z. B. biblische Geschichten (ganz unkindliche Poesie zur Erläuterung 
von hübschen Bildern), Fabel- und Lesebücher aus dem 17. und 18. Jahr¬ 
hundert, den bekannten Kinderdichter Van Alphen; Büchlein mit nützlicher 
Tendenz über Naturwissenschaft, Geschichte, Ethnographie; Kalender, 
Kinderzeitschriften und hübsche moderne Kinderbücher. Ein Katalog 
dieser Ausstellung besteht nicht, wohl ein kurzes Wort zur Einleitung, 
von einem der Hauptorganisatoren, Dr. G. J. Boekenoogen, der vor 
2 Jahren zusammen mit E. H. van Heurck die ,,Histoire de Timagerie 
populaire flamende et de ses rapports avec les imageries etrangöres“ 
(Bruxelles, 1910) geschrieben hat. Es war eine interessante und lehr¬ 
reiche Sammlung. Mancher Besucher wird sich gewundert haben, welch’ sonder¬ 
bare Speise unsere Ahnen gemeint haben den Kindern vorsetzen zu müssen. 

Zwar kein Katalog, aber ein ganz praktisches niederländisches 
Nachschlagebuch, das an keiner großen Bibliothek des In- und Aus¬ 
landes fehlen darf und das ich deshalb hier erwähne, ist das „Nieuw 
Nederlandsch Biographisch woordenboek onder hoodfred van 
Dr. P. C. Molhuysen en Dr. P. J. Blök“ (Leiden, Sythoff, 1911). 
Wie andere Länder besaßen auch wir seit langem ein alphabetisch 
geordnetes Verzeichnis von Lebensbeschreibungen unserer vorzüg¬ 
lichen (und weniger vorzüglichen) Männer, nämlich A. J. van der 
Au, „Biographisch woordenboek der Nederlanden. met Supplement“. 
(Haarlem, 1851—79, 21 Teile). Diese Arbeit aber, wieviel Nutzen 
sie auch den Forschern erwiesen hat und noch heutzutage erweist, 
ist jetzt veraltet. Erstens fehlt ihr die nötige Kritik, und seit ihrem 
Erscheinen sind zahllose Quellen auf jedem Gebiete geöffnet worden, 
so daß man manches verbessern könnte, und zweitens gibt es natür¬ 
lich in einem halben Jahrhundert viele nennenswerte Verstorbene. 
Nachdem schon im Jahre 1898 im oben erwähnten „Nederlandsche 
Spectator“ über die Notwendigkeit einer Neuausgabe geschrieben 
war, ist glücklicherweise jetzt ein Verleger gefunden worden und 
eine Redaktion, welche sich die Mitarbeit von etwa 150 Gelehrten 
gesichert hat, die jeder über eine Gruppe von Personen ihres 
Fachgebietes schreiben werden. Das Wörterbuch wird vollstän¬ 
dig sein in etwa zwölf Teilen, von welchen, wenn möglich, 
jedes Jahr ein Band erscheint, geordnet von A—Z, mit einem 
Register über alle bereits erschienenen Teile. Es ist hier wohl nicht 
der Platz, diese Art der Publikation zu verteidigen. Der erste Band 
erschien im vorigen Jahre, der zweite wird wahrscheinlich in diesem 
folgen.- 

Die Zahl unserer Serien von größeren Veröffentlichungen wurde 
um eine ganz gewichtige Arbeit vermehrt. Es sind die „Neder- 


Biographi- 

sches 

Wörterbuch. 




170 


Rundschau der Fremde 


landsche Monumenten van geschiedenis en kunst. Geillustreer de be- 
scürijving, bewerkt en uitgegeven van wege de Rijks-commissie tot 
bet opmaken en uitgeven van een inventaris en eene beschrijving der 
nederl. mon. van gescbiedenis en kunst ingesteld bi j Koninkli jkBosluit 
van 7 Juli 1903, Kr. 44.“ Der erste Teil dieser Sammlung ent¬ 
hält : J. Kalf, „De voormalige baronie van Breda“ (Utrecht, 1912). 
Diese reich illustrierte Beschreibung der vor dem Jahre 1850 
entstandenen Monumente mit Anweisung ihrer architektonischen 
und geschichtlichen Entwicklung, bietet den Kunsthistorikern eine 
reiche Fundgrube von Material. Die Brauchbarkeit des Buches 
wird erhöht durch die ausführlichen, von A. A. von Bijnbach abge¬ 
faßten Register der im Texte erwähnten Personen, der nach ihren 
Fächern geordneten Künstlern, der geographischen Kamen, sowie der 
Gegenstände. 

Von den in keiner der großen Bibliotheken der Welt fehlenden 
„Codices graeci et latini photographice depicti, duce S. de Vries“, 
erschienen wieder zwei Kümmern, d. s. 15: „Anthologia Palatina, 
codex Palatinus et codex Parisinus, praef. est Car. Preisendanz“ 
(2 Teile, Leiden, 1911) und 16: „Propertius, Codex Guelferbytanus 
Gudianus 224 olim Keapolitanus, praef. est Th. Birt.“ (Leiden, 1911). 

Mai 1912. C. H. Ebbinge Wubben. 


DIE AMERIKANISCHEN BIBLIOTHEKEN APRIL—JUNI 1912. 

Bibliothek- Die vorzüglichste Bereicherung, welche die Literatur über Biblio- 
bau. thekslehre in diesen drei letzten Monaten erfahren hat, ist das Buch 
von C. C. Soule-Boston, Mass., mit dem Titel ,,How to plan a library 
building for library work“ (Boston, Book Co., 1912). Soule ist eine an¬ 
erkannte Autorität auf dem Gebiet des Bibliotheksbaus und ist schon 
bei zahlreichen Gelegenheiten von Bibliotheksausschüssen als sachver¬ 
ständiger Berater beigezogen worden. Sein Buch, die erste ernsthafte 
Arbeit in englischer Sprache über diesen Gegenstand, wird in seinem 
Wert stark beeinträchtigt durch den vollständigen Mangel an Abbildungen, 
die allerdings noch in einem Suplementband nachgeliefert werden könnten. 
Auch leidet das Werk an einer gewissen Weitschweifigkeit des Aus-; 
drucks, offenbar eine Folge seiner hastigen Abfassung. Trotz alledem ist 
es aber doch das Beste, was wir über den Bibliotheksbau besitzen. Es 
wird sich auch europäischen Kollegen bei Neubauplänen als nützlich er¬ 
weisen, da es die Grundsätze klarlegt, die in Amerika feste Form ge¬ 
wonnen zu einer Zeit, die als eine Ära der Neubauten bezeichnet 
werden muß. 

U. S. A. Das Government Printing Office in Washington hat im Juni 1912 

Public eine Neuausgabe seiner Checklist of United States Public Documents, 
Documents. 1789—1909, 3. Edition, vol. 1, Lists (XX, 1707 S. 8°) erscheinen 
lassen. Der Index, der im zweiten Bande enthalten sein wird, soll noch 
vor Ablauf dieses Jahres folgen. Diese neue Ausgabe ist weit umfassen¬ 
der als die zweite von 1895 und die „Tables and Index“ von 1902. 
Schon jetzt, noch ohne den Registerband, bedeutet das Verzeichnis 





Brief aus Washington 


171 


einen großen Fortschritt gegenüber den früheren Erscheinungen und, 
liegt erst einmal auch der Index vor, so wird es ein unentbehrliches 
Werkzeug für alle werden, die sich mit politischer oder wirtschaftlicher 
Geschichte der Vereinigten Staaten beschäftigen. Die Einleitung gibt 
eine klare und knappe Übersicht über die verschiedenen bisher erschienenen 
Indices sowie eine Darstellung des Klassifikationssystems, wie es in der 
Bibliothek des Superintendent of Documents in Gebrauch ist. „Public 
Documents“, wie man in Amerika die Veröffentlichungen der amtlichen 
Stellen nennt, verursachen dem Forscher wie dem Bibliothekar mehr 
Schwierigkeiten und Verdruß als irgend eine andere Art von Literatur. 

Solche Hilfsmittel, wie diese Checklist, sind deshalb eine große Wohltat für 
alle von uns, die täglich mit amtlichen Drucksachen zu tun haben. 

Der Verwaltungsausschuß der Bostoner öffentlichen Bibliothek hat Boston, 
gegen Ende des Jahres 1911 eine Geschichte der Bibliothek von H. G. Public 
Wadlin, dem gegenwärtigen Vorsteher, erscheinen lassen, die die ernst- Library, 
liehe Beachtung aller verdient, die sich für Bibliotheksgeschichte inter¬ 
essieren. Keine andere städtische Bibliothek in Amerika hat im Lande 
einen größeren Einfluß ausgeübt und keine kann sich einer reicheren 
Sammlung von Büchern rühmen. Wenn auch in den letzten Jahren an 
Zahl der Bestände von zwei oder drei anderen Bibliotheken überholt, 
hat doch die Bostoner Public Library, die Männer wie Jewett, Winsor 
und Putnam an ihrer Spitze sah, als die Verwirklichung der höchsten 
Ideale bibliothekarischer Tätigkeit im Dienste einer Gemeinde gegolten. 

Ihre Geschichte hat in dem gegenwärtigen Vorstand einen bewunderungs¬ 
würdigen Schilderer gefunden, gleich ausgezeichnet durch feinen Takt 
und guten Geschmack wie durch Fleiß und Zuverlässigkeit. 

Bemerkenswerte Aufsätze in Zeitschriften. 

Heibert Putnams Redebei der Einweihung des neuen Bibliotheks- Tote Bücher« 
gebäudes der Universität von Kalifornien ist abgedruckt im Library Journal, 

Mai 1912, S. 235—245, mit dem Titel The Quick in the „Dead“. Es ist 
eine beredte Erörterung des praktischen Wertes der angeblich „toten“ Bücher, 
besonders im Bereich der Naturwissenschaften. Wm. Stetson Merrill versucht 
im Library Journal, Mai und Juni, die Grundlagen einer Anweisung für die « <. . 

Beamten des Sachkatalogs festzustellen, ein neues und sehr notwendiges ^ , 3 
Unternehmen. Katalogisierungsvorschriften sind seit langem gebräuchlich, 3 3 ° S * 
dagegen hat man ohne weiteres annehmen zu können geglaubt, daß ein 
Klassifikationssystem sich ohne feste Regeln auch auf Bücher verwenden 
ließe. Merrill bietet zum mindesten eine Grundlage für ein ausreichendes 
Maß von Regeln für Zweifelsfälle, wie sie täglich bei der Arbeit am Sach¬ 
katalog sich ergeben. Darüber hinaus jedoch geht er nicht, und es ist 
in der Tat zweifelhaft, ob innerhalb der engen Grenzen zweier kurzer 
Aufsätze mehr getan werden konnte. 

Die American Library Association hielt vom 26. Juni bis 2. Juli ft. l. A. 
in Ottawa, Canada, ihre Versammlung ab. Die Berichte über die Ver¬ 
handlungen sind noch nicht erschienen und eine Mitteilung über die 
Tagung muß bis zum nächsten Brief verschoben werden. 

Washington. W. W. Bishop. 

(Aus dem Ms. des Verf. übers, von O. Glauning in München.) 







172 


Volksbibliotheken 


VOLKSBIBLIOTHEKEN. 

DIE POPULÄREN BIBLIOTHEKEN DES DEUTSCHEN SPRACH¬ 
GEBIETES SEIT ENDE 1911. 

Literaturübersicht. 

Bibliotheks- Das letzte Halbjahr hat eine Reihe wichtiger und interessanter 
poiitik und Erscheinungen gebracht. Wenngleich das volkstümliche Bibliotheks- 
Verwaltung. wesen von einer großzügigen festorganisierten Zusammenarbeit noch 
weit entfernt ist, so scheint doch die völlige Zersplitterung der frü¬ 
heren Jahre einem Zusammenwirken wenigstens innerhalb einzelner 
größerer Interessenkreise Platz machen zu wollen. Über die begin¬ 
nende äußere Organisation im Begierungsbezirk Düsseldorf und in 
der Provinz Westfalen wurde schon berichtet. Mit welchem Inter¬ 
esse das Büchereiproblem von der Regierung des westfälischen Be¬ 
zirkes Arnsberg in Angriff genommen wird, davon gibt uns der Be¬ 
richt über „Die erste Tagung der westfälischen Bibliothekare“ 1 ) in 
Dortmund ein Bild. In der vom Regierungspräsidenten einberufenen 
und geleiteten Versammlung war besonders der Vortrag des Geh. 
Regierungsrates Rahm, von Interesse. Der Vortragende verbreitete 
sich über die kulturelle, wirtschaftliche und politische Notwendigkeit 
der Volksbücherei auf Grund des „wenn auch nicht klagbaren Rech¬ 
tes auf Bildung in Deutschland“ für jedermann, betrachtete das bis¬ 
her Erreichte unter Berücksichtigung der Rolle der Staatsregierung 
und kam zu dem Resultate, daß zwar viel erreicht sei, aber noch sehr 
viel zu tun übrig bleibe. Die westfälische Regierung macht die 
Unterstützung von Büchereien von einer gewissen Sicherheit für die 
Dauer des Bestehens, sowie von der allgemeinen Zugänglichkeit der¬ 
selben abhängig. Außerdem behält sie sich ein Überwachungsrecht 
hinsichtlich der Bücherauswahl und in gewissen Fällen auch der 
Einrichtung vor. Auch die wichtige Frage der Personalbesetzung 
und das Bildungsproblem wurde gestreift. Die Leiter der Büchereien 
sollen „Erfahrung im Lehrfache und vor allen Dingen Menschen¬ 
kenntnis besitzen“, sie sollen fähig sein, das Publikum in individuali¬ 
sierender Weise zu beraten und die Scheu des einfachen Mannes vor 
der Bibliothek zu zertreuen. Außerdem werden noch die Lesehallen¬ 
frage, das Problem: Standbücherei oder Wanderbücherei, sowie die 
Regelung einer einheitlichen Statistik besprochen mit dem Resultat, 
daß die Lesehalle vorläufig wohl aus finanziellen Gründen mehr in 
den Hintergrund treten müsse, und daß die Standbücherei vor der 
Wanderbücherei den Vorzug verdiene. Auch der Gedanke eines 
Büchereiverbandes für die Provinz wird geäußert. Obwohl unter 
der reichhaltigen, vom Redner verarbeiteten Fachliteratur die neue¬ 
sten Erscheinungen nicht genannt sind, kommt er doch in seinen Re¬ 
sultaten den Forderungen der letzten Zeit außerordentlich nahe. An die¬ 
sen Vortrag schloß sich ein weiterer des Büchereidirektors Dr. Schulz 

*) Westfälisches Magazin N. F., 3. Jahrgang, Nr. 6, S. 119—130 und Nr. 8, 
S. 187—197. 






Literaturübersicht 


173 


(Dortmund) über „Technik und Literatur zur Einrichtung und Ver¬ 
waltung öffentlicher Büchereien“ sowie eine lebhafte Diskussion über 
die von den beiden Rednern aufgeworfenen Fragen. — Die Pflege des 
Volksbücher ei wesens auf dem Lande gehört auch mit in den Aufgaben¬ 
kreis, den sich der neugegründete „Landesverband für Volksbildungs¬ 
wesen“ in Böhmen gestellt hat, Dr. Gustav Peters, 1 ) der uns über 
diese Organisation berichtet, spricht den Gedanken aus, daß Bücher¬ 
verbreitung unorientierten Lesern gegenüber leicht nutzlos oder gar 
schädlich sein kann. Dieser Gefahr soll durch Vorträge über Lebens¬ 
auffassung und Ethik der einzelnen Schriftsteller vorgebeugt wer¬ 
den. Daß man diese Vorträge Lehrern und Studenten überlassen will, 
scheint doch etwas gewagt. An der gleichen Stelle wird das Bildungs¬ 
problem noch weiter ausgeführt und gezeigt, wie man den großen 
Bildungsabstand zwischen Stadt und Land überbrücken könne. — 
Gleichfalls das Thema der ländlichen Bibliotheken in Böhmen be- 
nandelt Prof. \. Bauer. 2 ) Er gibt die Anregung zur Gründung von 
Bezirkszentralstellen zur Versorgung des Landes mit Wanderbiblio¬ 
theken, welche durch die Mithilfe der Behörden, Vereine, Privaten, 
sei es durch Geld, sei es durch Bücher — auch unter Eigentumsvorbe¬ 
halt beschafft werden sollen. Der Verfasser berichtet einiges aus 
seiner bisherigen Praxis auf diesem Gebiete und betont die Notwen¬ 
digkeit einer wirtschaftlichen Hebung der Bauernschaft durch land¬ 
wirtschaftliche Fachliteratur. — Auf das umfangreiche Werk „Po¬ 
litik der Bücherei“ von Dr. Paul Ladewig, das indessen nicht nur die 
Bibliothekspolitik, sondern alle Gebiete des Büchereiwesens behand- 
delt, kann hier nicht näher eingegangen werden. Es ist vielmehr 
auf den Besprechungsteil zu verweisen. -— Auf verwaltungstech¬ 
nischem Gebiete gibt Dr. O. Rote 3 ) einige praktische Winke über die 
verschiedenartige Verwendung von Sonderabzügen aus Katalogen 
und Jahresberichten und empfiehlt außerdem die Herstellung von 
Auswahllisten für Anfängerleser und für andere Spezialzwecke. 

Schon in dem bisher herangezogenen Material wurde hie und da Rfi * ormbewe ' 
das Bildungsproblem berührt, allerdings meist in einer etwas un- gunö und 
sicheren, tastenden, allgemein gehaltenen Form. In den früheren B,ld “ n 9 s ' 
Berichten sprachen wir schon von den eingehenden Untersuchungen probem - 
theoretischer und praktischer Art, die Walter Hof mann diesem Pro¬ 
blem widmete. Aber noch von anderen Seiten, die dem Bibliotheks¬ 
wesen ganz fernstehen, wurde das Thema Buch und Bildung, d. h. 
das Verhältnis des Buches zum Bildungsleben des Einzelnen und der 
Bücher Verbreitung zur Volksbildung aufgegriffen und zum Teil 
unter scharfer Kritik sowohl der Lektüre des einzelnen Durch¬ 
schnittslesers nach Stoff und Konzentration, wie der Volksbiblio¬ 
theken, die durch allzu mechanische Versorgung des „Biklungs- 

*) Deutsche Arbeit, 11. Jahrg., H. 3, S. 209—210. 

2 ) Die Lösung der Bibliotheksfrage auf dem Lande und was damit zu¬ 
sammenhängt. Zentralblatt für Volksbildungswesen, 12. Jahrg., Nr. 4, S. 50 — 55. 

3 ) Über einige Drucksachen des Hamburger Bücherhallenbetriebes. Blätter 
für Volksbibliotheken und Lesehallen, 13. Jahrg., Nr. 3/4, S. 37—43. 






174 


Volksbibliotheken 


bedürfnisses“ eine mehr negative als positive Kulturarbeit leisteten, 
erörtert. 1 ) Alle diese Kreise, die das gleiche Thema besprechen, 
stehen völlig unabhängig nebeneinander. Zu ihnen gesellen sich noch 
andere, die sich bewußt Walter Hof mann angeschlossen und zu einer 
Reformbewegung zur Vertiefung unseres populären Bübliotheks- 
wesens zusammengefunden haben. An die Spitze sind drei unserer 
bedeutendsten Kulturgesellschaften getreten und haben gemeinsam 
feste Leitsätze zum Volksbüchereiwesen aufgestellt. 2 ) Wie schon die 
Beteiligung der Comenius-Gesellschaft zeigt, tritt die neue Bewegung 
nicht in ein feindseliges Verhältnis zur Bücherhallenbewegung, deren 
Sätze nur auf Grund der Erfahrungen eines Jahrzehnts in einigen 
Punkten modifiziert und erweitert werden. In der Hauptsache soll 
sich die Reform natürlich auf eine Vertiefung der Schalterarbeit 
richten, eine Forderung, die wiederum auf die der Qualifikation des 
Ausleihepersonales zurückgreift. „Der einzelne aus den breiten 
Schichten, nur mechanisch bedient und geistig vor den ungleich¬ 
artigen Büchermassen sich selbst überlassen, mußte als Bibliothek- 
benützer zum Glückspieler werden. “ Dies ist der Brennpunkt der 
neuen Bewegung. — Außerdem wird die ökonomische Seite der 
Frage beleuchtet: Billige Ausleihen — teure Leser, dabei der Nutz¬ 
effekt zum mindesten sehr fraglich, während sich durch individuali¬ 
sierende Ausleihearbeit nachweislich die Benützung der belehrenden 
Literatur stark heben läßt. Die Schrift stellt das wichtigste Material 
über die neue Bewegung in einer knappen, übersichtlichen, auch für 
außenstehende Kreise berechneten Form zusammen. Es geht aus ihr 
auch hervor, daß diese Bestrebungen sich schon ein Stück Feld er¬ 
obert haben und daß bereits eine ganze Reihe von Neugründungen 
und Reorganisationen nach dem Dresden-Plauener Muster erfolgt 
ist. — Neben Hofmann waren es schon seit einigen Jahren die 
sozialdemokratischen Bibliothekare und Bildungspolitiker, die theo¬ 
retisch und praktisch, besonders auch in ihrem Fachorgan, dem 
,,Bibliothekar a den Bildungsgedanken im Zusammenhang mit der 
Bibliotheksarbeit lebhaft vertraten. In letzter Zeit äußerten sich 
Rud. Waclawiak 3 ) und Wenzel Holek, 4 ) dieses Mal zum Teil in aus¬ 
gesprochener Anlehnung an Hofmann zu dem gleichen Thema. Holek 
bespricht dabei auch noch das Verhältnis der Lebensbedingungen der 

b Schon Alfred Möller im Türmer 1909, dann Paul Ernst, Die Unterhal¬ 
tungsliteratur und das Volk, Kunstwart, 24. Jahrg., H. 21. — Hermann Hesse. 
Bücherlesen. Dresdener Anzeiger. Die letzten beiden unter Hinzufügung weiterer 
einschlägiger Zitate mit einer Einleitung von Walter Hofmann abgedruckt im 
Volksbildungsarchiv, 2. Band, H. 3/4, S. 425—442. 

2 ) Merkpunkte zum volkstümlichen Bibliothekwesen. Herausgegeben vom 
Dürerbunde in Verbindung mit der Zentralstelle für Volkswohlfahrt und der 
Comenius-Gesellschaft. Bearbeitet von Walter Hofmann. Dürerbund 96. Flugschrift 
zur Ausdruckskultur. 25 S. Einzelpreis —.30 Mk. 

s ) Individuelle oder schematische Leserabfertigung. Der Bibliothekar, 
4. Jahrg., Nr. 5, S. 423—424. 

4 ) Bibliothekare als Miterzieher ebenda Nr. 4, S. 409—410 und Über Bücher 
'und Bücherlesen (Besprechung der von Hofmann eingeleiteten Aufsätze von 
Hermann Hesse und Paul Ernst im Volksbildungsarchiv) ebenda Nr. 5, S. 421—423. 




Literaturübersicht 


175 


Arbeiterschaft zum Bildungsproblem, speziell des industriellen Teil¬ 
arbeiters zur Fachliteratur. Er verlangt Ausbildung der Arbeiter¬ 
bibliothekare durch die Partei. — Wie man in der Praxis die Lek¬ 
türe als Bildungsmittel zu gestalten sucht, darüber wird uns im „Be¬ 
richt des Vereines Volksheim“ 1 ) in Wien einiges gesagt unter Hin¬ 
zufügung von Beispielen einer gründlichen systematisch geordneten 
Lektüre aus den Kreisen der Hörer.— Die Kotwendigkeit einer ver¬ 
tieften literarischen Erziehung auch der gebildeten Kreise betont 
Hugo Otto Zimmer. 2 * ) Er verspricht sich viel von den Kinderlese¬ 
hallen. Die billigen Literaturausgaben und Volkszeitschriften seien 
nur für den Übergang zu begrüßen, da sie im Grunde doch „zum 
Jagen, Eilen und zum — Wegwerfen“ verführten. Eine Anregung für 
eine mehr mittelbare Beteiligung der Bildungsbibliotheken an der 
kulturpädagogischen Aufgabe gibt Dr. Erwin Ackerknecht. 8 ) Er 
denkt an eine beratende und unterstützende Tätigkeit der Presse 
gegenüber durch Nachweisung guten, besonders heimatlichen 
Feuilletonmaterials und durch Büchercharakterisierungen in regel¬ 
mäßigen Sammelberichten. 

Ein Bild der Grundlagen zu geben, auf denen die Hof¬ 
mannsehen Forderungen sich auf bauen, d. h. zu zeigen, wie sehr die¬ 
selben letzten Grundes in der Praxis wurzeln, ist der Zweck zweier 
Aufsätze von Karl Poelchau. Der eine 4 * ) beschäftigt sich mit der 
Ausleihpraxis in Dresden-Plauen, zeigt, mit welchen Mitteln man an 
der fortwährenden Verfeinerung der Methoden arbeitet und in wel¬ 
cher Weise man das Nebeneinander der Bedienung der beratungs¬ 
bedürftigen und der gebildeten Leser in möglichst ökonomischer 
Weise regelt, indem nämlich die Bedienung der ersteren nur den er¬ 
fahrensten Beamten überlassen wird, während die letzteren auch von 
weniger qualifizierten Kräften, die über eine genügende technische 
Übung verfügen, bedient werden können. Der zweite Aufsatz') zeigt, 
wie Hofmann die Leserschaft in einer Anzahl geeigneter Vertreter 
zur regelmäßigen Beratung heranzieht, um auf diese Weise in ge¬ 
meinsamer Aussprache die Bichtlinien für die Arbeit am Ausleih¬ 
schalter zu gewinnen. — Daran knüpft Dr. Fritz Coerper eine Be¬ 
sprechung, 6 ) die gleichzeitig einem Abschnitt über den „Leserbeirat“ 
in dem Jahresberichte der Freien öffentlichen Bibliothek Dresden- 
Plauen gilt. Im Druck liegen von dem erwähnten Jahresbericht nur 
einige Kapitel in einem (von Poelchau) erläuterten Auszuge 7 ) vor. 

x ) Zentralblatt für Volksbildungswesen. 12. Jahrg., H. 1/2. S. 25—26. 

2 ) Vom Bücherleihen. Die Hilfe, 18. Jahrg., Nr. 10, S. 153—155. 

8 ) Bildungsbibliotheken und Presse. Blätter für Volksbibliotheken und 
Lesehallen, 13. Jahrg., Nr. 1/2, S. 6—8. 

4 ) Der sozialpädagogische Zug im Volksbüchereiwesen. Soziale Praxis, 

21. Jahrg., Nr. 19, Sp. 601—603 und Nr. 20, Sp. 635—636. 

6 ) Der Arbeiterbeirat der Freien öffentlichen Bibliothek Dresden-Plauen. 
Zentralblatt für Volksbildungswesen, 11. Jahrg., Nr. 10, S. 145—149. 

6 ) Leserbeiräte für volkstümliche Bibliotheken. Monatshefte der Comenius- 
Gesellschaft für Volkserziehung N. F., 4. Band, H. 1, S. 7—10. 

7 ) Concordia. Zeitsch. d. Zentralst, f. Volksw., 19. Jahrg., Nr. 2, S. 25—30. 

13 


Dresden- 

Plauen. 




176 


Volksbibliotheken 


Personal- 

Ausbildung. 


Der lehrreichste und interessanteste Teil in diesem Berichte ist wohl 
derjenige, der die Arbeit an den jugendlichen männlichen proletari¬ 
schen Lesern schildert. Durch die sorgfältige Bedienung der Leser 
wurde es erreicht, daß der Prozentsatz der Benützung belehrender 
Literatur in der genannten Gruppe 45% betrug. Doch werden noch 
weitere 'Qualitätsproben angestellt. Die belehrende Literatur wird 
wieder in zwei Gruppen zerlegt: ernstere belehrende Literatur und 
populärere belehrende Literatur (Beisebeschreibungen, Kriegsaben¬ 
teuer) — mit dem Resultat, daß auf die erste Gruppe immer noch 
64*47% der gesamten belehrenden Literatur entfielen. Überhaupt 
stand den verschiedenen Maßnahmen zur Einschränkung der Ge¬ 
samtbenützungsziffer ein starkes Steigen der Benützung an beleh¬ 
render Literatur, obwohl deren Prozentsatz vorher schon ungewöhn¬ 
lich hoch war, in fast allen Lesergruppen gegenüber. Die einschrän¬ 
kenden Maßnahmen taten dabei dem normalen Steigen der Leser¬ 
ziffer keinen Abbruch. Die Gesamtbenützung der belehrenden Lite¬ 
ratur betrug (die Kinder miteingereehnet) 32*77%. 

In der Frage der Personalausbildung hat in letzter Zeit wieder 
eine lebhafte Diskussion eingesetzt, die vielleicht noch von schwer¬ 
wiegenden Folgen sein dürfte. Wie erinnerlich war die Aufnahme 
des preußischen Erlasses zur Einführung einer Diplomprüfung eine 
geteilte. Auf der einen Seite warme Begrüßung, auf der anderen 
Skepsis. Kunmehr bringen die Leiter dreier unserer bedeutendsten 
Bücherhallen in drei selbständigen Ausführungen unter gemein¬ 
samem Titel 1 ) schwere Bedenken gegen die Diplomprüfung als Vor¬ 
bedingung für den Dienst an Volksbibliotheken zur Sprache. Die 
drei Aufsätze legen, jeder wieder von einem anderen Gesichtspunkt 

— Jaeschke vom praktisch-ökonomischen, Heidenhain vom verwal¬ 
tungstechnisch-organisatorischen, Hofmann vom sozialpädagogischen 

— dar, wie der Dienst in der Volksbibliothek gerade in seinen we¬ 
sentlichsten Erfordernissen von dem in der wissenschaftlichen Bi¬ 
bliothek abweicht, wie wenig daher der Vach weis einer Befähigung 
für den mittleren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken eine 
solche für den Volksbibliotheksdienst dartun könne. Die Aufsatz¬ 
reihe hat mehr den Charakter einer Anregung und Aussprache, als 
den einer abschließenden Beurteilung der Frage. Es wird daher auch 
keine einheitliche Schlußforderung gestellt, vielmehr schlägt Jaeschke 
eine zweijährige Ausbildungszeit, bestehend aus einem praktischen 
Jahr und einem Kursus an einer dafür zu begründenden Schule vor, 
während Heidenhain sich dahin äußert, daß die eigentliche Befähi¬ 
gung für den Dienst nur in der praktischen Arbeit der populären 
Bibliothek selbst erwiesen werden könne; Hofmann ist mit der von 
Jaeschke vorgeschlagenen Schule einverstanden, hält aber auch ein 
Zusammenarbeiten mit der preußischen Prüfungskommission für 

*) Zur Frage der Ausbildung für den Dienst an volkstümlichen Bibliotheken 
von Dr. E. Jaeschke, Dr. A. Heidenhain und Walter Hofmann. Dazu ein Anhang: 
Richtlinien für die Ausbildung von Volontären an der Lesehalle in Bremen. 
Volksbildungsarchiv, 2. Band, H. 3/4, S. 389 -424. 









Literatui Übersicht 


177 


möglich, wenn die- Prüfung weniger zu einer definitiven Entschei- 
^ung über die Befähigung, als zu einer Feststellung der vorhandenen 
Kenntnisse ausgestaltet würde. Er will besonders der Gefahr Vor¬ 
beugen, daß durch die Prüfung reife und bewährte Elemente aus ver- 
wandten Berufen, die aus innerem Interesse in nicht vereinzelten 
h allen zur \ olksbibliothek herüberkommen und deren wertvollstes 
ei sonal ausmachen, von der Laufbahn ausgeschlossen würden. — 
Diese Erörterungen haben in den Fachblättern eingehende Berichte 
und Besprechungen erfahren. Während Emma Lampa 1 * ) sie mit 
wärmstem Interesse bespricht und begrüßt, verhält sich Prof. Liese- 
gang mehi abwartend, wünscht, daß di© Erfahrungen mit den in¬ 
zwischen diplomierten Anwärtern erst mal berücksichtigt würden und 
stimmt am meisten noch den Ausführungen Jaeschkes bei, während 
ihm bei Heidenhain und Hofmann di© Theorie allzusehr zu über¬ 
wiegen scheine. Vom Standpunkt der wissenschaftlichen Bibliothe¬ 
kare aus widmet Prof. Adalbert Hortzschansky 3 ) den drei Aufsätzen 
eine eingehende Besprechung. Im Gegensatz zu Liesegang hält er 
ein© theoretische Erörterung der Frage durchaus für angebracht 
insbesondere da di© Anwärter für Volksbibliotheken fast ganz auf 
die Prüfung verzichten und deshalb jedes Erfahrungsmaterial fehlt. 
Eine Diskussion über die Frage läge auch im Interesse der wissen¬ 
schaftlichen Bibliotheken. Da die Diplomprüfung auch den Anfor¬ 
derungen der letzteren infolge des Kompromisses, auf dem sie auf¬ 
gebaut sei, nicht genügend gerecht werden könne, sei eine Trennung 
in der Ausbildung wohl wünschenswert. Doch läge es sowohl im 
Interesse des Staates, wie der Volksbibliothekei^, an einer staatlichen 
Prüfung auch für die letzteren festzuhalten. — Von mehr prak¬ 
tischen,. durch das Standesinteresse gebotenen Gesichtspunkten aus 
wird die Ausbildungsfrage von der „Vereinigung bibliothekarisch 
arbeitender Frauen* 4 ) betrieben. Durch Vorträge über literarische 
und bibliothekstechnische Themata, durch Eepetitions- und Übungs- 
kurse gibt sie ihren Mitgliedern Gelegenheit zur Weiterbildung, sorgt 
für Auskunftserteilung und Stellenvermittlung und läßt in gewissen 
Zeitabständen die Eesultate ihrer Erhebungen über die Stellen- und 
Gehaltsverhältnisse im Druck erscheinen. 5 ) Auch Bibliotheksvor- 
tände und Behörden machen von diesen Einrichtungen häufig Ge¬ 
brauch. Der Erlaß wird von dieser wohl größeren Teils aus Ange¬ 
hörigen der . wissenschaftlichen Bibliotheken bestehenden Körper¬ 
schaft um seiner normierenden, der Überfüll ung vorbeugenden und 

b Zentralblatt für Volksbildungswesen, 12. Jahrg., H. 3, S. 46—48. 

*) Blätter für Volksbibliotheken und Lesehallen, 13. Jahrg., Nr. 3/4, S. 53—56. 

3 ) Die preußische Diplomprüfung und die wissenschaftlichen Bibliotheken. 
Zentralblatt für Bibliothekswesen, 29. Jahrg., H. 5, S. 193—201. 

4 ) Anna Reicke. Zur Entstehung und Geschichte der „Vereinigung biblio¬ 
thekarisch arbeitender Frauen“. E. V. Blätter für Volksbibliotheken und Lese¬ 
hallen, 13. Jahrg., Nr. 1/2, S. 1—6. 

5 ) Übersicht der Gehalts- und Arbeitsverhältnisse bibliothekarisch arbei¬ 
tender Frauen. Ergebnis einer Umfrage vom Sommer 1911. Lübeck, Max Schmidt 
—.75 Mk. 


13* 










178 


Volksbibliotheken — Literaturübersicht 


England und 
Amerika. 


den Stand hebenden Wirkung willen begrüßt. — Die Forderung der 
Ausbildung der freiwilligen Bibliothekare, die in anderen Ländern 
schon hie und da verwirklicht ist, ist bei uns nunmehr vom Borro- 
mäusverein aufgegriffen worden. Die veranstalteten Kurse 1 ) dauern 
allerdings nur drei Tage. — Braun 2 ) fordert außerdem Vorlesungen 
in den Priester- und Lehrerseminaren, in Vereinen usw. Er hebt 
auch die Bedeutung der persönlichen Eigenschaften des Bibliothe¬ 
kars hervor: technische Gewandtheit, Bücherkenntnis, Menschen¬ 
kenntnis, Scharfblick für das Individuelle, Verständnis für die Kot 
des Alltagsmenschen. — Daß die Sozialdemokraten auch auf eine 
Ausbildung ihrer Bibliothekare hinausstreben, haben wir schon ge¬ 
sehen. Außer ILolek tritt auch noch Ernst Mehlich 3 ) dafür ein. 

Die englischen und amerikanischen Bibliotheksverhältnisse ha¬ 
ben von jeher eine große Anziehungskraft für die literarische Dar¬ 
stellung gehabt. Ein kürzeres, zusammenfassendes Bild betr. Amerika 
gibt uns Prof. Hugo Münsterberg in seinem Buche „Die Ameri¬ 
kaner (4. Aufl., 2. Band, S. 131—162). Während die wissenschaft¬ 
lichen Bibliotheken in Amerika sich von den deutschen nur durch 
eine etwas modernere und bequemere äußere Einrichtung unterschei¬ 
den, verhält sich die amerikanische Volksbibliothek nach Münster¬ 
berg zur deutschen „wie der Pullman-Expreßzug zur Postkutsche“. — 
Eine eingehende Schilderung des Carnegie-Institut zu Pittsburg 
entwirft Felix Kirsch. ) Wir erfahren von ihm auch, daß die ameri¬ 
kanische Kinderbibliothekarin in einer besonderen Schule eine Spe¬ 
zialausbildung erhält, die sich neben anderem auch auf die Gebiete 
der Soziologie, der Kinderlektüre und der Erzählung erstreckt. — 
Daß in England die Volksbibliotheksbewegung ähnliche Wendungen 
durchmacht hat, wie wir sie jetzt bei uns erleben, darüber berichtet 
uns Dr. Ernst Schultze in einem Aufsatz, 5 ) in welchem er die eng¬ 
lischen Bibliotheksverhältnisse seit Einführung der Bibliotheken¬ 
steuer verfolgt. Auch dort ist der Begeisterung der Achtziger- und 
Neunzigerjahre eine gewisse Enttäuschung gefolgt. Die kulturelle 
Wirkung, die man sich von den Bibliotheken versprach, ist ausge¬ 
blieben ; wohl infolge Außerachtlassung des pädagogischen Momentes, 
besonders auch, wie man meint, infolge einer unsorgfältigen Bücher¬ 
auswahl. Nunmehr setzt auch dort eine Bewegung ein, die auf Ver¬ 
tiefung der Bibliotheksarbeit hinaus strebt. Für die Bibliothekare 
sind die technischen Probleme nunmehr abgetan und in den Hinter¬ 
grund getreten und ihr Interesse wendet sich statt dessen mehr sozio- 


x ) Erster Unterrichtskursus für die Geschäftsführer der Borromäusvereine 
und die Leiter der Volksbüchereien in Bonn vom 2. bis 4. Oktober 1911. Die 
Bücherwelt, 9. Jahrg., Nr. 2, S. 32—33. 

2 ) Der Bibliothekar und seine Mitarbeiter ebenda S. 29—32. 

8 ) Eine Aufgabe für den Zentralbildungsausschuß. Der Bibliothekar, 4. Jahrg., 
Nr. 3, S. 397. 


4 ) Die amerikanische Volksbibliothek als Bildungsanstalt. Pharus, 3. Jahrg., 
H. 1, S. 64—76. H. 2, S. 164—175. H. 3, S. 257—267. 

6 ) Die Entwicklung der Volksbibliotheken in England. Eckart, 4. Jahrg., 
H. 6, S. 883—390. H. 7, S. 454—461. H. 8, S. 512—524. 




Besprechungen — Milkan 


179 


logischen und pädagogischen Fragen zu. Zum Schluß tritt Schultze 
— ohne die ähnlich gerichteten Bestrebungen bei uns auch nur mit 
einem Worte zu erwähnen — auch für Deutschland für eine ver¬ 
tiefte, individualisierende Arbeit ein und lehnt den Indikator scharf 
ab, der auch in England und Amerika immer mehr verschwinde. — 

Mit den englischen Kinderbibliotheken beschäftigt er sich an einer Klnderbiblio 
anderen Stelle. 1 ) Die allgemeine Durchsetzung derselben vollzieht theken u - a 
sich infolge Mangels an Mitteln nur langsam, wenngleich es an 
einigen Stellen schon seit Jahrzehnten Jugendabteilungen und 
Kinderlesehallen gab und hie und da sehr Bedeutendes geleistet wird. 

Schultze bespricht eingehender das sehr entwickelte Kinder biblio- 
thekswesen in Cardiff und die verschiedenen Formen, in denen die 
Zusammenarbeit zwischen Schule und Bibliothek erfolgt. 

Die Literatur über die Kinderbibliotheken bei uns, sowie über 
die verschiedenen Sonderbibliotheken wächst von Jahr zu Jahr. Ich 
muß mich darauf beschränken, das wichtigste Material kurz anzu¬ 
führen. Dr. Jaesclike 2 ) behandelt die Kinderlesehalle als Faktor 
der Kinderpflege und des Kinder Schutzes, als Kampfmittel gegen 
den Schund und als positives Erziehungsmittel zu Ordnung und 
Sauberkeit, sowie zur Anleitung zum konzentrierten Lesen. — 

Richard Knippei 3 ) betrachtet die Jugendbücherei als Gegengewicht 
gegen die sozialdemokratische Jugendpflege. — Hugo Otto Zimmer 4 ( 
vertritt die Forderung der Übernahme der bisher meist von privater 
Seite errichteten Kinderbibliotheken in städtischen Besitz und ihrer 
fachmännischen Verwaltung. Weiter sind zu nennen Aufsätze von 
Adolf Köhler 5 ), Bennata Otten 6 ) und Emma Lampa. 7 ) — Auch der 
Gedanke der musikalischen Volksbücherei 8 ) tritt hie und da auf und 
ist auch schon verwirklicht. 

Charlottenburg. Dr. Karl Poelchau. 


BESPRECHUNGEN. 

Fritz Milkau, Die Bibliotheken. Sonderabdruck (S. 580 bis 631) 
aus der Kultur der Gegenwart, Teil I, Abteilung 1 des Gesamtwerkes: 
Die allgemeinen Grundlagen der Kultur der Gegenwart. 2. Auflage. 
Leipzig-Berlin, Teubner 1912. 9 ) 

1 ) Kinderbibliotheken und Kinderlesehallen in England. Zeitschrift für den 
französischen und englischen Unterricht, 10. Band, H. 6, S. 504—520. 

2 ) Kinderlesehallen. Kölnische Zeitung vom 17. September 1911. 

3 ) Die Jugendbücherei. Preußische Jahrbücher, 146. Band, H. 3, S. 495—512. 

4 ) Städtische Kinderlesehallen. Blätter für Volksbibliotheken und Lesehallen, 

12. Jahrg. Nr. 11/12, S. 169—174. 

6 ) Lesehallen für Kinder. Die Hilfe, 18. Jahrg., Nr. 5, S. 74—75. 

6 ) Die erste Kinderlesehalle in Lübeck. Blätter für Volksbibliotheken und 
Lesehallen, 13. Jahrg., Nr. 3/4, S. 48—50. 

7 ) Eine deutsche Jugendbücherei tür Prag, Bohemia 1911, Nr. 360. 

8 ) Musikalische Volksbüchereien. Kunstwart, 25. Jahrg., H. 16, S. 240—242. 

®) Im Buchhandel nicht erhältlich. 






180 


Besprechungen 


Es ist im allgemeinen nicht üblich, Sonderabdrücke zu besprechen. 
Die Bedeutung der Milkauschen Arbeit entschuldigt, fordert vielmehr ein 
Abgehen von dieser Regel, weil dadurch dazu beigetragen werden kann, 
eine treffliche Schrift davor zu bewahren, daß sie in der Überfülle eines 
Sammelwerkes untergeht, von dem sie einen höchst wertvollen, aber leider 
nicht ablösbaren Teil bildet. 

Milkau hat seinen reichen Stoff in vier Teile gegliedert. Im ersten, einleiten¬ 
den Abschnitt spricht er von der unvergleichlichen Bedeutung der schrift¬ 
lichen Überlieferung für alle Kultur und bestimmt die überragende Stellung 
der Bibliotheken in der Reihe der Kulturfaktoren nach dem Maße ihrer 
Leistungen für die Sammlung, Erhaltung und Nutzbarmachung der schrift¬ 
lich niedergelegten Erzeugnisse des menschlichen Geistes. Nicht daß die 
Bibliotheken mit dem Sammeln zugleich auch schon durchaus das Erhalten 
zu leisten im Stande gewesen wären, die Verluste an Schrifttum sind un¬ 
übersehbar, aber sie wären noch größer gewesen ohne die Bibliotheken, 
die das Buch der Laune, dem Wechsel der Neigung, der Änderung der 
Wertschätzung, dem Überdruß am Besitz, all den Gefahren entziehen, 
denen es in der Hand des Einzelnen ausgesetzt ist. Und wenn auch durch 
die Erfindung der Buchdruckerkunst ihre Bedeutung sich um vieles ver¬ 
ringert hat, so zeigt doch wiederum nichts deutlicher die bewahrende 
Wirksamkeit der Bibliotheken, als daß nirgends größere Verluste zu be¬ 
klagen sind als bei den nur für vorübergehenden Gebrauch hergestellten 
Druckerzeugnissen, um deren Erhaltung die Bibliotheken sich erst spät 
angenommen haben. Ebenso alt wie die Bibliothek als Sammelstätte gei¬ 
stiger Schätze ist sie als freigebig allen spendende Bildungsquelle. Mit 
den berühmten Namen der Bibliothek der Ptolemäer in Alexandria, der 
Laurentiana der Medizäer, der Palatina der pfälzischen Wittelsbacher, S. 
Germain-des-Pres der Mauriner verbinden wir die Erinnerung an ebenso- 
viele Mittelpunkte reichsten geistigen Lebens und auch in unseren Tagen 
zeigt die Stiftung der Bibliotheken zu Straßburg und Posen, daß das Ver¬ 
trauen in diese stille, ausgleichende, zuletzt den Sieg des Echten und 
Wahren erzwingende Wirksamkeit der geistigen Schätze nicht verloren 
gegangen ist. 

Die Schwierigkeiten betonend, die sich bei der Überfülle des Ma¬ 
terials einer allgemeinen Geschichte der Entwicklung der Bibliotheken 
entgegenstellen, tadelt Milkau mit Recht, daß vielfach die Darstellungen 
der Geschichte einzelner Bibliotheken einen allzustarken Nachdruck auf 
die äußeren Schicksale der Sammlungen legen, die Schilderung des inneren 
Werdens dagegen vernachlässigen. Diese freilich schwere Aufgabe der 
Klarlegung des Geistes, der die Bibliotheken beseelte, der Wirkung, die von 
ihnen ausging, des Einflusses, den umgekehrt die Gestaltung des wissen¬ 
schaftlichen Betriebes auf ihre Entwicklung ausübte, der Anregung, die sie 
aus ihrer Arbeit heraus zur Förderung des gesamten Bibliothekswesens bei¬ 
steuerten, diese reizvolle Aufgabe hat Milkau für die Bibliotheken Mittel¬ 
europas und vornehmlich Deutschlands mit einem raschen Gang durch 
die Jahrhunderte meisterhaft gelöst. Es' ist im Rahmen dieser Anzeige 
ausgeschlossen, diese großzügige, ideenreiche Skizze auch nur ganz kurz 
wiederzugeben, wir würden einen fein durchdachten Aufbau scharfer Be- 









Milkau 


181 


obachtungen und trefflicher Gedanken nur durch ein ödes Gerüste von 
Daten ersetzen können, ohne dem Leser etwas von dem unmittelbaren 
Reiz der lebendigen Darstellung des geistvollen Originals zu vermitteln. 
So prächtig hier Milkau in großen Zügen eine Jahrhunderte dauernde 
und ein gewaltiges Gebiet umfassende Entwicklungsreihe zu schildern ver¬ 
stand, so vorbildlich hat er inzwischen auch die Geschichte der seiner 
Leitung unterstehenden Universitätsbibliothek Breslau dargestellt 1 ) und 
damit gezeigt, daß er die oben erwähnten, von ihm erhobenen Forderungen 
nicht nur zu Recht zu stellen, sondern auch an einem konkreten Beispiel 
vollauf zu erfüllen gewußt hat. 

Als einen Abschluß zu dem Abriß der geschichtlichen Entwicklung 
gibt Milkau einen Überblick über die Lage am Ende des neunzehnten 
Jahrhunderts: fast überall neue, beinahe den ganzen Tag geöffnete Ge¬ 
bäude, regelmäßig fließende, gesteigerte Mittel, die Bibliothekare durch¬ 
drungen von der Überzeugung, daß sie für die Bibliothek da sind, nicht 
die Bibliothek für sie, in einer Art Wetteifer bestrebt, die Ausnützung 
der ihnen anvertrauten Schätze am wirksamsten zu fördern, der Biblio¬ 
thekar ein selbständiger Beruf. Überall kann Milkau einen so starken, 
gleichmäßigen Fortschritt feststellen, daß das alte Bild kaum wieder zu 
erkennen ist. Auch wenn man sich gegenwärtig halten muß, daß an dem 
raschen Aufstieg der Bibliotheken während der letztvergangenen Jahr¬ 
zehnte auch die Tiefe, aus der sie sich zu erheben hatten, stark beteiligt 
ist, so ist das Erreichte doch dankbar anzuerkennen. 

Damit der Leser und wohl vor andern der Fachgenosse nicht in 
die gefährliche Beschaulichkeit des »Wir habens herrlich weit gebracht« 
verfalle, rüttelt Milkau ihn zum Schluß noch einmal kräftig auf, indem 
er vom Erreichten nachdrücklich hinweist auf das was noch zu erreichen 
bleibt. Dieses Schlußkapitel ist wohl der persönlichste Teil seiner Schrift; 
es tritt darin der ideale Zug in dem Wesen des Verfassers am deut¬ 
lichsten hervor. Er beschäftigt sich eingehend mit dem alle andern Fragen 
an Wichtigkeit überragenden Problem: der Bemessung der Vermehrungs¬ 
fonds, zu dessen Lösung er einen neuen eigenartigen Weg vorschlägt, 
der das Sprunghafte und Systemlose ihrer Verstärkung in eine gleich¬ 
mäßige Zunahme auf Grund der Steigerung des Wertes der Bücherer¬ 
zeugung umzuwandeln bestrebt ist. Gegenüber dieser Kardinalfrage stehen 
andere, wie das Raumproblem, sehr zurück, andere, wie der Gesamtkatalog 
treten gar nicht auf. Auch dem Fremden, vor allem dem amerikanischen 
Bibliothekswesen gegenüber bewahrt sich Milkau seine ruhig abwägende 
Kritik; er erkennt an, daß wir vom Ausland wie ebenso von den Volks¬ 
bibliotheken in manchen Dingen lernen können, weist aber die vielfach 
beliebte Überschätzung des Amerikanismus als unberechtigt entschieden 
zurück. Mit trefflichen Worten aber und mit eindringlicher Wärme setzt 
er an .den Schluß seiner Ausführungen die vorbildliche Gestalt des Bi¬ 
bliothekars der Zukunft, »der mit gesundem Ehrgeiz und starkem Verant¬ 
wortlichkeitsgefühl die ihm übertragene Abteilung arbeitend und beauf¬ 
sichtigend zur besten des Instituts zu machen strebt, der die^ ganze Bi- 

*) Die Königliche und Universitäts-Bibliothek zu Breslau. Eine Skizze von 
Fritz Milkau. Breslau 1911, Ferdinand Hirt. (120 S.) [S. o. S. 60] 







182 


Besprechungen —- Viennot 


bliothek mit dem Auge des Herrn, nicht des Mietlings ansieht und unge¬ 
heißen hilft und bessert, wo die Gelegenheit sich bietet, der nicht in 
die gefährliche Andacht der Quisquilien versinkt, sondern mit freiem 
Blick das Große vom Kleinen zu scheiden weiß, der nicht an der Scha¬ 
blone klebt, sondern nachdenkend und aufmerksam den Standpunkt des 
Kritikers auch den bestehenden Einrichtungen gegenüber festhält, und 
der schließlich, wie sich das für den Hüter und Verwalter wissenschaft¬ 
licher Schätze von selbst verstehen sollte, Muße und Frische genug aus 
dem Dienste rettet, um für seinen Teil auf bescheidenem Hausaltar die 
Flamme der Wissenschaft zu nähren.« Mag auch Milkau mit dieser Schil¬ 
derung den Boden der Wirklichkeit in etwas verlassen und ein schwer 
und selten, vielleicht nie erreichbares Idealbild geschaffen haben, ihm 
bleibt doch das Verdienst, es erdacht, gestaltet und uns als hohes, er¬ 
strebenswertes Ziel wie einen Spiegel vor Augen gestellt zu haben. 

München. _ O. Glauning. 


Bibliothöque nationale. (Departement des imprimös.) Catalogue de 
la Collection Audeoud. (Editions d’Amateur et Reliures modernes.) Rödigö 
par W. Vien not, bibliothecaire principal, avec une preface par A. Vidier, 
conservateur-adjoint. Paris. 1912. Librairie ancienne H. Champion. 3 ff. 
n. ch., XXXV et 58 pg., table des relieurs. gr. in 8°. Papier vergö de 
Holland. Tire ä 120 expl. ä 5 frcs. 

Trotz ihres großen Reichtums an Druckwerken und Handschriften 
war die Pariser Nationalbibliothek bisher doch sehr arm an jener Gattung 
von Büchern, die man in Frankreich als livres de grande luxe bezeichnet, 
Prachtausgaben, zu deren Herstellung sich die Kunst des Buchdruckers 
mit der des Zeichners oder Malers und des Buchbinders vereint, Pracht¬ 
ausgaben, wie solche in den letzten Jahrzehnten besonders aus dem Ver¬ 
lage von Carteret, Conquet, Jouaust, Rouquet, Simonis-Empis und anderer 
Pariser Verleger hervorgegangen sind, die aber wegen ihres hohen Preises 
nur für eine sehr kleine Zahl von Käufern erreichbar sind, wie sich 
solche unter den Cent bibliophiles, den Bibliophiles contemporains oder 
unter den Amis des livres zusammengetan haben. 

Bei der Knappheit der zur Verfügung stehenden Geldmittel mußte 
die Nationalbibliothek auf den Ankauf solcher Luxusausgaben aus der 
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bisher verzichten. Da hat nun ein 
moderner Mäzenas, Maurice Audeoud, diese Lücke der Nationalbibliothek 
glänzend ausgefüllt, indem er durch Notariatsakt vom 3. Oktober 1898 
seine Bücher und Handschriften der Nationalbibliothek vermachte, welche 
diese kostbare Erbschaft nach dem Tode Audöouds, der am 5. Juli 1907 
zu Heluan in Ägypten starb, am 17. Februar 1909 antrat. 

Der von der Nationalbibliothek herausgegebene Katalog dieser aus¬ 
gezeichneten Sammlung enthält 491 Nummern. Die schönsten Stücke 
sind in kunstreich gearbeiteten Schreinen aufgestellt, zunächst nur zur 
Besichtigung; zur Benützung bedarf es der besonderen Bewilligung der 
Bibliotheksverwaltung, was man im Hinblick auf die Kostbarkeit der 
Einbände, der Originalzeichnungen und Originalgemälde, mit denen die 






Personalnachrichten — Nekrolog 


183 


Bücher geschmückt sind, wohl begreiflich finden wird. Vorwiegend sind 
es Autoren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die von Audeoud 
gesammelt und von Kunstbuchbindern wie Champs-Stroobants, Gruel, 
Mercier, Marius Michel und Ruban in höchst kostbare Hüllen gekleidet 
worden sind. Es seien hier nur hervorgehoben: Balzac, Claretie, Coppee, 
Daudet, Droz, Dumas, Flaubert, Anatole France, Gautier, die Brüder 
Goncourt, Jules Lemaitre, Louys, Maupassant, Mirbeau, Murger, Rostand, 
Uzanne, Verlaine, Zola usw. 

Da der hohe Wert dieser Sammlung nicht allein in der typographischen 
Ausstattung, sondern auch in den kunstreichen Einbänden beruht, ist 
der bibliographischen Beschreibung jedes Werkes auch die des Einbandes 
beigefügt. 

Man kann die Nationalbibliothek zu dem Besitze dieses großartigen 
Geschenkes nur beglückwünschen und ausrufen: Möge Audeoud nicht 
bloß in Frankreich, sondern auch anderwärts Nachahmer finden! 

Wien. Prof. Dr. M. Grolig. 


PERSONALNACHRICHTEN. 

Der Kaiser hat dem mit dem Titel eines a. o. Prof, bekleideten 
Privatdozenten an der Universität Innsbruck Oberbibliothekar Dr. Wolfram 
von Zingerle den Titel eines ordentlichen Professors und dem Biblio¬ 
thekar des k. k. Patentamtes in Wien Moriz Grolig den Titel eines Biblio¬ 
theksdirektors verliehen. — An der Universitätsbibliothek in Innsbruck 
wurde der Bibliothekar zweiter Klasse Dr. Hans Margreiter zum 
Bibliothekar erster Klasse und der Praktikant Dr. Viktor Swoboda 
Ritter von F e r n o w zum Bibliothekar zweiter Klasse ernannt. 


NEKROLOG. 

Kar! Mandl f- 

Am 18. Juli dieses Jahres erlag der langjährige Bibliothekar Seiner 
Exzellenz des Grafen Hans Wilczek, Dr. Karl Mandl, im Rudolphiner- 
hause zu Wien einem schweren tückischen Leiden. Einer angesehenen 
Wiener Bürgerfamilie entstammend, wurde er am 18. Mai des Jahres 
1835 geboren, bezog, nachdem er am Gymnasium zu den Schotten in 
Wien das Zeugnis der Reife erhalten hatte, die Universität in Wien und 
erwarb hier den Titel eines Doktors beider Rechte. Aber weder der 
Beruf eines Beamten, noch der eines Richters oder Advokaten lockten 
ihn. Ausgerüstet mit tüchtigen Kenntnissen in beiden klassischen Sprachen, 
die er seinen stets verehrten Lehrern am Gymnasium verdankte, über¬ 
dies von seltener musikalischer Begabung und achtenswertem Können 
auf diesem Gebiete widmete er sich dem Jugendunterrichte. Da er, wie 
alle guten Menschen, eine warme Liebe zu Kindern im Herzen trug, eine 
Liebe, die ihm manche Stunde noch an seinem Lebensabende ver¬ 
schönen sollte, so konnten die Erfolge nicht ausbleiben. Erst wirkte er 
im Hause der Grafen Kinsky (Matzen), dann in der gräflich Wilczekschen 







184 


Nekrolog — Berichtigung 


Familie, der er durch vierzig Jahre seine Dienste widmete. Diese Dienste 
waren nicht immer die gleichen. Als seine Zöglinge dem Unterrichte 
entwachsen waren, übertrug ihm seine Exzellenz Graf Hans Wilczek die 
Leitung und Verwaltung seiner reichen Büchersammlungen. Hier war 
Mandl an seinem richtigen Platz. Rasch hatte er sich in die Intentionen 
des berühmten Kennners eingelebt, so daß er seinem Herrn gar bald 
ein unentbehrlicher Mitarbeiter und ein wertvoller gern gehörter Be¬ 
rater wurde. Was die gräflichen Bibliotheken, zu denen sich bald reich¬ 
haltige Sammlungen von Holzschnitten und Kupferstichen gesellten, dieser 
seiner Tätigkeit verdanken, kann hier unerörtert bleiben. 

Nur so viel sei bemerkt, daß jeder der mehr als 30.000 Bände, 
jedes der 6000 und mehr Kunstblätter durch Mandls Hand giengen, 
von ihm katalogisiert und wo es notwendig und möglich war, streng 
wissenschaftlieh behandelt wurden. Dabei fand er noch Zeit zu literari¬ 
scher Betätigung. Die Publikationen der österreichischen Ex libris-Gesell- 
schaft enthalten wertvolle Beiträge aus seiner Hand über seltene Blätter 
aus der Sammlung seiner Exzellenz Graf Wilczek. Wir lernen eine neue 
Seite an ihm, er erscheint uns als feinsinniger Kunstbeobachter, der es 
überdies versteht, die spröde Darstellung durch herzerfreuende Laune 
zu würzen. Diese heitere Laune, verbunden mit einer anerkennenswerten 
Befähigung zu feiner Dialogführung, verwendete er zu wiederholtenmalen, 
wenn es galt, die Mitglieder und Gäste des von ihm so innig geliebten 
gräflichen Hauses — und zwar groß und klein zu erfreuen. Wenigstens 
eine dieser Sachen hat er (1900) als Privatdruck veröffentlicht: Disser- 
tatio historico-medico-politica; an mulier emancipanda sit necne? in 
honorem excellentissimi Domini Joannis Comitis de Wilczek . . . Praeside 
Univ. Med. Dr. Francisco Schnopfhagen, Collegii rerum medicarum con- 
siliario, Autore Utr. Jur. Dre. Carolo Mandl, habita in bibliotheca arcis 
Kreuzensteinianae die XVI mensis Maji anno Domini MCM. — Bescheiden 
wie Mandl war, suchte er keine äußere Anerkennung. Um so reichere 
fand er in dem Hause, dem er sein Leben gewidmet hatte. An der Endigung 
eines Gewölbes im Stiegenhause auf Kreuzenstein grüßt in Stein gehauen 
sein Antlitz, wie es war, geistvoll und wohlwollend. Zum Begräbnis 
am 20. Juli fanden sich auf dem kleinen Friedhof zu Harmannsdorf 
die Familienmitglieder des Hauses Wilczek, alle ohne Ausnahme ein. 
Und als der Sarg, bedeckt mit prachtvollen Kränzen in den Farben 
des gräflichen Hauses zur Gruft gesenkt ward, blieb kein Auge trocken. 

Kreuzenstein, August 1912. Joseph .Strobl. 


Berichtigung. 

Dr. Füchsel bittet, an dieser Stelle besonders darauf hinzuweisen, 
daß die im Zentralblatt für Bibliothekswesen 1912 S. 310 gebrachte 
Wiedergabe seiner Äußerung, er lehne die Übertragung der Aufsicht 
im Lesesaale an mittleres Personal ab, auf einem Mißverständnisse beruhe. 











ZEITSCH RI FT 

DES ÖSTERREICHISCHEN VEREINES FÜR 

BIBLIOTHEKSWESEN 

N. F. DER „MITTEILUNGEN” DES VEREINES. 


III. JAHRG. (GANZER REIHE XVI.) HEFT 4 DEZEMBER 1912 


VIER VORTRÄGE ZUR VERWALTUNGSREFORM 

DER BIBLIOTHEKEN 1 ). 

I. 

ZUR EINFÜHRUNG. 

Von Dr. Hans v. Mzik. 

V^V ie Sie den einleitenden Worten des Herrn Vorsitzenden ent¬ 
nommen haben, unterscheidet sich die heutige Versammlung’ sehr 
wesentlich von allen bisherigen Veranstaltungen unseres Vereines: 
abgesehen von dem Anlasse vor allem in programmatischer Bezie¬ 
hung. Zum ersten Male soll heute der Versuch gemacht werden, die 
bisher in ihren Ausblicken meist akademischen Resultate der Dis¬ 
kussionen über die großen Fragen im Bibliotheksbetriebe, wie solche 
seit Jahren in Fachzeitschriften und Versammlungen geführt wer¬ 
den, zu positiven Vorschlägen auszuarbeiten. Der Tenor dieser Vor¬ 
schläge, welchen ich gleich jetzt vorwegnehmen möchte, soll auf eine 
Verbesserung, Vereinfachung und ein möglichst tadelloses Funk¬ 
tionieren des Betriebes hinausgehen; alle Maßnahmen und Ände¬ 
rungen sollen im Rahmen der verfügbaren Mittel ausführbar sein 
und sich ohne Störung des Dienstes und möglichst im Anschlüsse an 
Bestehendes durchführen lassen. Aus diesen Gesichtspunkten heraus 
erscheint es unbedingt geboten, zunächst eine kurze Darlegung der 
k oraussetzungen zu geben, unter welchen wir an unser heutiges 
Programm herantreten. 

Wie Sie alle wissen, ist das Bibliothekswesen seit dem Beginne 
des 18. Jahrhunderts in einer Entwicklung begriffen, deren Ende 
sich durchaus nicht absehen läßt. Alle öffentlichen Bibliotheken 
ohne Ausnahme stehen Anforderungen gegenüber, denen sie mit 
ihrer jetzigen Organisation nur schwer nachzukommen vermögen. 
Zum Teil aus Privatbibliotheken, zum Teil aus Klosterbibliotheken 
hervorgegangen, haben sie in ihren ersten Anfängen nur zum wenig¬ 
sten ihrem heutigen Zwecke, den Betrieb der Wissenschaft zu för¬ 
dern, gedient. Das Sammeln und Konservieren der Bücherschätze, 

1 ) Veranstaltung des Ö. V. f. B. I und II wurden gehalten in der Monats¬ 
versammlung vom 18. Dezember 1912. 


14 








186 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


das gegenwärtig nur einen Teil, und zwar nur den geringeren, der 
Bestimmung einer Bibliothek ausmaclit, war damals Hauptzweck. 
Hie Stellung und der Beruf des Bibliothekars waren damit schon 
festgelegt. Er war vielleicht Enzyklopädist und Polyhistor, aber da¬ 
durch, daß er sich im großen Ganzen damit begnügte, die gewonne¬ 
nen Kenntnisse der Vergangenheit einzusammeln und weiterzugeben, 
mit dem Maßstabe der Gegenwart gemessen, ein wissenschaftlicher 
Handwerker, nicht mehr. Her Wert, den diese Stufe für die Ent¬ 
wicklung der Bibliotheken und für die Wissenschaft im allgemeinen 
gehabt hat, soll durch diese Betrachtung in keiner Weise herabgesetzt 
werden, wenn sie auch heute längst von einer anderen: der „öffent¬ 
lichen Bibliothek“ abgelöst worden ist. 

Hie Anfänge der bibliotheca publica gehen bereits in die Huma¬ 
nistenzeit zurück ; dennoch hat es mehr als 2 Jahrhunderte gedauert, 
bis sich die Ansicht durchsetzen konnte, daß eine Bibliothek ihrem 
Zwecke nur dann dient, wenn sie entsprechend wissenschaftlich aus¬ 
gebeutet werden kann. Aus den wenigen Besuchern, welche eine 
Bibliothek des 17. und 18. Jahrhunderts aufwies und die ihren Platz 
neben dem Schreibtische des Kustoden fanden, sind hunderte und 
tausende Leser in großen Sälen geworden. Unter den neuen An¬ 
forderungen wurde die Stellung des Bibliothekars eine wesentlich 
andere. Her Kustos von ehedem, der „Hüter“ der Bücher, der nur 
zu leicht geneigt war, ein häufiges Inanspruchnehmen als Störung 
zu empfinden, an dessen Leistungen das alte System nur geringe 
Anforderungen stellte, mußte lernen, sich je nachdem als Hiener, 
als Eührer und Berater des Publikums mit seinen quantitativ und 
qualitativ unendlich differenzierten Ansprüchen zu betrachten. 
Heute hat sich — in der Öffentlichkeit wie bei den Bibliothekaren 
— fast überall die Anschauung durchgerungen, daß man den Wert 
der Bibliotheken und damit auch den ihrer Beamten nur nach den 
Hiensten beurteilt, die sie dem Betriebe der Wissenschaft erweisen. 

Auch das Substrat der Bibliothek, das Buch, hat in den letzten 
Jahrhunderten ungeheure Wandlungen durchgemacht. Einerseits 
stehen die Bibliotheken einer Massenproduktion von Hruckwerken 
gegenüber, die sie aufnehmen und benützbar machen müssen. Ander¬ 
seits ist der Charakter des Buches selbst und sein Verhältnis zur 
Kultur ein wesentlich anderes und unbewußt immer stärker akzen¬ 
tuiertes geworden. Her persönliche Wert des Buches tritt dagegen 
immer mehr in den Hintergrund. Biese Entwicklung können wir 
ganz kurz durch die Reihe: Handschrift, Kodex, Buch, Sammel¬ 
werk, Zeitschrift charakterisieren. Wie schon angedeutet, lassen sich 
weder der Abschluß noch die einzelnen Phasen der Entwicklung des 
Bibliothekswesens voraussehen. Aber aus den bisherigen Erfahrun¬ 
gen darf man vielleicht den Schluß ziehen, daß die Richtlinien dieser 
Evolution gegen die amerikanische public library oder die Volks¬ 
bibliotheken zulaufen oder gar dort einmünden werden. 

Zur Veranschaulichung meiner Ausführungen mögen folgende 
Baten dienen: Hie kgl. Bibliothek in Berlin zählte am 13. Bezember 





187 


v. Mzik — Zur Einführung 

o 


1910 — inklusive der „deutschen Musiksammlung bei der kgl. Biblio¬ 
thek“ — 1,401.956 Druckschriftbände. Der jährliche Eingang 
innerhalb der letzten 10 Jahre betrug zwischen 25.000 bis 40.000 
Bände jährlich. Die „deutsche Zentralbibliothek“ in Leipzig rechnet 
für die nächsten 10 Jahre mit einem jährlichen Eingang von 50.000 
Pflichtexemplaren, für die weiteren 10 mit einem solchen von 
60.000 Werken jährlich, würde also schon nach 20 Jahren den 
Bücherstand der kgl. Bibliothek von heute erreichen. Was die Stei¬ 
gerung der Besucherzahl betrifft, so können wir dieselbe durch fol¬ 
gende Daten illustrieren, die der an der k. k. Hofbibliothek in Wien 
geführten Statistik entnommen sind: Im Oktober 1898 besuchten 
dieselbe 923 Leser, im Oktober 1904: 1265 Leser, 1907: 1422, 1908: 
1811, 1909: 2230, 1911: 2778, im Oktober 1912: 3963 Leser. Die 
Leseranzahl hat sich seit 1898 mehr als vervierfacht, seit 1904 ver¬ 
dreifacht, seit 1908 mehr als verdoppelt. Sie weist für den Monat 
Oktober des Jahres 1912 gegenüber dem gleichen Monate des Vor¬ 
jahres eine Steigerung von 1135 Lesern auf. 

Den derart gesteigerten Anforderungen müssen die öffentlichen 
Bibliotheken gerecht zu werden trachten, sowohl in der Ausgestal¬ 
tung und Erweiterung ihres äußeren Apparates als auch in der grö¬ 
ßeren Durchbildung der inneren Organisation. Die äußere Anpas¬ 
sung an die neuen Verhältnisse, also die Vergrößerung der Lesesäle 
und der Magazine, die Vermehrung der Dienerzahl usw. ist im 
großen Ganzen eine Geldfrage. xAnders steht es mit allen jenen 
Fragen, welche die innere Anpassung betreffen. Eine solche wird 
nur zum Teil durch die Vergrößerung des Beamtenpersonals herbei¬ 
geführt. Das Heil ist hier einzig und allein in der Weiterverfolgung 
des Weges zu finden, der teilweise schon mit Erfolg betreten wurde, 
in einer besseren Organisation der Arbeit, d. h. in einer konsequen¬ 
ten Durchführung des Prinzipes der Arbeitsteilung. 

Diese Erwägung stellt uns zunächst vor die Frage: Was hat der 
Bibliothekar zu tun? — Seine Tätigkeit ist teils eine wissenschaft¬ 
liche, teils eine administrative. Letztere umfaßt einerseits speziellem, 
pur dem Bibliotheksdienst eigentümliche Verwaltungsaufgaben, 
anderseits den Kanzleidienst im engeren Sinne. Bis in die aller¬ 
letzte Zeit ist der Bibliothekar zu allen diesen Arbeiten gleichmäßig 
herangezogen worden, und da zeigte sich, was eigentlich niemanden 
überraschen konnte, daß entweder die eine oder die andere Seite 
seiner Tätigkeit zu kurz kam. Entweder ging der Bibliothekar ganz 
in der Verwaltungs- und Kanzleiarbeit unter und kam seinen wissen¬ 
schaftlichen Aufgaben nicht nach oder er vernachlässigte den verwal¬ 
tungs technischen Teil seines Dienstes. Diese „natürliche“ Arbeits¬ 
teilung, die sich hier auf Grund verschiedener Charaktere und Be¬ 
fähigungen von selbst vollzog und vielleicht noch tagtäglich vollzieht, 
läßt sich aber, vom Standpunkte der Verwaltungsmoral betrachtet, 
durchaus nicht rechtfertigen und ist überdies auch vom budgetären 
Standpunkte aus höchst unökonomisch. Der alte Grundsatz des Zen¬ 
tralismus und Universalismus im Bibliotheksbetriebe in seiner 

14 * 




188 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


strengsten Formulierung ist gegenwärtig auch fast überall schon 
auf gegeben. Zunächst ergab sich die Notwendigkeit einer Differen¬ 
zierung der wissenschaftlichen Arbeitsleistung nach Fächern. Dies 
ist — zum mindesten theoretisch — unbestritten anerkannt. Der 
Bibliothekar als Polyhistor ist heute eine Unmöglichkeit. Man kann 
von ihm nur verlangen, daß er das Gebiet einer Wissenschaft gründ¬ 
lich beherrsche. Diese Forderung birgt in sich als Folge das 
Referatsystem das bereits seit einer Reihe von Jahren auf den grö¬ 
ßeren öffentlichen Bibliotheken Österreichs mehr oder weniger konse¬ 
quent durchgeführt ist. Ebenso ist — in einigen Bibliotheken 
wenigstens — der Bibliothekar von den reinen Kanzleigeschäften 
entlastet und damit seiner eigentlichen Tätigkeit zurückgegeben wor¬ 
den. Dennoch aber macht sich auch innerhalb der reinen Biblio¬ 
thekarstätigkeit das Bedürfnis nach weiterer Arbeitsleistung 
geltend. 

Ein Teil der bibliothekstechnischen Arbeiten ist nämlich durch¬ 
aus nicht derart beschaffen, daß sie von wissenschaftlich geschulten 
Beamten ausgeführt werden müßten. Wenn diese Arbeiten bisher 
von akademisch gebildeten Beamten besorgt wurden, so war das eine 
Verschwendung teurer Arbeitskräfte, die anderswo besser verwendet 
werden konnten. Außerdem aber zeigt die Erfahrung, daß gewisse 
manuelle oder nur einfache Gedanken-Assoziationen verlangende 
Arbeiten von weniger Gebildeten lieber und sorgfältiger ausgeführt 
werden. Diese Erwägungen weisen gebieterisch auf die Einführung 
•einer neuen Beamtenkategorie hin, welche den mechanischen Teil 
des Bibliotheksdienstes zu besorgen hätte. 

Dadurch wird die Zeit des wissenschaftlichen Beamten für 
bibliothekarische Arbeiten innerhalb seines Faches und für die orga¬ 
nisatorischen Arbeiten im Bibliotheksbetriebe frei. Das bedeutet aber 
durchaus keine Erleichterung für ihn, wie es auf den ersten Blick 
scheinen möchte. Denn das Referatsystem in seiner Ausgestaltung 
zieht logischerweise die Verminderung des wissenschaftlichen Per¬ 
sonals nach sich, da jede Wissenschaft an einer Bibliothek nur einen 
vollwertigen Vertreter zu haben braucht und daher selbst die größten 
Bibliotheken mit 16 bis 22 wissenschaftlichen Beamten ihr Aus¬ 
langen finden werden, während außerdem zur Besorgung des mitt¬ 
leren Dienstes, wie wir ihn nennen wollen, da sich dieser Name 
schon eingebürgert hat, eine Anzahl Kanzleibeamter vorhanden sein 
müßte. Allerdings wird es bei einer geringeren Anzahl von wissen¬ 
schaftlichen Beamten schwieriger sein, einen eventuellen Ausfall 
entsprechend zu ersetzen. Unter diesen Umständen wird es geboten 
erscheinen, das an der Bibliothek vorhandene wissenschaftliche Be¬ 
amtenmaterial sich möglichst zu erhalten und zu verhüten, daß die 
Bibliothek wie bisher vielfach als ein Durchgangsposten betrachtet 
wird. Dies kann wieder nur dadurch geschehen, daß der Bibliothekar 
materiell unabhängig von einem Nebenberufe gemacht und durch 
günstige Gehaltsbedingungen dauernd an die Bibliothek gefesselt 
wird. 








Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


189 


Die größte Sorgfalt ist auf die Auswahl der Aspiranten für den 
Bibliotheksdienst und auf die Vorbildung der Bibliothekars zu legen. 
Anwärter für den Bibliotheksdienst sollten nur insoweit zur Probe¬ 
dienstzeit zugelassen werden, als ein tatsächlicher Bedarf für das 
betreffende Bach vorhanden ist. Die Bibliothek darf in keiner 
Weise zu einer Versorgungsanstalt oder zu einer Sinekure herab¬ 
gewürdigt werden. Beben der strengen Auswahl der Praktikanten 
ist die Einführung einer Bibliotheksprüfung unerläßlich, um sich 
die Überzeugung zu schaffen, daß der junge Bibliothekar die für 
seinen Dienst nötigen theoretischen und praktischen Kenntnisse sich 
angeeignet hat. Sehr wichtig wäre die regelmäßige Abhaltung einer 
Vorlesung über Bibliothekskunde, zum mindesten an der Wiener 
Universität, wie dies ja schon ehedem der Fall war. Zu erwägen 
wäre vielleicht, ob nicht ein Teil der Praktikantenzeit obligatorisch 
an einer der großen Wiener Bibliotheken verbracht werden sollte. 

Ich bin damit am Schlüsse meiner Ausführungen angelangt. 
Ich habe mich bemüht, eigene Ansichten möglichst beiseite zu lassen 
und nur Erfahrungsresultate oder Ergebnisse von Verhandlungen 
und Tagungen zu bringen, soweit dieselben unbestritten sind. Den 
einzelnen Referenten und Korreferenten bleibt es Vorbehalten, die 
von mir nur kurz berührten Punkte des Programmes: Mittleren 
Dienst, Avissenschaftlichen Dienst, Vorbildung auszuführen, ihre 
Vorschläge zu begründen und Anregungen für Durchflihrungs-Ver¬ 
ordnungen und Übergangsbestimmungen zu geben. 


II. 

MITTLERER DIENST IN ÖSTERREICH. 

Von Dr. Friedrich Arnold Mayer. 

Hochansehnliche V ersammlung! 

Bestroy — erstaunt fragen Sie: Wie kömmt Saul unter die 
Propheten ? — Bestroy, dessen theatralisches Werk nicht bloß den 
echten Wiener Leuten und ihrem Leben vielfältig genug tut, Bestroy 
läßt seinen famosen Herrn von Ledig ein auf schreibfertige Autoren 
anwendbares Merkwort finden: Es sei nichts mit einem zweiten Teil, 
da sei nicht mehr das Interesse. Es ist eigene Erfahrung Bestroys 
selbst, die ihn skeptisch stimmt gegen Ausspinnung älterer Themen, 
gegen zweite Bände und Teile, die den ersten nachgeschickt, viel¬ 
mehr aufgezwungen würden u. dgl. 

Als der Ausschuß unseres Vereines mir den ehrenden Wunsch 
aussprach, daß ich meinem Münchener Referat über den mittleren 
Dienst hier in Wien eine Fortsetzung folgen ließe, mußte ich jener 
Bestroy sehen Warnung denken, mußte es um so mehr, als ich in 
München doch wohl alles gesagt hatte, was als knappe, aber doch 
einigermaßen grundlegende Übersicht der ganzen Frage gelten 
konnte. Indessen, da man meine Münchener Ausführungen als ge¬ 
geben annimmt, wie sie denn überhaupt viel freundliche Zustirn- 













190 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


mung gefunden haben, und man heute insbesondere Betrachtungen 
über eine Durchführung für Österreich, über die nötige Übergangs¬ 
zeit zu hören wünscht, so bin ich in der Tat in der Lage, den Gegen¬ 
stand meinerseits nochmals aufnehmen zu können, ohne mich auf 
Wiederholungen beschränken zu müssen. 

Eine kurze Übersicht über den Münchener Vortrag muß ich 
gleichwohl geben, ich muß mich in der Sache auf ihn stützen und 
schließlich kann ich mir nicht mit der Annahme schmeicheln, daß 
diejenigen Teilnehmer der heutigen Versammlung, die nicht in 
München gewesen sind, alle den seither im Druck erschienenen 
Artikel gelesen haben. 

Rekapitulieren wir also zunächst, daß, literarisch genommen, 
die ganze Frage nicht über zehn Jahre alt ist, vorher nur ganz spora¬ 
disch auftaucht. Aber gewisse, unsere Entwicklung bestimmende 
Faktoren hatten sich längst geltend gemacht. Wieder hat Kollege von 
Mzik kurz aber schlagend auf jene Faktoren hingewiesen: Gegensatz 
der Bibliothek und ihres Publikums von einst und von jetzt; damit 
hängt zusammen die Stellung des alten Bibliothekars und die des 
neuen in und außer der Bibliothek. Ich habe seinerzeit eingehend 
das Anwachsen der mechanischen xWbeiten und alle jene anderen 
Momente besprochen, die eben eine neue Beamtenkategorie gebiete¬ 
risch überall erheischen, soll der Bibliothekar den wissenschaftlichen 
und literarischen Aufgaben seines Amtes erhalten bleiben. Weitere 
entwicklungsgeschichtliche Darlegungen sind heute und hier nicht 
mehr vonnöten. 

Auf den faktischen Zustand übergehend, habe ich nun auf Grund 
eines beträchtlichen Materials gezeigt, daß die reichsdeutschen Biblio¬ 
theken fast ausnahmslos dieser Forderung wenigstens grundsätzlich 
schon Rechnung getragen haben. Wichtig war aber dann eine Er¬ 
örterung der einzelnen Geschäfte, die an diesen deutschen Biblio¬ 
theken den Mittelbeamten zugewiesen werden, um aus dem vorliegen¬ 
den statistischen Material Schlüsse auf das Soll zu ziehen, das im all¬ 
gemeinen bei gleichen oder ähnlichen Verhältnissen auch für uns zu 
Lande gelten muß. Es hat sich gewiesen, daß die Mittelbeamten, wo 
die Verhältnisse solche gestatten oder erfordern, und das seien alle 
öffentlichen Bibliotheken, grundsätzlich für folgende Tätigkeiten in 
Anspruch zu nehmen seien, alle unter Kontrolle und Oberleitung der 
wissenschaftlichen Beamten: 

1. Ausleihe, Rücknahme, Einforderung. 

2. Lesesaaldienst und- -Aufsicht. 

3. Eachschlagedienst an den Katalogen. 

4. Kanzleiarbeiten, also u. a. Führung der Eingangs- und Aus¬ 
gangsprotokolle, Rechnungswesen, einfache Korrespondenz. 

5. Einziehung der Pflichtexemplare. 

6. Postausfertigungen. 

7. Dublettengeschäft. 

8. Zuwachsjournale. 

9. Fortsetzungslisten. 




Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


191 


10. Buchbinder. 

11. Von Katalogarbeiten: Eintragungen in den Bandkatalog, 
Beschreibungen moderner Werke, wo keine besonderen Schwierig¬ 
keiten vorhanden sind. 

12. Revision des Bücherbestandes. 

13. Führung der Statistik. 

Welche Arbeiten den wissenschaftlichen Beamten außer der 
höchst wesentlichen Aufsicht über die Arbeiten der Mittelbeamten 
bleiben, diese Frage erledigt sich für den Fachmann einfach: Alle 
übrigen Arbeiten. Ich habe betont, daß für uns noch immer eine Tätig¬ 
keit aufbewahrt sei, die den Einsatz der ganzen Kraft braucht. Ich 
bekräftige nun diesen Satz, indem ich die wichtigsten dieser Geschäfte 
auch einzeln auf zähle: 

1. Kontrolle und Überwachung der Arbeiten der mittleren Be¬ 
amten. 

2. Beschreibung in schwierigen Fällen, auch in fremden Spra¬ 
chen, Inkunabeln, Handschriften. 

3. Alle Realkataloge, alle Spezialkataloge. 

4. Einlegen der Katalogblätter. 

5. Heue Anschaffungen und in systematischer Durchsicht der 
Kataloge antiquarische, überhaupt, an größeren Bibliotheken, die 
ganze Sorge für das jedem Beamten speziell zugewiesene Literatur¬ 
gebiet: Referatsystem. 

6. Wissenschaftliche Auskünfte. 

7. Katalog- und bibliographische Publikationen aller Art, die 
eigentlich doch in erster Linie Sache der Bibliotheksbeamten wären 
und die Anstalten ers+ recht dem Publikum erschließen könnten. 

8. Konzepte im Verkehre mit den Behörden, Rechenschafts¬ 
berichte u. dgl., überhaupt Korrespondenz höherer Art. 

Heute leide, so sagte ich, gerade das Publikum darunter, daß 
sich die wissenschaftlichen Beamten diesen ihren Aufgaben zum Teil 
gar nicht, zum Teil unvollkommen widmen könnten, gewisse Arbei¬ 
ten, aus denen die Beniitzer der Bibliotheken den ersten Gewinn 
ziehen würden, gar nicht unternommen, wenn begonnen, nur lang¬ 
sam gefördert werden könnten oder liegen bleiben müßten. Im übri¬ 
gen wäre es verlockend, darauf einzugehen, wie mit der durchgängigen 
Regelung der Mittelbeamtenfrage eine ebenso durchgängige Reform 
der ganzen Bibliotheksverwaltung im Sinne der Vereinfachung des 
inneren und äußeren Betriebes, der Katalogisierung, alles das 
namentlich durch Nutzung jeglicher modernen technischen und me¬ 
chanischen Vervielfältigungsmittel, Zusammengehen sollte. Vielleicht 
kann dies ein andermal von anderer Seite nachgeholt werden. 

Um zur Mittelbeamtenfrage zurückzukehren: Klar ist es, daß die 
Verhältnisse der verschiedenen Bibliotheken, Größe, Bestimmung der 
Anstalten eine im einzelnen gleiche Regelung, die Regelung nach der 
Schablone, ausschließen. Uber den Grundsatz kann kein Streit be¬ 
stehen, die Einzelheiten würden f^st für jede Anstalt eine eigene 
Nachprüfung, ein Ausprobieren, erfordern. So habe ich sagen müssen, 





192 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


daß sich für das ZciJilenverhältnis der beiden Beamtenkategorien zu¬ 
einander gar nichts fest Bestimmtes ausmachen läßt. Es schwankt bei 
den von mir herangezogenen Anstalten zwischen 11 und 93%. Ich 
habe nur den Satz auf stellen dürfen: Je größer und je stärker be¬ 
nützt die Anstalt, desto mehr Mittelbeamte, anderseits aber, je aus¬ 
geprägter der wissenschaftliche Charakter einer Anstalt, desto mehr 
wissenschaftliche Beamte. Micht unwichtig ist natürlich die Vor - 
bildung der Mittelbeamten. Ich mußte durchaus davor warnen, da 
das Maß zu hoch zu nehmen. Am markantesten ist da der preußische 
Erlaß von 1909, den ich, und wie ich jetzt sehe, auch weitere Kreise, 
für viel zu weitgehend halten, und der auch sonst nicht glücklich ist. 
Dem gegenüber schien mir wohl eine Bildung, wie sie die unteren 
oder mittleren Klassen unserer Mittelschulen vermitteln, durchaus 
ausreichend, ergänzt durch eine praktische Prüfung mit besonderer 
Berücksichtigung des Kanzlei- und Kechnungswesens. Kur scharfe 
Grenzen zwischen den höheren und mittleren Beamten! Einfache 
Arbeiten werden minder qualifizierte Beamte sicherer und leichter 
erledigen und auch sonst ist diese Grenze im Interesse der Anstalten, 
des Publikums, des Standes selbst; sie stützt nur die unentbehrliche 
Disziplin im Beamtenkörper.- 

Und nun? Wie stellt sich das alles für uns in Österreich? Wir 
können erst warm werden, wenn wir uns sagen dürfen: Tua res 
agitur. Damit bin ich bei dem Kernpunkt, auf den es heute ankömmt, 

Eiir uns in Österreich ist Deutschland hier Lehrmeister in; an¬ 
derseits sind wir dem Machbar Staate gegenüber in der vorteilhaften 
Lage, seine Erfahrungen mit aller Ereiheit nützen zu können. Aus 
dem übrigen Ausland sind mir zur Zeit noch nicht erschöpfend die 
Belege zur Hand. Die Materialbeschaffung ist ja mit bedeutenden 
Schwierigkeiten verbunden, die Literatur versagt so gut wie ganz. 
Das kann ich aber schon heute sagen, daß sonst kulturell hochentwik- 
kelte Länder hier auch noch stark im Hintertreffen stehen. Ein 
Staat wie Frankreich verfügt gegenwärtig an seinen wissenschaft¬ 
lichen Biblioheken überhaupt über keine Mittelbeamten, dort commis 
genannt. Das kann natürlich für uns kein Grund sein, auch selbst 
noch weiter zurückzubleiben. An gewissen Ansätzen in der Hof- 
bibliothek fehlt es bei uns ja nicht ganz, worüber heute Kollege 
Doublier noch sprechen wird. Auch an den staatlichen Bibliotheken 
hat man sich schon hie und da bemüht, wenigstens zu einem ersten 
Anfang zu gelangen, darüber bin ich nicht offiziell und nicht 
genügend unterrichtet, jedenfalls ist nichts erfolgt. Im großen und 
ganzen leiden gerade unsere heimischen wissenschaftlichen Biblio¬ 
theken an den Übelständen des hergebrachten unökonomischen Be¬ 
triebes, einer veralteten Organisation, zum Teil verkoppelt mit dem 
fortschrittlichen Beferatsystem, das doch wieder für gewisse Geschäfte 
eine Zentralisierung und Mechanisierung und Zuweisung an Mittel¬ 
beamte erfordert. — 

Mun, unbefangene Beurteiler müssen das ja ohneweiteres zu¬ 
geben. Da ist eigentlich keine Schwierigkeit, Die Schwierigkeit 







Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


193 


ers l bei der Frage: Wie die unzulängliche Form zu bessern 
sei < Fiese Frage muß sich aber für die entscheidenden Stellen zu den 
besonderen Formeln verengen: Wie sich ohne zu große Erschütte¬ 
rungen, vor allem auch ohne Schädigung des gegenwärtig tätigen 
Beamtenpersonals Wandel schaffen lasse und ob und wie ein solcher 
Wandel geschaffen werden könnte, ohne erhebliche und andauernde 
.Belastung des Budgets. Wir wollen sehen. 

Also zunächst: Wie viel Mittelbeamte würden wir für die ihnen 
zugewiesenen Arbeiten benötigen % Das ist gleich eine Frage, die für 
die verschiedenen Anstalten sehr verschieden zu beantworten sein 
wird. Aber die Methode der Überlegung und Berechnung bleibt 
übei all die gleiche und so können wir ein Beispiel nehmen und es 
dabei bewenden lassen. Das sei unsere Universitätsbibliothek. Nicht 
bloß aus dem naheliegenden Grunde, der noch keine sachliche Becht- 
ertigung böte, daß ich naturgemäß die Verhältnisse der eigenen An¬ 
stalt am besten kenne, sondern weil diese Bibliothek in ihrem Kreise 
besonders wichtig ist: Eine Gebrauchsbibliothek ersten Banges, für 
wissenschaftliche, literarische, amtliche Bedürfnisse, nicht bloß für 
die Universität, auch für die Stadt, für das Land, für das Beich; 
eine der größten europäischen Bibliotheken und eine der stärkst be¬ 
nützten überhaupt; freilich an kostbaren Schätzen wieder nicht zu 
vergleichen mit der altehrwürdigen Palatina, die, unersetzlich an 
wissenschaftlicher Bedeutung, als ein erstes Kleinod erscheint unter 
den gelehrten Sammlungen Wiens. Zeigt sich, daß unsere Sache bei 
großen Anstalten von zentraler Bedeutung durchführbar ist, dann 
muß es anderswo noch leichter sein, mutatis mutandis. 

Ich habe also auf Grund des Materials, das ich bei uns gewinnen 
konnte, eine Berechnung angestellt. Es führte natürlich zu weit, 
wollte ich ziffermäßig alle Belege für meine Ergebnisse hier vor¬ 
legen. Kleine Fehler können dabei ja unterlaufen sein, aber darauf 
kömmt es gar nicht an, die Abschätzung kann der Natur der Sache 
nach überhaupt nur eine ungefähre sein. Genug: Zuerst kämen drei 
Gruppen von den früher genannten Arbeiten in Betracht: 1. Aus¬ 
leihe, d. h. in diesem Zusammenhang nur: Einordnung und Verwah¬ 
rung der Empfangscheine, Bücknahme und Einforderung der ent¬ 
lehnten Werke, wobei ich doch anführen will, daß unser letzter 
Jahresabschluß 51.362 Empfangscheine, also entlehnte Werke, nach¬ 
weist. Dann 2. Postversendung nach auswärts, mit Nachschlagen der 
auf dem Postwege einlangenden Bestellungen. Und 3., womit wir 
uns zu den Katalogarbeiten wenden, die Eintragungen in den Band- 
katalog, denen bei uns eine tägliche Arbeitsaufwendung von etwa 
vier Stunden genügen möchte. Diese Arbeiten würden, auf den Tag 
verteilt, etwa 20 Stunden erfordern, also die Kraft von etwa 3 Mittei¬ 
beamten, den täglichen Arbeitstag für die Mittelbeamten zu 6 Stun¬ 
den gerechnet. Damit allein w r äre schon eine sachgemäße Entlastung 
der wissenschaftlichen Beamten von untergeordneten Arbeiten durch¬ 
geführt und es ist kein Zweifel, daß die genannten Geschäfte die sind,, 
die eben hier zuerst abzuladen wären. Das ist aber noch nicht alles. 








194 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


Da wäre noch 4. die Verzeichnung des Zuwachses, die die Kraft 
eines Mittelbeamten nicht entfernt erschöpfen würde. Dazu könnten 
also weitere Geschäfte, z. B. Dubletten und andere, geschlagen wer¬ 
den. Ich zweifle, das ist 5., ob eine Arbeitskraft mit der Verzeich¬ 
nung sämtlicher Fortsetzungen und was dazu gehört, nicht vollauf zu 
tun hätte. Das gleiche gilt, und das ist 6., vom Buchbinder, wie auch 
7. ein Beamter nicht viel Zeit erübrigen kann, wenn er für den Mach¬ 
schlagedienst ganz ausgenlitzt wird. Katürlicli braucht auch 8., das 
eigentliche Kanzleigeschäft, seinen eigenen Mann und 9. fassen wir 
noch eine Reihe anderer Tätigkeiten zusammen, wie die Postbestel¬ 
lungen nach außen, Bücherrevision, einfache Beschreibungen, Stati¬ 
stik; wir setzen diesen letzten Komplex zwar der Arbeitsleistung 
eines Mannes gleich, aber denken uns natürlich diese, w r ie alle 
Geschäfte, nach Bedürfnis verteilt; es kömmt uns hier ja nur auf 
die Gesamtsumme der Kräfte an, die die Gesamtsumme der Arbeiten 
braucht, die Aufteilung auf die einzelnen Beamten ist ein ganz an¬ 
deres Ding. Es versteht sich, daß man auch den Mittelbeamten 
ebensowenig wie den wissenschaftlichen Beamten tagaus tagein eine 
und dieselbe Arbeit leisten lassen würde. Man würde ihn tunlich 
allen Sätteln gerecht machen und ihn nicht durch ewige Einförmig¬ 
keit ermüden, tibertragen w r ir noch 10. einem Beamten die ganze Aus¬ 
leihe, d. h. hier die Hinausgabe der Bücher am Orte, 11. einem an¬ 
deren das Pflichtexemplargeschäft, so hätten wir 11 Mittelbeamte für 
eine Bibliothek von der Größe und dem Betrieb der hiesigen. Diese 
ganze Aufstellung rechnet nun sehr reichlich, nimmt überall eine 
Geschäftsführung in Aussicht, die in allem und durchaus, im klein¬ 
sten und größten, den Betrieb auf dem laufenden erhielte, keine 
Hemmungen zuließe, kurz gesagt, einen Idealzustand. Aber selbst 
so würde gewiß noch eine Kraft zu ersparen, vielleicht auch mit 
9 Mittelbeamten das Auslangen zu finden sein. — 

In einer Welt der Ideale leben wir aber leider nicht, sondern in 
einer Welt der Wirklichkeiten. Wir müssen einmal mit den gegebe¬ 
nen Verhältnissen rechnen und zweitens in jedem Augenblick nur das 
Erreichbare anstreben. Zuerst die gegebenen Verhältnisse: Wir 
haben an der Universitätsbibliothek — ich bleibe immer bei diesem 
Beispiel und betone wieder, daß es eben nur ein hervorragendes 
Beispiel ist — wir haben also hier 41 Beamte, die Praktikanten na¬ 
türlich mitgerechnet, überhaupt alle Kamen des Personalstandsaus¬ 
weises, alles nur wissenschaftliche Beamte wie überall in Österreich. 
So lange dieses Personal im Dienste steht, wird niemand daran den¬ 
ken oder vorschlagen können, etwa frei werdende Stellen eingehen 
zu lassen und dafür Mittelbeamtenstellen zu schaffen. Es wäre eine 
böse Härte und Ungerechtigkeit, Beamten, die unter bestimmten 
Voraussetzungen in den Dienst getreten sind, ihre ohnehin so kargen 
Beförderungsaussichten mit einem Schlage zu verkürzen, oder gar zu 
benehmen. Das ist wohl unmöglich. Auch soll ja doch durch Ein¬ 
führung eines mittleren Dienstes das höhere Personal seinen eigenen 
Aufgaben wiedergegeben werden. Anderseits würde durch Schaffung 





Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


195 


der eigentlich sachgemäßen Anzahl von mittleren Stellen neben gleich 
bleibender Anzahl wissenschaftlicher Beamter eine ganz ungesunde 
Hypertrophie gezüchtet, die der Umfang der Geschäfte keineswegs 
rechtfertigte. Summa: Es ergibt sich unter allen Umständen eine 
sehr lange Übergangszeit, in der das wissenschaftliche Personal nach 
wie vor bei den untergeordneten Geschäften wird tüchtig zugreifen 
müssen. Da mitzutun, wenn es Hot tut, wird nie eine Schande sein; 
man muß alles können. Eine solche Lösung, die einen Kom¬ 
promißweg darstellt, scheint auch die einzige, die sich mit den finan¬ 
ziellen Rücksichten verträgt. Sind doch diese immer bei uns die 
ausschlaggebenden. Das ist also der Faktor des Erreichbaren, den 
ich jetzt zu besprechen habe, nachdem ich den Punkt: Gegebene Ver¬ 
hältnisse, erledigt habe. 

Wir hier an der Universitätsbibliothek müßten es schon als einen 
großen Fortschritt ansehen, wenn nur drei bis vier Mittelbeamte ein¬ 
gestellt würden. 

Wie würde sich das, zunächst einmal ganz absolut genommen, 
budgetär stellen ? Ich lege Ihnen hier Tabellen vor. Die Aufstellun¬ 
gen ruhen ganz auf dem gegenwärtig noch geltenden Gehalts- und 
Vorrückungsschema für die k. k. Staatsbeamten. Die neue Dienst¬ 
pragmatik ist noch immer nicht Gesetz, wird diese zugrunde gelegt 
und die jetzt endlich wohl bei uns bevorstehende, im Bibliotheks¬ 
wesen neue, X. Rangsklasse berücksichtigt, 1 ) oder handelt es sich am 
Beamte, die nichtstaatlichen Verwaltungen angehören, so mögen sich 
die Zahlen im einzelnen ändern, kaum die wesentlichen Ergebnisse 
für unsere Frage. Sie sehen in Tabelle I die Ansätze für den akade¬ 
misch gebildeten Bibliothekar, in Tabelle II für den Mittelbeamten. 
Der akademische Beamte tritt als Praktikant ein, hat im ersten Jahre 
keine Bezüge und erhält dann mit 1000 K beginnende Adjuten, die 
bis zu seiner Beförderung in die IX. Rangsklasse bis auf 2000 K 
steigen, 

(Siehe Tabelle I u. II S. 196.) 

Die Zeitdauer, die der akademisch gebildete Beamte in derselben 
Rangsklasse verbringt, nehme ich in der Tabelle ungefähr nach dem 
heutigen Stande, der sich nach dem Zeitavancement ja günstiger ge¬ 
staltenwürde, eher etwas besser. Also 7 Jahre Praktikant, je 9 Jahre 
in der IX. und VIII., 10 Jahre in der VII. Rangsklasse. 

Aus der Tabelle I sehen Sie ferner: Die Kosten des Praktikan¬ 
ten betragen 9200 K, die des Bibliothekar II. Klasse 37,800 K usw., 
die Kosten der Gesamtdienstzeit 160,520 K. 

In der Tabelle II sehen Sie den Mittelbeamten: Das ist ein 
Status, der ganz, in der Vorbildung, worüber ich noch spreche, in den 
Vorrückungsfristen, der Gruppe I) der Dienstpragmatik entspräche. 
Der Mittelbeamte beginnt in der XL Rangsklasse, 2 ) erhält einen An¬ 
fangsgehalt von 1600 K und eine Aktivitätszulage von 720 K (Wien) ; 

9 Mittlerweile Tatsache geworden. 

2 ) Angenommen nach der gegenwärtig für die Mehrzahl dieser Beamten¬ 
kategorien bestehenden Norm. 





196 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


I. 

Wiss. Bibliothekar. 


Jahr K 
1 — 


2 1000 
3 1000 

T~1600 

5 1600 

2000 
2000 


6 

7 


Praktikant 


9200 K 


IX 8 

9 

10 


11 

12 

13 

14 

15 

16 


Geh. 

K 

2800 

2800 

2800 

3000 

3000 

3000 

3200 

3200 

3200 


Aktivz. 

K 

+ 12001 ): 
4 - 1200 : 
4 - 1200 : 

- 4 - 1200 = 
-f 1200 : 
4 - 1200 : 

4 - 1200 : 
4 - 1200 = 
4 - 1200 = 


zus. 
K 
4000 
M 4000 
H-i 4000 


CS 

JA 

CD 

x: 


Xl 

S 


4200 

4200 37.800 K 

4200 

4400 
4400 
4400 


VIII 


17 

18 

19 

20 
21 

22 

23 

24 

25 


3600 

3600 

3600 

3600 

3600 

4000 

4000 

4000 

4000 


4- 1380 
4- 1380 
4- 1380 
4- 1380 
4- 1380 

4- 1380 
4- 1380 
4- 1380 
4- 1380 


►4 


CS 

JA 

0) 


X 


4980 ) 

4980 " 

4980 
4980 

4980 J. 4 6 .420 K 
5380 
5380 
5380 
5380 


VII 


26 

27 

28 

29 

30 

Tf 

32 

33 

34 

35 


4800 

480o 

4800 

4800 

4800 

5400 

5400 

5400 

5400 

5400 


4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 

4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 
4- 1610 


<D 

X 


X 

X 

!h 

cd 

X 

O 


6410 

6410 

6410 

6410 

6410 

7010 

7010 

7010 

7010 

7010 


> 67.100 K 


160.520 IC 


II. 

Mittlerer Beamter. 


Geh. 
Jahr K 
XI 1 1600 
2 1600 

3 1600 

4 1800 

5 1800 

6 1800 


Aktivz. 

K 

4- 720 i 
4- 720 : 
4- 720 : 

4- 720 = 
-j- 720 : 
4- 720 : 


zus. 

K 

2320 

2320 

2320 

2520 

2520 

2520 


14.520 K 


X 7 2200 
8 2200 
9 2200 


4- 960 — 3160 
4- 960 — 3160 
4- 960 = 3160 

4- 960 = 3360 
4- 960 = 3360 
4- 960 — 3360 

13 2600 4- 960 = 3560 
IX 14 2800 4- 1200 400U 


10 2400 

11 24u0 

12 2400 


23.120 K 


15 

2800 

~k 

1200 = 

= 4000 


16 

2800 

T 

1200 = 

= 4000 


17 

3000 

+ 

1200 = 

= 4200 


18 

3000 

~r 

1200 = 

= 4200 


19 

3000 

+ 

1200 = 

= 4200 


20 

3200 

+ 

1200 = 

= 4400 


21 

3200 

+ 

1200 = 

= 4400 


22 

3200 

4- 

1200 = 

= 4400 


23 

3400 

+ 

1200 = 

= 4600 


24 

3400 

-k 

1200 = 

= 4600 


25 

3400 

“k 

1200 = 

= 4600 


26 

3600 

+ 

1200 ,= 

= 4800 


27 

3600 

~b 

1200 = 

= 4800 


28 

3600 

~k 

1200 = 

= 4800 


29 

3600 

-!- 

1200 = 

= 4800 

K 

30 

3600 

“k 

1200 4- 2002) = 

= 5000 

31 

3600 

+ 

1200 4- 200 = 

= 5000 

32 

3600 

+ 

1200 4- 200 = 

= 5000 

33 

3600 

+ 

1200 4- 200 = 

= 5000 

34 

3600 

+ 

1200 4- 400 = 

= 5200 

35 

3600 

+ 

1200 4- 400 = 

= 5200 


101.200 K 


Zusammen 138.840 K. 


t) Aktivitätszulage Wien. 

2 ) Dienstalterspersonalzulage. 

er bleibt, wie sie sehen, sechs Jahre in der XI., 7 Jahre in der X., 
22 Jahre in der IX. Rangsklasse. 

Was wollen nnn eigentlich diese Ziffern für unseren Gegenstand 
sagen ? Das müssen Sie früher wissen, bevor ich noch in eine weitere 
Begründung und Erläuterung der Tabelle gerade in dieser Form 
eingehen darf. 1. sehen Sie, der mittlere Beamte ist um 31.680 K 
billiger, wenn man die Gesamtkosten während der Gesamtdienstzeit 
in Betracht zieht. 2. Diese Verbilligung der Gesamtkosten tritt schon 
nach dem 10. Dienstjahre des mittleren Beamten ein und 3. ist 
einzeln, für das Jahr genommen, der Akademiker vom 8. Dienst jahre 

o rv j-pj 

(Siehe Tabelle III S. 197.) 

Die Einführung einer Anzahl von Mittelbeamten anstatt 
ausschließlich akademischer Kräfte ist also nicht bloß im Interesse 
der Bibliotheken, sondern auch zum Vorteile der Staatsfinanzen. 
Wenn Sie sich jetzt an meine früheren Ausführungen erinnern, daß 
die berechtigten Interessen des gegenwärtig dienenden Personals ge¬ 
schont werden müssen, damit es nicht etwa anstatt höchst notwen- 




































Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


197 


diger Besserung der Lage gar zu einer Verschlechterung käme, daß 
a ei anderseits eine hypertrophische Entwicklung des Gesamtperso- 
nals hintanzuhalten ist, so gibt es, so viel ich sehe, nur ein Mittel, 
die nötige Reform ohne dauernde Inanspruchnahme der Staatsfinant- 
zen durchzuführen. 


Mittlerer Beamter 


III. 


X 7 2200 4- 960 = 3160 

8 2200 + 960 = 3160 

9 2200 -f- 960 = 3160 

10 2400 4- 960 = 3160 


Geh. Aktivz. zus. 


Jahr K 

Jahr K K K 


1 

XI 1 1600 4- 720 — 2320 

• 

2 1000 

2 1600 4- 720 = 2320 


3 1000 

3 16ü0 4- 720 = 2320 

14.520 K 

4 1600 

4 1800 720 = 2520 


5 1600 j 

5 1800 4- 720 = 2520 


1 7 T' 6 2000 1 

6 1800 4- 720 = 2520 

■ 

. 17.3o0 K 7 2000 J 


Wiss. Bibliothekar 

1 


9200 K 


21.200 K 


Geh. Aktivz. zus. 
K K K 
IX 8 2800 4- 1200 = 4000 
9 2800 -f- 1200 = 4000 
10 2800 4- 1200 = 4000 


Man hat schon aus unseren Kreisen darauf hingewiesen, daß bis 
auf weiteres eine vollständige Sperrung des Bibliotheksdienstes für 
neue Anwärter durchzuführen sei, solle überhaupt eine fressende 
Wunde, die trostlosen Vorrückungsverhältnisse des jungen Nach¬ 
wuchses, je geheilt werden. Eben hier liegt nun die ganz bereite 
Hilfe zur Einführung des mittleren Dienstes, die ich meine. 

An der Universitätsbibliothek fanden seit dem Jahre 1905 
1^ Praktikanten Aufnahme, also durchschnittlich mehr als zwei 
Herren jährlich. N atürlich, diese Arbeitskräfte waren nichts we¬ 
niger als überflüssig, im Gegenteile, aber es liegt in der geschilderten 
Sachlage, daß auch ihnen zum großen Teile Arbeiten zufallen mußten, 
die Mittelbeamten gebühren würden, anstatt daß sie sich ausschlie߬ 
lich höheren Geschäften widmen konnten. Die Vermehrung des 
Personals wird in den nächsten 8 Jahren kaum in demselben Tempo 
fortschreiten, aber setzen wir sie auf die Hälfte herab, so brauchte 
innerhalb dieser 8 Jahre zugunsten von neuen Mittelbeamten nur der 
Zuzug wissenschaftlicher Beamter gänzlich fern gehalten zu werden, 
was gewiß ohne Schaden des Dienstes geschehen könnte. Dafür wären 
dann Mittelbeamte einzustellen, mehrere auf einmal, oder jedes Jahr 
in fortschreitender Erweiterung, bis die fürs erste nötige Anzahl er¬ 
reicht wäre. Es ist das wahre Ei des Kolumbus. Gewiß, im ersten 
bis siebenten Jahre des Dienstes stellt sich der Mittelbeamte höher 
als der Akademiker, aber man sollte denken, daß augenblickliche 
Mehrauslagen, die sich für den Mittelbeamten zwischen 1160 und 
2300 K bewegen, bei einem Jahresbudget von zirka 300.000 K doch 
zu leisten seien, wenn die ganze Einrichtung nicht bloß im unleug¬ 
baren. Interesse der Institute, d. h. ihres Publikums ist, sondern 
auch bei nur augenblicklichen Mehrausgaben in Wahrheit und im 
ganzen Effekt viel ökonomischer für den Staatssäckel. Es versteht 
sich, daß auch der wissenschaftliche Beamtenkörper seinen Nach- 




















198 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


wuchs braucht, aber bei den meisten unserer wissenschaftlichen 
Bibliotheken würde bei Einführung des mittleren Dienstes das hö¬ 
here Personal in seiner dermaligen Stärke bis auf weiteres genügen 
und Reuaufnahmen hätten wie überall nur nach den Bedürfnissen 
eben dieses höheren Dienstes zu erfolgen, wie ich in meiner 
VI. Münchener These gefordert habe. 

Das ist der Punkt, wo die Verwaltungsreform bei unseren 
Bibiliotheken wohl ansetzen muß. Und wie überall, so ist auch in 
dem unschimmernden Reiche der Bibliotheken die Verwaltungs¬ 
reform höchst dringlich. Rach Jahrzehnten müssen sich die Biblio¬ 
theken von innen anders dar stellen. Wissenschaftliches Personal 
vielleicht ein Drittel, mittleres zwei Drittel. Wenn wir heute zu 
unserm Teile mithelfen, zweckmäßigere Zustände vorzubereiten, tun 
wir gute Arbeit, auch für uns selbst, auch für die so oft beklagte mate¬ 
rielle Lage. Denn endgültig und von der Wurzel aus — das muß die 
Überzeugung aller Einsichtigen sein — werden nur nach einer aus¬ 
giebigen Reform aller Dienstzweige die Verwaltungen ihren Be¬ 
amten jene Lage bieten können, die ihrer Bedeutung in der Gesell¬ 
schaft genügen und die sich mit den billigen Ansprüchen, die auch 
dieser Stand mit allem Recht an das Leben stellen darf, decken kann. 

Die weiteren Erläuterungen, mit denen ich meine Tabellen für 
den in ihnen festgelegten Status begleiten wollte, gelten eigentlich 
nur den Beamten des mittleren Dienstes. Ich habe ja schon gesagt, 
daß nach meiner Vorstellung dieser Beamtenkörper in der neuen 
Dienstpragmatik, die ich ja sonst nicht in Betracht gezogen habe, 
zur Gruppe D (Vorbildung: halbe Mittelschule) gehören würde. Sie 
sehen, daß die Vorrückung nur bis in die IX. Rangsklasse stattfände, 
ein weiteres Auf steigen wäre ganz gegen die besonderen Verhältnisse 
des Dienstes. Gibt es doch derzeit bei dem wissenschaftlichen Per¬ 
sonal des Staatsdienstes nur eine Beförderung in die VI., ausnahms¬ 
weise mit dem Titel und Charakter der V. Rangsklasse. Dazu kommt 
noch, daß höheres und mittleres Personal meist in räumlicher Ver¬ 
einigung arbeiten würde, anders als in anderen Dienstzweigem und es 
schon so, bei Vorrückung in die IX., besonderen Taktes auf allen 
Seiten bedürfen würde, um Reibereien auszuschließen. Ferner: Wie 
Sie wissen, sind die Kanzlistenstellen des ganzen Staatsdienstes 
durch Gesetz vom 19. April 1812 ausnahmslos den MilitäranWärtern 
Vorbehalten. Will man einerseits den Kreis dieser Anwärter nicht 
noch erweitern, anderseits doch ein Personal zwar mit mittlerer, aber 
bestimmter Vorbildung heranziehen, so wäre eben eine neue Be¬ 
amtenkategorie, sei sie auch noch so klein, zu schaffen. Ob dies durch 
ein Gesetz oder auch auf dem Verordnungswege geschehen könnte, das 
müßten die Verwaltungsjuristen entscheiden. Es wären ja nicht 
eigentlich Kanzlistenstellen, weder ganz der Tätigkeit noch dem 
Kamen nach. 

Ich sagte am Eingänge meiner Darlegungen, daß das Verglei¬ 
chungsmaterial für den mittleren Dienst beschränkt ist, von Deutsch¬ 
land abgesehen, aber noch ein lehrreiches Beispiel für alle uns 




Mayer — Mittlerer Dienst in Österreich 


199 


hier beschäftigenden Fragen will ich aus Ungarn beibringen: Zwar 
sind nach den mir zur Verfügung stehenden Daten auch dort die im 
engeren Sinne sogenannten wissenschaftlichen Bibliotheken wie 
überall die konservativsten, wir können hier ruhig sagen: die schwer¬ 
fälligsten, keine einzige dieser Bibliotheken besitzt Mittelbamte, 
nirgends sind Vichtakademiker zugelassen, so daß dort, wie mein 
Gewährsmann sich ausdrückt, Direktor und Diurnist (er meint einen 
Mann, dessen Arbeit Diurnistenarbeit sei) gewöhnlich dieselbe for¬ 
male Qualifikation hätten. Eine Änderung werde auch nicht ge¬ 
plant. Aber in der Budapester Stadtbibliothek, die eben neu organi¬ 
siert worden ist, scheint Ungarn geradezu ein Musterinstitut zu be¬ 
sitzen, das in seinem fortschrittlichen, jeder Initiative frohen, durch¬ 
aus vorurteilsfreien Direktor Dr. Erwin Szabo sich des rechten 
Mannes als Leiters erfreut. Es ist das einzige Institut, an dem 
mittlere Beamte systemisiert sind, gegenwärtig 7 neben 5 wissen¬ 
schaftlichen, und den Herren dort scheint es noch immer nicht das 
richtige Verhältnis, so daß außerdem 10 provisorische Beamte die 
Geschäfte der Mittelbeamten besorgen müssen. Dort beginnen die 
Mittelbeamten in der XI. Rangsklasse und gelangen bis in die VIII., 
die Rangsklassen scheinen aber denen der österreichischen Staats¬ 
beamten nicht zu entsprechen. Fragen wir, wie die Geschäfte ein¬ 
geteilt sind, so erhalten wir zuerst wieder die auch anderswo gegebene 
Antwort: daß wegen der unzureichenden Zahl der mittleren Beamten, 
wegen Raum- und Übergangsschwierigkeiten, die Geschäfte zwischen 
den beiden Gruppen noch nicht streng abgeteilt seien. Aber im all¬ 
gemeinen wird doch die auch von mir gezeichnete Linie eingehalten: 
Auswahl der Bücher, Vorbereitung von Bibliographien, Ausarbeitung 
von Katalogen, Erteilung schwierigerer bibliographischer Auskünfte 
usw. fallen den wissenschaftlichen Beamten zu, alle anderen Arbei¬ 
ten: einfache Katalogisierung, Buchbinderei, Evidenzhaltung der 
Zeitschriften sowie die Kanzleigeschäfte den mittleren Beamten. 
Soweit meine summarischen Xachrichten. Dabei vergesse ich nicht 
den grundsätzlichen Unterschied zwischen Stadtbibliothek und in 
erster Linie wissenschaftlicher Bibliothek. — Sowohl für den höheren, 
wie für den mittleren Dienst sind auch Damen zugelassen. Es ist 
nicht nötig, im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit auf diesen 
Punkt näher einzugehen; ich habe dies auch in München nicht tun 
müssen. *- 

Wie ich öfters betont habe, bin ich in allem, was ich gesagt habe, 
durchaus von den Bibliotheken unserer staatlichen Verwaltung aus¬ 
gegangen, in der Überzeugung, daß die Anwendung auf die Anstalten 
anderer Kompetenzen ein leichtes sei. Unter allen Urpständen muß 
man lebhaft wünschen, bei aller Wahrung der besonderen Verhält¬ 
nisse, daß unsere wissenschaftlichen Bibliotheken nach Tunlichkeit 
gleichartig organisiert seien, namentlich möchte ich das auf die zwei 
größten Bibliotheken Wiens und der Monarchie beziehen dürfen. 
Vielleicht läßt die rege Anteilnahme der Hofbibliothek an der heu¬ 
tigen Veranstaltung die IToffnung nicht zu kühn erscheinen, daß im 









200 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


Interesse des Ganzen ein engeres Zusammenarbeiten möglich wäre: 
Einvernehmen bei Anschaffungen, wie dies schon in frommen Wün¬ 
schen bereits ausgesprochen worden ist, ja sogar gegenseitige Aus¬ 
hilfe bei den Arbeiten der Katalogisierung und Beschreibung wäre 
doch ganz gut denkbar. Möge auch dies heute nur berührt sein. 

Die mir eingeräumte Zeit ist wohl schon zu Ende. Schenken 
Sie mir aber noch wenige Minuten Ihre Aufmerksamkeit, meine 
Herren. Es liegt nun einmal in meiner Art, daß ich nicht gerne am 
Besonderen ganz haften bleibe und lieber, wenn das zudringende Ge¬ 
schäft abgetan und so weit als die Kräfte verstatten, gelöst ist, noch 
ein wenig ins Allgemeinere ausweichen möchte. Ich habe mir schon 
in München einige Bemerkungen erlaubt über die Stellung des 
Bibliothekars im Ganzen unseres Kulturlebens, wenn der Ausdruck 
nicht zu hoch genommen ist. Ich möchte auch hier mir Wieder¬ 
holungen ersparen. Dort habe ich gesagt, daß die strenge Teilung 
des höheren und mittleren Dienstes im Interesse des bibliothekari¬ 
schen Standes ist und daß sie nur dazu dienen kann, seine Geltung 
und Stellung zu mehren. Denn niemand wird doch eine Einwen¬ 
dung haben, wenn wir, durch eine neue Einrichtung dem allgemeinen 
Besten dienend, zugleich auch uns selbst fördern. Da ich aber bei 
diesem Punkte bin, muß ich freilich sagen: Zu dem Ende ist es mit 
äußeren Maßregeln nicht getan. Das muß von Innen heraus kommen. 
Äußeren Deformen sollen innere Dispositionen entsprechen. Möge 
jeder an sich arbeiten, um sich immer berufstüchtiger zu machen. 
Möge er dann aber auch daran festhalten, daß sein Beruf, und viel¬ 
leicht mehr als mancher andere, seinen Wert und seine Ehren in sich 
hat. Möge jeder, der dem Stande angehört, sich auch dazu bekennen, 
anstatt, wie das Vorkommen soll, seine Zugehörigkeit schamhaft zu 
verbergen. Möge ein jeder sich des Wahrwortes erinnern, das man 
so fassen kann: Wie hoch du dich selbst achtest, so hoch achten dich 
die anderen! Unsere Bibliothekare müssen auf der Höhe der Situa¬ 
tion stehen. Wie das öffentliche Beamtentum überhaupt keine Zu¬ 
fluchtsstätte ist für Schwächlinge, inneren Beruf braucht, Gefühl für 
das gemeine Wesen, Sinn für das Ganze des Staates, so darf auch der 
bibliothekarische Beruf, ich wiederhole es, kein Kothafen sein. In 
dem Bibliotheksdienst dürfen nur Männer treten, die Liebe zum 
Buch und zu den Wissenschaften haben. Eine Sicherung gibt es hier 
in der Tat nur durch eine Facliprüfung, wie sie sonst wohl überall 
im Staatsdienst besteht. Um den Tempel muß eine Mauer gezogen 
werden, durch die nur diese eine, enge Pforte führt. Dann, betreut 
durch eine in jeder Beziehung erprobte Beamtenschaft, gefördert 
durch eine weitsichtige, am rechten Orte sparsame, am rechten Orte 
freigebige Oberste Verwaltung, werden in Wahrheit und immerdar 
die Bibliotheken unseres Vaterlandes das sein, was die stolze In¬ 
schrift über dem Eingang der alten Königlichen Bibliothek in Berlin 
den Besuchern so lange Jahre gekündet hat: Nutrimentum Spiritus. 

VT w 

.SZ. 

A 





Doublier — Korreferat 


201 


Zu diesem Vortrage erstattete Otmar Doublier das folgende 

KORREFERAT, 

Nach den eingehenden, das Thema fast erschöpfenden Ausfüh¬ 
rungen meines Herrn Vorredners, wäre es unangebracht, die uns 
heute beschäftigende Frage nochmals in extenso zu behandeln. Ich 
möchte mich darauf beschränken, nur einige Punkte herauszugreifen, 
die einerseits eine eingehende Erörterung verdienen und die ich an¬ 
derseits von einem anderen Standpunkt betrachte. Wenn ich trotz 
alledem Wiederholungen vorbringe, so bitte ich es damit zu entschul¬ 
digen, daß mir bei der Niederschrift meines Korreferats das ITaupt- 
referat nicht vorlag, wenn ich auch natürlich Gelegenheit gefunden 
habe, von seinem Inhalt Kenntnis zu nehmen. Ich möchte zunächst 
die Ansätze zu einer Art mittleren Dienst (mehr als solche sind es 
nicht), die an der k. k. Ilofbibliothek vorhanden sind, besprechen. 
Gestatten Sie mir als Historiker etwas weiter auszuholen. 

Schon im Jahre 1181 finden wir neben den wissenschaftlichen 
Beamten, den Kustoden und Skriptoren und dem eigentlichen Diener¬ 
personal, das damals noch den schönen Titel „Hausknechte“ führte, 
in einer Art Mittelstellung die sogenannten Bibliotheksdiener oder, 
wie sie auch hießen, Amanuenses. Diese Kategorie, die Mosel in seiner 
Geschichte der Hofbibliothek ausdrücklich zu den Beamten rechnet, 
ging im Jahre 1806 ein; „daß sie nicht mehr besteht, ist zu be¬ 
dauern,“ heißt es bei Mosel; „sie war ausschließlich zur Bedienung 
der Leser und zur Aufsicht über dieselben bestimmt, ein Amt, wel¬ 
ches jetzt die Skriptoren zum Nachteil ihrer eigentlichen Arbeiten 
versehen müssen.“ 

Diese Amanuenses hatten also eine Art mittleren Dienst zu tun, 
Mittelbeamte im wahren Sinne des Wortes waren sie nicht, sie konn¬ 
ten z. B. zu Skriptoren avancieren und scheinen jedenfalls auf einer 
höheren Bildungsstufe gestanden zu sein, da es von einem dieser 
Amanuenses ausdrücklich heißt, daß er vorzüglich bemüht war, „die 
im großen Bibliothekssaale zerstreut gestandenen, theoretischen und 
praktischen Werke der Tonkunst zu vereinigen und systematisch zu 
ordnen/' Die Amanuenses, die wir seit 1837 wieder in der Hofbiblio¬ 
thek finden, haben mit dieser früheren Kategorie nichts zu tun und 
sind wissenschaftliche Beamte, die 1845 in die X. Diätenklasse ein¬ 
gereiht wurden. 

Für die Rechnungs- und Kanzleigeschäfte wurde im Jahre 1854 
die Stelle eines Kalkulanten geschaffen, die im Jahre 1875 wieder 
aufgelassen worden ist; von diesem Jahre bis zu der 1898 erfolgten 
Pensionierung des Kustos Franz Wöber zählte die Hofbibliothek nur 
wissenschaftliche Beamte, Kustoden, Skriptoren, Amanuenses, an 
die sich die „Hilfsarbeiter“ anreihten. Die Rechnungsgeschäfte, die 
Geschäfte der Kanzlei, die Verwaltung der Schreibmaterialien be¬ 
sorgte zur Zeit meines Eintrittes in die Hofbibliothek der früher ge¬ 
nannte K. Wöber, der daneben die Musikaliensammlung leitete, sowie 
mich das wissenschaftliche Referat über Genealogie und Heraldik 

15 





202 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


führte. Auch alle anderen rein manipulativen Arbeiten mußten 
von den wissenschaftlichen Beamten verrichtet werden, so das Ko¬ 
pieren der Akten, die Ausfüllung der Ausleihscheine bei der Entleh¬ 
nung nach auswärts, die Einordnung der Kezepisse, das Kopieren der 
Zettel für Zwecke des Kealkataloges usw. Daß diese neben dem 
Wust von mechanischen Arbeiten noch für die wissenschaftliche Seite 
ihres Berufes, die Durchsicht von Antiquariatskatalogen, Teilnahme 
an Auktionen ect. Zeit finden konnten, erklärt sich aus dem viel gerin¬ 
geren Einlauf und der bedeutend weniger intensiven Benützung der 
Hofbibliothek seitens des Publikums, was schon Dr. von Mzik aus¬ 
geführt hat. Eine Vereinfachung des Betriebes, etwa durch Zuhilfe¬ 
nahme von Schreibmaschinen, von Vervielfältigungsapparaten usw. 
war noch im Jahre 1893 ganz unbekannt, und mit einem Vorschläge, 
einen Hektographen anzuschafien, den ich damals schüchtern vor¬ 
brachte, kam ich schlecht an. Ein älterer, seither verstorbener Be¬ 
amter erklärte mir unumwunden, es ginge dies schon deshalb nicht, 
weil auf diese Weise mit der Zeit eine Beamtenstelle überflüssig ge¬ 
macht würde. 

Der erste Schritt, die wissenschaftlichen Beamten von Kanzlei- 
und Kechnungsgeschäften zu entlasten, geschah, als mit der Pen¬ 
sionierung Wöbers die Führung dieser Agenden einem Rechnungs¬ 
beamten des Obersthofmeisteramtes, der für diese Zwecke der Hof¬ 
bibliothek zugeteilt wurde, übertragen worden ist. Auch für die 
Kopier arbeiten des Realkatalogs konnte in der Folge ein älterer 
Diener herangezogen werden, der kränklichkeitshalber für andere 
Dienstleistungen mindet geeignet war. Es schloß sich daran die 
Aufnahme einer Maschinschreiberin für die Herstellung der 
Aktenreinschriften, die ihre sonst verfügbare Zeit für leich¬ 
tere Katalogsarbeiten, Kopieren von Zetteln, Anfertigungen von 
Renvois usw. verwenden durfte. Als dann die Beschleunigung 
der Arbeiten am Realkatalog und die Anlegung eines zweiten 
alphabetischen Zettelkatalogs beschlossen wurde, nahm die Direktion 
eine weitere Anzahl von Maschinschreiberinnen auf, so daß für diese 
Zwecke jetzt 10 Schreibkräfte zur Verfügung stehen. Einige dieser 
Maschinschreiberinnen wurden dann in der Folge auch zu anderen 
manuellen Arbeiten im Bibliotheksdienst herangezogen, so besorgte 
eine derselben unter Aufsicht eines wissenschaftlichen Beamten eine 
Zeitlang die manipulativen Arbeiten beim Ausleihgeschäfte. Seit 
einem Jahre ist einer Schreibkraft die Besorgung der Einlaufstelle 
unter Aufsicht eines wissenschaftlichen Beamten übertragen, wäh¬ 
rend die Registraturgeschäfte gleichfalls von einer zweiten weib¬ 
lichen Hilfskraft verrichtet werden. Aber noch zu anderen bibliothe¬ 
karischen Agenden sind Kichtbeamte herangezogen worden, ich 
brauche nur die Zeitungsabteilung zu erwähnen, wo die erste Ord¬ 
nung sowie das Reklamieren der fehlenden Hummern von einem 
Diener klaglos besorgt wird. 

Sie sehen also, verehrte Anwesende, daß wir an der k. k. Hof¬ 
bibliothek schon eine Anzahl Ansätze finden, die zwar der systema- 



Doublier — Korreferat 


203 


tischen Durchbildung entbehren nnd mit dem Begriff des mittleren 
Dienstes nach reichsdeutschem Muster nichts zu tun haben, gleich¬ 
wohl aber eine eventuelle Einführung desselben als keine so grund¬ 
stürzende Neuerung ansehen lassen, als dies etwa vor 1% Dezennien 
der Eall gewesen wäre. \ 

Ich komme zu einem anderen Punkte, der Präge der Abgrenzung 
der Agenden zwischen wissenschaftlichen und mittleren Beamten, 
Sie ist nicht allzuleicht zu lösen, doch so schwierig, wie sie von den 
wenigen Gegnern der geplanten Neueinführung dargestellt wird, ist 
sie wohl nicht. Über die in Betracht kommenden Punkte hat sich 
schon Kollege Mayer eingehend geäußert. Ich würde nur in der 
Zuweisung einer Anzahl von Arbeiten konservativer sein; 
so würde ich es keinesfalls befürworten, dem wissenschaft¬ 
lichen Referenten die Evidenzhaltung der Fortsetzungen abzunehmen 
und dem Mittelpersonal zu übertragen. Es wäre dies ein Bruch mit 
dem Referatsystem, denn gerade die Übersicht über die Zeitschriften¬ 
literatur ist "für die Aufgaben der wissenschaftlichen Referatfüh¬ 
rung außerordentlich wichtig. Ähnlich liegt auch der Eall rück- 
sichtlich der Buchbinderagenden; meines Erachtens hat sich in der 
Hofbibliothek die Verteilung derselben auf die einzelnen Referenten 
bewährt, und ich möchte wenigstens die Bestimmung der Art des 
Einbandes ausschließlich dem wissenschaftlichen Referenten. zu¬ 
weisen. Allerdings die bloßen Eintragungen in die Buchbinder Jour¬ 
nale sollten zugleich mit der Führung der Zugangslisten vom Mittel¬ 
personal vorgenommen werden, was eine notwendige und willkom¬ 
mene Entlastung der Referenten wäre. Doch abgesehen von den an¬ 
geführten zwei Punkten, in denen ich von der Ansicht meines ge¬ 
ehrten Herrn Vorredners abweiche, schließe ich mich rücksichtlich 
der weiteren acht dem wissenschaftlichen Beamten vorbehaltenen 
Arbeiten seinen Ausführungen an. 

Wer kommt nun für den mittleren Dienst in Betracht? Ich 
glaube, wir sollten da keinen zu niedrigen Maßstab anlegen. Meines 
Erachtens sollte ein Bildungsniveau verlangt werden, das durch die 
Absolvierung einer Mittelschule erreicht wird, also etwa die gleiche 
Vorbedingung wie zur Erlangung des Einjährig-Freiwilligen-Rech- 
tes. Bloff die absolvierte Untermittelschule als Aufnahmsbedin¬ 
gung aufzustellen, halte ich deshalb für untunlich, weil doch für den 
Mittelbeamten ein gewisses Maß von Kenntnissen, namentlich die 
Beherrschung fremder Sprachen, unerläßlich ist; und diese, selbst 
wenn wir von eigentlichen Katalogisierungsarbeiten absehen, schon 
bei der Führung anderer Agenden, Einlaufsbuch, Buchbinder Jour¬ 
nale, Reklamation von Pflichtexemplaren, kaum entbehrt werden 
könnte. Zuerst würde ich aber, abweichend von meinem verehrten 
Herrn Vorredner, den Anwärter für den mittleren Dienst als adju¬ 
stierten Praktikanten, also nicht als Beamten der XI. Rangsklasse 
zulassen; diese Praktikantenzeit wäre eventuell mit drei Jahren zu 
befristen. Meines Erachtens kann ein junger Mann, der eben die 
Mittelschule verlassen hat, ganz zufrieden sein, wenn er sofort ein 






204 


Verwaltungsreform der Bibliotheken 


Adjutum erhält. Es wäre dies eine geringere Belastung des Budgets, 
und es dürfte auf diesem Wege auch die Heranziehung von Militär- 
ahwärtern zum mittleren Dienste vermieden werden können. 1 ) Jeden¬ 
falls sollte wie für den wissenschaftlichen, so auch für den mitt¬ 
leren Beamten der Übergang vom Praktikanten zum Definitivum 
hur auf Grund einer Prüfung erfolgen. Hier ist uns Deutschland 
vorangegangen und ich glaube, man könnte auch in Österreich diesem 
Beispiele folgen. 

Die Frage bezüglich der Zulassung von Frauen zum mittleren 
Dienst wurde von meinem Herrn Vor reiner nicht berührt. Ich glaube 
aber doch hier darüber sprechen zu müssen. Gerade in Deutschland 
ist der mittlere Dienst an Bibliotheken ein Hauptanziehungspunkt 
für Absolventinnen der höheren Mädchenschulen, die etwa unseren 
Lyzeen entsprechen. Man mag nun über die Frage des Frauen¬ 
studiums denken wie man w T olle, soviel steht doch fest, daß, wenn der 
Staat einmal der höheren Mädchenbildung, wie es bei uns der Fall 
ist, sozusagen seine Sanktion gegeben hat, die Konsequenzen ge¬ 
zogen werden müssen. So wie ich nicht einsehe, warum einer Frau, 
die auf die nötigen Qualifikationen, das Doktorat, Sprachkenntnisse, 
wissenschaftliche Arbeiten hinweisen kann, die Aufnahme für den 
wissenschaftlichen Bibliotheksdienst verwehrt werden soll, ebenso 
ist es auch meines Erachtens in Bezug auf den mittleren Dienst zu 
halten. Sowie aber das Geschlecht einer sonst vollkommen qualifi¬ 
zierten Bewerberin kein Hindernis für ihre Aufnahme bilden soll, 
so darf es ihr im Dienste kein liecht auf eine besondere Rücksicht¬ 
nahme gewähren. Sie soll sich immer vor Augen führen, daß sie im 
Amte einzig und allein Beamtin ist, und darf aus ihrer Eigenschaft 
als Dame keine besonderen Ansprüche irgendwelcher Art erheben. 

Hat eigentlich die Einführung des mittleren Dienstes noch 
Gegner in unseren Reihen? Ich glaube, jetzt nur mehr wenige. Es 
sind dies einerseits Naturen, die, ohne eine Ahnung von den Auf¬ 
gaben des bibliothekarischen Berufes zu haben, aus Denkfaulheit und 
Bequemlichkeit das nicht aufgeben wollen, was sie durch Jahre hin¬ 
durch getan haben, und ihre höchste Befriedigung in der Herstellung 
von kalligraphisch ausgeführten Titelkopien und dergleichen er¬ 
blicken; diese jetzt teilweise schon fossile Kategorie befürchtet ganz 
mit Recht, daß die neuen Aufgaben, die mit der Einführung des mitt¬ 
leren Dienstes an die wissenschaftlichen Beamten herantreten wer¬ 
den, die ja — und dies muß betont werden — eine quantitative Ent¬ 
lastung keinesfalls herbeiführen wird, ihre Befähigung übersteigen 
könnten, ähnlich wie sich am Ausgange des 18. Jahrhunderts die 
Weber der Einführung der mechanischen Webstühle widersetzten 
und heute noch die Euhrwerker die Automobile bekämpfen. Ander¬ 
seits gibt es hypervorsichtige Leute, die um keinen Preis vom Herge¬ 
brachten lassen wollen, nicht aus konservativer Gesinnung, sondern 
weil sie überall Schlingen und Fallen wittern und meinen, daß jede 


x ) S. dazu o. S. 195 Anm. 2. F. A. M. 







Doublier — Korreferat 


205 


Änderung des Status quo notwendigerweise mit Nachteilen in Bezug 
auf die materielle Stellung und die Vorrückungsverhältnisse ver¬ 
bunden sein müsse. Letztere werden, dies sei nur in parenthesi be¬ 
merkt, ohnehin in absehbarer Zeit durch das Zeitavancement, das ge¬ 
rade für die Bibliotheksbeamtenschaft dringend nötig und dessen 
Einführung wohl unaufhaltsam ist, eine durchgreifende Regulierung 
in melius erfahren. Eine große Anzahl von Kollegen endlich, die 
dem Gedanken an eine Reform im Sinne der Einführung des mitt¬ 
leren Dienstes sonst sympathisch gegenüber steht, hat die Befürch¬ 
tung ausgesprochen, daß die Einführung des mittleren Dienstes so¬ 
fort eine Reduzierung von wissenschaftlichen Beamtenstellen im 
Gefolge hätte. Wie schon Kollege Mayer ausgeführt hat, kann und 
darf dies nicht in der Weise geschehen, daß wohlerworbene Ansprüche 
geschädigt werden, sondern höchstens derart, daß eine Zeitlang 
an Stelle von V olontären oder Praktikanten mit akademischer Bil¬ 
dung Anwärter für den mittleren Dienst Aufnahme finden werden. 
Diese Frage wird in dem am nächsten Vereinsabend stattfindenden 
Vortrag Dr. v. Mziks ausführlich besprochen werden. Leichter wird 
allerdings eine Durchführung der Reform an der Hofbibliothek sein, 
an welchem Institute die Vorgesetzte Behörde bei Aufnahme von Vo¬ 
lontären strenge an einem numerus clausus festhält, so daß Bewerber 
nur nach Maßgabe des tatsächlichen Bedarfs Aufnahme finden, als 
an der Universitätsbibliothek, deren Praktikantenzahl jetzt die un¬ 
verhältnismäßig hohe Ziffer von 17 erreicht. Daß die Einführung 
eines Mittelpersonals nicht mit einem Schlage, sondern nur gra- 
datim erfolgen kann, ist übrigens selbstverständlich. 

Gestatten Sie, daß sich am Schlüsse in mir wieder der Historiker 
zum Worte meldet. In diesem Gebäude tagte am 18. März 1907 eine 
Versammlung unseres Vereines, in der nach einem Referate des ver¬ 
storbenen Bibliothekars Laschitzer ein auf Einführung eines Mittel¬ 
personals zielender Antrag zwar nicht a limine abgelehnt, aber doch 
durch nochmalige Zuweisung an den Ausschuß eingesargt wurde; 
und noch im Jahre 1909 weiß das Zentralblatt für Bibliothekswesen 
aus Österreich zu melden, daß hier die Einführung eines mittleren 
Personals durchwegs abgelehnt würde. 

Die Zeiten haben sich geändert ! Der Ruf nach Verwaltungs¬ 
reform, der in Österreich überall so lebhaft ertönt, wird auch in den 
dumpfen Arbeitsräumen der Bibliotheken hörbar. Der „unbegreif¬ 
liche Zustand“, wie Milkau in seinem bekannten Aufsatz in der 
Kultur der Gegenwart die gegenwärtige Organisation des bibliothe¬ 
karischen Dienstes nennt, muß und wird auch in unserem Vaterlande 
einer gesunden Reform Platz machen, deren Erlichte in gleicher 
Weise dem Staate, dem wissenschaftlichen Publikum und nicht zuletzt 

den Beamten selbst zugute kommen werden. 

* * 

* 

An die hier abgedruckten Vorträge schloß sich eine anregende De¬ 
batte. Wir werden seinerzeit, nach Abschluß der ganzen Vortragsreihe* 
darauf zurückkommen. 







206 


Thiel 


ZUR GESCHICHTE DER EHEMALIGEN HOFBIBLIOTHEK IN GRAZ. 

Von Viktor Thiel in Graz. 

Bis zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia bestand auch in Graz, 
welches vom 15. bis 17. Jahrhundert wiederholt die Residenz habs- 
burgischer Regenten bildete, eine Hofbibliothek. Während vor dem 
Jahre 1564, wenn überhaupt, nur eine sehr kleine Büchersammlung 
in der Grazer Burg bestanden haben dürfte, kann angenommen 
werden, daß durch Erzherzog Karl, welcher einen Teil der von 
seinem Vater Ferdinand I. hinterlassenen Schätze erbte und nach 
Graz übertragen ließ, der Grundstock zu einer solchen geschaffen 
worden ist und daß durch ihn und seinen Sohn, den späteren Kaiser 
Ferdinand II. die Bibliothek annähernd jenen Umfang erhalten hat, 
welchen sie bei ihrer Aufhebung zur Zeit Maria Theresias besaß. 1 ) 
Nach der Auflassung der Hofhaltung in Graz dürfte der regelmäßige 
Zuwachs der Bibliothek nur in den Pflichtexemplaren bestanden 
haben, welche die Buchdrucker und Buchverleger Inner Österreichs 
zu liefern hatten. 2 ) 

Die Verwaltung der Bibliothek, welche der inner österreichischen 
Hofkammer unterstand, wurde durch landesfürstliche Beamte gegen 
eine kleine jährliche Vergütung als Nebenamt besorgt. So ist uns 
als Bibliotheksverwalter zur Zeit Ferdinands II. der Hofkaplan 
Johann Cresselli bekannt, nach dessen Tode 1633 Johann Bapt. 
Meittinger, Taxgegenschreiber der inner österreichischen Regierung, 
später Registrator der innerösterreichischen Geheimstelle, die 
Agenden der Bibliothek gegen eine jährliche Zubuße von 50 fl. über¬ 
nahm. Die Unordnung, in welche der Bücherbestand während der 
vier Jahrzehnte dauernden Funktion Meittingers geriet, ließ es nach 
seinem Tode 1672 geraten erscheinen, die Bibliothek durch „einen 
gelehrten Mann“ „in eine bessere Ordnung“ bringen zu lassen, eine 
Aufgabe, mit welcher der neue Bibliotheksverwalter Dr. Simon 
Zeiller, damals inner österreichischer Vizekammerprokurator, be- 

1 ) Über die Schicksale der Grazer Hofbibliothek orientiert im wesentlichen 
ein kleiner Aufsatz in der Zeitschrift des historischen Vereins für Steiermark 
IX., 156. Im nachfolgenden werden einige Ergänzungen nachgetragen, welche 
in einem Fachorgane für Bibliothekswesen am Platze sein dürften. 

2 ) So wurden die Widmanstetterischen Erben 1686 von der Hofkammer 
gemahnt, ,.vorhin observirtermassen von denen getruckten und noch truckenden 
neuen büchern wenigst ein exemplar zu des kais. i. ö. hofbibliothecarii Joh. 
Jacoben Redthabers handen giatis erfolgen zu lassen“. (Statthaltereiarchiv in Graz, 
Hofk. 1686 II, Nr. 78, Rep.) — In den Jahren 1752—1756 ergingen Urgenzen 
an den Hotbuchdrucker in Graz Otto Johann Beck von Widmannstetten, an den 
hofbefreiten Buchführer daselbst Philipp Jakob Veit, an den Universitäts¬ 
buchführer Johann Lachner und an den bürgerlichen Buchführer Johann Bapt. 
Dietrich. (Repr. u. Kammer, f. 73.) — Über die Institution der Pflichtexemplare 
vgl. Johann Franke, Die Abgabe der Pflichtexemplare von Druckerzeugnissen; 
Kapp und Goldfriedrich, Geschichte des deutschen Buchhandels, I, 610 ff.; 
Grassauer, Handbuch für österreichische Universitäts- und Studienbibliotheken 
S. 59. — Für den Hinweis auf diese Literatur, sowie für manche andere wert¬ 
volle Winke bin ich dem Herrn Oberbibliothekar der Grazer Universitätsbiblio¬ 
thek Dr. Ferdinand Eichler zu besonderem Danke verpflichtet. 




Hofbibliothek in Graz 


207 


traut wurde. Mit welchem Eifer Zeiller sich die Ordnung der Biblio¬ 
thek angelegen sein ließ, geht aus dem Umstande hervor, daß er 
schon nach einigen Monaten einen ausführlichen Katalog aus¬ 
gearbeitet hatte. Dieser, ein Großquartband mit 540 Blättern, trägt 
die Aufschrift „Catalogus librorum bibliothecae anticae Graecensis 
ex mandato augustissimi imperatoris Leopoldi I., A. A. etc., in 
novum ordinem redactorum et conscriptorum anno MDLXXII.“ 1 ) 

Der Aufstellung der Bücher entsprechend, gliederte sich der 
Katalog nach den Fakultäten, innerhalb derselben nach bestimmten 
Sachgruppen. Das Einteilungsschema war folgendes: 

Facultas theologica. 

Olassis prima theologorum speculativorum et moralium. 2 ) 

Classis secunda patrum et concionatorum. 3 ) 

Olassis tertia controversistarum. 4 ) 

Classis quarta bihliorum et interpretum. 5 ) 

.Olassis quinta librorum spiritualium et precationum. 6 ) 

Olassis sexta scriptorum ecclesiasticorum. 7 ) 

Libri classibus theologicis communes. 8 ) 

Facultas juridica. 

Olassis prima juristarum. 9 ) 

Olassis secunda historicorum. 10 ) 

Facultas medica. 

Olassis unica. 11 ) 

Facultas philosophica. 

Olassis prima philosophorum . 12 
Olassis secunda mathematicorum. 13 ) 

Olassis huinanistarum. 14 ) 

Libri extra classes conscripti. 15 ) 

Musiei. 16 ) 

Varia instrumenta mathematica, res et picturae, quae praeter libros 
in archiducali bibliotheca reperiuntur. 17 ) 


1 ) Statthalter eiarchiv in Graz, Hf. Nr. 445, 

2 ) 103 Bände. 

3 ) 103 Bände. 

4 ) 173 Bände. 

5 ) 135 Bände. 

6 j 302 Bände. i 

7 ) 205 Bände. 

8 ) 27 Bände. 

9 ) 276 Bände; diese Gruppe ist wieder in canonistae, civilistae, publicistae 
unterteilt. 

10 ) 514 Bände. 

51 ) 205 Bände. 

12 ) 86 Bände. 

13 ) 170 Bände; in dieser Gruppe sind auch Werke über Geographie, Astronomie, 
Physik, Mechanik und Architektur enthalten. 

u ) 273 Bände. 

15 ) 95 Bände. 

16 ) 68 Bände. 

17 ) 52 Nummern. 





208 


Thiel 


Innerhalb der einzelnen Sachgruppen des Kataloges erscheinen 
die Werke nach dem Namen des Autors oder in Ermanglung eines 
solchen nach dem ersten im Buchtitel vorkommenden Sachworte 
alphabetisch gereiht. Außer dem Buchtitel wird nur das Format 
und die Aufstellungssignatur angegeben. Jedes Werk wird im Kata¬ 
loge nur einmal angeführt. In jeder Gruppe (Klasse) wurden die 
W erke ohne Rücksicht auf das Format fortlaufend mit arabischen 
Ziffern signiert. 

Leider fehlen Angaben über Zeit und Ort des Druckes und Ver¬ 
lages der verschiedenen Bücher; auch zwischen Druckwerken und 
Handschriften wird nicht unterschieden. Doch läßt sich aus den 
Buchtiteln mit einiger Wahrscheinlichkeit die Annahme folgern,, 
daß der größte Teil des Bibliotheksbestandes aus der Zeit der Erz¬ 
herzoge Karl und Ferdinand von Inneröster reich stammte. 

Als der von Dr. Zeiller angelegte Katalog der Grazer Hof¬ 
bibliothek im Laufe der Zeit in Verstoß geraten war — erst im 
Jahre 1757 wurde er wieder auf gefunden — wurde durch den* 
Sekretär der steirischen Repräsentation und Kammer, Peter Rotten- 
stätter, welcher seit 1751 auch als Aktuar der Hofbiliothek in Ver¬ 
wendung stand, ein neuer Katalog ausgearbeitet. Ein Exemplar 
desselben wurde im Jahre 1752 der kaiserlichen Hofbibliothek in 
Wien übermittelt, welche im Aufträge der Kaiserin Maria Theresia 
jene Werke festhalten sollte, welche in der Wiener Hofbibliothek 
nicht vorhanden waren. Es gelangten damals von 2600 Bänden, 
welche die Grazer Bibliothek umfaßte, an 800 nach Wien; hierunter 
befanden sich 61 Manuskripte, 9 Druckwerke aus dem 15. Jahr¬ 
hundert, 55 Druckwerke aus dem 16. Jahrhundert aus der Zeit vor 
1564, nur einzelne aus der Zeit nach 1620; der v^eit größte Teil 
rührte aus der Periode der selbständigen Hofhaltung in Graz her. 1 } 

Der in Graz zurückgebliebene Bücherbestand wurde im Jahre 
1758 über Bitte des Abtes zu Rain Marian Pittreich gegen Erlag 
von 100 Dukaten in das Grazer Armenhaus dem Stifte zur Schaffung 
einer Klosterbibliothek überlassen. So wurde die Bibliothek in der 
Grazer Burg endgültig aufgelöst. 

9 Aus dem Ablieferungs-Verzeichnisse seien die Handschriften hervorgehoben: 

Stobaei Georg, de Palmaburgo episcop. 

Florum proph. David, p. secunda. 

Ivan Hayden, itinerarium. 

Tagzeiten von denen h. drei Königen. 

Vita S. Ivani primi, eremitae Bohemiae. 

Elegia de angeiis. 

Rosarium b. Mariae virginis et dialogus. 

Job. Hayden, Colloquium pastorum. 

Decretalium liber. 

Ein teutsches psalterium. 

Münchner umbgang 

Vita S. Nicolai Tolent. 

Corpus Christi, Umgang. 

S. Penno, bischoff, leben und tod. 

Vita S. Josephi de Anchieta. 

S. Austriaci. 









Hofblibliothek in Graz 


209 


Steyer. landtagshandlung. 

Branucti tract. 

Ordinationes, ubi modus coronandi regem Bohemiae. 

Renner, Georg, Hungar. und Böheim. succession. 

Hieron. Megiseri, prosapia Austriae. 

Consilium super nullitate. 

Hayden, Joh., de officio boni principis. 

Astronomische Tafeln und Hans Christ. Schüssler. 

Stamm- und Wappenbuch, illuminiert. 

Fabricii, Paul, alt.- und neuer Kalender. 

Reusacher, judicium astrologigum 
Fabricii, Paul, ephemesis ad horizontem. 

Phrases poeticae ex diversis poetis. 

Notata rhetorica. 

Mspt. in M. T. Ciceronem ad Brutum. 

Achylles Alexandrinus. 

Origo, successus atque Status dignitatum regni Francici. 

Blotius, Hugo, Rerum Turcicarum et Austriae. 

Örtl, M., Reyssbeschreibung. 

Untzen, Jo. Seb., Von der Moscowiter Glauben. 

Roseph, Greg., Prediger, 
basciculus antiquitatum Romanorum. 

Beschreibung der reyss gegen Mecha. 

Martinsbach, C. J., Salzburgische chronick. 

Carinthiae et Transylvan. histor. descriptio. 

Auszug deren cronicken. 

Rasch, Joh , Genealogia principum Austriae. 

Sertum Austriacum 1605. 

Beschreibung des stüffts Salzburg. 

Van der Muelen, Bapt., mspt. 

Sambucci, Jo., Elogium funebre. 

Salzburgische cronick. 

Descendenz des haus Österreichs. 

Wappenbuch deren Rittern des goldenen vlüss. 

Pürchfelder, Kunstbuch der Gärtnerei, gezeichnet. 

Erzherzogs Carl gezeichnetes wappenbuch. 

Steyer. wappenbuch. 

Marstaller, Paul, Niederländ. creyssbestallung. 

Pranner, Leo, Das ganze äußerliche hallweesen und salzsieden in versem 
Stainhauser, Joh., Salzburg lustorth. 

Schrocken, Dvon., Beschreibung der neu erfundenen büchsenmeisterei. 
Ollmüzer-academie gratulat. ad Ferdinandum. 

Ein Feuerwerkszeughaus 
Artilleriebuch. 

Kaysers Maximiliani angab. de ao. 1602. 

Gatt, H. Ja., Von amt eines getreuen ehemanns. 

Gatt, H. Ja., Unterweisung einer cbristl. ehefrau. 

Kaysers Ferdinandi gejadbuch. 

Flexi, Leonh., Steyer. freyschiessen. 

Feuerwerks- und zeugwahrtsbuch. 

Ein mspt. mit verschiedenen Österreich, familien collectaneis. 

Orlandi di Lassus, Epithalamium musicum. 








210 


Österreichische u. Ungarische Rundschau 


ÖSTERREICHISCHE U. UNGARISCHE RUNDSCHAU. 

ÖSTERREICH. 

DIE ÖSTERREICHISCHEN BIBLIOTHEKEN IM VERWALTUNGS¬ 
JAHR 1910—ll. 1 ) 

Czernowitz, k. k. Universitätsbibliothek. 

Zu Ende des Solarjahres 1911 setzte sich der Personalstand der Bi¬ 
bliothek zusammen aus; 1 Direktor, 1 Oberbibliothekar, 2 Bibliothekaren 
I. KL, 3 Bibliothekaren II. KL, 4 Praktikanten, 2 definitiven Bibliotheks¬ 
dienern und 1 Aushilfsdiener. — Die Einnahmen betragen an ordentlicher 
Dotation K 18.000*—, an Matrikeltaxen und Inskriptionsgebühren K 2951*—, 
an Bibliotheksbeiträgen K 2578*—, zusammen K 23.529*— ; hievon wurden 
bestritten: die Bücherankäufe mit K 19.837.83, die Buchbinderlöhne mit 
K 3597.34 und Portoauslagen zu K 93.83. An Regiedotation wurden ver¬ 
einnahmt und verausgabt K 1450.—. Der Zuwachs des Jahres berechnet 
sich aut 2366 Bände, 777 Hefte, 4019 kleine Schriften, zusammen¬ 
gesetzt aus den Titeln: Ankauf 1752 Bände, 496 Hefte. Pflichtexemplare 
89 Bände, 19 Hefte, 103 kleine Schriften. Geschenke 461 Bände, 253 Hefte, 
3873 kleine Schriften. Tausch 64 Bände, 9 Hefte, 43 kleine Schriften. 
Der Totalbestand am Schlüsse des Jahres 1911 ist mit 206.644 Stücken, 
enthaltend 115.492 Bände, 3610 Hefte, 84.051 kleine Schriften, 52 Bde. 
Handschriften mehr 3439 Doubletten anzugeben. — Die Benutzung der Bi¬ 
bliothek während des Universitätsjahres Oktober 1910 bis September 1911 
findet ihren Ausdruck in 246 Besuchstagen mit zusammen 7392 Lesern 
und 3896 Entlehnern. Die Zahl der gelesenen Bände — die im Pro¬ 
fessorenzimmer benutzten nicht mit einbezogen — belief sich auf 19.080, 
die der in Czernowitz entlehnten auf 8894; die Verleihung nach aus¬ 
wärts (6 Bibliotheken und 18 verschiedene Behörden) auf 251 Bände, die 
Entlehnung von auswärts (19 Bibliotheken und 3 Archive) auf 282 Bände. 

* * 

* 

Seit dem Herbst dieses Jahres finden allmonatlich Sitzungen statt, 
an denen sämtliche Bibliotheksbeamte teilnehmen. Die nachstehende 
Tagesordnung der ersten Bibliothekssitzung am 14. Oktober gibt einen 
zureichenden Einblick in deren Verhandlungen : 1. Personalveränderungen 
im Beamtenstande der Anstalt. 2. Erlässe des Ministeriums und der 
Landesregierung. 3. Reform des inneren Dienstes entsprechend einem 
Erl. d. M. f. K. u. U. vom 26. Juni 1911. 4. Arbeits- und Dienstein¬ 
teilung an der Czernowitzer Universitätsbibliothek 1912—13. 5. Bericht 
Dr. Cotlarciuc’s über seine Praxis im Rechnungsdepartement der 
Landesregierung. 6. Im Zusammenhang damit Aussprache über das Rech¬ 
nungswesen der Universitätsbibliothek an der Hand einer von Dr. Cot- 
larciuc ausgearbeiteten Darstellung mit Verbesserungsvorschlägen. 2 ) 

Am 20. Oktober hielt Dr. Leiblinger einen Vortrag über ,,Das 
Buch des Altertums und die Kunst“, an den sich eine Debatte anschloß. 


9 Nachtrag zu S. 151 ft. 

2 ; Davon nehmen wir voraussichtlich im nächsten Hefte nähere Kenntnis. 




Verwaltungsberichte — Viennensia 


211 


Von der k. k. Studienbibliothek in Linz. 

In den Staatsvoranschlag für das Jahr 1913 ist der Neubau mit 
150.000 K aufgenommen. Vorerst muß die Platzfrage auf Grund der 
dem Unterrichtsministerium schon seit Juni vorliegenden Situationspläne 
bereinigt werden. Sodann kann an die Ausarbeitung der Pläne nach 
Maßgabe der vom Bibliotheksleiter bereits vor geraumer Zeit eingereichten 
Raumskizzierung geschritten werden. Der Bau einer Studienbibliothek 
ist für das Konstruktionsbüro des Arbeitsministeriums ein neues Problem 
und man darf gespannt sein, wie sich bei der Knappheit der bewilligten 
Mittel die Lösung gestalten wird. Im Frühjahr 1913 dürfte mit der Bau¬ 
führung begonnen werden. Sch. 


VIENNENSIA. 

Über die im vorhergehenden Bericht (s. o. S. 86) erwähnte Hofbiblioihek. 
musikhistorische Ausstellung erschien auch in der Illustrierten Zei¬ 
tung (I/eipzig, Nr. 3605 vom 1. August, S. 208—9) ein mit Abbil¬ 
dungen versehener Artikel. -— Der deutsche Juristentag und der 
Eucharistisclie Kongreß gaben Anlaß zur Ausstellung erlesener Stücke 
aus dem Schatze der Palatina in deren Prunksaal, über die in den 
Wiener Tageszeitungen orientierende Mitteilungen gemacht wurden. 

(R. Sonnleithner im N. Wiener Tagblatt Nr. 248 vom 10. September, 

Nr. 264 vom 26. September und im Eremdenblatt vom 9. Oktober.) 

—• Über den Inhalt des neuen Handschriftenkataloges berichtete 
W. Eriedemann (Zeitgeist, Beil. z. Berliner Tageblatt Nr. 36 vom 
2. September), auf eine Sefer Thora aus China macht Blochs Österr. 
Wochenschrift (Nr. 31 vom 2. August, S. 517) aufmerksam. 

In einem Leitartikel beschäftigt sich das Eremdenblatt (Nr. 264 Universitäts- 
vom 26. September) mit der räumlichen Unzulänglichkeit der Biblio- bibliothek. 
thek unserer Alma mater; ihr Bericht über das Verwaltungsjahr 
1910/11 sowie der Nachtrag zu Heft 2—6 des Katalogs der Hand¬ 
bibliotheken wird an anderer Stelle besonders besprochen werden. — 

Zwei wertvolle Legate -— ein in der Chronik österreichischer Biblio¬ 
theken nicht allzuhäuhges Ereignis — sind der Universitätsbibliothek 
kurz hintereinander zugefallen: Ein Teil der Bücher Sammlung des im 
April d. J. verstorbenen Wiener Advokaten Dr. Ferdinand Horn 
(andere Teile wurden der Rektoratsbibliothek und einzelnen Univer¬ 
sitätsinstituten überwiesen), und aus der Bibliothek weil. Prof. Jakob 
Minors alle diejenigen Bücher, welche in der Universitätsbibliothek 
noch nicht vorhanden sind — ein besonders wertvoller Zuwachs. 

In Würdigung des ihm seinerzeit überreichten Memorandums 
(s. o. S. 86) hat der akademische Senat dem Unterrichtsministerium 
einige Vorschläge zur Verbesserung der bisher geltenden Benützungs¬ 
ordnung übermittelt. 

Der langjährige Vorstand der Bibliotheksabteilung des h. u. h. Andere 
Kriegsarchivs Oberst Martin Rauscher ist in den Ruhestand getreten; Bibliotheken 
sein Nachfolger ist Major Alois Veltze. — Die für die Beamten der 









Blblfophilen- 

tag. 


Varia. 


212 Österreichische u. Ungarische Rundschau 


Hochschulbibliotheken geltenden Titel wurden auch an der A. li. 
Familienfideikoinmißbibliotheh eingeführt. 1 ) — Über die zum Ver¬ 
kauf gelangten Büch er Sammlungen aus Privatbesitz wird in der 
Jahresübersicht „Antiquariatskataloge und Bücher auktionen“ be¬ 
richtet. — Der juridisch-politische Leseverein verläßt seine geschicht¬ 
lich denkwürdigen Bäume „Am Lugeck“ infolge Demolierung des 
Gebäudes, in dem er seit Ende der Dreißigerjahre des verflossenen 
Jahrhundertes sein Heim hatte. (H. Friedjung: Zur geschichtlichen 
Bedeutung des j.-p. L.-V. — Österr. 111. Zeitung vom 20. Oktober, 
S. 70.) — Der Leseverein der Deutschen Hochschüler an der Wiener 
Universität veröffentlichte aus Anlaß seines fünfzigjährigen Bestandes 
eine Festschrift. — Ausführungen der Lese über Kasernenbiblio¬ 
theken wurden von der Arbeiterzeitung übernommen (Nr. 255 vom 
17. September). — Auf die Bestrebung, in jeder größeren Stadt 
Fachbibliotheken für Schauspieler zu schaffen, wurde in der Zeit 
(vom 24. Juli) hingewiesen. — Einen Überblick der wichtigsten 
Büch er Sammlungen in Born enthält das Feuilleton Römische Biblio r 
theken (Wiener Zeitung Br. 264, 17. November). 

Zum ersten Male tagte die Generalversammlung der Gesellschaft 
der Bibliophilen in Weimar außerhalb der Grenzen des Deutschen 
Beiches. Die Tagespresse in Wien (vom 30. September) und Berlin 
(G. Witkowsld: Voss. Zeitg. 1. Oktober; J. Kasten: Berliner Tage¬ 
blatt, 3. Oktober), sowie die Fachzeitschriften berichteten ausführlich 
über diese Veranstaltung. Die Feuilletons „Büchersammlungen in 
Altwin“ von B. K. im Fremdenblatt (Br. 267 vom 29. September) 
und „Die deutsche Bibliophilie“ von F. von Zobeltitz in der Zeit 
(Br. 3612 vom 15. Oktober) verdanken dieser Tagung ihre Ver¬ 
öffentlichung. 

P. Lindau würdigte Eduard Beyers Verdienste um die Volks¬ 
bibliotheken (Br. Fr. Presse Br. 17.215 vom 28. Juli), J. Stich hielt 
am Eucharistischen Kongreß einen Vortrag über „Druckschriften, 
Pfarrkalender, Pfarrblätter und Volksbibliothek“. (Beichspost, vom 
14. September.) — Bach fast 200jährigem Bestände übersiedelt in¬ 
folge Abbruch des Hauses die Becksche Hof- und Universitätsbuch¬ 
handlung (A. Holder ) von der Ecke des Liclitenstegs in ein neues 
Heim in der Botenturmstraße. (S. Sch.: Ein verschwindendes Stück 
Altwien, Österr. 111. Zeitg. vom 20. Oktober S. 70 und N. W. Tag¬ 
blatt Br. 297 vom 29. Oktober S. 26.) — AI. Garrs Vorträge (s. diese 
Zschr. 2, S. 193) sind in den Wiener Staatswissenschaftlichen Studien 
(X, 3) u. d. T.: Die wirtschaftlichen Grundlagen des modernen 
Zeitungswesens im Druck erschienen. — A. Scldossar würdigte zum 
25. Todestag Karl Goedekes dessen Grundriß (Wiener Zeitg' Br. 251 
vom 31. Oktober) und literarische Tätigkeit (Tagespost, Graz. 
Br. 296 vom 26. Oktober). 

Wien. Spectator. 

9 Dem entsprechend ist die Personalnachncht o. S. 117 zu berichtigen. 
















Staatsvoranschlag für 1913 


213 


DIE BIBLIOTHEKEN IM ÖSTERREICHISCHEN STAATS¬ 
VORANSCHLAG FÜR 1913. 


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214 


Österreichische u. Ungarische Rundschau 


STANDESFRAGEN. 

Gelegentlich der Verhandlungen im Abgeordnetenhause über die 
Dienstespragmatik gab der Regierungsvertreter Hofrat Alexy die Er¬ 
klärung ab, daß die Volontärjahre grundsätzlich in die Dienstzeit zur 
Einrechnung gelangen werden. 

Diese für die Bibliothekare gewiß sehr erfreuliche Tatsache ist wohl 
in erster Linie den Bemühungen des Österr. Vereines für Bibliotheks¬ 
wesen und seines Obmannes Prof. Dr. Wolkan zu danken. 

Die Einführung der X. Rangsklasse im staatlichen Bibliotheksdienst 
(Bibliotheksassistent) ist nun Tatsache geworden (s. unter den Personal¬ 
nachrichten). 

UNGARN. 

BRIEF AUS BUDAPEST. 

Informätions- Das Bibliothekswesen Ungarns verfügt über einen recht guten In¬ 
quellen. formationsapparat. Statistische Daten erhebt das Statistische Zentral¬ 
amt (die letzten Daten beziehen sich auf 1910). Im Jahrbuch dieses 
Amtes, welches auch deutsch und französisch erscheint und mithin 
auch dem Ausland zugänglich ist, sind alle über 10.000 Bände zählen¬ 
den Bibliotheken (es waren 1910 deren 36 in Budapest, 96 in der 
Provinz) behandelt. Die Aufnahme erstreckt sich auf folgende 
Daten: Gründungsjahr, Zahl, der Bände, Jahreszuwachs, Zahl der Be¬ 
sucher, Zahl der Entleiher, Zahl der entliehenen Bände, Personal 
(Beamte, sonstige Angestellte, Diener), Ausgaben, staatliche Unter¬ 
stützung. Zusammenfassende Jahresberichte veröffentlicht der Lan¬ 
dessenat und das Landesoberinspektorat der Museen und Biblio¬ 
theken. Dem Oberinspektorat unterstanden im Jahre 1910 80 öffent¬ 
liche Sammlungen, dem Landessenat 1156 (darunter 22 in Ame¬ 
rika). Die Daten des Jahresberichtes beziehen sich auf die Zahl der 
Öffnungstage, der Bände, der ausgeliehenen Bände und der Ausleihe 
der Belletristik. Die Beschreibung von 2336 Sammlungen bietet der 
vor einigen Wochen vom Landessenat und Oberinspektorat veröffent¬ 
lichte 4. Jahrgang der Magyar Minerva (Ungarische Minerva). 

Wissenschaft- Die Scheidung zwischen wissenschaftlichen und Volksbiblio- 
liche Biblia- theken oder richtiger öffentlichen Bibliotheken ist in LTngarn nicht 
theken im weniger streng, als in den meisten kontinentalen Ländern und selbst 
allgemeinen, die Diskussion über die Einheitsbibliothek, ist eigentlich nur ein 
einzigesmal, anläßlich der Vorverhandlungen über die Umgestaltung 
der Budapester Stadtbibliothek in eine freie öffentliche Bibliothek, 
ernstlich angeschnitten worden. Es trifft demnach auf sie fast alles 
zu, was die auswärtige Kritik an den ausländischen wissenschaftlichen 
Bibliotheken alten Stils auszusetzen gefunden hat. Sie verfügen 
weder über genügende Mittel, noch, meistens, über entsprechende 
Lokalitäten und die zureichende Organisation; der technische Appa¬ 
rat und leider nicht selten auch der Geist sind recht veraltet. Leb¬ 
hafte Klagen werden geführt über den völligen Mangel an systema¬ 
tischen Katalogen, über die geringe Zahl der Öffnungsstunden, über 
die Schwierigkeiten der Ausleihe und, was zuerst hätte erwähnt werden 






Brief aus Budapest 


215 


sollen, über die höchst lückenhaften Anschaffungen aus der neueren 
Literatur. Es muß aber zugestanden werden, daß mit dem geradezu 
lächerlich zu nennenden Etat dieser Bibliotheken nicht viel mehr zu 
erreichen ist. Die größte ungarische Bibliothek, die Budapester Uni- 
versitätsbücherei, hat bei einem Bestand von 320.000 Bänden einen 
Vermehrungsetat von 35.000 K, die Bibliothek der Akademie der 
Wissenschaften konnte über ganze 15.000 K verfügen, wovon 12.000 
Kronen Staatszuschuß waren, die Kolozsvärer Universitätsbibliothek 
hatte eine Dotation von 46.000 K (Buchbinderei inbegriffen). Dem 
entsprechen denn auch die Leistungen. 

Die Bibliothek des Kation almuseums berichtet über einen Zu¬ 
wachs von 160.797 (1910: 150.353) Stück im Jahre 1911; davon 
sind aber eigentliche Bücher bloß 15.945 (1910: 13.538). Von diesen 
waren wieder 12.565 Pflichtexemplare; durch Kauf wurden 1021 
Bücher um den Betrag von zirka 12.350 K erworben. Der übrige Zu¬ 
wachs verteilt sich auf 31.646 kleine Drucke (Statuten, Todesanzei¬ 
gen und dergl.), 86.572 Zeitungsnummern, 2781 Manuskripte und 
9659 Dokumente. Von den Drucksachen wurden 7746 Werke klassi¬ 
fiziert und bloß 10.608 Zettel geschrieben. (Wie es scheint, wird also 
nur ein alphabetischer Katalog geführt.) Im Lesesaal wurden 72.000 
Bände benützt und 4178 (1910: 4465) Bände ausgeliehen. In der 
Zeitungsbibliothek wurden 5743 (1910: 6512) Bände benützt. Die 
Manuskriptabteilung hat einige interessante Erwerbungen aufzuwei¬ 
sen: das Manuskript des neuen Werkes ,,Im Frühling“ des Kompo¬ 
nisten Karl Goldmark, Briefe, Manuskripte usw. von Franz Liszt 
und den für die Geschichte der neueren ungarischen Literatur über¬ 
aus wichtigen literarischen Kachlaß des Kritikers Paul Gyulai. An 
dem Rächlaß Jokais wird weiter gearbeitet und der verbesserte Ka¬ 
talog der orientalischen Manuskripte ist fertig geworden. — Die 
Revision im Sommer 1911 ergab 273.000 Bände und zirka 210.000 
kleine Drucke. 

Der jetzt veröffentlichte Bericht der Budapester Universitäts¬ 
bibliothek v. J. 1909 spricht mit Recht von ,,den unhaltbaren Zustän¬ 
den“, die in dieser Bibliothek wegen Mangel an Raum und Mitteln 
herrschen. Der Bericht hebt ferner die große Feuersgefahr hervor, 
welche der Bibliothek droht, und beklagt sich über die Aufhebung der 
bisherigen Portofreiheit. Obzwar sie um 2400 K erhöht wurde, 
ist die insgesamt 35.400 K ausmachende Dotation noch immer 
unzureichend, um. eine große wissenschaftliche und Universitäts¬ 
bibliothek dazu zu befähigen, das Beste der jährlich erscheinenden 
wissenschaftlichen Werke zu erwerben. Der größte Teil dieses Pau¬ 
schales wird durch Zeitschriften und Fortsetzungswerke in Anspruch 
genommen, ein Teil des Restes ist bereits für Buchbindung ausgesetzt, 
so daß zum Erwerb neuerer Bücher ein recht kleiner Betrag zur Ver¬ 
fügung steht. Die Ergebnisse der laufenden Arbeiten (Katalo¬ 
gisierung usw.) sind dem Bericht leider nicht zu entnehmen. Als 
außerordentliche Arbeit wird die Revision der ausgeliehenen Bücher 
und die Aufarbeitung einer geschenkten Bibliothek erwähnt. 


Jahres¬ 
berichte. 
Bibliothek 
des Natkmai- 
museums. 


üniversitäts- 

bsbliothek. 





216 


Österreichische u. Ungarische Rundschau 


Bibliothek 
der Aka¬ 
demie der 
Wissen¬ 
schaften. 


Stadt- 

bibiiothek. 


Der Bericht der Akademiebibliothek weiß eine günstige Ände¬ 
rung in den Raumverhältnissen zu erwähnen, die Wohnung des' Ober¬ 
bibliothekars wurde frei und zur Erweiterung des Magazins benützt. 
Von dem zirka 168.000 Bände zählenden Material sind 92.135 Werke 
aufgearbeitet. Als Zuwachs wurden 765 Bände durch Kauf und 1000 
Hefte durch Tausch erworben. Im verlaufenen Jahr benützten die 
Leser des Lesesaals 5550 Werke, ausgeliehen wurden 800 Werke. 

Die Stadtbibliothek beklagt sich in ihrem Bericht (1911) über die 
Verzögerung des geplanten Neubaues der Bibliothek. Trotz der Ver- 
sechsfachung des Personals, der Verdopplung des Bücherstandes, 
Versiebenfachung der Leser sind die Lokalitäten unverändert ge¬ 
blieben. Aus dem Zuwachs möge folgendes hervorgehoben werden: 
Eine überaus wichtige ungarische Flugschriftensammlung, aus 
10.000 Stücken bestehend, die aus dem Nachlaß des Prof. Geza 
Ballagi um 15.000 K erstanden wurde; die aus 523 Werken beste¬ 
hende wertvolle Sammlung ungarischer Geschichtsquellen (Preis 
6000 K) ; die aus vorzüglichen literaturhistorischen Werken (4000 
Bänden) bestehende Sammlung des verstorbenen "Übersetzers im 
Ministerium Anton Strausz; das 3000 Bände zählende Geschenk aus 
dem Nachlaß des Grafen Eugen Zichy (zumeist historische und 
ethnographische Werke) ; das 1000 Bände zählende Geschenk der 
Gräfin Franz Battyäny und eine kleine, aber für die Geschichte 
Budapests wichtige Sammlung älterer Werke, ebenfalls als Geschenk, 
von Frau Stephanie Weiler. Durch Kauf und Tausch wurden 8870 
Bände (Preis 16.000 K) erworben. Von der fachliterarischen Tätig¬ 
keit dieser Bibliothek sei folgendes erwähnt: Veröffentlicht wurden: 
Das Bulletin (zweimonatlich) ; weitere Nummern der „Bibliographie 
aktueller Fragen“ (von den bisherigen Nummern seien als Beispiel 
angeführt: Erdgas, zweijährige Dienstzeit, Vorbildung der Verwal¬ 
tungsbeamten, Gerichtsbarkeit in Wahlsachen, Balkanfrage usw.) ; 
Dr. Erwin Szabo: „Über einige Prinzipien des modernen Bibliotheks¬ 
baues, mit Hinsicht auf die Pläne der Hauptstadt“; „Statuten der an 
den Bibliotheken der Stadt Budapest systematisierten bibliotheka¬ 
rischen Fachprüfung. Mit Notizen.“ Dr. Stephan Varro: „Unga¬ 
rische Sozialwissenschaftliche Bibliographie 1910“. (Erscheint 
jährlich). Das Material zu einer Bibliographie der Arbeitslosigkeit 
wurde dem Internationalen Verein zur Bekämpfung der Arbeitslosig¬ 
keit überlassen. Schon seit zwei Jahren wird an einer internationalen 
Bibliographie der Quellenwerke der sozialen Wissenschaft gearbeitet, 
die sich der Beendigung nähert. Die Bibliothek ist in diesem Jahr 
auf das Dezimalsystem übergegangen und hat unter einem auch die 
ungarische Übersetzung des Systems vorgenommen (zwei Hefte sind 
bereits publiziert), sowie im Einverständnis mit dem Brüsseler In¬ 
stitut an dem System mehrere Änderungen durchgeführt. Das neue 
System scheint in der Bibliothek allen Erwartungen entsprochen zu 
haben, und sobald die bevorstehende Übersiedlung es ermöglicht, 
wird auch mit der Umarbeitung des alten Materials angefangen wer¬ 
den. — Mit der Umwandlung der Stadtbibliothek in eine öffentliche 







Deutsches Reich — Münchener« Brief 


217 


Bibliothek (Public Library) zusammenhängend erhielt die Haupt¬ 
stadt von der Freimaurerloge Deäk Ferenc 20.000 K zur Errichtung 
einer Filiale (Branch Library). Die Errichtung solcher Filialen 
in jedem der 10 Bezirke Budapests ist ins weitere Programm auf¬ 
genommen. 

Von den Provinz-Bibliotheken verdient besonders die Kolozs- Kolozsvärer 


värer erwähnt zu werden, die eigentlich aus zwei in einem Gebäude Unlversiläis- 
untergebrachten Bibliotheken besteht: aus der der Universität und Bibliothek, 
jener des Siebenbürger Museumvereins, die zusammen 115.000 Werke 
in 240.000 Bänden, darunter 102 Incunabula zählen. Diese unstrei¬ 
tig modernste Anstalt Ungarns weist mit berechtigtem Stolz darauf, 
daß sich die Bücherausleihe seit 10 Jahren beinahe verfünffachte, 
was in erster Beihe gewiß der Tüchtigkeit der Leitung dieser Biblio¬ 
thek zuzuschreiben ist. Durch Kauf wurden 2800, als Pflichtexem¬ 
plare 6700 Druckstücke erworben. Mit Ausnahme einer vor einem 
Jahr gekauften Sammlung ist das ganze Material der Bibliothek 
sorgfältig katalogisiert. Außer der Buchbinderei wurde auch eine 
photographische Werkstätte errichtet. Ausgeliehen wurden 5200 
Bände. Im Lesesaal (wo 35 neue Tische aufgestellt wurden) be¬ 
nützte man 55.200 Bände. 

Aus dem Vorwort der oben angeführten ungarischen Minerva Ä ^9 8m8{ne 
erhalten wir über das gesamte Bibliothekswesen Ungarns folgende t * es 

Daten: 1904 wurde in der Minerva bloß über 1509, jetzt aber wird BibliQtha*s- 
über 2336 öffentliche Sammlungen berichtet; ein Zuwachs von 49%. 

Darin sind nahe an 10 Millionen Bände untergebracht. Was 
den Umfang der Bibliotheken anbelangt, sind folgende Kategorien zu 
unterscheiden: 

1000 bis 5000 Bände in 658 Bibliotheken, 5000 bis 10.000 Bände 
in 137 Bibliotheken, 10.000 bis 20.000 Bände in 89 Bibliotheken, 

20.000 bis 35.000 Bände in 32 Bibliotheken, 35.000 bis 50.000 Bände 
in 16 Bibliotheken, 50.000 bis 75.000 Bände in 7 Bibliotheken, 

75.000 bis 100.000 Bände in 4 Bibliotheken, 100.000 bis 150.000 Bän¬ 
de in 7 Bibliotheken, über 150.000 Bände in 4 Bibliotheken. 

Dr. Kobe r t B r a u n. 


wesens. 


DEUTSCHES REICH. 

AUS SÜDDEUTSCHLAND. 

Münchener Brief. 

Der im Oktober beendete Landtag hat die für die staatlichen Landtag. 
Bibliotheken gestellten Keuforderungen (s. S. 89 f.) sämtlich bewil¬ 
lig!. In der bei dieser Gelegenheit stattgehabten Diskussion wurden 
von zwei Rednern Wünsche vorgebracht. Der eine bedauerte die Zu¬ 
nahme der nichtwissenschaftlichen Beniitzer der Kgl. Hof- und Staats¬ 
bibliothek, wodurch eine recht unerwünschte Steigerung auch der 
mechanischen Dienstleistungen der höheren Beamten herbeigeführt 
werde, und erklärte es zur Hebung des wissenschaftlichen Rufes der 

18 







218 


Deutsches Reich 


Anstalt für wünschenswert, daß wissenschaftliche Arbeiten, die 
durchaus den Beamten an der Bibliothek zugehören würden, nicht 
von außenstehenden Kräften gemacht werden müssen und daß die 
Bibliothek auch mit eigenen Publikationen aus ihren reichen 
Schätzen hervor trete. Als solche Veröffentlichungen bezeichnete er 
z. B. die Neubearbeitung des deutschen Handschriftenkatalogs und 
die Abfassung einer Bibliographie Bayerns nach Art der von Baden 
und Württemberg vorliegenden Werke. Pür die wissenschaftlichen 
Beamten sollte die Zahl der 36, 38 und (in Bamberg) 40 Wochen¬ 
stunden herabgesetzt werden; nur in Bayern hätten die Bibliothe¬ 
kare eine so lange Dienstzeit. Der Sonntagsdienst sei abzuschaffen. 
Kerner sprach er sich dafür aus, daß Theologen und Historikern der 
Eintritt in die Bibliothekslaufbahn zu ermöglichen sei. Für die 
Hilfsarbeiter befürwortete er eine bessere als die bisherige stunden¬ 
weise Bezahlung, nämlich 150 Mark monatlich bei 7ständiger täg¬ 
licher Arbeitszeit und vierteljährige Kündigung. Endlich berichtete 
er von persönlichen Erfahrungen mit der Kgl. Bibliothek in Bamberg 
und trat für deren bessere Dotierung ein. 

Der zweite Redner war nicht der Meinung, daß man in der 
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek bildungsbedürftigen Elementen den 
Platz beschränken solle, sondern zog aus dem steigenden Zudrang die 
Folgerung, daß die Räume zu erweitern seien. Ferner wiederholte 
er seine schon in früheren Sessionen gestellte und begründete Forde¬ 
rung einer Besserstellung der Diener und Vermehrung ihrer Vorrük- 
kungsstellen. Im übrigen stimmte er den Ausführungen seines Vor¬ 
redners zu und war vor allem auch in der Anerkennung der Bedeu¬ 
tung des Instituts sowie der unter der jetzigen Direktion erreichten 
Verbesserungen mit ihm einig. 

Der Kultusminister stellte mit Befriedigung diese Anerken¬ 
nung des Erreichten fest. Auf die geäußerten Wünsche antwortete 
er, daß die Bibliothekare mit ßstündiger tägl. Arbeitszeit weniger be¬ 
lastet seien als andere Beamte und dabei Zeit zu eigener wissenschaft¬ 
licher Betätigung hätten, was auch durch die Tatsachen bestätigt 
werde. In der weiteren Entlastung der wissenschaftlichen Biblio- 
theksbamten von mechanischer Arbeit werde fortgefahren werden. 
Die höhere Bezahlung der Hilfsarbeiter sei zur Zeit nicht möglich; 
auch bei den jetzigen Entlohnungssätzen bestehe kein Mangel an Be¬ 
werbern. Der Handschriftenkatalog der Kgl. Hof- und Staatsbiblio¬ 
thek sei in Revision. Zur Aufnahme von Theologen und Historikern 
in den Bibliotheksdienst böten auch die jetzt geltenden Bestimmungen 
im Dispensweg die Möglichkeit. Die Leistungsfähigkeit einer Pro¬ 
vinzialbibliothek habe ihre natürlichen Grenzen. 1 ) 

Die Reichsratskammer bewilligte die Neuforderungen ohne 
Debatte. 

x ) Vgl. Stenographischer Bericht über die Verhandlungen der bayrischen 
Kammer der Abgeordneten. 99. öffentliche Sitzung 1. August 1912 und Z. f. Bw. 29 
(1912), S. 466. 






Münchener Brief 


219 


Im Anschluß an diese Verhandlungen des Landtags seien fol¬ 
gende Neuerungen an der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek erwähnt. 
Der Sonntagsdienst, der bisher an den Vormittagen im Wechsel von 
je einem Kustos oder geprüften Praktikanten und einem Hilfst 
arbeiter erledigt wurde, ist aufgehoben worden. Der Katalogsaal, 
dessen elektrische Bogenlampen ungenügend geworden waren, hat 
nach dem Vorschläge des Direktors eine neue Beleuchtungsanlage 
von 12 Metallfadenlampen, 8 zu je 200 und 4 zu je 100 Kerzenstärke, 
in matten Kugeln erhalten, wodurch nicht nur eine Verstärkung der 
Lichtquellen — jetzt zusammen 2000 gegen früher etwa 600 Kerzen¬ 
stärke —, sondern auch eine viel bessere Verteilungn des Lichtes er¬ 
reicht wurde. Da diese bisher provisorische Einrichtung sich durch¬ 
aus bewährt hat, wird sie demnächst fest montiert werden. Unter den 
neuaufgenommenen Praktikanten befinden sich auch ein Theologe *( 
und ein Historiker. 

Am 29. Mai bis 1. Juni fand in München die erste gemeinsame 
Tagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Biblio¬ 
thekare statt, über deren Verlauf in dieser Zeitschrift schon berichtet 
wurde (s. S. 76—81); vgl. auch Z. f. Bw. 29 (1912), S. 297—385; 
Bei dieser festlichen Veranstaltung erhielten die Teilnehmer außer 
anderen kleineren Drucksachen eine schön ausgestattete Eestgabe des 
Verlages Carl Kuhn in München: Aus berühmten Handschriften 
und seltenen Drucken in bayrischen Bibliotheken. 12 Lichtdruck¬ 
tafeln den Teilnehmern des Münchener Bibliothekartages vom 
29. Mai bis 1. Juni gewidmet. * 2 ) 

In einer beigegebenen kleinen Broschüre „Faksimile- 
Drucke aus dem Verlage Karl Kuhn“, die 12 weitere, ver¬ 
kleinerte Faksimiles enthielt, berichtet der Verlag über seine alten 
und neuen Unternehmungen auf diesem Gebiet, von denen ich hier 
eine besonders zu erwähnen habe. In meinem vorletzten Briefe (S. 39) 
konnte ich bei Gelegenheit des großen Unternehmens der Reproduk¬ 
tion der Pferseer Talmudhandschrift erwähnen, daß sich noch ein 
weiterer Plan ähnlicher Art in Vorbereitung befinde. Diese neue 
Veröffentlichung hat in der Zwischenzeit mit einigen Modifikationen 
feste Gestalt gewonnen und wird in der oben erwähnten Festgabe in 
ihren Grundlinien bekannt gemacht. Der Verlag Karl Kuhn hat die 
ganze technische Herstellung und den Vertrieb übernommen, in die 
wissenschaftliche Leitung teilen sich drei Beamte der Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek, Oberbibliothekar Dr. Freys, Bibliothekar Dr. 
Petzet und der Berichterstatter. Als Titel wurde gewählt: Selten¬ 
heiten aus süddeutschen Bibliotheken in getreuen Nachbildungen her¬ 
ausgegeben. Ein ausführlicher Prospekt über die bisher geplanten 
und größtenteils schon in Angriff genommenen Arbeiten wird in diesen 

1) Der letzte an der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek tätige Theologe war 
der durch seine Arbeit über Hartmann Schedels Bibliothek bekannte, 1907 ver¬ 
storbene Dr. Richard Stäuber. 

2 ) Vgl. die sehr anerkennende Besprechung von Philipp Rath im Börsen¬ 
blatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 168 vom 22. Juli 1912, S. 8643—8644. 

16 * 


München. 

Staats¬ 

bibliothek. 


Faksimile- 

Ausgaben. 





220 


Deutsches Reich 


Tagen versendet werden und die ersten Nummern werden noch, in diesem 
Jahre erscheinen. Jedes Werk soll in seiner Originalgröße in Licht¬ 
druck, farbige Bilder sollen farbig in Kombinationslichtdruck wieder¬ 
gegeben werden. Von Faksimile-Ausgaben sind weiterhin erschienen: 

Georg; Leidinger, Miniaturen aus Handschriften der Kgl. Hof- 
und Staatsbibliothek in München. Heft 2. Flämischer Kalender. 
(Cod. lat. 23638.). München 1912. 

Erich Petzet und Otto Glauning, Deutsche Schrifttafeln des 
IX. bis XVI. Jahrhunderts aus Handschriften der Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek in München. 3. Abteilung: Proben der höfischen 
Epik aus dem XIII. und XIV. Jahrhundert. München 1912. 

Der Babylonische Talmud nach der einzigen vollständigen Hand¬ 
schrift, München Cod. hehr. 95, mittels Faksimile-Lichtdruckes ver¬ 
vielfältigt, mit Inhaltsangabe für jede Seite und einer Einleitung 
versehen von Hermann L. Strack. 2. Hälfte. 1912. (Tafel 294—575.) 
tiandscbsiften- Im Jahre 1S75 erschien vom Catalogus codicum manu scripto- 
fcataloge. rum bibliothecae regiae Monacensis der 4. Teil des 1. Bandes. Er 
umfaßte die orientalischen Handschriften mit Ausnahme der 
hebräischen, arabischen und persischen. Den ganzen Bestand an 
Sanskrit-Handschriften 'bildeten damals 11 Nummern. Bald danach, 
am 23. April 1877, wurden unter dem Direktor Halm die von dem 
verstorbenen Lniversitätsprofessor und Akademiemitglied Martin 
Haug in München Unterlassenen 377 orientalischen Manuskripte 
erworben, von denen 343 Sanskrit-Handschriften waren, die er wäh¬ 
rend eines sechsjährigen Aufenthaltes in Indien gesammelt hatte. 
Diesen wertvollen Bestand zu katalogisieren, war die letzte Arbeit 
Theodor Auf rechts, der bald nach Beginn der Drucklegung im Jahre 
1907 starb. Von Julius Jolly und Richard Schmidt wurde in 
pietätvoller Weise die Arbeit zu Ende geführt, so daß im Anfang des 
Jahres 1909 als 5. Teil des 1. Bandes des Handschriftenkatalogs 
„Die Sanskrit-Handschriften der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in 
München. Beschrieben von f Theodor Aufrecht“ erscheinen konnten. 
Unterdessen hatte, am 15. Oktober 1907, die Staatsbibliothek durch 
den damaligen Direktor Geheimrat von Laubmann, eine weitere Be¬ 
reicherung an Sanskrit-Handschriften dadurch erfahren, daß an die¬ 
sem Tage 163 indische Manuskripte, welche Julius Jolly im Laufe 
von 35 Jahren teils als Originale, teils in Abschriften erworben 
hatte, durch Kauf, d. h. gegen Ersatz der Selbstkosten, in ihren Be¬ 
sitz übergegangen waren. Jolly übernahm es auch, diese Hand¬ 
schriften in derselben Weise wie Aufrecht zu katalogisieren und seit 
Anfang des Jahres liegt seine Arbeit als 6. Teil des 1. Bandes des 
Handschriftenkataloges ebenfalls im Druck vor: „Die Sanskrit- 
Handschriften Nr. 287—413 der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in 
München. Beschrieben von Julius Jolly“. 1 ) Im Vorwort zu diesem 
Bande kündigt der jetzige Vorstand der Staatsbibliothek an, daß die 
Absicht bestehe, für alle Llandschriften, welche in dem 1875 erschie- 

l ) Vgl. Die Anzeige von Richard Schmidt in der deutschen Literatur¬ 
zeitung, 1912, Nr. 35, Sp. 2186 f. 





Münchener Brief 


221 


nenen 4. feile des 1. Bandes des Oatalogus verzeichnet wurden, neue * 

Kataloge herauszugehen, wenn die betreffenden Bestände seitdem * 
eine Mehrung erfuhren. Außerdem befinde sich eine Neubearbei¬ 
tung der griechischen Handschriften in Vorbereitung. Sie soll den 
noch fehlenden 2. Band des Oatalogus bilden und den 1806—1812 
erschienenen, seinerzeitig höchst verdienstvollen Katalog von Ignaz 
Hardt ersetzen. 

Von den Erwerbungen der Handschriftenabteilung war die Weuerwer- 
wichtigste der Briefnachlaß Friedrich August Koethes, den Dr. bungen der 
Max Freiherr von Wolff in Gräfelfing der Bibliothek als Geschenk Handschrifien- 
iiberwies. Koethe (1781—-1850) war Professor der Theologie in Abteilung. 
Jena und später Superintendent in Allstädt im Weimar ischen, seit 
1817 vermählt mit Sylvia von Ziegesar, deren Beziehungen zum 
Goethe-Kreise bekannt sind. In seinem Briefnachlaß überwiegen die 
theologischen Korrespondenten; besonders merkwürdig aber sind die 
Briefe von Gotthilf Heinrich Schubert, die bereits für die Forschun¬ 
gen von Dr. Merkel wichtige Aufschlüsse gegeben haben. Daneben ver¬ 
dienen die zahlreichen Briefe Beachtung, die Koethes Verhältnis zu 
dem russischen Minister Fürsten Lieven und der Universität Dorpat 
beleuchten; bei den verschiedensten Berufungen an diese war er der 
vermittelnde Vertrauensmann, der dem Lehrkörper der deutsch- 
russischen Hochschule ein kirchenfrommes Gepräge zu geben wesent¬ 
lich beitrug. Jedenfalls erweisen die Unterlassenen Briefe einen weit¬ 
reichenden Einfluß des bescheidenen Mannes, der mehrfach die 
verschiedensten Berufungen ablehnte, an*dem geistigen Leben seiner 
Zeit aber lebhaften Anteil genommen hat. 

Die Kgl. Hof- und Staatsbibliothek am Scheideweg in den Mün- Miszellen, 
ebener Neuesten Nachrichten. 1912, Nr. 422 vom 20. August, Der 
im maßvollem Tone gehaltene Aufsatz beschäftigt sich mit der im 
Landtage erörterten und auch vom Berichterstatter schon berührten 
(s. S. 90 f.) schwierigen Lage der Staatsbibliothek, neben ihrer 
Hauptaufgabe als wissenschaftliches Institut die Nebenfunktion als 
Bildungsbibliothek versehen zu müssen. Freilich wird man in den 
Kreisen der Münchener Bibliothekare dem Verfasser nicht überall 
folgen können und auch darüber wird man berechtigten Zweifel hegen 
müssen, ob in dem von ihm als Muster aufgestellten Berlin das 
schwierige Problem als so restlos gelöst angesehen werden kann, al$ 
er es optimistischerweise anzunehmen scheint. 

Die Kgl. ILof- und Staatsbibliothek zu München. Zusaminen- 
gestellt von Hans Popp. ( München 1912. Privatdruck der Buch¬ 
druckerfachschule.) Enthält: I. Von den Bibliotheken im allge¬ 
meinen. Der Bau, die Einrichtung und die Bedeutung der Kgl. Hof- 
und Staatsbibliothek. II. Georg Leidinger, Geschichtliches von der 
Erwerbung der Handschriften und Bücherschätze der Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek in München. (Aus Kronseders Lesebuch zur Ge¬ 
schichte Bayerns.) III. Erich Petzet, Die deutschen Handschriften 
in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek. (Aus der Germanisch 1 
Koreanischen Monatsschrift. 3. Jg., 1911.) 







222 


Rundschau der Fremde 


München. 
43. B. 


Der eben erschienenen Chronik der Ludwig Maximilians-Univer¬ 
sität München entnehmen wir, daß der von den Studenten geleistete 
Semestralbeitrag für die Universitätsbibliothek es ermöglichte, „1. die 
Öffnungszeit der Lesesäle von täglich 8 Stunden auf täglich 12 Stun¬ 
den zu erhöhen, so daß jetzt von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends 
ununterbrochen geöffnet ist; 2. die Handbibliothek der Lesesäle und 
die Ausleihbibliothek der Studierenden beträchtlich zu vermehren 
sowie den allgemeinen Anschaffungsetat bedeutend zu verstärken; 
3. eine neue Lesehalle mit 160 Tagesblättern und über 1100 Zeit¬ 
schriften einzurichten. 

Die Bibliothek, die nach im Herbste 1911 erfolgter Zählung 
jetzt 650.000 Buchbinderbände oder 77.000 bibliographische Bände 
Druckschriften, 3600 Inkunabeln und 2500 Handschriftenbände um¬ 
faßt, erfuhr im letzten Jahre auch durch zahlreiche hervorragende 
Schenkungen reichen Zuwachs. “ Darunter befinden sich neue Zu¬ 
weisungen des Geheimrates Ernst Kuhn zu der von ihm gestifteten, 
als besondere „Bibliothek Kuhn“ geführten, einzigartigen, über 
3000 Bände umfassenden Sammlung der wertvollsten sprachwissen¬ 
schaftlichen und folkloristischen Literatur, insbesondere aus dem 
Nachlaß seines Vaters Adalbert, des Begründers der vergleichenden 
Mythologie: ferner die über 2200 Bände umfassende, vor allem auf 
dem Gebiet des sächsischen Partikular rechtes hervorragende Biblio¬ 
thek des früheren Jenenser Oberlandesgerichtsrates A. Unger, des 
Herausgebers der Blätter für Rechtspflege in Thüringen, und die 
über 3000 Bände zählende handelswissenschaftliche Büchersammlung 
des früheren Syndikus der Münchener Handelskammer Landgraf; 
endlich wurde die Bibliothek die Erbin des handschriftlichen Nach¬ 
lasses des am 1. April 1911 verstorbenen Dichters Martin Greif, des 
Ehrendoktors der Münchener Universität. 

(Fortsetzung im nächsten Heft.) O. Glauning. 


RUNDSCHAU DER FREMDE. 

ENGLISCHER BRIEF. 

Es ist ein Vergnügen, auf einen Aufsatz aufmerksam zu machen, 
wie den von J. D. Stewart, International Librarianship versus the 
Parish Pump, in der Library World, Juni 1911. Er tritt lebhaft 
für mehr gegenseitige Kenntnis und Entgegenkommen ein und er¬ 
kennt zugleich an, was in dieser Beziehung z. B. von dieser Zeit¬ 
schrift und von dem Library Association Record geleistet wird. 
Gleichzeitig freue ich mich, mitteilen zu können, daß mein eigener 
Verein sich für das Festhalten am Internationalen Kongreß der 
Bibliothekare und Archivare und an dem für Bibliographie und Doku¬ 
mentation erklärt hat. (L[ibrary] Afssociation] R[ecord], 1911, 
S. 230). — Im Zusammenhang damit, darf ich wohl auf das Verzeich¬ 
nis von Gesellschaften und Zeitschriften hinweisen, an die ich als Se¬ 
kretär des International Comittee der Library Association dessen 






Englischer Brief 


22'- 


Rundschreiben verschickt habe (L. A. R., 1911, S. 363—364). Ich 
wäre für den Rach weis von übergangenen Gesellschaften und Zeit¬ 
schriften sehr dankbar. Auf das Internationale Jahrbuch für Biblio¬ 
graphie, das gegenwärtig von Herrn Bibliothekar M. Grolig vorbe¬ 
reitet wird, habe ich nur deshalb angespielt, weil ich schon im voraus 
mitzuteilen wünschte, daß ich einen Bericht über seinen Zweck und 
sein Wesen zur Aufnahme an den Library Association Record ge¬ 
schickt habe. 

Bevor ich zu anderem weitergehe, möchte ich auf die Bespre¬ 
chungen von einigen Abteilungen von Relsons Standard Books im 
L. A. R., 1912, S. 105—107 und S. 129—131, hinweisen, die im 
ganzen günstig sind. Meine eigene Meinung ist darüber gerade so, 
wie das allgemeine Urteil lautet. Wir haben hier in England die 
Erfahrung gemacht, daß mit dem Eortschreiten der Volksbibliotheks¬ 
bewegung diese doch noch immer einer höchst sinnlosen Kritik von 
den verschiedensten Seiten her unterliegen. Eine Probe, von der ich 
selbst zunächst nichts gehört hatte, erschien in einem Lokalblatt von 
Perthshire während der vorjährigen Zusammenkunft der Library 
Association - in Perth. Im L. A. R., 1912, S. 121—126, erlitt der 
xLrtikelschreiber eine lebhafte und interessante Abfuhr durch einen 
Kollegen; ich meine den Aufsatz von W. P. Woolston, The Utility 
of Public Libraries: a bookseller’s point of view\ 

Am Donnerstag den 11. April 1912 hielt in der Library Asso¬ 
ciation Herr Francis Sangorski einen Vortrag über ,,A Higher Aim 
in Library Binding“; man muß wirklich sagen, die abwesenden Mit¬ 
glieder haben etwas versäumt. Rachdem der Vortragende die Wich¬ 
tigkeit des Heftens—eine Sache, die vom Publikum kaum genügend 
gewürdigt wird — betont und ganz kurz über die hauptsächlichsten 
Änderungen in der Technik berichtet hatte, sprach er im weiteren 
davon, daß unsere Bibliothekseinbände jetzt zwar dauerhaft seien, 
daß wir sie nun aber auch schön haben wollten. Die allgemeine An¬ 
sicht geht dahin, daß ein Zusammenarbeiten von Buchbinder und 
Bibliothekar möglich und wünschenswert sei. Ferner sagte er, nicht 
alles Riger-Leder käme von Rigeria, sondern im allgemeinen sei nur 
das rote wirklich echt; dieses aber halte auch ausgezeichnet. Endlich 
wünschte er eine Änderung des Titelaufdrucks und ein richtiges Ver¬ 
hältnis von Ecken- und Rückenleder und forderte eigene Buchbinder 
für die Bibliothekare. 

Bevor ich zu dem etwas weiter unten folgenden Bücherverzeich¬ 
nis übergehe, muß ich einige Zahlen aus dem Jahresbericht des 
Britischen Museums nach der Übersicht im L. A. R., 1911, S. 337 
bis 338, geben. Die Zahl der Besuche von Benützern des Lesesaals 
belief sich auf 219.274 (gegen das Vorjahr ein Zuwachs von 1300). 
Die Durchschnittszahl der täglich an einen Leser ausgegebenen 
Werke war 7; dabei ist jedoch die Benützung der reichen Bücher¬ 
bestände der Handbibliothek gänzlich außer Ansatz geblieben, weil 
darüber trotz der Bedenken mancher Kritiker natürlich keine Sta¬ 
tistik geführt wird. Die Zahl der Leser im Zeitschriftenlesesaal be- 






224 


Rundschau der Fremde 


trug im Laufe des Jahres 19.200 und die Zahl der benützten Bände 
67.030, worin die Provinzblätter miteingerechnet sind, die von dem 
Depot in Ilendon hereingebracht wurden. Die Zahl der neu erwor¬ 
benen Bücher und Hefte stieg auf 26.063 Einheiten, die der Fort¬ 
setzungen verschiedener Art auf 68.811. Für weitere Erwerbungen, 
soweit sie einzelne Abteilungen angehen, muß ich diejenigen Leser, 
die sich dafür interessieren, auf die Zusammenstellungen im L. A. R. 
(s. o.) verweisen. 

Im folgenden gebe ich eine sachlich geordnete Übersicht über 
Bücher und Zeitschriftenartikel. Zweierlei ist dazu zu bemerken, ein¬ 
mal, daß das Jahr 1911 sehr arm an wirklichen Büchern war, und 
dann, daß sich mein Bericht über den Library Association Record bis 
Ende März 1912 erstreckt. 

I. Fachzeitschriften usw. The Journal of the Welsh 
Bibliographical Society, Yol. I., Aberystwyth, 1910, 8°. Diese treff¬ 
liche Zeitschrift enthält Mitteilungen verschiedener Art; eine Vor¬ 
stellung ihres Wesens mag man sich nach den Titeln der beiden 
llauptartikel von Band 1 bilden: Trevecka Mss. and Library by Rev. 
M. IT. J ones, M. A. und Welsh Book-Collectors by J. H. Davies. 

II. Bibliograph/i e usw. Bilderbeck, J, B., Early printed 
Books in the Library of St. Catherine’s College, Cambridge. 3 Plates. 
VI, 38 S. Cambridge, üniversitv Press. May 1911. 8°. — Ich muß 
um Entschuldigung bitten, wenn ich hier die Votiz einschiebe, daß 
der Bericht des Lancet über den von der Medical Library Associa¬ 
tion vorbereiteten Union Catalogwe of Medical Periodicals and Jour¬ 
nals im L. A. R., 1911, S. 229, eigens erwähnt ist. — Ich kann mich 
nun mit einigen Bemerkungen zu der ,,Bibliotheca Lindesiana“, dem 
Katalog des Earl of Crawford, w T enden. Dieser ganz prachtvolle 
Katalog einer Privatbibliothek vereinigt in den vier ersten Bänden, 
wie Axon in seiner Anzeige (L. A. R., 1912, S. 4—13) feststellt, in 
einem Alphabet Sachen und Autoren nach den Cutterschen Regeln. 
Axon gibt auch eine Geschichte der Bibliothek. Ihr Reichtum mag 
aus der Zahl der Spalten erschlossen werden, die die folgenden 
Schlagworte einnehmen: Österreich 467—469, Böhmen 934—936, 
Prag 9768 zum Teil, Polen 7182—7189, Wien 9190—9193. Wenn 
an Band 7 die Philatelisten das meiste Interesse haben werden, da er 
das erste Beispiel für den Druck eines Briefmarkenverzeichnisses in 
einem Bibliothekskatalog darstellt, ist das Glanzstück die ,,Biblio- 
graphy of Royal Proclamations . . . 1485—1714, with an historical 
essay on their origin and use, by Robert Steele“, die Band 5 und 6 
bildet, der erstere England und Wales, der letztere Irland und 
Schottland umfassend. Beigegeben ist eine Reihe sehr schöner Ab¬ 
bildungen des königlichen Wappens in verschiedener Form. Außerdem 
finden sich darin Verzeichnisse von beinahe allen bekannten frühen 
Erlässen, älter als die Einführung der Buchdruckerkunst, denen 
man einen großen geschichtlichen Wert zusprechen muß 

N. L. W. Bibliotheca Celtica .... 1909. Aberystwyth, 

1910. 8°. Dies ist der Katalog der in Wales erschienenen 









Englischer Brief 


225 


Bücher, -veröffentlicht von der National Library of Wales. Diese 
erste Ausgabe zeigt gleichzeitig an, daß jeder Titel auch in 
Kartenform zu haben ist, — National Library of Wales. Catalogue 
of tracts of the Civil War and Commonwealth Period relating to 
ales and the borders. Abervstwyth, 1911. 8°. Eine Anzeige findet 
sich im L. A. B., 1912, S. 59. Das Werk ist wertvoll, weil es einen 
Beitrag zu dem weiten Gebiet der Flugschriftenliteratur bildet und 
A\eil sein Standpunkt verschieden ist von dem Thomasons, der die 
Kings Pamphlets sammelte. McKerrow Ronald B., A Dictionary 
of Printers and Booksellers in England, Scotland and Ireland, and 
of Eoreign printers ^ of English Books, 1557—1640, etc. XX/II., 
346 S., Bibliographical Society, London, 1910, 4°. Angezeigt im 
L. A. R., 1911, S. 466—467. Diese Veröffentlichung soll die Lücke 
ausfüllen zwischen E. Gordon Duffs Century of the English Book 
Trade und IT. R. Plomers Dictionary. Sie gibt eine Geschichte 
der Stationers’ Company. — Ich bemerke auch, daß der General 
Index to the volumes of the Transactions of the Bibliographical So¬ 
ciety 1895 to 1911 im L. A. R., 1911, S. 467, besprochen ist. 

Wood, G. W., Literature in the Maux Language to the Middle 
of tim Nineteenth Century (L. A. R., 1911, S. 343—353). Obwohl 
nicht in der Form einer Bibliographie, ist das Werk doch eine wirk¬ 
liche Übersicnt über die ganze Literatur und sehr nützlich, besonders, 
weil die Originale und die Übersetzung geschieden sind und im 
großen und ganzen die zeitliche Anordnung eingehalten ist. — Cata¬ 
logue of the Fifty Manuscripts and Printed Books bequeathed to the 
* British Museum hy Alfred H. Huth. [Mit Abbildungen. Die Be¬ 
schreibungen sind von A. W. Pollard, A. J. K. Esdaile, J. A. Herbert 
und Campbell Dodgson]. XVI, 130 S., London 1912. fol. Die Vor¬ 
rede, verfaßt von dem Direktor des Britischen Museums, Sir Eederick 
George Kenyon, gibt Auskunft über die Absicht des Katalogs und die 
denkwürdige Art der Sammlung, die mehrere besonders interessante 
Nummern enthält. Vielleicht darf ich in diesem Zusammenhang die 
jüngst erfolgte Veröffentlichung des 2. Bandes des British Museum 
Catalogue of Incunabula, umfassend Part II: Germany Eltvil-Trier 
(1912) erwähnen. Ich schwanke, ob ich auch F. K. Walters Abbre- 
viations and Technical Terms used in Book Catalogues and in Biblio- 
graphies anführen soll, weil das Buch in Boston, LT. S. A.,im Jahre 
1910 erschien und ich von ihm nur durch die Besprechung im 
L. A. R., 1912, S. 131—132, weiß. 

III. Bibliothekswesen. Vaughan, J., Winchester Cathe- 
dral Library from the Reformation to the Commonwealth. Church 
Quarterly Review, October 1911. Angezeigt: L. A. R., 1911, S. 463 
bis 464. Gibt hauptsächlich eine Geschichte der Handschriften dieser 
Sammlung. 

The National Library of Wales. L. A. R., 1911, S. 276—284. 
Dieser Aufsatz ist ein offizieller Bericht über die Bibliothek und 
über die Teilnahme der Vertreter der Library Association an der 
Feier der Grundsteinlegung des neuen Gebäudes. 









226 


Rundschau der Fremde 


National Library of Wales. Memorandum on the Claims of tbe 
National Library of Wales to be included in the Copyright Bill . . . 
as a Public Library entitled receive a copy of each book published 
in the British Isles. L. A. R., 1911, S. 211—215. Diese Abhandlung 
wurde Herrn Buxton durch eine eigene Abordnung überreicht und 
beschäftigt sich besonders mit der Verzeichnung der walischen Lite¬ 
ratur (vgl. oben Bibliotheca Celtica) und mit der Zählung der Pro¬ 
duktion. Die Berechtigung seiner Porderung ist in der betreffenden 
Akte anerkannt worden. Das Memorandum gibt auch statistische 
Belege über den Wert des Copyright-Privilegs im Vereinigten 
Königreich. — Boilick, J. R., Summary of the History of the Sande- 
man Public Library, Perth, from its institution in 1898 to the year 
1908 (1911). L. A. R., 1911, S. 321—329. Enthält eine ausführliche 
Geschichte der Bibliothek, jedoch von überwiegend örtlichem Inter¬ 
esse. — Sayers. W. C. Berwick, A Federation of London Public Li¬ 
braries. L. A. R., 1911, S. 330—333. Ist eine dringende Aufforde¬ 
rung zu einem bescheidenen Anfang ohne Kosten, nämlich durch das 
Zusammen treten der Direktoren der Bibliotheken und der Vorsitzen¬ 
den des Verwaltungsausschusses. — Clarke, A. L., Reference in its 
relation to literature, < to bibliography, to subject-indexes, and to 
Systems of Classification. (Thesis . . . For the diploma of the Asso¬ 
ciation.) L. A. R., 1912, S. 73—95. Behandelt nebenbei auch die 
Art und Weise, wie Bibliotheken, namentlich gewisse Nachschlag¬ 
werke zu gebrauchen sind. Er tritt sehr für eine weitere Entwick¬ 
lung der Handbibliotheken ein. — Dewar, Sir James, Presidential 
Address, Perth, 1911, L. A. R., 1911, S. 367—372. Dieser ausge¬ 
zeichnete Vortrag handelt von der Wichtigkeit und Schwierigkeit der 
Library Extension in dünn bevölkerten ländlichen Gebieten. — 
Dieser Gedanke, ebenso wie die Erwünschtheit des Zusammenwirkens 
mit den Schulen wird betont in James Christisons Vortrag über 
Some Factors contributing to the success of a public library. 
L. A. R., 1911, S. 438-—443. — Austin, Miß E. W. (part 1) und 
Roebuck, G. E. (part 2), Present Conditions and Possibilities of Pu¬ 
blic Library Service to the Blind. L. A. R., 1911, S. 450—460. Das 
Lesen gibt den Blinden die Unabhängigkeit, deren sie ebensosehr be¬ 
dürfen wie sie sie ersehnen. Deshalb sollten die Bibliotheken helfend 
eingreifen, nicht indem sie stehende und äußerst bescheiden begrenzte 
Sammlungen bilden, sondern indem sie mit den Gesellschaften zur 
Unterstützung der Blinden Hand in Hand gehen. Schließlich schlägt 
Roebaek die Einsetzung eines Ausschusses vor, von dem ich aber 
nichts weiter gehört habe. — The Social Work of the St. Louis 
Public Library. L. A. R., 1911, S. 206—210. Ist ein Bericht des 
Subccmittee on Libraries to the Social Service Conference, 1911. Er 
ist ein gutes Beispiel für die offensiv-defensive Taktik der Männer, 
die in Amerika für die Volksbibliothekenbewegung sich einsetzen; 
wir können alle davon lernen, gleichviel, ob wir von diesen Inseln 
oder vom Festlande Europas stammen. 

IV. Handschriften künde. Behrend, F., German 
Manuscripts of the Middle Ages. L. A. R., 1912, S. 47—49. Enthält 












227 


Englischer Brief 


einen Bericht über die Tätigkeit der deutschen Kommission bei der 
Akademie der Wissenschaften in Berlin. 

V. Buchdruck, Papier, Einbande. The John Rylands 
Library. Catalogue of an Exhibition of mediseval manuscripts 
and jewelled Book-covers, shown in the main library from 12 January 
to December, 1912; including lists of paleographical works and of 
historical periodicäls in the John Rylands Library. With 10 Plates. 
Manchester, 1912, 8°, 134 S. Besprochen im L. Ä. R., 1912, S. 107 
bis 108. Man kann fremden Besuchern Liverpools nur raten, im 
Vorbei weg auch Manchester zu besuchen, was sich als sehr lohnend 
erweisen wird. 

Osborn, A. S., Questioned Documents, etc. Sweet & Maxwell. 
London 1910, 8°, XXIV., 501 S., L. 1. 5 s. Besprochen im L. A. R., 
1911, S. 223—225. Dieses Werk handelt von Fälschern und Fäl¬ 
schungen und deren Entdeckung, mit einer Bibliographie des Gegen¬ 
standes, und bezieht sich auf Handschriften wie auf Schriftstücke 
und Drucke. 

VI. Buchdruck, Papier, Einbände. Coutts, H. T., 
and Stephen, G. A., Manual of Library Bookbinding, etc. Libraco, 
London 1911, 8°. Dieses gute und zuverlässige Buch umfaßt das 
ganze Gebiet seines Gegenstandes nebst einem nützlichen Glossar. — 
Metz, S., Kotes on the Bookbinding Leather Controversv. L. A. R., 
1911, S. 395—398. Gibt den Inhalt einer Broschüre von P. Ihm und 
F. Erohnknecht wieder und enthält einige Widerlegungen der 
Schrift, die eine Rettung der deutschen Industrie darstellte. Für die¬ 
jenigen, welche mit den Feinheiten der Terminologie nicht bekannt 
sind, sei bemerkt, daß „Englisches“ Leder nicht „in England ver¬ 
fertigtes“ Leder bedeutet, sondern Leder, das mit Sumach oder Eiche 
nach dem alten, langsamen Verfahren und nicht mit Hilfe von Säuren 
hergestellt ist, ein „amerikanisches“ Verfahren, das aber weder in 
Amerika allgemein ist noch sich auf die U. S. A. beschränkt, sondern 
auch anderwärts in Gebrauch ist. Es scheint, daß der Lancet, etwa 
vom 23. März 1912, eine Mitteilung über Chlorate und Säuren in 
Buchbinderleder gebracht hat. — Chivers, C., The relative value of 
leathers and other binding materials. L. A. R„ 1911, S. 415—430. 
Ein gut illustrierter Aufsatz über das Thema des bereits erwähnten 
Vortrags in Perth. Ich brauche deshalb auf seinen Inhalt nicht 
weiter einzugehen und verweise auf den Text selbst und die Abbil¬ 
dungen. Man darf die Hoffnung aussprechen, daß man auf der Ver¬ 
sammlung der Library Association im Mai noch weiteres über diesen 
Gegenstand hören wird. — Huck, T. W., Johann Gottlob Immanuel 
Breitkopf, the printer, 1719—1794. L. A. R., 1912, S. 14—18. Ein 
kurzer Bericht über die Fortschritte, die sein Gewerbe ihm verdankt, 
mit besonderer Berücksichtigung des in London leicht zugänglichen 
Materials. 

VII. Literaturgeschichte. Ich brauche hier nur auf C. S. 
Horthups Aufsatz The present bibliographical Status of modern phi- 
lology zu verweisen, der im 5. Band der Papers of the Bibliographi- 









228 


Rundschau der Fremde 


Bibliotheque 

Nationale. 


cal Society of America erschienen ist. Im Vorbeigehen sei auch an 
W. Jaggards großartige Shakespeare-Bibliography erinnert, über die 
sich Österreichische Shakespeare-Kenner bereits ausgesprochen haben, 
und zwar mit besserem Recht als ich es könnte. Ich darf auch hier 
Jonathan Xields Buch erwähnen: A Gjiide to the best hi stör ic novels 
and tales. London-Kew York, 1911. 8°. (518 S.). Es ist besprochen 
im L. A. B., 1911, S. 221—223, von Dr. E. A. Baker, dem Verfasser 
eines ziemlich ähnlichen Werkes. Das Buch zerfällt in einen ersten 
Teil, den Abdruck der früheren Ausgabe, und einen zweiten, der die 
Berichtigungen enthält und die Rackträge, die das Buch bis zum 
Jahre 1910 heraufführen, samt einem Verzeichnis ähnlicher Werke. 

VIII. Administration. Soper, H. T., The Distribution 
of Government Publications and Documents. L. A. B. 1911, S. 373 
bis 383. Tritt ein für ein weiter ausgreifendes und systematisches 
Verfahren mit weitherzigerer Übung und bekämpft das jetzige durch 
eine sorgfältig begründete Kritik. 

IX. Nekrologe. L. A. R., 1911, S. 479—486; 1912, S. 62. 
Hier möchte ich die besondere Aufmerksamkeit auf die Kamen 
A. Cotgreave-West Ham, A. W. Robertson-Aberdeen, Harinath De- 
Calcutta und J. Taylor - Üouglas, Isle of Man, lenken. 

Hier sollte ich vielleicht auch das Rundschreiben der „Munici- 
pal Library, Museum, and Art Gallery Reform League“ erwähnen ; 
L. A. R, 1911, S. 477—478. 

X. Klassifikation. Huhne, E. W., Principles of Book Classifica¬ 
tion. L. A. R., 1911, S. 354—358, 389—394, 444—449 und 1912, 
S. 39—46. Eine Reihe äußerst anregender und schätzbarer Aufsätze, 
deren Inhalt hier wiederzugeben zuviel Raum erfordern würde, die 
aber in dieser Frage Epoche machen werden. Eine Annäherung an 
dieselben Grundsätze zeigt A. J. Hawkes in seinem Buch Suggestions 
towards a construetional revision of the Dewey Classification. (The 
Librarian-Series, Ko. 1.) Atkinson, London, 1911. Besprechung im 
L. A. R., 1911, S. 468—470; Erwiderung ebendort 1912, S. 119 
bis 120. 

London. L. C. Wharton. * 

(Aus dem Ms. des Verf. übersetzt von O. Glauning in München.) 


FRANZÖSISCHER BRIEF. 

Die Section de geographie hat am 13. Mai 1912 eine Ausstellung 
ihr gehöriger Landkarten, Kupferstiche, Portulane, Globen, Astro¬ 
labien, Pläne und verschiedener Instrumente eröffnet, hinter den 
Hauptmerkwürdigkeiten seien erwähnt: ein Plan von Paris von 
Jakob Gomboust (1652) mit zierlichen Einfassungen, in denen die 
berühmtesten Denkmäler der Stadt und eine Reihe von Schlössern 
der Umgebung dargestellt sind; ein anderer, der von Cointereaux 
(Jahr VII) herrührt, auf sämisch Leder; Landkarten, gezeichnet von 
Ludwig XV* und Ludwig XVI. in ihrer Jugendzeit ; einige vierzig 




















Französischer Brief 


229 


Portulake, das Mittelmeer und den Atlantischen Ozean betreffend, 
namentlich eine erst kürzlich erworbene Karte von Amerika von 
Jakob de Vaulx (1584) ; unter den Globen der von Martin Behaim, 
der gerade im Jahre vollendet wurde, da Christoph Columbus seine 
Entdeckungsfahrt antrat und auf dem Zipangu in Amerika liegt; 
der „grüne Globus" von 1520, der die Landenge von Panama schon 
durchstochen zeigt, und alte arabische Himmelsgloben. (L. Vallee: 

Hotice des documents exposes. Revue des Bibliotheques. 22. 1912. 

S. 137 bis 197.) 

Am 3. Juni wurde die auf J. J. Rousseau Bezug habende biblio¬ 
graphische und ikonographische Ausstellung eröffnet, aus Anlaß der 
zweihundert jährigen Feier seiner Geburt veranstaltet. Sie enthält 
Sammlungen der Werke Rousseaus in Erstausgaben, einen guten 
Teil seiner Handschriften, seiner Musikwerke, eine Anzahl Porträts 
und Zeichnungen, die ihn darstellen. Die Bibliotheque nationale 
besitzt die Originalhandschriften Rousseaus von seiner Abhandlung 
über die Künste (1750), von seinem Musikwerk Daphnis und Ohloe 
und eine schöne Ausgabe des Devin de Village, die einst der Königin 
Marie Antoinette gehörte, deren Wappen sie trägt. 

Der Freiherr von Fabviers hat soeben der Bibliotheque nationale 
eine kleine Handschrift zum Geschenke gemacht, enthaltend eine 
gedrängte Übersicht der Geschichte Frankreichs von dem sagen¬ 
haften Pharamond an bis auf Ludwig XII., zweifelsohne bald nach 
dem Regierungsantritte Ludwigs XII. verfaßt, um dessen Anrecht 
auf die Krone zu erweisen. Dieses Büchlein scheint von einem Prin¬ 
zen oder von einer Prinzessin des Hauses Frankreich verfaßt zu sein. 

In der Sitzung der Academie des Inscriptions et belles-lettres 
vom 11. Oktober hat Herr Moses Schwab, Ehrenkonservator, ein kürz¬ 
lich für die hebräischen Sammlungen gekauftes Buch vorgelegt. Es 
ist eine Sammlung von allerlei Bemerkungen, von Auszügen aus 
religiösen Schriften und Predigten, darunter auch von Anleitungen 
zur Herstellung des jüdischen Kalenders. Das Buch ist vom Jahre 
4997 nach Erschaffung der Welt, d. i. 1237 unserer Zeitrechnung 
datiert. Der Verfasser ist ein Schüler der Judenschulen des nord¬ 
östlichen Frankreich. Er gibt gelegentlich zahlreiche Erklärungen 
vieler Wörter fremder Herkunft, die den Lesern rabbinischer Schrif¬ 
ten Schwierigkeiten bereiten; teils erläutert er diese durch gleiche 
Bedeutungen im Hebräischen oder durch französische Wörter aus 
seiner Zeit oder durch mittelhochdeutsche. Die Altersbestimmung 
der Handschrift ist paläographisch sehr schwierig Sie bildet ein 
Mittelding zwischen der rabbinischen Kursivschrift und der Quadrat¬ 
schrift gedruckter Bücher. 

Mit den neulich erschienenen Bänden XLVII und XLVIII ist 
der Xominalkatalog der Druckwerke gerade am Ende des Buch¬ 
stabens E angekommen. 

Der Band CIV der Enquetes et documents relatifs ä Tenseigne- Universitäts- 
ment superieur enthält die Berichte der Conseils-Universitäten für bibüoihaken. 
das Schuljahr 1910/11. Kach einem mißlichen Brauche haben einige 






230 


Rundschau der Fremde 


von ihnen (Bordeaux, Dijon, Montpellier) auch nicht die geringste 
Andeutung über den Zustand der Universitätsbibliothek gemacht. 
Die anderen geben folgende Auskünfte: 

Pa?*is: 1. Rechtsfakultät. Bei 204.000 Leser und 242.000 be¬ 
nützte Bände, viele überdies unmittelbar ohne Bestellzettel benützt; 
7155 Bände ausgeliehen (das ist sehr wenig). Zuwachs 4406 Bände 
(213 mehr als im Vorjahre). Dotierung unzureichend, besonders 
für die Zeitschriften. Und bald wird kein Platz mehr sein für die 
Aufstellung der Bücher. 2. Medizinische Fakultät. Man hat im alten 
Lesesaal einen besonderen Raum für die Professoren und einen an¬ 
deren für jene Studierenden, die an ihren Dissertationen arbeiten, 
eingerichtet. 125.650 Leser (Zunahme 3490), 161.910 benützte Bände 
(Zunahme 3330) ; nach auswärts, besonders an die Provinzfakultäten 
verliehen 6595 (Zunahme 535). (Dieselben Beobachtungen wie an 
der Rechtsfakultät.) Geschenke: 5706 Bände (Zuwachs 1351), Dis¬ 
sertationen und französische und auswärtige periodische Veröffent¬ 
lichungen mitgezählt. Unter den Geschenkgebern: Mr. Rixford, 
Bibliothekar der Stanford-L T niversität von San Francisco, der 750 
Bände amerikanischer Zeitschriften schenkte. Ungenügende Dotation 
für Ankäufe und Einbände. 3. Philosophische Fakultät: 174.534 
Leser (Abnahme 1594), darunter 26.232 im Saale, der den Fremden 
für das Studium des Französischen Vorbehalten ist. 522.192 benützte 
Bände (Abnahme 3672). Zur häuslichen Benützung ausgeliehen 
19.479 (Abnahme 2714), darunter auf Kosten der Benützer 2206 
(Zunahme 88). Überdies wurde eine große Zahl von Werken unmit¬ 
telbar benützt. 4. Pharmacie: 12.747 Leser (Zunahme 266), dar¬ 
unter 10.589 bei Tag und 2158 des Abends; 22.694 benützte Bände 
(Zunahme S35), dabei nicht mitgezählt die Zeitschriften und die 
direkt im Lese- und Professorensaal entnommenen Werke. Ausgelie¬ 
hen 1556 Bände. Geschenke 362 Werke. Kamen- und Sachkatalog 
sind völlig auf dem Laufenden. 

Aix-Marseille. Die Universitätsbibliotheken dieser zwei ver¬ 
einten Städte umfassen gegenwärtig beiläufig 80.000 Bände und bei 
100.000 Dissertationen und Universitätsschriften. Zuwachs 1910 bis 
1911: 2583 Bände und 820 Universitätsschriften. 25.000 benützte 
Bände, 7370 Bände ausgeliehen, zahlreiche Geschenke. Dotation bei¬ 
läufig 20.000 Franken, davon 15.000 für Ankäufe. Die Vergröße¬ 
rung der Bibliothek von Aix wird bald vollendet sein. Die medizi¬ 
nische Schule von Marseille, deren Bibliothek städtisch ist, besitzt 
27.063 Bände, Zuwachs in einem Jahre 197 Bände. 

Besangon. Gegenwärtig ist man bei 31.000 Bänden angekommen, 
wobei die ausländischen Dissertationen nicht mitgezählt sind, deren 
Massen die Speicher füllen — aus Platzmangel für ihre Aufstel¬ 
lung. Zuwachs 800 Bände. Die aus den Kirchenbibliotheken herstam¬ 
menden Bücher und die Sammlungen der medizinischen Schule bil¬ 
den einen sehr beträchtlichen Vorrat, der zwar getrennt, aber neben¬ 
einander in demselben Saale aufgestellt ist. Die tägliche Durch¬ 
schnittszahl der Leser beträgt 60; es gibt 210 Entlehner. (Seltsame 





Französischer Brief 


231 


Statistik! Ein und dieselbe Person ist nur einmal gezählt, die als 
Leser gezählten Personen haben nichts ausgeliehen; aber die als 
Entlehner bezeichneten Personen sind gleichwohl auch Leser 
schlechtweg.) 

Caen. Die Bibliothek besaß am 30. September 1911 17.000 Bände 
und 89.000 Universitätsschriften und überdies 11.200 Bände und 
Broschüren, die den Grundstock der Bibliothek der Medizinschule 
bildeten (Eigentum der Stadt), 8000 Bände der Linne-Gesellschaft 
der Normandie, aufbewahrt in denselben Bäumen, 1950 Bände der 
medizinischen Gesellschaft der Nieder-Normandie. Es gab in diesem 
Jahre 18.347 Besucher, 30.311 gelesene und 7405 entliehene Bände, 
2771 Geschenke des Ministeriums und von Privaten, 13.087 Franken 
wurden für Ankäufe aufgewendet. 

Clermont-Perrand. 28.450 Leser, 73.165 benützte und 9660 ent¬ 
lehnte Bände. Zuwachs durch Kauf 636 Bände, durch Schenkung 
1261 Bände, 5000 Universitätsschriften. 

Grenoble. 778 Leser, 28.224 benützte Bände (Zunahme 3611), 
außerdem die zur Verfügung der Leser frei zugänglichen Werke, 
10.642 verliehene Bände (Zunahme 658), an 673 Entlehner. Neu¬ 
anschaffungen: 2738 Bände (darunter 1167 Geschenke). Hinzu 
kommen noch die Erwerbungen des geographischen Instituts, die des 
Elorensischen Instituts, dessen Bibliothek einen Bestandteil der von 
Grenoble bildet, endlich die Werke, die aus den Kirchenbibliotheken 
stammen. Der tatsächliche Gesamtbestand am Ende des Jahres 1910 
war 61.000 Bände und 89.000 Dissertationen; 5000 Bände an der 
Bibliothek der medizinischen Schule, die selbständig ist. Im ganzen 
ein beträchtlicher Zuwachs, der aber Schwierigkeiten im Gefolge hat: 
der Lesesaal ist zu beengt und stets überfüllt. Unzulängliches Per¬ 
sonal und unzureichende Magazinräume; letztere werden dieses Jahr 
vergrößert werden. 

Lille. Die Bibliothek, ein ganz freistehendes Gebäude, ist gut 
untergebracht und sehr besucht. Aber die Dotation bleibt unzurei¬ 
chend, besonders für die Anschaffung von Zeitschriften und sogar 
für den Ankauf amtlicher Drucksachen. 

Lyon. 1207 Leser, 915 Entlehner, an die 15.693 Bände ver¬ 
liehen wurden. An Ort und Stelle benützt 47.438 Bände. Der Ge¬ 
samtbücherstand ist von 129.979 auf 132.987 Bände gestiegen ; die 
der Dissertationen und Broschüren von 110.093 auf 116.956. Man 
muß einen starken Zuwachs vom Erzbistum und vom kirchlichen 
Hauptseminar her erwarten. Die neuen Bücherspeicher gewähren 
Platz für lange Zeit hinaus, aber man klagt über langsame Be¬ 
dienung. 

Nancy. Man hat die Verlegung der Bibliothek in die Gebäude 
einer alten freien Schule in Aussicht genommen, sobald diese zur 
Verfügung stehen werden. 

Poitiers. 10.908 Leser, 15.839 benützte Bände, ungerechnet die 
zur freien Verfügung stehenden, 3897 ausgeliehene Bände. Die Do¬ 
tation von 15.000 Franken ermöglichte den Ankauf von 1082 Bän- 





232 


Rundschau der Fremde 


den; 666 Bände, Geschenke fast durchwegs des Ministeriums. Am 
30. September 1911 besaß die Bibliothek teils als ihr Eigentum, teils 
in Verwahrung 255.289 Bände und Broschüren. 

Rennes . Der nötige Baum für die Bibliothek wurde in der alten 
erzbischöflichen Besidenz und im alten Hauptseminar ausfindig 
gemacht. 

Toulouse. Allmählig wird wieder der Grundstock der durch eine 
Feuersbrunst vernichteten medizinischen Bücher nachgeschafft. 
Einige provisorische Magazine wurden schon eingerichtet. Das Mini¬ 
sterium bewilligte einen Zuschuß von 20.000 Franken. Geschenke 
kamen von französischen und ausländischen Universitäten und ge¬ 
lehrten Gesellschaften. Es sind schon 35.000 Bände, Broschüren und 
Dissertationen beisammen. Aber die Benützung, erleidet noch immer 
einen Aufschub, da eine ungeheure Büchermasse zu inventarisieren 
und zu katalogisieren ist. In der Abteilung für Becht und Literatur 
wurde ein gewisses Sinken in der Benützung beobachtet. Das rührt 
davon her, daß zwischen der Bibliothek und den betreffenden Fakul¬ 
täten ein Weg von mehreren Minuten zurückzulegen ist, und davon, 
daß man neue Bäurpe eingerichtet hat, in denen die Bücher den 
Studierenden zur freien Benützung überlassen werden. 

Wir entnehmen anderswoher einige fSTachrichten über die Biblio¬ 
thek der Sorbonne, der Literatur- und mathematisch-physikalischen 
Fakultät der Pariser Universität. Kürzlich hat ein Geschenk der 
Budapester Akademie den im Entstehen begriffenen Grundstock der 
ungarischen Literatur vermehrt, der für dieses vor kurzer Zeit be¬ 
gründete Studium nötig ist. — Frau Eugene Manuel, die Witwe des 
General-Inspektors des öffentlichen Unterrichtes (1823—1904), hat 
neuerdings 1000 Bände französischer Literatur geschenkt, welche die 
Werke der hervorragendsten Dichter und Bomanschriftsteller ent¬ 
halten, mit denen Manuel, selbst ein Dichter, in Verbindung ge¬ 
standen. Viele dieser Bücher oder Broschüren sind, weil nur in ge¬ 
ringer Anzahl gedruckt, schon sehr selten geworden. 

Als ein Zubehör zur Bibliothek kann man das Archiv für Spra- 
chenphonogramme betrachten. Herr Emil Pathe, der wohlbekannte 
Industrielle, hat der Sorbonne das Anerbieten gemacht, daselbst ein 
Laboratorium für die Aufnahme von Sprachenphonogrammen auf 
seine Kosten einzurichten und wenigstens zehn Jahre hindurch das 
notwendige Personal und Material beizustellen. Diese sprechende 
Bibliothek, ein kostbarer Beitrag zur endgültigen Herstellung einer 
Lautlehre, wird unter der Obsorge des Professors Ferdinand Brunot 
eingerichtet werden. Außerdem hat die Unternehmung Gaumont 
die Pariser Universität mit einem kinematographischen Material von 
Augenblicks- und Projektionsaufnahmen versehen. 

Die Bibliotheque de Y Fcole des hautes Etudes, Sciences histori- 
ques et philologiques, Heft 200, Paris, Bouillon, 1912, veröffentlicht 
die 1. Lieferung des Katalogs der Bibliothek von Gaston Paris von 
L. Barrau-Dihigo. Man weiß, daß diese Sammlung außerordentlich 
reich ist an Werken über die romanischen Sprachen und daß ihr ehe- 






Französischer Brief 


233 


maliger Besitzer sie der Ecole des Haut,es Etudes, die ihren Sitz an 
der Sorbonne hat, vermacht hat. 

Herr Jean Gautier, Bibliothekar an der Pariser Rechtsfakultät, 
veröffentlichte soeben eine 2. durchgesehene und vermehrte Auflage 
seines Buches: Eos bibliotheques publiques, leur Situation legale, 
avec appendice contenant les decrets, arrotes et circulaires relatifs aux 
bibliotheques publiques parus dans ces vingt dernieres annees. (Paris. 
Marcel Riviere.) 

Demnächst erscheint ein Eachtrag zu dem Handschriftenkatalog 
der Bibliothek des Arsenals (Paris). Einstweilen gibt Herr Paul Des- 
landres einen kurzen Überblick der Eeuerwerbungen in dem Bulletin 
de h Association des Bibliothecaires francais, VI, 4 (1912), S. 66 bis 
71. Herr Paul Marais von der Bibliothek Mazarine entwickelt ebd. 
S. 64—66 einen Vorschlag, der eine bessere Verwertung der 
Dubletten bezwecken will, von denen die öffentlichen Bibliotheken 
eine sehr große Zahl, oft an die Tausende, besitzen. (Die drei Pariser 
bei 60.000). Man möge aus ihnen eine Wanderbibliothek für die 
Gelehrten in der Provinz schaffen. Die Versendung soll durch Post¬ 
pakete geschehen, für die man die Portofreiheit zu erwirken trachten 
solle. Unter einem würde man dadurch in den überfüllten Maga¬ 
zinen Platz für die Eeuanschaff ungen gewinnen, für die jetzt kein 
Raum vorhanden ist. 

Eine Verordnung vom 23. Juni 1912 gewährt den städtischen 
Bibliothekaren mehr LTnabhängigkeit und mehr Freiheit bei ihren 
Anträgen in den Aufsiehts- und Ankaufsausschüssen. Siehe die Erläu¬ 
terungen dazu von Herrn Charles Mortet von der Ste Genevieve- 
Bibliothek, ebd. S. 59—63. 

Das Verordnungsblatt des Ministeriums für den öffentlichen 
Unterricht vom 4. Mai 1912, S. 622, veröffentlicht — endlich! — 
das Verzeichnis von 38 eingereihten (classeesl Stadtbibliotheken; 
d. s. solche, die der Aufsicht des Staates unterstellt sind. 

Die Stadtbibliothek von Reims hat unlängst ein Geschenk von 
etwa 20.000 Bänden erhalten, die aus dem Eachlaß des Senators 
Viktor Liancourt stammen, darunter 2000 Werke aus der Literatur 
des 18. und 19. Jahrhunderts in wundervollen Einbänden. 

In den Annales universitaires de Y Algerie I, 1 (1912) berichtet 
Herr Gabriel Esquer über den sehr kläglichen und unzulänglichen 
Zustand der öffentlichen Bibliotheken von Algier und erläßt an jeder¬ 
mann einen sehr dringenden Aufruf zu ihren Gunsten. Es gibt in 
Algier eine Eationalbibliothek und vier städtische: Algier, Bone, 
Constantina und Oran; der Rest ist ohne Bedeutung. 

Paul Hildenfinger (1874—1912) von der Eationalbibliothek. 

— Emile Delerot (1834—1912), Bibliothekar an der Arsenalbiblio¬ 
thek, später in Versailles, wo er der Anstalt alle in seinem persön¬ 
lichen Besitz befindlichen Bücher überließ. Er hat als erster eine ge¬ 
naue Übersetzung der Gespräche Goethes mit Eckermann geliefert, 

— Charles Rmile Rnelle (1833—1912), Ehren-Administrator der 
Bibliothek Ste Genevieve, geschätzter Hellenist, Verfasser einer all- 

17 


Literatur. 


Städtische 

Bibliotheken. 


Necrologie. 







234 


Rundschau der Fremde 


Universitäts- 

Bibliothek. 


gemeinen Bibliographie Galliens und einer jährlichen Bibliographie 
der griechischen Studien, welche die Revue des Ütudes grecques ver¬ 
öffentlichte. 

Paris. Dr. Viktor Chapot. 

(Aus dem Ms. des Verf. übersetzt von Prof. Dr. M. Gr ölig sen.) 


NORWEGISCHES BIBLIOTHEKSWESEN. 

Verglichen mit anderen Kulturländern datieren die wissen¬ 
schaftlichen Bibliotheken in Norwegen von einem verhältnismäßig 
späten Zeitpunkt. In der langen Periode politischen und geistigen 
Todes, weiche das norwegische Volk durchlebte, bevor es in der zwei¬ 
ten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu neuem Leben erwachte, konnte 
von öffentlichen Bücher Sammlungen irgend einer Art nicht die Rede 
sein. Das Land war ohne eine Universität, ohne einen geistigen 
Mittelpunkt. Die wenigen literarisch interessierten oder wissen¬ 
schaftlich veranlagten Männer mußten sich ins Ausland, hauptsäch¬ 
lich nach Kopenhagen, begeben, um ihre Studien zu betreiben. Privat¬ 
bibliotheken von einiger Bedeutung waren außerordentlich selten. 

Die erste auf dem'Gebiete des Bibliothekswesens gereifte Frucht 
der nach der Mitte des 18. Jahrhunderts erwachenden nationalen 
Stimmung, welche immer mehr nach Befreiung der Wissenschaft¬ 
lichkeit strebte, war die Errichtung einer Bibliothek im Anschluß an 
die im Jahre 1760 gestiftete Gesellschaft der Wissenschaften zu 
Drontheim. Diese Bibliothek besteht noch heute und zählt jetzt wohl 
100.000 Bände. 

Die zweite öffentliche Bibliothek aus dieser Zeit, die genannt zu 
werden verdient, ist „Die Deichmansche Bibliothek“, welche von 
dem Kanzleirat Carl Deiehman der Stadt Kristiania testamenta¬ 
risch vermacht und 1785 dem öffentlichen Gebrauche übergeben wor¬ 
den ist. Über das Schicksal dieser Bibliothek wird man näheres 
weiter unten bei Besprechung der norwegischen Volksbibliotheken 
erfahren. 

Als Norwegen endlich im Jahre 1811 seine eigene Universität 
erhielt, mußte natürlicherweise sogleich Veranstaltung getroffen wer¬ 
den, daß die wichtigste von allen Sammlungen einer Universität, eine 
Bibliothek, zustande gebracht werde. Unsere neue Universität hatte 
das Glück, zwei bedeutende Schenkungen zu erhalten, die den Grund¬ 
stock der Bibliothek bilden. Die eine dieser Schenkungen bestand in 
einer Sammlung-Dubletten der „Großen königlichen Bibliothek“ in 
Kopenhagen, im ganzen ungefähr 30.000 Bände, welche vom König 
Fredrik VI. gespendet wurden; ein nicht geringer Teil dieser Samm¬ 
lung hatte zur Bibliothek des bekannten dänischen Historikers Suhm 
gehört. Ferner wurde der Universität von dem Norweger Kanzleirat 
Hai vor Andersen eine ausgezeichnete Sammlung von 15.000 Bänden, 
zumeist nordische Geschichte und Statistik betreffend, geschenkt. 
Durch einzelne andere Spenden und durch Ankäufe vermehrt, er¬ 
reichte der Grundstock der Universitätsbibliothek einen Bestand von 





Norwegisches Bibliothekswesen 


235 


ungefähr 60.000 Bänden. Die Bibliothek wurde 1815 für die Ent¬ 
lehnung geöffnet, erhielt jedoch erst ein paar Jahre später ein eigenes 
Lokal mit Lesezimmer in einem dem Staate gehörigen Hof in der 
Hauptstadt. Der erste Bibliothekar der Universität war der aus der 
Geschichte Norwegens bekannte Professor Georg Sverdrup, welcher 
1845 von E. W. Keyser abgelöst wurde. Die argen ökonomischen 
Schwierigkeiten, unter denen das Land in der ersten Zeit seiner 
neuen Selbständigkeit zu leiden hatte, wirkten auch hemmend auf 
die Entwicklung der Universitätsbibliothek. Dennoch muß gesagt 
werden, daß die bewilligenden Behörden im ganzen und großen Ver¬ 
ständnis für die Bedeutung der Universitätsbibliothek nicht allein 
als eines wissenschaftlichen Hilfsmittels für die Lehrer und Studie¬ 
renden, sondern auch als einer N ationalbibliothek besessen 
haben. So war bereits von der ersten Zeit an die Universitätsbiblio¬ 
thek für Entlehnungen nicht nur den Bewohnern Kristianias, son¬ 
dern auch den außerhalb der Stadt Wohnenden zugänglich, und diese 
letztere Seite ihrer Tätigkeit hat mit den Jahren stark zugenommen. 
Gleichzeitig hatte die Bibliothek bei ihren Bücher anschaffungen, 
unter Wahrnehmung der Bedürfnisse der Wissenschaft auf allen Ge¬ 
bieten in erster Linie, immer ihr Augenmerk auch auf die Erwer¬ 
bung von Büchern gerichtet, die für die Kultur des Landes im allge¬ 
meinen von Bedeutung sein konnten. In einer Hinsicht, aber auch 
einer sehr wichtigen, ist jedoch die Universitätsbibliothek unzurei¬ 
chend ausgestattet gewesen, nämlich hinsichtlich des Personals, und 
wegen dieses Mangels konnte es nicht vermieden werden, daß die 
Tätigkeit der Bibliothek auf verschiedenen Gebieten gelähmt wurde. 

In der Zeit von 1850—1851 über siedelte die Bibliothek in das 
eine der drei neuen Gebäude, die für die Bibliothek nach den Zeich¬ 
nungen des Architekten Grosch unter Mitwirkung des deutschen 
Architekten K. F. Schinkel aufgeführt worden waren. Dieses 
Bibliotheksgebäude, für das wohl die kurz vorher erbaute ,,Hof- und 
Staatsbibliothek in München teilweise als Vorbild diente, ist nicht 
nur ein schönes Bauwerk, sondern war für seine Zeit auch eine be¬ 
sonders praktisch angeordnete Bibliothek. 

Unter dem im Jahre 1876 angestellten Chef der Universitäts¬ 
bibliothek, Oberbibliothekar A. C. Drolsum, der sich noch jetzt in 
dieser Funktion befindet, hat die Bibliothek eine sehr bedeutungsvolle 
Periode von Erweiterungen und Beformen durchlaufen. So wurde 
durch ein Gesetz vom Jahre 1882 eine eigene Abteilung für die natio¬ 
nale Literatur mit zwangsweiser Ablieferung von Druckschriften von 
den Buchdruckereien des Landes errichtet. Ein neuer Lesesaal wurde 
eingerichtet und das Gebäude mit einer Heizungs- und einer 
elektrischen Beleuchtungsanlage versehen. Ferner ging man an die 
Arbeit, um einem äußerst fühlbaren Mangel abzuhelfen, dem Mangel 
eines systematischen Kataloges nämlich, da die Bibliothek früher nur 
einen alphabetischen Autorenkatalog auf Zetteln und gedruckte jäh r¬ 
liche Zuwachsverzeichnisse besaß. Bisher umfaßte diese Arbeit die 
Abteilungen Philologie und Naturwissenschaft, wovon große Teile 

17* 




236 


Rundschau der Fremde 


systematisiert worden sind; die Titel werden in Protokolle einge¬ 
tragen, ans denen die überfüllten Blätter einzeln herausgenommen 
und durch neue ersetzt werden können. Der wichtigste Schritt, der 
unter der energischen Leitung dieses Chefs unternommen wurde, ist 
jedoch die Erwirkung des Baues eines Ueugebäudes für die Biblio¬ 
thek. Obgleich das 1850 eingeweihte Bibliotheksgebäude nur für 
250.000 Bände berechnet war, erwies es sich in seiner Anlage als so 
zweckmäßig, daß man durch Anwendung des Magazinssystems Platz 
für beiläufig die doppelte Anzahl von Bänden finden konnte. Be¬ 
dauerlicherweise ließ es sich ohne allzugroße Kosten nicht durch¬ 
führen, die alte Bibliothek durch einen Zubau zu erweitern. Auf dem 
Platze, auf dem sich das neue Gebäude jetzt im Bau befindet, wird 
die Bibliothek zwar eine ausgezeichnete Lage an und für sich haben; 
allein sie wird von ihrer intimen Verbindung mit der Universität 
losgerissen sein. Die Übersiedlung dürfte im Jahre 1914 stattfinden. 

Die Universitätsbibliothek zählt jetzt ungefähr 495.000 Bände. 
Sie erhält eine jährliche Staatssubvention von 50.000 Kroner für 
Anschaffung von Büchern und sächliche Auslagen sowie 34.000 
Kroner für Entlohnungen. Im Jahre 1911—1912 wurden aus der 
Bibliothek ungefähr 18.000* Bände entliehen; die Anzahl der Besucher 
des Lesesaales betrug ungefähr 31.000. 1 ) 

Andere u Von anderen größeren öffentlichen Bibliotheken wissenschaft- 
wissensdiaft- licher oder halbwissenschaftlicher Art können die Bibliothek der 
liehe Bsblio- Kristiania Katliedralschule (ungef. 31.000 Bde.), die Bibliothek 

Theken. des Stortings (ungef. 40.000 Bde.) und die mit dein ,,norwegischen 
Kobelinstitut“ verbundene Bibliothek (ungef. 20.000 Bde.), alle in 
Kristiania, genannt werden; die zwei letzterwähnten enthalten 
wesentlich staatswissenschaftliche, juridische und historische Lite¬ 
ratur. In Bergen befindet sich eine Bibliothek von ungefähr 
53.000 Bänden beim Bergenser Museum; in Drontheim die oben ge¬ 
nannte Bibliothek der Gesellschaft der Wissenschaften. 

Volks- Im Gegensätze zu den wissenschaftlichen Bibliotheken des Lan- 

bibliotheken. des reichen die norwegischen Volksbibliotheken im Vergleich mit dem 
übrigen Europa verhältnismäßig weit zurück in der Zeit. Bereits um 
das Jahr 1800 gab es in einzelnen Teilen des Landes kleine öffentliche 
"BücherSammlungen, deren Errichtung wesentlich rationalistischen 
Geistlichen zu verdanken war. Die im Jahre 1809 gestiftete „König¬ 
liche Gesellschaft für das Wohl Korwegens“ versuchte durch ihre 
vielen Abteilungen Landbibliotheken im ganzen Lande zu gründen; 
allein erst nachdem der junge Dichter Henrik Wergeland mit Be¬ 
geisterung begonnen hatte, für die Sache der Volks aufklär ung zu 
sprechen, und nachdem die Gemeinden des Landes durch das Gesetz 
vom Jahre 1837 kommunale Selbstverwaltung erhalten hatten, kam 
einiges Leben in diese Bewegung. Zu diesem Zeitpunkte wurde das 
erste Mal eine Aufforderung an den Staat gerichtet, diesem Zweig 

9 Über die Geschichte der Universitätsbibliothek vgl. A. C. Drolsum, 
Universitets-Bibliotheket 1811—1911. Del 1 afdeling 1 und del 2. Kristiania 1911. 




\ 


Norwegisches Bibliothekswesen 237 


der Volksaufklärung seine Unterstützung angedeihen zu lassen, und 
im Jahre 1841 spendete das Kirchen- und Unterrichtsdepartement 
ungefähr 7000 Kroner für diesen Zweck. In den folgenden dreißig 5 
Jahren bewilligte das Storting (die NationalerSammlung) ah und 
zu einen kleinen Betrag für dieselbe Sache, und seit 1876 wurde jedes 
Jahr eine Subvention für die Volksbibliotheken ins Staatsbudget ein-, 
gestellt. Die Subvention für das Finanzjahr 1912—1913 beträgt 
56.600 Kroner. 

Obgleich diese Unterstützung von Seiten des Staates in hohem. 
Grade dazu beitrug, die Errichtung von Volksbibliotheken, insbeson¬ 
dere in den kleinen Landgemeinden, zu fördern, waren die Biblio¬ 
theksverhältnisse im großen und ganzen doch unbefriedigend. Die 
Bibliothekare besaßen keinerlei Ausbildung und es gab keine Kata¬ 
loge von Büchern, die für diese Bücher Sammlungen geeignet gewesen 
wären. Die Folge war, daß die Bücher oft auf gut Glück bei Anti¬ 
quariatsbuchhändlern gekauft wurden und dann sich als Lektüre für 
das große Publikum sehr wenig geeignet erwiesen. Hiezu kam noch, 
daß das Kirchen- und Unterrichtsdepartement, zu dem die Volks-, 
bibliotheken ressortieren, keine effektive Kontrolle über sie hatte/ 
Um diesem und anderen Mängeln abzuhelfen, setzte das Departement; 
1901 ein Bibliothekskomitee ein, das im selben Jahre sein Gutachten' 
abgab, welches den Beifall des Departements fand. Die Ordnung,, 
welche auf Grund des Komitee-Vor Schlages 1903 eingeführt wurde, 
blieb in ihren Hauptzügen auch ferner in Geltung. Ich werde unten, 
eine kurze Darstellung der Organisation und Wirksamkeit der nor¬ 
wegischen Volksbibliotheken geben, wie sie sich nach dem 1903 
durchgeführten System geformt hat. 

Es gibt jetzt ungefähr 950 staatlich unterstützte Volksbiblio¬ 
theken in Norwegen. Von diesen sind 903Landbibliotheken, 47 Stadt¬ 
bibliotheken. Sie enthalten zusammen wohl 650.000 Bände. Die Land¬ 
bibliotheken sind zumeist sehr klein; die weitaus meisten von ihnen 
besitzen weniger als 1000 Bände. Wenn von Landbibliotheken di e 
Rede ist, muß bemerkt werden, daß diese nicht etwa Dorfbibliotheken, 
sind, da die norwegische Bevölkerung in der Regel nicht in Dörfern,; 
sondern zerstreut ringsumher auf ihren Höfen wohnt. Nur an der 
Küste hat die Fischerbevölkerung an einigen Stellen dorfartige 
Häusergruppen gebildet; in der letzten Zeit ist auch eine Art von 
Dörfern im Innern des Landes in der Umgebung industrieller An¬ 
lagen entstanden. Bei Beurteilung der Tätigkeit unserer Land-, 
bibliotheken ist auch in Betracht zu ziehen, daß Norwegen das am 
dünnsten bevölkerte Land Europas ist (ungefähr 7 Einwohner per 
Quadratkilometer, während die durchschnittliche Anzahl für Europa 
40 Einwohner per Quadratkilometer beträgt). Man wird leicht ver¬ 
stehen, daß diese Umstände der Zirkulation der Bücher große Hin¬ 
dernisse in den Weg legen. 

Jedes Jahr gibt das Kirchen- und Unterrichtsdepartement 
jeder Bibliothek, die um eine Staatssubvention ansucht, einen 
Betrag. Aus Gründen, die später angeführt werden, senden’ 










238 


Rundschau der Fremde 


- >■' 


jedoch nur gegen zwei Drittel aller bestehenden Volksbibliotheken 
alljährlich ein Gesuch ein, und die Summe, die das Departement ver¬ 
teilt, beläuft sich durchschnittlich wohl auf 70 Kroner für jede ein¬ 
zelne dieser Bibliotheken. 

Die Bedingungen, welche das Departement an seine Bei¬ 
träge knüpft, sind im wesentlichen folgende: Jede kommunale 
Volksbibliothek mit lokalem Beitrag bis 200 Kroner erhält 
■einen entsprechenden Betrag vom Staate. Wird einer Biblio¬ 
thek eine Subvention zuteil, die größer ist als 200 K, so 
erhält sie als Staatsbeitrag zuerst 200 K sowie weitere 50% von 
dem, was durch lokale Beiträge über 200 K hinaus zustande- 
gebraclit wird. Der höchste Staatsbeitrag, der einer Gemeindebiblio¬ 
thek oder sämtlichen Bibliotheken zugestanden werden kann, beträgt 
500 K. Dieser sogenannte ,,lokale Beitrag“ wird gewöhnlich von 
der Gemeindeverwaltung, bisweilen von einer Sparkasse oder einem 
ähnlichen Institut bewilligt; nicht selten wird der Betrag durch 
eine Sammlung innerhalb eines Jugendvereines zustande gebracht. 
Infolge dieser Bedingung suchen viele Gemeinden, besonders die 
armen, nur etwa jedes zweite Jahr um den Staatsbeitrag an. Jede 
Bibliothek soll eine Leitung von mindestens drei Mitgliedern haben, 
die von der Gemeindevorstehung gewählt werden. Die Bibliotheks¬ 
leitung hat an das Departement einen jährlichen Bericht über die 
Tätigkeit der Bibliothek einzusenden sowie eine genaue Verrech¬ 
nung über die Geldmittel abzulegen, die vom Departement und von 
der Gemeindevorstehung bewilligt worden sind. Die Bibliothek 
muß Eigentum der Gemeinde sein. Endlich stellt das Departement 
eine Bedingung, die für die norwegischen Volksbibliotheken charak¬ 
teristisch ist: die Bücher, welche für die Bibliotheken von dem 
Staatsbeitrage angekauft werden, müssen nämlich aus dem Katalog 
(Musterkatalog) ausgewählt werden, der vom Departement heraus¬ 
gegeben wird. Da die Verleger, besonders die angesehensten, von 
diesem Arrangement einen bedeutenden Vorteil ziehen, räumen sie 
für die Bücher, welche in den Katalog aufgenommen werden, einen 
Kabatt von durchschnittlich 20 bis 25% ein. Von dem Gelde, das 
die Gemeinden selbst beschaffen, können die Bibliotheken Bücher 
nach ihrem Belieben ankaufen; sie haben jedoch, wenn sie Bücher 
kaufen, die nicht in den offiziellen Katalog aufgenommen sind, ein 
Verzeichnis dieser Bücher an das Departement einzusenden. In 
sehr großer Ausdehnung wird jedoch der lokale Beitrag dazu ver¬ 
wendet, Bücher nach dem Kataloge anzuschaffen und die Tendenz 
geht immer mehr nach dieser Sichtung. 

Der Katalog wird vom Departement mit Unterstützung von be¬ 
kannten Literaturkritikern und Männern der Wissenschaft heraus¬ 
gegeben. Der erste Hauptkatalog, der 1903 herausgegeben wurde, 
enthielt ungefähr 3000 Werke. Sie sind nach Deweys System klassi¬ 
fiziert und haben Autorennummern nach den Cutterschen Tabellen. 
Bisher ist jedes dritte Jahr ein solcher Handkatalog herausgegeben 





Norwegisches Bibliothekswesen 


239 


worden, in den beiden dazwischen liegenden Jahren je ein Nach¬ 
tragskatalog, der die Literatur des letzten Jahres umfaßt. 

Alle von den Bibliotheken nach den Katalogen bestellten Bücher 
werden in eine Buchbinderei geschickt, die unter der Kontrolle des 
Departements steht und wo sie in einen soliden Leinwandband ge¬ 
bunden werden. Jedes Buch wird mit einem Ex-libris, einer Buch¬ 
karte und einer „Tasche“ versehen. 

Auf diese Weise hat sich das Departement die Sicherheit ver¬ 
schafft, daß jedenfalls der Staatsbeitrag für Bücher auf gewendet 
wird, die es wert sind, gelesen zu werden, und die auch gut einge¬ 
bunden sind. 

In der Leitung der Volksbibliotheken erhält das Departe¬ 
ment den Beistand eines Fachmannes (Konsulenten) ; von 
1903—1906 fungierte als solcher der Bibliothekar an der Deich¬ 
manschen Bibliothek Hakon Nyhuus, seit 1906 versieht diese 
Punktion der Unterzeichnete. Die Tätigkeit des Departements auf 
diesem Gebiete besteht wesentlich in folgendem: Verteilung des 
Staatsbeitrages; Kontrolle der Bibliotheken (Durchsicht ihrer Jah¬ 
resberichte und Bechnungen) ; Inspektion der Volksbibliotheken 
durch den Konsulenten des Departements und kompetente Biblio¬ 
thekare ; Propaganda für Errichtung neuer Bibliotheken durch Vor- 
träge, persönliche Einflußnahme usw., Beistand bei Errichtung 
neuer Büchersammlungen und bei Beorganisation alter; Herausgabe 
des erwähnten Kataloges; Einberufung jährlicher Versammlungen 
von Bibliothekaren; Herausgabe einer Bibliotheks-Zeitschrift („Eor 
folke-og barneboksamlinger“, d. h. Für Volks- und Kinder-Bücher- 
sammlungen, seit 1907, eine Quartalschrift) ; Errichtung zweck¬ 
mäßiger Ausbildungskurse für Bibliothekare. 

Mit Ausnahme einiger Stadtbibliotheken und ganz vereinzelter 
Landbibliotheken befinden sich die meisten Volksbibliotheken noch 
auf einer ziemlich primitiven Stufe. So haben wir keine Volksbiblio¬ 
thek, die ihr eigenes Gebäude besitzt. In dieser Hinsicht wird aber 
doch in nicht langer Zeit eine Veränderung geschehen. Die Ge¬ 
meinde von Kristiania hat einen Betrag von 75.000 Kroner be¬ 
willigt für eine Eilialbibliothek, die im Jahre 1913 fertig sein wird, 
und es werden auch die vorbereitenden Schritte unternommen, um 
der Zentralbibliothek (der Deichmanschen Bibliothek) ein Gebäude 
zu verschaffen, das dieser bedeutenden Institution würdig ist. Bor¬ 
gens öffentliche Bibliothek disponiert über eine Summe von über 
100.000 Kroner für ein neues Gebäude und wartet nur darauf, daß 
die Frage des Bauplatzes gelöst werde. Die Volksbibliothek von 
Kristiansand besitzt ebenfalls einen nicht unbedeutenden Baufonds. 
In Drammen hat die städtische Sparkasse einen Platz und die not¬ 
wendigen Mittel zur Erbauung einer Volksbibliothek zur Verfügung 
gestellt, und an mehreren Orten wird daran gearbeitet, der Biblio¬ 
thek, wenn auch kein eigenes Gebäude, so doch wenigstens ein 
.zweckentsprechendes Lokal zu verschaffen. In der Begel sind die 
Bibliotheken jetzt in einem Schulhause oder im Gebäude des Ge- 



240 


Rundschau der Fremde 


meindeamtes, auf dem Lande oft auch in der Kirche oder in der 
Wohnung des Bibliothekars untergebracht. Kur in einigen größeren 
Städten und einigen wenigen anderen Orten auf dem Lande ist mit 
der Bibliothek ein Lesezimmer verbunden. 

In den Landbezirken ist in der Kegel der Lehrer Bibliothekar. 
Sehr oft erhält er keine Entlohnung für seine Arbeit. Einige Biblio¬ 
theken heben von den Entlehnern eine Gebühr ein, die zur Be¬ 
zahlung des Bibliothekars verwendet wird. An den größeren Stadt¬ 
bibliotheken werden jetzt nur fachlich ausgehildete Bibliothekare 
angestellt; diese haben gewöhnlich eine amerikanische Bibliotheks¬ 
schule absolviert und an amerikanischen Bibliotheken praktiziert. 
Den Bibliothekaren an den kleineren Stadtbibliotheken und an den 
Landbibliotheken hat es bisher an jeder fachlichen Ausbildung ge¬ 
fehlt. Um diesem Übelstande abzuhelfen, hat man dahingearbeitet, 
an den Lehrerschulen (Seminarien) kurze Kurse in der Bibliotheks¬ 
lehre einzuführen, da wie erwähnt, die Stelle des Bibliothekars sehr oft 
von Lehrern eingenommen wird. Solche Kurse sind zum erstenmal 
im vorigen J ahre an zwei Lehrerschulen ahgehalten worden; es be¬ 
steht die Absicht, allmählich jährliche Kurse an allen Lehrerbil¬ 
dungsanstalten und bei den regelmäßigen kurzen Sommerkursen für 
Lehrer einzuführen. 

Das Entlehnungssystem, welches hei den norwegischen Volks¬ 
bibliotheken angewendet wird, ist im allgemeinen sehr einfach. 
Wegen des geringen Bücherbestandes und der verhältnismäßig weni¬ 
gen Entlehner ist bisher nur ein geringes Bedürfnis vorhanden ge¬ 
wesen, ein modernes Entlehnungssystem einzuführen. Der Fort¬ 
schritt der Bibliothekshewegung in den letzten Jahren hat jedoch 
auch auf diesem Gebiete bedeutende Veränderungen herbeigeführt. 
Alle neuen Stadtbibliotheken führen jetzt das amerikanische Karten¬ 
system und „offene Regale“ („open access“) ein, und verschiedene 
ältere Bibliotheken, die nach 1903 reorganisiert worden sind, folgen 
den englisch-amerikanischen Vorbildern. Seihst an den Bibliotheken 
der Landdistrikte gewinnen diese praktischen Entlehnungssysteme 
allmählich an Verbreitung. 

Der vom Departement herausgegehene Katalog bleibt im Satz 
stehen, so daß die Bibliotheken ihre Jahreskataloge zu einem billigen 
Preis nach jenem drucken lassen können. Die Katalogskarten (intern. 
Format 7,5 X 12,5) werden ebenfalls nach diesem Satz gedruckt und 
zum Preise von 3 Ore per Stück verkauft. Diese Katalogform ist für 
unsere Bibliotheken noch ungewohnt und hat nicht die Verbreitung 
gefunden, die sie verdient. 

Einer der erfreulichsten Züge an der neuen Bibliothekshewe¬ 
gung in Norwegen ist die Gründung oder Reorganisation mehrerer* 
Stadtbibliotheken nach ganz modernen Prinzipien. Die Bibliothek, 
welche hier eine leitende Stellung eingenommen hat, ist die oben ge¬ 
nannte Deichmansche Bibliothek in Kristiania, die, nachdem sie 
eine Reihe von Jahren hindurch ein sehr zurückgezogenes Dasein 
geführt, im Jahre 1898 nach amerikanischem Muster reorganisier! 







Norwegisches Bibliothekswesen 


241 


worden ist. Diese Bibliothek ist unter der energischen Leitung des 
in Amerika ausgebildeten Bibliothekars Haakon Nyhuus seit dem 
genannten Jahre der Gegenstand für eine Beihe von Erweiterungen 
und Verbesserungen gewesen, die eben ihren Einfluß vermehrt 
haben. Ihre Entlehnungen sind von 174.000 im Jahre 1899 auf 
585.000 im Jahre 1911 gestiegen. Sie hat einen Bücherbestand von 
100.000 Bänden und ein Budget von ungefähr 80.000 Kroner. — 
Gut ausgestattete und geleitete Volksbibliotheken finden sich auch 
in Bergen, wo jedoch die Unzweckmäßigkeit des Lokales einer be¬ 
friedigenden Wirksamkeit große Hindernisse in den Weg legt; in 
Drontheim, Bestand 27.000 Bände, Entlehnungen (1911) : 153.000 
Bände, Budget 16.000 Kroner; in Kristiansand, Bestand ungefähr 
7000 Bände, Entlehnungen (1911) : 58.000 Bände, Budget 6000 K; 
in Tönsberg, Bestand 2650 Bände, Entlehnungen (1911) : 22.000 
Bände, Budget 2000 Kroner; in Hamar, Bestand 5400 Bände, Ent¬ 
lehnungen (1911) : 23.000 Bände, Budget 3400 Kroner. 

Eine vollständige Statistik für das ganze Land besitzt man noch 
nicht. Auf Grund der Daten, die für das Jahr 1910 vorliegen, hatten 
die Stadtbibliotheken zusammen einen Bücherbestand von 349.000 
Bänden, die Landbibliotheken einen solchen von 304.000 Bänden; 
Gesamtsumme: 653.000 Bände. Die gesamte Anzahl der entlehnten 
Bände betrug 1,411.000 oder durchschnittlich wohl ein Band für 
jeden zweiten Einwohner. In den Städten wurde 1‘68 Band, auf 
dem Lande 0'18 per Einwohner entlehnt. Der Aufwand betrug 1909 
pro Einwohner rund 1% Öre auf dem Lande, 14 Öre in den Städten. 
Die höchste in einer Stadt per Einwohner entlehnte Zahl von Bän¬ 
den ist 3'28 (Hamar, 1910). 

Im großen und ganzen genommen darf man sagen, daß die im 
Jahre 1903 eingeführte Ordnung augenscheinlich die Bedingungen 
besitzt, um das Wachstum der Volksbiliotheken zu fördern. Es hat 
nicht nur ihre Anzahl bedeutend zugenommen, 950 im Jahre 1910 
gegen 690 im Jahre 1903, so daß von den 600 Landgemeinden Nor¬ 
wegens jetzt nur 49 und von den Städten nur 8 ohne Volksbibliothek 
sind, sondern — was noch wichtiger ist — es hat sich auch immer 
mehr die Überzeugung Bahn gebrochen, daß unser Land vielleicht 
mehr als irgend ein anderes guter Volksbibliotheken bedarf, und 
daß an ihre Leitung und Austattung höhere Ansprüche gestellt 
werden müssen als bisher. 1 ) 

In einem Lande mit so zerstreuter Bevölkerung wie Norwegen 
müßten besondere Bedingungen für die Einführung kleiner Wander¬ 
bibliotheken vorhanden sein. Bisher sind solche jedoch noch nicht 
in größerer Anzahl angeschafft worden; allein es herrscht eine be¬ 
ständig zunehmende Nachfrage nach ihnen. Für die Arbeiter der 
staatlichen Eisenbahn- und Weganlagen hat man seit längerer Zeit 
Wanderbibliotheken (zu 30 Bänden) eingeführt, die vom Departe- 

x ) Literatur: Karl Fischer, J. V. Heiberg, Haakon Nyhuus, „Folkebogsam- 
linger i Norge. Deres historie, nuvärende tilstand og forsleg til en ny ordning“. 
(Kristiania 1901). 


Wanderbiblio¬ 

theken. 




242 


Besprechungen 


Kinder- und 
Jugendbiblio¬ 
theken. 


ment für die öffentlichen Arbeiten administriert werden. Neulich 
hat man auch begonnen, an Lektüre für unseren zahlreichen See¬ 
mannsstand zu denken und einige Büchersammlungen zum Ge¬ 
brauche an Bord der Schiffe hinausgeschickt. Man besitzt aber 
noch zu wenig Erfahrung, um sich ein Urteil bilden zu können* 
wie dieser Versuch ausfallen wird und ob es wohl gelingen werde, 
die notwendige Kontrolle über diese ambulanten Bücher Sammlungen 
auszuüben. Endlich hat der Staat in den letzten Jahren einen Betrag 
(jetzt 2000 Kroner jährlich) zur Anschaffung von Wanderbiblio¬ 
theken bewilligt, welche vorzugsweise an jene armen Gemeinden 
geschickt werden, die entweder keine Volksbibliothek oder nur eine 
mangelhaft ausgestattete Biichersammlung besitzen. 

Seit einer längeren Leihe von Jahren sind mit den norwegischen 
Volksschulen Kinder-' und Jugendbibliotheken verbunden und seit 
1896 unter Kontrolle des Kirchendepartements einer sogenannten 
Zentralleitung unterstellt, die unter anderen aus Repräsen¬ 
tanten des norwegischen Lehrervereines besteht. Obmann der Zen¬ 
tralleitung ist seit 1896 Nordahl Rolfsen, der sich dieser Sache mit 
dem größten Interesse angenommen hat. Es gibt jetzt zwischen 
zwei- und dreitausend Schulen, die mit Jugendbibliotheken versehen 
sind. Der Staat bietet jährlich einen Zuschuß von ungefähr 19.000 
Kroner, großenteils in Form von Büchern. Für jeden Beitrag des 
Staates muß ein entsprechender lokaler Beitrag beschafft werden. 

Kristiania. Karl Fischer. 

(Aus dem Ms. übersetzt von J. C. Poestion.) 


BESPRECHUNGEN. 

Die Volksbücherei. Ihre Gründung, Einrichtung und Führung. Von 
W i lh elm B ö r n e r und Dr. E r i ch F r ank 1. Wien 1911. Hugo Heller 
u. Cie. VII, 54 S., 4 Beil. 

Die beiden Verfasser sind auch bei uns im Reich keine Unbekannten 
mehr, und so tritt man denn mit einigen Erwartungen an die Lektüre 
des Büchleins heran. Und in der Tat, die Kapitel über die Gründung 
des Bibliotheksvereins, über das Prinzipielle der Bücherauswahl u. a. sind 
höchst erfreulich. Die Darstellung ist dem Zwecke des Ganzen — näm¬ 
lich ein Führer für die nichtfachmännischen Interessenten und neben¬ 
amtlichen Bibliothekare zu sein — entsprechend knapp, klar und frisch. 
Das Buch ist gut orientierend, frei von jeder Engherzigkeit und reich 
an nützlichen Forderungen (z. B., daß man sich bei der Gründung, wie 
mit den Vertretern der übrigen Vereine, auch mit den Vertrauens¬ 
männern der Arbeiterschaft ins Einvernehmen setzen soll, — das würdige 
Auftreten der Bücherei auch nach außen — die Verantwortlichkeit und 
Schwierigkeit der Bücherauswahl gerade bei der kleinen Bibliothek — 
die Wichtigkeit der Leserdisziplin u. a.). Auch der Teil, der die eigent¬ 
liche Einrichtung und Verwaltung behandelt, ist an guten Einzelheiten 





Börner u. Frankl, Volksbücherei 


243 


reich, wenn man vielleicht auch hie und da etwas anderer Meinung sein 
kann. — Aber in einem sehr wichtigen Punkt läßt uns das Buch im 
Stich. Es ist jetzt vielleicht ein etwas unglücklicher Zeitpunkt für die 
Herausgabe eines solchen Büchleins. Das Volksbibliothekswesen befindet 
sich gerade in einem Übergangsstadium, neue Gedanken sind auf dem 
Wege, sich durchzusetzen, wichtige Entscheidungen stehen vor der Tür. 
Die neuen Reformbestrebungen, die auf Vertiefung des Lesens und auf 
individualisierend-literarische Anleitung in der Volksbibliothek hinaus¬ 
laufen, sind den Verfassern sicher nicht unbekannt. War doch der eine 
derselben selbst Referent auf dem IV. deutschen Volkshochschultag in 
Wien, wo auch diese Dinge eingehend diskutiert wurden. Die vollständige 
Ignorierung dieser Gedanken wird wohl einen anderen Grund haben. 
Sagt doch Herr Dr. Frankl in einer Besprechung der Verhandlungen des 
besagten Hochschultages (Jg. 1910, H. 1/2 ds. Zeitschr:): ,,Im allge¬ 
meinen wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis auch nur ein Teil 
von Hofmanns Forderungen sich wird erfüllen lassen.“ Er hält die¬ 
selben doch wohl — wie vielleicht auch viele andere, die der Sache 
fernstehen, mit ihm — für so etwas wie Zukunftsmusik, für eine Art 
von weltfremdem Idealismus, der sich nicht recht in die Praxis über¬ 
tragen läßt. — Dieser Auffassung kann der Berichterstatter, der mit 
mehreren Ausleihsystemen, auch mit dem Dresden-Plauener längere Zeit 
gearbeitet hat, nicht beipflichten. Die Forderungen Hofmanns wachsen 
vielmehr ganz aus der Praxis heraus und sind gerade nach der 
praktischen Seite besonders beachtenswert. — Heute muß von einem 
modernen Ausleihsystem doch schon gefordert werden, daß es neben 
der Kontrollbuchung auch das Bildungsprinzip mit berücksichtigt, 
das heißt, daß es den Ausleihbeamten über das geistige Niveau des 
einzelnen Lesers orientiert und ihm so die richtige Anknüpfung er¬ 
möglicht. 1 ) — Bei uns im Reich gewinnt der Gedanke der literarischen 
Anleitung im Volksbibliothekswesen Schritt für Schritt an Geltung. Biblio¬ 
theksgründungen und — Reorganisationen auf dieser Basis haben schon 
eingesetzt, neuerdings geben drei unserer größten Kulturgesellschaften, 
die die verschiedensten Ziele verfolgen und wohl noch nie in irgendeinem 
Unternehmen zusammengearbeitet haben (Dürerbund, Comeniusgesell- 
schaft, Zentralstelle für Volkswohlfahrt), gemeinsam von Hofmann be¬ 
arbeitete ,,Merkpunkte zum volkstümlichen Bibliothekswesen“ heraus 2 ). — 
Und auch in den Ländern der Österr. u. Ungar. Krone steht man diesen 
Dingen nicht mehr ferne. Ich verweise auf Josef Luitpold Stern ,,Das 
Wiener Volksbibliothekswesen“, S. 88 und aut die Einrichtung der Volks¬ 
bibliotheken in Budapest nach dem Dresden-Plauener System. — Daß 
die literarisch-individualisierende Anleitung auch gerade für kleine Ver¬ 
hältnisse in Betracht kommt, zeigt das Vorgehen der Sozialdemokraten 
in dieser Beziehung (s. Jg. 1911, S. 112). — Und auch Börner und 
Frankl kommen der Sache schon sehr nahe; sie hätten nur noch einen 
Schritt weiter gehen sollen. Heißt es doch auf S. 17 in vorzüglicher 
Weise: „Die Merkmale möchten wir dahin kennzeichnen, daß ein wert- 

b Vergl. darüber S. 178/179 des 1. Jahrgangs. 

2 ) Vgl. darüber o. S. 173. 




244 


Besprechungen 


volles gutes Buch den Leser immer in irgend effier Weise innerlich be¬ 
reichert.“ Es fehlt nur noch der — allerdings sehr wichtige — Zusatz: 
Aber nicht jedes gute Buch kann jeden Leser innerlich bereichern. Seine 
Wirkung ist vielmehr vom Vorhandensein bestimmter Apperzeptions¬ 
momente im Leser abhängig. Darum das richtige Buch dem richtigen 
Leser. — Diese Gesichtspunkte müssen auch bei der Beurteilung der 
übrigen Kapitel des Buches zugrunde gelegt werden. Richtig ist es, 
wenn als nebenamtliche Leiter der Bücherei vor allem Lehrer, dann 
auch Arbeiter, Studenten, Frauen empfohlen werden. Etwas prägnanter 
könnte man sagen: Als Leiter kommen nur Persönlichkeiten von einer 
gewissen Lebensreife und mit literarischen Interessen in Betracht, vor 
allem Lehrer, dann auch usw. Daß der Leihheller dem flüchtigen 
Lesen und Blättern entgegenwirkt, ist sicher richtig, auch mit der Monats¬ 
gebühr wird man, wo die Umstände es erheischen, gern einverstanden 
sein. — Die bibliographischen Angaben zeigen eine geschickte Be¬ 
schränkung auf das Wesentlichste. Unter den Musterverzeichnissen hätte 
wohl Wilhelm Bube: Die ländliche Volksbibliothek, Berlin 1909, noch 
genannt werden sollen. Leider häufen sich an einer Stelle die Druck¬ 
fehler gerade in Eigennamen etwas stark. — Der Gedanke, in der Aus¬ 
stattung des Buches gleich ein Muster für die Ausstattung der Biblio¬ 
theksbände zu geben, ist ein recht glücklicher. 

Charlottenburg. Dr. Karl Poe Ich au. 


Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft: VIII. IX. Seymour 
de Ricci. Catalogue raisonne des premieres impressions de Mayence 
(1445—1467), X. XI. Gottfried Zedier, Die Bamberger Pfister¬ 
drucke und die 36zeilige Bibel, Mainz, Verlag der Gutenberg-Gesellschaft 
1911. — 9. und 10. Jahresbericht der Gutenberg-Gesellschaft: Karl 
Schottenloher, Die liturgischen Druckdenkmäler in ihrer Blütezeit, 
Mainz, K. Theyer 1910. Hans Koegler, Über Bücherillustrationen in 
den ersten Jahrzehnten des deutschen Buchdruckes, Mainz, H. Prickarts 1911. 

Von den beiden neuen Publikationen der Gutenberg-Gesellschaft, 
die sich den früheren würdig anreihen, ist die eine zusammenfassender 
Natur und mit hauptsächlicher Rücksicht auf den Sammler und Biblio¬ 
philen geschrieben, während die Arbeit Zedlers der ältesten Geschichte 
der Gutenberg’schen Erfindung wieder ein Stück vorwärts hilft. 

Um der Frage nach dem Drucke der 36zeiligen Bibel näher zu 
rücken, zieht Zedier in seiner bekannten, skrupulös genauen Arbeits¬ 
weise die Tätigkeit des Bamberger Druckers Pfister in Untersuchung. 
Seitdem man diesem eine aktive Beteiligung an der Erfindung aberkannt 
hat, ist er mehr in den Hintergrund getreten, unverdienterweise schon 
deshalb, weil er der erste war, der die neue Kunst mit dem Holztafel¬ 
druck vereinigte und im Gegensatz zu den anderen Druckern seiner Zeit 
volkstümliche Bücher schuf. Der Bibeldruck ging jedenfalls den Pfister¬ 
drucken voraus, da in diesen die Type ebenso abgenützt erscheint, als 
zu Ende des Bibeldruckes. Um nun zu dem Jahre zu kommen, in das 





Veröffentlichungen der Gutenberg-Gesellschaft 


245 


frühestens die Vollendung der Bibel gesetzt werden könnte, stellt Zedier 
in einer Weise, die wohl jeden Widerspruch ausschließt, die chrono¬ 
logische Reihenfolge der Pfisterdrucke fest. Dabei verwendet er be¬ 
greiflicherweise nur die neun dem Pfister sicher zugewiesenen Drucke, 
also z.B. nicht den 28zeiligen Rosenthal’schen Donat, den Schwenke gleich¬ 
falls ihm zuerkannt hat, und andere. Auf die technische Untersuchung, die zu¬ 
gleich die Gelegenheit gibt, eine Reihe von Nebenfragen zu erledigen, 
und namentlich interessante Details über die den Text begleitenden 
Tafeldrucke auffindet, folgt gewissermaßen als Probe die Erörterung der 
Pfister’schen Textbehandlung in orthographisch-sprachlicher und stilistisch¬ 
sachlicher Beziehung. Danach erscheint als ältestes Produkt der Pfister- 
schen Offizin der Ackermann von Böhmen in erster Auflage, spätestens 
in der ersten Hälfte des Jahres 1460 hergestellt, als jüngstes der Belial 
des Jacobus von Theramo. 

Die persönlichen Beziehungen Pfisters zu seinen Werken zeigen ihn 
nicht als Pfadfinder und Letternkünstler, wohl aber als gebildeten und 
und schriftgewandten Mann, der seine Texte nach seinem Empfinden 
mehr oder weniger glücklich redigierte. Damit stimmt die überraschende 
Entdeckung Zedlers von der Existenz eines bischöflichen Sekretärs und 
Schreibers am Lehenshof in Bamberg, Albrecht Pfister, der nach allem 
mit dem Drucker ein und dieselbe Persönlichkeit ist. Der Einwand, 
warum sich gerade dieser bei seiner Stellung nicht wie alle anderen 
Drucker seiner Zeit in den Dienst der Gelehrsamkeit oder der Kirche 
stellte, hat wohl nichts zu besagen. Die gleichzeitige Existenz zweier 
ähnlich gearteter Männer desselben Namens aus demselben kleinen Orte 
gehört wohl zu dem Unwahrscheinlichsten. Es erklärt sich jetzt auch die 
kurzfristige Druckerpraxis Pfisters, der noch als bischöflicher Sekretär 
1460 zu drucken begann; 1466 wird er bereits unter den Toten 
geführt. 

Nach seinen fein geführten Untersuchungen über die Werke und 
die Person Pfisters kehrt Zedier zur Frage der 36zeiligen Bibel zu¬ 
rück. Pfister kann sie unmöglich hergestellt haben, da der erste in 
seiner Offizin geschaffene Druck weit hinter der Bibel zurücksteht. Daß 
diese aber in Bamberg gedruckt wurde, dafür sprechen nebst anderem 
Papier und Fundstellen, am wenigsten allerdings, wie es dem Ref. scheint, 
der Umstand, daß von Bamberg aus der Vertrieb stattfand, da Pfister 
mit den Lettern auch Exemplare der Bibel bekommen haben konnte. 
Zedier konstruiert die Hypothese von einem Aufenthalt Gutenbergs in 
Bamberg, wo er die Bibel eilig, daher mit wenig Kontrolle der Setzer 
druckte, und doch, wie sich aus der Handhabung der Type ergibt, den 
Druck überwachend. So ist dieser 1457—1458 entstanden. So schön 
diese Ausführungen sind, ist doch wohl damit das letzte Wort nicht ge¬ 
sprochen. Der Verfasser fühlt dies selbst md verspricht daher, nächstens 
von einer anderen Seite her dem Problem beizukommen. — 

Der Katalog Riccis gibt ein deutliches Bild des weiten Weges, 
den die Geschichte des Buchdrucks seit dem Erscheinen des Burger- 
schen Index zurückgelegt hat. Unter den 112 hier verzeichneten Nummern 
figurieren nur 66 bei Hain und Copinger; von den übrigen erscheinen 




246 


Besprechungen 


einige zum erstenmal. Mit Recht beschränkt der Verfasser den ohnehin 
beträchtlich angewachsenen Stoff auf die Zeit bis zum Tode des Fust, 
ohne dessen Sterbejahr als starre Grenze zu betrachten, wenn die Ver¬ 
wandtschaft des Druckes es erfordert. Ricci hält sich ungemein reserviert. 
Er verzichtet darauf, eigene Wege zu gehen oder im Zwiespalt der 
Meinungen die Stimme zu erheben, höchstens daß er gelegentlich be¬ 
scheiden seine Überzeugung andeutet. Das gerade gibt der Arbeit 
dauernde Bedeutung. Sie orientiert zwar über den gegenwärtigen Stand 
der Dinge, im übrigen aber weicht sie jeder Unsicherheit aus und 
ordnet die Drucke nicht nach ihren Urhebern, sondern nach der einzig 
sicheren Grundlage, ihren Typen. Der Wille des Verfassers, nach Kräften 
parteilos über die Probleme der Drucke zu referieren, bringt aber noch 
das andere gute mit sich, daß er gezwungen war, sich nach einer mög¬ 
lichst vollständigen bibliographischen Grundlage umzusehen. 1 ) Indessen 
legt Ricci nicht auf diesen ganz kostbaren Teil seiner Arbeit das Haupt¬ 
gewicht, vielmehr interessiert ihn am meisten ihre bibliophile Seite. Be¬ 
harrlich spürt er den einzelnen noch vorhandenen, wie den in der 
Literatur zwar genannten, doch heute verlorenen Exemplare der Mainzer 
Drucke und ihren Schicksalen nach, erzählt von den staunenswerten 
Preisen, die hiefür gezahlt wurden und inventarisiert mit liebevoller 
Sorgfalt das kleinste Fragment. So macht er seine Arbeit zu einem wert¬ 
vollen und vollkommenen Nachschlagebuch. — 

Auch die Jahresberichte der Gesellschaft von 1910 und 1911 ent¬ 
halten hübsche literarische Beiträge. Schottenloher schildert die hohe Be¬ 
deutung des liturgischen Buchdrucks und Verlages für die Entwicklung 
des Buchdrucks und Buchhandels an zahlreichen Beispielen. Der Aufsatz 
ist eine wirkungsvolle Illustration zur Anregung des Verfassers, die bis¬ 
her vernachlässigte ,gruppenweise Zusammenfassung und Erforschung 
der ihrem Inhalt und Zwecke nach zusammengehörigen gedruckten Er¬ 
zeugnisse“ besser zu pflegen. Koegler untersucht an einer Reihe von 
Basler Drucken das geistige Verhältnis der alten Zeichner zum Inhalt 
des zu illustrierenden Buches. Das künstlerische Interesse trat anfangs 
gegen das lehrhafte zurück. Der Zeichner zog den Hauptinhalt des Textes 
heran, um dem Beschauer das Verständnis des ganzen Vorgangs ohne 
Lesen des Textes zu vermitteln. 

Wien. Dr. Albert Hübl. 


Kritische Bücherkunde der deutschen Bildung. T. 1. Geisteswissen¬ 
schaften von Viktor Loewe. Weimar, 1912, A. Duncker. 

Das Büchlein erhebt mit seinen 174 Seiten Kleinoktav (ohne Re¬ 
gister) den Anspruch, dem Gebildeten zu helfen, auf dem Gebiete der 
deutschen Geisteswissenschaften, allerdings innerhalb ,,der allgemeiner 
interessierenden Stoffkreise“ (?!), Echtes von Unechtem, selbständige 
Werke, die einem inneren Bedürfnisse entsprungen sind, von der bloßen 

9 Für die Manifeste Diethers von Isenburg und Adolfs von Nassau wäre 
die Mainzer Festschrift einzusehen gewesen. 








Loewe, Bücherkunde 


247 


Surrogatliteratur zu unterscheiden. Es nennt sich eine „Kritische Bücher¬ 
kunde der deutschen Bildung.“ — Wie wenig es in Wirklichkeit nach 
Auswahl und Systematik diesen Titel verdient, mögen einige Stich¬ 
proben darlegen, die leicht vervielfacht werden könnten: 

S. 13 (Universitäts- und Schulgeschichte) verzeichnet nebst Harnacks 
„Geschichte der kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin“, 
Kaufmanns „Geschichte der deutschen Universitäten“ und Paulsens „Die 
deutschen Universitäten und das Universitätsstudium“ nur die Universitäts¬ 
geschichten von Berlin und Halle und die Heidelberger Festschrift von 
1903 „Heidelberger Professoren aus dem 19. Jahrhundert“. Gibts wirklich 
sonst keine anderen deutschen Universitätsgeschichten ? Warum fehlt S. 14 
Karl Schmidts Geschichte der Pädagogik? Warum gänzlich Reins Päda¬ 
gogisches Handbuch und Pädagogik in systematischer Darstellung, warum 
Loos’Enzyklopädisches Handbuch des Erziehungswesens ? Gibt es (S. 16) 
keine anderen deutschen Buchhändlerbiographien als die von Goeschen, 
Perthes und Brockhaus? Wie kommt (S. 17 Politische Geschichte und 
Kulturgeschichte) Bernheims Lehrbuch der historischen Methode und Car- 
lyles Über Helden und Heldenverehrung in eine und dieselbe Rubrik? 
Wie mager ist S. 23 die Reihe der Gesamtdarstellungen der Welt¬ 
geschichte. Warum fehlt z. B. neben Rühl H. Grotefends Handbuch 
der Chronologie und Zeitrechnung des Mittelalters und der Neuzeit? Warum 
beim klassischen Altertum überall J. Müllers Handbuch, etwa Gruppe, 
Christ, Schanz usw. ? Warum S. 29 E. Michaels Geschichte des deut¬ 
schen Volkes (neben Janssen, S. 38.)? Warum steht S. 30 Hausrath Welt¬ 
verbesserer im Mittelalter I, S. 115 dasselbe Werk mit allen seinen 
drei Teilen? Wo bleibt (S. 30) G. Wolfs Deutsche Gesctiichte im Zeit¬ 
alter der Gegenreformation, wo S. 35 neben Inama-Sterneggs Deutscher 
Wirtschaftsgeschichte Lamprechts Deutsches Wirtschaftsleben im Mittel- 
alter ? Wie kommt S. 35 Stintzing-Landbergs Geschichte der deutschen 
Rechtswissenschaft (aus der Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. 
Neuere Zeit) unmittelbar neben Schröder und Brunner in die deutsche 
Rechtsgeschichte? Wie S. 34 Wegeies Geschichte der deutschen Historio¬ 
graphie seit dem Humanismus neben Heynes fünf Büchern deutscher 
Hausaltertümer ? Oder was soll S. 84 ff. die Bibliographie über Goethe, 
wo etwa S. 87 unter „Werke“ fünf Schriften über den Faust und 
eine über Dichtung und Wahrheit angeführt werden? oder S. 111, wo 
unter E. Die germanische Religion nichts als E. H. Meyers Mythologie 
der Germanen steht ? Warum sind S. 77 (Biographien von Sprachforschern 
und Literaturhistorikern) nur ganze vier Werke angeführt (Bücher über 
Grimm, Hettner, Hehn und Haym)? Wo bleiben die übrigen? Warum 
fehlt unter den Gesamtdarstellungen der Weltliteratur S. 79 Alex. Baum¬ 
gartner? Warum steht S. 139 neben Schmollers Grundriß der Volkswirt¬ 
schaftslehre nicht etwa auch Philippovich’ Grundriß der politischen Ökonomie? 
Es dürfte genug sein. Seite für Seite kann der Bibliograph oder der Biblio¬ 
thekar seine Fragezeichen und reichlichen Zusätze anbringen und Wilhelm 
Diltheys Einleitung in die Geisteswissenschaften, Berlin 1883 sucht er in 
dieser „kritischen“ Bücherkunde der deutschen Geisteswissenschaften ver¬ 
geblich. Was V. Loewe unternommen hat, ist ja für einen einzelnen in der Tat 






248 Besprechungen — Mitjana, Catalogue 


keine Kleinigkeit. Man braucht die in dem Büchlein steckende gute Ab¬ 
sicht und Mühe durchaus nicht zu übersehen, um doch zusammenfassend 
sagen zu müssen: Bibliotheken bietet das Büchlein nichts oder nicht 
viel und Bildungsuchende mögen statt seiner lieber zu dem literarischen 
Ratgeber und Jahresbericht des Dürerbundes (F. Avenarius) greifen, der, 
eben zum sechstenmale erscheinend, das Ergebnis einer kundigen Ge¬ 
samtarbeit von zirka 50 deutschen Gelehrten, eine gute mit besonnenen 
und übersichtlich orientierenden Einleitungen, außerdem mit Preisan¬ 
gaben versehene wirklich kritische Bibliographie der deutschen Wissenschaft 
— auch er ohne geschäftliche Nebenabsichten — bietet. Hoffen wir, daß 
das zweite Bändchen unserer Bücherkunde, das die Naturwissenschaften 
umfassen soll, erheblich besser ausfällt. (Ist inzwischen erschienen.) 

Klagenfurt. Dr. Ortner. 


Catalogue critique et descriptif des imprimes de musique des XVI e 
et XVII e siecles conserves a la bibliotheque de P universite Royale 
d’Upsala par Rafael Mitjana. Avec une introduction bliliographique par 
Isac Collijn. Tome I. Musique religieuse. Upsala, impr. Almquist & Wiksell, 
1911. VIII f VI+ 502 S. 

Die durch die Schweden im Dreißigjährigen Kriege unternommenen 
systematischen Wegführungen von Büchern aus den Ländern ihrer Feinde 
gehören zu den bekanntesten und zugleich ältesten derartigen Unter¬ 
nehmungen. Die weltberühmte Bibliothek zu Upsala bewahrt den besten 
Teil dieser Schätze, die durch Publikation wieder Gemeingut werden. 
Der Bücherbestand des vorliegenden Bandes entstammt einerseits dem 
Jesuitenkollegium zu Braunsberg, anderseits aus dem Besitze des Mainzer 
Churfürsten Johann Schweickhardt zu Cronberg und der dortigen Dom¬ 
vikare Franz Schilling, Sebastian Stoltz und Thomas Schmidt. Im folgen¬ 
den Jahrhundert kam noch die Sammlung des Marschall Andreas von 
Düben hinzu. Die einzelnen Stücke, 242 Nummern, sind jedenfalls schon 
seit älterer Zeit alphabetisch geordnet und numeriert. Jedes einzelne Stück 
ist in allen seinen Teilen genau beschrieben, die Literatur erschöpfend 
herangezogen. Bei den bereits ausgiebig durchgearbeiteten Musikdenkmälern 
jener Zeit ist eine derartige Katalogisierung in weit vollkommenerem 
Maße möglich wie bei späteren. Von hohem Werte sind die durch die 
moderne Reproduktionstechnik ermöglichten illustrativen Beigaben ; schon 
einmal die auf eine Tafel vereinigten Bücherzeichen des Mainzer Chur¬ 
fürsten, dann die reichlichen Facsimilia, alles in trefflicher Weise ausgewählt. 

Wien. A. Schnerich. 


ÖSTERR. VEREIN FÜR BIBLIOTHEKSWESEN. 

AUSSCHUSZSITZUN GEN. 

In der Ausschußsitzung vom 11. Oktober 1911 berichtete der Ob¬ 
mann, daß die Konferenzen des Verbandes der akademisch gebildeten 
Staatsbeamten mit den Mitgliedern des Subkomitees im Herrenhause über 








Osterr. Verein für Bibliothekswesen 


249 


Angelegenheiten der Dienstpragmatik zu keinem Ergebnis geführt haben. 
— Bei der Feststellung des Winterprogramms wird die Abhaltung von 
Vortrags- und Diskussionsabenden über Fragen der Verwaltungsreform 
an den Bibliotheken beschlossen, zu denen auch die offiziellen Kreise 
eingeladen werden sollen. 

In der Ausschußsitzung vom 25. Oktober wird das Programm der 
Vortragsabende durchgesprochen und festgestellt. Zu jedem Referat soll 
ein Korreferat erstattet werden. Es sollen sprechen: Über die Vorbildung 
des wissenschaftlichen Bibliothekars Wolkan und Eichler, über den mitt¬ 
leren Dienst Mayer und Doublier, über das Referatsystem von Mzik und 
von Egger-Möllwald. — Mayer regt eine Aktion zur Titeländerung der 
staatlichen Bibliotheken an. So müßten die Universitätsbibliotheken von 
vornherein als Landesbibliotheken und ebendieselben schon längst den 
weitesten Kreisen, nicht bloß den Universitäten, ihre Dienste leisten. Die 
Wiener Universitätsbibliothek sei eine eigentliche Reichsbibliothek. Also 
„k. k. Staatsbibliothek“ oder mindestens „k. k. öffentliche Bibliothek“. 
Auch den Studienbibliotheken gebührt von diesen Gesichtspunkten aus 
eine Änderung der Bezeichnung. 


MONATSVERSAMMLUNG VOM 18. DEZEMBER 1912. 

Diese Versammlung brachte den ersten von den zwei in Aussicht 
genommenen Vortrags- und Diskussionsabenden zur Reform der öster¬ 
reichischen Bibliotheken. S. S. 185. Wir drucken die hier gehaltenen 
Vorträge dort ab. An dieser Stelle haben wir nur über den äußeren 
Verlauf der Versammlung zu berichten. Hierüber liegt folgender offizieller 
Bericht des Ausschusses vor: 

„Die Versammlung war sehr zahlreich besucht. Auffällig ist nur, 
und der Ausschuß verzeichnet es mit lebhaftem Bedauern, daß jene 
Bibliothek, die erste Staatsbibliothek, die sich in demselben Gebäude be¬ 
findet, wo die Versammlung abgehalten wurde, im ganzen drei Beamte 
von emundvierzig gestellt hatte, den Vizedirektor, der der Versammlung 
nur kurze Zeit anwohnen konnte, weil er um dieselbe Zeit bei einer 
anderen Veranstaltung zugegen sein mußte, einen Bibliothekar und einen 
Praktikanten; dabei wird natürlich von den Ausschußmitgliedern des 
Vereines und dem Vortragenden abgesehen. Dagegen hatte die Hof¬ 
bibliothek nicht weniger als 18 Herren entsendet, darunter den Vize¬ 
direktor, Regierungsrat Dr. Donabaum. Jedenfalls ein ehrendes Zeugnis 
für diese Anstalt. In Anbetracht dieser Tatsachen sah sich der Vor¬ 
sitzende, Prof. Dr. Wolkan, bemüßigt, die Teilnahmslosigkeit der Uni¬ 
versitätsbibliothek ausdrücklich hervorzuheben, da über die vitalsten 
Fragen auch dieser Anstalt verhandelt werde. Er meinte, daß gerade 
solche Erfahrungen die Notwendigkeit der Verwaltungsreform der Biblio¬ 
theken aufs deutlichste dartäten. Gar manche Bibliotheksbeamten seien, 
aus anderen Berufen herausgeschleudert, in den Bibliotheken gelandet 
und hätten auch wählend ihrer Dienstzeit keine innere Beziehung zu 
ihrem Berufe gewonnen. Sie fühlten sich deklassiert und blieben in ihrem 
neuen Berufe ohne Freudigkeit, lediglich der Not sich beugend. Er 









250 


Personalnachrichrichten 


könne nach beiden Seiten hin, einerseits den für den Stand und die 
Aufgaben ihres Berufes interessierten Kollegen wie anderseits den teil¬ 
nahmslosen die Versicherung geben, daß gerade in einer Zeit, wo sich 
die Regierung an die Beamtenschaft wende, um die Mängel der Ver¬ 
waltung aus den Kreisen der Beamten selbst kennen zu lernen, der Ver¬ 
ein mit verdoppeltem Eifer an die Arbeit gehen werde. Der Verein 
wenigstens wolle sich nicht einmal später den Vorwurf machen lassen, 
daß er geschwiegen in einer Zeit, wo es unbedingt Pflicht war, laut die 
Stimme zu erheben für die dringend notwendige Reform der öster¬ 
reichischen Bibliotheken.“ 

* * 

* 

V 

Dem Vereine beigetreten sind Dr. Cermak, Bibliothek der techni¬ 
schen Hochschulen in Prag, und Dr. Ottokar Smital, Wien, Hof¬ 
bibliothek. 


Personalnachrichten. 

Der Kaiser hat dem Direktor der Universitätsbibliothek in Czerno- 
witz Dr. Johann Polek anläßlich der von ihm erbetenen Übernahme in 
den bleibenden Ruhestand den Titel eines Hofrates verliehen. Der Kaiser 
hat gestattet, daß der Direktor der kaiserlichen Familien-Fideikommiß- 
bibliothek Dr. Franz Schnürer das Kommandeurkreuz des bulgarischen 
Zivilverdienstordens und die fürstlich Lichtensteinische Regierungsjubi- 
läums-Erinnerungsmedaille sowie der Bibliothekar erster Klasse Dr. Rudolf 
Payer v. Thum das Offizierskreuz des bulgarischen St. Alexander- 
Ordens annehmen und tragen dürfen. — Der Praktikant der Universi¬ 
tätsbibliothek in Graz Dr. Theodor S c h m i d wurde zum Bibliothekar 
II. Kl. an der Bibliothek der technischen Hochschule in Wien, an der 
Universitätsbiblothek in Graz wurde der Praktikant Dr. Otto Kunz ad per- 
sonam zum Bibliotheksassistenten ernannt. Der Bibliothekar der X. Rangs¬ 
klasse im Justizministerium Eduard Steska wurde zum Bibliothekar in 
der IX. Rangsklasse ernannt. 

An der Universitätsbibliothek in Wien ist der Germanist Dr. Eugen 
Ritter von Paunel (geb. 24. April 1888 in Wien), an der Universitäts¬ 
bibliothek in Czernowitz ist Dr. A. Häusle als Praktikant eingetreten. 

* * 

* 

In Klosterneuburg starb am 24. September 1912 der emeritierte 
Amanuensis an der Wiener Universitätsbibliothek Dr. Albin Wolfram 
im 47. Lebensjahr. 


AMTLICHES. 

Durch einen Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unter¬ 
richt vom 27. August 1912, Z. 4036, wird die Berechtigung zur Ent¬ 
lehnung von Büchern aus Universitäts- und Studienbibliotheken auf die 
Mitglieder des Lehrköpers an nicht staatlichen Mittelschulen erstreckt. 











miAEH- UND SACHREGISTER 


za Jahrgang 3. 1912 

der Zeiischrilf des Öslerreichischen Vereines für Bibliothekswesen, 


Amerika 101, 170, 178 
Arnold, R. F. 152 
Audeoud, M. 182 

Auskunftsbureau der deutsch. Biblio¬ 
theken 28 
Bamberg 1 95 
Battisti, C. 126 
Baumhackl, F. 23 
Beer, R. 108 
Berlin 28, 154 

Bibliographie 44, 52, 167, 224, 227 

Bibliophilie 21, 111 

Bibliothekar 21, 77, 130 

Bibliothekartag, München 66, 76, 130 

Bibliotheksmuseum 115 

Bishop, W. W. 101, 170 

Börner, W. 242 

Braun, R. 214 

Braunau 126 

Breslau, Universitätsbibliothek 60, 
158 

Brünn, Technikbibliothek 23, 60, 83 

Buchhändler-Rabatt 27 

Bücherkunde 246 

Budapest 214 

Chapot, V. 96, 228 

Crüwell, G. A. 59 

Czernowitz, Universitätsbibliothek 210 
Dänemark 55 
Dantehandschrift 126 
Daubrawa, A. 65 
Delisle, L. 107 

Dotation 1, 30, 89, s. a. Staatsvoran¬ 
schlag 213 
Doublier, O. 65, 201 
Ebbinge-Wubben, C. H. 161 
Eichler, F. 43, 77, 130 
Einbände 64 

England 41, 43, 178, 222 
Faksimile-Ausgaben 38, 92, 109, 219 
Fick, R. 28, 80 


Fischer, K. 234 4 
Flugblätter 152 
Frankl, E. 242 
Frankreich 96, 228 
Füchsel, H. 184 
Gehalte 196 

Gesamtkatalog 28, 79, 149 
Glauning, O. 36, 43, 79, 89, 171, 182, 
217, 228 

Görz, Studienbibliothek 152 
Gotha 157 
Gottlieb, Th. 111 

Graz, Universitätsbibliothek 81 — 

Technikbibliothek 82 — Landes¬ 
bibliothek 25 — ehern. Hofbiblio¬ 
thek 206 

Grolig, M. sen. 69, 101, 182, 234 
Gutenberg-Gesellschaft 244 
Haag 161 

Handbibliothek 23, 125 

Handschriften 14, 97, 107, 220 

Hennig, P. 105 

Hübl, A. 244 

Inkunabeln 10 

Italien 44 

Kinderbücher 168 

Klagenfurt, Studienbibliothek 84 

Klein, G. 109 

Koegler, H. 244 

Kohnstein, B, 64 

Kopenhagen 56 

Kotula, R. 118 

Krakau, Universitätsbibliothek 151 
Kukula, R. 1 
Kunstblätter 26 

Lemberg, Universitätsbibliothek 19 

Linz, Studienbibliothek 20, 26, 84, 211 

Lipiner, S. 121 

Loewe, V. 246 

London 41, 43, 222 

Madsen, V. 55 






252 


Zeitschrift d. Österr. Vereines f. Bibliothekswesen. III. 1912, 


Mandl, K. 183 
Manuldruck 125 
Mayer, F. A. 78, 138, 189 
Micori, P. 25 
Milkau, F. 60, 179 
Mitjana, R. 248 

Mittlerer Dienst 78, 89, 138, 189 
Müller, W. 127 

München 36, 90, 217, s. a. Biblio^- 
•thekartag. 

Musikdrucke 248 
Mzik 149, 185 
Neuburger, M. 111 
Neuyork 105 
Niederlande 161 
Norddeutschland 28, 154 
Norwegen 234 

Olmütz, Studienbibliothek 83, 127 
Ortner, M. 246 
Otten, B. 62 

Paläographie, Griechische 108 
Papierkonservierung 126 
Papyri 36, 93 
Paris 96, 228 
Pernerstorfer, E. 121 
Personalnachrichten 64, 117, 183, 

250 

Pflichtexemplare 50, 100, 155 
Poelchau, K. 179, 242 
Poestion, J. C. 242 
Polonica in Schweden 26 
Portofreiheit 126 

Prag, Universitätsbibliothek 81 — 

Museumsbibliothek 87 — Privat¬ 
bibliotheken 22 
Referatsystem 78 
Ru epp r ech t, Ch. 59 
Rußland 48 
St. Petersburg 48 
Schiffmann, K. 20, 26, 79, 84 
Schleimer, H. 10 
Schottenloher, K. 244 


i Schweden, Polonica in 26 
| Semkowicz, A. 118 
Seymour de Ricci 244 
Spectator 21, 84, 211 
Spezialbibliotheken 103 
Staatsvoranschlag, Österr. für 1913, 
213, s, a. Dotation 1 
Standesfragen 214 
Strobl, J. 183 

Süddeutschland 36, 89, 217 
Thiel, V. 206 

Titel der Bibliotheken 249 
Trommsdorff, P. 60 
! Turfansammlung 154 
Ungarn 214 

Universitätsbibliotheken 1 
Ve;reinsnachrichten 64, 113 (Haupt¬ 
versammlung), 248 
Verwaltungsreform 42, 79, 138, 185 
Viennot, W. 182 
Viola, O. 44 
Volf, J. 62, 87 


V olksbibliotheken 

47, 62, 164, 

172, 

236, 242 



Voltaire 37 



Vorbildung des 

Bibliothekars 

130, 


vgl. 21, 77, 177 
Wagner, W. 83 
Wanderbibliotheken 241 
Washington 101 
Wessely, C. 108 
Wharton, L. C. 41, 222 
Wien, Viennensia 21, 84, 211 — Hof¬ 
bibliothek 152, 201, 211 — Univer¬ 
sitätsbibliothek 59, 194, 211 — 

Technikbibliothek 20 — Domini¬ 

kanerkloster 14 
Wölkau* R. 14, 48, 76, 85, 249 
Wolter, E. 48 
Zedier, G. 244 

Zeitschriftenverzeichnis 35, 80 
Zeitungen 23 











ZEITSCHRIFT DES ÖSTERREICHISCHEN 
VEREINES FÜR BIBLIOTHEKSWESEN 

REDIGIERT VON Di FRIEDR. ARNOLD MAYER. 


ÖSTERREICHISCHE 
UND UNGARISCHE 

BIBLIOGRAPHIE 

DES BIBLIOTHEKSWESENS 

1910—1911 


WIEN UND LEIPZIG 

WILHELM BRAUMÜLLER 

K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER 

1912 



INHALT. 


I. FACHZEITSCHRIFTEN NR. 1-6, 237, 393-95. 

II. NATIONALE, LOKALE U, PERSONALE BIBLIOGRAPHIE NR. 7—65. 
238—79. 396-410. 

A. Österreich 7—33, 238—58, 396—410. 

B- Ungarn 34-65, 259-77. 

C. Bibliographien von österreichischen Verfassern 278—79. 

III. BIBLIOTHEKSWESEN NR. 66-201, 280-365, 411-499. 

A. Österreich 66—103, 280—96, 411—40, Privatbibliotheken 92—99, 
Biographien 97—103. 

B. Ungarn 104-116, 297-305, 441—42. 

C. Andere Länder 117 138, 306-12, 443—54. 


D. Allgemeines 139-160, 313—24, 455-61. 

E. Volksbibliotheken 161—201, 325- 60, 462—98. 

E. Ex libris 361—65, 499. 

IV. SCHRIFTWESEN, HANDSCHRIFTENKUNDE NR. 202-211,366—67, 
500-506. 

V. BUCHDRUCK, PAPIER, EINBÄNDE NR. 212-218, 368—76, 507—09. 

VI. BUCHHANDEL NR. 219-227, 377-88, 510—23. 

VII. ZEITUNGSWESEN HR. 228-236, 389-92, 524-33. 





Österreichische u. ungarische Bibliographie des Bibliothekswesens, 

Register 1910—11. 


Aldässy, A. 145 
Atamanjuk, M. 326 
Auerhan, J. 327 
Bodek, L- 519 
Buberl, P. 500 
Bader, K. 323 
Balzer, O. 134 
Barcza, I. 259 
Barwinski, E. 9, 10, 400 
Barvinskyj, B. 18 
Basch, I. 147 
Bauer, V. 313, 455 
Baumfeld, M. 443 
Baumgarten, P. M. 377 
Bayros, F. v. 361 
Bibliofil, Cesky 1 

Bibliographia, T ärsadalomgazdasäg- 
tani 34 

Bibliographie. Österreichische, des 
Bibliothekswesens 7 
Bielohlawek, K. 212 
Birö, L. 228 
Bodek, L. 380 
Böhmen 69. 70 
Börner, W. 463 a 
Bohatta, H. 244, 278 
Boysen, K. 148 
Bradäc, L. 368 
Bryk, J. 403 
Bucaö 464 

Buchhändler-Korrespondenz, Österr.- 
ung. 219 
Buck, H. 286 
Budjak, J- 404 
Burckhard, M. 314 
Cajkivsskyj, M. 19 
Cajkovskyj, M. 178 
Chapot, V. 445 
Chaurand de Mailly, A. 315 
Chväla, A. 369 


Colljn, I. 446 
Convorbiri, Literare 2 
Corvina 220 
Cotlarciuc, N. 245 
Crüwell, G. A. 67, 87, 389 
Cubrynowicz, B. 131 
Üzerminski, P. 138 
Danneberg, R. 436 
Dienes, L. 160 
Diether, O. 524 
Dobjän, L. 150 
Dolensky, A. 316, 317 
Domanyckyj, V- 513 
Dorosenko, V. 20 
Doublier, O. 148 
Ebbinge Wubben, C. H. 447 
Eichler, F. 213 
Emler, J, 119 

Emmert, B. 240 a, 241—243, 257 
Ertesitö Muzeumi 105 
d’Ester, K. 229 
Estreicher, K. 11 
Ettinger, P. 499 

Evkönyve, Mag. könyvkereskedök 35 

Feigl, H. 91 

Fick, R. 456 

Ficker J. v. 92 a 

Folyöirat, Hittudomänyi 36 

Frankl, E. 463 a 

Frankl, L. 90 

Fritz, J. 285 

Fuechsel, H. 458 

Gärdonyi, A. 306 

Ghega, S. 442 

Gilhofer 510 

Goldziher, I. 37 

Gollob, E. 210 

Glauning, O. 307, 323 

Gnau, H. 239 

Greciuc, V. 334, 390 





42 Österreichische u. ungarische Bibliographie d. Bibliotheksw. 


Grolig, M. 221 
Grund, D. 517 
Grüner, F. 525 
Gugitz, G. 391 

Gulyäs, P. 107, 169, 264, 335, 370 
Györy, T. 38. 

Hahn, W. 12 

Hainisch, M. 466 

Hapjak, A. 163, 190, 336, 337 

Hartleben, A. 227 a 

Helleb rant, Ä. 39-43 

Herasymovyc, J. 172, 339, 349 

Himmelbaur, J. 417 

Hlawatsch, C. 437 

Hnatjuk, V. 222 

Hoeffler, H. 124, 308 

Honl, J. 318 

Horvath, I. 44 

Hrincenko, B. 98, 99, 248 

Hryhorovyc, M. 171 

Hrzan 413 

Irodalom, Az 3 

Jabornegg, Freih. v. M. 100 

Jacymyrskyj, A. 21 

Janovits, F. 297, 319 

Jefremov, S. 457 

Junimea literarä 17 a 

Junker, K. 514, 515 

Kainz, J. 93. 

Kalba, V. 468 
Karäcson, I. 309 
Karczewski, W. 128 
Kar-Meljuk 470 
Kaska 94 

Katalog literatury naukowej polskiej 
- 13 

Keysser, A. 148 
Kieszkowski 414 
Köhalmi, B. 127, 152 
Könyvszemle, Magyar 4 
Közlemenyek, Földrajzi 45 
Közlemenyek, Nyelvtudomänyi 46 
Koläf, J. 94 a 
Kolessa, O. 180 
Kolportage-Kalender 226 
Krälovec, K. 382 
Krasnopil’Skyj, T. 186 
Kröek, F. 401 


Krececkyj, J. 23, 249 
Krypjakevyc, I. 181, 187, 475 
Krzysztofowicz- K. 402 
Kubasta, C. 511 
Kuchinka, O. D. 102 
Kudora, K. 47 
Kukula, R. 215 
Kutrzeba, S. 76 

Kuziela, Z. 24, 101, 151, 192, 193, 194, 
200, 250, 341, 342, 413, 419 
Lanna, Freih. v. 95 
Laparewicz, A. 14 
Lempicki, S. 15 
Lemaitre, H. 97 
Lenärd, J. 270 -272 
Lenk, H. v. 148 
Levyckyj, J. E. 25, 406 
Likarenko, V. 288 
Litzica, C. 117 
Loesche, G. 240 
Lubenec 183 
Lucakivskyj, K. 227 
Lukyc, V. 199 
Lychdorff 432 
Macaigne, L. E. 125 
Macoveiu 441 
Madsen, V. 310 
Mälnai, B. 104 
Malycka, K. 476 
Mangold, L. 48, 230 
Mares, T. 321 
Maslov, S. J. 207, 216 
Matolcsy, M. 49 
Mestern 217 
Migray, J. 156 
Milkowski, S. 135 
Milleker, B. 115 

Mitteilungen der Sevcenko-Gesell- 
schaft 22, 28 
Mojzis, A. 322 
Moldovan, D. 343, 477 
Moravec, F. V. 478, 479 
Müveszet 50 

Munkälatai, a M. 7. akademia 51 

Muzeum nar. ruskie 26 

Nas, H. 481 

Nosovsky, K. 345 

Noväk, A. 482 









Register 1910—11 


43 


Nyelvtudomäny 52 
Oehlenberg, E. 96 
Ohijenko, J. 27 
Ostaszewski-Barariski 501 
Otto, J. 379, 520 
Ozorai, F. 153 
Paedagogia, Magyar 53 
Pavluckij, H. 502 
Pawlowski, B. 89, 129, HO 
Petrov, N. 123 
Pflügl, A. Edl. v. 294 
Poelchau, K. 166, 483 
Pohl, J. 218 
Prockiv, S. 342 

Programm-ertekezesek, Philologiai 54 

Prosvitjanyn, A. S. 347 

Przewodnik bibliograficzny 16 

Pysmo z Prosvity 5 

Radzkevyc, V. 528 

Rakovskyi, I. 180 

Ranschburg, N. 392 

Reich, D. 371 

Reinhold, H.~458 

Romanski, S. 206 

Rosenfeld, E. 402 

Rosicky, J. 527 

Rubakin, N. 485 

Rutowski, T, 132 

Savyckyj, I. 201 

Schiller, F. 459, 460 

Schlossar, A. 410 

Schloß, L. 351 

Schober, K. 284 

Schock, J. 363 

Schottenloher, K- 373 

Schubert, A. 374 

Scoala presa pedagogicä .17 

Segur-Cabanac, Qraf. V. 33 

Sekanina, F. 324 

Serbynjuk, J. 193 

Sevcenko, Z. 408 

Simek, R. 372 

Simionovici, N. 461 

Skvarko, Z. 487 

Smal-Stockyj, S. 349 

Smölski, G. 231 

Somogyi. M. 177 

Specht, R. 255 


Sribljanskyj, M. 232, 233, 252, 253 
I Staatsvoranschlag 66 
Staindl, M. 155, 174 
Staniszewski, W. 234, 529 
Stephan, J. E. 235 
Strobl, J. 78 
Stutzig, L. 386, 387 
Subert, E. 350 
Svjenc'fckyj, J. 85, 427 
Szabo, E. 56, 108, 109, 158, 275 
Szäzad, Huszadik 57 
Szäzadok 58 
Szekesföväros 110 
Szemle, Penziigyi 59 
; Szemle, Protestäns 60 
j Szemle, Värosi 61 
Szentivänyi, G. 62 
Szily, A., 141 
Szpotanski, S. 137 
Szymanski, A. 453 
Tadra, F. 103 
Tarnovskij, V. 434 
Täsläuanu, O. C. 395 
Thon, J. 352 
Tietze, H. 503, 504 
Tobolka, Z- Y. 258. 

Tonelli, S. 63. 

Trus, I. 489 
Umanec, S. J. 29 
Unger, F. 521 
Vanclik, F. 353 
Varrö, I. 64 
Veber, J. 340 
Venhzyn, M. 354 

Verzeichnis der Programm-Abhand¬ 
lungen 8 
Vik, T- 523 
Vilimek, J. 388 
Viola, O. 126, 311 
Visegrädi, J. 114 
Vitez, A. 65 

Volf, J. 68, 102, 122, 162, 282, 340 
366, 495. 

Vollbracht, A. 439 
Votruba, J. F. 531 
Voznjak, M. 496, 497 
Vrtel, S. 204, 506 
Vykoukal, F. 154 









1 


Österr. u. ung- Bibliographie d. Bibliotheksw., Register 1910 11 


Vyskocil, O. M. 144 
Wagner, O. 440 
Wasilewski, Z. 130 
Weckbecker, Freih. v. W. 159 
Weinberger, W. 366. 
Weittenhiller, M. v. 364, 365 
Wharton, L. C. 120, 146, 312 
Wiesner, J. R. v. 375, 376, 509 
Winkler, W. 70 
Wolfsgruber, H. 433 
Wolkan, R. 74, 505 
Zakolomyjskyj, B. 173 


Zakosovyc, V. 339 

Zaliznjak, M. 32, 82, 83, 291, 358, 
428-31. 

Zambra, A. 203 
Zamora, F. 359 
| Zdziarski, S. 73 

Zeitschrift des Österreichischen Ver¬ 
eines für Bibliothekswesen 6. 
Zivny, L. J. 170 
Zucchelli, E. 287, 367 
Zuk. A. 84, 196 
Zych, W. 209 


«' > 









ZEITSCHRIFT DES ÖSTERREICHISCHEN 
VEREINES FÜR BIBLIOTHEKSWESEN 

REDIGIERT VON FRIEDR, ARNOLD MAYER, 


ÖSTERREICHISCHE 
UND UNGARISCHE 

BIBLIOGRAPHIE 

DES BIBLIOTHEKSWESENS 

1911-1912 


WIEN UND LEIPZIG 

WILHELM BRAUMÜLLER 

K* u. K. HOF- UND UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER 

1912 . 



INHÄLT. 


I. FACHZEITSCHRIFTEN NR. 1-5. 

II. NATIONALE, LOKALE U. PERSONALE BIBLIOGRAPHIE NR. 6—62. 

A. Österreich 6—36. 

B. Ungarn 37—62. 

III. BIBLIOTHEKSWESEN NR. 63—198. 

A. Österreich 63—93. Biographien 94—97. Ex libris 98 103. 

B. Ungarn 104-44. 

C. Andere Länder 145—98. 

IV. SCHRIFTWESEN. HANDSCHRIFTENKUNDE NR. 199 -213. 

V. BUCHDRUCK. PAPIER, EINBANDE NR. 215—31. 

VI. BUCHHANDEL NR. 232-47. 

VII. ZEITUNGSWESEN HR. 258—58. 




ÖSTERREICHISCHE UND UNGARISCHE 

BIBLIOGRAPHIE 

DES BIBLIOTHEKSWESENS. 

1911/12. 

I. 


INHÄLT. 

I. FACHZEITSCHRIFTEN NR. 1-5, 

II. NATIONALE, LOKALE U. PERSONALE BIBLIOGRAPHIE NR. 6—62. 

A. Österreich 6—36, 

B- Ungarn 37—62. 

III. BIBLIOTHEKSWESEN NR. 63-198. 

A. Österreich 63—93, Biographien 94—97, Ex libris 98—103. 

B. Ungarn 104—144. 

C. Andere Länder 145—198. 

IV. SCHRIFTWESEN. HÄNDSCHRIFTENKUNDE NR. 199-213. 

Y. BUCHDRUCK, PÄFIER, EINBÄNDE NR. 214-31. 

VI. BUCHHÄNDEL NR. 232-47. 

VII. ZEITUNGSWESEN NR. 248—258, 


I. FACHZEITSCHRIFTEN. 

BOLLETINO bibliografico Trentino. RoiveretO'. [1912.] Accademia degli Agiati. 

Gr. 8°. Puntata I. (55 S.) — Puntata II. (51 S.) — Puntata III e IV. (74 S.) [1 
CONVORBIRI, Literare [Literar. Besprechungen]. Bucuresti [1911, Juli, Nr. 7: 
Rezensionen p. 809—814, Biblgr. p. 840; August, Nr. 8: Rezensionen p. 942 
bis 948, Biblgr. p. 960; September, Nr. 9: Rezensionen p, 1056—62, Biblgr. 
p. 1080; Oktober, Nr. 10: Rezensionen p. 1184—1188, 'Biblgr. p. 1200; No>- 
vember, Nr. 11: Rezensionen p. 1299—1304, Biblgr. p. 1320; Dezember, Nr. 12: 
Rezensionen p. 1419—1421. 1912. Jänner, Nr. 1: Rezensionen p. 84—96, 

Biblgr. p. 119; Februar, Nr. 2: Rezensionen p. 198—216, Biblgr. p. 238. [2 

JUNIMEA literarä. Cernaut 1911: Nr. 10 p. 173—178, Nr. 12 p. 214. 1912: Nr. 1 
p. 18—20, Nr. 2 p. 55—60; unter dem Titel „Cärti“ werden Bücher angezeigt 
und zum Teil auch rezensiert. [3 

PREZWODNIK bibliograficzny (Bibliographischer Wegweiser). Red. J. Czubek. 
Krakau 1912. Gebethner. 35. Jg. [4 


1 







2 


Österreichische und ungarische Bibliographie 


ZEITSCHRIFT des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen. Red. von 
Friedrich Arnold Mayer. Jg. 3. 1912. Wien und Leipzig. W. Braumüller. 
Jahrl. 4 Hefte. 7 K 20 h. [5 

II. NATIONALE, LOKALE UND PERSONALE BIBLIOGRAPHIE. 

A. Österreich. 

Österreich-Utlgam. BIBLIOGRAFIA bibliografii i bibliotekarstwa w 
Austry. (Österreichische und ungarische Bibliographie des Bibliotheks¬ 
wesens.) Anzeige. Krakow 1912. „Przewodnik bibliograficzny“. S. 19. [6 

Österreich. LOESCHE, G. u. SKALSKY, G. A.: Literar. Rundschau über die 
den Protestantismus in Österreich betreffenden Veröffentlichungen d. J. 1910, 
Nachtrag z. Jahrbuch d. Ges. f. d. Gesch. d. Protest, im Österreich. 32. Jg. 
1911. S. 3—71. [7 

Alto Adige. EMMERT, B.: Nuove aggiunte al saggio bibliografico del Dipar- 
timento dell’ Alto Adige del Regno Italico (1810—1813). Archivio per l’Alto 
Adige con Ampezzo e Livinallomgo. VI. (1911). Fase. I. 22—44. [8 

Böhmisch. TOBDLKA, Z. V.: Ceskä bibliografie za rok 1909. Prag 1912. 
Selbstverlag. 8°. (212 S.) [9 

Bronzetti. EMMERT, B.: I fratelli Bronzetti (Saggio bibliografico'. Archivio 
per l’Alto Adige con Ampezzo e Livimallongo. VI (1911). Fase. II. 171—180. [10 

Friailh EMMERT, B.: I moti del Friuli nel 1864. Le cospirazioni trentina 
negli anmi 1822 e 1864. Saggiio bibliografico. II Risovgimemto Italiano. Ri- 
vista, Ann. 1911. [11 

Polnisch. BARWlNSKI, E.: Bibliografia historyi polskiej. (Bibliographie der 
poln. Gesch.) Lemb. 1911. „Kwartalnik historyczny“. S. 131—144,343—349. [12 

BRÜCKNER, A.: Karol Estreicher: Bibliografia polska. T. 23. Lit, N—O. (Be¬ 
sprechung des 23. Bds, der „polnischen Bibliographie“ von K. Estreicher. 
Buchstabe N—O.) Lwow 1911. »Pamietnik literacki“. X. Jg. S. 414—416. [13 

KATALOG literatury naukowej polskiej wyd. przez KomisyQ bibliograficzna 
Wydz. matem.-przyr. Akad. Umiej. w Krakowie. (Katalog der poln,. natur- 
wiss. Literatur, hrsgb. v. d. bibliograph. Kommission der mathem.-naturwiss. 
Klasse der Akad. der Wissenschaften zu Krakau.) Bd. X. 1910. Heft 3. 4. 
Krakow 1911. SS. 45—94. [14 

KOLODZIEJCZYK, E.: Bibliografia slowianoznawstwa polskiego. (Biblio¬ 
graphie der polnischen Slawenkenntnis.) Krakow 1911. SS. XX. 303. [15 

KRYSZTOFOWICZ K. i ROSENFELD, E.: Biibliografia historyi literatury i 
krytyki literackiej polskiej za r. 1907. (Bibliographie der poln, Literatur¬ 
geschichte und literarischen Kritik für 1907.) Lwow 1911. Selbständige Bei¬ 
lage z. „Pamietnik literacki“. S. 17^—48. [16 

LEMPICKI, St.: Bibliografia historyi literatury i krytyki literackiej polskiej 
za r. 1906. (Bibliographie der poln. Literaturgeschichte und literarischen 
Kritik.) Lwow 1910. 1911. S—A. Angez. im „Przewodnik naukowy i literacki“ 
1911. S. 567 f. (Dr. Hartleb). [17 

Rumänisch. BORNEMISA, S.: Almanachul scriitorilor de la not. Anul I. 1912. 
Orästie. 1911. Libräria Nationalä. (Eine Übersicht des gegenwärtigen 
Schriftstellertums der Rumänen in Ungarn.) [18 






des Bibliothekswesens 


3 


BURADA, Teodor T.: Scrierile musicale ale lui Dumitru Cautemir. Memoriile 
Sect. lit. Tom. 32. Nr. 4. [19 

T[OFAN], G.: [Bibliographie der Schriften von] N. Jorga. Junimea literarä. 
191J. S. 146—54. [20 

Ruthenisch. CAJKOVSKYJ, M.: Pokazcyk do Zbirnyka 1 matematycno-pryroi- 
dopysno-likarskol sekcii Naukovoho Tovarystva imeny Sevcenka. T. I—XIII. 
Roky 1898—1909. (Register zur Sammelschrift d. mathem.-naturwiss.-ärztl. 
Sektion d. Sevcenko-Ges. Bd. I—XIII. 1898—1909). Zbirnyk mat.-pryr.-lik, 
sekcii' XIV. U, L’vovi 1910. S. 1—78. [21 

DOROSENKO, V.: Ukrainskyj naukovyj ruch v 1911 roc'f. (Wissenschaftliche 
Tätigkeit bei den Ruthenen im Jahre 1911.) Literat.-nauk. Vistnyk 1912. 
Bd. 57. II. S. 338—353.) Eine bibliogr. Übersicht. [22 

DOROSENKO, V.: Nasa pysmennisf. Nasi potreby na poli ukrai'nsko-ruskol 
bibliografii. (Unsere Literatur. Unsere Bedürfnisse auf dem Gebiete der 
ruthen. Bibliographie.) Kaljendar Tov. „Prosvita“ na rik 1912. S. 65—66 [23 

KNY2KY i brosjury, Novi ukrainskyj. Podaje Bibliograficne Bjuro Naukovoho 
Tovarystva imeny Sevcenka. (Neue ukrainische Bücher und Broschüren. 
Mitgeteilt vom Bibliogr. Bureau d. Sevcenko-Geselischaft.) Li'teraturno-nauk. 
Vistnyk. 1911. Nr. IX. S. 444—446. [24 

KNY2KY, Novi ukrainski, i brosjury. (Podaje Bibliograficne Bjuro Naukovoho 
Tovarystva imeny Sevcenka.) (Neue ukrain. Bücher- und Broschüren, mitge¬ 
teilt vom Bibliogr. Bureau d. Sevcenko-Ges.) Literat.-Nauk. Vistnyk. 1911. 
Kn. XI. S. 388—392. [25 

KNY2KY, Novi ukrainski,! brosjury. (Podaje Bibliograficne Bjuro Naukovoho 
Tovarystva imeny Sevcenka.) (Neue ukrain. Bücher und Broschüren, mit- 
mitgeteilt vom Bibliogr. Bureau d. Sevsenka-Ges.)Li'teraturno-Naukovyj Vist¬ 
nyk. 1911. Kn. XII. S. 618-620. [26 

KNY2KY, Novi ukrainski, i brosjury. (Podaje Bibliograficne Bjuro Naukovoho 
Tovarystva im. Sevcenka.) (Neue ukrain. Bücher und Broschüren, mitgeteilt 
\om bibliogr. Bureau der Sevcenko-Ges. in Lemberg.) Literat.-nauk. Vistnyk. 
1912. Bd. 57, II. S. 397—400; III. S. 587. [27 

KREVECKYJ, J.: Nasa memuarystyka (Unsere Memoirenliteratur). Nedi'lja 
1911. NN. 6—9, 13—15. Angez. in: Mitteil. d. Sevcenko-Ges, in Lemberg. 
1911. Bd. 105. S. 219. (V. D[orosenko].) [28 

KUZIELA, Z.: Bibl'iograficna komisyja Naukov. Tov. im. Sevcenka. (Die bibl. 
Korn. d. Sev.-Ges. bittet um Zusendung von Neuerscheinungen.) Narodnyj 
Holos 1911. Nr. 55. S. 10; Kamenjari 1911. Nr. 23. [29 

LEVYCKYJ, J. E.rUkrai'nska bibliografija Avstro-Uhorscyny za roky 1887 bis 
1900. Ulozyv na pidstavi avtopsii. Tom III [Roky 1892—1893]. (Ukrain, 
Bibliographie für das Jahr .1887—1900. Bd III.) (Materijaly do ukrainsko'i 
bibliografii III.) U L’vovi, 1911. Nakladom Naukovoho Tovarystva imeny 
Sevcenka. (IV, 290 5.) Angez. in: Liter.-nauk. Vistnyk 1912. Bd. 57, III. 
S. 582—583. (V, Dorosenko.) [30 

ROMUL: Puskin ukrainskoju mowoju. Bibliograficna zamitka (Puskin in der 
rutbenischen Sprache. E. bibliogr. NoJiz.) Rada 1912. Nr. 27.^ [31 

SUMCOV, N.: Bibliografycnyj pokazcyk (po dekotrych haluzjach ukrainskoho 
folklorn, jak pidrucnyk, koly chto maje pracjuvaty samostijno na nyvi 

1* 





4 


Österreich, u. Ungar. Bibliographie des Bibliothekswesens 


ukrainoznavstva). (Bibliogr,. Verzeichnis der Werke aus dem Gebiete des 
ukrain. Folklore als Bandbuch für die selbständig Arbeitendem.) Maljunky 
z zyttja ukr. narod. slova in Sbornik char’k. ist. fil. Obsc. XIX, 1910. S. 130 
bis 144. ' [32 

SUMCOV, N.: Hrincemko (Biographie und Verzeichnis seiner Werke). Dijaci 
ukr. folklora in: Maljunky z zyttjai mar. ukr. slova. Sbornik char’k. ist. fil. 
Obsc. 1910. XIX. S. 114—115. [33 

SYSMANOV-DRAHOMANOVA, L«: Sevcenko* v bolharskij literaturi. (Sev- 
cenko in der bulgarischen Literatur.) Rada 1911. Nr. 246. [34 

Prati. EMMERT, B.: Giovanni Prati (27 Gennaio 1814 —- 9 Maggio 1884). 
Saggio bibliO'graficOi. Atti dellar I. R. Accademia di Scienze, lettere ed Arti 
degli Agiati in Rovereto>. Ser. III. Bd. XVII., Apr.-Giug. 1911, pp. 173—197. [35 

Trient. EMMERT, B.: Saggio d’una bibliografia trentina del ’48, ’59, '66. 
Avvemimenti guerreschi nel Tremtino^ 1848. Tridentum. Rivista di studi 
scientific!. XIII. (1911.) Fase. V., pp. 216—226. [36 

B. Ungar m. 

Ungarn. BARCZA, I.: A magyar bankkerdes es vämpolitika irodalma. 
(Bibliographie der Baimkfrage und Zollpolitik Ungarns. Vorw. v. I. Bernät.) 
Budapest: Pallas 1911. 40 S. 1 K 50 h„ [37 

BIRÄSKODÄS, Välasztäsi. (Gerichtsbarkeit im Wahlsachen.) Budapest: 
Ffäziny 1911. 4. Sp. Föv. (Könyvtär. Aktuälis kerdesek irodalma*. 12. Literatur 
aktueller Fragen.) [38 

EVKÖNYVE, Magyar könyvkereskedök. 21. evf. 1. Magyar kömyveszet 1910. 

2. Könyvkereskedelmi iizletcimtar. 3. Röz'hasznu tudnivalök. (Jahrbuch der 

ungarischem Buchhändler. Jg. 20. 1. Ungarische Bibliographie für das Jahr 
1910 2. Buchhändler-Schematismus. Gemeinnützige geschäftliche Mitteilungen. 
Red.: R. Steinhofer.) Budapest: Magy. könyvkeresdedök egylete 1911. 
(L. 392, 164.) K 15.—. [39 

FRAKNÖI, V.: Irodalmi mumkässäga 1860—1910. (Die literarische Tätigkeit 
von W. F. 1860—1910. Als Manuskript.) Budapest: Stephameum 1910. 
(64 S.) [40 

GÄRDONYI, A.: Viktor Loewe: Bücherkunde der deutschen Geschichte. 

3. Aufl. (Rezension.) Szäzadok, 45. 1911. S. 381—382. [41 

GERO, J. Bibliographie zu: Die böhmischem Flussitem in Ungarn. G. J.: A eseh 

huszitäk Magyarorszägom. 1910. S. 3—7. [42 

GULYAS, P.: Kömyveszeti tanulmänyok. 1. Bibliographische Studien 1.) Buda¬ 
pest: Ranschburg 1911. (36 S.) [43 

GYÖRY, T.: A magyar orvosi irodalom. 6. evf. 1910. (Die ungarische ärztliche 
Literatur im Jahre 1910. Jg. 6.) Eger: Erseki lyceumi ny. 1911. (V, 96 S.), 
(Beilage zur Zeitschrift: Magy. Orvosi Ärchivum.) [44 

HAVASS Reszö irodalmi munkäi. 1878—1911. (R. H.’s literarische Werke.) 

Budapest: Müszaki irod. & ny. rt. 1911. (23 S.) [45 

HEINLEIN, I.: Mikszäthi Kalman müvei idegem nyelveken. (Koloman Mikszäth’s 
Werke im fremden Sprachen.) Budapest: Hornyänszky 1910. (20 S.) [46 

HELLEBRANT, Ä.: Paedagögiai repertorium. A magyar paedagögiai irodalom 
1910-ben. (Pädagogisches Repertorium. Die ungarische pädagogische Lite¬ 
ratur im Jahre 1910.) Magy. Paedagögia, 20. 1911. S. 379—464. [47 

(Schluß folgt in Heft 3.) 



ÖSTERREICHISCHE UND UNGARISCHE 


BIBLIOGRAPHIE 

DES BIBLIOTHEKSWESENS. 

1911 — 12 . 

I, (Schluß.) 

HELLEBRANT, Ä.: A magyar philologiai irodalom 1910-ben. (Die ungarische 
philologische Literatur im Jahre 1910.) Egyetemes Philologiai Közlöny, 
35. 1911. S. 517—624. [48 

HELLEBRANT, Ä.: Neprajzi könyveszet 1909-röl (Ethnographische Biblio¬ 
graphie vom Jahre 1909.) Ethnographia, 22. 1911. S. 124, 249—2.50, 314—317, 
373 -77. 

HORVÄTH, L: A magyar bibliografiai irodalom az 1910. ev 4. es 1911. ev. 1, 
negyedeben. (Die ungarische bibliographische Literatur im 4. Jahresviertel 
des Jahres 1910 und im 1. Jahresviertel des Jahres 1911.) Magy. Könyv- 
szemle, 19. 1911. S. 187. [50 

HORVATH, I.: A magyar bibliografiai irodalom az 1911. ev 2. negyedeben. 
(Die ungarische bibliographische Literatur im 2, Jahresviertel des Jahres 
1911.) Magy. Rönyvszemle, 19. 1911. S. 278—279. [51 

JÄGER, ü.: A Liszt-irodalom könyveszete. (Bibliographie der Liszt-Literatur.) 

Corvina, 34. 1911. S. 172—174, 180—181. [52 

JEGYZEKE, Az 1903—1907-ig megjelent zenemüvek. (Verzeichnis der in den 
Jahren 1903—1907 erschienenen Musikalien.) 1911, (164 S.) (In Magy. 
könyvkereskedök evkönyve. Jg. 21.) [53 

KAPOSI, J.: A magyar Dante-irodalom. (Bibliographie der ungarischen Dante- 
Literatur.) K. J.: Dante Magyarorszägon. 1911. S. 345—360. [54 

KfiPESITESE, Közigazgatäsi tisztviselök. (Vorbildung der Verwaltungs¬ 
beamten.) Budapest: Häziny, 1911. (5 Sp.) (Föv. Könyvtär. Aktuälis kerdesek 
irodalma, 10. Literatur aktueller Fragen.) [55 

MANGOLD, L.: Az 1910. evi hazai hadtörtenelmi irodalom repertöriuma. (Re¬ 
pertorium der vaterländischen kriegsgeschichtiichen Literatur im Jahre 1910.) 
Hadtört. Közlemenyek, 12, 1910. 355'—366. [56 

MANGOLD, L.: A hazänkat erdeklö 1910. evi külföldi hadtörtenelmi irodalom. 
(Die kriegsgeschichtliche Literatur des Auslandes in Bezug auf Ungarn in 
dem Jahre 1910.) Hadtört. Közlemenyek 12. 1911. S. 464—468. [57 

MANGOLD L.: Hazai hirlapok repertöriuma. 1908. jan. 1-jun. 30. (Repertorium 
vaterländischer Zeitungen). Szäzadok, 45. 1911. S. 738—40. (Wird fortge¬ 
setzt). [249 

MANGOLD L.: Hazai hirlapok repertöriuma. 1907. jul. l.-dec. 31. (Repertorium 
vaterländischer Zeitungen). Szäzadok, 45. 1911. 226 -28, 316 17, 395-97, 
471—77. (Wird fortgesetzt). [250 




6 


Österreichische und ungarische Bibliographie 


OZORAI, F.: Az 1910. evi közepiskolai ertesitök paedagogiai tärgyu erte- 
kezesei. (Abhandlungen pädagogischen Inhaltes in den Schulprogrammen der 
Mittelschulen des Jahres 1910. [Kritik und Bibliographie.]) Magy. Paedagogia, 
20. 1911. S, 306—308. [58 

PFTRIK, Q.: Bibliographia Hungarica. Magyar könyveszet Verzeichnis der 
1886—1900 erschienenen ungarischen Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, 
Atlanten und Karten. Sachregister Heft 1. Budapest: Eggenberger 1912. 
(160) 8°. [59 

SZOLQÄLAT, Keteves katonaii. (Zweijährige Dienstzeit,) Budapest: Häziny. 
1911. (4 Sp.) (Föv. Könyvtär. Aktuälis kerdesek irodalma, 9. Literatur 
aktueller Fragen.) [60 

VARRÖ, I.: Magyar tärsadalomtudomänyi bibliografia 1910-röl. (Ungarische 

sozial wissenschaftliche Bibliographie 1910.) Budapest: Häziny. 1911. (IV S., 

75 Sp ). (Föv. Könyvtär Közlemenyei. K 8.—. Veröff. d„ Stadtbibliothek von 
Budapest.) [61 

VfiDELME, A munkaber törvenyes. (Lohnschutz des gewerblichen Arbeiters.) 
Budapest: Häziny. 1911. (3 Sp.) (Föv. Könyvtär. Aktuälis kerdesek irodalma, 
11. Literatur aktueller Fragen.) [62 

III. BIBLIOTHEKSWESEN. 

A. Österreich. 

Österreich. BIBLIOTHEKEN, Die österreichischen, im Verwaltungsjahr 1909 
bis 1910. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1911. S. 143—144. — — im Verwaltungs¬ 
jahre 1910-1911 ebd. 1912. S. 19—21. [63 

BIBLIOTHEKEN, Die, im österreichischen Staatsvoranschlag für 1912. Zschr. 

d. Ö. V. f. Biblw. 1911. S. 153. [64 

DANNEBERG, Bibliothekswesen. „Arbeiterzeitung“ no. 301, 1. Nov. 1911. [65 
GROLIG, M.: Aus Deutsch-Österreich. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1911. S„ 144 
bis 148. [66 

KUKULA, R.: Für die Erhöhung der Dotationen der österreichischen Univer¬ 
sitätsbibliotheken. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1912,. S. 1—10. [67 

MARTELL, P. Österreichische Bibliotheken. Archiv für Buchgewerbe. 48. Bd. 

Oktober 1911. Heft 10. [68 

MICORI, P.: Grazer Brief. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1911, S. 194—197. [69 

Böhmen. VOLF, J.: Prager Brief. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1911. S. 150 
bis 152. [70 

Brünn. BAUMHACKL, F.: Von der Bibliothek der deutschen technischen 
Hochschule in Brünn. Zschr. d. Ö. V. f.. Biblw. 1912. S. 23—25. [71 

Graz. FISCHER, W.: Die steiermärkische Landesbibliothek. Das steier¬ 
märkische Landesmuseum Joanneum und seine Sammlungen. Graz 1911. 
S. 411—442. Tf. 52—55. [72 

MICORI, P.: Steiermärkische Landesbibliothek. Zschr. d. Ö. V. f. Biblw. 1912. 
S. 25—26. [73 

Klagenflirt. VERZEICHNIS, System, geordnetes, der von der k. k. Studien¬ 
bibliothek zu Klagenfurt im Jahre 1910 erworbenen hervorragenden literar. 
Erscheinungen. Beil, des kämt. Gemeindeblattes 1911. 8°. S. 273—296. [74 



des Bibliothekswesens 


Lemberg. BARVINSKYJ, O.: Spomyny z moho zytja. (Memoiren aus meinem 
Leben.) Ruslan 1911. Nr. 281 u. ff. U. A. über die Privatbibliotheken und. die 
Zustände an der Lemberger Universitätsbibliothek.) i 75 

BiIBLIOTEKA c. k. Szkoly: Politechnicznej [we Lwowie]. (Jahresbericht der 
Bibliothek der k. k. Polytechnischen Hoch-Schule in Lemberg für 1910) im „Pro¬ 
gram c. k. Szkoly Politechnicznej we Lwowie na rok naukowy 1911/1912*‘. 
S. 104—105. Lwow 1911. 

KREVECKYJ, J.: Biblioteka „Naukovoho Tovarystva im Sevcenka“ v 1911 r 
(Bibliothek d. Sevcenko-Ges. d. Wiss. im J. 1911). Dilo 1912. Nr. 8067. [77 
OlBIBLJOTEKE Pawlikowskich. [Um die Pawlikowski’sche Bibliothek in 
Lemberg.] Lwow. 1911. „Slowo Polskie“. Nr. 588. [78 

SPRAWOZDANIE z czynnosci Zakladu narodowego im. Ossolinskich za r. 
1910. [Bericht über die Tätigkeit des Ossolinskischen Nationalinstituts in 
Lemberg für 1910.] Lwow. 1911. 55 S. 8°. Angezeigt in der gesamten Tages¬ 
presse u.! a. besonders breit in „Slowo Polskie“ (Lemberg) 1911. Nr. 329. [79 

Linz. SCHIFFMANN, K.: Von der k. k. Studienbibliothek in Linz. Zschr. d. 

Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911 S. 148 50. [80 

GUGENBAUER G. Kupferstiche und Einzelformschnitte des 15. Jahrhunderts 
in der k. k. Studienbibliothek zu Linz a. D. Straßburg 1912. Ed. Heitz fol. 
(16 S., 15 Taf.) (=Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts 26.) [81 

SCHIFFMANN, K.: Aus Linz. Neue Funde. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1912 

S. 26. [82 

Galizien. MANKOWSKI, B.: [Uber die Gründung staatlicher Studienbibliothe¬ 
ken in größeren Städten Galiziens außerhalb Lemberg und Krakau] (Polnisch). 
(Referat in der 27. Vollversammlung des Vereins der Mittelschullehrer 
Galiziens.) Lemberg. 1911. „Muzeum“ Sprawozdanie z III. Zjazdu czlonköw 

T. N. S, W. S. 13—18. [83 

Prag. BIBLIOTHEK, Die des kunstgewerblichen Museums der Handels- und 

Gewerbekammer in Prag im Jahre 1910. Bericht des Kuratoriums für das 
Verwaltungsjahr 1911. Prag 1912. S. 7—8, 25—30. [84 

KUKULA, R.: Die Neubaufrage der Universitätsbibliothek. Zschr. d. Ö. 

Ver. f- Bibliothw. 1911. S. 199-201. [85 

Wien. FRANKFURTER, S.: Zum Problem der Wiener Universitätsbibliothek. 

Neue Freie Presse 8. Oktober 1911. Nr. 16929. [86 

KATALOG, Systematischer, der Bibliothek der k. k. Technischen Hochschule 
in Wien. Nachtrag 1 zu Heft 7—9. Wien 1912. Gerold, 8° (IV, 53, 70 u. 43 S.) [87 
KNAPP, J.: Verein der Vorarlberger. Bücherverzeichnis. Wien 1912. Selbst¬ 
verlag 8° (47 S.) [88 

MENClK, F.: Zur Geschichte der k. k. Hofbibliothek. Zschr. d. Ö. Ver. f. 

Bibliothw. 1911 S. 137—43, 185-90. [89 

RÖTTINGER, H.: Einzel-Formschnitte des 15. Jahrhunderts aus der Erzh. 
Kunstsammlung Albertina in Wien. Straßburg 1911 Ed. Heitz. fol. (8 S, 
30 Taf.) (=Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts 24.) [90 

SPECTATOR. Viennensia. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911 S. 191—93, 
1912 S. 21-23. [91 

VERZEICHNIS der Bücher und Zeitschriften des Vereines Österreichischer 
Zahnärzte. Wien 1911. Verl. d. Ver. 8° (25 S.). [92 






8 


Österreichische und ungarische Bibliographie 


WACHSTEIN, B.: Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Katalog 
der Salo-Cohnschen Schenkungen. Wien 1911. Gilhofer 8° (XVIII, 215 S.). [93 

Biographien. 

DOUBLIER, O : Alfred Daubrawa. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1912 
S. 65-66. [94 

HECK, KORNELIUS (9. September 1860—12. Juli 1911) Dr. phil. Gymnasial¬ 
professor, poln. ^Literarhistoriker, zeitweise der Universitätsbibliothek in 
Krakau zugeteilt. 1902—1906 Redakteur des „Przewodnik bibliograficzny“, 
in dessen „Chronik“ er zwei größere Artikel veröffentlichte, und zwar ein 
Verzeichnis der 1903 erschienenen poln. periodischen Schriften, das 552 
Nummern umfaßte und ferner ein Verzeichnis der 1900—1903 von der 
Jagellonischen Bibliothek in Krakau erworbenen Handschriften (allg. Nr. 5965 
bis 6215). Nachruf u. a. in „Przewodnik bibliograficzny“ (Krakau) 1911 
S. 247/248. [95 

KARCZEWSKI, W-: poln. Schriftsteller [Pseudon. Marian Jasiehczyk], 

von 1900—1910 Bibliothekar des poln. National-Museums in Rapperswil, 
starb in Krakau 24. November 1911. Die gesamte Presse brachte Nekrologe. 
Hervorzuheben von Z. Wasilewski in „Stowo Polskie“ Nr. 553 und Z. Mil- 
kowski dasselbst Nr. 567, wo seine bibliothekarische Tätigkeit berücksichtigt 
wird. [96 

F[ECHTNER, E.]: Kustos Johann Mayrhofer. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 
1911 S. 180-81. [97 

Ex 1 i b r i s. 

ANDERLE, J.: Alte Bucheignerzeichen Trients und seiner Umgebung. Jahr¬ 
buch d. Ö. Ex libris-Gesellsch. 1911. S. 31—37. [98 

GOTTLIEB, Th.: Drei alte Bücherzeichen (A. d. Hofbibliothek in Wien!. Jahr¬ 
buch d. Ö. Ex libris-Gesellsch. 1911. S. 38—59. [99 

HÖFKEN, R. v. Moritz von Weittenhiller. Jahrbuch d. Ö. Ex libris-Gesellsch. 

1911 S. 1-9. [100 

JAHRBUCH [der] Österreichischen Ex libris-Gesellschaft. 9. 1911. Wien 1912, 
Selbstverlag 4° (129 S, 14 Taf.), 10 K- [101 

KRAHL, E,: Weittenhiller als Künstler. Jahrbuch d. Ö. Ex libris-Gesellsch. 

1911. S. 10-16. [102 

SCHOCK, J.: Die Supralibros des Stiftes Seitenstetten. Jahrbuch d. Ö. Ex 
libris Gesellsch. 1911. S. 17-30. [103 

B. Ungarn. 

Ungarn . FEJLÖDESE, A Müzeumok es Könyvtärak orszägos föfelügyelösege 
hatäskörebe tartozö közgyüjtemenyek, az 1910. evben. (Die Entwicklung 
der dem Oberinspektorate der Museen und Bibliotheken unterstellten öffent¬ 
lichen Sammlungen.) Müzeumi & Könyvt. Ert. 5. 1911. S. 168—195. [104 

GULYÄS, P.: A hazai könyvtärügy kialakuläsa es mai helyzete. (Die Entwick¬ 
lung des vaterländischen Bibliothekswesens und seine gegenwärtige Lage.) 
Muzeumi &. Könyvt. Ert. 5. 1911. S. 65—84. [105 

JELENTES a Muzeumok es könyvtärak orsz. föfelügyelösegenek 1910. evi 
. miiködeseröl. (Bericht über die Tätigkeit des Ung. Oberinspektorats der . 






9 


des Bibliothekswesens 


Museen und Bibliotheken i. J. 1910 von J. Mihalik.) Budapest: Stephaneum 
1911. (55 S.) [106 

JELENTESE, A Muzeumok 6s könyvtärak orsz. tanäcsänak 9., 1910. evi 
müködeseröl. (Bericht des Ung. Landessenats der Museen und Bibliotheken 
über die Tätigkeit i. J. 1910 von J. Mihalik.) Budapest: Athenaeum 1911. 
(223 S.) [107 

KÖNYVTÄRAINK, Videki, 1909-ben. (Unsere Provinzbibliotheken i. J. 1909«( 
Magy. Könyvszemle, 19. 1911. S. 227—42. [108 

Bdcs-Bodrog. CIMJEQYZEKE, Bäcs-Bodrog värmegye közigazgatäsi szak- 
könyvtäränak. (Katalog der verwaltungwissenschaftlichen Fachbibliothek 
des Komitates Bäcs-Bodrog.) Zombor: Bittermann 1910. (76 S.) [109 

Budapest. CIMJEQYZEKE, A Magyar kir. Kereskedelmi müzeum nyilv. 
közgazdasägi szakkönyvtäränak. (Katalog der öffentlichen volkswirtschaft¬ 
lichen Fachbibliothek des Kgl. Ungarischen Handelsmuseums.) 6. Aufl. Buda¬ 
pest: Pesti könyvny. rt. 1911. (XI, 199 S.) [HO 

CIMJEQYZEKE, A m. k. Jözsef-müegyetem könyvtäranak. 3. kiad. 1—2. k. 
(Katalog der Bibliothek der Josef-Technischen Hochschule. 3. Aufl. Bö- 
1—2.) Budapest: Franklin (XVI, 678, 736 S.) [111 

JEGYZEKE, A Magyarorszägi epitömunkäsok orsz. szövetsege egyesitett 
budapesti könyvtäranak. (Katalog der vereinigten Bibliothek des Bundes 
der ung. Bauhandwerker.) Budapest: Vilägossäg [1911.] (94 S.) [112 

JEGYZÖKÖNYVE a közs. nyilvänos könyvtär es közmüvelödesi intezet terv- 
pälyäzat birälatänak. (Protokoll der Sitzungen der Jury über die Konkurrenz 
der kommunalen öffentlichen Bibliothek und des Kulturhauses.) Budapest: 
Häziny. 1911. (23 S.) 4°. [113 

JELENTES a Magyar nemzeti müzeum Szechenyi orsz. könyvtära ällapotärol 
az 1911. ev 1. negyedeben. (Bericht über den Zustand der Bibliothek 
Szechenyi des Ung. Nationalmuseums im 1. Jahresviertel d. J. 1911.) Magy. 
Könyvszemle, 19. 1911. S. 161—65. [114 

JELENTES a Magyar nemzeti muzeum Szechenyi orsz. könyvtära ällapotärol 
az 1911. ev 2. negyedeben. (Bericht über die Bibliothek Szechenyi des Ung. 
Nationalmuseums im 2. Jahresviertel d. J. 1911.) Magy. Könyvszemle, 19. 
1911. S. 263-67. ^ ~ [115 

KATALÖQUSA, A budapesti ärü- es ertektözsde könyvtäränak. (Katalog der 
Bibliothek der Budapester Waren- und Effektenbörse.) Budapest: Pesti 

Lloyd-tärs. 1910. (35 S-) 116 

KATALÖQUSA, A Magy. kir. Penzügyminiszterium könyvtäränak. (Katalog 
der Bibliothek des Kgl. Ung. Finanzministeriums.) Budapest: Allami ny. 1910. 
(XI, 338 S.) [117 

KÖNYVTÄRA, A Magyar nemzeti muzeum Szechenyi orsz., az 1910. evben. 
(Die Bibliothek Szechenyi des Ung. Nationalmuseums i. J. 1910.) Magy. 
Könyvszemle, 19. 1911. S. 97—116. [118 

PÖTFÜZE1, 4., a m. k. Közigazgatäsi birösäg könyvtäränak 1906. evi cim- 
iegyzekehez. Az 1909. evben beszerzett könyvek. (4. Ergänzungsheft zu 
dem Katalog des kgl. ung. Verwaltungsgerichtshofes vom J. 1906. Die im 
J. 1909 erworbenen Bücher. Zsgest. v. Qy. Bieber.) Budapest: Allami ny. 
1910. (39 S.) [119 






Österreichische und ungarische Bibliographie 


10 


PÖTFÜZET, 5., a m. k. Közigazgatäsi birösäg könyvtäränak 1906. evi cim- 
jegyzekehez. Az 1910. evben beszerzett könyvek. (5. Ergänzungsheft zu 
dem Katalog des kgl. ung. Verwaltungsgerichtshofes vom J. 1906. Die im 
J. 1910 erworbenen Bücher. Zsgest. v. Q. Telegdy.) Budapest: Ällami ny. 
1911. (42 S.) [120 

S[IMONYI] S.: Egy amerikai meretü budapesti kulturmü. Az uj fövärosi 
könyvtär es a közmiivelödesi intezet. (Ein Budapester Kulturwerk amerL 
kanischer Dimension. Die neue städtische Bibliothek und das Kulturhaus.) 
Pesti Hirlap, 33. 1911. Nr. 179. S. 7. [121 

SZABÄLYZATA, Budapest szekesföväros könyvtärainäl rendszeresitett könyv- 
täri szakvizsga. Jegyzetekkel kiserte es kiadta a Fövärosi könyvtär. 
(Regulativ der an den Bibliotheken der Hauptstadt Budapest organisierten 
bibliothekarischen Fachprüfung. Mit Anmerkungen versehen und hrsg. v. d. 
Stadtbibliothek). Budapest: Benkö 1911. (15 S.) K —.50. [122 

SZABö E.: A Fövärosi könyvtär tervpälyäzata (es valami a zsürikröl). (Die 
Konkurrenzpläne der Stadtbibliothek von Budapest und Einiges über das 
Jury-System), A Häz, 4. 1911. S. 241—58. [123 

SZABÖ E. elöterjesztese a Fövärosi könyvtärnak közsegi nyilvanos könyv- 
tärrä fejlesztese tärgyäban. (Vorschlag von E. Sz. über den Ausbau der 
Stadtbibliothek zu einer kommunalen öffentlichen Bibliothek.) Budapest: 
Häziny. 1911. (5 S.) 4°. [124 

SZERZEMENYEI, A Fövärosi könyvtär, 1911 märcius-äprilis haväban. (Zugangs¬ 
verzeichnis der Stadtbibliothek, März bis April 1911.) Föv. Könyvt. Ert. 5. 
1911. Sp. 121-216. [125 

SZERZEMENYEI, A Fövärosi könyvtär, 1911 mäjus-jünius haväban. (Zugangs¬ 
verzeichnis der Stadtbibliothek, Mai bis Juni 1911.) Föv. Könyvt. Ert. 5- 
1911. Sp. 217-84. [126 

SZERZEMENYEI, A Fövärosi könyvtär, 1911 julius-augusztus haväban. (Zu¬ 
gangsverzeichnis der Stadtbibliothek, Juli bis Aug. 1911.) Föv. Könyvt. Ert. 
5. 1911. Sp. 289-358. [127 

TERVPÄLYÄZATA, Közsegi nyilvänos könyvtär es közmüvelödesi intezet. 
(Konkurrenzpläne der kommunalen öffentlichen Bibliothek und Volksbildungs¬ 
anstalt.) Budapest: Häziny. 1911. [34 S.] 4 n . [128 

Debrecen. JEGYZEKE, A Debreceni Kereskedelmi csarnok szepirodalmi 
könyvtäränak 4. sz. betüsoros. (4. Alphabetischer Katalog der Bibliothek 
für schöne Literatur der Handelskammer in Debrecen.) Debrecen: Hoffmann 
& Kronowitz 1910. (48 S.) [129 

Dessewffy Lajos, nehai gr., nagybecsii törtenelmi könyvtära es nehäny 
kisebb gyüjtemeny. (Die wertvolle historische Bibliothek des Gr. L. D. und 
einige kleinere Sammlungen.) Budapest 1911. (98 S.) (Katalog von A. Lantos’s 
Antiquariat. Jg. 3. Nr. 9~10.) [130 

Deva. JEGYZEKE, A devai m. k. Ällami föreäliskola ifjusägi könyvtäränak. 
(Katalog der Schülerbibliothek der kgl. ung. staatlichen Realschule in Deva.) 
Deva: Läufer 1910. (53 S.) [131 

Elesd. JEGYZEKE, Az elesdi kaszinö könyvtäränak. (Katalog der Bibliothek 
des Kasinos in Elesd.) Elesd: Sändor 1910. (37 S.) [132 





des Bibliothekswesens 


11 


Fiume . CATALOGO della Bibliotheca sociale del Club alpino Fiumano 
secondo lo stato des 31 die. 1910. Fiume: Mohovich 1911. (16 S.) [133 

Esztergom. JEGYZEKE, A sz. Benedek r. fögimnäzium also osztälyü ifjüsägi 
könyvtäränak. (Katalog der Schülerbibliothek der unteren Klassen des kath. 
Obergymnasiums der Benediktiner zu Gran.) Esztergom: Buzärovits 1910. 
(31 S.) [134 

Gyöngyös. JEGYZEKE, A Gyöngyösi kereskedelmi csarnok könyvtäränak 
ui teljes betüsoros. (Neuer vollständiger alphabetischer Katalog der Handels¬ 
kammer in Gyöngyös. Zsgest. v. J. Väradi-) Gyöngyös: Steinitz 1910. (88 S.) 

[135 

Kolozsvdr. KÖNYVTÄRA, Az Erdelyi Nemzeti müzeum, 1909-ben. (Die Bi¬ 
bliothek des Siebenbürger Nationalmuseums i. J. 1909.) Magy. Könyv- 
szemle, 19. 1911. S. 165 71. [136 

Kaposvdr. CIMJEGYZEKE, A kaposväri m. k. Ällami fögimnäzium ifjüsägi 
könyvtäränak. (Katalog der Schülerbibliothek des kgl. ung. Staatsgymnasiums 
in Kaposvär.) Kaposvär: Hagelman 1910. (50, 2 S.) [137 

Katona L. könyvtäränak cimjegyzeke. (Katalog der Bibliothek des L. K.) 
Akad. Ert. 22. 1911. S. 465—514. [138 

Katona L. könyvtäränak cimjegyzeke. (Katalog der Bibliothek des L. K-> 
Budapest: Hornyänszky 1911. (54 S.) [139 

Miskolc. JEGYZEKE, A miskolci katholikus olvasökör könyvtäränak. (Katalog 
der Bibliothek des katholischen Lesevereins in Miskolc.) Miskolc: Klein & 
Ludwig 1910. (26 S.) [140 

Nagyvdrad. KATALOG der Bibliothek des Militärwissenschaftlichen Ver¬ 
eines in Nagyvärad. A Nagyväradi katonai tudomänyos egylet könyv 
täränak cimjegyzeke. Nagyvärad: Neumann 1911. (55 S.) [141 

Nyiregyhäza. JEGYZEKE, A nyiregyhäzai casino könyvtäränak. (Katalog 
der Bibliothek des Kasinos in Nyiregyhäza.) Nyiregyhäza: Jöba 1911. 
(100 S.) [142 

Pozsony. BÜCHEREIVERZEICHNIS der Bibliothek der Buchdrucker und 
Schriftgießer Preßburgs. Pozsony: Eder 1910. (39 S.) [143 

Szeged. JEGYZEKE, A Bohn-fele „Szegedi Deäk-Otthon‘‘ internätus könyv¬ 
täränak. (Katalog der Bibliothek des Bohnschen Internates „Szegediner 
Schülerheim.“) Szeged: Endrenyi 1910. (35 S.) [144 

C. Andere Länder. 

Amerika. BISHOP W. W. Die amerikanischen Bibliotheken, Januar—Juni 
1911. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 222—26. [145 

GULYÄS P.: A newyorki közkönyvtär es uj epülete. (Die öffentliche Bibliothek 
von New York und ihr neues Gebäude.) Magy. Könyvszemle, 19. 1911. S. 
205-214. [146 

BAUMFELD, M.: Der Bibliothekpalast in New York. Pester Lloyd, 1911. 
Nr. 137. S. 1-3. [147 

Dänemark. MADSEN V.: Dänisches Bibliothekswesen 1911. Zschr. d. Ö. Ver. 
f.-Bibliothw. 1912. S. 55-59. [148 





12 


Österreichische und ungarische Bibliographie 


Deutsches Reich. FICK, R.: Berliner Brief. Zschr. d. Ö-Ver. f. Bibliothw. 

1911. S. 202-208. 1912. S. 28-36. [149 

GLAUNING, O.: Münchner Brief. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 158—65, 
208-12. 1912. S. 36-41. [150 

HOEFFLER, H.: Berliner Brief. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothekw. 1911. S. 154—58 

[151 

Frankreich. CHAPOT, V.: Französischer Brief. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 
1911. S. 213—17. [152 

Großbritannien. WHARTON, L. C.: Englischer Brief. Zschr. d. Ö. Ver. f. 

Bibliothw. 1911. S. 172—75. 1912. S. 41-43. [153 

EICHLER, F.: Die Bibliotheken des University College in London. Zschr. d. 

Ö. Ver. f. Bibliothw. 1912. S. 43—44. [154 

2IVNY, J.: Walesskä Närodni biblioteka v Aberystwythu. (Die Walessche 
Nat. Bibliothek in Aberystwyth.) Ceskä osveta VII. 1911. S. 251—252. [155 

Italien. VIOLA, 0.: Italienischer Brief. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. 

S. 175—77. 1912. S. 44-48. [156 

GEREVICH, T.: Olaszorszäg legnagyobb könyvtära. (Italiens größte Bibliothek.) 
Muzeumi & Könyvt. Ert. 5. 1911. S. 214—16. [157 

Rußland. WOLTER, E.: Russische Bibliotheken im Jahre 1910—11. Zschr. 
d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 177-80. 1912. S. 48—55. [158 

Schweden. LAGERQVIST, H, E., Schwedisches Bibliothekswesen, 1906—10. 

Zschr. d. Ö. Ver. f. B. 1911. S. 217—22. [159 

KtOTULA] R.: Polonica in Schweden. Zschr. d. ö. Ver. f. Bibliothw. 1912. 

S. 26—27. [160 

RZECZY polskie w Szwecyi. (Polnische Funde in Schweden.) Lwow. 1911. 
„SIowo Polskie“, Nr. 425. [161 

Schweiz. BARTH, H.: Die Schweizerischen Bibliotheken im Jahre 1910. 

Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 165. [162 

CH.: Sprawa Rapperswilska. (Die Rapperswil-Angelegenheit.) Krakow. 1911. 

„Krytyka“, Bd. 29. S. 275-276. [163 

CH,: Sprawa Rapperswilska. (Die Rapperswil-Angelegenheit.) Krakow. 1911. 

„Krytyka“, Bd. 31. S. 259-261. [164 

CO bQdzie z Muzeum rapperswylskiem. (Was wird mit dem Museum zu 
Rapperswil geschehen?) Krakow-Warszawa. 1911. „Swiat“ Nr. 30. [165 

ECHA sprawy rapperswilskiej. (Ein Nachhall der Angelegenheit von Rappers¬ 
wil.) (I. II. III. IV.) Lwow. 1911. „Kurier Lwowski“ Nr. 373, 376, 378, 396. 

[166 

ECHA sprawy Rapperswilskiej: miniatura Chodowieckiego. (Ein Nachhall 
der Rapperswiler Angelegenheit: eine Miniatur von Chodowiecki.) Lwow. 
1911. „SIowo Polskie“ Nr. 424. [167 

EKSPANSJA, Niezdrowa. [Eine ungesunde Expansion.) Lemberg 1911. „SIowo 
Polskie“ Nr. 360. [168 

FLACH, J.: W sprawie Muzeum Narodowego w Rapperswylu. (In der Ange¬ 
legenheit des National-Museums in Rapperswil.] Krakow. 1911. „Przegl^d 
polski“, Bd. 181. S. 267-292. [169 

FLACH, J.: Jeszcze w sprawie Muzeum w Rapperswylu. Po ogloszenin 
orzeczenia Komisyi. [Nochmals in der Angelegenheit des Museums in 





des Bibliothekswesens 


13 


Rapperswil. Nach der Verlautbarung des Urteils der Kommission.] Krakow. 
1911. „Przegl^d Polski“, Bd. 182. S. 85—93. [170 

JAW[ORSKI] Fr.: Sprawa rapperswilska. (Die Angelegenheit Rapperswils.) 
I. II. III. IV. [V] VI. VII. Lwow. 1911. „Kurier Lwowski“ Nr. 357. 361. 365. 
367. 369. 371. 380. [171 

JAWORSKI, Fr.: Echa rapperswilskie. [Der Nachhall von Rapperswil]. 

Lwow. 1911. „Na ziemi naszy“ Nr. 16. S. l.f. [172 

KOPERA, F.: Sprawozdanie o stanie Muzeum Narodowego w Rapperswiiu 
na podstawie badan na miejscu w sierpniu 1911 r. dokonanych z polecenia 
Rady m. Krakowa. (Bericht über den Stand des National-Museums in 
Rapperswil auf Grund der Untersuchungen an Ort und Stelle im Aufträge 
des Stadtrates von Krakau im August 1911.) Krakow. 1911. 4°. 12 S. [173 
MILKOWSKI Z.: W sprawie rapperswilskiej glos kontrolorski. (In der 
Angelegenheit von Rapperswil — eine Kontrolleurstimme.) Lwow. 1911. 
„SIowo Polskie“ Nr. 339. [174 

MILKOWSKI, Z.: Sprawozdanie kontrolorskie. (Dokument historyczny.) (Kon¬ 
trolleurs-Bericht. Ein historisches Dokument.) Lwow. 1911. „SIowo Polskie“ 
Nr. 429, 431, 435, 437, 441. [175 

MILKOWSKI, Z.: List otwarty do . . . prof. Tadeusza Korzona. (Offenes 
Schreiben an . . . Professor Thaddäus Korzon.) Lwow. 1912. „SIowo Polskie“ 
Nr. 41, [176. 

MEMORYAL rapperswylski. (Das Memorial in der Angelegenheit von Rappers¬ 
wil.) Krakow. 1911. „Czas“ Nr. 357. [177 

MUZEUM Narodowe w Rapperswylu (Sprawozdanie za r. 1910.) (Das National- 
Museum zu Rapperswil. — Jahresbericht f. 1910.) Paryz. 1911. Besprochen 
in „SIowo Polskie“ (Lwow) 1911. Nr. 342. [178 

ORZECZENIE Komisyi w sprawie Muzeum Narodowego w Rapperswiiu. (Die 
Aussage der Kommission in der Angelegenheit des National-Museums in 
Rapperswil) Lwow 1911. 29 S. 8". [179 

RUTOWSKI, T.: Rapperswil. Lwow. 1911. 19 S. 4°. S.-A. aus „Sztuka“. [180 
SOKOLNICKI, M.: O dublety rapperswilskie. (Wegen der Rapperswiler 
Doubletten) Lwow. 1911. „SIowo Polskie“ Nr. 406. [181 

SOKOLNICKI» M.: Sprawa dubletöw Rapperswilskich (Wyjasnienie.) (Von 
den Rapperswiler Doubletten). (Eine Aufklärung.) Lwow. 1911. S.-A. aus 
„Zycie“. [182 

SOKOLNICKI, M.: Sprawa rapperswilska. II. Wyjasnienie. (Die Rapperswil- 
Angelegenheit. II. Eine Aufklärung.) Krakow. 1911. „Krytyka“, Bd. 31. 
S. 113-115. [183 

SPRAWA Rapperswylska. (Die Angelegenheit von Rapperswil.) I. Wywiad u 
Zeromskiego. (Ein Interview bei Zeromski.) II. W.Karczewski & W. Klyszewski 
Oswiadczenie. (Erklärung). III. Sprawozdanie Komisyi. (Der Bericht der 
Kommission.) Lwow. 1911. „SIowo Polskie“ Nr. 382, 384, 386, 390. [184 

[SPRAWA.] W sprawie rapperswilskiej. (In der Angelegenheit von R.) Lwow. 

1911. „Kurier Lwowski“ Nr. 386. [185 

SPRAWA rapperswylska. (Die Angelegenheit von Rapperswil.) Krakow. 1911. 

„Czas“ Nr. 369. [186 

SPRAWA rapperswilska. (Die Angelegenheit von Rapperswil.) Krakow. 1911. 
„Krytyka“, Bd. 31. S. 208—210. [187 




14 


Österreichische und ungarische Bibliographie 


SPRAWA Rapperswilska. (Die Angelegenheit von Rapperswil.) Krakow. 1911. 
‘ „Krytyka“, Bd. 32. S. 133-138. [188 

SZPOTANSKI, St.: Po zjezdzie w Rapperswilu. (Nach der Zusammenkunft 
in Rapperswil.) Krakow (1911.) 18 S. 8°. [189 

URBANSKK B.: Sprawa rapperswilska. I. Zjazd i s^d. (Die Rapperswil- 
Angelegenheit. I. Versammlung und Gericht.) Krakow. 1911. „Krytyka“, 
Bd. 31. S. 105-113. [190 

WASILEWSKI Z.: Przed zjazdem w Rapperswylu. (Vor der Zusammen¬ 
kunft in Rapperswil.) I. II. Lwow. 1911. „Slowo Polskie“ Nr. 333, 335. [191 
[WASILEWSKI Z]: Digamma: Möj wywiad w sprawie Rapperswilskiej. (Mein 
Interview in der Angelegenheit von Rapperswil.) Lwow. 1911. „Slowo Polskie“ 
Nr. 375. [192 

WASILEWSKI, Z.: Po procesie rapperswilskim. (Nach dem Rapperswiler 
Prozeß.) I. II. III. IV. Lwow. 1911. „Slowo Polskie“ Nr. 408, 412, 418, 427. 

[193 

W PRZEDEDNIU obrad rapperswylskich. (Am Vorabend der Debatten zu 
Rapperswil.) Lwow. 1911. „Kurier Lwowski“ Nr. 353. [194 

X: W przejezdzie przez Rapperswil. (Auf der Durchreise durch Rapperswil.) 

Krakow. 1911. „Krytyka“, Bd. 31. S. 63-67. [195 

2EROMSKI St.: O przyslosc Rapperswilu. Towarzystwo przyjaciöl Rappers¬ 
wilu. Udowodnienie zarzutöw, poczynionych zarz^dowi muzealnemu. (Um 
die Zukunft von Rapperswil. — Der Verein der Freunde von R. — Beweis 
der gegen die Musealverwaltung erhobenen Anschuldigungen.] Krakow- 
Lwow. (1911) Nakl. „Zycia“. [196 

[ZJAZD]. Przed zjazdem w Rapperswylu. (Vor den Tagen zu Rapperswil.) 

Lwow. 1911. „Slowo Polskie“ Nr. 352. [197 

ZDARZENIE, Pouczaj^ce. (Ein belehrendes Ereignis.) Lwow. 1911. „Slowo 
Polskie“ Nr. 380. [198 

IV. SCHRIFTWESEN. HftNDSCHRIFTENKUNDE. 

Blicac. SVJENClCKYJ, J.: Bucacke Jevanhelije (paljeograf. opys.) Das 
Evangelium von Bucac (paläogr. Beschreibung.) Mitteil. d. Sevcenko-Ges. 
in Lemberg 1911. Bd. 105. S. 5—17. Mit e. Facs. [199 

Budapest. KERESZTY, I.: Liszt Ferenc keziratai a Nemzeti muzeumban. 
(F. L.’s Manuskripte im Nationalmuseum.) Magy. Könyvszemle, 19. 1911. 
S. 193-204. % [200 

DzikÖW. VRTEL, St.: Dodatkowy spis rekopisöw biblioteki Dzikowskiej. 
(Ergänzendes Verzeichnis der Hss. der Grfl. Tarnowski’schen Bibliothek 
in Dziköw [Galizien]). Krakow. 1911. 36 S. 8° (S.-A. aus „Przewodnik 
bibliograficzny.) Angez. von E. Kipa in „Na ziemi naszej“ Nr. 20. Lwow. 
1911. [201 

Karlsbürg. SZENTIVÄNYI, R.: Der Codex Aureus von Lorsch, jetzt in 
Gyulafehervär. (Batthyänische Bibliothek in Karlsburg.) Stud. u. Mitt. z. 
Gesch. d. Benediktinerordens N. F. 2. 1912. S. 131—51. [202 

Krakau. CZUBEK, J.: Rekopisy hr. Morstinöw w Krakowie. (Handschriften- 

inventär der Gräfl- Morstin’schen Sammlung in Krakau.) Krakow. 1911* 
S. VII. 21. 8°. [203 





des Bibliothekswesens 


15 


CZUBEK, J.: Rekopisy hr. Morstinöw w Krakowie. Krakow. 1911. Angez. in 
Mitteil. d. Sevcenko-Ges. in Lemberg 1911. Bd. 105. S. 218—219 (J, Kr[ypja- 
kevy]c.) [204 

KUTRZEBA, St.: Catalogus codicum manu scriptorum Musei Principum Czar- 
toryski Cracoviensis. Vol. II. Fasciculus 3. Nr. 1377—1624. Cracoviae. 1911. 
Pag. 193-288. 8°. [205 

Lemberg. SVJENClCKYJ, J.: Rukopysy fvivskych zbirok. Vypusk II. Opys 
rukopysiv Narodnoho Domu z koljekcii Ant. Petrusevyca. C. II. (Ukrainsko- 
ruskyi archiv, t. VI). (Handschriften Lemberger Sammlungen. 2. Teil. Hand¬ 
schriftenbeschreibung des Nationalhauses aus der Sammlung d. Domherrn 
A. Petrusevyc.) U Lvovi 1911. (Naukove Tov. im. Sevcenka.) IX, 294 S. 

[206 

SVJENClCKYJ, J.: Opys rukopysiv Narodnoho Domu z koljekcyi Ant. Petru- 
Sevyca. Castyna II. zladyv. (Handschriftenbeschreibung d. Nationalhauses 
a. d. Petrusevyc-Sammlung. I.) (Ukrai'nsko-ruskyj Archiv. T. VI.) Nakladom 
Naukovoho Tovarystva imeny Sevcenka. U Lvovi 1911. (V—IX, 294 S.) 8°. 

[207 

Marchwacz. ARCHIWUM marchwackie I. II. (Ein kurzgefaßtes Inventar 
der handschriftlichen Sammlungen der Gutsherren von Marchwacz (Königr. 
Polen). Nr. 1—8. Krakow. 1911. „Przewodnik bibliograficzny“. S. 278—279. 
Nr. 9 -33. Ibidem 1912. S. 19-20. [208 

Saskevyc. VOZNJAK, M.: Dvi dribnycky do Charakterystyky M. Saskevyca 
(Zwei kleine Beiträge zur Charakteristik d. M. Saskevic.) Mitteil. d. Sev- 
eenko-Ges. in Lemberg 1911. Bd. 105. S. 165—168. (Üb. d. Handschriftenbeschr. 
aus d. Feder d. M, S.) [209 

Schlackenwert. HORA, E.: Die ehemalige Schlackenwerter Handschrift der 
Hedwigslegende. Mitteil. d. Ver. f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen 1911. 
S. 540-52. [210 

HEVESY, A. de: Le breviaire de Sigismond de Luxembourg. (Wien, Hof¬ 
bibliothek, MS. 1767.) Bulletin de la societe frangaise de reproductions de 
manuscrits ä peintures. 1911. S. 107—15. [211 

TABULAE codicum manu scriptorum praeter graecos et orientales in Biblio- 
theca Palatina Vindobonensi asservatorum. Vol. 11. Series nova. Cod. 1—1600. 
Indices. Vindobonae 1912. A. Hoelder. 8° (III, 78 S.) [212 

WOLKAN, R.: Aus österreichischen Handschriftenkatalogen. Zschr. d. Ö. Ver. 
f. Bibliothw. 1912. S. 14-19. [213 

V. BUCHDRUCK, PAPIER, EINBÄNDE. 

Bednarskyj. KAROL. (Biographie d. verstorb. langjähr. Direktors der Buch¬ 
druckerei d. Sevcenko-Ges. in Lemberg.) Chronika Nauk. Tovar. im. Sev¬ 
cenka. 1911. Nr. 46. S. 19—20 m. e. Postd. [214 

COLLIJN I. Der Drucker des Turrecremata in Krakau—Caspar Hochfelder. 

Zentralbl. f. Bibliothw. 1912. 159—61. [215 

CONEV, B.: Opys na rukopisite i staropecatnite knigi na Narodnata Biblio- 
theka v Sofija. (Beschr. v. Handschriften u. Altdrucken der Nationalbibliothek 
in Sofija.) Sofija 1910. Angez. in: Mitteil. d. Sevcenko—Ges. in Lemberg 
1911, I. 105. S. 225. (J. Svjencickyj.) [216 







Österreichische und ungarische Bibliographie 


IG 


HECHTER, M.: Ukrainske zyttje v 1911. r. (Ukrainisches Leben im J. 191L) 
Literat, naukow. Yistnyk 1912. Bd. 57, I. S. 170—191; III. S. 563—575. (Übei 
d. Ukr. Preße, Ukr. Verlagsgesellschaften, Volksbildungsvereine, Volks¬ 
bibliotheken, Buchhandlungen und Büchervertrieb. [217 

QULYÄS, P.: Aus dem Wanderbuch eines ungarischen Buchbindergesellen. 
(1660-62.) Zentralbl. f. Bibliothw. 1912. S. 122-23. [218 

JEQYZEK a m. k. Tudomänyegyetemi nyomda igazgatösägänäl keszletben 
tartott tan- es vezerkönyvek, tudomänyos es egyeb müvek, tanszerek, 
tantervek, utasitäsok, szabälyrendeletek es nyomtatvänyokröl. (Verzeichnis 
der bei der Direktion der kgl. ung. Universitätsdruckerei vorrätigen Lehr¬ 
bücher und Leitfäden, wissenschaftlicher und anderer Werke, Schulrequisiten, 
Lehrpläne, Anweisungen und Drucksachen.) Budapest: Egyetemi ny. 1911. 
(36 S.) [219 

1VÄNYI, B.: Az iräs es a könyvek Eperjesen a 15—16. szäzadban. (Die Schrift 
und das Buchwesen in Eperjes im 15—16. Jahrhundert.) Magy. Könyvszemle, 
1911. S. 132—46, 215-26, 301 - 18. [220 

KÖNYVNYOMDÄK, A hazai, az 1910. evben. (Die vaterländischen Buch¬ 
druckereien i. J. 1910.) 1911. (22 S.) Beil. 1. z. Magy. Könyvszemle, 19. [221 

LOUBIER, J.: Bucheinbände der k. k. Hofbibliothek in Wien. Kunst u. Kunst¬ 
handwerk 1912. S. 51—62. [222 

REICHMANN, J.: Kräsnä kniha. (Das schöne Buch.) Prazskä lidovä revue 
VII, 1911, S. 161-3. [223 

RÖ2YCKI, K. v.: Die Inkunabeln des Druckers des Turrecremata in Krakau. 
München 1911. K. Kuhn. 4° (49 S, 3 Taf.) [224 

SCHINNERER, J.: Einige Bucheinbände des 15. Jahrhunderts aus der Samm¬ 
lung Becher. Arch. f. Buchgewerbe 1912. S. 57—59. [225 

SCHLEIMER, H.: Zur Frage der Wiegendruckinventarisierung in Österreich. 
Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1912. S. 10-14. [226 

SCHLEIMER, H.: Die Inventarisierung der Wiegendrucke in der Steiermark. 
Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 197-99. [227 

SPYS, Novyj, dramatycnych socynenij izdannych. (Neues Verzeichnis des 
Verlages d. Bilous.) Pecatneju M. Bilousa v Kolomyi. Kolomyja, 1911. ([I], 
3-16 S.) 16°. [228 

SNITKO, A.: Opisanie rukopisej i staropecatnych knig v Sluckom (Minskoj 
gub.) Trojcanskom monanstyre. (Beschreibung von Handschriften und Alt¬ 
drucken im Slucker Kloster.) Jzvestija otd. russ. jaz. i. slov. 1911. Bd. XVI. 
Heft 1. S. 210—231. Angez. in: Mitteil. d. Sevcenko-Ges. in Lemberg 1911, 
Bd. 105, S. 219 (J. Kr[ypjakevy]c). [229 

SRIBNYJ, F.: Studii nad organizacijeju Fvivskoi Stavropigii vid kincja XVI do 
polovyny XVII st. I—II. (Studien über die Organisation der Lemberger 
Stauropigialbrüderschaft vom Ende d. XVI. bis z. Hälfte d. XVII. Jahr¬ 
hundert.) Mitteil. d. Sevcenko-Ges. in Lemberg 1911. Bd. 106, S. 25—40. [230 

SZTRIPSZKY H.: A hazai rutenek legregibb nyomtatvänyai. (Die ältesten 
Drucksachen der vaterländischen Ruthenen.) Magy. Könyvszemle, 19. 1911* 
S. H7-3L 243- 62. [231 




des Bibliothekswesens 


17 


VI. BUCHHANDfiL. 

ADRESSBUCH f. d. Buch-, Kunst- und Musikalienhandel der österr.-Ungar. 
Monarchie. Hg. v. M., Perles. 46. Jg. 1911 — 12. Wien 1911 M. Perles. 8 ° 
(XV. 472 S.). [232 

AUFHEBUNG des Buchhändler-Rabbattes. Zsch. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1912 
_ S. 27-28. [233 

{BEWEGUNG, Buchhändlerische, bei den Ruthenen in Kanada]. Kanad. Farmer 
1912. Nr. 1 . - , [234 

BUCHHÄNDLER-KORRESPONDENZ, Österr. Ungar. Wien 1912. Verein d. 

österr.-ungar. Buchhändler. 4°. Jährl. 52 Nr. [235 

CESTINA Knihkupeckä. (Das Buchhändler-Böhmisch). Knihkupecky ozuamovatel 
XVIII, 1911. Nr. 37. [236 

GROLIG, M. Antiquariatskataloge und Bücherauktionen im Jahre 1911. Zschr. 

d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 1911. S. 230-32. [237 

JUBILEUMA, Egy viläghirü könyvkiadö ceg szäzeves. (Hundertjähriges Ju¬ 
biläum einer weltbekannten Verlagsfirma [Teubner]. Von — a— —o—.) 
Magy. Nyomdäszat, 24. 1911. S. 105—6. [238 

KATALOG „Biblioteki powszechnej^ oraz innych wydawnictw W. Zucker- 
kandla w Zloczowie styczen-marzec 1911. Nr. 1—820. (Katalog der Publi¬ 
kation „Biblioteka powszechna ' 1 und anderer Publikationen, von W. Zucker¬ 
kandel in Zloczöw Januar—März 1911. Nr. 1—820.)Zloczöw. 1911. 32S. 16°.[239 
KATALOG teatröw amatorskich, Nowy naklad uzupelniony .... dostarcza 
Ksiqgarnia Polska B. Polonieckiego we Lwowie. (Katalog für Liebhaber¬ 
theater. Neue ergänzte Auflage .... liefert die Polnische Buchhandlung 
von Poloniecki in Lemberg.) Lwow. 1911. [240 

KATALOG wydawnictw polskiego Towarzystwa pedagogicznego we Lwowie 
na r. 1911. (Verlagskatalog der poln. Pädagogischen Gesellschaft in Lemberg 
für 1911.) Lemberg-Krakau-Warschau 1911. S. 25. [241 

KATALOG wydawnictw Towarzystwa nauczycieli szköl wyzszych we Lwowie. 
maj 1911. (Verlagskatalog des Vereins der Mittelschullehrer in Lemberg) 
[Maj 1911]. Lemberg. 1911. 8 S. 8 n . [242 

KENDE F.: A francia könyvkereskedelem. (Der französische Buchhandel.) 
Corvina, 34. 1911. S. 166—68. [243 

OTTO Jan sedmdesätnikem! (J. Otto, Verleger, ein Siebzigjähriger!) Knih¬ 
kupecky oznamovatel XVIII, 1911. Nr. 37. [244 

ROZPOWSJUDNENJE ni'meckoi' knyzky za hranycjamy Ni’meccyny. (Ver¬ 
breitung d. deutschen Bücher außer den Grenzen Deutschlands). NedHja 
1912. Nr. 4. S. 8 . [245 

UKRAINSTVO na vystavkach. (Ukrainentum in den Ausstellungen). Rada 
1911. Nr. 205. (Uber die Buchhändler-Ausstellungen). [246 

VERLAGS-VERZEICHNIS, vollständiges von A. Pichlers Witwe & Sohn. 
Wien 1911. [247 

VH. ZEITUNGSWESEN. 

DOROSENKO V.: UkrainSka presa. Podav V. D.—, zavidatel bibliograficnoho 
Bjura Naukovoho Tov-a im. Sevcenka. (Bibliographie der ukrainischen 
Presse für d. J. 1911). Kaljendar Tov. „Prosvita“ na 1912. r. S. 60—64. [248 





18 


Österreich, u. Ungar. Bibliographie des Bibliothekswesens 


NEMO: Pro organizacyju provincionafnoi presy. (Über die Organisierung 
der Provinzialpresse). Dilo 1911. Nr. 285. [251 

O., 0.: See pro provincionafnu presu. (Holos z Lemkivscynyl (Nochmals 
über die Provinzialpresse). Dilo 1912. Nr. 4. [252 

POST-ZEITUNGSLISTE, Österreichische, I. f. d. Jahr 1912, enth. die im In¬ 
lande erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften. Wien 1912. Waldheim Toi. 
(160 S.) [253 

PRESA, Ukrainso-ruska. (Die ukrainische Presse. Bibliographie d. ukr. Presse). 

Kaljendar Tov. „Prosvita“ na 1911 r. S. 76—79. [254 

SAJTO, A hazai idöszaki. 1—2. Hirlapirodalom. Magyar nyelvü es nem magyar 
nyelvü. 3. Folyöiratok. Függ.: A magyar nyelvü hirlapok es folyöiratok 
statisztikäa. (Die vaterländische periodische Presse. 1—2. Zeitungen. Sn 
ungarischer und nicht ungarischer Sprache zsgest. v. I. Kereszty. 3. Zeit¬ 
schriften zsgest. v. V. Fitos. Anh.: Statistik der Zeitungen und Zeitschriften 
in ungarischer Sprache zsgest. nach J. Szinnyei Sen.) 1911. (91 S.) Beil- 
2. z. Magy. Könyvszemle, 19. [255 

STANISZEWSKI W.: Bibliografia „Gazety Lwowskiej“. (Bibliographie der 
„Lemberger Zeitung“). S. 49—160, Lwow. „Przewodnik naukowy“ Bd. 39, 
1911. Heft 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12 [256 

WOLKAN, R.: Eine Zeitungsbibliothek in Wien. Zschr. d. Ö. Ver. f. Bibliothw. 

1911. S. 182 — 84; dazu Frankfurter ebd. S. 237. [257 

„WYKAZ prasy polskiej.“ (Verzeichnis der polnischen Presse). Aufruf der 
Redaktion des Unternehmens um Einsendung entsprechender Nachrichten). 
Krakow. 1911. „Przewodnik“ bibliograficczny S. 308. [258 







Österreichische und ungarische Bibliographie des Bibüoihekswesens. 


Register 1911—1912. 

Anderle, J. 98 

Hora, E. 210 

Barcza, 1. 37 

Horvath, I. 50, 51 

Barth, H. 162 

Jäger, G. 52 

Barwinski, E. 12 

Jaworski, F. 171, 172 

Baumfeld, M. 147 

Ivänyi, B. 220 

Baumhackl, F. 71 

Kaposi, J. 54 

Bishop, W. W. 145 

Kende, F. 243 

Bornemisa, S .18 

Kereszty, I. 200 

Brückner, A. 13 

Knapp, J. 88 

Bur acta, T. 19 

Kolodziejczyk, E. 15 

Cajkovskyj, M. 21 

Kopera, F. 173 

Chapot, V. 152 

Kolula, R. 160 

Collijn, I. 215 

Krahl, E. 102 

Conev, B. 216 

1 Kreveckyj, J. 77 

Czubek, J. 203, 204 

j Krystofowicz, K. 16 

Dorosenko', V. 22, 23, 248 

Kukula, R. 67, 85 

Danneberg 65 

Kutrzeba, S. 205 

Doublier, 0. 94 

Ruziela, Z. 29 

Eichler, F. 154 

Lagerqvist, H. E. 159 

Ernmert, B. 8, 10, 11, 35, 36 

Lempicki, S. 17 

Fechtner, E. 97 

Levyckyj, J. E. 30 

Fick, R. 149 

Loesche, G. 7 

Fischer, W. 72 

Loubier, J. 222 

Flach, J. 169, 170 

Madsen, V. 148 

Frankfurter, S. 86, 257 

Mangold, L. 56, 57 

Fracknöi, V. 40 

Mankowski, B. 83 

Gärdonyi, A. 41 

Martell, P. 68 

Gerevich, T. 157 

Mencik, F. 89 

Gero, J. 42 

Micori, P. 69, 73 

Glauning, 0. 150 

Milkowski, Z. 174—176 

Gottlieb, T. 99 

Nemo 251 

Grolig, M. 66, 237 

Ozorai, F. 58 

Gugenbauer, G. 81 

Petrik, G. 59 

Gulyas, P. 43, 105, 146, 218 

Reichmann, J. 223 

Györy, T. 44 

Röttinger, H. 90 

Flavaß, R. 45 

Romul 31 

Ilechter, M. 217 

Rosenfeld, E. 16 

Heinlein^ I. 46 

Rözycki, K. v. 224 

Helleb rant, A. 47, 48, 49 

Rutowski, T. 180 

Hevesy, A. de 211 

Schiffmann, K- 80, 82 

Hoeffler, H. 151 

Schinnerer, J. 225 

Höfkeri, R. v. 100 

Schleimer, H. 226, 227 








I 




20 Österr. u. urig. Bibliographie d. 


Schock, J. 103 

Simonyi, S. 121 

Skalsky, G. A. 7 

Snitko, A. 229 

Sokolnicki, M. 181—183 

Spectator, 91 

Sribny, F. 220 

Staniszewski, W. 256 

Sumcov, N. 32, 33 

Svjencickyj, J. 199, 206, 207 

Sysmanov-Drahomanova, L. 34 

Szabö, E. 123, 124 

Szentivänyi, R. 202 

Szpotanski, St. 189 

Sztripszky, H. 231 


Bibliothehsw. Register 1911 — 1912. 


Tobolka, Z. V. 9 
Tofan, G. 20 
Urbanski, B. 190 
Varrö, I. 61 
Viola, O. 156 
Volf, J. 70 
Voznjak, M. 209 
| Vrtel, S. 201 
Wachstein, B. 93 
Wasilewski, Z. 191—193 
Wharton, L. C. 153 
Wolter, E. 158 
Wolkan, R. 213, 257 
Zeromski, St. 196 
Zivny, J. 155. 


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